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Full text of "Geschichte der poetischen National-literatur der Hebräer"

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orbentti^cm !Profe|fot bei mor^enlänbif^en 6)?ra^eii unb Sitetatuten an bet Unitoetfltät |tt 
Sübtnften , Sn^abet bet Jtoni^I. $reu§tf<^en ^otbrnen 9Rrbai1Ie fitt SBif enfibttft . btc ®to| • 
9er|ogl. 6(i<^fcii ' SBeimot. ^olbenen lBetbienft'3Rebaiae, aRit^Uebt bet Setlinif^en OefeQf^afi 

füt beutf^e 6|)ra4t u. f. to. 



1856. 



fDet ^etfapet Ui)hU f!^ ba0 fftt^t ber Öbetfelung in ftembe (S^radjien \^or^ 



^ X X t ^ t 

/Die 9(ufgabe/ bet idi in bet t)otUegent)en ^(tbeit mid^ untetsogen 
f)aU, ifl anerfannterma^en fc^on lange eine bilngenbe ^orberung ber 
993t^enf(^aft, ol^ne bap bi6 ie^t auc^ nur ber 93erfu(^ gemacht v^äxt, {ie 
ju (Öfen* 9Ran ifibarfibet einig, ba^ bie fogenannte altteftament« 
lic^e Einleitung bid auf be SBette'd itJ)xb\\^ fftxab nic^td anbetd 
fei/ a(d eine unorgantfc^e/ n)i0fürll(^e Siuf^&ufung gelel^rtec Stotijen, 
bie eined toal^ren n)if enf(^aftU(I}en $cinci))d unb eined notmenbigen 3u« 
fammen^angd entbel^ren« ^an f)at ferner ganj rld^tig gefe^n , baf an 
bie®teQe bed unHaren^ unbefiimmten Segriffd einer (Stnieitung t)ie(» 
ntel^r ber einer Siteraturgef(^{(^te bed alten Sieflamented treten 
snufe unb.baf hiermit erfl bie mirfUc^e ^lufgabe, bie notn)enbige Se< 
grdnjung fon)ie bie ein)ig rid^tige genetifd)e SDtet^obe für unfere SSBifen* 
f(^aft gegeben fei* Sldein n)ie n)enig f(ar unb fonfequent 1)at man felb^ 
biefen beßimmten Segriff einer biblifd^en Siteraturgef(^i(^te bldl^er no<S) 
gefaßt ! 

3un(i(^fl l^at man beim neuen Siefiamente einen beflern Sfieg ein« 
gefd^Iagen, um bie fc^wanfenbe Einleitung ju einer ^t)irf(i(^en l^ifiori« 
fc^en SQBifenf(^aft um)ub{(bem (SBgL (Sr ebner, Einleitung ind 9t. Z. 
1836 unb befonberö E. «euf , ®€fc^i(6te ber i^eil. ©(^rlften 9?* Z^. 
1842). »Dein bem jirengeren Segriff einer 8iteraturgef(l^i(i&te, »ie er bei 
ben @(^riftbenfma(en anberer Sölfer (&ng{} )u allgemeiner ®e(tung unb 
änwenbung gefommen, entfprec^enbiefe Bearbeitungen hur anuÄl^erungö« 
n)eife* 9}amentlid^ enthalten fte no^ \>M Srembartigea, Unorganifc^ed/ 
SBiafurlid^ed/ xoa^ ftc^ burd^ bloßed «^erfommen ald gelel^rted 3J2atertal 
an bie biblifc^e Einleitung angel^dngt ^at* 

©peciefler gel^ort l^lel^er eine f leine ©d^rift t)on ^u^)felb: «.Über 
Scgrif unb älletI)obe ber fogenannten biblifc^en Einleitung , "^ 1844. 



5)er 93erf» nimmt barfn baö t)on SReup oufgefleHte gefc^id^tlid^e ^Princip 
ofö feine Sntberfung in Slnfpruc^, inbem er "oon je^er bie (Einleitung 
unter bem 5Ramen einer l)iblifcl)en Siteraturgef(l)ic^te üorgetrogen f)aU. 
Sineln bieß ^Princip ifi nid)t fo neu» Sereitö SRid&arbSlmon fc^rieb 
1678 eine Wtifc^e ©efc^ic^te beö 81. JEö. ßbenfo ein gewiper ©c^mibt 
1804 eine fritifc^e ®efct)i^te beö Sff. %^. !Die ^auj)tfad)e ifi bie 8Iu6. 
fül^rung, bie Se^anbtung, bie SRealifirung biefeö 5ßrinci|)5* 3)er 
Umriß ober, ben^^upfelb baüon gegeben, entfpric^t — troft mancher 
t)ortreffIi(J&en SBemerfung, namentlid^ über ben allgemein menf^lic^en 
©tanbpunft biefer SBipenfd)aft — einer tt)irfli(^en Siteraturgefc^ic^jte 
to(S) ebenfalls no(^ fel^r n)enig. iDaju ifl bie Slnorbnung princi|)lo0, 
unlogifc^ unb ungefc^i^tlic^* ?lbgefe^en boDon, bop atteö unb neued 
S^efiament fel^r pörenb burd^einanber geworfen werben, fo tbeilt i&u|)fetb 
bie ©efc^ic^te beö 81. Z. wie be SBette unb Slnbere in eine allgemeine 
unb befunbere, unb be^onbelt j. S. in ber erften Slbt^eifung fc^on bie 
®ef^i(^te bed Äanonö, bie Sammlung ber biblif^en S5ü<^er, betjor 
nod) bie einjelnen SBüc^er felbfi jur ©pra^e gefommen finb. 

Sluf-ben er fi en, allgemeinen Sl^eil, ber bie ©runblage be^ ®anjen 
entl^alten muß, unb ber bie Äultur, ben SBilbung^gang ber »^ebrder, il^rc 
Sprache, Sd^rift unb ©d^riftfiellerei im 8lllgemeinen be^anbelt, müßte 
fogleic^ ald {Weiter S^l^eil bie ®ef(^id}te ber einjelnen literarifc^en 
5ßrobufte nac^ \\)xm ®attungen folgen, ^ieran fonnte ft(^ bann aW 
«n^ang ein britter S^ell fdjließen, welcher barjufieKen l^atte, wie 
blefe Siteratur ju einem autoriftrten Äanon, ju einer ^eiligen 5RationaU 
blbliotl^ef tjereinigt worben, alfo eine ®efc^id)te beö Äanonö, feiner aU^ 
md^ligen ©ntfiel^ung unb gefijiellung. ©o würbe biefer gewaltige Stoff 
»enigfien« eine Äußere, gefd)i(!^tlid)e (Sinl^eit, eine d^ronologifc^e STuf» 
elnanberfolge gewinnen, auc^ wenn noc^ eine ®ef^i(^te ber Sluölegun» 
gen unb Überfe^ungen ber Sibel unb noci^ weiter eine IDarfiellung ber 
jeftlgen ®runbfafee ber biblif(^en Äritif unb ^ermeneutif l^injugefügt 
werben follte» 

Slllein wa6 l^aben alle biefe !Dinge mit einer alttefiamentlld^en Site« 
raturgef^ic^tc ju fc^affen? SBer wirb bo(^ a* 33» iti einer ®ef(^ic^te ber 
grie(^if^en Siteratur jugleic^ eine t)oajiänbige ®ef(^i(^te beö ZtxM unb 



aSortebe. v 

ber fr{t{fd)en Seatbeitungen aller Xla\[iUx, eine ©ef^ic^te if)xtx ^anb« 
((Reiften unb !Dru(fe, i^rei (Srflclrungen itnb Uberfe^ungen^ ober gar eine 
®ef(t)ic^te bed griec^if^en ©prac^ftubium^ fachen? 9{iemanb bürfte 
fold^en gelehrten SaQafi einer anbern Siternturgefc^ic^te aufbärben^ o^ne 
fofort ber clrgflen Segriff^t^crmirrung bejuc^tigt )u U)erben, toit mnxt 
3emanb ba^ geben 3efu befc^rtebe unb nun aUed SrnM theinte/ bie 
gan}e ^rifiUc^e <ftir(^engefc^i<^te bilbe einen mefentlic^en £(;ei( jener 
Siograp^ie. 

2)ie 2iteraturgefd)i(^te f)at ))or Mcvx ben Urfprung, bie @ntn)i(f« 
(ung unb ®ej!a(tung ber geifiigen Silbung / n>ie fte in ben @(^riftbenf« 
ntalen ber SSölfer ftd) ausgeprägt l)at, bar}u{}enen* Siteraturgefc^ic^te i{l 
bal^er n)efenfli(() .SuUurgefc^ic^te, nid^t eixoa antiquarifci^e ober bib(iot^e> 
larifc^e Sfic^erfunbe» (Sie f)at eö mit ber ©efammtbilbung , mit 3t)een, 
mit ber lebenbigen ©eiMtl^^tigfeit ju tl^uU/ unb fann beS^alb obne 
md\iü)t auf bie poUtifc^e, retigiofe unb ftttlic^e Sitbung eined Solfed 
ni(^t begriffen unb nid)t organifc^ entkoidelt werben* 

3ug(eic^ fann man bie Siteratur eines einjelnen SSolfeS ni(^t ge* 
f(^i(!^t(i(^ barfteKen unb wurbigen ol^ne äiäcfftd^t auf baS gro^e ®an)e/ 
o^ne bie 9ia(()n)eifung, koelc^e Stellung ein 93oIf in ber ©efammtfuUur 
ber ÜRenfc^^eit einnimmt* 

2)ie[e ^ö^ere 9(uffa^ung ber 2iteraturgef(l)i(i^te l^at fi(^ (ängft Sal^n 
gebrod}en. 9{ament(i(^ fonnen bie Literaturen ber a I ten Sotfer für ft(^ 
aHein nic^t t)erjianben tperben* ®ie finb toefentlic^ Srjeugniffe beS 8e« 
benS, ber ganjen, unget^eilten ÜRenfc^ennatur. $(6gelöf} t)on bem 
@ange ber @taatSgefc^id}te/ t)on ber nationalen^ politifc^en unb religio* 
fen (Snttoidlung, mä^te beS^alb bie Literatur ber «^ebrder fo gut toie bie 
ber ®ried)en unb ätomer ein jufammenl^angSIofeS €tü(fn)erf bleiben^ 
fowie anbrerfeits a\i6i bie politifd}e ®cfc^id^te o^ne 93erucfti(^ttgung ber 
Literaturen (eic^t )u einer äupern, geifllofen 3ufammenf}eQung t)on S^^at« 
fachen l^erabfinfen toürbe. 

»^iernac^ bifbet ben tt>irHid)en g(^Iup ber ^ebräifci^en 8fteratur* 
gef(^id}te bie 3ibfd)Iiepung unb @anftionirung beS alttefiqmentHc^^en 
ÄanonS , inbem gerabe l^ierin ein d)arafteriftif(i^ed 3^"9^ii^ bafür liegt, 
baf eine neue3^it begonnen, unb bap jiener rein nationalen, ^eiligen 



VI ' aSorrebe. 

Siteratut bereit eine audUnbifc^ ^t^&xbU, 'oon einem andern ®ei{l 6e« 
feelte, bie für profan unb apoti\)pJ)\\ij^) galt, gegenüber fianb* !Dem 
8iterarl&ifiorifet genfigt biefe einfache JEl^atfad^e. ^6) f)ahe be^l^alb biefe 
©efc^id^te beflimmter aW ©efc^ic^te "ber ]^ebräif(^en Station al*8itera* 
tur bejeid^net/ nid^t blo^, n>et( fte ber Slu^brud ber ®efammtfu(tur bed 
SSoIfe^ifl, fonbernau^/ timbamit anjübeuten, ba^ fte nur fo tDeit 
ge^t, ald bad ©eifiedleben ber Station ftc^ eigentl^ämltc^ unb felbßdubig 
entwirfelte, b* i^ biö jur aSoHenbung ber jeftigen fanonifc^en Sammlung^ 
2)ie genauere 9{a(^n>etfung über ben l^iflortfc^en unb bogmattfd^en Se« 
griff bed Äanonö, über feine aUmäl^Iige gefifiellung bei 3uben unb (SJ)xu 
{)en gel^5rt in bie l^ißorifd^e Sl^eologie unb fann tl^eitö in ber biblifci^en 
Sl^eofogie; t^eild in ber Stpologetif unb 3)ogmatif abge^anbeft toerben* 

Sbenfo ifi t)on ber l^ebrfiifc^en 8iteraturgefc^id^te auöjtifc^liepen bie 
ganje ®ef(^ict)te, tDelc^e ber fertige Äanon att ein ©c^riftweff bur^« 
laufen l^at, bie ))aI&ograp^if(^e ©efc^id^te bed 91. Z., bie ©efc^ic^te ber 
aSeränberungen unb fritifc^en SBearbeltungen beö @runbtejcte6 , bie ®e* 
fd^ic^te ber ^anbfc^riften unb ber gebrurften Sibelauögaben, ber l^ebräi* 
fd^en ®rammatif unb ?iirifograpl^ie, ber aften unb neuen^ Überfejungen 
fott>ie ber rabbinifc^en unb (^riftlic^en .Kommentare, unb noc^ ent|d)iebe« 
ner eine ®efc^i<^te beö firc^Uci^en ®ebraucl^ö, ben man fotool^I üon bem 
®runbtexte, al6 aud) t)on ben Überfe^ungen gemacht* fBa^ ba))on l^ie« 
l^er gehört, iji in ben einleitenben SSorbemerfungen ober fonfi gelegentlich 
ertofil^nt« 

!Die 9?uftlic^feit unb SJotwenbigfeit biefe« l^ifiorifc^en SKaterial« ju 
einem tt>ipenfc^)afttict)en SBerPdnbniö ber Sibel foH gewip nic^t geläugnet 
»erben* 9?ur l^anbte man 3ebe6 am redeten Drte ab. 3m Stttgemeinen 
gel^ören biefe gel^rjweige in eine ®ef(^ic^te ber alttePament(id)en ?P^i{o* 
logie unb gregefe* ©njelneö, wie bie ®efc^i(^te ber l^ebräift^en Sprad^« 
forfc^ung , ifl aui) in bie ®rammatit ju t)ertt)eifen. (Sbenfo bie ©rotte* 
rungen über baö maforetifd&e $unftationö^ Softem. 3)er praftift^en 
®ebeutung tt)egen ppege id) jeboc^ in meinen afabemif(^en SBorlefungen 



faßetii; bann toeitet «nma^Iig unedjte, ni^t mftjimte, anä) too^I fe^enfcä^e @*rlften 
im ®egenfa^ ju ben fanonif^en. 



biefe ©egenßAnbe in einem befonbern ^nf^m^t m 8iteraturgef^{<^te 
t)or)utragen; «^ier iebo^, m li) eine n^iiflic^e @ef(^i<^te bei IfebrAifc^en 
9tatx0nalüUxai\\x ju geben fu^e, mö^te i(^ bad ®ebiet rein f)ülUn, e0 
fc^aif abgr&njen unb aOea dufidige baraud entfernen / um f o )ug(ei(^ 
bie erl^ebenbe (Stimmung/ mlc^e 3eber aud ber nd^ern Betrachtung 
biefer!Den{maIef tropfen wirb/ nic^t burc^ nüchterne«/ gelel^rted So<^' 
tt>erf n)ieber }u bimpfen unb ab}ufu^(en. SEBem einmal ber Sinn ffir 
ba^ todfiu Seben unb SBeben biefer l^eiligen Literatur aufgegangen ifi/ 
ber U)irb ftc^ leicht an6) bed nötigen SRateriald bem&c^tigen» Süperbem 
iinb biefe ©egenßdnbe — bie für [lij etn>ad $I6f}openbea unb Sibtobten« 
bed I)aben — bereite t)on früheren ©ele^rten mit fo t»iel SBorliebe unb 
®cunb(i<i^feit/ ja gen)ifermapen atö bie ^auptfai^e ber biblifc^en Sin« 
leitung bel^anbelt it)orben/ bap l^ier am erfien auf bie bid^erigen Searbei^ 
tungen berfelben verliefen n)erben fann. 

3^ l^abe aud ber ganjen Siteratur ber «^ebr&er )unA(^{l nur einen 
einzelnen 3^^ifl — unfireitig ben »id^tigjien — bie ®ef(^i<^te ber l^e* 
br/lifc^en iDidbtung, j^erau^ge^obeu/ um {te in il^rer fortgel^enben @nt« 
tt>i(f (ung }u t)ecfolgen / n)obei ic^ natürlid^ ben 3w^ig nie ol^ne ben gan« 
im @tamm unb beffen SBurjeln im 9(uge l^aben burfte* — Siib nun 
man(i^er Sefer nac^ bem ))or]^er S3einerften l^ier 9Ranc^e6 t)ermif[en/ n)a0 
bie bi6^erigen @in(eitungen enthielten / f o wirb er bagegen and) 93ie(ed 
finbeU/ wad er in einer ®ef(f)ic^te ber ^ebräif(^en $oeiie wol^I nid^t )oerc 
mutete» 2)abin gel()ören ). S3. bie Unterfuc^ungen über bie l()ebrdifc^en 
* SSoIf^fageu/ bie @rf(drungen rein reltgiöfer SSorfieOungen unb Snbere^/ 
woburc^ bie Siteraturgef^i($te ftc^ an bie biblifc^e S^eologie anlehnt. 
SBielleic^t wirb f ogar^ SRanci^er ed tabelu/ bap ic^ ben $ropl^eten einen 
$Ia^ neben ben $oeten angewiefen l^abc. 3nbe6 foQ bie IDatfieQung 
felbfi —•' wie ic^ ^offe — bieg wie afleö Übrige / wa6 l^ier befproc^en 
worbeu/ i^inianglic^ rechtfertigen. 

IDer Sefer/ ber meine Slrbeit gerecht beurtl^ei(en wiO/ mup uberaU 
ba0 ®an)e im $(uge bel^alten unb'babei ben l^o^eren Segriff einer 
8iteraturgef^i(^te/ bie nickte weniget/ a(d eine blofe SBibliograpl^ie i% 
)um SRaf fiabe bet ^ritif nel^men unb jugteic^ bebenfen / bap meine Sfr» 
beit nur ein erfier 95erfu^ ber ?lrt ift* S)abei waren l&ier ©^wietig«. 



VIII aSorrebf. 

feiten ju fiBeminben, »ie jie efnc anbete SUerotur gar ni<^t, ober bo^ 
nid^t in bem 9»afe fcnnt. 3cl& fonnte nfd)t fofott baö l^ijlorifd^e dnU 
fiel^en biefer !Dt(^tungen aud bem geben unb ber ®ef(^i(^te bed SSoIfed 
nod)tt>effen — »aö allein fcfton eine fc^were Slufgabe gewefen tt)fire — 
fonbern mußte nur ju oft fritlfc^ unb eregetifc^ t?erfal;ren unb mir baÄ 
Sttijt erft erringen , biep ober iene6 @tu(f einer beflimmten ßdt ju)u« 
((^reiben. 

SBiefc^wierig.unb f(^tt)anfenb in bfefer ^fnfic^t eine Äonjiruftion 
ber l^ebräif^en Literatur ifi, weif 3eber, ber fK^ ndfier bamit befc^dftigt 
l^at^ 9?oc^ »^erber, ber für baö ^)oetifc^e 93er|idnbni« ben feinden 
@inn f^attt unb bal^nbrec^enb baffir noitfte^ war bod) aber bie gef(^t(^t« 
lic^e Sntwicftung biefer 5ßoefte, über ben Unterfc^ieb berß^ii^n, t)oll* 
fommen im Unflaren» Unb wie fel^r weichen bie fritlf^en Slnfici^ten ber 
erßen S<>^f<%^^ ^^ fieutige^ Saged t)on einanber ab ! ®runb genug, 
um ju ber Überjeugung )u gelangen > wie fd^lupfrig unb unfid^er bief 
ganje Oebiet uberl^aupt noc^ ifi. — 3<^ i^abe nad^ Äräften gejlrebt, ben 
9{atur))roceß, ben organi[(^ « gef(^{(^lid^en (Sntwid lung^gang ber ^ebrii« 
fd^en 2>i(^tungen wleber ju erfennen unb aud ben fonfreten Sebenö» 
»erifl&ftniffen jeber ^e\t ju erfWren. 3e befiimmter unb fonfreter id^ mir 
Silier vergegenwärtigte/ um fo Harer glaubte ic^ enblic^ in allen , ^aud^ 
ben fc^einbar regellofeflen äiic^tungen bed l^ebrdifd^en 9}olf6geif}e6 ein 
naturnotwenbiged @efe^ ber Sntwidlung )u erblidfen, unb war bemül^t, 
baffelbe fowol^l bei einjelnen (Srfc^einungen, ald aud) bei ber S^arafte« 
rif^if ganjer ^ecioben ]^ert)or}ul^eben» @^ ifi biep bie eine ®eite meiner 
$(rbeit. 

3(^ mußte ferner bie l^ebräifc^en Did^tungen felbfi genau anal^* 
jtren, entwidfeln unb auc^ äfil^etifc^ beurtl^eiten> So viel in biefer 
SBejiebung ber Sngldnber Sowtl^ (in feinen SSorlefungen ,,De sacra 
poesi Hebraeorum , ' * 1753, fo Wie in feiner Überfeftung be6 3efaja) 
unb bei un6 namentlid^ »^erber G9Som ®eip ber ebrdifc^en 5ßoefte,* 
1782— 83) äu(^ geteifiet, fo ijl böc^ bie innere, ^Joetifc^e «uffaßung ber 
l^ebrdifd^en fc^onen Siterafur feinedweg6 mit ben grammatifd^ « fritifc^en 
Srrungenfc^aften ber neueren ^tit gleichmäßig fortgefc^ritten» 3m ®e^ 
gent^eil jeigt ftd^ — wie ^upfelb richtig l^ert?orl^ebt — gerabe bei ben 



SSorrebe. ix 

audgeseid^netßen gad^mAnnern bet (St^mtoaxt «ein bebeutenber aRongel 
an gefunbem ®ef(^mad/ nnb nur tDentge^ tt>{e Umhxtlt, f^abtn ttxoat 
t>on ^erber^ ®ei^e uberfommen. 3nbed ol^ne eigne bic^tetifd^e 9e< 
gabung, ol^ne (ebenbige/ prbbuftit^e $^antafte nnb ol^ne ^o^cre dfi^e« 
tifc^e Silbung wirb man mit aKem 6(^arfjtnn unb aller ©ele^rfamfeit 
einer eckten !Di<l^tung nie beifommen fönnen, am n>enigf)en einer alU 
](>ebrÄifc^en* / 

Um enblic^ ein n)a]^r]^aft (ebend^ooHed anf)>re(l^enbed S3i(b biefec 
Literatur ju entn)erfen/ l^ielt ic^ .e6 für notn)enbig, audful^rli^e $roben 
berfelben miteinju jled)ten , unb l^offe, burd^ bicfe Slnfül^rung ber Duel» 
len, burd^ biefe c^ronoiogifc^ georbnete 9(umen(efe meiner SIrbeit einen 
erl^o^ten SBert unb einen befont>eren Steij gegeben )u l^aben. Sfucb ^er« 
ber fanb eö in bcm angeffil^rten Suc^e für gut, ben (Seiji ber l^ebräifc^en 
$oefte nic^t bloß }u bcfd^reibeU/ fonbern burd^ moglic^f) treue Über« 
fe^ungen }ur n>irf(id}en, unmittelbaren 9(nf4)auung )u bringen* 

(S0 liegt nic^t in meinem $(ane unb iß l^ier audb nic^t ber Ort, 
nad^juweifcn / n)ad ))on ben fcul^fien 3<^iten ap, bid je^t für bie @nt* 
fte^ung einer altteftamenttic^en Siteraturgefc^ic^te ))on 3aben unb (S^ri« 
fien/ )>on ,ffat^oIifen unb ^rotefianten geleitet n)orben. 92ur bie d^araf« 
terif}if(^en ®runbjäge einer fo((^en ®efc^i(i)te mögen l()ier noc^ in ben 
aUgemeinßen Umripen angebeutet n)erben* 

Sei ber admäbügen 9Iu6bi(bung unferer SSSißenfc^aft treten im 
®ropen brel »^auptperioben berfelben ^ert)or: (Srftend/ bie ^eriobe 
ber bogmatifc^en Setra^tung ber SBibel a(d göttlich eingegebener 
Schrift* 6ie reid)t t)on ben ^eittn ber Äirc^entjater beö 2. unb 3. Sal^r* 
l^unbertö biö jum 17. 3al^rl)unbert , bi6 ju ber fiarren ?ludbilbung bc6 
protefiantifc^en Sel^rbegriffÖ. — 

gür bie 3bee einer ?iteraturgef(]^fd)te beö 8t. 3;. iji eö »on n^enig 
Sebeutung/ baß man fd)on frü^ einiget 9)7ateria( ber f))äteren biblif(^en 
6in(eitung {ufammenfieUte* Sogar ber t)ie(beutige 9}ame einer @in> 
leitung, Isagoge, ftnbet jic^ bafür f(^on Ul bem ®rie(l^en $(bria* 
nud (n)al^rf(j^ein(id) im 5. 3al^cl()unbett)* Sßic^tiger iß/ baß im 11* unb 
12* äal^r^unbert bie 3uben in Spanien, burc^ ba^ SBeifpiel ber Sfraber 
angetegt, il^re l^ebr&ifd}e ÜRutterfprac^e toieber grfinbli(^er ju t)erße^en 



X aSorrebe» 

fuc^ten (Äimc^i, «bcn d^xa, ^ax^i), unb baburd^ fpSter bic ScI&rmeifier 
ber Stefonnatoren tpuiben. 2>tefe fpcberten unfre äßipenfc^aft befonberd 
babur^ / baf jte auf ben ©runbtert bed 91. S:* jurfidgiengen unb bie 
atfegorifc^e Sluölegung t^entoarfen» 3m Sltlflcmeine« ober famen ftc — 
troft ntandöer frciftnnfgen Sttfl^jiättbnlffe — über bie Sluffafungöweife 
ber Airc^entdter ti((^t l()tnaud* !Dad ^au))trefuüat biefer ganjen $e* 
riobe befielet eigentlich in ber 3«fanimenflellung beö gelehrten SWateriaW, 
tt>te biep am reid)l^aUtgf}en ber ^at^oUf Sixtus Senensis ())oa @iena) 
in feiner Bibliotheca sancta, 93enebig 1556. foK lieferte» 3w einet 
gefc^id^tli^en @ntn)id(ung bed Urfprungd unb ^nl^alt^ ber Stbel fam 
ed nic^t unb fonnte ed auf biefem ©tanbpunfte^ n)ona(^ bie Sibef^ einen 
ubermenf(l^(i(^en Urfprung ^at, gar nic^t fommen* • !Denn ®ott^ 
bad unbebingte, abfofutc SBefen , baö ewig in jic^ felbfi »oDenbet ifi, 
burc^I&uft feine ©efc^ic^te ; feine (Sntn>icflung, wit ber äRenfd^engeifi» 
@on bie 93ibe( aber gefc^nc^tüc^ bebanbelt/ i^r gefe(Iid)e^ Sterben unb 
SBac^fen a\x6 tDirfüdben Sebeu^t)er]^äItnifTen I()erau6 aufgezeigt unb nac^^ 
fonfiruirt tt)erben, fo ifl bad nur mögli(i^ unter ber SJorauöfe^ung , bag 
jte felbfi in ba^ ©ebiet ber ®ef(^i(^te fdUt unb mithin baö 3iefultat einer 
ganj beflimmten Silbung^periobe iß» 3eber SSerfuc^/ naij bem 2)ogma 
einer me^r ober n)eniger mec^anifc^en^ t)on ©ott allein au^ge^enben . 
3nf))iration ben Urfprung ber biblif(^en SBuc^er }u bebucireU/ beruht auf 
einer feltfamen !3nfonfequeng unb ©elbfitoufc^ung. Slud^ unfern neuem 
offenbarungdgldubigen Sb^otogen, bie gegen bie ßarr bogma« 
tifc^e Sluffapung «^engflenbergd unb ber alten ^irc^e )>roteftiren unb eine 
tt)al^rl^aft gefdbic^tlid^e , organifc^e (Sntn)id(ung / eine lebenbige Siepro« 
buftion ber ®a(^e felbft "ocxlan^tn, fönnen bo(^ n)egen ibred ubermenfc^« 
liefen /bobenlofen ©tanbpunfted ju einer e^t gefc^ic^tUc^en Slnftc^t^ju 
einer genetifc^en 9{eprobuftion ber Sibel nicl^t fommen» iDad alte Sefta« 
ment foQ (^riftlic^ erfldrt toerben; n)ad bem n)tberfpri(^t , ifit an ft(^ 
f(^on falfc^* 2)enn ba6 $rincip bed alten 93unbed fei fein anbere^/ al6 
eben ber @eifi S^rifti, nad) 1 ?ßetri 1, 11. allein wie fann ber ®eifi 
eined @in}elnen jemals ein ^rindp fein? ein $rincip ber SSolf^enttoid« 
hing ! Unb too bleibt bann ber )ei t lic^ e Unterfc^ieb? Unb nad) welcher 
Sogif barf man ben @o^n }um Url^eber be^ 93ater^ machen? ©etoiß/ 



aSortfbe* xi 

bei l^il^ete 6tanb))unft begreift erfi ben nieberen; abtt bet Unterf^ieb 
beiber n>irb babur^ nic^t aufgel^oben. Slufetbem ift ein tt>{fenf(^aft* 
Ii(^e6 Segreifen nid^t Sac^e ber ^Religion, fel6ß ni<l^t ber reinflen^ ber 
ii^riflUc^en« (S^rtftud erf(^ien, aU feine ßdi gefosnmen, al6 bie 9e« 
bingungen fär fein Seben unb Seigren in ber SDIenf^l^eit t)or^anbett 
n>aren. 9Bie nun ber l^iflorifc^e (S^rißud ein lebenbiged ®(ieb bet 
SKenfd^l^eit bllbet, fo no<^ tDeitntel^r ba6 l^ebräif^e SSoIf/ beffen teli« 
giofe Kultur feine naturnotn)enbigen, rein menfc^lid^en SSorau^feftnngen 
l)aUt, an^ benen allein e^ ))erf}anben n>erben fann« Um aber bie ganje 
Kultur unb Literatur ber «^ebrAer gef(^i(^t(i(^ fiaAn^eifen )u fönnen^ 
ntuf man über ben blo^ re(igi5fen @tanb)>un{t ber altteliamentlid^en 
€^riftfiieOec ^inau^gefien ; man mu^ ben SBoben ber SQBipenfdjaft be< 
treten unb ben Urf))rung biefer @(^riftbenfma(e au6 ber @ntn)i(f(ung beö 
menf(^(ic^en Sen)u^tfein6 unb aud ben eigentl()äm(i(j^en nationalen 3u« 
flänben be6 l^ebrdifc^en SBolfeö abjuleiten fuii^en. 

2)en «^o^enpunft erreichte bie a(tfir(^(i(^e bogmatifc^e Sluffafung 
ber bi6lif(^en Literatur in ber Übertreibung unb jiorren girirung beö pro* 
tefiantifd)en 8el()rbegriffö im 17* Sa^r^unbert* 3m fc^arfen ©egenföft 
baju bilbete fic^ ^on je^t an immer aOgemeiner eine rein gefc^i(l)t(ic^e 
Se^anblung ber 93i6el aud. 6^ ifl biep bie )^t)eite $eriobe, bie ber 
freien^ ^ifiorifc^ « fcitifc^en gorfc^ung^ xoelijt bie 9i6e( unb f)>ecie(I bad 
alte 3:ejigment g(eic^ anbern @(^riftn)crfen unb Steiigion^urfunben be6 
SlUertl^um^ Uttai)Ut unb be^anbelt. 6ie ifi gegenn)(irtig a(d bie eigent« 
Ii(^ ^errfc^enbe Siic^tung ju bejeic^nen. 

3)ie Slnfdnge biefer 9li(Jtung fiuben itd^ — »enigfienö in Setreff 
eingelner Sucher -^ fcl)on fe^r frü^. SRamentlic^ erhoben fid^ einige 
gnoftifcfce ^Parteien (j* S.. Salentinu« unb feine Sln^änger) ü6er bie jü- 
bifd^e änfpirationdtl^eorie/ U)elc^e bie £irc^en))&ter fel^r duperlid^ unb 
fritiflo^ aufgenommen l^atten. €obann behauptete (Seif ud^ ber epi« 
furfiif(^e gjf^ilofopb (um 150 nacft Sbr.), bie ©enepö fei nid^t »on SWofe 
t)erfaßt, n)eil n)iberfprec^eiibe Setic^te einer unb berfelben @age barin 
»orfdmen, j» S* gleich bei ber ©(^öpfung» ®d[)drfer waren bie Sfn* 
griffe , bie ^ r p ^ 9 r i u « , ber «euplatonif er (233 — 305) , gegen bie 
fd^n)a(^en ©eiten be^ 91* Z. , gegen bie S^Aufc^ung einer aUegorifd^en 



XII aSorrebf* 

Sludlegung u* f* xo. mad)U. @r ertannte bereite / ba^ bad Su(^ 2>aniel 
t)on etnem 3uben im 3^<ta(ter ber äRaffabäer gefci^rieben unb. vaticinia 
post eventum enthielte. (SSgl* ^(cron^mwd in ber Sinleitung jum Sud^ 
3)anie(). Sßir müpen l^tecin bie erf}en Meinte unb Sinfä^e )u einer xoxih 
liefen bibUfc^en Siteraturgefd}ic^te erbficfen. Später ^aben auc^ bie 
i^dupter ber Sieformation/ bie in ber $rari6 n)enigfien6 )tem(i(6 unbe» 
fangen ben menfc^Hc^en @tanbpunTt neben bem göttlichen fefi^ielten^ 
man<^ed bafür getl^an. So ttern>arf gütige er fogar im SteuenS^eßa« 
mente me^re Schriften ald unecht, näm(i(^ ben «^ebrderbrief unb bie 
9i\>oial\))fi^c , unb beurtl^eifte ani) fonft fe^r frei ben ^nlg^alt olg^ne 9iü(!« 
fic^t auf feinen gott(ic()en Urfprung. Sßer n)i(I un^ ))erbammen/ toenn 
n)ir bad ®(eicl)e tbun? 

!Die 93er))ie(fä(tigung ber l^ebräifd}en ^anbfd)rtften burc^ ben !Dru(f 
rief aHmä^Iig eine Sfnfammlung ))on Varianten unb bann eine S^extfritif 
ind Seben. 3e eifriger mm bie einfeitigen $roteßanten {t(^ auf ben 
®runbtext beriefen unb bie alten Öberfe^ungen bagegen l^erabfe^ten^ 
um fo gelehrter unb^ grünblic^er becften bie Aatl^olifen bie gel^Ier unb 
(Sntßedungen bed ZtxM auf unb fuc^ten bie SSutgata bagegen (n @(^u^ 
)u nel^mem !Durc^ bie 9(rbeiten))on Stöbert SeüarmiU/ Submig 
SapeKud (^roteflant) unb befonberd burd^ SRorinu^ (Exercita- 
tiones hiblicae, Paris, 1669. fol.) liourbe bie jubifi^eS^rabition l^on ber 
Uni)erfel^rt^eit bed maforetifc^en S^erted für immer erfd)üttert «unb ba^ 
burc^ ein mächtiger S(nftof )u einer freieren, Iiterar«]^ißorifd)en Setrad^« 
tung ber SBibel gegeben* 

!£)ie 3bee einer Siteraturgefc^ic^te \\Uxf)anpt, mlit)c SBafo im 
16* Sabrijunbert aufiMte, fül^rte i.n ©ejie^ung auf bad alte S^efiament 
eigentlich ©p in ja In feinem Traclatus iheologico-politicus, i^am* 
bürg, 1670* i., )um erften Wiak au6. !Durd) biefe t^eofogifc^en Unter« 
fuc^ungen iß Spinoja ber SBater unb Segrünber be^ fpäteren Stationa« 
Ii6mu6 gemorbeu/ inbem er ^ier fd)on mit unn)iberf)e^lic^er Jllarl^eit 
nac^mied/ bap bad 9(. Z. bie nationale unb hatfirlic^e Sntmidiung bed 
l^ebräif(^en SBoIfd^eißed barfieQe. @ein ^auptjtDecf n>ar jun&c^fl ein 
praftifc^er. (Sr fetbfl war frü^ wegen feiner religiöfen Öberjeugungen 
t)on feinen jäbifc^en ©(aubendgenopen ercommunicirt worben unb f onnte 



93otvebf* XIII 

fettbem fic^ ni(^t mel^r entfc^Hefett/ einet befitmmten tträjUiitn Oemefn« 
f(^aft (eijutrcten* !Da)u Tarnen bie SVad^tDe^en beö btei^tgjA^dgen jtrfe« 
ged in !Deutf(]^{anb imb ber (Sifec bcd überfpannten ^ fanatifc^en Sut^er« 
tl^um6. €o [u(^te €))ino)a nun )u jeigen^ bap bie ®(auben6i( unb 
IDenffreil^eit in einem Qtaate nic^t anfgeI)oben n)erben finne^ o^ne )u« 
gleich ben öffentlichen Sri^^^n unb bie 9ie(igion aufgu^eben* S^fsHc^ 
inupe ber Qtaat fc^on um feiner fetbfl n>iUen bie religiöfen 9Reinungen 
einem Seben frei äberlaßen unb l^abe b(of nai) ben Sßerfen ju urtl^eifen/ 
ob einer löblich ober gottlob fei^ — 

Um biefen 60$ burd^}uffi^ren/ unterfud^t er junAc^fl bad Sßefen 
ber Steligion unb Offenbarung. (Sd fd^eint il^m rein praftifc^er 9ixt )u 
fein unb ganj t»erf(^ieben t>on ben fpefulatit^en äBal^r^eiten ber ^^ilofo« 
yl^ie unb ber natürlichen @rfenntnid, mldjt bie eigentliche unb urf)>räng< 
lic^e Offenbarung ®otte6 fei. !Die ben $rop^eten ju S(iei( geU)orbene 
beruhe auf feiner l^o()ern (Srfenntnid/ fonbern fei eine b(o^ bilblic^e, 
kurc^ bie @inbi(bung$fraft ber $ropl^eten bermittelte unb bal^er na^ 
fcen 3nbi»ibuen unb ^titm oerfc^iebene DarfieDung ber einfac^flen reli* 
giofen SBBal^r^eiten, bie ein 3eber leicht begreife. !Die ^xopf)cUtt fönnen 
ba^er nur ®e(tung l^aben in praf tifc^en unb fttttic^en IDingen , nic^t in 
üßeinungen. — ferner bef))ric(}t er gau) rationell bie SSorfteHung/ baf 
3drae( bad audern)d^(te 93o({ ®otted gemefen unb jeigt/ ba$ 
ba6 mofaifd^e ©efe^ nic^td enthalte/ aU ©efe^e für bad l^ebrdifc^t93o(f, 
bie bed^alb fär atie nic^t^ebr&ifc^en SBöIfer o^ne binbenbe Jlraft feien. 
Denn an ftc^ ifi ba6 göttlid^e ©efe^ ein inner(i(^e6/ autonomifc^ed. 2){e 
ftttlic^en @a^ungen ber i^ebrder paffen au<^ bloß für bie niebere 93i(< 
bungdfiufe bed SBoIfed ; bie 9titua(gefe0e ftnb nur aud politifc^en unb 
polijeiüc^en Siücfftc^ten gegeben. (Sbenfo ftnb bie biblifd^en ©efc^ic^ten 
nur für bie $af ungdfraft ber großen Stenge beflimmt. @ie foOen ge« 
n)ife religiöfe SBal^rl^eiten ))eranfc^aulic^en unb ftnb feined)(oegd not« 
tt>enbig. 

@in befonbered Jtapite( ^anbelt über bie Sßunber/ bie nur für 
bie fubieftit)e Suffapung »or^anben ftnb unb aud ber )>o(fdmdßigen 3)ar« 
fieOung erflSrt n)erben foden. (Sa liegen meifl natürliche SorgAnge )u 
®runbe. — SBa« bie «u^Iegung betrifft, fo foH bie ©ibel au« fic^ 



fe(6fi, mit i^ülfe ber ®efd)i^te unb aud ben gefc^id^tlic^en SSerJ^dttniffen 
erf (Art tuerben. 2)a)U/ meint tx, reiche bad natürliche Sic^t im Stenfd^en 
)>onfommen l^in* -— @nb(i(^ ftnben ftc^ fel^r feine/ fc^arffinnige SBemer« 
fangen ü6er ben Urfprung unb bie Sefc^af en^eit ber l^ijiorifc^en Sucher« 
JDer $entateu(^ fönne nic^t "oon SRofe l^erräl^ren; t^on i^m flammen 
nur bie ipenigen {(einen ^tucfe^ bie ber $entateu(!(i fe(bfi auf il^n iurü(!< 
ful^rt» Sbenfo ftnb bie übrigen ©efc^ii^töbüd^er nic^t gieic^jeitlg, fon^ 
bern »on einem t>ie( fpiteren SSerfafer, ))ie((eic^t »on (&^xa, fo jufammen« 
geßeOt Sorben. @inen «ßanon l^ei(iger SBü^er gab e^ t>or ber maffa« 
bdift^en ^ßeriobe noc^ nic^t^ — 3)ief SBuc^, ba6 ein t)ot(enbete6 ©^jiem 
be^ 9lationa(idmud entl^A(t/ überpge(te toAt bie bamaUge ßeii unb l^at 
aud^ fpdter bebeutenber getDirft^ a($ Spinoja'd ^^üofopl^ie. 9{ur bad 
äBefen ber reUgiofen 2)i(^tung unb ber poetifc^eii 93o(f^fage ifl Ig^ier noc^ 
nirgenbd erfannt* 

@in 3abr nad) @pino)a'd S^obe, unb n)o^I unabl!)dngig ))on^feinem 
3;raftat erfc^ien bon einem franjöftfc^en fatl()oiif(^en 2!^eo(ogen bie erfte 
fritifc^e ©efci^id^tebeö aitenS^efiamentö, ^on Kic^arb ©imon: Hi- 
stoire critique du Vieux Testament. Paris 1C78. 4. (Stotterbam 
1685). äRit f&l^nem €^arf{tnn unb t^ieiulhfapenber DueKenforfc^ung/ 
mit gutem Urt^eH unb ®efc^ma(f ifi ^ier jum erfien 9Ra(e auf rein ge« 
(e](irte 9Beife bieSbee einer biblifd^enSiteraturgefc^ic^te au^ffil^rt^ fo 
ba$ (Simon gen)ö^n(i^ a(d ber Segränber biefer SBi^enfc^aft betrachtet 
wirb» 2)ie l^eil. ©c^rift ifl i^m ein menfc^Iic^ ®ett)orbene^> bad unter 
^ielfad^en SJerdnberungen auf unfere S^lt gefommen. !Dod^ tt)ar 6pi» 
no)a fc^on ))ie( toeiter gegangen unb l^at in ber Sl^at ben erfien n)i^en* 
fc^aftiic^en ®runbri^ einer foic^en Siteraturgefc^id^te geliefert. 9Im 
grfinblic^ften finb bagegen bei ©imon gerabe bie fünfte be^anbelt/ bie 
eigentlich nic^t ^ie^er gelg^oren, n)ie bie ©efc^ic^te be6 maforetifd^en Ztx* 
M , bie alten unb neuern Uberfe^ungen u* f. U). ^unbert Sa^re nac^ 
ber erfien ©rfc^einung würbe ba6 93u(^ in6 Deutfd^e überfeftt ^on Sra» 
mer^ 1777 u. 78, unb ©emler fd&rieb anregenbe Semerfungen baju. 

9Qie bad alit S^efiameht fobann burc^ bad ©tubium ber übrigen 
femitifd^en ^xaUtU, befonber6 be8 9(rabifc^en, und berfidnblic^er ge< 
mac^t, wie burd^ Sieifen ber ®eifi unb bie (ebfubige ©itte bed SRorgen? 



(anbed und nAl^et getfiifl n)utbe unb babtirc^ bie Sidel ein immer 
menf(l^(i(i^ered Sludfel^en ecJ^ielt/ wie bann ))i)r SlQem gerbet und bad 
äR^flenum ber I^e6rdi[cl^en unb äbet^aupt aOer ))o(fdt^fimIi(^en !ßoe{ie 
et[(^(ofi/ bad fann l^ier nid^t n)eiter audgeful^rt toetben« 3n feinen 
»riefen-, „bad ©tubium ber 3;^eoIo9ie betreffenb,* 1780—81, jeigte 
er fc^Iagenb unb fßir bie 9{ottt)enbigfeit, baf man bie 93i6el ald ein 
menf<6(i(^ed Sud^ (efen müfie/ tioenn man fk )>erfte^en tooQe, unb 
faf te f!e n)te @)>ino)a ald ein rein nationale^ $robu{t. @r ergdnjte aber 
burc^ tiefpoetifc^en @inn feinen äSorgdnger, n)edl^a(b auc^ fein 9taiio^ 
naUdmud ben Drtl^oboren minber anflöpig toax, al6 ber ©pinoja'd* 

3lai) folgen SBorarbeiten, n)0)u auc^ (Sin)e(ned bon Seffing Qtl)oxtf 
fd^rieb Sid^l^orn eine audfül^rlic^e Einleitung ind Slfte 2!eftament/ 
1780 in 3 »dnben; 4. «ufL 1823-^25 in 5 SBdnben- 2)ie beHama* 
torifc^e, f(i)mungboQe 2)arßenung, n)ie fte bama(d im ®efc^ma(f war, 
erwarb bem S3ud^e eine begeiferte ^ufnal^me. unb bielfac^e Kad^a^mung* 
2)o(^ wie bei @imon ifl auc^ l^ier ein grofed geiel^rted Material unge« 
l^öriger 993eife aufgel^duft, unb ed fel^(t t)ie( an einer wirtlichen Literatur« 
gefc^idjte* Stamentlic^ feibet bad Sud^ an einer bobenlofen J^\))fifi>t\)t^enf 
fuc^t, an einem ^afd)en nnc^ neuen, geif)reid)en 9(n{t(^ten, bie ieber 
flreng gefd^ic^tUc^en S3egrfinbung entbehren* !£)a)u bie etwad lei^t» 
fertige $Bel^anb(ung bed XtxM, bie oberflAc^lic^en 9(n{td)ten über bad 
^rop^etent^um , bie wiQhtrlid^en ^Deutungen ber SEBunber u* f. f. , fo 
baß ber wirflic^e SBert bed ®udi)d nur in ber oBgemeinen Anregung be* 
fie^t, bie ed gab* — 3)er bebeutenbfie 9lac^folger ^erberd unb ®c^» 
l^ornd iß be Sßette, ber junic^fl in feinen 93eitrdgen jur @in* 
leitung inö «♦ S- 1806 unb 1807 bie fagen^afte (.m^t^ifc^e-) 8luf» 
fafung ber Alteren ®efc^i(^te, wie fte ^erber eigentlich fc^on angebahnt 
fjaitt , )um S3ewuptfein brad^te unb begrunbete* 9tamentlic^ }eigte er, 
baf bie S^ronif nur eine fritifiofe Überarbeitung ber Sucher ber Könige 
fei« ©pdter brachte er bie berfc^iebenen Sinftc^ten in eine Hare, beurt^ei» 
lenbe Uberftd^t in feinem Sel^rbud^ ber Ig^ijiorifc^ ^fritifd^en 
Sinleituttg, 1817* De SBette'd «gauptprincip iji bie »orl^errfc^enb 
negatibe ^ritif fowol^I ber firc^li^en S^rabitionen, al&auä) ber wiQ« 
färlid^en ^t^potl^efen Sic^l^ornd unb feiner 9iad^fo(ger. @ine wifen« 



fc^aftdd^e (Sinl^eit aUt, eine organifc^e @ntn)icf(ung bet aftteftament« 
Heiden 8itertttur flnbet man j&ier xAi)t — (Srgdnjenb f(^Iiepen ftd^ l^ieran 
öerfc^iebenc frltlfc^e unb eregctifc^e Slrbclten, t>or Mm, ble ^on giftig 
unb (S U) a I b« !Dec negattoen ^ritif be Sßette'a toixi f)ux burc^gängig 
eine po|ttit)ere entgegengefe^t ; im $tOgemeinen abet/. toit l(f) glaube, 
mit wenig Olfid. Slm t\)ertt)olIflen (tnb bei i^ijig bic eregetifci^^n Sluf« 
Kftrungen unb bie fritifc^en Unterfuc^ungen bed maforetifc^en XcxM* 
— 2)ur(l^ @tt>alb, ben gd)uler @i(%l^orn^/ erhielt namentlich bie l^ebrdi* 
fd^e ®rammatif eine n)if enfc^aftfid^ere ®eßaU* $(u(^ bie $(ud(egung ber 
poetif(!^en unb propl^etifd^en Sucher f)at er in feinen Uberfe^ungen unb 
furjen ScHArungen tüefentlic^ geförbert unb in feiner ®ef(^i(^te Sdraeld 
jugleic^ eine furje Siteraturgefc^i^te ber bif^orifc^en S3ü^er gegeben. 
Snjiatt ber bidl^erigen negati))en Siefultate über Urfprung unb Slbfa^ung 
biefer Sucher ftnbet ftc^ l^ier fiberaQ eine ))ofttit)e/ j^ißpriftrenbe unb fom« 
binatorifc^e «ßritif ^ bie aber nod^ oft an ben l^^pot^efenreid^en ®tanb» 
)}unft @i(^^ornd erinnert. $(uc^ fel^It ^ier no^ ber Ul^te, leitenbe S^ben, 
,ba6 »i^enf^aftlic^e ©egreifen ber l^.ebräifc^en Sieligion n)ie ber Ig^ebrÄi» 
fd)en ©efc^ic^te, m^f)alb @ma(b/ tro^ feinet rationalifiifci^en @tanb' 
punfM, bie feltfamflen !Dinge behauptet/ j. 9. ein ^ebrdifc^er $ropl^et 
l^abe nic^t irren fonnen. 2)a ^aben tt)ir ja nod^ gan} ben alten bogma* 
tifc^en Stanbpunft/ ber avi6) fonft oft flörenb unb irreleitenb J)ctoox* 
blidU Sluferbem tl^eilt @tt)alb mit ben übertriebenen IDogmatiferU/ mit 
«^engftenberg unb feiner @^u(e / ben un<^rißli(^en S<)nati6mud unb bie 
blinbe SSerbammung^fuc^t, bie nic^t b(o$ »einem 3eben SBernunft unb 
®e(e^rfamfeit abfpritbt, »>e((^er SBernunft unb ®e(el^rfamfeit anberd 
brauet aW dt," fonbern jeben 8lnber«benlenben aud^ fofort ber geinb* 
fc^aft gegen bie äSal^r^eit unb ber Unfttt(i(()feit bejöc^tigt^ n)A^renb ed 
fonfl bo<^ gerabe bad eble 93orre(!^t ber 993ipenf(^aft 1% bie Berechtigung 
an6i ber entgegengefe^ten Stanbpunfte anerfennen )u fonnen. Stic^td 
aber l^emmt jeben Sortfc^ritt mel^r^ al^ ber ^tnfpruc^ ^ bie SBibel au« 
tl^entif^ erfldren ju fonnen unb rein gelehrte Unterfu^ungen tt)ie ein 
neued 2)ogma abfc^He^enb für aOe 3ufunft feßßeUen )u VDoHen. 

9((d 9iefu(tat ber bidl^erigen Seißungen ergibt fi^ in ber Jtflrje bie« 
fed : !I)er gen)öl(in{ic^e Siationalidmud l^at ftc^ ebenfo unfähig ertoiefeu/ 



SSorrebe* xvii 

iae SBefen ber Sleligion unb ben (Beiß bet attteflammtlid^eii fßoefie )u 
erfaf ett/ a(d bie rein bogmatifc^e Setrac^tungdtoeife* SSefbe @tanb))unlte 
aber ftnb an ftd^ gleichberechtigt unb gleich einfeitig. Seibe fanben ))on 
ielier il^re IBertreter, nur bap bie rationaüfiifc^e Sluffapung, n>ie baa im 
®ange ber Aultur liegt ^ erfl fpdter eine aOgenteinere tDurbe, gegen bie 
ftd^ aber fortn)&^renb bie ^eftigfle 9ieaftion )^en Seiten be6 bogmatifc^en 
©tanbpunfted erl^ob. 

@in neuer Stanb))unft, ber bie britte Ißeriobe unfrer SBigen« 
fc^aft bilben wärbC/ unb ber bie entgegengefe^ten Sluffapungen einea 
rein göttlichen unb rein menfc^Iic^en Urfprungd ber Sibel )u einer l^ö^em 
(Sinl^eit )uräcf)ufu^ren unb babur^ )u ))erf6^nen })&tu, gel^ort fafl no^ 
ganj ber dufunft an unb füe^t a(d eine unge(öfte Aufgabe ba. 3nbed in 
ben @c!^tiften öon ^^erber, Umbreit ^ (Swaib^ Zndi unb SInbem .gibt ea 
Sinfdnge unb SBorarbeiten baju, unb ic^ felbfl tiourbe ed ald ben fc^onflen 
So^n meined Strebend betrac^ten^ wenn ic^ ju biefem 93erfo^nung6n)erTe 
einige SBaufleine geliefert \)aben fönnte. 

2)ad neuerwac^te 3nterejfe am reügiöfen unb fird^Iic^en Seben^ bad 
auf bie)>oIiti[(^enÜberfpannungen^ bie tt)it erlebten / ganj naturgemSf 
gefolgt ifl/ fc^eint jn^ar eine folc^e «Hoffnung totlttx ald je I^inau6ru(fen 
)u wollen. Slflein 9Iiemanb (a^e burc^ ben St^ein fic^ t&ufc^en ! 3n 
foic^en 3^iten fc^einbarer fReatilon, too ber im dffentKd^en Seben unbe«^ 
friebigte ® eijl ftc^ auf feine innerßen 3ntereffen , auf baö rein religiöfe 
®ebiet iurücfjiel^t/ fel^Ite ed noc^ nie an ben gropten (Sinfeitigfeiten^ unb 
ber ®ei{l be6 (S^riftentl^umd / ber wefentHd^ ein ®eiß ber «^umanitdt, 
ein ®eii} ber Siebe unb @e(bfit)er(äugnung ift, äußerte ftc^ ba nur )u oft 
in franfl^iafter Überreiztheit a(d ein ftnfterer ®eifl ber 93erfo(gung unb 
Unbuibfamfeit , bed ®{auben6fanatidmud unb ber ^einbfc^aft gegen bie 
SOipenfc^aft« 3n folc^en Srtremen bewegt ftc^ aOed Seben unb Streben* 
3)ie wa^re (SntwicHung aber; ber ruhige gortfc^ritt Hegt in ber 9Ritte, 
in ber aOein Tu(turfd^igen gem&pigten 3one unb wirb unbewußt "oott 
beiben ®egenfaten geförbert* 

9Ber aud ber ®efcl^icl^te bad begriffen f)at, tann ben Übertieibungen 
unfrer heutigen Sl^rißomanen mit ebenfo ruhiger Sapung jufe^en, a(d 
bem S^reiben (ener, welche meinen^ bad religiöfe ®ebiet/ a(d bie SBurjel 



aUtt SUbung/ unb namentli^ ba^ (S^tiflentl^um fei ein (dngfl über« 
tounbenet/ ni^t nte^r Iebendfil^{ger€tanbpunft; ober ti)e((^e tm®egen> 
fa^ )u beut uberfpannten @!|}irituall^mu^ nun ebenfo einfeitig an bad 
" SWaterieHe, an bie Slatur fic^ galten, »äl^renb bie ^otfenbete ©ittlic^feit, 
bie toal^r^aft menfc^Hc^e SUbung boc^ in ber fc^önen «Harmonie »on 
®eifl unb SRotur, ^on grei^elt unb Sttotwenbigfeit, tjon ©ittlic^feit unb 
©innlid^feit, »on S^rlfientl^um unb ©eltfultur befielet/ eine Harmonie, 
bie in bet Literatur bi^ je^t nur 993enige/ am reinflen aber n)oI)( Sutl^er/ 
Sefllng unb ^erber errei^t l^aben. !Da6 Seben biefer 9){&nner if) ))or^ 
bilblic^ für unfere 3ufunft. 

9Rögen nun auc^ bie triiben ®d^rungen ber ®egenn)art nod^ (dnger 
bauern: 9}iemanb )>erTenne bad Sielet ba^ in jeber Sßdrme eingef^Iopen 
unb gebannt ))orll^anben ifl unb ba6 aud^ ben l^eutigen ©d^rungen nici^t 
fremb ift« * JS>a^ S^rifientl^um ge^t feinen en)igen allmd^Hgen ©c^ritt : 
unb äJerfinfterungen bringen bie $(aneten au^ i^rer 9a^n nid^t/ 



P 



X&iin^tn, m 19. mixi 1856. 



&. WMtt. 



3 n t) a l t 



@itt[eitettbe SorBemettttngeit* 

eettf 

I. übet Q^tift, (Sf)ataHn itnb ISUbmtg M ^ehaifd^en CBolfd 1 

II. Über bie ^ebräifdje 93tt«)iabcnf^nft n 

III. ©efi^i^te bec ^ebtäifdbeit (Sc^nftßeKevei 16 

IV. ®(fd^i(^te bei:^]^eb(äifdbcn (Bpxadft , . . 19 

y. 5Dte ^aupte))od^en bet l^ebtätf^feit ^»Iti» unb Siteratitv 24 

ßr|ie ycrioöc. 
SBon aRofe Mi» pr @rSitlittitg ht9 fiüitigt^itm^* 

A. JDic mofaifdbc Seit 41 

U ®efe^e. 55« SDefalog 41 

2» JDie diteilen Siebet * . . . 47 

©ebei beim ^ufbtu^ bet )@unbedlabe 47 

®ebei Ui Sutu^btingung bet )@unbe6labe 48 

@egendfptu4 übet bie ©emeinbe 48 

2)a« !Bieb be« 9(ime^ 49 

S>ad ^tunnentieb . . < 50 

2)ad ^iegedlieb übet ben gall t)on ^edbon 51 

(Sin Ii8tud^flü(f au« bem ^ud^ bet Stiege Saf}U*9 52 

Gin ^))ttt4f übet $(malef 52 

S. S)ie ätii 3ofua'« • • - • 53 

öin ^pxvi^ 3ofua'« - 54 

J« lDie))oeiifi!ben Stoffe beaaSolfdgefang« 55 

Btoeiüeine l93olf«Iiebd^en 56 

2. Öbet l^ebt&ifd^e Xtinfliebet* ^ie $oe{!e be« 9Beine< ! 56 



3. fB'xt bte ^eBvaec bie 8te6e Befungen , .60 

IDad SoBUeb eine« iugenbfamen SBBelBed 63 

Qtin alt^ebr&if^e« ©agenlteb 65 

93o(fdt^ninIt(^e S^nfCänge in f^&tecen 6tü(!en 66 

4# IDie Sonn ber I^eBratfd^en $oefte a . . 66 

5« äBer ©efang unb Xang bet Hebräer unb SIvaBet 7% 

C. JDie Seit bct dt\d}Ut 79 

fDa« JDeBoralicb 80 

IDie ©ibeontffage 93 

3>(e gaBd Sotam*« . 94 

IDfe ^imfondfage 97 

^it gtDdlf 9(Benieuet ^tntfond 99 

IDad 9>l&tfel ^irnfond . 99 

Ginige ®))ni((e Shnfond 100 

(Sin 8ieb ber $^tlißer 102 

IDet €egen 3<ifcBd 109 

JDer ©egen fWofe'« . 113 

Scoette pertobe. 
801t ber (Srütitititg ht9 tüitigt^tittt^ m jitttt 6itbe hti (BfiU* 

örftetc «Bf^nltt «on 1100 -850 117 

A. Äönig JDaoib al« JDi^tcr 117 

(Slegie auf ®a\il unb Sonatan i%% 

(?Pfatm IL 70 iU 

Gin ataBtfc^ed (Sebtd^t 127 

S)a)){bd Sobienflage über SIBner 129 

' («Pfalm24, 7 — 10*1010 131 

a)ic «ParaBel 9latan*« 133 

(?PfaIm 32* 3* 4* 18* JDaöib« lefcte SEBorte) 134- 

5Pfalml9, 2 — 7* . ^146 

$falm 29 147 

2)(i« «Pajfalicb, 2. SKof.lS 148 

^avaftev baoibifdder Siebev 150 

itritif bet ?Pf(iImenüBecf Triften 152 

B. ©alomo 156 

©ein (Ef)Qxafin, feine ISilbung, feine fftiü^ttu unb S)i(i^iextoei«^eit . . 156 

^eBv&if^e ^olf^f^rid^tDötier 160 

ftBei: 9l&tfel Bei Ben ^eBr&em 162 



UmBUbimg ber S3oI!df))d((to5tter in ^m^ditStanftfetmm 169 

9ßel((eii 9(nt§eU @a(omo an bct G))ttt<i$fammtttn9 ^aBen fatm ... 173 

d^arafter ber ©alomonifil^eii S)i(l^tmigeii . ' / . . . . 174 

$folm8 180 

IDfe @$d^fungdgef((t(^te 1. a^of. 1 182 

IDIe l^ebraif^e »J3oir«fage, i^c aSefen unb tlrß)ntiig 185 

2){e Sufammenjlenung brt ^ebr&ifd^en SBoIf^fagett im $eiiiaieu(( / ^in 

®u(^ Softta, vnb im Sud^ ber 9ti((tec 190 

ffiantm bie ^ebv&er fein ^oi ^ahtu 197 

J(om))o{ltion bed älteilen 6agenbu4d 200 

Abet bie nntoerfeUen 9te(igiondibe«n bet ^atiiard^en 209 

C. S)ie Seit nadft ®alomo 212 

IDad ^ol^elieb 213 

Sioeitet9(bf(^nitt 9)on850— 650« <Die afD^df^e $eriobe 243 

«inlfihtng ^ 243 

IDer @änbenfaU/ t)om Qrg&n)er be0 ^^entaieud^a eq&l^U 244 

I. KUgemeined über bad ^ebr&ifc^e $ro)7l^eient§nm 248 

1. begriff unb @tanb)>unft ber ^»bräif^en $ro)>4eten 248 

2. ec^nftUdfte IDarfieaung ber pX9p^tti\^tn SReben 265 

n. IDie einzelnen )>ro))l^etif(ten @d^r{ften 270 

U 3oet 270 

2» 5lmo« 274 

3* ^ofea 284 

4* Sac^ria, J(at>. 9 — 1 1 306 

5« 3ef aja ber ecfle ober ber iemfalemifd^e 313 

6* aWidfftt 348 

7. ^ie Seipagungen IBileam« 352 

III. S)ie Sl^rif ber a{f)^rif((en ^edobe 358 

S)riiter9(bf4n{tt 9)on650— 536« IDie d^albaifd^e fßeriobe ..... 372 

I. ®ef*i(^tli*er ÜberMitf 372 

II. IDie ))ro))4et{f4e iBiterahtr ber (i^albaifdften Seit 376 

U Sla^um 376 

2. Sefania 378 

3. ^abaftt! 379 

4* Seremia 385 

5« «gedjia 409 

6« JDer babljlonifdffe 3efoja - . . 419 

III. ^ie S^ri! ber d^alb&ifd^en $eriobe 444 



l 



t 



Dritte ycrioöe. 

IBon 536^140 «OK (S^r. 

©eite 

®eWi«tfi«5e« flBwbJitf 477 

I. 2)ie 8i?nf bet ^)erfif*ett Seit 483 

IL 3)ie oolfdt^ümlid^en @agen ber na^erinf^en Seit 500 

!♦ 2)a« JBudJ [Rut * . . 500 

11. 2)a« JButJ Sotia 503 

3* 3)a« S3u(^ ISjier 505 

III. JDie bibaf tif(5c ^oej!e ' 507 

!• JDie ^ptVL^e ©atomo'« ..." '. 508 

2. 3)a« ©u(5 ^ioB 5;i0 

3* JDet !Prebfgcr @aIomo*« 550 

4. IDa« ®))ni(^bu(^ be« 3efu«, be« ®ol^nr« ^irad^d 563 

atuAli« ttttb ®4(ttf 567 



(Stalritritbr HorbrmrrksitgfH. 



I. 

®tx% ^atafttt nttb SBUbuttfi M ^thtiif^tn SoIfeS. 

1) 3nbem ic^ ben crjien SBerfuc^ mad^e, eine ©efc^it^te ber l^ebrdi« 
fc^en Dichtung na6) Urfprung , ßntwirf lung unb S^arof ter borjufleBen, 
fo fci^eint eö mir baö S^ddöfie unb fflötXQ^t ju fein , ben t^erborgcnen 
Äelmen unb iJrieben, ber lebenbigen ©runblagc, auö »eichet biefe eigen« 
tpmlic^e $oe|te emac^fen i% genauer nac^juge^en unb \y>o möglich ein 
fotc^ed S^otalbilb be^ ^ebrdifc^en aSoHögeifie^ ju entwerfen, baß ade 
bt^terifc^en Äußerungen bejfelben jid) ^erfWnblic^ unb naturgemäß bar* 
aud ableiten (aßen« !Dieß SSerfal^ren iß ein rein genetifc^ed unb gefc^ic^t* 
lid&ed ; tt)ir fuc^en ben ffioIWgeifl in feinen uranfänglic^en J^dtigfeiten 
auf unb uberfe^en mit einem prüfenben SBIicfe älOed/ tt)a6 er au^ fx6) 
l^ert)orgebrac^t, unb bringen banac^ feine Einlagen unb Sd^igfeiten, 
feinen ßl^arafter unb feine poetifc^e @d)o))fungdfraft un^ jur 8(n* 
fc^oitung. 

Um bieß 9i(b {ebot^ mögUc^fl jtaturgetreu ju jeic^nen, bürfen n)ir 
und nid^t bloß auf bie i^ebrder befc^rdnfen* Denn biefe fte^en burd^ ge» 
meinfame Sibfiammung, burc^ 9{aturan(age, burd^ ©prac^e, S^arafter, 
©ftten unb 8ebenö«>eife in ber aflerinnigften SBejie^ung ju i^ren ^eibni* 
fd^en 9lad^bart)6Ifern unb bilben nur ein Olieb in ber großen SBöfferfette- 
ber ©emiten, bie ganj aSorberajien (Sübwefiaften) bewohnen unb»on 
einem ibealen (Stammvater ©em l^ergeleltet tt)erben*;. 3" 't>U\m fiamm« 
»erlaubten JBolfern geboren namentlich bie SBab^Ionier unb S^rer, bie 
Äananiter (t>. L ^P^önifen) unb Sbomiter fowie bie ja^lreid^en arabi^ 
fc^en ©tdmme nebji ben Sit^iopen in »^abefliuien. 93Bie tjfrfc^ieben biefe 



1) mä} L Mof. 10. 

<Bef(!^. b. pott. matiDnaUtt* b. ^tU, 1 



2 (Sinleitenbe SSotbemerfungm. 

936[fer na^ ^tlt unb geogra))6{f<^er Sßeltlage ftc^ au^ entn>i(!elt l^aben, 
fo Tann man l)o<^ in all {l()ren ©(^opfungen noc^ immer einen unb ben« 
felbcn Ocunbtrieb unb bfefelbcn geffitgen Sfniagen erfennen. 

3m SlQgemeinen d^arafterijtrt iunic^fl bie femittfc^en SSoIfer e i n 
angeborner SJlangel an p^i(ofo)>ll^if(^em (Denfem €(^on 
il^re ©pra^e, atö ber erße unb unmittelbarfie Sibbrud eined fßolH* 
geifie^ / )eigt fel^t auffaUenb biefen ÜRangel unb ^ai bed^alb einen min« 
ber t^oUenbeten Sau erl^alten, aM ). 9. bie @prad^e ber Snber^ ®xU(f)tn 
unb ®ermaneiu .Reine femitifc^e Sprache eignet ftd^ wie bie fogenannten 
inbogermanifc^en ^}u ßreng n)if enfc^aftlid^en (DarfteOungen / jur $l^i(o« 
fopl^ie« @elbfl ^ad ^Irabifc^e, ba6 am ^öc^flen unb reinfien au^gcbi(bet 
ifi unb in allen ^mii^ beö Sffiißend fic^ t)erfu(^te, f)ai bod^ bie an* 
geborenen SRdngA nic^t übertoinben fönnen. ^u6brfi(fen fann man 
natfirtid) in biefen Sprachen jiemtic^ Sllled ; aber nic^t entfprec^enb unb 
leicht/ nic^t fo^ baf gorm unb Snl^alt in einanber aufgeben/ 

©0 geigt im ©emitif^en i.Sb, bie ganje ©aftorbnung ein einfaci^ed 
Steben« unb 9{a(^einanber/ ein funf}lofe6^ finbli^fed Slufreil^en ber ©d^e/ 
ol^ne bie gebanfen^oUe Unterorbnung unb $eriobi{trung be6 inbogerma^ 
nifd^en ©tammed* !Diefe geifligere $lu^bru(f^n>eife be6 le^tern beurfun« 
bet, baf ber Stebenbe »on Slnfang an ^Oed überfc^aut unb be6l^alb bie 
@&^e nac^ il^rem ®emic^t logifc^ unb fünftterifc^ geflattet* 2)er femi« 
tifc^e ®eift aber Ig^at nic^t biefe 9t\xf)t, nic^t biefe SSBeite be^ Slicfd, no(^ 
bett ))^i(ofoj)l^ifc^en ©tun» 

!DenfeIben 9)}angel [e^en n)ir fc^on bei bem einfa^en SBortbau im 
©emitifc^en. (Sd fann ndmlic^ fein SSerbum mit einer untrennbaren 
$rapofttion jufammenfe^en toie au^ge^en, eingeJ^en, mitge^en^ 
a n g e ^ elf u* f. n). £iefe Unfdl^igfeit, burd) ^ompofttion ben SSBurjel« 
begriff aufö mannigfac^fle unb freiße ju mobificiren , ju ertt>eitern unb 
)u übertragen, eine Scllj^igfeit, bie ber inbogermanifc^e ©pra^ftamm im 
t)ollßen ÜSia^c befi^t unb tooxin feine ®enialit&t jtc^ am tiefften unb 
f(^6niien offenbart, — bie Unffil^igfeit ju einem folc^en gebanfenöoHea 
Slu^bau ber ©prac^elemente trieb ben femitif(^en ®eiß )u einem me^r 
Auperfic^en Srfa^mittel für jenen SRangeL (Sr ^at nSmtic^ rebu))Hcirte 
$erfefta gefoj:mt unb aud biefen burcb 8autumn)anb(ung ber t)erboppel« 
ten Aonfonanten abgeleitete $erfeft{}Amme gebitbet, tioelc^e bie 
®runbbebeutung ber Sffiurjet »ermannigfac^en* ©old)er Ißerfefta , bie 
meiß aud brei Aonfonanten befielen unb im $ebrciif(^en gmeiftlbig, im 
9lftarabifc()en unb ^tl^iopifc^cn breiftlbig {{nb, beji^t bad Jg^ebx&ii^e 
etwa 1800« üßan nennt fte midbriu(^Ii(^ SBurgeln ; ea finb i^ielme^r 



I. Ö6fr ®ti% (S^arafter unb IBilbund M f^xii^i^m IBotfed. t 

bft Sorm wie bem Segdf m^ toittl\d)t ^etfefta, bie buc^ Srtbo)»)»* 
(ung ber einftlbigen lffiurje( gebUbet ftnb unb butd^ ii^re %üUt bem SRon« 
flel an jebcr Sufammenff^ung abJ)tlfvx mfipen^). 

9{t(j^t einmal 6eim StomeU/ tioo ed bod) leidster getoefen/ fann ba6 
€emitif(^e «^ompoftta 6i(bcn/ auf er bei Eigennamen* 9ibn anä) ^itt 
werben jtoei SSörter ni(l)t wie im Snbogermanifc^en burd^ Unterorbnung^ 
wie^^audl^err, 93unbedt)off, ®ettedfurc^l u.f. w», fonbern 
mel^r auf erli<^ unb (ofe burc^ ben fogenannten Status cousiructus )»ers 
bunben^ inbem ber 6emtte fngen muf: «^ert beitf ^aufe^/ 93o(f 
be^ SBunbea, Sut(^t @ottt^ u. f. w* 

3n einer ©efcbic^te ber l^ebrdifc^en !X>i(^tung barf eine furge (&fya^ 
rafteri^f ber Sprache nic^t fel^(en^ wedl^alb biefe Sfnbeutungen §ier gan) 
am $(a^e ftnb. 2)ie Qptäi^e ifl/ wie gefagt^ uberaO ber entf^re(^enbf)e 
Slbbrud eine^ SSoIf^getiied, fo baf bie ®runblagen einer eigent^ämtic^en 
itbm€' unb SSäeltanfc^auung/ g(eic^fam embr^onifc^^ barin f(^Dn erfannt 
werben tonnen. 

@o }eigt ber ganje Sau ber femttifc^en Sprachen eine wnnberbare 
9iege(ntAftgfeit unb 6einal^ ftarre Jtonfequen) , innerl^alb weld^er )War 
biel £eben^ biet freie Bewegung unb $lbwe(^r^(ung ^erifc^t/ bie aber 
bennod) bon einer großartigen (Sinförmigfeit unb 3(rmut ni^t ^e{)u« 
fpte^en i^. Sei aBet 2;reffli<^fett unb ^c^on^ett geleert biefer Bpta4^' 
bau \>t^f)alb \>b^ nic^t ju ben wal^rllK^ft boOenbelen unb eigentlich genia* 
len ©c^opfungen unb ifi bon ^mt aud wie ber gan^e Soff^jiamm ju 
fheng wifenf^aftlic^en unb )>^i(ofopl(|if(^en 2)arßeQungen ungeeignet* 

2) ÜRit biefem 3Range{ an pl^ifofopl^ifc^en Einlagen l^ingt eine 
^eite Sigentl^ämlit^feit ber @emiten jufammen: beräRangel an 
W'al^r^aft ä^i^etifc^em Aunftfinn unb an plafiifc^er ®e« 
ftaltungdgabe* 93on ben ^ebrAem ifi f6 befannt^ baf fte im ®ebiet 
ber bilbenben Äunfi unb ber Malerei nic^t« geleifiet ^aben. Sie Heben 
)u S'^x ba^ 3nnere, ©emfitli*^ für bie dufere f<^6ne finnlii^ gorm 
i^aben fte fein Suge* Den ®a(omonif<l^en Ztmpü, ber mel^r ^mit fo^« 
barem Sc^mud überlaben ^ a(d in eblen gorwen erbaut war/ muften 
p^önififc^e JSfinfüIer auffuJ^ren, unb er beftdtigt nur, xoat wir auc^ fonjl 
^m ber SBaufunfi ber $l^önifen wifen, baf {ie ndmlic^ mit ber dgi^pti« 



1) IDieß SBiltung^gefe^ M femitifd^en ®)pxaä)^amme9 f^aU i$ nad^getoiefen in 
meinem l^ebT. ^nx^tXxobxtethnä^ e , a^ann^etm/ bei %t^ ^afinrnann, 1845. 
IBgU ou$ He (ünleitung ju meinet ®d(fcifi ober bie l&Ubung unb 9eb. Ui ^IwcüU in 
ben femit unb inbogerman. ©^rad^en. SBannl^etm, bti 9v* ^fetmann, 1846/ 

1* 



4 ßinffitenbf 93or6fmftfutiQ(n. 

f(^en ober gar mit ber ßriec^ffci^en in feiner SBeife ju vergleichen ifi «nb 
me^r einen jierlic^en unb fteinlic^en S^orofter ausgeprägt W' Daffelbe 
ijj t)on ber fc^onen Jtunji ber ©ab^Ionier ju fagen; benn bie eigentlich 
cl^albdifd^en wie alle affij^rifc^en Äunflbenfmale gel^ören einem nic^t* 
femitifc^en aSoIföfiamme an, 

3)er bilblüfe ®otteöbienfi ber Hebräer wie ber ber fpdteren Slraber 
iji nic^t bie Urfac^e, »eöbatb ficft bei il^nen feine i)lafiifc^e Äunfi ent* 
toiddt f)at ; benn il^re Oefc^ic^te ifi ja reic^ genug an barflellbaren ®tof* 
fen unb f)(it d)riftlic^eu Äünfilcrn bie fdjonpen ÜWotit)e geliefert. 2)en 
Hebräern aber wie allen femitif^en SSölfern fe^lt t)on ?ttatur ber pla» 
jiifdje gormenfinn, ben wir 5. S5. an ben Slrbeiten bed gewo^nlic^jien 
griec^ifc^en «^anbwerferö noc^ walirne^men unb banad^ bad ganje SBolf 
als eine geborene Äünfifernation bejeidjnen mfi^en. 

Sei ben Hebräern unb ben mit i^nen fiammtjerwanbten 936lfem, 
befonberS bti ben Slrabern, jeigen fc^on bie ©ebilbe ber b{c^terif.c^en 
^^antajie biefen SWangel an plafiifc^er, barfieHbarer gorm» ©0 ifi 
j^ ©, baö Sitb bed ^ebraifcl)en ©otteö, wie er unter IDonner unb Slift, 
unter Srbbeben unb (Sturm jum ©ericf^te nal^t unb bie ©onne t>erfinpert, 
fär bie bitbenbe ^unft nic^t ausführbar. 9{ur bie innere 9lnft^auung 
fann fo etwas würbig faßen unb ausmalen. 3)ajfelbe gilt t)on bem 
Silbe bei 3efaia6, wie ®ott t)on bem ^immels^eer (ben ©erapl^im) 
umgeben , im Stempel thront. @benfo )>erl^dlt eS {td^ mit fafi aOen pro« 
p^etifc^en Silbern. @ie {tnb oft erl^aben^ tief/ gebanfent>oll/ aber ol^ne 
aHe Slüciftc^t auf fcf^öne ftnnlici^e gorm unb auf plaftifc^e StuS^^rbarleit 
entworfen. 

2)aS Seben unb 993eben beS femitif^en ®eifteS wurjelt nod^ ganj in 
ber Siefe ber Subjeftioitdt, in ber Snnerlic^feit beS ©emüteS. 3)arauS 
erflArt eS jtc^ nun ani), weS^alb alle (Semiten in ber $oefte nur eine 
einjige ®attung auSgebilbet l^aben^ bie l\)i\\ijt ndmlic^^ Welche auS« 
fc^lieplic^ baS (Subjeftit^e, bie innere pelt beS fü^lenben unb betrac^« 
tenben ®emüteS jum ®egenftanbe l^at. 3« ^^^^^ wal^rl^aft objeftit)en 
Dichtung , )u einem nationalen (SpoS ober gar ju einem ))olfSt(;ämli^en 
!Drama ^at eS fein femitifc^eS Solf gebracht. IDagegen ftnb auS ber 
tiefen Äoncentration beS femitifc^en ®emütS(ebenS bie brei Sieligionen 
beS geiftigen äJ^onot^eiSmuS^ bie ^ebräifc^e, c^rifllici^e unb mul^ammeba» 
nifcl)e, l&ettjorgegangen. 

9luS biefer angefiammten ilraft ber ©ubjeftiöitdt erflfirt jid) ferner 
bie 9Renge bebeutenber ^erfonlid^feiten unter ben (Semiten / i^r Unter« 
ne^mungSgeifi im praftifc^en geben, ber jfll^e, t^atfrdftige aWut ber ^f)o* 



I. übet ®ti^, e^ataftet unb QSilDuna M I6e(taif($en SSoIfed. 5 

nifen unb Jtattl^ager. Daneben ftnben n>ic aber auc^ überall bie Sd^atten« 
feiten einet fo entfc^ieben fubiefti))en !l)enfung^art/ ndmlic^ Sgoi^mu^z 
3nto(etanj unb ein bia jum ganatiömu^ gefieigettet ®Iaube an au** 
((^lief lid^e Setec^tigung» 

2)ie0 fiarfe fioijc ©elbfigefül^t, mldjt^ ein ©runbjug im S^atafter 
aHet ©emiten ijl, mad^t e* i^nen fc^wet, fi^ unterjuorbnen unb 'aW 
bienenbed ©lieb einem großen ©anjen ft(^ anjufifjliepen. 3)al^er jeigt 
fein 9Solf6fiamm in politifc^et »^injic^t-me^t Slbfonbetungdfuc^t ate ber 
femitif(^e» @t f(^(iept fid) nut Heineten Äreifen , bie et überfeinen fann 
unb bie feine ®e(kftänbigfeit ni(^t untetbtucfen / widig an« (Sin fblid 
auf bie ©efc^ic^te n)itb biep nfi^et jeigen» 

2)ie (Sntwicflung bet femitifcl^en Sollet fieHt eigentlich btei gtofe 
Äultutfiufen bat* 9luf bet etften fielen bie 5ltamdet (bie Sab^lonier 
unb ©tjtet) mit ben Äananitetn obet ^ß^onilen. 3n Sab^ton, bem dfte» 
flen @i^e femitifd^et ©ilbuug , finben \m jn)at ftü^ gto§e SJolWmajfen 
butcb ben 3"t>Ä«g ^inet ßtengen 3Konat(i^ie t^eteinigt; allein fc^on bie 
na]nt)ettt>anbten @^tet, bie jmifd^en bem (Suftat unb bem Sibanon tt>o^tt« 
ten, jetfielen in eine ÜRenge f leinet Staaten. 9Jo(^ t)iel weitet ging 
tiefe 3erjplittetung bei ben ^)]n6nififd^en ©tdbten unb ben jal^lteic^en 
ubtigen Keinen Sieid^en in unb um ^atäfiina» Safi jebe ©tabt voax ein 
felbfiSnbiget Staat. 

!Dic 5 weite Äultutfiufe bet Semiten nel^men bie ^tix&zx ein unb 
machen in S3ejie^ung auf i^ten politifd)en S^ataftet feinen bebeutenben 
Untetf(^ieb t)ou i^ten Stammt)etn)anbten. 6* ifi befannt, mit welchen 
©(^wietigfeiten eine SBeteinigung bet 12 Stimme ju fämpfen l^atte unb 
wie fie nad^ futjet 2)auet fxi) wiebet auftofte» Sbenfo fielen bie ubtigen 
femitif(i^en 9?aci^batt)6lfet, weld^e !Dat)ib untetwotfen l^atte, balb wiebet 
ab unb gleichen butc^ bief fiatte Stteben, fi(^ ju »eteinjeln unb abju* 
f^liefen, ben SB6lfetf(f)aften 3talien6» 

Stfi bet Saiam, bet bie b t i 1 1 e gtoße (Sntwitflungöfiufe ber femiti* 
f^en Sßölfer bejeic^net, einigt jum erflen ÜRale alle ©lieber biefcd Stam« 
med (mit ^ludnal^me bei c^tißlic^en ^tl^iopen unb bet 3uben) unb jiel^t 
jie gewaltfam in ba6 SJeben bet SBeltgefc^id^te l^inein* 8lbet no^ el^e bad 
SSBeltteid) bet Ä^alifen jetftel, Ratten bie 2ltabet bet SBüfie , t)on benen 
l^iet allein bie SRebe fein fann , i^t ftü^ete* Seben unb i^te alte Stamm« 
»etfafung Ifingji wiebet J^etgefieUt, unb leben nod) ieftt in biefem noma« 
bifd^s^jattiatc^atlf^en 3uftanbe. Sie jetfaBen in ja^ltofe Stimme, bie 
ji(^ befel^ben unb befeinben unb fic^ $Riemanb untetotbnen, ald bem 
jQtxxn bed ^immelö unb bet Stbe. — 



t Stniettfiibe aSorbemerfnitgen. 

@^ ifl gmif nic^t iiifAHig, ba^ ft(^ Ui feinem femiftfc^en SBoIfe 
ein freiem ))0liHfc^e6 Seften ttnb ein rtdiM ®taQt6n>efen entwicfelt i)aU 
9ßal(ir^oft geiftige 93eibinbüngen unb eäjte Organiftrung im 8e6en wk 
im 3)enfen flnben' n)ir erji bei ben SSoIfem bc6 inbogennanifc^en 6toma 
med. 2)abe( brSngt flc^ und t>on felbfl bie 93emerfung auf, wie im 
SBifen bed femitifc^en SSolf^geifle« immer jtoei entgegengefeftfe Sfemenfe 
^en>orgetteten ftnb. (Sinma(/ ein unbinbiger S^rieb bet @e(bf)er](^a(tung, 
bet n{d}t feiten in eng^erjige @e(bf}fuc^t ou6artet, unb burc^ einen fd^at« 
fen, burc^bringenben 3Be(tDerflanb unb ein entf<f){eben me^anifc^e^ unb 
proWfc^ed Zahnt untetflüftt wirb» 3^ugniö t>on biefer SSerftanbe^fraft 
geben untet anbetn auc^ bie matl^ematifc^en , mec^antfc^en unb c^emi* 
f(^en Qrftnbungen bet ^^onifen unb ber 9lraber. ^näi bie Sabij^Ioniei 
mu§en in bet Wtat})(matil ftu^ ft(^ au^gejei^net l^aben ; benn Slfltono» 
mie toax bei i^nen eine Siebling^befc^jffigung , unb babi;^(onif(^e0 SRaf 
unb ®e»i<!^t wax in ganj SJotberafien tjetbreitet* SQBegen biefet ^taW* 
fc^en Setßinbigfeit l^aben bie ©emiten in altet wie in neuet ^ut au^ 
fo t)ief ®ef(^i(f jum ^anbetet>erfel^t gejeigt, 

9{eben biefet 9ße(tf(ugl^eit/ bie immer ben eignen IBortl^eil fd^Iau 
etn)&gt / jeigt berfelbe 93o(fdflamm bie ben)egtef}e Snnetü^feit unb eine 
oft trdumerifc^e ®emut6tiefe. SQSirb biefe gemütliche Seite in il^m ertegt, 
fo ifl er ber größten 93egeifierung / ber Schwärmerei unb ber ebelften 
älufo^)ferutfg fS^ig. 3n 3^iten folc^er S3egeifterung tt>irb bann oucft 
tDol^I ber Slnfiop )u einer innigem 93ereinigung )>erf^iebener @tdmme 
gegeben. ®o fut bie «Hebräer in ber mofaif^en 3^i^ für bie $(raber in 
ber Seit 9Rul[)ammeb$ ; unb ba^ aud^ )e$t no<^ bie i^raber nur etned 
$lnßoge^ bebücfen, um ft^ enger an einanber ju fd^Iiepen, bat bie leiber 
getoaltfam geflotte ^etoegung ber Sßac^abiten (^inl&ngUd) beriefen. 

9Benn toix nun fo bie ®efammttl^dtigfeit bed femitifc^en 93o(fd« 
flammed überblicfen unb feine geifiigen wie feine praftifd)en ©c^öpfun* 
gen mit ben SBerfen ber inbogermanifc^en Sölfer vergleichen, fo fommen 
wjr ju bem Äefultate, ba^ ben femitifc^en SSJIferfamilien bie uniDerfeBe 
pOe ber ®enia({tät; bad l^armonifc^e, g(ud({c^e Sbenmap aQer Seelen« 
frdfte, n>oburc& bie 3nbogermanen auf ber ^ol^e bet aWenfc^l^eit fiel^en, 
gebricht. äBd^renb bie inbogermanifc^en SJöIfer alle Sphären be6 ®el» 
fle^lebend in ^Religion, Äunfi unb ffiifenfc^aft mit gleicher Äraft unb in 
ewig muflergültiger aßeife entfaltet l^aben, inöbefonbere bie brei begab* 
leflen ©lieber biefe« ©tamme6: bie 3nber, &xkä)tn; ©ermanen, fo 
l^aben bagegen bie ©rjeugniffe be6 femitifc^en ®eifle* ben religiJfen »o* 



ben eigentlich nie ))ertapen/ felbß ni^t bie Don aupen angeregten toifen« 
f(i^aft(i(^en SSerfnc^e ber !(rabet. 

SRari^fat )n)ai eine l(^ebrdif(||e $^ilofo)>bie nac^toeifen U)ol* 
len; aQeine6fe()It))ieI, baf biefec IBecfuc^ ie gelungen wdre« $^Ho* 
fo))^if(^e Elemente ftnben fic^ ^tecn>ol^( n>ie in iebec Steligion ; ua* 
mentli(^ in bei ®ef(^i(^te bed 6änbenfaQed , im ba6)^(onif<^en 3efaia 
(ftap. 40—66.), in ben Sprächen unb im $rebiget ®a(omo'd* SlUein 
biefe ^nf&nge einer fvefulatit>en Srfenntni^ gelberen f&mmtli(^ bem reflef« 
tirenben religiofen Sctouftfein an unb finb feine $^i(ofo))^ie. !Denn 
bad 2>enfen unb (Sciennen M \o\^t^, ober eine Debuftiou be0 ®otte0* 
begrifed aud bem menfc^lic^en S3en)uptfein ^eraud ifl nirgenb^ auc^ nur 
t)erfu(6t n>orben« Mt ©runbbegrife ber Sietigion unb @ittli(^feit, bie 
3bee b^ ®ei{le^^ ber greil^eit u. f« tt). erfc^einen ald fertig unb gegeben 
unb bebitrfen feiner SIbleitung. @ie fiel^en alfo nod^ gan) auf bem reli* 
giofen Soben einer unmittelbaren ©emipbeit. Die ^^ilofopl^ie ^at 
freilid) biefeiben ©runbbegrlffe jum 3ubaÜ; aßein bie gormy bie Slblei« 
tung unb (Sntmicflung biefer Segriffe madjt ben grppen Unterf^ieb au^ 
unb begrünbet erß eine n)ipenf(^aftli^e @rfenntnid. 3u einer folc^en 
aber finb bie «^ebrder niemals geTommen« 

3n biefer einfeitigen (Snttt)icf(ung ijl ein angeborener 5WangeI nic^t 
ju t)erfennen* Sc^on bie ©pracfje, um auf biefe no(^ einmal jurutfju» 
Uidm, liefert t)on biefer ©intönigfeit/ t)Ott biefer geifiigen Slrmut unb 
S8ef(!^rdnftbeit ein wunberbar getreue^ Slbbilb. — 3nbed für ben ganjen 
geifligen 3n^alt berSemiten, für ben Sluöbrwf il^rer religiofen fflelt« 
anfc^auung , i^rer Gr^ebung ju ®ott unb il^reö burt^ Siebe unb J^a^ 
ben)egten ©emfitdlebend genügt fte nic^t nur ))otlfommen , fonbern )eigt 
aud^ überall/ bap jener 3nl^alt bie Sorm t^ollftdnbig bur(^brungen unb 
^d) felbfi barin ^^erfori^ert jur @rf^einung gebracht l^at* 9Jtel^r aber ^^er« 
mag fein einjelner unb fein SBolfdgeifi^ al6 fein eignet Sffiefen )u ent« 
iDiäeln unb barjußetlen; unb bap bie^ bem femitifd^en ®eif}e )}onfom» 
men gelungen, ttirb 9?iemanb Idugnen fdnnen* 

3) SBir baben bid^er nur bie allgemeine Samiliendbnlic^feit ber 
femitif<^en SSolfdßdmme betradbtet. 9ßir fönnten no(^ ^injufügen, baf 
alle; au(^ bie .^ebrder in i^rer t)orgefdbic^tlidben Urjeit/ eine unb biefelbe 
ober boc^ eine nal^oertDanbte religiöfe SBeltanfc^auung geidabt l^aben 
mfifen* @rfi fpdter i^ auf jenem allgemeinen ®runbe bie befonbere Si« 
gentpmlic^feit be^ l^ebrdiff^en @tamme^ l^en)orgetreten. 

S>ie «^auptt^dtigfeit ber dlteßen femitifc^en ^itlturt)ölfer, ber 9a» 
bi^lonier^ ber $^inifen unb ber fübtid^en ^xahtt, er^recfte fUf faft aue« 



8 (Sin(fitrnbe äJorSemetfungen. 

fc^ließlic^ auf bic ^)rQftifcl^c unb te^nff(i^ Seite be« Seiend, öwf ben 
SBeItt)erfel^r, auf ^anbel unb ©c^ifffal^rt, auf ble ®ifinbung t)on Äolo* 
nien« S)abur(l^ l^aben namentlich bie ^^onifen bie alU S93e(t entbecft^ 
6et>o(fert unb in (ebenbigen 93erfe^r gebraut. ®onfl erf(i^einen fte in 
feiner 6pl^dre ber geifligen SBilbung großartig f(^5pfetif(^ unb ^aben 
me^t !t)taftif^ unb t^ermittelnb in bie aügemeine 993e(tfu(tui eingegtiffen« 
!Den tDi^tigfien 3)ienf} aber l^aben fte bet ^u(tui unb Literatur für aOe 
3eiten baburd) geleiflet , bap {te unfie 9u(^ ßabenfc^rift ben SSöIfern am 
9Bittefmeere, inöbefonbere ben ®ried)en, überiieferten» Sc^on bergan« 
beWberfel^r erforberte ein fold^eö SKittel ber SJerftdnbigung, 6ine eigen* 
tpmlii^e Literatur aber l^aben bie $pnifen n)ol(|( fo 'wenig ald n)ie bie 
Sab^Ionier erjeugt, wenn gleid^ fie tierfc^iebene ©Triften fiber religiöfe, * 
gefc^ic^tlic^e/ afirouomifc^e unb praftifc^e @egenf}dnbe gel^abt l^aben 
foßen, bie aber biö auf wenige gragmente verloren gegangen finb» 

3m ©egenfaft ju biefer, ber Äußeren <BTßlj&xc bed 8ebenö jugewanb* 
ten 3;^atigfeit ber fiiteflen Semiten, ift bad ganje Seben unb Streben be« 
^ebrSifd)en aSoIfeö weit mel^r ein innerlichem, ben ewigen Seburfniffen 
bed ©eifteö jugelel^rteö ju nennen* 3)ad getreue Slbbiib biefeö ^ö^eren 
Strebend, bie ganje (Sntwicffung i^rer geifiigen Slic^tung, bie jum 
erfienmal eine religiöfe unb |ttt(i(^e SSoIfdgemeinbe ind 3)afein rief, bie 
grei^eitdfdmpfe unb Sc^icffale biefed Keinen aSoIfed ftnben wir in ben 
Schriften bed 3{Iten lEefiamented aufgejeic^net, @d ifi bie geijiige 
S(t)öpfung ber Station, eine 9So(fdliteratur, bie auf bie allgemeine SSJelt« 
bilbung aufd mSd^tigfie eingewirft hat unb mit il^rer gottlid^en 5ßo^)Us 
larität, woburcl^ |ie jeber SBilbungdfiufe nal^e tritt, auc^ für alle fom* 
menben ®efcl)ledöter bad 95uc^ ber S3ücl)er bleiben wirb. 

3n ben giebern bed Sllten Sefiamentd l^at bad fromme religiöfe 
®efül^l ben einfac^fien, reinfien Sludbrucf gefunben, an bem wir und 
noij immer ju bilben l^aben ; bie bibaftifcften Schriften enthalten einen 
S^a^ t)on ®ebanfen unb äBal^r^eiten, bie noc^ immer bie 98elt bewei' 
gen unb bie nicl^t treffenber audgefproc^en werben lönnen. !Die J^ifiori* 
fd^en Sfid^cr enblic^ entwerfen in gcbrungenen anfc^aulic^en Umri^en bie 
einfac^fien, ewig wieberfel^renben ®runbjüge bed menfc^lid^en ®emüted/ 
3öge t)on Siebe unb ^ap, t)on ®roßmut unb ®ottt>ertrauen, fo wie 
umgefel^rt t)on allem $lbf<^eulicl)en unb ®ottlofen, )u beni bad fiarre 
aSolf fo oft jtc^ t)erirrte* 3wm erfien 9Ral finben wir ^ier im Drient 
eine wal^r^aft ftttlic^e $luffapung ber ®efd^{c^te unb e^te ®efc^ic^td« 
werfe, noc^ einfacher unb nait^er ald ^erobot unb burc^aud mit einem 



I. ä6er ®ft^, (S^axattn unb SUbtmg M ^ebralfc^ftt 93o(M* 9 

poetif^en i^auc^e ü6er)i>g€n« !X)a^et ber immtx mm, unergrunbKc^e 
Sieij, ben fte \>nbmttn. 

2)ei 9Bett unb bie eigent^ämli^e SBebetttung biefer 9tationa(« 
literatur Hegt jundc^fi fc^on barin ^ baf fte nldit abgeleitet unb übertra« 
gen, fonbern burc^aud original unb aud bei innerfien ®eifle^ii(^tung bed 
fiebrd{f(^en SBoIfed ^eiborgegangen ifl. ®o(<j^ei OriginaUitetaturen, bie 
bad uifptAngliAe Sßefen bed menf(^(i(ben ®eif!ed , bad SRi^fierium bei 
Sieligion unb aUei ^oefie am treufien unb ungetrfibteflen abfpiegeln, 
gibt ed im Orient aufer ber l^ebrdif(^en nur noij )n)ei : bie ditere bei 
@inefen unb bie ber änber; in @uro))a nur eine: bie ber ©riechen. 
9Sa^ aber bie l[|lbrdif(^e "oox aOen übrigen morgen(änbif(^en Literaturen 
au^jeid^net/ ift bei religiofe unb etl^ifd^e i^intergrunb/ bie eigent^ämli(^e 
SSeltanfc^auung, bie burd^ aQe @^riften ftd^ l^inbur^iiel^t unb bie be6* 
l^alb l^ier furj erfldrt werben muf • 

3)a6 Sßefen ber ^ebrdift^en Steligion befielet feinedtbegd , tbie man 
gett>ol^ttIi(^ meinte in ber 3bee ber (Sinl^cit ©otted. SSon ber 81ns 
fc^auung einer fo(<^en göttlichen @in^eit gelten urfprungli(^ aOe^ au(^ 
bie ^eibnifc^en ^Religionen auö. 2)er Unterfd^icb liegt aber barin , baf 
in ben (entern bie göttliche (Sin^eit im SSSeUad/ im Uni))erfum 
angef(^aut unb toefentlic^ al6 Subßan) unb 92atureinl^eit benimmt \% 
wd^renb in ber ftebrdifc^en 3teKgion ®ott af« ® eiji gefaxt toirb, al* 
fc^led^tl^in freier fittlic^er SBille, ber ni(^t in ber Statur aufgellt unb mit 
bem SEBeltaß ibentift^ ifi, fonbern in unenblic^er greil^eit unb Srl^aben» 
l^eit aUed @nb(i(I)e unb ^taturOc^e bel^errfc^t. 2)ie ^ebrdifc^e 9te(igion 
ifi geiftiger SRonotl^eidmud ; n)a^ man populdr «^eibentl^um unb $0« 
(i^t^ei^mu6 nennt, ifi t>ie(mel^r ald 92aturreIigion )u bejeic^nen* 

@o fel^r nun aud^ bie l^ebrdifc^e ^Religion atö ber entfd^iebenfie 
3bea(idmud ber realen 98e(tanf(^auung aller 9Iaturreligionen gegenüber 
fielet, fo bllbet |te bennod) feinen abfoluten ©egenfaj ju benfelben» 6ie 
felbfi ifi bielme^i bad Stefuttat bei bamaligen (Snttoicflüng ber äRenfc^:: 
l^eit unb l^at bie 9}aturreligionen bed Oriente ju i^rer notn)enbigen 
aSorauöfeftung» ©ie erreicht jum erjien SÄale in ber SBeltgefc^id^te baö, 
tt>aö bon Anfang an im ©treben ber 9Wenf(^l^eit lag, baö ^id: |id^ frei 
unb fetbfldnbig ju toißen in ®ott. Diep ©treben unb ben Pufemoeifen 
aSBeg jur Dffenbarwerbung ber fittlici^en grei^eit bed SWenfc^en fleDen im 
attgemeinften ©inne bie ÄuUurbölfer bar, tt)eld&e jtoifc^en ©ina unb 
^Jaldßina in ber SRitte liegen: bie ©tnefen, Snber, 5ßerfer, bie ^eibni» 
fd^en ©emiten unb bie %wter- 3)ennoc^ ifi bie l^ebrdifdje ^Religion 
nic^td weniger, aW nur eine l^iöl^er enttoitfelte gorm ber 9'laturreligion 



10 (5ih{ettenbe aSovbfmerfungen* 

Sie ifl \)ielmc]^r dn 'neuer, fc^opferifc^et %H bed ®eiM/ ber immer 
etn)a^ ©e^eimnidt^oKed ^at^ n>{e ba^ 9(itftreten ieber genialen S^^'dtigfeit 
be^ einzelnen 9Renf(6en fo tt>ie gan^r SSoIfer* 

SRit jener 9lnf(^auung^ ba^ ®ott freier/ natnriofer ©eijl unb ein 
l^eiliger, ftmid)er äßiOe if}/ )oerfnä))ft ftc^ aufd engfle bie gorberung, 
bap jened geifiige $rindp b. U ba^ ©ott felft^ ald freier {ittli(]^er aBiQe 
in ber ©emeinbe 3^rae(d feine Sßa^r^eit itnb 9Birni(d^feit f^ait, baf alfo 
jene ©eiftigfeit unb Srei^et^ bie bad Sßefen ®otM aumaifi, auc^ sum 
innerßen SRotit) be^ menfc^lici^en SßUIend erl^oben unb bur(^ bieS^at 
bed Seiend realiftrt merbe« 2)ief ftttüc^ ^ freie Sen^uf tfein be^ äRenfc^en 
))on fic^ unb jened l^o^ere 93en>uptfein über bad geifiige äBefen @otM 
fAQt bur(^att6 jufammen unb ifl am SBünbigfien in bem 6pru(4e au&* 
gebrüdf: ^3^r follt heilig fein, bennSc^ bin J^eiligJ* 5)er 
^eilige n&mlic^ l^eißt ®ott a(^ fd^Iec^t^in freier ®eifi, atö ftttli^er 
SBiQe, ber mit bem Sittengefe^ ^DoQfommen ibentifc^ iß« 3^ bfefer 
göttlichen ^rei^eit unb @eiftigfeit foK anä) ber Wtn\ä) gelangen ; um 
{i(^ t)erfQl(^nt nnb Sind ju n^ipen mit ®ott* 

3n ben SRaturreliglonen feiert ber 9Benf(^ feine ©nl^eit mit ®ott 
b« i* mit bem Uni))erfum baburc^, baf er an bie iRatur ftc^ i^ingibt; 
ber religiofe «Hebräer aber toei^ fic^ einzig unb aOein babur^ Sind mit 
®ctl, bap er über bie Katur unb i^ren 3wang ft(^ erl^ebt unb. fie it^ 
lierrfd^t, inbem er fittüd^ l^anbelt. 

SßoQen n>ir genauer unb begrifj^m&^ig ben 6tanbpun{t ber l^ebr&i» 
fc^en Äeligion beaei(^nen, foifte« bie 3bee be« fittUc^en @oI* 
lend unb bed ©ittengefefted überl&aupt, bie ^ier ind geben ge«^ 
treten 1% äBAI^renb in ben 9}aturreligionen ber meufd^Iid^e SBiQe ft(^ 
im SlHgemeinett bur^ bie 9llaturni>tn)enbigleit aW folc^e befiimmt fü^It, 
f0 weip ber »efenner 3a^»«'d C3e^ot)a'«X fi(^ einjig bur(|> bad Sitten» 
gefeft ber grei^elt befiimmt» 3)ad innere ®efe$ , tt>el(^ed ^ier ber ®eiji 
{t(^ felbfl gibt, fo(l }um eigentUd^en unb alleinigen SRotit) bed .^anbelnd 
erhoben n^erben. 2)ie %atur aber, toie man oft irrig annimmt, ifl fei« 
neön)egd'ald bad an ftc^ Söfe, 9?egatit)e unb bem ®eifte i>öttig llnange* 
nießene bcfiimmt* aiielme]{)r foH nuir bie reine Siaturnotwenbigfeit nic^t 
bad ^errf^enbe fein unb bie greil)eit bed menf(^li(^en ffloßend unb 
ffiirfenö ni^t unterbruden* iibt bagegen ber Sßenfd^ bem Sittengefeft 
gemd^/ fo muf nac^ j^ebrdifc^er 9(nf(^auung aud^ bie Statur, fraft ber 
(Ittlic^en ffieitorbnung , t)on jener greil^eit bur^brungen unb loerfWrt 
loerben,. unb ed muf bem ftttlic^en äßenfc^en äUled in ber Statur jnm 
li^eßen bienen, l^al^er bie bic^terifc^ fc^önen Slu^fprftc^e Ut ^op^eten 



Aber eine IBerndiung ber ganjen Statur / fiber i^re ftttfi(^e SSetfil^niuig 
mft bem SWenfc^n fn bec mef^anifc^en 3rit* 

S)te ganje (Slgent^ämlt^feit ber l^ebriifc^en dteligion jeigt fi^ enb« 
It(^ au(^ in ber $i>rm ^ in ber fte aufgetreten if} unb fi(^ enttDidelt l^at« 
@ie ifl nämüd^ n)efent(i(^ 93 o(f breiig i on, unb bie religiofe unb Tttt* 
Itt^e ©emeinbe en'pirt al« aSoIf in einem ©taote» — SIQerbing^ jinben 
wir aud) in ben 9!aturreHgionen 98olf6götter, ganb« unb ©tabtgJtter} 
aber biefe begränben, awdj \t)enn fie national ftnb/ bed^alb nod) feine 
aSolf^religion. Sine aSoIWreligion entfielet erfi ba, voo eine Kation a(^ 
ein fttt(i(^ed, freied ®anjed, al6 fttt(i(^e (Siul^eit ober ald ®emeinbe fid^ 
in ©Ott toeiß unb il&r SSBefen realiftrt* — 3u biefem Sinne ifi bie 
l^ebriif(^e Steligion aufd innigf!e mit ber ^ebräif(^en iRationalitdt ber« 
n)a^fen unb fäQt mit ber ßaatlic^en IBilbung unb .ftonfittuirung be0 
9)oIfed gang jufammen. <Sie bilbet ^ierbnrc^ einen fe^r toefentlid^en 
©egenfaft jum Sl^ri^ent^um, jur Sieligion ber ÜWenfc^Jieit» 

aiud^ im ß^rifient^um l^aben toir bie 3bee eined jtttll(^en ®anjen, 
bie 3bee be^ 9}ei(^ed ®otted ; aQein bie geiflige Srei(>eit t^ ^ier bur<ff« 
aud )u einer i n n e r ( i (^ e n SBelt geworben unb l^at fi(^ baburd^ aQer« 
bingd über bie ©c^ranTen ber 9{ationalit&t erl^oben. !Darin.(iegt aber 
auc^ bie Untoir nic^ feit bicfer greil^eit bon 5lnfang an unb ber un* 
enblic^e 2Beg il^rer äteaiiftrung. !l)amit aber bie ftttlic^e greil^eit toirflic^ 
werbe/ fo muf te fte in bie ©ränjen ber 9iationaIitdt eingeben, fte muf te 
jtcb alö religiofe ©emeinfc^aft auf ber S3aftd beö ©taat6 fonflituiren, 
unb biefe 93efd)rdnfung if} an fi(^ nicf)t^ UnboIIfommeued ; fte gehört 
t>ielmel^r ganj wefentlid^ jum SBegriff ber grei^eit. 3n ber Sefcferfinfuug 
jeigt ft^ ani) l^ier ber 9Heifier. 

Sine weitere Sntwidlung unb ©rfidrung alleö beffen, wad in bie« 
fem neuen principe liegt ; gel^ört in bie alttefiamentlic^e S^l^eologie unb 
in bie SReiigionöpl^ilofopl^ie» pr bie gegenwdrtige Aufgabe genügt bie 
allgemeine S^ad^weifung , woburd^ bie l^ebrdifc^e Sieligion bon aKen 
übrigen bed SRorgenlanbe^ flc^ unterfd^eibet unb wie fte benno^ nid)t 
au^ bem Greife ber allgemeinen 993eltentwidlung gerüdt werben barf/ ba 
fte bie 9hturreligionen )u i^rer notwenbigen $orau$fe$ung f)aiU. !l)iefe 
3(nbeutungen waren l()ier um fo notwenbiger, atd bie ganje Literatur 
ber »^ebrder wefentlic^ eine religiofe iji unb ol^ne Sinftc^t in bie Sigen* 
t^ümlic^feit biefe^ neuen $rinripe^ ni^t begriffen unb nid^t gewürbigt 
werben fann* 

3n bem principe be« ftttlic^en ©ottenö liegt e^ nun aber, baf jene 
%xeif)tlt^ biebaöJffiefen ber l^ebrdif<^en Sieligion audmad^t, feine fer« 



12 @in(fltenbe SSovBrinetfungen. 

tifle, fonbem eine erfi J^ertjorjubringeube ifi. Sie foK feine blop innere, 
geijiifle, in« Senfeitö jurütfgebrdnflte grei^elt fein, wie bei ben ^Q^pttxn, 
fie fott t)ielmel^r burc^ bie Ztjat bacgefießt werben nnb in ber SBirfUd^* 
feit eine ®eßa(t gewinnen. @ie ijl a([o eine Slufgabe, bie erß allm&l^iig 
im aSerlauf ber ®ef(^)i(^te realifirt werben fann» Unb fo fiettt nun ble 
gönje ®efcf)i(^te ber ^ebräifc^en SReligion ben ftet^ fic^ erneuernben grei« 
leit^fampf bed ®eif)ed gegen ba| 9Iatär(tc^e bar ; benn einen [eichen, 
eine {tttli(^e Sut^weiung, t)erlangt bad @oQen bed @iüengefe^ed ))on 
Anfang an. 

2)er gefdjic^tlicöe Anfang biefeö neuen 5Prinripö , bie Silbung ber 
religiöfen unb fittlic^en SSolfögemeinbe beginnt erfi in ber mofaift^en 
3eit. 93on ba an iß be6^a(b auc^ erfl bie äßoglic^feit unb ber wirf(i(^e 
$(nfang einer l^ebrdifc^en Literatur gegeben« 

9{a(^bem wir fo bie ®runblagen, bie innern Sebingungen unb 
ben allgemeinen ®ei|i erfannt ^aben, aM welchem bie ^ebrdifc^e 8itera* 
tur l^ert)orgegangen ift, fo ftnb ie^t auc^ nod^ bie duferen Sebingungen 
berfelben furj ju unterfuhren, $Rur wo beibc öorl^anben ftnb, fann eine 
Siteratur ft^ entfalten« 



II. 

Ühtt bte lebraif^e ^n^ftahtnf^tift. 

Sine genaue ©e^^HjU bed femitifc^en unb fpeciett be^ ^ebrdif(^en 
Sllpl^abeteö gehört tl^eilö in bie ©rammatif , tl^eiW in bie Slrd^dofogie 
beö alten 3;ejiamented. 3n ber Siteraturgefdri(^te l^anbelt ed ft(^ ^ti be« 
fonberö um bie 9?a(^weifung , ju welfber 3cit bie Sudfcfiabenfc^rift bei 
ben §ebrdern eingefül^rt worben unb welc^eö ber allgemeine S^arafter 
biefer ®d)rift ifi, ob fie mit Seic^tigfeit gebraucht unb gelefen werben 
fonnte, 3nbed ifi bie grage über ben Urfj)rung ber ®cf)reibfunfi l^ier 
ni(I)t ganj ju umgeben. 

3)ie Srflnbung ber femitifi^en Su(^fiaben wirb t)on ben 8llten balb 
ben5ßl^önifen*), bolb ben Slramdern*) in 93abe( jugefd^rieben. 3nbe« 
ifi biefe Sage gef(]ri(^tlidr ni(^t nd^er jn begrunben* 3)ie 5ßl()6nifen t)er* 
breiteten jebenfaHö ba^ Sllpl^abet ; burc^ fie ober burc^ fübarabifd^e (fa* 
bdifc^e, l^imjaritifc^e) ^anbeWtiölfer ifi e« tjielleic^t fcf)on um 1000 »or 



1) fftaä^ PliDius, hist. nat. 5, 13. 

2) Plin. 7, 57. Diod. Sic. 5, 74. 



II. ÜLUx bie ^eBriifd^r Suc^flafintfc^rift. IS 

&)x. na<^ änbien gefommen ; benn bap bie @an0fr{tf(^rift bon einet 
femttifd^en unb )n>at (eflimmt ^on einet dtl^{opif(^en ®runb(age au0ge« 
gangen ifl^ fc^eint mit ganj unjtbeifel^aft ju fein. Um 700 famen bie 
i,p^önifif(^en ßric^en* HU ben ©tied^en*) unb frdtet au(^ ju ben Äömetn. 
Sid^erlid^ abet gieng bie ganje @rfinbung nic^t bon Säbel au^ ; {te mup 
in %i^pten gemalt n)Otben fein/ n)ie ebenfaKd fc^on bie SlUen anna^« 
men. 93g(. Cicero, de nat. deor. 3, 22. PIid. 7, 56. Tacit. annal. 
11, 14. Plutarch, sympos. 9, 2. 

2)ie dg9ptif(^en .^ietogl^p^en ndmli(^/ beten &Uef}e ®))ttten meit 
übet unfte je^ige ß^itted^nung ^inauftei^en / finb il^rem «^auptbefianb* 
t^eiie mdj butc^aud fc^on al))l^abetif(l^e 3^id)^n, unb ba^ femitifc^e 
^lpf)aUt betu^t nic^t nut auf bemfelben $tincip/ fonbetn f}at au(^ nai)* 
weiöbar feine ßeic^en bon ben Sigi^j)tetn entlehnt, 5>ie ubetteid^en 55if« 
bet bet %9^)tet tt>utben abet auf 22 jutütfgeffil^tt , inbem man füt jeben 
8aut nut (Sin ^^Id^m ftritte unb baffelbe tt>iebetl^olte , fo oft bet 8aut 
botfam* 

3)ie 2(tt , tbie bie ©emiten bei biefet Uebetttagung beifügten , ifl 
folgenbe. @ie fugten fitt bie &Q\))pii\ä)en Silbet d^nlic^e 9Iamen in il^tet 
@ptac^e auf unb ))afften fo but(^ fleine Stobififationen bad l^ietogl^« 
:p^ifd^e Sllpl^abet betf femitifc^en Sauten an* 3)a^ femitifc^e Kaf ifl j. 9. 
im %i^ptif^en bie $(bbi(bung eined ®efafe0, bad foptifc^ Keloi ^ei^t^ 
unb )un)ei(en f(^on gan) bie gotm bed gtiec^if(^en K f)at, im $l^önifi« 
fd^en abex nod^ immet umgefe^tt gef(^tieben tt>itb« @d foQ ^iet eine ein« 
gebogene, geftummte «^anb obet gaufl botßeOen, bie ^af ^eipt unb fielet 
bann fut ben Suc^fiaben X. 2)ad 9t , um nod^ ein Seifpiel )u geben^ 
witb ÄgVPtifc^ fel^t gewö^nlic^ inxif baö tunbe 33ilb bet Sonne, bie re, 
ra l^ei^t; obet but^ einen (ing(i(^ tunben ^teid, einen äRunb, ro, t>ot« 
fiellenb/ au^gebtudt. 9Rit einem @eitenf)ti(l^ betme^tt ifi bataud.bad 
p^6nififcl)e resch obet rosch getbotben, gtied^ifd^ P, q, xoa^ einen Äopf 
bejeic^net unb ba^et ben SSu^ßaben r. 

ibiefe l^5(^fl tt>i(^tige Umbilbung unb Seteinfac^ung bet Agi^ptifc^en 
©d^tift fant unflteitig in bie ^tit , aW bie ^ebtdifc^en ©tdmme untet 
3ofef, in SSetbinbung mit ben atabifd^en unb fananitifd^en »^ittenfönigen/ 
ben fogenannten «^^{föd/ me^te 3a^t^unbette lang übet Untet« unb 
9Ritteldgi^pten l^ettfc^ten. 993e(d^em femitifc^en ©tnmme abtx biefe Um« 
bilbung angel^ött; iß nid^t audjumac^en. Sluf bie «^ebtdet leitet nic^t6 ; 
ebenfo wenig auf bie Sltamdet. 2)enn bie 9{amen einiget Suc^fiaben^ 



)) Herodot, 5, 58. Tacit. annal. II, 14. 



14 SbilfUntbe SSorBetufttuit^n* 

btejid^ 6(op ani bem Hramdif^n etf (Aren foUen ^ bmü\tnnm, ba$ 
btVot epxaiiixod^c in bec Alttfien ßüt ftc^ no(6 nd^er fianben. 60 t^ 
rescfa , ber 9tamt bed ^opfe^ / aUerbingd nramdtfc^ unb lautet f)tbx&i^^ 
i-osch ; aber bad ^ebrdifd^e l^at bad von resch abgeleitete rescbit , 9ln< 
fang, unb mu^ alfo urfptunglic^ au(^ iene ^orm gel^abt l^aben. ^age« 
gen ifl ber gned^ifc^e Staute Ro ofenbar au€ roscfa berfut)t* 9(uferbem 
fann man nur no^ J6d unb Gimel anfuhren/ bie ju ben U^t gen)ö^n« 
Ii(^en^ebrdtf<^en formen ni^t fiimmen^ aber al6 alte tRebenformen fic^ 
leidet erfldren. (9igl. ba^ grte(^. Gamma fiatt Gamla.) Über ben Ur^ 
f^)rung bed Sllp^abetd ifi ni^t« baraud gu folgern^ Sur fo biet Ifi ftc^er, 
baf bie ^ebrder aud äig^pten bereite bie^euntnid ber Suc^füabenfij^rift 
mitgebracbt l^aben mäpen unb ba0 toa^rfc^einlic^ SRofe fte )uer{l burd^ 
$luf)ei(^nnng ber 10 ©ebote bei i^nen einführte. 

SBa« bie gorm biefet aIt^ebrÄifd)en ©(^rift betrifft , fo war fte im 
Sßefentlic^en bie ber $l^öni{en, bit toix aud alten änfd^riften unb 9Rän« 
Jen J^inldngUt^ fennen. — Die jeftige ^ebrdifdje, fogenannte Duabrat« 
fi^rift aber ifi iüngerm Urfprungd» @ie tt)irb aff^rtfd^e ©(^rift ge« 
nannt, b. i* l^ier: c^albdift^e ober babi^Ionifc^e / toie ber 9Iame ^f« 
f^rien na(^ bem Untergänge biefet 9iei(t)e^ gerabeju für Sabplonien 
Mt/ J* »• 3erera* 2, 18. Äfaglieber 5, 6. 2 Äon. 23, 29; — 3n 
Sab^Ion ndmlid^ biibete fid^ au6 ben fieifen^ fd^tverfdiligen p^dnififd^en 
S3u(^{)aben eine (eii^tere unb gleichmäßigere ©c^rifl. Diefe lernten bie 
3uben tod^renb bed (Sxiied fennen unb führten fte ein* ®o erfidrt ftd^ 
woenigjienö am einfac^ften ber Urfprung biefer Schriftart. 

®an) irrig ifl übrigen^ bie gewö^nüc^e Stuftest; monac^ bie @emi« 
ten blop bie Aonfonattten gefc^rieben l^aben foQen* & todre ba^ aOer« 
bingd eine fe^r unooQfommene ©c^rift; benn ber SSofal^ ol^ne toeld^en 
fein.£onfonant au$gef))ro(^en werben fanu/ ifl bie eigientlic^e ©eele jlebed 
Sßorted unb mufte be^^alb ani) mit au^gebräcft werben» Die femitif(^e 
©c^rift l^at bief auc^ getrau, ©ie ift ndmlid^ nid^t eigentli^ eine Su<^« 
fiabenfc^rift^ fonbern toie bie bertoanbte ber ätl^io))en unb ber 3nber eine 
©ilbenfd^rift. Dad einfad)e ^xincip toax biep. Seber Jtonfonant 
tourbe o^ne weitere 9e}eic^nung mit bem ndc^ften Saute^ mit bem ©runb« 
t)ofa(e a gefproc^en. Diefer Saut ifi noc^ je^t }. S. im $(raiif(^en unb 
SÜ[t]^io))ifd^en ber t)or]^errf(^enbe unb muf an^ im ^(t^brdifc^en einen 
i^iel au6gebel^nteren ®ebrau(^ gehabt l^aben. 9So ein anbertr iant, ein 
(ange6 i ober u, bie immer $(exion^b^beutung l^aben^ gefproc^en wer* 

1} ^%t l^ieröber bie genauere Slad^wetfung in meinem l^ebr» SBurgeltodrietbuilie 
«. XXIV f. 



ben foOte^ koutbc biep (ober nur hn Vitilaut) butc^ Jod unb Vay be» 
geic^net« 

S>i4 einfa^e ^iicip ifl im ä[tl^io)){f(^en t»ie im dnbif^Kn am 
^i>nfommni(lcn bnrc^gefu^tt^ ttnb bie abti>ei<^iibeit Sofa(e genau 6e« 
geid^net. 3m ^tbt&li^tn itnb $^iitifif(^n bagcgen ifi e^ unvoKenbet 
unb fofi bei bem erßen tollen Slnfange ^eben geblieben. @elb{t bie Hn* 
gäbe be^ langen i unb u ifl in ben filteflen Stfiifen nut auf bie nötig« 
fien Saae befc^rdnft/ unb fiebt im ^j^onififd^fen in ber Stege! nur am 
(Snbe eine« WioxM, im Slu^iaut, febr fe(ten in berSKitte eined WioxM. 
Daber bie SBleibeutigfeit fo mannet alten 3nf(brift. 3Rit ber 3eJt jebo* 
ifi bie b(brdif(be ^db^^fi ^^'^ beflimmter gen)orben/ bebielt aber immer 
no(b etn)a^ 9RangeI^aftee« 9tament({(b äfften in ben f)>&tern 3^iten bie 
alten SBegeicbnungen nic^t xti)t mt^i, inbem man(berlei SautiDecbfel ein« 
brangen unb man bo(b bie alU @(lb^e{bn)eife beibehielt. @o lange inbed 
bie Spradb^ lebenbig xoax unb gef^ro<6en «Durbe, berflanb man bie &äixi^ 
leicbt/ au<^ ol^ne fc^Arfere Sejeid^nung ber neu entfianbenen langen unb 
furjen SBofale. $l(d aber im 6—7. Sal^rl^. na(b 6l^riflu^ ba6 ^ebrdifc^e 
al6 93oIfdf))ra<lb^ gcln)Ii<^ auögefiorben war unb nur trabitioneU in ben 
&^u(en (t^ erbalten ^atte / ba erfanben bie jiibifd^en @e(ebrten , inbem 
fie einen gereinigten Sert feflfledten , in^Uid) ein audgebe^nte^ 6);^flem/ 
um fon>ol^( bie ))ofa({f(lb^ 9ludf)>rac^e , a(d aucb bie SSctonmtg ber Viix* 
ter angugeben. @ie ^unftirten im VKgemeinen nac^ ber Überlieferung 
(Masöra) ; ^ie unb ba au^b nadb f^<^'^^ SSermutung. l£^ie gange $unfta* 
ihn t>ertritt be^baib nur bie @te(Ie eined alten^ vAdjH^tn Jtommentar6 ; 
fonfi mu0 man {i(^ an ben un))unftirten %eA f^alten unb läufig bie über« 
lieferten Sofate finbern» 

@in fel^r unfritifcber @ifer ber Sl^rifien l^at biefe maforetifcben SBof 
fa(gei(ben f&r urf)>rfing(i<b ba(ten n>oOen. %&x l^x fpdtere6 ülter fprec^en 
iebo(b entf(bieben foigenbe ®rönbe: If bie Analogie ber aitpbönififc^n 
unb ber famaritanifc^en @^rift/ fo tvie bie nadb^^^ar fpfitere (Sinful^« 
rung ber So!a()ei<^en bei ben Syrern unb $(rabern. 2; bie dlteflen Über« 
fe^ungen ; benn biefe folgen l^ciufig einer gang anberen Spfalaudfprai^et 
3) bie jübifc^en @i^nagogenroJD[en, bie noc^ je^t in ber alten ffieife, b« i, 
o^ne befonbere SSofalgeicben unb Slccente geft^rieben tDerben mfi^en. ® o* 
bann l^faben bie 3uben bie Slrabition^ ba^ bi^ t)on SRofe an münbiic^ 
überlieferten SSofaie juerjl ))on @dra aufgefdbrieben n>orben. (Snb(i(^ 4) 
fleben biefe SSofalgeid^en gang auf erbalb ber eigentlichen ^^xl^ti^t unb 
geben ftcb fc^on bi^rburcb a(6 eine fy&tere 3ttt^at gu etfennen. 9Iu<^ 
n>urben in ben alten ^anbfc^riften/ bie aber ni(^t bi^ fib^ba^ 10. Safir« 



16 (Sinleltenbe 93or6emer!ungen. 

ffunbert n a (^ @l^r{fhi0 hinaufreichen , bie 93of a(e immer von einer an« 
beren «^anb unb mit anberer Stinte aufgetragen* 

Pr bieSiteratürgefd^ic^te liefert bie ®ef(^i(^te ber ^ebrdif<^en Sud^« 
ßabenf(!^rift nur ein geringe^ 9tefu(tat« @d n>&rbe (ebeutenber fein , na« 
ment(i(^ für bie 3^itl6^fiinimung mancher ©d^riften^ n>enn n>ir au(!^ nur 
Keine ^\Mt in ber Urfc^rift, ). 93« nur bie 10 @ebote, ober ein Sieb 
aud ber 3^it S>abib^ bon a(t^ebrdif(^er .^anb bef&f en. 3nbed i{l ni^td 
ber Slrt auf unfere ^t\\ gefommen» 

IIL 
®ef$i$te bet |e(raifc(en ^^dftfteaetei« 

S3ei allen 93ö(fern bed 9(Itertl^umd ftnb bie erfien 9lnfdnge ber Site« 
ratur unb be^ ©d^riftgebrauc^d meiß mit e))0(^ema(l)enben @reigni(fen 
»erfnüpft. 3m atigemeinen beginnt baa S3ebürfniö ber Schrift mit ber 
Drganijxrung jiaatli^er, i^i^Wx^a unb pttlid^er aSerl^Ältnijfe. 3)ad 
SRäc^fie, tt)aö man aufjei^nete, toaren tool^l ®efe$e, wie ed t)on ben 
®r{ed)en befannt ift/ bap unter il^nen juerfl bie ®efe(e \>t^ ^OiUxil^^ 
um 650 ber Sd^rift attt)ertraut n)urben, todl&renb frül^er bie S^furgifd^en 
au^toenbig gelernt n)erben mußten. @benfo erl^ielten fi(^ bie dfteflen 
poetifc^en @rjeugnifTe burc^ lebenbige Überlieferung« @rfl @oton (lep 
}• 9* bie«^omertfc^en ®effinge famme(n unb auffd^reibeU/ alfo für) nad^ 
bem 3al^r 600. Überl^aupt fam erft mit ber 9lu^bilbung ber $rofa au^ 
bie @cl)rift unter ben ®rie(^en mel^r in ®ebrauc^« 

@inen fi^n(id}en ®ang ^at bie l^ebrdifi^e Sd^riftfleKerei genommen« 
dwar glaubte man im 9)titte(a(ter/ e6 (;dtten f(I)on bie $atriar(^en fd^rei- 
ben lonnen unb wirHit^ einzelne ^\Mt ber ®enefid aufgejeid^net, unb 
biefe^ ®(auben^ ftnb aud^ ie^t mx^ einige 9}a^)ug(er wA bem SRittet- 
alter. Wixxi in ben @r)dl^(ungen ber ®eneftd ^errfc^t ein guted Setoupt« 
fein über ben Unterfd)ieb ber dlteren unb ber fpdteren 3eit. ©o »erben 
j« S. bie geri(^tlicl)en SSertrdge ber Patriarchen nid^t niebergef(^rieben, 
fonbern münb(i(^/ auf offent(icf)em äRarfte unb in ®egenkoart bed gah« 
Jen Solle« abgefd^Iopen. 1 üWof. 23. — gemer werben merfwürbige 
ffireigniffe bur^ 3)enfmate t)on Srbe unb Steinen, aber ol^ne 3nf(^riften 
bejeic^net« 1 ÜWof« 31, 45 ff. 9?ur einmal wirb m. ©igelring be« 3uba 
erwdlftnt, 1 SMof« 38, 18« 3)iefer fe^t eine «rt oon ©d^rift t)orau«« 
3nbeö l^atten bie ^ebrder ben SRing fi^werlid^ felbfi gearbeitet, fonbern 
entweber bie %9pter ober bieSab^Ionier, bei benen frül^ 3ebermann 



III. ©rfd^id^te ber IJ^eirSifc^en Sd^riftflrami. 17 

einen Sigelring l^a(en mu^te. S(uferbem rfil^tt jene @teDe i^oti bem 
fpäteren ÜbnaxUltn bed ^eniaUui^e^ f)ex, bet au(^ fonfi man^e Slna« 
d^roni^men begel^t^ n)ed()alb bie @teUe o^ne ade Sewei^fraft ift fät 
einen )>atnar^a(if(l^en Sc^riftgebrauc^* 

!Die dltefte Spur eined ((^riftüd^en 2>enfmaK unter ben «^ebrdetn 
flnben wir in ben jwei Oefe^tafefn mit ben 10 ©eboten, bie 9Rofe ouf» 
geßeOt ^aben foQ. ^iefe 3;rabition ifl unfireitig oef(^ic^tli(^. 9Rit ber 
^onflitutrung ber fitt(i(^en ©emeinbe führte ÜRofe ma^rf^einüd^ bie 
®^rift ein nnb n>urbe babur^ }ug(ei(^ ber Segränbcr ber ^ebriifd}en 
giteratur* 

Site alteM ©(^reibmateriol bienten Steine, »le e6 t)on ben jtt)ei 
®efe(tafe(n audbrudltd^ gefagt wirb. S^nlic^ {(^rieben bie Sabi^tonier 
auf SBaif jleine. $(u(^ bad allgemeine 9ßort für ftbreiben nn:D fül^rt auf 
ein l^arted ÜRaterial ; benn ed bebeutet eigentlich einfc^neiben, ein« 
graben, grat)iren. @pjter fc^rieb man au^ auf ^5()erne3^a« 
f e(n, bie n)al^rf(l)einli(^ mit 9ßad^d fiberjogen toaren. 3ef« 8, 1. @). 
36; 18; be^^alb vverben au(^ eiferne ®riffe( erwd^nt, 3erem. 11, 1* 
9(uf foI(^e 9Bac^dtafe(n n)aren befanntlic^ bei ben Stomern bie ®efe^e 
ber fogenannten 12 flafeln gefdjrieben^ — 3n noc^ fpdterer 3«it fom» 
men bei ben «^ebrdern a\\^ 9)}eta(p(atten t>on Jtupfer ober S(ei bor« 
1 ^atfab. 8, 22. 14, 27. ®anje »üd&er, \\>it lei^t ju feigen iji, tonn» 
ten in biep fefte SSRaUxlal nic^t eingegraben weiben, fonbein blop fur^e 
3nf(^riften bei öffentlichen Denfmalen , ober wenn fonfi (txoa^ aflgemein 
®ä(ttge^ aufgezeichnet werben foKte. 

2)er dltejie l^ebrfiifcl)e Äame für ein SBuc^ unb eine Heine Schrift, 
^BO fü^rt auc^ ouf ein weichere« SWaterial* 3)er 9?ame bebeutet etwaö 
^abgeriebene^ , ®egWtteteö; biep fonnten SBoumrinben, ©c^ilfrol^r unb 
namentlich Si^ier^äute fein, pr biefen Stoff fpric^t befonberö 
4 8Bof. 5, 23, wonöd^ ein folc^eö 33ttc^ im Jffiaper abgefpult werben 
fonnte, o^ne bap eö jergicng. ?lud& bie ®tiec^en fc^rieben, el^e bad 5ßer* 
gament erfunben unb $)^b(ud eingefül^rt war / auf gegfirbte .^clute t)on 
3iegen ober ©c^aafen. 3)edl^alb Reißen bie Sflc^er t)on Sllterö ^er 
gelie, diq)&ßqaif fagt ^erobot 5 , 58. Sluf fold^e getle, bemerft er 
weiter, fc^reiben auc^ ju meiner ^txt noi) t)iele Sarbaren. — ©o biet 
fielet feji, baß bie ^ebrder in ber Ältefien ^eit pd^ noc^ nic^t ber Xfjitx^ 
l^iute )um ©d^reiben bebienten. 

9ßa^ außer ben 10 ®eboten im ^entateuc^ , fo wie in bem 9ud^ 
3ofua ))on f(^rtftlic^en 9uf)eic^nungen borfommt, if} ni^t fel^r glaub« 
fiaft, mit 9(udnal^me ioon3ofua8, 32, wo ed ^ißt, baßSofuaba» 



18 (Sinleitenbe 93ot6rmrrfungrn* 

©efe^SWöfe'd aufstellt abgcf^rieben f)ait, unb jtt>ar auf bie Steine 
eineö Slttarö, ben er auf bem SBerge @bal bem ®ott 36raete errii^tet 
Tratte* So fonnen biep natürlich nur ble 10 @Aott gewefen fein, ni^t 
ber ganje ^entateuc^. 9loä) jur ßtit Salonto'^, atö ber Zcmpd erbaut 
war, beflanb ba6 ©efeft ÜRofe'ö nur aM ben jwei fteinernen S^afeln mit 
ben 10 lurjen SBorten, bie in ber SBunbeöfabe lagen, l Ä6n, 8, 9, 

^19 l^ifiorif^ bärfen mir bagegen n)o^( annehmen , ba^ Samuel 
baö Äönigögefeft 1 Sam. 10, 25 fc^riftlid^ aufjeic^nete. Dagegen ifi eö 
t>6Il[ig unbegrunb{;t unb fe^r untoal^rfc^einlic^ , bap bereite in ber 9it(^« 
:teraeit l^ifiorifd^e Sudler t)erfaft n)orben feien, wie j. 93. (Swalb einjelne 
Stutfe ber ©enefiö , befonberö bie SSertrdge ber ^Patriar^en , in biefer 
Seit gefi^rieben fein l&ft SJiefe aSertrdge gel^ören blof ber Sage an, 
gu beten 9(uf)ei(^nung man bamald no(^ feinen ®runb t)atii. Überl^aupt 
fd^relbt ein SBoff nie feine ©efc^idbte, bevor eö ni^t ein wirf fi^ed Staatö« 
wefen organifirt ^t unb atö felbfi&nbige Wa6)t anbern SSoIfern gegen« 
aber ße^t. @d muf ju einem gewif en Sibfc^Iup in feiner @ntwid(ung 
gefommen fein, muf ein wid^tiged Stefuitat errungen ^aben unb eine be« 
beutenbe Stellung in ber ©egenwart einnel^men, erfi bann erwad^t ))on 
fetbji bad 3ntereffe, jururfjufc^auen unb baö erreidbte Slefultat auö ber 
SSergangenl^eit nadjjuweifen* — ^wä) fonjl gel^t aud SHIem ^evoox, baß 
ber gef(^i(^tli(^e Zf)dl be6 ^entateu^d nic^t t)or ber (Sinfäl()rung bed 
Aönigtl^um^ t)erfaf t fein fann. 

^lad) !Dat)ib unb Salomo wirb ba6 Schreiben fobann immer l^Au* 
ftger unb allgemeiner. 2)ie ®ef(^i^tf(^reibung namentlich gewinnt feit 
Salomo befonberö baburc^, baf am föniglici^en ^ofe ein i&ijloriograp^, 
ein Steid^^fanjler angefiellt würbe* 3)iefer mußte alle wi(^tigen (Sreig* 
nijfe aufjeld^nen. 1 Äön. 4, 3. @r l^eißt 'T^stö, entfprec^enb bem ma- 
gister memoriae bei ben fpSteren romifd^en ^aifern. 3war Wirb fc^on 
2 Sam. ö, 16. 20, 24 ein folc^er ^of't^ifioriograp^ unter ben 93eam* ' 
ten!Dat)ibd erwÄl^nt* Slflein eö i|i berfelbe, (3ofafat,^ber So^n beö 
Sll^ilub) ber unter Salomo bief äfmt befleibete. SebenfaH« fe^en wir 
feine SQirffamfeit nod^ nic^t unter !Dat)ib, unb nur bie Sage legte 
wa](irfd^einlic^ bem le^tern auc^ fc^on einen fold^en 93eamten )u. IDie 
aSfic^er Samueln unb ber Äönige ^aben neben ber münbtid^en Überlie* 
ferung befonberö auö biefen SRefd^öannalen gef(]^ö})ft unb fie ej:cer))irt. 

^ 9Rit bem 9. 3al^r^unbert beginnt bie \^xopJ)d\\^t ßiteratur. Der 
»^irt 2lmoö um 800 fann fc^reiben. Um biefelbe ^eit entlel^nen Dichter 
fd&on Silber t>on ber Schrift, toa^ einen allgemeineren ©ebraud^ »or* 
audfeftt, 5Pfalm 45, 2. 3efaja 29, 11— 12. - SJom 7-6. Sa^rl^un* 



IV. Sefc^id^te ber ^eMtfd^en @^ta(^e. 10 

beit an entfielt fc^on eine SSielfd^teibecet bte in nnb rndf bem iai^lot 
nifd^en (SxiU no(^ junimmt, inbem je^t bie f(^rift(t(^e SRlftl^eilung te(^t 
etgentn<$ an bie SteOe be^ (ebenbigen äBotted tritt unb aamd^Iig fe(bfl 
eine 9(rt geleitetet unb ftitifc^et ©c^ciftfieQecei auffonimt. 

Süi ben vraftif(^en ©ebrauc^^ }ur Slnfettigung bon SBertr&gen u. 
bergt, gab t^, n>ie no<$ ie^t im Oriente, befonbere ©c^reibmeifler/ bie 
il^r ®(^reib)eug beflinbig bei fic^ im ®firte( trugen. @je(^ie[9, 2, 11. 
— 3"^^ 3^'t 3eremia'ö maci^te man bie gorm ber Süd)er bequemer, in« 
bem man bie Sldtter ober <^dute ju einet einjigen Siotie berbanb. 2)ad 
ifi rrVaö eine 93u(^ro(Ie, volumen. 3erem* 36, 14 ff. (gj. 2, 9. 
5ßfata'40, 8.. Snbeö gel^ören biefe ^uferiic^feiten ber gitetatut nic^t 
vpeitet l^iel^er. 9Iur ben Sübung^gang ber ®))rac^e mäpen mir noi) für) 
überbiiden. 

IV. 
®ef^i$te ber pelt&ifdpen ®tira$e^ 

!X)ie ^eimat ber alten «^ebr&er tDar 9)tefo))otamien, ba^ Sanb ber 
31 r a m d e r ober S^albder. 3)iefe Überlieferung i|i offenbat ^ijiorif(^. 
Unter Slbral^am t)er({epen fobann bie «^ebrder ibren alten öfilidb^n 
@tammit^ unb jogen a(d 9?omaben n>eßn>drtd na^ ^aidfitna, bann 
nac^ ^g^pten, unb enbiid) na«^ ettt)a fünf äa^rl^unberten abermald nac^ 
$aldfiina juvucf. 3l^re Spradbe war bemna^ bie aramdifd^e ober bab^» 
lonif^e, n>ie benn anäj 1 3Rof. 31, 47 bie in 9)2efo))otamien juruif« 
geladenen SSertoanbten Slbral^am^ aU aramdifi^ rebenb beieid)net 
»erben. 

@eit bie «^ebrder aber in Kanaan feße SSSol^njt^e gewannen unb 
mit ben bortigen 93o(faftdmmen ftd) bermifd)ten/ fo mäfen fte aUmdl^lig 
i^re aramdif^e 9Rutterf))ra(^e aufgegeben unb bie ber fananitif^en 
936[ferf(^aften angenommen l(|aben. 2)enn ba6 «^ebrdifc^e war mit ge« 
ringen 3lbwei(^ungen au<$ bie ®pxa6)t ber eigentlid^n Aananiter b. i. 
ber $^önifen unb ber ^on biefen abfiammenben ^art^ager ober $u< 
nier. !Da^er ^eipt bad .^ebrdifdie gerabeju :bie@:pra(^e^anaan0, 
3efaja 19, 18. — ®»)dter, al« ba« ^ebrdifc^e »ort fic^ in bem JReid^e 
3uba foncentrirte, fommt au^ ber Sttame iübif(^e ®pra(^e bor. 
2 Äön. 18, 26. 3ef- 36, 11, 13. grfl im »ud^ be« 3efuö ®ira* unb 
im 9?euen Slejlamente flnbet fic^ ber 9?ame^ebtdif(^ ober l^ebrdi^ 
f^er Dia left für bie 8anbeöfvrad>e ^ald|Jina'd, im ©egenfaft a« t)er 
gtie(]^if(^en. 



20 @in(eitrnbe aSor^emevfungrn« 

ßm Srftfirung biefeö merfwürbigcn Urf^rungö be^ t^ebccllfc^en 
bient So(genbe6. Die fananitifc^en Solfec mufen ebenfalls ^ aber lange 
»ot ben Hebräern, au6 bem ofilic^en aramaifc^en SWutterf anbe , bem 
Urft&e beö fcmitifc^en SBjalföftammeö, natfe ?Palöpina eingewanbert fein» 
S33a^rfd)einli^ aber famen fte n)ie ble Hebräer auf einem Umn)e9e bal^tn 
unb jogen junöd)^ bem perftf^en SJleerbufen entlang naci^ ©übarabien, 
bem 6i^e ber «^imiariten'(9lot^en)» ^ier mfipen fte lange gel^aufi 
I^aben^ el^e {!e nac^ Kanaan famen* 2>enn nad) einl^eimifc^en Sagen 
foUen ble ^pi^önifen \)om enjtl^rSifd^en SReere l^er eingewanbert fein. 
Herodot. 7, 90. t)gl. i, 202. grfl ^ier erl^ielt i^re ®^)rac^e bie eigen« 
t]^ümlid)e ®e|ialt, bie fte t)on ber aramflifc^en ÜRutterf^)ra(^e unterfc^ef* 
bet. — 9?un fann jwar ber eigentli^ ^ebrdifd^e 3)iafeft f(^on wfi^renb 
bee langen Slufentl^alteö in ^g^^)ten eine d^nti^e Umtoanblung erfahren 
l^aben wie ber fananitif^e Stamm, fo bap beibe ©prägen, alö fie in 
^alöfiina jufammentrafen, fafl biefelben waren. 3nbe6 bleibt bod) bie 
anbere Stnnal^me, baß bie «Hebräer erfl in ^ßatäflina ber allgemeinen 
Sanbeöfprac^e ftc^ nä^er anfd^lopen, wol^t bie rid)tigere. @6 folgt bar- 
auö aufe 5Reue, wie bebeutenb bie entwicfeltere Silbung ber Äqnaniter 
auf fte eingewirft ^aben mnp, fo bap bie Sieger, wie e6 f<^on oft ge* 
fc^e^en, nid^t nur t)on ber Äultur, fonbern aud^ t)on ber Sprad^e be^ 
befiegten 8anbee überwältigt würben. 3)al^er benn ein Söl^rl^unberte 
langer ^ampf um bie nationale unb geiflige SelbfiAnbigleit. 2)abei ifl 
übrigen^ ju bea^ten , bap wir baö Slramöifc^e nur in einer febr fpäten 
unb t)erWmmerten ©eflalt fennen. Seine filtere gorm fianb wa^rfc^ein* 
li(^ bem p^onififc^en unb ^ebrfiifc^en 3)ialefte nodb niber, obwol^l e6 
auci^ U^t noij einjelne uralte Slemente bewal^rt l^at. So ftnb j* S. bie 
l^ärteren Saute d unb t, wo bie anbern 3)ialefte weidbe^ z ober s, seh f)a^ 
ben, im Slramfiifc^en urfprflngltc^er, j. 95. chadat, neu, l^ebr. chadasch ; 
iür, ber Stier, l^ebr. schör; di, welcher, ^ebr. ze, ber, biefer u. f. w. 

3)urd) bie eigentpmlid)e ©elfte^rid^tung, wel^e baö ^ebriifc^e 
äSolf nie ganj aufgab, fo wie fpäter burc^ bie jal^lreic^en literarifd^en 
Srjeuguiffe befam baö ^ebrfiifc^e gewip ein befonbereö ©eprfige, fo 
bap wir immerl^in, wie e6 au(6 bie S(^nftbenTmfiler jeigen, eine ge« 
wipe 3)ialeftt>erfc^ieben]&eit beö .^ebrfiifc^en unb $^onifif(^en jugeben 
müpen. 93eibe waren etwa fo t)on einanber t)erf(^ieben wie ba6 Sd^wfi» 
bifc^e unb Sllemannifd^e. 

8(u6 biefem Urfprunge ber ^ebrfiif^en Sprad^e erflfirt ficft marid^e6 
in ber Literatur. 3n ber eigentlid^en 5Bolföfpra<^e erl^ielten ji<^ nflm« 
lidb nocb lange ^dt aramfiifc^e ober c^olbfiif^e Elemente, j. 95. bad 



IV. ®rf(^td^te ber J^e6raif($en ®))ra(^e. 21 

^Pronomen uJ für ^^p», unb bicp finbct fi(^ gerabc in einem ber filteßen 
©türfe, in bem 8iebc'ber 3)ebora, 9ii<]^t. 5. — (Sbenfo ^aben aud^ 
f^)ateie ©türfe, bie mel^r au^ bem eigentlichen SBoIfe ^ertjorgiengen , im 
aiügemeinen eine aramäifc^e gdrbung , j. ©• baö ^ol^elleb» ©elbfi 
bie ?ßroj)^eten ?(moö unb SKic^a, bie ouf bem 8anbe lebten, neigen jld^ 
l^ie unb ba ju bem SSoIföbiafefte ^in unb unterfci&eiben ft(^ befonberd in 
ber ?(uöfproc^e t)on ber gebilbeteu Sprache eine« 3oeI unb Sefaja, bie in 
ber ^auptfiabt lebten. 3m SlUgemeinen würbe ba^er bie ^pxa^t ber 
^auj)tfiabt unb 3uba'ö überl^au^Jt bie eigentlid) ^err[cl)eube ©c^rift» 
fprac^e, wd^renb bie tt)enigen ©^riftfteDer beö norblid^en Sleic^d fic^ 
auä) aramdifc^er gormen bebienten. S)aö Sieb ber Debora fo wie bad 
^ol^elieb ftnb anij befiimmt im nörbli(^ern 5Paldfiina entfianben. Sbenfo 
gel^ören bie fpdteren SRefie beö ©amaritanifc^en bem aramdif^en 3^^Jfl^ 
an; eö ifi aber t)ermifc^t mit bebrdifc^en (Elementen» 

SHö bie ^ebrder enblid) im 6. 3öi^rbunbert gewaltfam nac^ SBabel 
»er^jflanjt würben unb l^ier über 50 3a^re lang leben mußten, t)erlernten 
jie i^re l^eimatlic^e Sprache unb gewol^nten jtc^ um fo lei^ter an ben 
d^albdifc^en 2)ialeft, a(ö bie eigentlicb ^ebrdifc^e SBoIföfpra^e immer 
bem S^albdifc^en nd^er geblieben war. 3" glei^er 3^it nal^men fie auc^ 
bie gefdüigere ©c^rift ber Sab^lonier an. 

3nbe« erl^ielt fxi) baö ^ebrdifd^e mij lange nad^ ber fRudte^x äfö 
bie ©c^riftfprac^e ber ©ebilbeten neben bem (^albdifd^en 93olT6bialeft, 
biö eö enblic^im2. 3al^rl^unbert 'oox&f)x. ganj erlofd^ unb nun al6 eine 
t obte ©prad^e erlernt unb erfldrt wcnben mu^te. @6 pflanjte fid^ bfop 
in ben gelehrten ©d^ulen ber 9labbinen fort unb galt nun erfi atö bie 
1^ eilige ober bie Äirc^enfprad^e neben ber c^albdifc^en alö ber profanen, 
gemeinen SBolWfprad^e. Sbenfo beftel^t j. S. baö ©anöfrit a(ö tobte, 
aber {^eilige ©pra^e neben ben neueren inbifc^en SSolföbialeften, ba6 
aitgriec^ifc^e neben bem 5Reugriedl)ifc^en, bad ?ateinifd^e neben bem 3tas 
lienifc^en, baö ^t^iopif^e neben bem Slml^arifd^en u. f. w. 

!l)ieß iji im ®ropen ber Sntwidflungögang be« «^ebrdifc^en. @ö 
gel^t t)on einem aranidifc^en 3weige auö, tjerldßt biefen unb gewinnt 
eine eigent{|ümli(i)e Oefialt unb löfi fid^ enbli(^ in bie aramdifc^e SWutter^ 
fprac^c wteber auf. 

98ad feine 9(u6bilbung betrift, fo nimmt e$ wie ber geograpl^ifc^en 
Sage, fo auc^ feinem S^arafter nad^ eine SJtittelßellung ein jwifc^en bem 
raupen unb armen aramdif(^en3we{ge unb bem duferfl üppig, "oohU 
reid^ unb wol^tlautenb entwi(felten arabifd^en ©tamme. 

©el^r fc^wer ifl e^ aber [tiit, im Sinjetnen ben @ntwidHungdgang 



22 Sinleitenbe aSorbemetfungen« 

be6 ^e6räif(^en nac^jitwclfen» 2){c filteflen Sprac^refle, btc wir beflftctt, 
j. ©• Me 10 ®ebote auö bcc mofaifc^en 3eit, ba^ SDeboraficb au6 ber 
Slic^terpcriobe, jeigen bic ®pra<]^e fc^on ebenfo cntwitfelt unb flcflaltet, 
wie bie fpdtecen Stürfc ouö bcm 6. 3a^r]^unbcrt» Unjiceftig war bie 
SSofatauöfprac^e in ber früheren 3«it eine t)icIfo(^ anbete* 3)fc mafore» 
tif^e ?Punftat{on aUt f)at SlUee mä) ben f^jäter l^errf(^enben Sautgefe^en 
(el^anbelt unb bie utfpcfinglic^en Unterfc^iebe t)ern)if4t 

3m Singemeinen fonnen tt)ir nur jwel ^erioben ber l^ebrfilfc^en 
Sc^riftfproi^e unterfc^eiben : eine))oreriIifc^e unb eine nac^eriii« 
fd^e/ unb auc^ l^ier finb bie Überginge piufig unb o^ne fd^arf ^ert)or< 
tretenbe Ordnjen* 3n ber erften ^ßeriobe bleibt ft^ bie Spraye jiemlic^ 
glei^, inbem aud^ baö SSoIföleben feine fo gewaltfamen 2Be(^feI erfuhr/ 
a(d in ber txotiten, in tDelc^er be^l^alb auc^ frembe/ aramdifd^e (SIemente 
einbringen tonnten» gür bie 3^itbePimmung wirb biep Slrgument aber 
»ieberum fdjwanfenb , »eil auc^ fe^r afte ©türfe wie bad 3)eboraIieb 
unb bad ^ol^elieb aramfiifcft gefärbt ftnb unb baburc^ ben jüngfien 
©tficfen, 8» SB. bem S3ud) Äo^elet, bem ^^rebiger, jtc^ nähern, gerner 
ftnben ftc^ ©turfe au6 ber 2. ^ßeriobe, bie an Äraft unb 9?cin^eit ben 
Älteren ^robuften, bie man glürflid^ nadba^mte, ni^td nadigeben. 

©0 erlldrt e^ {id^/ ba^ feibjl fe^r gränb(i(^e ©prad^fenner/ n)ie 
Swalb unb ^i^ig / in ber S^itbeßimmung mancher ©tädfe faft um ein 
3al^rtaufenb t)on einanber abn)eid^en* üRan ftej^t baran fel^r (el[|rreid^/ 
'n)ie tDenig ba^ fprad^iic^e (SIement aUein f)lV[t, n)enn e$ nic^t }ug(ei(^ 
mit ed^t ^iftorif^em unb p^iIofoj)l^if^em ©inne t)erbunben iji. SRur in 
n)enigen g&Oen ift ber ©))rac^gebrau(^ aHein entfc^eibenb. ©o fonnen 
i« 93. ))erftfd^e SBorter, beren toir unter ben 9(p))eDati))en einige 20 f)as 
ben, erji mit ber 5Perferl^errf(^aft, alfo trji mä) bem @xi(e eingebrungen 
fein. Sbenfo ftnben ft4 im S3uc^ !Daniel brei griec^if(^e fflorter, bie 
nid^t toof)l \>ox ber grie^ifc^en .^errfc^aft, nic^t t)or Sllexanber bem 
®rof en einmanbern fonnten* - 

Sejiimmtere Unterfd^iebe, alö im Sprachgebrauch, treten fc^on in 
bem ®ti(e ber ))erf(^iebenen $erioben l^ert^or* 9B&l^renb n&mli(^ bie 
$rofa ber diteßen Seit noc^ eine gan) poetifc^e gärbung l^at unb bduftg 
in einen n)irfli(^ poetifc^en 9i^9tl[|mu$ äberge^t unb babei f)i(tifl einfach, 
funfi(o6 unb nait) ift, fo n)irb bie fpdtere immer nfic^terner, t)erfldnbiger, 
breiter unb matter. 3nbe6 Ift audj biep Slrgument ni^t ganj ftic^Jb^Itig* 
!Denn j. 9. bie profaif^e Einleitung be6 9u<fted <^iob, ba$ einer fpdten 
3eit angel^ort, iß fo altertl^ämli^ einfach unb fc^ön gefd^rieben, tvie nur 



irgenb eine avbm @r)A(i(un9* @6enfo 6a$ 93u(^ fRuU aßa« frül^er 
!Rati|rau6bru(t toax, bad ^at l^iet bie Jfttnfl erreicht. 

Denfelben ©ang toW bie $rofa l^at im aHgepteinen au(^ ber poe^ 
tifc^e ®til genommetu Die ^aft unb gebanfenceic^e üärje ber Alteren 
2)id^terfpca(^e (5fl ftc^ aOmAI^Kg in getoöl^nHc^e matte $rofa auf , ober 
fonfl n>ieber^oIen bie jungflen $fa(menbi(^ter nur ))oetifc^e SBenbungen 
unb Lebensarten au6 Alteren Siebern. ®e(6fl ba, U)o bie®ebanfen tiefer 
unb reicher ftnb, a(S in Alteren ©tficfeU/ bleibt ber ^pxadfUift S(uSbru(t 
l^inter bem 3n]^aft jurütf, j. S. im ^rebiger. 3nbeS gibt eS auc^ ©türfe 
au6 ber na(i)exilif(^en 3cit/ bie an Äraft unb Äürje ben Altefien nic^t nur 
g(ei(i^fommen^ fonbern ni(^t feiten fte noäf fibertrefen« ®o befonberd bie 
fogenannten ©tufenlieber, $[♦ 120—134 unb badSuc^ *^iob. — 8(m 
beut(i(^flen fielet man ben aDmAI^Iigen SSerfaU bed ))oetif<^en ®ti(d in 
ben Sieben ber $rop^eten* <^ier bilben namentlich bie nac^eriHfc^en 
SBüc^er bed ^aggai, 3a^arj[a Ä. 1 — 8 unb ÜRaleac^i/ bie ^öc^fi matt 
unb geifllod gefd)tieben {tnb, einen grellen ®egenfa^ ju ben t)oreri(if(^en/ 
namentiic^ ben Alteren )>rot>{|etifc^en ®d)riften. 

!l)ie tt)i(^tigjie Seite für bie 3rftbe|iimmung ber einjelnen literari* 
f(^en $robufte bilbet fiberaU ber Snl^ait* ®))ra(^e unb ®ti( ftnb nur 
Elemente, bie im «^ebrAifc^en un{t<^er leiten , fobalb fte einfeitig unb 
au^fc^iiepHc^ geüenb gemacht n>erben. 93erfoIgen tt)ir bagegen gef(^i(^.t« 
(ic^ ben ganjen 9i(bungdgang ber Wation unb fud^en n)ir namentiid^ bie 
religiöfe @ntn)i(f(ung berfelben genauer )u begreifen unb ju beflimmen, 
fo f onnen n)tr ^ierau6 aud^ bie ftc^erflen ^nl^alt^punfte für bie Siteratur« 
gefc^i(^te entnel^men* Sn biefer «^inftc^t (el^nt ftd^ bie altteßamentlid^e 
Siteraturgefd^id^te an bie biblifc^e Sl^eologie an. Seibe 2>idcipnnen 
ergAnjen fid). @o fann j. S. bad Zeitalter be6 SBuc^e^ .^iob in (e^ter 
3nflanj nur mö^ bem religiofen Sn^afte benimmt werben. 3)ana(^ fann 
e6 nic^t bad Altefle Su^ ber ^ebrAif(^en Literatur ober tool^I gar t)or< 
mofaifc^ fein, wie man fräl^er meinte. @d fann nic^t einm.ai »orerilif^ 
fein, wie @walb unb Slnbere woHeU/ bie c6 im 7* Sa^r^unbert gefc^rie« 
ben fein (a^en. (S'd fe^t t)ie{me]^r gan) entf(^ieben t^eil^ bie grope SAu« 
terung be^ ^ebrAifc^en SBoIfdgeified im @ri(e \>oxau^, tl^eild aud^ bie 
empftnbli(^en 3^Auf(^ungen , bie ba6 93oU in ben erßen Seiten na^ 
bem @ri(e erfal^ren mufte. !Diep {teuere 9iefu(tat erl^AIt bann iuxifj 
f))ra^(i(^e @(emente unb bnrd^ fpedeU na^eriiifc^e SorfteDungen eine 
weitere Segrünbung. ©o lernten bie ^ebrAer erfl bur(^ bie Sperfer ben 
©atan fennen unb nal^men biefe iBorfteOung auf. 

9et)or wir bedl|^a(b an bie Unterfud^ung ber einjelnen Uterarif^en 



24 . (Sin(f itenbe SJorbemerfungen« 

^robufte gelten wnb nM l^ier orientiren fönnen, müßen mit un^ ein 
über|ic^tlic^c6 Silb über ben (gntwirffungögang beö l&ebraifd&en 93olfe6 
entwerfen unt) bie S^oc^en felneö nationalen unb refigiöfen S3ett)ußtfein« 
genauer befiimmen» So ift bieß um fo notiger, aM bie l^ebrdifc^e Site* 
' ratur mel^r aW iebe anbre SRationalliteratur auö bem eigenfien 8eben 
uttb aud ber OcfammtentwicKung bed ganjen 9Solfe6 ]^en>orgegangen ifl 
unb beö^alb aud^ nur auö ben gef<]^ic^t(i(^en ßwPfinben »oHfianbig tt)ie* 
ber begriffen werben fann. 

V. 

SDie $attpte)i0$en ber i^ebratf^en Stnltnt unb Zitttatnt. 

2)ie entwicflung^Pufen be6 ^ebrfiifc^en 93olfe6 in Sejiel^ung auf 
9ie(igion unb Literatur faUen ganj jufammen mit ber (Sntwidfiung ber 
politifc^en Oefc^ic^te^ 93eibe ®ebiete ftnb nic^t ju trennen unb bilben in 
il^rer (ebenbigen iDurc^bringung ein ®an;e6/ nimfid^ ba$ wlrflic^e ®e« 
fammtbewuptfein beö 9Solfeö* Solcher (Sntwidfungöfiufen, bie eine Skr» 
fcftiebenl^eirbed ©efammtbewuptfeind barfieHen, fönnen wir im ®rofen 
brei l^ertjorl^eben : 

1) Sine Säorbereitungdperiobe, t)on SRofe bie jum 95e« 
ginne be« Ä6nigt^um6* ©ie ge^t etwa »on 1600—1100 »or Sbr. unb 
bejeic^net bad Serben bed l^ebrciifc^en Staate^. 

2) 93on ber Stiftung be^ ^önigtl^um^ bU }um@nbe 
bed (Srile«, t)on 1100—536. 3n biefer 5ßeriobe, bi^ in brei Hei* 
nere »bfdjnitte jerfdOt, erreid^t ber iBoifdgeif} feine eigentliche Släte. 

3) aSom ^^nfang be^ perfifd^en bi$ ind maffab&ifc^e 
3eitalter, wo ber Äanon beöÄ. Z. abgefd^Io^en würbe, t). 536 — 
140 t)or (EI)r* 2>iefe le^te $eriobe iß )ugleic^ bie ber SBodenbung unb 
be6 SJerfaUed. ®ie jeigt un6 bie reinße (Sntwiälung bed nationalen 
®eif)ed unb feiner SBeltanfc^auung , jugleid) aber aud) bie Slufiöfung 
berfelben, bie ben Übergang ju einer neuen unb l^öl^eren gorm beö 8e« 
wuptfein6 anbal^nt. 

Selben wir in ber erfien $eriobe, wie bie ,Reime unb 933urjeln be^ 
^ebrfiifc^en ®ei|ied fejien SSoben gewinnen unb wacftfen, unb fieüt 
bie 2. ^eriobe bar, wie biefe Äcime ju einem flarfen Stamme auf* 
gef(^o^en ftnb unb mit mannigfaltigen Släten prangen, fo liefert ba* 
gegen bie leftte SPeriobe bie gereifte gruc^t biefed ?ebendbaumeö. 3nbed 
mfi^en wir biefe brei $erioben im (Sinjelnen no(^ f(^&rfer d^arafteriftren. 



Y. ^if ^aupttp0(fym ter ffthtal^ä^en StuUnx unb 8itfratttr* 25 



(Er|le JTerioOe. 

Sott 9Rofe 6{$ jttr ®rütibung be6 Jt5n{gtll^um0. 

2>ie {lietig gef(^i(^t({(l^e 3^it bed I^ebiAifc^en $o(fed (eginttt, xoit 
fc^on ))oil^er bemerh xoutie, ecfl itiit 9Rofe/ mit ber Silbung einer re^t* 
Iid)en, religiöfen unb fittlid^en ©emetnbe, bie i^ceit legten Orunb in ber 
3bee beö geifiiflen ü)?onotl&ciömuö ^atte» ÜRit ber ©cünbung biefer fttt« 
(i^en ©emeinfd^aft iß aud^ ber ^iftorifd^e ^Xnfang unb bie ©runblage 
ber ^ebräif^en Literatur flegeben* 93or biefer 3^it na^m bad ffioif , fo 
)?iel tt)ir feigen unb \)er muten fonnen^ feine t)Ott ben übrigen ©emiteti 
tvefentiid^ loerfd^iebene 9i(bung6fiufe ein. 93on einer Siteratur fann 
)>oQenbd noc^ nidjt bie Siebe fein* Snbed fonnen tt>ir nod) einen näheren 
SBIid in biefe t>orgefd}id)t(i(^e Urjeit be6 SSoIf^iebend tt>erfen. — ^(d 
gef^ic^tlic^ed gaftum ift aud ber diteten @age juncic^fl biep Ijerooxiu^ 
lieben, bap Slbral^am ald pl^rer unb Stepräfentant einer ^e6r&if<^ett 
9ludn)anberung ^ eineis aram&ifc^en 9?omaben}ugd t)on ^efopotamien 
nad) $aldflina äberftebelte* 2>er 3^it nac^ fillt biefer dttfl no(^ ))or ba6 
3fl]^r 2000, etwa um 2200. — 

fBae ber ^entateud) fonfl bem ^ixaf)am t)on religiofen 9(nft^ten 
jufc^reibt, geleert ber fpdteren ibealen @age unb einer ungefd^ic^tii^en 
Sluffapung an* Unfireitig xoax bie äieUgion Slbral^amd monot()eiftifc^/ 
inbem er an eine l^od^ße göttli^e (Stn^eit be$ Uni)>erfumd, an eine un« 
bebingte äJIac^t a(6 ben ®runb be6 SQBettaQd, geglaubt ^aben toirb* ®o 
f(^tt)ört 9(bral^am in ber fe^r aitertl^itmüc^en (Srjä^lung 1 "SRoU 14 bei 
bem ^oc^flen ®otte, ber .^immel unb Srbe gefcftaffem 
Sei bemfelben ®ott f(^toört aber auc^ ber $rießer 9Re(d)ifebef unb ber 
£onig t)on @obom, n)ad auf eine uralte religiofe S^erwanbfd^aft l^in« 
beutet. 8(u(i) anbere fananitifc^e SSolfer t)ere^rten einen fol<^en l^""!?^ Vä 
ald l^5c^f)en ®ott. Der «^auptfac^e nacb toirb bie Steügion ber $atriar* 
c^eti unb ber filteflen .^ebrSer fiber^aupt t>on ber (^albdifc^ * bab^lonifc^en 
nid^t fel)r \)erfc^ieben gewefen fein : einfacher ©efiirnbienfi mit ber 3bee 
bed @(^i(ffald unb einer ewigen , gwingenben äBeltorbnung / bie man itt 
ben Sternen anfc^aute unb borau« ju erforfc^en fu(ftte. JRefie biefer 
urfpräng(i(^en ®ternt)ere^rung ftnb bei ben Hebräern fortwfi^renb ge* 
blieben unb l^aben fp&ter nur eine »ergeifiigte ibeale Sebeutung erl(|aUen* 
!Die t)öaige 9lb^dngig{eit be6 SBewu^tfeind t)on ®ott unb bie unbe« 
bingte «Eingabe bed ganjen ®emüted an biefe abfolute SRad^t/ an ben 



26 @in(eitenbe aSorSemerfungm* 

•»•jttj >Ä, Wie ©Ott Ul ben ^atriar^en t)orjugd»cife I^eipt, 2 ÜKof. 6, 3, 
beutet aud^ blc beabfi^tfgtc Dpferung 3föaf6 an. — Senn fibrigene 
nid^t fonfi aud^ in bem frfiliefien Äultu6 ber Hebräer ÜRenfc^enopfer 
ü((i(^ gen)e[en »Aren ^ [o l^&tte 9Ibral(|am nic^t baiauf fornmen {innen/ 
ein fold^ed Dpfer anjubieten. @elbji bie ©age mürbe ftc^ flef(^eut l^oben, 
ed il)m jujufd^reiben. 3n ber ©pl^dre ber Sloturreligion finben tt)ir au^ 
nod^ fpdter wirflici^ tJoHjogene aWenfc^enopfer bei ben Hebräern. Sei 
aibral^am f)at biefe (Darfiellung juglejd^ ben 3^^^^ / bad ÜRenf^enopfer 
gu \)erbieten nnb ein fletoertretenbed S^l^feropfer einjufül^ren, »oburc^ bie 
(Srjd^fung an ben gried^ifdien SK^tl^ud t)on ber 3j>^igenia erinnert. 

9Ba6 bie Silbung ber 9lad)tommtn Wxa})am€ betrifft , fo n>i$en 
tt)ir fiber biefe weit tt)eniger, ald über bie merfwürbigen Äußeren Sc^id« 
fafe biefed Stamme«. Der l^ebrdif^en ©age nac^ lebten bie ^ßatriard^en 
215 3a^re in Äanaan, bann 430 Saläre in Sig^pten, alfo gerabe bopi>eIt 
fo lang, al6 in Äanaan. 2 ÜRof. 12, 40. t)gL 1 ÜRof. 15, 13. 9?o* 
auperorbentlid^en Sriebniffen tDurbe 3afob6 ©ol^n 3 of ef in %^pten ein 
mäd^tiger üRinifier. Srfi al6 ©Hat) t)erfauft, bann wegen feiner Äeufc^« 
l^it eingeferf ert , rettete er burc^ S^raumbeuterei unb Huge Siatl^fc^ Wge 
baö flg^ptif^e SSoß t)or einer .^ungerönot, würbe barauf erjJer Se* 
amter beö ägijptifc^en itonigö, t^erl^eiratl^ete fic^ mit ber Xoä)Ux be« 
Dberprieflerö ju J^eliopofiö, unb jog fpfiter bie ganje gamiHe3afob« 
na(^ %)^pten. ©ie befam ba« Sanb ®ofen )u i^rem $(ufent^a(te, 
führte il^r 9?omabenleben fort unt^ trieb SSiel^juc^t. 

3)ie weitere ©efd^ic^te biefe« langen SfufentJ^alte« in Ägwten ifl 
»on ber ]^ebrdif(^en ©age duf erfi bürftlg bel^anbelt unb liefert fein an« 
fc^aulid^ed, überric^tttc^e« 93ilb. @« fel^It ibr ber t)ater(finbifc^e 93oben, 
on bem aUein bie Sage treu unb bauernb haftet. 3ni 2 S. aRof. 6, 
10 — 20 werben nur brei ®(ieber ber genealogifc^en Äette angegeben, 
Wa« für einen 3^itraum t)on 430 Salären offenbar ju gering ifi. — 3m 
SIQgemeinen ^at bie ©age nur über ben Sfnfang unb ba« @nbe bed fig^p* 
tifc^en Slufentbalte« etwa« 9?fil(|ere« überliefert, ©ie berichtet, wie bie 
9?a(ftf ommen 3af ob« fic^ f o febr t>erme^rten , baß bie ^%\)pUx auf il^re 
SSerminberung unb UnterbrüdEung bebad^t waren, bi« e« enbitc^ bem 
SJiofe gelang, fie au« biefer ©flat)erei ju befreien unb fortjufül^ren. 
3)ief alle« gel^ort wefentli^ ber ©age unb ber freien 3)id[)tung an, fo 
namentlich bie l^errlic^e SrjSblung über bie ©^irffale 3ofef'«, bie aber 
bo(^ auf einem ^tflorifd^en ©runbe berul^t. SRac^ ber jirengen, Äußeren 
®efc^i^te , bie wir i^^t anij au« gleic^jeitigen Äg^ptifc^en OueHen ge« 
nauer fennen, \)er]^Ält p4 ^^^ ®«^^ 'wQ f^ * 



3>le ^ebtder ^mfi^fat efaunal in SaAinbnig «lit ben (ogcnaniitett 
«^ )^ f f 6 d b* i* mit fanamttf<^ imb mabi^iita ^irtcnfonigm 511 Sa^te 
lang über ^g^pten. 2>fc Käme ^i^ffod iß femitifi^ trab Gebeutet : ^en* 
fc^er bei Ritten *). Slacft Stanet^o, bem ig9ptif<^eit (9ef(4ti^t$f(^tet6fc 
}ur 3^ii ^^K $to(emier/ l^te^ ber erße Stini% biefer ^i^ffod Salatis, tt>ad 
ebenfaOd ein femitifc^er unb jtoar ein ^eftriifc^er Xame iß, nim(i<4 d-'^v 
«^errf^et, arabifi^ SulUn , mit ber Sbßraftenbnng an. SRerto&r' 
biger SSeife wirb 1 SRof. 42, 6 mOi 3ofef mit biefem, im aif^ebrii« 
fc^en fonß ni<4t borfommenben unb erß fp2ter Ablieferen Sorte be)ei(^« 
net* iDiefer Sälaiis wohnte in SRemp^id, wad miebemm jur ©efc^i^te 
3ofef6 fUmmt; benn nur Unter« unb SRitteldg^pten tourbe )>on ben 
«^irtenfdnigen erobert; in Oberclg^pten, in Sieben, erhielt {t(^ fort« 
tt>i^renb bie ein^eimifi^e ID^naßie. SBilJ^renb ber 511 Saläre lieferten 
bie ^t^ffo6/ na(^ SRanet^o'd Eingabe, 16 ID^naßien. 

®egen ba6 (Snbe biefer ^eriobe er^ob ft(4 aber ber ein^etmifc^e 
gurßenßamm unb betivxp^tt, bon ben €ubgr2n}en ^erborbrec^enb , bie 
norbifc^en ^emblinge. !i)ief gef<^a^ unter t)er 18. t^ebaif^en IDt^na« 
ßie, n^d^renb ber Slegierung bed Chencheres, naif Wtamtf^o bei l&useb. 
chron. arm. I. p. 215. 3>er Aampf enbete mit ber Wieberlage unb 
SJertreibung ber «^t^ffo^^)» €{e ))er(iefen ba6 8anb nad) einer ungel^eu« 
ren Sertofifiung faf) aOer alten 3>enfma(e* 9htr bie ^^ramiben t)on 
9Rempl^id, bie rieftgen jtonig^griber, ein Sßerf ber 4. 3)i;naßie, ent< 
giengen il^rer Sernic^tungdwut. (Darauf fam ^g^pten )u feiner ^oc^ßen 
93Iäte unter @efoßri$ ober 6et^od, loie SRanet^o {l|^n nennt* €on{l 
l^etft er 9{amfe6 unb {War ber 2)ritte ober ber ®rofe* 3>ana(^ iß bie 
gen>5^n(i(^e S^ronologie ungenau. 2)er @infaU ber «^^ffod n>trb etwa 
umd 3la^r 2100 angufe^en fein unb bie SSertreibung ße(e in bie ^tit bon 
1600 bor (S.f)u (1646). 

!Der 3ug 9lbra^am6 na<^ ^Q\fpUn erfc^eint wie ein 93orfpie( ber 
folgenben @roberung. @r nimmt bereite ein ig);ptif(^d SBeib, bie 
@Habin.^agar/ bie Stammutter ber fäblid^en Siraber , bereu 9tamen 
wir no<^ in bem Stamm ber ;^agattter wieberfinben. 5Pf. 83, 7. 
1 (S^ron. 5, 10. 19. 20. 3)iefe ^eirat beutet übrigen^ auf eine frü^e 
SSermifd^ung ber Semiten unb Sigt^pter ^in« (Sbenfo l^at 3ofef eine 
^g^pterin jur $rau. Solche Sinwanberungen eiujelner gamilien unb 

1) ®dL mein fjtlx. SBurjeltottb. @. 736. 

2) 9la(^ 2 SRof. 12, 39 tourben aud^ bte S^taelttett aud i^i)}pttn ^txtxithtn, 
inbem )ttd(ei4 ^Jict ftctitbc6 SBod mit i^ncn gog. ^ßgl* 2 SRof, tl/ 1. 1!2, 33. 



28 @in{eitfnbe 93or(emerfttngrn^ 

gan}er ®tAmme bauerten (Angere 3^it fort unb beföiberten }u(e^t bie 
Untemerfung be6 nSrblid^en ^g^pten^* 

SBa^ bad religiofe Setoußtfein ber «Hebräer »äl^renb biefeö langen 
Sufentl^aUed in %9)>len betritt ^ fo gibt bie ®age nur attgemeine/ un« 
befiimmte 9(nbeutungen baruber« 3nbe^ au6 ber $orm be^ 92atur< unb 
Silberbfenjie« in ber 3eit 3»ofe'6 unb ber 9ii(^ter bürfen tt)ir auf bic 
frülgiere 3eit In Ägypten mit jiem(i(^er ®ett)iß^eit jurürffc^lieeen. S9Bir 
ftnben ndmlid^ »eber auf bem 3wfle bur^ bie SBüfie, noij and) fpfiter 
bei ben ^ebMem ben' dg^ptif^l^en ©often* unb Staturbienft, am wenig« 
f)en ben Sbierbienft/ tt)ie man oft irrig angenommen l^at. Dad goibene 
Jfalb/ b* i. ba^ mit ®o(bb(ec^ itbecjogene «^olabiib eine^ StalU^ ober 
©tiereö/ ifi ni(^t ber agij^)tif^e ?lpid ; e6 ifi bieß tjielme^r eine ec^t femi« 
tifc^e unb lananitifcbe gorm be$ 9{aturbien{)e6/ unb {leQt ben ^aal t)or ; 
bie %9))ter bagegen \>ex^f)iUn einen (ebenbigen @tier/ nic^t ein 9i(b 
beffeiben^ n)ie bie @emiten. Überhaupt l^at bie fig^ptifclb^ Steügion Uu 
nen po{ttit)en (Sinfluf auf bad l^ebriif(ie SSoIf^betouf tfein audgefibt/ 
\i^of)l aber einen negatit^eU/ namentU^ am @nbe ber ^"g^o^ ^ ^tit , unb 
nur auf bie Sfrt ^at bie figi^ptifc^e Steligion aQerbing^ bie ®eburt Ui 
geiftigen 3Konot^eiömud ber Hebräer beförbert» 

^ Sßa^ man fonfl 'oon äg))))tif(^er 993ei6^eit unb Silbung ben <^e« 
briern l^at jufommen lagen n)oOen, berubt t^eild auf irrigen (Deutungen^ 
tl^eild auf febr äußerlichen unb nur ^albn^al^ren ä[^nlid)feiten. Sie ge« 
ring ber pojttit)e äg^ptifc^e ©nfluß anjufc^lagen ifi, jeigt f(^on bie 
S^atfac^e/ baf ftc^ nur 3 — 4 figuptifd^e SBorte im ^ebräifcben ftnben^ 
tDA^renb umgefe^rt bie ig^ptifc^e Sprache fel^ir ftarf mit femitifcben 9e^ 
jianbt^eilen gcmifc^t ifi^). — Offenbar behielt ba6 SBoH in Sig^pten 
feine frühere religiofe 9&e(tanf(^auung bei/ unb biefe mar ein einfad^er 
©eftirnbienß / ÜVaturreligion in bem oben erfl&rten @inne» !l)ad @e« 
fu^( ber t)5Qigen ^b^ingigfeit t)on einem etoigen^ unab&nberlic^en 
®ef(^i(f/ toelc^ed ben 9){enfd}en jur $afftt)it&t unb jur Jtnec^tfc^aft 
))erbammte, fd)(ug at^bann }ur 3^ii 3Rofe'd in ba6 gerade ®egent^e{l 
um* 3)a6 Sewuptfeln ber inneren grei^eit be6 ®eified fiegte unb trat 
auf mit ber gorberung / auc^ im toirf liefen Seben eine entfpred^enbe ®e« 
^ait SU gewinnen. 

®o 1)at bie (Sriöfung aud ber Agi^ptif(^en ^ned^tfc^aft toeit mel^r 
eine innere , geiflige Sebeutung er^alten^ a(^ eine politifc^e* @d if) eine 
religiofe Zf)at\a6)t bamit audgefproc^en, n&mlic^ bad Sreiwerben t)on 



1) a^gU mein ^ebt&ifd^ed SSßut)((u>t(. ®. 700 ff. 723-746. 



V. 3)ie «^au^te^od^en ber l^rSraifd^en Jtultur unb 8iteratur. 

beit Sef ein ber 9laturmac^t* 3>iefer Slatttrmad^t ({l^etneti bie «g^ebrAer 
furj \)or il^ter Sertceibwng "aÄnjHci^ jt(^ untettDOtfen ju l^oben wte fle 
aOetbingd auc^ Auf erttd^ gefned^tet toaren* @d mflfen felbß S^enfc^en« 
Opfer, namentU^ bfe bcr erfigeborenen ©o^ne ganj l^enf^enb 8en)orten 
fein. Dfeß liegt in bec ©age über bie Siettwng ber idraelitifc^en (Srii* 
geburt beim Änöjuge wnb in ber ©tlftung be6 ^Paffafefie« , womit eben 
bie ?lbfc^affung ber ÜRenf(^eno>)fet auögebrfitft ift* »n bie ©teile biefed 
Dpferd trat bie S3ef(^neibung / al6 eine religiSfe 9Beil^e unb «Eingebung 
an ben ®ott bed Sebend* 2)iefed ^o^ere Setouftfein über bie Unju« 
Mpigfeit be^ ü)lenfc^eno^)ferd unb'^periell bed ber Srügebornen, tt>a6 ft^ 
ganj fonfequent aud ber 3bet ber jtttlid)en greil^eit beö ^Renfc^en ergab, 
J)at auf bie §eier be6 5Paffafefled bebeutenb eingetoirft unb ed baburc^ ju 
einem rechten Samilienfefie au^gepr&gt* @d toar urfprungli^ ein Statur* 
fefl, baö bie SOBieberfel^r beö grül^lingö feierte. 3eftt tvurbe aUmai^lig bie 
(Sriofung t)on bem S^obe be^ SOinterd jugleic^ jum Stnbenfen an bie @r« 
lofung ber menfd^Iic^en @rf)geburt gefeiert* !Daran fd^lop fldf bann no^ 
W)eiter ber Oebanfe an bie Befreiung aud Sägt^pten, bie, toie e« l^eißt, im 
grül^ling erfolgte. — 9?un iji e^ beutlid^, weöl^alb bei bem Sludjuge bie 
ägV^)tifc^e Srflgeburt "con bem JBürgengel Ootted getöbtet, bie iöraeli« 
tifc^e aber, bie befc^nitten war, gerettet tt)urbe. gerner leuchtet ein, tt)ed< 
l^alb {ein Unbefc^nittener bad ^affdf) feiern burfte« !Da$ Samm, n)el(^ed 
im gamiiienfreife t)erjel^rt tourbe , toar ein 3)anfo})fer für bie SRettung 
unb ©rl^altung ber Srjigeburt, fein ©ül^no^)fer, toie 6n)alb »in. — 
©otoeit Tonnen n)ir und noi) eine SSorfiellung matten über bie religiöfen 

3uPdnbe ber Hebräer in i^rer ^orgefc^id^tlid^en ßrft. 

IDad SBic^tigfte, xoa^ fte an toeltlid^er Silbung in ti%\)pUn gen)an^ 
nen , toar unfireitig bie ©(i)reibf un ji. SBir feigen aud) f ogleic^ bie Sin» 
wenbung berfelben in ber Slufjeic^nung ber 10 ©ebote, ber einfa<^flen 
®Iaubendregel für bie Oemeinbe. — Sine befonnene Äriti! tt)irb e6 
nid}t toagen , no(^ toeitere ®efe(e bem SRofe jujufc^reiben. Sßenn übri* 
gend auij manche anbere £ernf))rfi^e bon i^m l^errfi^^ren / n)a6 fogar 
fe^r n)al^rf^einli<^ ifl, fo ^at 9Rofe offenbar fte nic^t aufgef<^rieben, 
fonbern fie l^aben jid^ bur^ mfiftblic^e Überlieferung erl^alten. ^df)in 
gel^ören ani) einige f leine poetifc^e Biidt, j. S. ber ©egendfprud^ über 
bie ©emeinbe 4 9»of. 8, 24—26, unb ba6 ®ebet beim aufbru(^ unb 
bei ber 3urücfbringung ber Sunbeölabe, 4aBof. 10, 35— 36» — Die 
grofe SWaffe ber eigentlichen @efe^e aber l^at fid^ entf<^ieben erfl in Jßa» 
lAftina , im Seben be6 SSoIfed unb jn^ar fel^r allmi^lig gebilbet unb iß 
bann fpiter f(^riftlic^ aufgejeid^net n)orben. 



30 ' @in(ritenbe aSorfirmrifungen* 

Unter 3ofuo eroberten We .^ebrder fobann ?ßaläjitna, a6er nic^t 
gan} ; benn bad 93o(f bilbete bamal^ noc^ fo n)enig eine organif^e unb 
flaatUc^e (Stnl^eit, baf biefe @roberung bur(i^au$ niä)t a(6 eine gemein« 
fame Unternehmung aOer 12 Stämme erf^eint^ SBielme^r famen bie 
Stämme unb @efd)le(^ter abgefonbert mit ttfxen ^eerben wnb brangcn 
aDm&{|(ig meiter in $a(&f)ina ein/inbem fie tl^eil^ unter ben ^ananitern 
ii(^ nieberüefen, tl^eil« biefe an bie Äüjie beö SRittelmeerö brängten. 
!£)aburd^ g(i(^ biefe ^nftebelung in «Kanaan ben früheren @inn)anberung6« 
unb ©roberungöjugen in ^g^pten* ^ierauö erHSrt ed fic^/ n?ie wir bie 
<^ebr&er fp&ter mitten unter ben alten @inn)o{|nern ^anaan^ ftnben unb 
n)ie fte mit biefen )>ie(fac^ ftc^ ))ermifc^en. 3)arau$ entßai^b aber mit ber 
3eit ein langer erbitterter Samp^ um bie (Sxiftenj , ber mit wrcl^felnbem 
Olücf burd^ fünf 3abr^unberte jtc^ i^injog unb enblid^ ju einer engeren 
aSereinigung ber 12 Stämme 3^raeld führte. 

!Dad einzige Sanb, VDelc^e^ bie Station in ber ganjen $i(^terje{t in 
SBa^rl^eit }ufammen^ie(t/tt)ar ein geißiged: bie gemeinfame religiöfe 
Slnfd^auung/ bie ber ©efammtl^eit in ber mofalfc^en 3^it jum ©en)uft* 
fein gef ommen fein mu^ unb bie nun im ®egenfa^ }u ber fananitifd^en 
Silbung ft(^ JU tJerwirllidb^tt firebte» 9?ur feiten fül^rte biep unft(^tbare 
SBanb ju einer )eitn)eifen innigem ^Bereinigung ber St&mme, ju gemein« 
famen Unternel^mungen , wie fte unö baö mic^tige !Dcboralieb fc^ifbert* 
SBeit öfterer beMmpften bie Stfimme fi(^ felbjl mit ber größten ^eftig« 
feit unb glichen ^ierburd^ wie burd^ i^r geben überl^aupt ben l^eutigen 
©ebuinenflÄmmen ber irabift^en unb f^rifd^en aBufie- aSgl- SRic^t. 12, 
4f. 20, 11 ff. 

!Dad SBerftclnbnie ber religiöfen 3«jifinbe in ber Slic^terperiobe l^ängt 
'oon ber richtigen ?Juffapung ber mofaifd^en 3eit ab. SBer burd^ 
SDiüfe baö ^ebrSifc^e SReligionöprincip fd^on \)ollfianbig au^gebilbet fein 
Idpt, bem muß bie ganje SRic^terperiobe fiotwenbig al6 eine 3cit be6 
unerl^ortejien Siüdtfc^rittcö unb be^ SSerfalleö erfd^einen* ®anj anber^ 
aber fteOt ftd^ unö biefe ^ßeriobe bar, wenn wir bie natürlichen S3ebin« 
gungen, wel^e jebe 9ieligion ju i^rer Sntwidflung bebarf , im 8fuge be« 
l^altcn. Die ^ebrdifc^e inöbefonbere ffiHt mit ber Sluöbilbung beö Staa* 
teö^ganj jufammen; biefer begann in ber mofaifd^en 3^it/ war aber 
nickte weniger alö fertig, inbem baö SBolf nod^ nomabifc^ lebte unb fei« 
nen fefien ®runb unb ©oben in SSefi^ genommen l^atte* 

!Der wefentlic^e gortfc^ritt ber Siic^terjeit liegt in bem Übergange 
))om unfteten 9{omabenleben )u feften SBo^nft^en. 2>a$ anfdßige Seben 
ful^rte fobann auc^ balb ju ^läerbau ; unb bamit erfl war ber natürliche 



Y. 9)ie ^anpttpo^tn ber l^ftcalfd^m Stalinx ttnb Siteratur« Sl 

unb noftoenbige ®runb )u einer tveiterit (EnttDidlung ber ted^tl^eti/ 
religiofen unb ftttlic^en ©emeinbe gegeben. 

6obann ift }u beachten/ baf bie 3bee be4 @{ttengefe^e4 unb be4 
geifligen 9Ronotl^e{dntu6 bem SBolfe aOerbinga in bet mofaifc^en ^tit 
)um 9ett)u^tfein gebraut würbe, ba^ aber mit biefem reinen 9(nfange 
att(^ noc^ im S^oo^e ber idraelitifd^en ®emeinbe felbfl ber ®egenfa^ 
ber 9{aturreligion t)orl^anben unb }u befdmpfen toax* !Dad neue $rinci)) 
.t>er(angte einen ^ampf^ eine fortn)d^renbeÜ6enDinbung bed WatürUc^en* 
9lur treten biefe ®egenf&$e in ber &(tef)en d^it minber fc^arf f)ttoox ; ed 
finben )>ie{nte^r unbefangene SSermifc^nngen unb Berührungen beiber 
Seiten flatt/ inbent aui) bie Station bei i^rer 9lu$bi(bung ))ie( frembe 
(Slemente in fi^ aufnahm. ®o nimmt 3al^))e (3el^o))a) noc^ oft bie 
@teQe be6 SBaa( dn, unb umgefel^rt. 

®o fe^r ndmlid^ aud^ ba6 SBewuptfein einer inneren @in^eit bie 
@tdmme burc^brungen ^aben mu^ unb fo fel^r {ie auc^ a(6 ,S o If ® o t^ 
te^^ftc^ ^i^er berechtigt füllen moäiten, fo mußten fte boc^ gugteid^ 
au(^ bie fananitifc^en.SBöIferfc^aften anerfennen unb ßanben nod^ feinet* 
tt>eg6 a(d bad einjige unb audfc^(ie$(i(^e $Bo(f ®otte$ allen anbern 9la» 
tionalitdten gegenüber, ^ud ber nottoenbigen $(nerfennung ber fremben 
Slationalitdten folgte »on felbfi auc^ bie — toenigpena inbirefte — 5ln* 
erfennung il^rer®6tter. SRan fd^rieb au^ ben l^eibnifc^en®5ttern9Ra(^t 
unb äBefenl^eit }U/ unb äol^oe/ ber ®ott ^^xatü, erfd^ien noc^ feined« 
wegd a(6 bie allein waffre unb loirfUc^e Wlaijt @r xoax nur ber @r{)e 
unb 9Rfic^ttgfle aller ®ötter, toie ed 2 a»of. 18, 11 audbrudflic^ 
Ibeipt. iDiffelbe befagt bie alte Steben^art: 993er iflbirgleid) unter 
ben ®ottern, o ^err! 2 3Rof. 15, 11. ©pdter mliert ft<^ biefer 
(Spxxxij ober ))erliert boc^ feine urfpränglic^e SBebeutung unb n>irb mel^r 
al6 eine altl^eilige gormel n)ieber]^oIt. pr und aber ifl er febr mic^tig, 
inbem er flar geigt, n>ie bie rfligiöfe ^udbilbung }ufammenfänt unb ftc^ 
f)fi$t auf bie SBilbung ber Stec^tdgemeinfc^aft unb bed S>taaM. 2)er 
®ott ifl no(^ n)efentlic^ iRationalgott; ballier t^eilen fotool^I ^amo6 
afö 3al&»e i^ren SSerel^rern Sefifttpmer ju. 3}gl. Sticht. 11, 24. 

SBeil nun 3drael in ber ganjen 9ii(^ter)eit noc^ nic^t frei unb felb« 
{lAnbig ben umtoobnenben 93olfern gegenüber flanb , »ielmel^r biefe f o 
\m i^re ®ötter mitanerlennen mu^te, fo erfldren ftc^ leidet bie oielfac^en 
93ermifc^ungen ber nationalen unb religiofen (Slemente. !Diefe 3Rifd)un« 
gen waren um fo leichter, alt ja bie Jtananiter national na^ t)ern)anbt 
Waren. «Sonnte bo^ felbfi ber Stid^ter @imfon , ber S^obfeinb ber unbe» 
fc^nittenen $(|ilifler, ni^t leben ol^ne ))l^ilifiAif^e saieiber ! 



I 

82 (Sinleitetibe SSorbcmetfungen* 

@{ncn eigentrid^en aUgemeinen Sertüguttgdlrieg l^aben bie J^tix&tt 
unb ^ananiter nid)t gegen einanber geführt/ fo blutig e^ ieitn>eife anä) 
j^ergieng, unb fo n^finfc^en^mert bem fpäteren nationalen @ifer eine foI(^e 
Siudrottung t)ei: Jtananiter aud) erfc^ien* 2>ie «g^ebrAec ftntten no^ nic^t 
aud einfeitig religiöfem ^anatidmud^ unb ben jtananitern toar mel^r an 
ber Beute, aW an bem 93(ute ber Äinber 3^taeW gelegen» ©fe jerjlörten 
bie ©aatfelber, um bie Igiebrdifc^e Slnftebelung ju Igilnbern ober er(|oben 
Tribut t>on i^ren beerben unb Sirferu. !l)affelbe traten, n>o fte eö fonn^ 
ten, bie ^ebrfier , unb fo toec^felte in ber ganjen 9li^terjeit ^errfc^aft 
unb 9(b]^angigfeit, ©etoinn unb IBerlufi/ bid bad iBoif am @nbe einfalb/ 
bap @intra^t flarf madbt* 

Die eigentlichen Silbner unb geiftigen @r)ieber be6 SSoifed waren 
?ßcop^etcn, bie bad SHJerf SWofe'ö fortfeftten. ®ie fuc^ten aunäc^fibie 
din^eit unb ®e(bßcinbigfeit ber 97ation )u begrunben, entfd^ieben bie 
inneren 6treitigfeiteft ber 6t&mme/ toaren bie 9lnffil^rer gegen iupere 
geinbe unb befäm))ften jugleic^ bie 9{aturre(igion unb ben ®ö^enbienfl» 
So namentlich au^ bie eigentlichen fRid)Ut, bie Sc^ofeten, bie mit 
ben gen)o{|n(ic^en ©tammfärflen nid^t loern^ec^felt werben bürfen* 9Bei( 
n&mlic^ aUed 9{ationa(e jugleici^ religiofe Sebeutung l^atte, fo werben 
biefe 9{ationa{^e(t)en axiij aü religiofe «Reiben gefeiert/ obwol^I nur bei 
wenigen/ wie bei !l)ebora unb Samuel, baö propl^etifc^e Gfement ent« 
fd^iebener ^enoortritt» 2Ber36racI befiritt, ber f}ritt jugleid) gegen 3a]^t>e, 
unb wenn 3drae( bie ^ananiter beiimpfte , fo war bad gugteic^ ein 
^ampf gegen bie l^od^fien Sefc^u^er biefed SBoIfed, gegen ^aal unb 
Stfitarte, wie bieß namentli^ in ber ©efc^ic^te ®ibeon6 flarf ^eroorgel^o« 
ben Wirt), ©o erfc^eint nun ber ©d^ofet aW ein Drgan unb SGBerfjeug 
bed gottIi({)en SBinend, a(d eine wefentlic^ prop^etifc^e freie Tla^t, wie 
9Kofe, ber jugleic^ .^ecrfül^rer/ ©efe^geber unb ^oc^fter 9iid)ter bedSBoI» 
M war- 93gl. 2 üWof. 18, 15 ff» Sie ftnb bie SSorldufer ber fpäteren 
Könige ; nur bap fte feine jwingenbe ®ewalt über bad SBolf befaf en, wie 
biefe» 3nbed fc^on bei bem erften , bei ©aul , ber nur ein tapferer Ärie^^ 
ger war, ))ermtpte man bie ^o^ere propl^etifc^e Seite unb fragte bal^er 
fpottenb: ;,3fi auc^ ©aul unter ben 5Prop]^eten?" 2)ieß ifi offen« 
bar ber Sinn unb Urfprung bed Sprichworts, baS man fpdter nic^t 
rec^t me^r ju beuten wußte. 1 Sam. 10, 12. 19, 24» 

ÜRit Samuel, bem legten Siid^ter, beginnt eine mej^r ffifJorifc^e 3rtt» 
®eboren auf bem ©ebirge (Sfraim unb ber Sage nac^ fc^on i>ox ber ®e* 
burt t>on feiner SKutter jum SRafirÄer befiimmt, würbe er unter bem 
^riefter unb Stid^ter 6(i jum "Dienfte bed ^eüigt^um^ ju Silo ^eran< 



•t* 



V« 5Die J^au}^Upc^tn ber fftital^ä^m Stultnt unb Sitrrattur* 

gebilbet 9la^ einer fp&tem t)o(l6tl^fim(i(l^en Sfuffaf ung empfteng er ^ier 
burc^ eine 8trt Sempelfc^Iaf (3uhibafton) bleSBeil^e jum ?ßrop^eten/ trat 
aföbalb mit Srfolfl öffentlich auf, bcfeitigte ben ®ö0enbienfi, fdmpfte 
glüdiic^ gegen bie $l^ilif)er unb fiellte ftc^ bann a(e[ ©c^ofet, a(d 9li^« 
ter an bie ©^)ifte beö SSoIfe^^ Slfö fofc^er l^ielt er nid^t nur in feiner 
SSaterflabt auf bem ®ebirge Sfraim^ fonbern namentlich auc^ an ben 
ait^eif igen ^uitudf^Atten )u Setel unb ®ifgal/ ju SRijpa unb @iIo aUge* 
meine 9}o(f6))erfamm(ungen unb iä{|r(ic^e (Seric^t^tage^ tDoburc^ bad 
99en)uftfein ber nationalen tt)ie ber religiöfen @inl[ieit be6 93o(fed am 
befJen gewecft unb gef&rbert »erben fonnte. 

ÜRan l^at Samuel oft für ben Stifter ber 5Prop^ctenfcl^uIen unb 
be^l^atb jugleic^ fär ben eigentlichen Segrfinber ber l^ebrAifc^en ^Rational« 
(iteratur ge^ialten» Slllein mit Unrecht; benn biefe $ro))t)eten«9iereine^ 
bie mit bem Snjiitut ber 9laftrfier, wie eö fc^eint, nfil^er gufammen^ien* 
gen, t)gl. Slmoö 2, 11—12, bifbeten ftd) öon felbft unb Samuel n)ar 
bloß aSorfiel^er ober SReformator eine^ fofc^en SJereind» 3)er ^au^Jtjwerf 
berfelben toax offenbar mel^r bie görberung bed eigenen ftttlicl^en Seben^, 
benn al6 SSolWrebner unb ©finger ju bifben» SBer aber fic^ berufen 
fiif)lU, mochte immerl^tn auc^ ))raftifc^ in bie @efla(tung bed religiofen 
unb )}olitifc]^en 93o(fd(ebend eingreifen. €o ))or SlUem ®amue( feibfl. 
®ie 9»ofe ber ©egrünber biefer 1. ^JJcriobe ifl, fo Samuel berSSoH» 
enber berfelben. ©eine S^dtigfeit ifi eine unit^erfeHe unb burc^aud 
praltifc^e, n)ie bie be^ SRofe. (Sr f))ri^t Stecht im ganbe ale $ropl^et 
unbJÄic^ter, ift Slnfü^rer imÄriege, bringt D|)fer , obwol^l er weber 
5Priefler war, nod) überl^au^)t jum ©tamm 8e\)i gel^örte, unb fc^eint in 
einer SBeife ein ©efammtbetDuf tfein in ben Stämmen getoedt ju l^aben, 
baf ber ©d^ritt t)on i^m .bid ju einem ÄSnige nic^t grop mel^r erfd^eint. 
2)enn t)on einem Könige »erlangte man nur, tioie ed 1. ©am. 8, 19—20 
l^eiptx baf er bad 9Solf richte unb im Ärieg^ anführe, alfo ganj baffelbe, 
n>ad aud^ ©amue( getl^an* SlOfed S^^i^^utig^ unb l^ierarc^ifc^ Stnfto^ 
^ige, tt)ad man oft im SBirfen unb im (S^arafter ©amuefö gefunbeit l^at, 
lapt ftd^ großen JJ^eiW burd^ gefunbe f^ifiorifd)e Äritit befeitigen» 2>emi 
fo ölel ec^t gef<^i^tlid)e 3ng^ bie Süd^r Samueln auc^ enthalten, fo 
fann bod^ 92iemanb (dugnen, baß bie eigentlic^n Wiotb>e ber «^anbfun^ 
gen bei Samuel, befonberö in feinem ffier^ltni^ ju Saul, nac^ f>)fite* 
ten, eiufeitig priefierlid^en Slnftc^ten ^ntfieUt unb getrübt worben jtnb. 
3nbe6 ift f)ia niü)t ber Drt, bieß genauer nac^iun)e{fen. 



®cf(!^. b. )>0et. 92ationaUU. b. $cBr. 



84 dinUittnU aSotirmerfungen. 



3iöeite yerioöe. 

SBon bet ®Tunbung bed <ß5nigtl[ium6 bid jum @nbc 

beö SxlU. 

Über ben $(nfang unb bie Segrunbung brd ^ontgtl^umd l^errfc^t in 
ben ®efc^i(^töbu(^em biefelbe Unf(arl^ett/ n>te über bie Stiftung ber 
®enieinbe burd^ SRofe* 9Ber bad rein nationale unb poHtifc^e @ebei^en 
be^ 93oIfed im $iuge IjaiU, tonnte ben ®en)inn ni(^t )>ecfennen , ben bie 
SSereinigung aUer 12 @tämme )ur golge f)abm mufte. !Ded^a(b er« 
f(^eint ed na(^ einer Sluffapung 2 @ant* 8 a(d ein gott(id)er Sefdjluf^ 
bemSiolfe einen Aönig )u geben^ unb biefec @ntf(^(up n>irb bem@amüel 
geoffenbart unb t)on ibm audgefu^ct* 9?ac^ einer anberu/ ganj entgegen« 
gefegten Sluffa^ung , bie nic^t minber berechtigt unb ))erbreitet toar / er« 
bli(fte Samuel in bem 93er langen' bed iBolfed nac^ einem Könige nic^t 
nur eine SSerwerfung feined eigenen prop^etifc^en unb richterlichen 8In* 
fegend/ fonbern gerabeju einen SlbfaO )3on ®ott. . 

SBenn auf biefe ^arftellung auc^ gana ftc^tbar bie (Srfc^einung bed 
fpiter^n abgöttifc^en ^6nigtl(|umd eingemirft f)at unb Samuel bei ber 
Sinfäbrung beffelben mit einer ^ad)t au^geruftet fc^eint / toic er fte nie 
befepen ^aUn tann, fo i|) bod^ fo biel gemif / baß Samuel fo gut ald 
mancher im 93olfe bie ®efa^r nic^t t>erfannte, n>efd)e burc^ bie@infe(ung 
einer fonigl{ci}en ^ac^t ber SSolf^frei^eit unb ber lebenbigen ®ottbilDung 
enpac^fen mupte, unb bap er auf biefe brol^enben Übelfl&nbe ^inn>ied» 
a^ xoax bie alte allgemeine Slnfc^auung, bap ber unfic^tbare geiftige 
®ott bad U)al^re SBanb ber 9lation, bad $anier i^rer (Sinl^eit/ Araft unb 
Srei^eit fei* 92uu follte ed feine nationale n)ie feine religiöfe (Sin^eit in 
einem ftd^tbaren DberJ^aupte^ in feinem Könige ald bem Stedt^ertreter 
®otte6 auf @rben anfc^auen* Der Schritt }u einer folc^en Unterorbnung 
iß immer ein gewagter unb gen)altiger/ jumal für ^ilUi, bie wie bie 
«^ebr&er jener 3eit noc^ in \)alb nomabifc^er Ungebunben^eit lebten. 9Bir 
bürfen und bal^er ni^t wunbern/ wenn bad SJolf wie bie ^rop^eten ftc^ 
lange gegen bie @infä^rung bed ^önigt^umd gefIrAubt l^aben* 

Snbed blope Betrachtungen unb Steflerionen l^aben nod^ niemals 
bauembe SBolfdjufidnbe gebildet ober umgebilbet. !Die rein gefc^ic^tlid^e 
(Sntflel^ung bed Jtönigt^umd bei ben 3draeliten erfolgte ^ielmel^r bur^ 
bie SRac^t ber Umftdnbe , burd^ bie 9{ot ber Seit/ bucc^ bie bro^enben 
Abel ber ä^x\)fliiUxmi, bie namentli^ im «Kriege gegen bie Slmmonitet 



}um 9}orf(^e{n famen* Sqü 1 (Sam. 12, 12. !Da tvar e^ 6au(0 3;a))fer> 
!eit unb .Rneg^gläcf; wa^ i^n ^on einem ^eerfü^rer aOmd^Iig auf ben 
^önigdtl^ron er^ob* ©eine @m>A^(ung aber gieng unfireittg Dom 9}o(fie 
üM, obmo^I ft« nad^ 2 @am. 10, 26—27 einem Steile be« Soife6 
midftel« Dabei bel^ielten bie einzelnen 6tdmme fott>ol^l i^re @tammber« 
fapung, a(d aud) i^re @tammfurf}en bei* 

9{ac{)bem @au( unb feine Söbne in ber Sd^Iac^t gefallen , traf bie 
gmeite ^önig^mabt ben2)at)ib/ inbem }uerfl nur ber®tamm3uba im 
Silben unb nac^ Tjd^riger Stegierung auc^ bie norbü^en @tdmme feinet 
«^errfc^aft ftc^ unterwarfen. Sffiad @aul begonnen/ aber mir unt^oHforn« 
men erreicht J^atte, bad t)onenbete !Dat)ib. @r ifi unbebingt ber beben« 
tenbße ader i^raelitifc^en Jtonige unb n{<bt unpaffenb mit Jfar( bem @ro« 
$en ))erglic^en toorben. iDur(^ gläcflic^e Kriege unb (Sroberungen, burc^ 
f (uge £)rbnung ber innern äier^&Itniffe erl^ob er ein fc^wad^e^ SBoIf auf 
ben ®ipfe( einer mirfüd^ bebeutenben SRac^t unb legte ben ®runb ju ber 
ferneren @nttt)i(f(ung beffelben. @rfi je^t fianb bie ^ebrAifc^e Nation a(^ 
ein ©anjed ben anbern SSolfern felbfiAnbig gegenüber unb fäb(te fid) mit 
einem @iegedglan)e umgeben, ben e6 nie tüieber t)ergepen !onnte« — 

Über !£)at)ib a(d ^xdjUi müpen n?ir fp£ter au^fu^rlit^er reben. 
9Iur fo t)iet iß ^ier für} an}umerfen, bap bie ba))ibif(^e Seit nic^t al^ bie 
Shlte bed religiöfen Seben6 unb ber rein re(igi6fen !Did^tung angefe^en 
n>erben faun, fo poefiereid) bie 3^it an ftc^ au(^ war. SBielme^r, wie ba« 
mald bad 9{ationaI(eben unb bie ))o(itifc^e Wlaijt S^raeld il^ren ^ö^eu« 
punft erreichte, fo war aud) bie S)ic^tung biefed 3a^r^unbertd t)or^err* 
f^enb national, t)oIfdlpm(t(!^ unb weltfid). !Die eigentli(^ reügiöfe unb 
fird^lidje Sl^rif erblül^te erfi f)}dter unb fü^rt un6 in gef(^i(^t(i(^ anbre 
Suf^äube, a(d wie wir fte im Seben Da))ibd unb feined iRa^^foIgerd an» 
treffen. 

Sluf bie bewegte friegerifc^e ^eit 3)aöib* folgte unter Salomo eine 
lange ^tit ber Stulpe unb bed Srieben^ , in weld)er «Runfle unb Sßipen» 
fd)aften gepflegt werben fonnten. 2)urd) SSerbinbung mit anbern 9iiU 
fern würbe ben ^ebr&ern junäd^fl ein weiterer (»ißorifc^er ©efid^t^freid 
eröffnet, ©ie unternahmen fogar Seereifen unb ^anbeldgefc^dfte unter 
Slnfftbrung ber $^önifen, befonberd auf bem rotten SReere; fc^einen 
aber gu biefcr 9(rt Don Sl^fitigfeit bamald no^ fein befonbereö ®efd}i(f 
Qtf^abt )u l^aben. 3^r ®eifl Igiatte erfi nodb onbre Salinen )u burc^Iau« 
fen. 3nbe^ a(^ ein Siibungöelement ftnb biefe «^anbetöreifen {mmerl[)in 
t>on äBic^tigfeit. 9(uc^ mit %i^pten fnfipfte ®aIomo SBerbinbungen an, 
liep burd^ pi^onif ifc^e Aünfiter ben Ztmptl unb anbete Prachtbauten auf« 

3* 



(Sin(eitmbr SSorimifrfungfti» 

fulg^rfit ttnb ^alt fpätec felbfl a($ 9te^cafentant praftifc^er SSete^eit unb 
a(6 ein fcitd^tbarcr Spntd^' unb Steberbic^tcr. @r foK fogat n>ipenf<^aft« 
Hdje SBerfc j. ©. u&ec bie Statur »erfaßt J^aOen. 3nbed wirb bcc Auf 
feinet SQ3et6^e{t burc^ manche be^potifi^e «^anblungen, burd^ iwxn^, bur(^ 
SSBeiber* unb ®6 Jenbienfi t>erbunWt. 8lu^ inneren ©tunben fann bed» 
f)alb nur bad Sffieuigfie t)on i^m l(^erru()ren/ n>a^ bie Überlieferung i^nt 
jufd^reibt/ j. ©• bie Sprüche. 

Stoci^ in bie ea(omonifd)e deit faOt unfireitig bie erfle Slu^bilbung 
ber l^br&ifc^en ®efd)t(^t6f^reibiing ^ bie erfle Slufaeic^nung ber alten 
SSoIf^fage. @d id ber erße großartige SSerfuc^ einer Unberfaigefc^ic^te, 
einer Qk^äjidfit, bie bad SBer^aitnid ber <^ebr&ec ju allen befannten 
SSöIfetn ber (Srbe , Bamentli(^ )u ben femitif^en / barfleQeu unb bie ent^ 
l9ide(nfoS^ wie bad ()ebräifd)e 93i)(f aM aQen übrigen Stationen ft^ 
l^erau^ebiibet unb feine freie ®e(bf}änbigfeit errungen l^abe. S6 if) bieß 
bie ®rnnbf(^rift be6 $entateu(^d unb bed Suc^ed Sofua, bie aber fpfitet 
bebeutenb überarbeitet unb vermel^rt n>orben ifl. @in fold)ee ®ef(^i(4t^> 
werf fonnte erft nad) ber 9u6bt(bung bed Staaten t^erfaßt werben« 2)er 
ganje ^ßentateuc^ fe)^t audi AberaO ba6 ^efle^en be6 ^önigt^um^ t»or' 
aud unb weifl fc^on im fieben Slbra^amö prop^etifc^ ouf bief SlefuUat 
ber (Entwidlung ^in. 

9)tit beut ®a(omonif(^en Ztmptl lata jugleic^ eine jal^Ireic^e $r{e» 
{}erf<^aft auf. Sru^er gab e^ nur wenige $riefier^ bie man \)it unb ba 
)u Opfergefc^äften in S[nfvru(^ na^m. ®ewö^n(i(^ aber opferte {eber 
«^audt>ater fe(bf}/ wie nod) !Dat)ib unb @aIomo unb fetbf} noif fpdtere 
«Könige o^ne SInflanb traten / bid aOmfifitig bie $riefter ba6 £)pferge* 
fc^dft au^fc^Iießiic^ in Slnfpruc^ mf)mtn. — (Svft je^t, feit ®atom^ 
^atte aud^ bie Sludbübung unb ^irirung be6 Sittualgefe^d wirfüc^eSe« 
beutung unb fann weber ber mofaifc^en ßüt, noc^ ber 9lid)terper{obc 
angel^oren. 

9tadi ©atomo'd 2;obe tl^eilte ficf) bad äiefc^ in )wei Staaten, bie 
bid jtt i^m 9(uf(6fung in gegenfettiger (Stferfud}t ftc^ anfeinbeten. Sn 
bie @pi^e ber geiftigen 6ntwid(ung treten jr^t wieber beutüi^er unb in 
ganj anberer SSBeife ald früher bie ^ßropj^eten. 3l^re SBirffarafeit U^ 
fc^rdnfte fic^ {eboc^ l^auptfic^lic^ auf 3uba , bad bnrc^ ben f (einen Um« 
fang an Snergie unb innerer SUbungdfä^igfett nur gewann unb bo^ 
geißige, ibeale $rincip im SlOgemeinen reiner entwidelte/ ald.bad nörb« 
ii<^ aiei^. — 2)te Slfite ber proplSietif<^en Literatur beginnt mit 3oeC 
(um 8&0), «hno« (um 800), ^ofea (770) unb 3efaja (759—700). 

Sunftc^fi witften biefe {(kepi^ten immer no^ wit wn Sbifang « 



V* 3)ie J&au^U)po^tn brt (r^ratf^ieis itultuc unb Literatur* 87 

ptatü\i), bur(^ Sßort ttnb 2:^at IDie meiflen 9teben bet t)oifri(if(^en 
5ßroj)l^eten finb nur freie 993{ebcr^ohmgm unbSieprobufrtonen öoit wirf« 
Udj fle^aftenen Sorträgen. — 3Rit Immer neuer Äraft unb fllüf)enber 
93egeitVrung bringen fie auf eine fittlic^e Umn)anb(ung unb ^ieberge« 
buri ber ganjen ®emeiube. Sanb unb 9So(f fod bem i^errn untertDorfen 
«nb nur \f)m ge^etUgl tDerben« !l)ed^aI5 befdmpfen fie mit ber größten 
greim&tigf eit tl^eiM ba6 abfofute ^pitigt^um unb bie Ungeted)Hgfciten 
ber @tammfärfien/ %i(d ben 9Iatur« unb ©o^nbienß cUt übttf^au^t 
ba6 niebere/ natürli^e $rind^^ noo ed ftc^ geüenb madfte» 

£tefe ®egenfd(e beflanben aber / xok fc^on eben bemeift tDorbeit/ 
«OK jel^r in ber ^btätf<l^en SSoIf^gemeinbe unb )n>ar in ber erfiten $e« 
riebe noc^ gan| unbefangen neben einanber« 3u ber jiDeiten $eriobe ab^t 
bringen bie ^ro^l^eten biefen (Segenfa^ bem SSoife }um SBemu^tfein unb 
befämpfen ibn^ bid enblid^ im @i:i(e ba^ geiiiige, ftU(ii!^e $rinctp ben 
6ieg tmb bie aOgemeine Sinerfennung gewann» @in n)t(^tige6 äRement 
itt/ber aSolf^nheiiilung btfben bie Auüu^reformen bed ^iHia {vm 720) 
unb bie be6 Sofia (um 625)« 

äBad bie Literatur betrift , fo bef ommt biefe biirc^ bie genonnteii 
%t9fm ^xopi)cUn immer mel^r einen audfd)Iie$Ii(^ religiofeit unb et^? 
f^n iS^arafter, befonberd aud^ in ber ^oefte. !£)ie a(te^ S^rif bi^ jim 
(Snbe bed 9. 3a^j:6unb<rtd trägl eitt rein nationale!^ unb t^orl^rrfd^enl) 
weitUc^e^ eber awi) aSgeomn menfd}Ii(^€d ©eprage«. 6ie erreicht im 
<^o^eniieb< i^re fd)önf}e Siute» 3)enfelben S^arafter tragen bie filßflen 
@tamm^ unb SSDlfdf^gen, namentlidS^ im 93uc^ ber 9U<^ter unb in ben 
S3u^erit Samueln. "Stnt ftiib |ie ipittt, um fte erbaulicher )u miW^en, 
mijt maniien re{igii>fen unb tHbaftifc^en dufä|;en ^erfei^n morb^» 

SSit ber äbif^ebung be^ jubif^ea &iaaM unb mit ber ^rtful^rttiif 
ua SSolfed Mdi 93abel mar bie geiftige JCraft beffetben nit^it ^ebxjo^eti. 
3m (Segeiit^eil )n>ät blefe äBonberjfit bie eigentiic^e 8<iutenmg4)»mobf 
\t^ ^iU^. ^ geiDöl^nte ^ jum Zi)tü r«^t gut an He fremibeti 
äBjetl(lirfii(^ unb nit bru Umgang mit ;^iben/ t»e^;lgialb if&ktf a(6 QitfmA 
bie (iflaubfiid jui SUMftfyt erl^eiüe , bei U)eitem aic|t AHt Q^rutouten 
tttd) $däflm« juriuffei^ren mi^i^ten.. ^ ®egen ba4 @nbf bet ^ßtxban* 
tmng 1^1 y um 540, al6 (h^ß ber $erfer an\ix4t^ ttmUitt bie yrcf l^e^ 
tif(^£ ^geiflerting / »nu@ bieti ®el^all i>etjciffty i^reu rig^tlic^n l^pf^n^ 
punfU !l)er babvfonifd)e 3efaja, Aap. 40—66, ber iu bie^3^ 1*0*/ 
et^^tt bft^ .^n^e unb S;iefgosig|k^ m^ \>k ^toi^^itW 9bii^A^^% 
«Mf altte|amen(ü^efli ®binbpia${te ^ii^affm fyeilu 



88 Qinleitenbe aSorbcmerfungm* 



Dritte jrcrioöc- 

fßom @nbe bed @riU (i^ in bie maffabiifc^e 3eit. 

9^a(^ bct gen)o^n(i(^en Sfuffapung foO bei ®eifl bed llf^brdifc^ctt 
SJolfed in biefet britten fßeriobe ein gonj anberer 8ctt>orben fein unb feine 
fc^öpferifc^e «Rrafi t)er(oren ][|aben* SIQein man barf ben ß^arafter unb 
)>ad SSSefen biefer ^eriobe tvebei nac^ ben geiMarmen @(^riften bei 
^Jrov^eten ^aggoi, 3a(^arja 1—8 unb 5DIaIeo(^f , noc^ na<^ ben einfei* 
iigen gefc^ic^tUc^en Slufjeic^nungen bed @^ra unb 9}e^emia 6eurtl[)ei(en* 
3)ie )}ropl[)etif<^e^ege{f}etun8 mu^te aOerbingd erfofd^eu/ nac^bem fte 
illiren Soben, bie tl^eohatifc^e Serfaßung, t)erloren, unb noc^bem fte i^ren 
@egenfa^/ bie Staturreligion, übemunben f)aUt* 

mt bem @^(np bei 2. $eriobe, tt)ie i^n bad toic^tige Stud 6ei 
3efaia Ä. 40—66 barjiem, ifi bnö SBefcn ber ^ebraif(^en SReligion no^ 
allen ÜRomenten l^in ^oDftänbig entfaltet ; bie 3bee bed geizigen Wie» 
notl^ei^mud a(6 bei einjig roalyxtn religiofen Seftanfd^auung/ bie gor* 
bemngen bed @ittengefe^ed/ bie 9lnfpin(^e an ein fittlic^ freiem ©emein« 
ben>efen ftnb !(ar unb aOfeitig audgef))rod}en unb bem ganzen 9Jo(fe )um 
9en)nptfein gebiad)t. 66 l)anMt [x<ti Je^t nui barum^ bap biefet obith 
tit) aewoibene Sn^aJt, ben bad 93olf al6 feinen eigenen 3nl)alt anec« 
fennt )um mirfüc^en S3ewuptfein aUei einjelnen ®emeinbeg(iebei erj^o« 
ben werbe* (Sd ^anbelt ftc^ alfo um bie fubjeftibe 9(neignung unb SJer« 
aibeitung bei )}rovl^etif(^en Offenbarungen* iDie Sel^rbid^tung erreichte 
bed^alb {ti^i i^re ][|ö(^f)e Stufe* !I)ie freie Sie^erion unb bie betrad}tenbe 
aSeiö^eit traten an bie ©tefle ber pro))betifc^en ?ßrebigt unb fo gelangte 
bei SBolfegcifl jefrt ju feiner Sieife. 3)ie ÜRe^rja^l ber ©alomonifc^en 
Sprüche gel^ört biefer 3eit an. Sieben ber bibaftifc^en ^oefie er^dlt fi6) 
aber auc!^ bie Ii;rif^^religi6fe ©egeijierung frif(^ unb urfrdftig unb ^tu 
binbet mit ber tiefften Snnigfeit be^ ©emntd bad Harfle @e(b^en>uf tfetn. 

9Bie alebann aber im iBerlauf ber ®efc^{(^te burd^ bae Unglud bei 
3eit bie ©runbtagen ber altl^ebräifc^en SSeltanfc^auung erf(^fittert unb 
bie 93ö(fer )u einem neuen retigiofen ©tanbpunfte l[)ingebr£ngt ivurben^ 
bad tt)irb bei bei Sefpie(^ung bee Suc^ee <^iob unb ^o^elet audful^ili(^ 
nad^getüiefen iveiben* 

Süden n)ii ie^t auf bie biei $eiioben , bie in bei Iffebiäifd^en ^uU 
tui' unb Siteiatuigefc^id^te Hat ^erbortreteU/ nod) einmal jurüd/ fo fön« 
neu wir fte in ber Äürje auc^ fo c^arafteriftren : bie erfle ^ßeriobe ifl. 



V» S>it ^aupttpod^tn brr t)thxai\ä^tx\ StnUnt unb Sitnratttr. 

tt)ie iebe erfle Sübimg^flufe, eine fn6 jefti))e* IDa^ neue fßrindp^ bad 
n>efent{t(^ in ber 3bee ber jtttlic^en Srei^eit be6 SRenfd^en befielt/ Aufert 
ftc^ iunäc^fi nur im Innern, nur anbeutenb unb al^nenb a(0 unmittelbare 
®en>ip^eit/ ald freubige (Sr^ebung über ade 92aturgen)a{ten, fann aber 
im Seben nur erfl unt)oDfommen unb ))ecein)e(t )ur @rfd)einung fommen. 
SOe^ ift nur ZtnUxti, nur Streben/ nur ein l^aib unbewußter 93i(bung<^ 
trieb. @d fe^It noc^ ber reale Soben, auf bem bad neue Sleligiondprin» 
dp aOein bem)irfÜ((}t n>ecbeu fann : ber @taat. 3)enn nic^t ber einjelne 
3$rae(it für ft(^ fann )u jener {tttlidjen gvei^eit gelangen : er erreicht fte 
nur a(6 ®Ueb ber ®emeinbe. iDiep freie ®emeinbcn)efen trat aber erfi 
mit ben Königen, mit ber politifc^en Einigung ind 2)afein. 

9{a(^bem bad $Bo(f politifc^ felbflänbtg geworben , tarn i^m au(^ 
erfi ba6 SBefen feiner SteUgion/ bad bid ba^in nur ben inneren ^erbor^ 
genen $ü{^f(^(ag feinet gebend unb Strebend gebübet/ aQmä^Iig }uni 
Haren Sewußtfein. @ein innerfted SSBefen, bad in ber erßen $eriobe in 
fubieftit)cn Siegungen unb dampfen t)erfd}(ungen blieb/ trat i^m nun a(d 
ein jweited objeftit^ed f(ar gegenüber unb bilDete fo bie ®runb(age ber 
weiteren (SntwidCung. 

3)ie britte unb (e^te $eriobe fledt fobann bie ^Bereinigung ber bei« 
ben »orl^erge^enben bar; ndmli^ fo : ber in ber 2. 5ßeriobe objeftiv ge» 
worbene 3n(;a(t bcd Sittengefej^ed wirb }um wirni(I}en Sewußtfein bed 
@in)c(nen wie ber ©efammtl^eit erl^oben, fo baf nun jiebed ®(ieb ber 
®emeiube biefen 3nl^alt a(d feinen eigenen Sebendin^att weiß. 9Bad bie 
@emcinbe in ber 1« ^ieriobe unmittelbar befap/ bad f)at fte jeftt bermit« 
Ult, bewußt unb frei* — 

2)iefe le^te $eriobe ift jugleic^ aber eine Reit bed SBerfaKed* Da« 
@efammtbewußtfein bcd SBoIfed lofl fic^ aOm&^Iig in @eften auf/ bie 
nur gewiße Seiten ber bid^erigen 33e(tanfd)auung fefil^alten* 

SSom britten 3a^r()unbert an gewinnt aui) bie griec^ifc^e Silbung 
einen immer bebeutenberen (Sinfluß« Unter ben $tolemclern unb @e(eu< 
dben wanberten »iele 3uben t^eild geiwungeu/ tl^eild freiwillig nac^ 
%9Pten unb in bie benachbarten Sdnber* <^ier (ernten fte grie^if^e 
$^i(ofo)}^ie unb griec^ifc^ed Seben fennen, unb fo bilbete fid) neben ber 
palafttnenfifd^en eine griec^ifd^-jübifcfye Siic^tung aud« 2)ie in ägi;))ten 
feß^afteu 3ubeu ber(ernten balb ibre SRutterfprac^e / fo baß eine gries 
Aif(^e Aberfe^ung bed alten ileflamented notwenbig würbe« S)ieß ifl 
toer Urfprung ber Septuaginta / bie im 3, Sa^r^* begonnen unb im (e$« 
ten 3a^r^. ))or &)u beenbet worben ifl* 9lm beut(id|fien }eigen bieSfyo« 
fr^p^en ben griec^ifc^en Sinfluß«. @o ).S3* badSuc!^ ber Sieid^eit/ 



46 Sinbitfnbe SSovibcmfvfundcn« 

bad ein ®egenf)äif )um $cebtgn @a(omod ibtibet unb ^om 1)tbxii^äftn 
6tanb))unfte aud ni^t ju crfldrett ifl. 

911^ enb(i(^ in bei maffa65if<^eu 3^it ein l^eftiger ^<im))f gegen bie 
geWdUfame @tnfit^rung be6 ®r{e(^ent^um0 entbrannte unb fiegreic^ für 
bie 3itben enbete^ ba tpurbe )t)a^rfd)ein(id> avi6i bie (e^te ^onb an bie 
Idngfl ^orl^anbene ®ammlung ber i^diigen 9}aliona{f(^riften gelegt unb 
ber fertige Aanon fanftionirt/ um 140 — 120 »oc 6^c. 

2)er «^auptrepräfentmtt ber fpfiteren griec^ifd^^iübifc^enSlit^tung ifl 
$ ^ i 1 , geb. 25 »or 6^r. — Sei biefen ög^tifc^en Suben entwitfette 
fic^ jngleic^ bie attegorifd)e unb ibealifirenbe (Srfifirung bcd alten Jlefia« 
mentd unb fanb auc^ bei ben paiäftinenftfc^en ®{auben^geno^en @in« 
gang. Um nimlit^ i^r aufgeffdrtered 93en)uf tfein im 91. Z. toieber }u 
fhtben ober bod^ bamit au^jugteic^en, mupten fte notwenbig ben bu(^« 
^&Mi(^en 6inn beffelben aufgeben. @o ][|aufte füj aHmal^Iig in ben 
geleierten ©c^ulen ein mannigfach umgebeuteter 6toff be« often Sepa« 
mented, Treld)er ber ®runb ber fpdteren jübifc^en flrabition tt)urbe. 

9iac^ ber ß^rpörung Serufalemö, um 70 nai) (5^r./ erl^oben ftc^ 
batb aufö SReue biefe gelehrten Schulen ald gortfc^ungen ber 5P^arifäcr, 
tl^cilö in 5ßataftina ju Soppe unb S^ibcriad, t^eilö in ©ab)jlonien ju 
©ora^ Sabcl unb fonji. ^kt erfidrten biefe ©c^riftgetel^rten alö 9lab« 
bineli (t?. n*n SKeifier, Se^rer) baö alte ®efc^, mie eö unter ben ba* 
matigen, gfinjlic^ t>eianberten Umftauben gehalten n^erben foöte. — 
©obann begann man atlmal&lldö bie münblicö fortgepflanjten S^rabitio* 
neh nebfi ben für bie fpdterc ßüt paffenben ®efe^en nieberiufd^reiben, 
*"unb l)kxan6 entfianb ber Jlalmub^ b. i. Se^re, doctrina. ß$ finb 
' biep bie testen Sluöldufer unb Slad^ttjüc^fe ber l^ebrdifc^en ?iteratur. 

!D{e ecße unb bie ®runbf<immlung bed S^almub mürbe t^anflaltet 
im 2. 3a^r^. nad) 6^c. burc^ ben Stabbi 3>uba/ ben ^eiligen^ 
SSDrßel^er ber Slfabemie in 3:ibetia^. @ie ful^rt ben 9lamm : ä)2 i f d) na, 
b. i. ni<l&t ? e 1^ r e , fonbern 3Bieberl^olung(t). ««) , ndmll<^ ©le« 
bctlpolung bed alten ®efe^e6 in anberer Sorm/ alfo gonj tolt Deutero- 
* Bomium. 2)iefec erfie Z^eü bed Salmub xonxit in ben @(^u(en crfUrt 
snb fommentirt. ©p&tet würben auc^ biefe Kommentare niebergefd^rie^ 
ben/ mib biep ijl ber iuoeite 3;i^eil bed 3;almub/ bie®emara/ b. i. SSoU^ 
enbung ober au^fäl^rlic^e @rf Idrung« @o }uer{l am Q^nbe M 3. 3al^r< 
l^nnberid nadb @l^r. in .^ai&ftitia. !Diefe @emara t>on 3erufa{em , toU 
^e l^eift/ tDurbe im 3. ä(^^xf). }u S3al>el bur^ eine ffirjere unb ttarcrc 
erfej^t/ linb biefe bab^Ionifd^en «Rommentore^ bie juglei^ ben äßif^na« 



Xcrt mÜfaUm, ^tt^tf^i man ie^t gm6^({<^ unter Um Kamen Siüniub* 
3nt 6* 3a^r^unbeit na^ &^x. ifi et abgefc^tcf en* 

,3nbe6 «6er(ldgen biefe 9merfungen fc^on Uhtgli bie ®ritt)m bei 
alttcßamentlii^en Stteratntgefc^ic^te unb gehören ni(^t u>citer l(|ie^er* 



(£rfte ]rertobe. 

SBon SKofe 6id )ui: @runbttn0 bed Ainigtl^uma* 

A. SJ« tnofaifdjt 3cit. 
1. ®efete. ^t SeVtlog. 

Obwol^t ed inline gcgcnwfirtigc Slnfgabe nur iji, bie ©efc^^te ber 
]&ebräif(^en ^Rationalliterotiu im engeren Sinne , bie ®ef(^((^te ber ^e« 
bräif<^ett 3)id)tung, barjuPellen, fo fann i^ bod) baö dllefk e^rwubige 
2)enhnalbiefer Literatur nbev^aupt, icft meine ben 3)efaIog ober b{e 
10 ©ebote, alö bie erjie e(^te IWunbe ber mofaifc^en ©cfc^gebung, 
nic^t ganj mit ©tiüfcl^roeigen übergeben» SBir gett>tnnen baburd) ju« 
gteic^ bcn fid)em ®runb unb Soben, ben rid)tlgen ©tanbpiinft, Joon 
bem au0 auc^ bie fpfitere religiöfe fpoefie allein gehörig geiDiubigt «nb 
t>er(Janben »erben fann. 3"nfid)fi aber mfißcn wir und barüber @ett>if • 
l^eit »etfc^affen/ ob bie je^t fogenannten 10 ©ebote aui} tDirflld) bie 
fiitefte/ ec^t mofaifc^e ®efe$e^urf unbe {tnb ; beun bie Sirabitton über bie 
Slbfa^ung biefer 10 ®ebote bur(^ "SSloit ift jiemlic^ jung«. 

2)er SSerfaper ber ®runb[c^rift be^ $entateu(^d/ ber unter @alomo^ 
ttx^a umd Sa^r 1000 t)or @^r. fc^i;ieb^ ftedt jtoar ben Defalog an bie 
Spi^e ber ganjen ®efc(gebung / fagt aber nic^t , bap bief nun eben bie 
10 ®ebote feien. @d l^eif t ))ielmef;r gang adgemein : ,/I)a rebete @ott ade 
biefe SSorte u. (• tt)/ 2 SRof. 20, 1. Die einzige entfernte ^inbeutung' 
barauf fönnte man in ber S3ef(^reibung ber Sunbe^(abe ftnben, in n>e((^er 
ba« mofaif(^e ®efe^ aufbemal^rt würbe. 2 SKof. 25, 10, 16, 21, 22. 

@rfi ber {meite <^auptt)erfa^r bed $entatcu(^^ , ber (Srgdnjer, 
ber nm^ 3a^r 800 lebte unb fi^rieby nmnt fieiaerne S^afeln mit bem 
göttlidben ®efe^, 2aRof. 24, 12. Dann fagt er beßimmter, bap ed 
iwei 3^afe(n getpefen/ befc^rieben mit gott(i<^em ginger. 2 9){of. 31, IS. 



48 Qt^c $eriobe. Sßon SRofe M gut Orfinbung M Jt&nigt^um«. 

— Senttr berichtet erfi biefec Serfapec^ ba$ i^kie {e^naßorte^ bar* 
auf gejianben/ 2 5Wof. 32—34, bei ber ®ef(^{cl^te t>on bem golbcnen 
Stalbe, bk biefcm Srg&njer angehört* 3Rofe gecbrit^t au0 d<>fit übet ben 
®o$enbienfl bie Driginaltafeln unb mup bann auf göttlichen Sefei^I jtDei 
anbete »etfettlgen unb fie feI6fi bef(^teiben* 3n biefet Sage Hegt ieben» 
fad^ fo bie(/ bap b(e utfprüngli(^en Slafetn bet(oten gegangen 
toaten unb man fpitet nut no(^ eine itü)}ie bat)on befaf • 

iDet brttte unb (e^te SBetfapet beö $entateu(^d/ bet um 650 fc^tteb 
unb bon bem faß bad ganje fünfte SBuc^ 9Rofe'6 i)exxüf)tt, ^M&l)nt bie 
10 äBotte, ml^t ©Ott auf bie beiben 3;afe(n gefc^tieben, 5 9Rof. 4, 13. 
Sei bet ©efc^ic^te be6 gofbenen ^albed finbet {t^ abet bie 9lbn)eic^ung/ 
ia$ et aud^ bad jweite Safelpaat bon ®ott felbfl gefc^tieben fein lä^U 
@0 genfigte ibm nic^t/ nut eine menfc^lic^e Slbfc^rift biefet ^eiligen Ut* 
funbe untet feinem fßolU ju n>i^en. ^af)^x biefe $luffapung^ bie aber 
bet Slngabe be^ Stgdnjet« »ibetfptii^t* • 

Sei all biefen 3^udntfT^it if^ c^ ^^^^ nte^i^ ald itpeifell^aft; ob au(^ 
nut @iuet bet brei SSetfapet bie gtbei S^afeln mit ben 10 ©eboten gefel(|en 
^at. (Die Slbweic^ungen in bet Sprache , bie betfc^iebenen erläutetuben 
Sufä^e in bet jweiten Stecenfron biefed ZnM im 5 ©♦ 9Rofe'ö, 5, et^eben 
biefe iBetmutung )ut ©etDipi^eit. 3Bit mupen ba^et annel^men/ bap bie 
)wei ^afe(n auf unbefannte SBeife im .Rtiege betloten giengen, tt)ie bie 
$l^ilif}et ja einmal 3ut 3^it @Ii'd bie Sunbe^Iabe erbeutet l^atten« !Die 
10 mofaifc^en 9Botte erl()ielten fic^ bann nur in lebenbiget Überliefetung 
unb n)utbeu au^ biefet biclleic^t f)}atet ibiebet in jwei Slafein eingegtaben* 
3ebo(^ tt)a^tfc^ein(id} ifi biep nicbt* 

!Die aOSiebetetfennung be6 eckten !Defa(og^ l^at atierbingd mancherlei 
S^mierigfeiten, inbem bie alten furjen ©efe^edmorte bereite mit erfli» 
tenben 3ufci(eu berfel^en finb , bie man )um Z\)M n)iebet a{6 befonbete 
©ebote gefaxt l^at« ^a\)et fd)ien benn bet iDefalog manchen .ßritifem 
tl^eiid }u allgemeine, t^eild )u fpecielle ©ebote ju enthalten. 9(m meifien 
ittei) flritt man über bie 93ert^eilung ber 10 Sßorte auf bie jwei Xa^ 
fein , tbobei ed ganj natürlich tvar, bap jiebe Za\d beren fünf erbalten 
mupte. 

!£)er <^au))tmangel ber btöl^etigen .ffritif unb aller Sludlegungen be^ 
Defaloge befielet barin , bop man Weber ein 5Princip ber ©nt^eilung, 
nod> fiber^au))t einen innern, bernunftigen 3uf^ntmen^ang ber 10 Sßorte 
}U ertbeifen bermo(^te* 92ur ber Sßac^weifung ecne6 fol(ben $rinci)>d 
f ann ed gelingen , bie Slbfaf ung be6 iDefaIog6 burc^ SRofe aU wirf lic^ 



A. IDie mofaifd^e Seit* 1. ®efc^. 5Dcr 3)e(a(o8. 



4S 



(egtänbet batjutl^un/ itnb ein fo(^e6 $rind)) ifi aUetbinge Dot^anben, 
tDte i(^ bereite an einem anbern Crte audffiftrli^ fleaeigt ISia6e '). 

3)er 3)efa(og if} im SlOgemeinen l^eit)orgegangen aM bem ®ruttb« 
gebanfen ber ^ebrdifc^en äteligion^ bap bad 93ec^d(tni6 be^ 9Renf(^en )u 
@ott {t(^ im ä^ecpitni^ )u anbern 9Renfc{)en offenbaren unb bet^Atigen 
mn^e, ober, ba^ bie 9ieIigion nur in ber @itt(i(^feit/ in ber freien ^^at 
bed Sebend jtd) t^oüenbe. 2)e6^alb entf))ri(i)t jebem reltgiöfen ®ebot ein 
anbered^ et^if(i)ed/ ba^ftc^ aufbielBerl^iltnifTe bermenf(^lt(^en®efeDf(^aft 
besiegt» S^riftu^ gibt ba^er ben 3n^alt bed ganjen @efe^e^ (b. i. be9 
@ittengefe$e6) ))ortrefflic^ fo an : ^tebe®ott unb beinen9}d^ßeti 
wie bi(i^ felbfi!'' SKattl^* 22, 37—40. »eibe« i|i ni(^t ju trennen» 

!I)ur(^ biefen ^Jaradeli^mu^/ ben tt)ir in ganj A^nlic^er Sffieife au<^ 
bei ber erßen Sc^opfungdgefc^ic^tevftnben/ (apen ftc^ nid)t nur bie ed^ten 
je^n ®ebote mit @ic^er^eit tDiebererfenneU/ fonbern n)ir erl^alten auc^ 
ein fc^öneö unb in ftc^ abgef(^(opened ®an)ed. ÜDabei ift aber fogleic^ 
)u bemerfeu/ ba0 gn)ei ®ebote auf ber gmeiten S^afel im ie^igen bebrAi^^ 
fc^en Sterte t^erfe^t worben flnb, xoa^ fic^ aud ber Überlieferung be^ ler» 
M ^inl&nglid) erflart. 3m 9teuen 2;ef}amente ftnbet ftc^ tDenigßend bei 
bem einen ®ebot noc^ bie richtige Steil^enfolge. 

fDie ur[))rüngn(^e ®efta(t bea 3)efa(oga fann nur folgenbe gen)efen 

fein : 

@r|te ^afel. 3tt»eite 2:afel. 



I. 


I. 


3(^, 3a^öf, blnbein®ott! 


®^re beinen SJater unb beine SRutter ! 

II. 

)Du foUfl ntc^t e^ebre(^en ! 


II. 

^u foUfi feine anbre ©ott^rit fia^ 


Un neben mir ! 




III. 


III. 


2)ufoUflbir fein ©otteöbift) mad^eu ! 


S)\i foHfi nic^t tSbten ! 


IV. 


IV. 


JDu füHfi ben dUnxtn 5af)t>t% bei* 


)Dtt foUji Wu falfdb S^wgtti^ «ben 


nrd ©otteS; nt(^t audfpred^en jur 


tt^iber beinen (^acibfien ! 


m\^w 1 




V. 


V. 


@ebenfe brd Seiertaged/ \>a$ bu il^n 


3)u fcUfi ni(^t {}(^(en ! 


*f ittgf fi 1 


> 



1) IBgl. meine ©c^rift : JDie utfijrttttßH^i^e gorm be« JDefalog«; l^et» 
0(fleat unb erfl&vt* SRannl^eim, bei Sy» ^affennann. 1846* 



SDtit bem erflen (Sebote bct 1. 3;afe( iDirb ber neue geiflise ®ofte4» 
begriff/ ber ftd^ an ben 9?amett 3al^e htn^ftC/ eingefüi^rt. Sr gehörte 
md) 2 9Kof. 6, 3 ber m^faifi^en ßtit an unb mu$tt aU bie .^ait))lfac^e 
i^^ranpel^en* a)cr Saft ifl oI6 Slu6ruf ju fapen: 3,^, 3al^t)e, bin 
bein @ott! b. ^. bs ^afl benSal^^, ben freien ^ geifltgen ®ott )u 
9ere^ren^ nidit ben Saal^ ni^t Sonne^ ÜRünb unb Sterne^ noäj ibex^ 
ffanpi eine 9lätttmiac^t. !£)er 92a8ie 3al^i>e^ ber feiner finnli^en 9(n< 
ff^onun^ nac^ urf))rüng{l(^ ben Sid)t^tmme( (egetc^net unb banrauf ben 
geifitgen ®oU fibertragen n^urbe^ fiebt in Sfppofilion gu bem fc^arfen^ 
aQe6 Srembarlig€ audfc^Uepenben „^i)% tiOot>nxi) bie freie geijtige $er« 
fonlic^feit btefed @otM Dortrefftic^ au^gebrucft ifl. SBg(. 9iid}t. 6, 10. 

2)lefem erjien religiöfcn ©ebote entf^jrid^t baö erfie ®tbot ber jwel« 
tenSiafei: ^(&f)xt äJater unb äSuUer!'' 2)ur(^ biefen ^araQeli«« 
mud ergibt $(^ ^on [elbfi bie SSorjleKung , bap @ott in einem d^nlid^en 
Ser^iltmd )u ben ^enfc^en ^ti)t, loie bie (Eitern ju i^ren £inbern. Sr 
H)ie bie @(tern forbern unbebingten ©eJ^otfam^ tooflige «Eingebung* 

!£)a^ anleite @ebot: 2)u foUfl feine anbre ©ott^eit 
l^<a ben neben mirJ entl^ait ben ©ebanfen ber au^fcl)[ifp(^en Sinl()eit 
©ötted. (Sr, ald ®e(fi, fann feine anbere "SJlciijt b. i. feine SRoturmacbt 
»eben fic^ l^aben. 2)cm entfpric^t auf ber jweiten JEafel: 2)u follfl 
nicl)t e^ebrec^en* "Sluc^ fonft \vix\> baö Ser^filtniö ber ©emeinbe ju 
©Ott alö ein Sunb ober ®^bunb t)orge|lctIt unb ber Abfall t>om n^al^reu 
©Ott alö Sb^brud) bejeid)net» Sin fid) fd)ou kg eine fold^c ©ebanfen« 
»erbinbuag na^e» 3)iep jiüeite, rtttlid)e ©ebot ifi im jeftigcn l^ebrdifc^en 
ZexU t)crfeftt worben. 3tid)tig aber fie^t eö noci^ in ber gricd)ifc^cn 
Öbcrfeftung ber 70, unb banad^ im 9?euen S^cflamente, 3t6mer 13, 9. 
3af. 2/11. (St). 3»arf. 10, 19, 8uf. 18. 20, wo^renb 3Ralt^aud, 
feinem Jf^ebraifd^en (Sbarafter gemäp, bie maforetifd)e golge ^at. — Slb* 
gefebn t)on bem ^ortreffIi(^en 5ParatIeliemuö ent[prid)t biefe 9?ci^enfolge 
auc^ einjig bem ßwfainmen^ange ber etbifd}en ©ebote unter fic^. Denn 
baö erjie ©ebot ber aweiten S^afel l)ebt bie Sf)rfurc^t ber ^inber gegen 
bie Eltern ]^ert)or. Daran fd)Iiept fid) ganj natürli^ baö ©cbot.ber e^e« 
liefen Streue ber (Sitern unter einanber, unb bann erft foigt pajfenb ba6 
aflgeracinc ©ebot, feinen 5SRenfdjen ju tobten. 

Dadbritte ©ebot ber 1.2;afel^ebt bie Unabbi(bbarfeit@ot« 
ted ^ert>or. Durc^ jebeö Silb aud ber 9?atur n)irb ber geiftige ©olt, ju 
bem M ber SKenfc^ nur im ©ei|le erJ^eben fann , ju einem enblii^en^ 
befc^r^nften Staturforper ]^erabjge)t)urbigt. (Sr ber e^ige , ( e b en b i g e , 
wie er fo oft genannt uoirb, erfd^eini im S3ilbe ol^ iin gd|ili)fer/ tobiec 



St^ix, tot^^M audj bie ®6$enbilber getabeju a(^ ni^tfge, n>efettlofe 
ober tobte @öttet bejeid^net n>erben» Dad ®e6ot finnte b^^^er au<^ fo 
au^gebrudt fein : mac^ btr feinen tobten ®ott! iDern entf^rid^t 
auf ber anbern 3!afel baö ©ebot, feinen ?Wenf(^en )u tobten. 
3)enn burc^ bie Siöbtung wirb ber äßenfd} , ber nur al6 febenbiger ®eifl 
bad @benbi(b ®otte^ ifi ^ ebenfoOd ))erenb(id)t unb ju einem bloßen 9{a* 
tnrfor)}er l^erabgefe^t. (Sin tobter äRenfc^ eutfprid}t ba^er einem tobten 
@otte b» i. einem geif)« unb (cblofen ®ottedbiibe» (Sine gen)ipe 3bee« 
oerbinbung wirb man nid^t (dugnen fönnen. 

2>a6 ))ierte®ebot, benStamen ®otted nic^t aitd)uf)»re« 
(ben )ur galfc^^eit^ fann fic^ nur auf einen (Sibfc^n>ur be3iel()en* 
Sin bürgerlicher @ib fann nidbt gemeint feiU/ }uma( ))on biefem auf ber 
2* Xafel bie Stebe i^. Suferbem mup biefer Sd^wur religiöfe Sebeu* 
tung ^aben unb ftd^ unmittelbar auf ®ott bejiel^en* @d f 6nnen nur ®e< 
läbbe unb jwar Dpfergelübbe gemeint fein^ bie immer binbenb waren 
wie ein ßib unb biefem gleich gerechnet würben. 4 9tof. 30^ 3. — 
3)iefem ®ebot entfpric^t auf ber 2, 3;afel, fein falfc^e« 3«^«flniö 
gegen ben Sfac^ßen abzulegen. 2)er $aralle(idmud if} ^ier 
mel^r ein inf erer, a(^ ein innerer. 

3)a$ fünfte ®ebot t)erlangt bie «Heiligung be6 @abbatta* 
ge6 unb ifl ein rein religiöfed ®ebot. 3n ber @abbatfeier foU nämlid^ 
ber 3drae(it, ber an biefem Sage mit allen ®(iebem ber @emeinbe nici^t 
arbeiten ; fonbern nur genießen unb feinet 2)afein6 fro^ werben foll, fi<^ 
bie 3bee ber göltlid}en SSorfel^ung unb (Sr^a(tung jur Slnfcib^uung brin> 
gen. 3nt ©abbatjal^re tritt biefe 3bee am beutlid^jien ^en)or. !Dad®ebot 
enthält alfo bie gorberung, fid) immer wieber ju bem ©Jiauben, ju ber 
unmittelbaren ®ewifbeit )u ergeben, bap berSRenfc^ unabhängig t)Ott 
feinem SßoQen unb 9SBirfen innerhalb ber 9{atur unb ber ganjen ®e« 
meinbe imdi ®ott erf)a(ten fei. Slud biefer religiöfen 8lnf(^auung, bie 
i(^ in ber oben angeführten Schrift audfut^rlic^er ju begränben gefuc^t 
ergibt ftc^ t)on felbft bie ))raftifd^e unb flttüc^e ^Inwenbung, baß ber 
5Kenfd) an feiner ©elbfier^aftung nie t)erjweifeln unb beö^alb an frem« 
bem (Sigent^ume ftc^ nic^t t)ergreifen burfe* !X)al^er entfprid^t bem ®ebot 
ber €abbatfeier fe^r gut auf ber 2. 3:afel ba^ ®ebot: 2)u fotifl 
ni(^t flel^Ien! — iDieß ®ebot Ift übrigen^ wieber aud feiner @teOe 
gerädt. 

(Sine weitere Slu^fül^rung be6 legten ®eboteö fihb bie SSBorte : 2) u 
folljl nidft trauten nai) beined SRdc^fien ^ou«, 2Beib, Äned)t, 
SWagb, aSiet^ u. f. w. S)er böfe SOBitle alö folc^er ifi ^ier feinedweg« t)er* 



46 (Srfie $eriobf. 93on SRofe m {uv ©nmbuitg M XiniQti)vim». 

boten; i>il ^attf). 5, 27—28. SebenfaHö pnb ble aBorte eine blofe 
@r(autenmg bed SBetboted , bte @l^e nid^t )u brechen unb nic^t }u flel^Ien 
uiib fönnen beö^alb femeöwegd afö ein befonbered ®ebot ober gar ald 
jtoei gefaxt n>erben. 

Slud biefem Sufammenl^onge bed 2)efalog6 , ber })kx in ber Äürje 
angebeutet tverben mupte/ ergibt fic^ nun, bap wir n){rf(tc^ nod^ bie 
eckten alten 10 SSSorte t)or un^ (;aben» Sie entl}a(ten nic^t^, toa^ nid)t 
für ben Anfang ber jungen ®emeinbe paffte unb aud biefem innern 
Orunbe mup bie ilrabition, bie fie bem SRofe jufc^reibt, unfireitig richtig 
fein* ©ie enthalten mit wunberbarer Äfirje unb Steinzeit bie ©runbjüge 
ber re<^tlid}en/ religiofen unb ftttUc^en iBolfdgemeinbe* !£)er rec^t« 
liefen @))f|äre gel^oren folgenbe SBefiimmungen ant 1) ba6 Seben bed 
9{ebenmenfc^en nic^t ju beriefen/ bie menfc^(i(^e $erfön(t(^feit ^eiüg )u 
l^alten. 2) !Da^ (Sigeutl^um Slnbererju ad)ten* 3) Sor ®eri(^t a(d3euge 
bie Sßa^r^eit ju fagen« ^n ben religiofen ®eboten gel^ören biefe: 
1) !£)en geifiige.n ®oit )u e^ren unb gwar au^fc^Üe^Iic^ unb bilblo^* 
!Diefe Sejüimmungen ergeben fic^ })par ))on felbfi aud bem Segrif ber 
reinen ©eifiigfeit ©otted , n>e^^alb fie f)itx )ufamntengefa^t finb. ^Oein 
fte finb t)on folc^cr SBic^tigfeit für jene 3<?'t/ i><^f P« notl^wenbig alö 
befonbere ®ebote lgiert>orgel()oben werben mußten* 2) 2)ie frommen ®e« 
lübbe b. i. bie £)))ferge(äbbe ju galten* 3) 3)en Sabbat ju feiern. 
!Diefe legten betben ©ebote enthalten a(fo bie einfachen/ urditefien (Sie» 
mente bed religiofen «RuÜud. 

!Die fit t liefen SBeflimmungen be)iel^en ftc^ auf bad 93erl[)A(tnid 
ber itinber )u ben @(tern unb ber @(tern gu einanber* @ie j^eiitgen bie 
einfac^flen gormen ber menf(^(id)en ®efeflfc^aft; bie @^e unb bad gami^ 
(ienleben a(d bie ®runb(age be6 @taate6 unb jleber anberen SSereinigung. 
3u ben fUtlic^en ®eboten fonnten wir au^ baö gießen, bor ®eric^t bie 
S38a^rl()eit ju fagcu. 3nbeö gebort biefe gorberung noc^ me^r ber 
@p^re bed 9iec^te0 an; benn fte t)erlangt nod) nic^t/ überhaupt immer 
bie a35al()rl()eit ju rebcn, fonbern befc^rdnft biep auf bie wic^tigften gatfe, 
auf bad 3^ug^»^^i1lör. 

S)iefe ®runbgebanfen fe^en übrigen^ offenbar noc^ weitere 9e« 
fiimmungen \)oraud ober riefen fte l^cx'oox, bie wir mit bemfelben fRcä)U 
wie ben !Defa(og auf bie mofaifc^e 3^^^ gurudfft^ren bürfen^ andj wenn 
fte erfl weit fpAter f(^riftli(^ aufgezeichnet würben. 



Ä. S)(e mofaifc^e Seit 2. S>ii ilUfitn Sieber. 47 

2. Sie alteften Siebet. 

!Die Reiben großen poetifc^en ©fäde, bad Sieb unb ber Segen 
SWofe'«/ im 5 S. «TOof. 32—33, flc^ören einer weit fpdteren Seit an 
unb ßnt) nur im 9{amen Wofe'd gebic^tet. 3nbed l^aben ivir noc^ brei 
fieinere Sieber , furje ©ebete, bie fo einfad) unb aUcrt^ümlic^ Hingen, 
bap fte unbebeufUd) ber llrteit ber idraeiitifc^en ©emeinbe unb ixoat 
bem aWofe felbft, old bem ©rünber berfelben, jugefc^rieben »erben 
fonnen. Sunäd^ft bad ®ebet beim^ufbrud) ber Sunbedlabe, 
4 SRof. 10, 35. 

2)ie ^eilige Sabe ober bie Sabe bed göttlichen Sunbe^ enthielt ben 
2)efaIog unb n)urbe tote eine $(rt panier t)or bem duge bed IBoIfed (^er« 
getragen, ©ie l^atte, tt>ie ber ©pruc^ jeigt, eine »efentlic^ friegerifc^e 
99ebeutung. 9u(^ au^ fp&teren Urfunben loipen mir, bap {it mit in bie 
©cftlac^t genommen tourbe. 1 ®om^ 4, 3 ff. \>gl. 5Pfalm 24, 7— 10. 
@oba(b nun bad 93oIf in ber 993ufte mit ber Sunbedlabe aufbrach, f))ra(^ 
SRofe: 

»@tf5 auf, $etr, 
IDag fiäf ^erflreuen beine Seinbe 
Unb bop entfliel^en, bie ^iä) f^aftn 
^intveg 9or bir ! ' 

SSoften toir bie Sinnen« unb @nbreime, bie l^ier fic^ finben, autfbruden, 
fo fönnen wir bie SBorte ^iwa fo wiebergeben: 

&ti) auf, $ert, 
^ag fortjte^n, bie feine Sreunbe 
Unb f r t f U e ^ n beine 3Hnbc 
Sßf)x bir unb ber ®emetnbe 1 

3um nähern SBerflonbniö biefe« uralten ©(^lad&tüebe^ ifi ju beachten, 
bap bie S3unbed(abe bie unmittelbare ©egenmart ©otte^ für bie ®e* 
meinbe barßeQtunb bed(}a(b in ben Suchern ©amueI6 gerabeju bie Sab e 
3a^oed ober ©otte^ genannt wirb. @d iß barin bie Umbilbung eine^ 
Keinen tragbaren 9{omabentem)}e(d mit einem ©otte^biibe, wie wir fo(cI)e 
^eilige Saben aud) bei anbern ©emiten }. 9. bei ben «Karthagern finben, 
ni(tt }u berfennen. 9{ur anflatt be^ 9i(be^ fudte je^t bad ©efe(, ba^ 
©ittengefe^ bie ©teQe bed unftc^tbaren ©otted au^. 

3)iefem Urf))mng ber 8unbe6(abe gem&p erfl&rt e$ ft(^ leicht, wie 
man fortw&^renb aberglciubifc^e äiorfiellungen bamit ))erbanb ; benn man 
glaubte, wer fie anrfll^re ober nur anfel[)e, mäpe augenbiidiic^ flerben, 
wie, wer nac^ alter aSorfteüung bie ©ott^eit fie^t (ogt. 1 ©am. 4, 6 f.) 
9luc^ nad; unferm ©pruc^e erfd^eint ©ott fetbfl in bicfer Sabe ald un« 



48 (Stße $ertobe. SSon SRofe (id juc ©ritnbuitd bfd <ll(nidt^utnd. 

mittelbar gegenn)Artig ; aUeih nad^ ber Slnftc^t SRofe'^ fonnte n4tr eine 
fleifiifle ©eflenwart gemeint fein» ©innig unb gclfboß ifi aber gett)i^ 
biefe Umbiftung eineö l^eibnifdjen ®otte6biIbe^ ju einer geiftigeti/ et^i* 
f(^en Slnfc^auung. 

6in jmeiteö ebenfo einfad)eö ®ebet fprad^ 5!Bofe, fobolb bic Sun* 
be^Iabe jurüdgebrad^t tt)urbe nnb rul^te, ndmlic^ : 

3)te Slaufenbe 
Sßon ben @tdmmen 
3öraeU ! 

4 2»of: 10, 36. 2)ie ©otteölabe bilbet ben SWittetpunft ber ©emeinbe, 
ba^ panier, um bad fte ftc^ f(^aart unb bad bie @timme in bie @(l)(a(i^t 
fülgirt unb lieber l(;eimgeleitet. 6in fpdtered Sieb, baö bei berfelben ®e» 
legen^eit gefungen würbe, l^aben wir 5pfalm 24, 7 — 10. 

(Sine allgemeinere 93ebeutung l^at ber ®egendf))ru(]^, ber fiber 
bie ©emeinbe gef))ro(!^en werben feilte unb ebenfaUd auf SRofe jUTficf« 
geführt wirb. 4 9»of. 6, 24 — 26. @r befielt aud jwei «einen 
©tropl^en: 

5)er Jjerr fegnc btd^ 

Unb behüte \>\iS) ! 

3)et Jjerv laße teud&ten 

@ein 9{ntltt bir unb fei bic gnäbig ! 

(Sd er()e6e ber ^evc 
©ein 9(ntli^ ju bic 
Unb gebe bir 
S)en gcieben ! 

Sieben 9Kofe erfc^eint noc^ feine ©c^wcfier SWirjam at« begeifterte 
3)id)terin unb ©angerin. 2 3Rof. 15, 20 f. ^ier ^eißt e« : „3)a na^m 
3Ririam, bie ^Prop^etin, bie ©c^wefler Sl^rond, bie 5Paufe in i^re ,§anb 
unb e« jogen alle grauen l)inter i^r ^er mit 5ßaufen unb Sieigentdnjen. 
Unb SWirjam fang ifinen ju t 

Singet bem $emi, 
SBeil ec i)oä^ unb I^el^r : 
Stoffe unb SOagen 
SßacfccinöSWeec!-' 

!Diefi furje flüct)tige Sieb fc^eint ec^t ju fein unb beflÄtigt bie Stnua^me, 
ba^ ber erjfil^lung )oom 3)ur(6juge burt^ö rot^e SWeer ein ([^ifiorifc^cö 
gaftum, ein auf erorbentlic^eö SZaturereigniö, ba^ bie ^inburc^jiel^enben 
S^raeliten begunfiigte, ben nac^fe^enben aigi^ptern aber jum "JJac^t^cil 
audf(^lug, ju ©runbe liegt. 3)aö grope Siriump^lleb 2aRof. 15, 1—18, 



A. 5D{e «ofaifd^f 3ett« 2. Sie a(tr^ Sirber. Sal Sirb M iamt^. 49 

ba6 am ^affafefk gcfungen tourbe, ge^irt entfc^ieben einer fpiteren 3cit 
an; benn ed fe$t bie (Eroberung $al&{i{na*d t)ocaud. Sened Siebten 
aber, ba6 urft)rüng(i(^ feinen griperen Umfang ^atte, a(d biefe furgen 
Dier ^txlai , btibete ben Anfang unb bte (Srunblage be^ fpiteren %eft^ 
(iebed. 

Kupic ben angefui^rten Siebente bie einen iDefentlic^ religidfen S^a» 
rafter ^aben^ {tnb und auc^ noäi au6 ben frä^flen Seiten ein paax $ro' 
ben bon rein weltlid^er^ boffdt^ämlic^er 3)i(^tung erhalten. 6ie ^aben 
um fo gr5f ere6 Sntereffe für und^ atö fte Rar betoeifen, baf ber ^ebrdifc^e 
IBotf^geiß feinedwegd btof religiöfe fßoejte erjeugt ffatx ein ®a$, 
ber burd^ ja^Irei^e anbere 93eif|){e(e nc<^ befiimmter ertoiefen toerben 
loirb. «^iel^er gel^drt junA^fl 

boS 2ieb bc^ 2amec|. 

(l SRof* A, 23—24). 

@d ifi ein rein n)eM{^ed 93o(fdIieb/ n)orin iene unheimliche «gelben» 
traft/ jene blutbärflenbe 9tac^fu(^t gefeiert n>irb, bie tt)ir namentlich andf 
in ben altarabtf(!^en <^e(benliebern ber «^amAfa fo ^fiufig antreffen. 2a< 
mec^, ber Sater bed XnbaUStaxn, freut ftd^ barftber, ba^ biefer fein 
Sof)n SBerfjeuge t)on Sifen unb @rj, bie )uglei(^ ald SOtorbmafen bienen 
foQen/ erfunben ^at. 3)enu er fü^It ft(^ baburc^ in ben @tanb gefe^t^ 
lebe Seieibigung unb 93er(e$ung fofort mit bem Xobe )u ertt)iberti. @r 
toiU ^aUt unb ®ol^n nic^t ))erfc^onen. ©oute er bafär einmal erfc^Ia* 
gen n)erben/ fo ^at nun ja fein Sol^n bie furchtbaren SBerfjeuge, um 
i^m bie tJoKfiänbigfle Kac^e ju berfc^affcn. — 3)er ©pruc^ über Äaind 
Siac^c 1 SWof. 4, 15 fiammt gewlp erji au6 biefem alten Siebe. (!Der 
Slame Äain bebeutet ?anje unb 2;ubal«Äain tt)a][|rfc^einlic^ : 6o^n 
ber ganje, be6 Äriegö.) JBBenn bem Urt)ater Äain nur jiebenfac^e 
9lac^e ber^elpen wurbe^ fo Hegt ber Orunb eben borin, baf feine Älnber 
noc^ feine @ifenn)affen Ratten n>ie ber @o^n bed Samec^. 

2)ad Sieb ifl ))oaftänbig erl^alten unb befielt au^ 12 93er$)ei(en, 
t>on benen immer ))ier näl)er jufammengel^oren unb eine @tufe ober 
fleine @tropl^e bilben. $luf erbem jeigt bief Siebc^en ben firengfien $a« 
raOelidmud unb bad fc^onfte dupere @benmap ; baju l^at ed $(ffonan)en 
unbbenSieim/ ber urfprünglic^ in ber l^ebrdif^en 93oIf«bic^tung »ieU 
fa^ borfommt unb nur bon tauben D^ren nid^ft bernommen n>irb. 3n 
treuer 9{ac^bi(bung (autet bad Sieb : 

9lba unb äiHa, 
93eniei^mt meine stimme ! 
®cf^. b. pott, 9{attonaUlt. b. ^thx. 4 



50 Stfle ^etiobe. Sott aHofe Bio jur ©rüttbuttg be« Jt^ttlgt^tttit«. 

3^v S8et6ec Satttedbd/ 
$dri an tneitt 9t«bett l 

®etoi$ iöM'^ i^ Seben; ') 
2) et mid^ mag hefe^\>tn, 
$)en SD^?ann für bie SGBunbe, 
2)en @ß^n für ben ©d^Iag. 

2)enn tfl Jtatnd ffta(^t 
dtne jieBetifa^f, 
@o bie Samed^d eine fieBen 
Unb ftcbitgfad^e» 

!Daö ßteb fanti ol^tie ©c^wicrigfeit bcit 3«*^^ ^^^ nomabtfc^en SBanber* 
Iebett6 itt bet SBufie attgel()ören* @d at^met no(^ ganj bie n)t(be/ unge* 
bflnbigtc Äraft bcr tocwanbten SEfifienfo^tie, bcr olten Slrabcr unb ber 
l^cutigcn Sebuinen» grieblic^er bagegcn Hingt ba6 Heine 

äStunnenlieb. 

(4Ö. SWof. J^t. 17— 180 

@telg auf, o 93runneti, 
(Singet i^m gu ! 
S)u ^tunnen^ ben ba ^aben 
3)ie giirffcen gegraBen; 
2)en ba gebohrt 
IDie (Sblen b^d $oIfd 
SWit bem <Sce^ter 
Hub i^rcn ©tdbcn. 

(Sd {fi biep eBenfaHd ein tveltlid^eö Sßolfölieb, bad offenbar beim SBaper» 
fc^opfen, bem ^aujjtgefd^äft ber 5Wdb(l^en, gefungen ttjurbe* @ö i|i 
mel^rfac^ gereimt unb J)at einen leidsten, fel^r fingboren dtf)i)i^m\x^. 
fHai) ber toorl^ergel^enben Srjd^Iung ttjurbe biefer SBrunnen, im ©ebiete 
5!Roabö gelegen, erfl bamafö aufgefunben^ !Da3 Sieb nennt aber nid^t 
Sßofen, fonbern überl^aujjt bie gürfien unb Sblcn beö SSoIfeö alö bie* 
jenigen, tveld^e ben SBrunnen anlegten, ober ^ielme^r bie 3öraeliten ba« 
I;in flirrten» Denn ber biiblid^e, bid^terifc^c 5lu6bru(f, bap bie gürfien 
mit bem ©cejjter, mit il^ren «^errfd^erfiäben biefen 93runnen gegraben 
unb gebol^rt, bebeutet in einfad^er 5Profa nic^tö njeiter afö biep, bap 
baö 33ott unter Slnfül^rung feiner ©tammfürfien ju biefem tvaperreid^en 
Sagerplafte gelangte^ — 2)enfelben ©inn l^at aud^ nad^ alter fül^ner 



1) Unrid^tig t>erfleBt man bad ISBetBum aKgemetn ))cn ber SSergangenBett, ^cn einer 
toirHi^ »cObrad^ten %f)at i iä^ f^aht ^tii^\>tet ^Mn ^amed^ broBi Blof > ^a9 
$erfe!t fleBi auf ed^i BeBr^ l9Gßetfe t)or ber fefien 9O{rfen0erf(&rung, h)o tDir ba9 Sutuntm 
ober ^r&fen« fe^en möf em 



A. S>it mof. S^^t* 2* 3)if atttj^tn lieber. &tQMii> übtx ^Mon. 51 

3)i(l^terfprad^e bie @r)c[^(ung / n>ie ber $elb^errn^ab äRofe'd 98of er au^ 
bem gelfen f^lagt, afö ba6 SoH bürpct 2 gjlof» 16. 4 SWof- lU 
^. 20, 1 — 13. — 3)ic5ßrofa fpfitcrer 3ol&rl^unbertc f)at foI(fte p^an* 
taftet)oIIe 3>i(^ter6i(ber ^Auftg ntc^t ntel^c tierflanben itnb eigentlid^ ge< 
fapt, it)te mir f))dter no^ öfter ©elegenl^eit l^aben werben, ju jeigen« 

9f!oc^ n&^er aU bad Srunnenlieb ful^rt und an bie ©r&nje $a(A« 
flina'dbad ©tegedlieb über ben galt ))on «^edbon. i3Ro\.2l, 
27—30. @d befielet aud )n)ei ftc^ entfprec^enben, g(ei^mä^igen Stropl^en 
unb ^at ben birrd^gel^enben fRdm auf 6n. — ßum n&^ern SSerß&nbnid 
biefed l^iflorif^en Siebed iß fo(gen)>ed gu bemerfen : 

3)te ä^raeUten baten um freien IDurcl^jug burd^ baö ®eb{et ))on 
!D?oab / um in $al&ßina einbringen }u f onnen. 2)er «Ronig @ i d^ o n 
{(i^hig ed ab unb )og il^nen mit einem ^riegdl^eere entgegen / toaxi aber 
gef^Iagen unb fein 8anb erobert. — 9tun l^atte @l(^on felbfl, ber ein 
^moriter ):oax, bad Sanb SDtoab erß furiiid^ ben SOtoabitern mieber ent« 
ripen; benn bie Slmoriter waren bie Urbetvol^ner unb bie frül^ernSe« 
ft^er beffelben. Seftt tvurbe baö 8anb jum jtveiten SRate erobert unb 
jtt)ar t)on ben 3öraeliten» ©ie befe^ten ed unb ftebelten l&ier ftcl& ju* 
erjl an, befonberö ber ©tamm Stuben, ber auc^ bie jerfiörte .£)auj)t« 
flabt ^eöbon tt>ieber aufbaute. ögU 4 ÜMof. 21, 25* 3)iefer Drt mit 
feiner wunberfc^önen Sage toax uber^aujjt ein njid^tiger 5]Sunft unb be* 
l^enfc^te baö ganje ®ebiet* Deöl^alb iji aud^ bie Slufforberung im 8iebe, 
•^eöbon ttjieber aufjubauen, nic^t ironifc^ ju öerfiel^en, n)ie @tt>alb will, 
fonbern ifl gan} eigentlich unb ernfllid^ gemeint« @ie ergel^t an bie 3d« 
taeliten. 

a) Jtommei naä^ «ge^Bon ! ti toerbe gebaut, 
Unb l^ergefleUt »erbe bie @tabt be< ©ii^on ! 
IDenn von ^edBon gieng Seiter aui, 

9lud ber Sßefle be< ®i(fion eine Stamme, 

2)te l^at oer^el^ret ^Xf^nah, 

^a& ba Bel^errfi^t bie ^5^en U9 9(rnon. 

b) SBel^e bir, a^caB ! 
Serloren Bi|l bu, StamoS » 93ol! \ 
©eine ©ol^ne gab er ^reid aU Sli^^enbe, 

' Unb feine S^öd^ter a(« (gefangne 
iDem 9(moritev«i(ömg/ bem Sictfonl 
S3erl«ren i^ ^edBon Bid 2)iBont 

<r9JoIf bed Äamod'' Reifen bie SÄoabiter nad^ ber ,§aul)tgottl^eit be« 
Sanbed unb SBoIfeö, wie bie Sdraefiten M^ SSolf Sal^^e'«" genannt 
werben. Öbrigend iß Ä a m o d eine befonbere gorm bed guten, (egnenben 

4* 



52 Srfle $eriobe. fBon aRpfe 6i9 ;ur ©runbung bed «ftSnigt^umd. 

»aturgottcd , beffcn aBgemefnfier 9?amc fonfi 93oaI iji* Dfep ge^t aiid 
9li(^t. 11, 24 beutlf^ \)ttoox. ^qU 2 Ä6n. 23, 13. 

3)aö Sieb enthalt nadte, nüd^tcrne SBirflic^fcit, ol^nc ©d^wung 
unb bic^terifd^e gdrbung , wie wir und überl^aupt bie filtcfien erjfi^leits 
ben SoIWHcbcr \)orfielIen mu^cn. — 3n ber Überfd^rift wirb bad 8ieb 
bcjHmmten 3)i<^tertt unb ©fingern beigelegt, bie ed vortrugen unb t)er« 
breiteten* ©ie werben M6schellm genannt, b* i. weltliche 2)1(1^ ter, 
SBolfdbid^ter, eigentlid^ ®{ei(^niöbi(^ter, ©prn^bi(^ter im weiteren 
©inne. Slud^ im fpatern ^ebrfiifd^ bejeid^net mbioö weItlid^e!Di<^« 
tu n g. 2)abei ^at fd^on SMAfc^Al oft bie 9lebenbebeutung eined f p o t* 
tenbenSiebed unb biefer Segriff fpielt au^ wol(|f in SKofc^eHm mit 
l^erein. 3ebenfaJtd enthält bie sweite ©tro^l^e einen bitteren ^ol^n, ben 
ndmlid^, baf ber Sefteger SWoabd, bejfen S^^en furj gef(^ilbert wer* 
ben, nun felbji beftegt worben ifi* 

2)iefe filtefien 8ieber, welche bie erfien glüdlid^cn ©iege unb Sr« 
oberungen ber Hebräer unter 9Kofe unb 3ofua befangen', bilbeten fpdter 
eine befonbere ©ammfnng, bie t)om SSerfa^er ber ®runbf(^rift beö 5]Sens 
tattu^^ einmal citirt wirb. @ö ifibaö ®ud) ber Kriege 3al^t)e6, 
worauf er einen abgeri^nen ©aft, bereinen ^ebräifd^en Sagerplaft be« 
fd^reibt, anful^rt**) 9Kan mufi ein äjerbum ergänjen, etwa: wir befeftten — 

„^af}eh unb @ufa 

Unb bie ^vnoniffäUx, 

Unb bad ^tit ber Zfiältt, 

SBel(^ed f!(b be^nt 

9lad^ bem @t)^e ton ^t, 

Unb f{(i^ le^nt an a^oabd (dränge.'' 

2)ie ©prad^^e biefed Sruc^flüdd iß eigen unb alt ; ber S^arafter aber 
troden reaüflifd^ Wie bad ©iegdlieb aber ben $all ))on <g^e6bon, bad 
wol^f in berfelben DueKe jlanb. Kriege 3a^t)ed flnb übrigen^ alle 
Äfimpfe 3draefö gegen bie 9lationalfeinbe unb flnb immer jugleic^ l^ei* 
lige Ärtege. Sgl. 1 ©am. 25, 28. 

einen furjen Iriegerif^en Sludruf finben wir im 2 83. «Kof. 17, 16. 
(Sr gelobt ewige $einbf(^aft ben ^ma(e {item, einem mdd^tigen , alt« 
arabif^en ©tamme, ber fublic^ ))on $a( jflina , im petrfiifd^en $lrabien 
bid %9pten l^in feine SBol^nft^e l^atte unb aud^ in $a(äßina fid^ ange< 
ftebelt ^aben muf • 4 SWof. 13, 29. 14, 43, 45. 



1) fß%U4m9f.ii\,u. 



(Sin @)}ru(^ iitt ^maltt B. 3)U Seit 3ofua'd« 

2){e ^atib fei am $amer be« ^ettnl') 

Snbem J(rteg l^at ber ^err 

SSßiber $(ma(ff 

193on ©efc^Iec^t gu ®tWt^U 

Der @pru(^ f (ingt ura(t unb fönnte aud ben fru^ef^en Seiten , n)0 36« 
rae( mit ^maUt f)att )ufammenf)te^ ^ ftc^ erhalten 1)abtn, ol^ne bap ec 
geiabebei mofaifd^en 3ett, ange]^5ien ntu^te* !Denn bte itnege mit ben 
arabifc^en SQanberficlmmen itub namentlich mit ben 9(ma(efitern bauerten 
3a^r^unberte lang^ 2)er ©<^Iu$ {ene6 Spruche« feftt and) offenbar eine 
längere Srfa^rung , eine fe^r erbitterte geinbfc^aft beiber SBolttjiclmme 
t>oraud/ bie erfl aQm&^tig einen folc^en @rab errei(!^en fonnte. 



B) JPie 3eit Jöfua'jej. 

9toi) bürftiger ate biefc biAterifc^en Öbtrrejie an« ber mofaifc^en 
3eit finb bie poetifd^en SInfWnge, bie ftd^ aud ber Jßeriobe 3ofua'6, au6 
ber 3^it ber erften @roberung nnb $lnftebe(nng im eigentlichen $aIAflina 
erl^alten l^aben. Unjireitig lieferten bie SQBanberjflge unter SRofe, bie er* 
Pen gfu(fli(^en ^eibentbaten unter 3ofua unb ben folgenben Stid^tern 
einen reid^en poetifd^en ©toff , ber in furjen, fernl^aften Siebern, in ro« 
manjenartigen ©efdngen t)on 3Runb )u 9Runbe gieng unb erft aümi^lig/ 
a(« bereit« ganj anbere SSer^ditniffe ft(^ gebilbet l^atten , in ber @rin« 
nerung bed93olfe« erlofc^. 3nbe« ^aben ftc^ einjelne Strammer auc^ an« 
biefer?Periobe erl^alten, aber entfiellt burd) fpdtere ^jrofaifd^eSluffapungen» 

©0 i|i e« unfireitig eine alte bic^terifd^e SBorjieJtung, baß, wenn 
3ofua nur Sturm biafen fiep, bie aWanern ber ©tdbte i^m nid^t »iber« 
flel^en fonnten. Sin lurjer ®)ßxnS) brüdte biep au«, t>ielleic^t btop mit 
Sejug auf 3eti(^ü* Der fpdtere Srjd^Ier aber fapte biep l)rofaif(^ nnb 
eigentlich ^- al« ob bie SRauern 3erid^o'« toirHid) burd^ ben Sd^aH ber 
^ofaunen unb burd^ ba« Ärieg«gef^rei be« SBolfe« jufammengefunfen 
feien. 3of. 6, 20. 

^uf einem d^nlic^en 9Ri«t)erf}dnbniffe beruht tool^l ba« Sffiunber 
t>on ben .^agelfieinen , bie fafi ein ganje« feinblic^e« ,^eer erfc^fagen» 
3of- 10, n. 3« bic^tetifc^er »ebe erfc^eint aud^ fonp ber ^agel al« 



1) Sie bev «»orbergel^enbe 15. Sßni beutlid^ geigt, ifl nds gu lefrn f&x k^s unb bet 
nie rid^tig t)ecflanbene ®a^ al0 Slueruf gu faßen: bie ^anb am paniere brd 
^ettn! b* i* fie ev^ebe, l^aUe e«! unb bann folgt ein erH&renbet Bufianb^fa^« 



$4 (Srfle fPertobr» Sion üRofe Bid ;ur ©tütibun^ brd StM^tf^imQ. 

eine flömic^c SBaffc- 3ef.30, 30. ^t ob 38, 22— 23. q3f.69, 14-15. 
S33ie nod^ im !Deboraüebc bte Sterne t)om »^immel mitWmpfen für 3$* 
rael, fo »er^elfen auij bem 3ofua ^immlifc^e SBaffen gu [einen Siegen. 
SDiefe SSorfieUung enthielt ein alteö Sieb, baö jie^t in eine profaifc^e Gr* 
jal^Iung ftd^ aufgelofi ^at 

^Dagegen J)at ft^ 3of. 10, 12 f. ein altbid^terifc^er ®^)ru(f) auij 
ber gorm nad) erl^alten. @ö n)irb babei äugleic^ bie DueKe, au6 ber er 
genommen ifi, citirt, ndmlicfi ^baöSBud^be^SBraöen," eine ©amm« 
lung ^on 5RationaIgefdngen ber filteren wie ber fpateren ßdi ; benn naci^ 
2 ©am. 1, 18 ftanb andj baö 2;rauerlieb 2)at)ibö über ben gaU ©aulö 
unb 3onatanö barin. 3ener ©prud^ lautet: 

3tt Oibeon, 

Unb btt ä^onb im %i)aU 

Slialon!" 

Da flanb jltU bie ®onne 
Unb bft SDttonb Blieb fte^n, 
^10 bad 93olf rt(^ eeräcBt 
Sin feinen geinben. 

iDie urfprünglic^e ))oetif^e Snfc^auung ifl l^ter no(| beutlid^ genug* 
aSor ber Sntfd^eibung ber ©c^Iac^t gegen bie 8lmoriter läpt ber !Dic^ter 
ben 3ofua ben ^u^ruf tl^un, baf bie ©onne gogern möge, bi6 ber ©ieg 
entfc^ieben fei ; benn bie 3laiji machte bem «Kampfe ein @nbe. Unb n)irf« 
ti(i^ ftegten bie Sdraeliten noci^ ))or ©onnenuntergang, it^ie bie jmeite 
Heine ©tropl^e mit Seibel&altung beö Silben IE)ert)or^ebt. 2)abei ntupte 
bie ganje 5Ratur biefem göttlichen gelben gel^ord^en unb fein ^eer in 
feiner ©iegeölaufba^n unterftü^en. 3)ie ©onne gieng nid(>t unier unb 
ber SWonb nid^t auf, . biö Sörael SRac^e an feinen geinben genommen* 
Si^nlic^e Silber fmb 9iic^t. 5, 20. ^abaf. 3, 11. (Sine entgegengefeftte 
pbetifd)e Slnfcl)auung fiubet fic^ 8lmoö 8, 9, toom(S) bie ©onne gur ^tii 
bed großen ©erid^td fc^on am Mittag untergel^en unb bie @rbe ))erftn« 
jiern foU. Sluc^ ©öt^e, in ben römifc^en Plegien, ruft bie ©onne an 
unb tt>ünfd^t : 

„Einern 3)td^tet gu ßiebe oetfür^e bie Betrlid^en ©iunbenl'' 

— @anj biefelbeSSorfiettung tt)ie im Sud^Sofua trifft man auc^ bei ben 
Kafftfd^en IDid^tern. ©o UM Agamemnon in ber 3(ia6 2, 412 f. : 

,M(litf StVLi, laf {tnfen bie ®onn* unb baf ^mUl BeraufgieBn, 
®^* t(B l^ina6 9on ber ^ö^e geftuirit be^ $tiamf>d fß^of^nm^*' 

aSgl. Db^ff. 23, 241 f. Der fpfitere'@rjai^Ier beutet lenc Md^tetifc^e uvb 



* 

fc^ine $lnf(^auung nun fo uni/ ald ob bie 6onne voicHid^ fafi einen 
ganzen Za^ lang mitten am SRittel füll gef^anben fei.*> SSieOeic^t l^atte 
a\i<ii fc^on bie SSolf^fage bief äSunbeC/ xotliijce fpäter in ber ®e[(^i(^te 
beö menfd)Ii(^en Senfend unb (Srfennend eine tragifc^e 9ioUe gefpielt 
f)at, fo ))rofaif(^ au6gebilbet. $(Id ©alitei (+ 1638) bad ®efe$ bec gib« 
bewegung gegen biefen bibdfc^en ^u6fpru{^ geltenb machte , n)urbe et 
gejn)ungen/ ben Umiauf bet (Srbe um bie 6onne ab}uf(^n>5cen unb bie 
Bewegung ber ©onne anjuerfennen» 3nbe6 ^aUn bie SRaturwißenfc^af« 
ten ftc^ längft ))on aQcn finblic^en^ ibealcn unb ))oetif(i^en SSorftellungen 
ber 93ibe( emandpirt unb feit 1809 ift e^ in benSc^ulen aller Äonfef* 
ftonen erlaubt, ju leieren, baß fid^ bie @rbe um bie Sonne brel^t. — 



93on bem Eintritte ber «Hebräer in ba^ gelobte Sanb ober ))on 3iO« 
fua an folgt ein 3^itraum ^>on mt\)x al^ 200 Sauren, and toelc^em und 
au^ ni^t ba6 fieinfle ))oetif(^e (Srjeugnid überliefert n)orben ift. !Dap. 
ber DueU ber (Dichtung in bem neuen fc^oneaSanbe Ht^UQi fei, if} an 
ftc^ f^on nicl)t glaublicf). 3(i boc^ ber femitifc^e unb befonberd ber f)t» 
bräifc^e 93o(fdgeifi t)on «^aud aud fd^on ))oetifd} geftimmt: leidet erreg« 
bar JU Siebe unb .^n^, ^otl glü^enber ^^antafie, "ooü tiefen SJationaf* 
gefu^iö/jiolj, freitjeitöliebenb unb ju 2lbenteuern geneigt Daju bad 
bamalige unfiate itben, n)e((^ed nod^ l^alb nomabifc^, )n>if{^en 9((ferbau 
ttnb 93ieb)u(^t get^eilt mar unb an ftd) fc^on einen l^ol^en poetifc^en Steij 
gewahrte* !Den mannigfaltigfien^tof aber lieferten unßreitig bie SBed^' 
(elfäUe ber langen S^'^ben, totKi^e bie €tämme tl^eild gegen bie fanani« 
tifd)en SSotferfc^aften, t^eüd gegen bie eigenen @tammedgenopen )u be« 
Pelzen Ratten. 6olc^e friegeriff^e 3w|iänbe jinb ber 5ßoe|te weit e^er 
gunjtig, a(d l^inberlic^z toie bie^amentlic^ bie ®ef(^i(^te ber diteren 
arabifd}en !Di(^tung jeigt* 

Sieben ben ll^aten einjeiner «g^elben unb ganjer ®tcimme u>urben 
aber getoip fc^on in ben älteßen 3^iten aud) bie Schönen bed Sanbed in 
Siebern gefeiert, fo n>ie umgefel^rt l;au))tfäc^(i(^ ber n)eib[i(l^e S^^eil 
ed toax, ber bie «^elbentl^aten ber 9)}änner befang unb burd^ San) unb 
ÜRuftt t>erl^err(i(i^te« Dabei mar )n>ifd)en reügiöfer unb meltiic^er aJ^uftf/ 
}n)if(^en einem ))oIfdt^um(i(^en unb fird^lid^en S^anje nod^ fein Unter« 



1) parallelen gu folgen SD'Jt^terfldnbntffen , bie nur ben S3ud^f}aben, n\ä)t ben 
®etfl bet Sorte }u faßen ))ermoQen , fonnte man fc^aarentveife aui ben (Srflarern be^ 
jeorän unb ber ^am&fa unb namentli^ duc^ and ben inbifd^en $(u<Iegetn bet ilBebas 
^mnen anführen. Sie bilben feiler oft bie ®ntnblage ber t»unb<rlt((^en unb obge« 
fdSfmaifteffen (Sagen. 



56 Srße $erio\>f. SBon ÜRofe M jitt (Srunbung M Mni^O^um^. 

f^ieb« 93on (eiben liegen einige groben t)or, bie un^ bie ))oIKtpm(i(^e 
8rt biefer &(teften Sieber am beften )>eianf(^auK(^en fonnen. 60 jtngt 
äRirjam 2 9tof. 15, 20 f. junfic^fl ben nbci^en SEBeibem bad fur}e Sieb 
über bad gro^e Sreignid im rotten 9]?eere t)ot unb begleitet i^ren ®e« 
fang mit ber «^anbpaufe unb mit tanjenber 93en>egung. !Der @^ot bet 
äBeiber n)irb ed nad^gefungen ^aben, inbem ex, n)ie nod^ bie l^eutigen 
Slrabet/ biefelbe Heine ©tropfe tt>o]^( 50 unb mel^rmala tDteberl^oIte : 

Ginget bem ^tnn, 
SOeil er l^cd^ unb l^el^c ! 
Stoffe unb SBagen 
äöarf et in« aneev ! 

®n eigentfic^eö Keineö ^elbenfieb ber SBeiber finben n)ir 1 Sam. 18, 8. 
iS^ flammt ixoai au6 ber ^cit bed erften Jtöntgd , b^t aber offenbar nod^ 
gan) bie aaer£(tef)e unb einfad^fte SSBeife bed 93i)(Mgefangd. IDie SBeiber 
oud aDen ®tibten, l^eipt ed l^ier, jogen na^ bem Siege Da^oibd aber 

@oIiat mitäRuftf unb Sleigentan} bem^dnigSauI entgegen unb fangen: 

* 

@aul erWlug 
€etne taufenb 9Rann; 
SDa)){b aber 
3e$ntaufenb bann* 

au(^ im ^ebraif(^en 3;erte ift baö 8{ebd)en gereimt* — ©n »eifpfel, w>ie 
\lt frfil^fle $oef{e ber «Hebräer anä) fd^on in bie gen)6l^n({<^en frieb(i(^en 
©efc^fifte bed gebend brang unb biefe erl^eiterte unb t>erIMrte , jelgt bad 
Heine reijenbe 93runnenlieb, ba6 ©♦ 50 mitgetl^eilt'worben iji. 

du l^unbert £^nli(!^en Siebern bot ba6 Seben in$a(dftina ben fdbön» 
Pen Stoff. 3ene greubengefdnge aber bei ber ©rnte, (3ef* 9, 3* 5ßfalm 
4, 8) bie Sieber ber ^irten bei i^ren »beerben, ber 3&ger auf ber 3agb, 
bie »ilbfrol^Iii^en ©efdnge beim SBein, bei 8^ ftfl^'^gen, tt>el(^e bie firen» 
gen 5ßrop^eten nod^ in fpäterer 3^it ju rügen l^atten, (3(mod6, 5 f. 
3ef. 5, 11 fO fie alle ftnb t>er^ant in ber 3eit unb baben feine Sfufteid^« 
nung gefunben* allein (dugnen n)irb 9iiemanb/ baf berartige SSolfdlie« 
ber toirüid^ ))or]^anben n^aren unb $l(t unb 3ung ent)fi(ften. 3n SBe}ug 
ouf Sffiein« unb Siebedüeber Id^t fid^ biep nod^ etn)ad befiimmter ern)eifen* 

3unid^ft bilbet ber Sßein ein <&au))t))robuft !ßa(ifiina'd unb muf 
mit ber $oe{!e^ bie in feinem ®enupe liegt/ ben alten «^ebrdern frül^ 
Heb unb toert geworben fein unb l^at felbfl ni^t loenig ju i^rer gefeOi« 
'gen Au(ti))irung beigetragen* SBar bodb g^^idb bad erfle Srjeugnid/ totU 
d^e6 bie ^unbf(^after fStofe'd and ber @egenb ))on «Hebron mitbra^teU/ 
iene Stiefentraube ^ bie jwei Seute an einer Stange tragen mupten^ 



B. 5Dic Seit Sofua'd. 2* Ö6ft l^e6c. irrinniebeh a)if $oef!( M fBMM. 57 

4 ÜRof* 13 , fo ia$ fpAtec 3«taeC fefbfl gern unter bem Silbe eined 
SaSeinfiod« t>orflePeDt »utbe^ (3ef. 3, U. 5, 1—7. $falm 800 lud^ 
auf ben maffabdif^en 9Rän)en erfc^eint eine Straube ald Symbol $a« 
IfifKna'^. (S^ ifl ein burd^aud ))oettfd^e0 ®en)dd^6. 3utr Sejeid^nung 
be^aglid^en ©(fidd unb eine^ feligen ungeftörten Sriebenö n)ufte bet 
«^ebrier fein fc^öner^^ Si(b^ a(d bte^: unter feinem SSeinfüod 
unb Seigenbaum fi^en; ÜRi^a 4, 4. lStin.i,2i. Sonberer« 
l^eiternben SBirfung aber, bie ber Sffiein auf bad menfc^ttc^e «^erj ou6* 
nht, fpri(^t fd^on bie alk %abtl 3otamd unb rfibmt ed i^m nac^, baf 
er ®ötter unb SRenfc^en erfreue. Slidjt» 9, 13. ^gL ?Pf. 104, 
15. ©prtt>* 31, 6. 3n ber meffianifd^en S^it foHen bie Serge von 9WoP 
fiberfließen, tt)ic 3oeI i, 18 tjer^eif t ; unb ein noc^ diterer 3)i^ter l^ebt 
an bem Stamm 3uba bietiefbunfelenSlug-en, bie toom reicl^li^en 
®enuß bed äBeined l()er!ommen, })exx>ot, unb )n)ar nid^t al^ S^abel, fon« 
bern aW 8oK 1 ©. «Kof. 49, 12. Später tt>irb bie Slnftdjt profaifd^er, 
inbenrbem Übermaß gefieuert werben muf . ©o f<^ilt Sefaja bie ÜRänner : 

S)ie ba ^eben {{nb im Seintrinfen - 

Unb J^raftmanneV; ttm ^üßtoein gu mifd^m } 

IDie ba fntl^ auffielen am SRotgen, 

S)em @üf toein nad^iagenb, 

IDie fa fpät l^inft^en in bie ^&mmerung, 

Som Sein burd^glül^t, 

Unb bei (Sit^er unb ^Qtfe, 

^ei Slöte unb $aufe 

3^r Srinfgelage l^alten. 

98gU 3ef. 5, 11, 12, 22. 2)ie fpdteren ©pru(^bi(^ter ftnb no(^ bebenf. 
Ii(^er unb wißen bem SBein aHerfei ©cblimmed nac^jufagen. 3m 6xile 
beHagt ftd> $[. 69, 12 f. ein frommer 3draelit über bie ©pottlieDer, 
bie man beim SaScin auf i^n ftngt ; unb Sprw. 20, 1 ^eipt ed : 

2)er S[ßein ifl ein <S))ötter, 
(Sin SluTbraufer ber SDletl^ : 
Unb toer barin fd^io&rmt/ 
^er ifi ni^t toeife. 

ebenfoSprtt). 23, 31-33: 

@d^au ben 9Bein nidftt an, 
SBte fo röt^lid^ et \^tiai ! 
SEBie er )pn\t im liBecber 
Unb grab l^tnunter f(((ei(^t ! 

9lm (Snb* n)irb er fiet^en 
Sie eine Gelange, 
Unb «erlounben 
Sie ein 93afUidf. 



/ 



98 erfte $(viobe. 93on ÜRofc bU juv (Srunbune bea A&nlgt^umd. 

S)ann Blt(fi bein 9(itge 

Unb e« tebet bein ^erj 
S3frfel;rte JDinge» 

@d^on ber fromme Urvater ^oaf}, ber bie erfien SBeinberge anlegte 
unb ben erjien SBein txant, — &f)nUi) tt)ie bei ben Slgijptern Dfiriö unb 
bei ben ©ried^en !Dioni;foö alö Srfinber beö SBeinbaueö gelten, — mußte 
bie gefd^rlid^e ©eitf biefeö ©etrdnfeö an fxd) erfahren unb befam einen 
lÖeitlDfen SÄaufd) batjon. 1 9)?of. 9, 20 ff* ^aiUn nun bie Hebräer auc^ 
fein fo l^umoriftifc^eö Sieb über ben „SSater 5Boa^" wie tT?ir SJeutfc^en, 
unb bürfen wir felbft ben gereimten ©J)ru^ über 5Roa^*) 1 ÜWof* 5, 28 
tt)o]^l nid^t mit dltern Sluölegern gerabeju auf ben 8lnbau beö S33eine6 
beiiel^en, fo mögen fte bod^ feine 93erbienfle unf baö eble ®maij^ wol^l 
ebenfalls im fröl^lid^en Äreife bei öoUen S3ed[)ern befungen l^aben. — 
3nbe^ bie eigentliche 5Poefie, bie im SBeine liegt, üecfc^wiubet bei bem 
Unglucf ber Station immer mel^r, obwoljt bie l^erjerljeiternbe SBirfung 
bejfelben noc^ immer l)ert)orge]^oben toirb* ©o ift eö gut unb I;uman ge« 
meint, toenn bie 3legenten oom @enug beö SBeine^ abgeraten tt?erben, 
allein ber ©ebanfe ifi aud^ profaifc^ unb nüd)tern. @j)rtt>» 31, 4-— 7: 

mid)t Jtönige, o Semoel, ®ebt fiarfe« ©etränf 

lÄid&t Stöni^e burfen tffiein trlnfen, JDnn ju ®runbc ©cl^enbcn, 

Üfloä) aud& Surften Unb ben ®ein 

©eraufc^enb ©etränf : JDem ^erjbetnibtcn I 

^amii er nid^t trinfenb Sluf baß er trinfenb 

^aß ©efe^ »ergef e, ©einer Slrmut »ergeße, 

Unb t)er!e]^re ba6 Siedet Unb feiner SWü^fd- 

SStOfer 8eiben<j6ol^ne» S^ic^i ferner gebenfe« 

S^arafteriftifd^ ifi ber®ebanfe, ben ber nadl)ejrilifdje 5ßroi)l^et «^aggai 
1, 6 auöfpric^t, baß nämlic^ jur ©träfe ber SBein feine SBBirfung t)er« 
fagt unb ben SKenfc^en baö trodfene, nüd)terne Sewußtfein beö ?llltag» 
lebend läßt : 

3^r epet/ bod^ nid^t jut ©ätttgung, 

3^r trinfet unb »erbet nidjt trunffelig* 



1) 3)er 5lu«f^)rudJ toirb bem 8amed^, bem fl3ater ^oa^i in ben SKunb gelegt, in« 

bem er ben S'lamen bed ©ol^ned mit nicham, ir o ften, et^mclcgifc^ {ombimrt: 

„Der ttjirb un3 tröfJcn 
Ueber unfer S^^uH/ 
Ueber bie fSfliih unfrer «&anb 
Unb u6eK ba< Sanb, 
SBe((^em ber «^err 
S)en 9Iu(^ gefanbt./' 



B. 3)ie 3cit Sofua'd* 2. Übtx fftix. 3:ritif(icb(t. S>it fßoefle M fficine«. 59 

2)er etnfle $rebiger abtt, bec um 300 t)or (S^t. fc^rieb/ uub in Wltm 
ein ^aar finbct, ermal^nt ioä) 9, 7 : 

aBol^lauf Unn, geniefle mit Steubeti bein ISrob, 
Unb trmf bemrn äBem mit ftö^Ud^em ^ftjen I 

Sbenfo fagt l^unbert Sa^r fpdter noc^ eitaä) 31, 33 f. : 

\ tBai für (in iBeben 

SEßemt ber SBein gebrid^t ! 
CIr ifl ja ben SJ^enfc^en 
3ur greube gefd^iafen» 

greube bed $etgen^ 
nnb SBonne ber <SeeIe 
3fl ber ©ein gu xi^itt Seit 
Sur ©enüge getrunfen* 

SBer mochte laugnen, bo^ wir i)in nic^t noc^Änf (finge ecfeter alter SBein* 
Heber t)or unö l^fitten, jumaf @irad^ eö nic^t genug l^crtjorl^eben fann, 
wie Ueblid) SWufif unb ©aitenfpiel beim gBefngelage fef» St. 32, 7 ff. 
40, 20. ibaneben aber finbet ftc^ bfc brfngenbe SKa^nung jur SKfißfg* 
feit. — Snblic^, um biep Äaj)itel abjufdjliefien, flel&e l^ier nod^ aud bem 
9(leuen Sefiamentc bie rein mebiclnifd^e Slnmal^nung jwm SBelntrlnfen, 
im h 93rtef an S^imotl^euö, 5, 6: 

„5;rlnfe nid).t (blopeö) SBager, fonbern genief c ein tt)e* 
nigSBeinö, umb ein eöSÄagen 3 unb beiner l^fiufigenSRat* 
tlgfelt wüten." 3nbe6 i|i ber ©toff unb ©egenfianb fo unmn)üfi«(]& 
^)octifc^, bap man felbfi auö biefem ^)rofaif(^en SRecepte no(i^ ein guted 
unb l^eitreö SBeinlieb ^at mad)tn fönnen. 

Stteben ber innigen greube om SBein, bie ftdö burc^ baö gonje ^e* 
brfiif(^e SSolWleben l&inburc^jiel^t, jeigt jt^ aud) fc^on frfi^ eine religiofe 
Dwojttlon bagegen, bie einer furjen ©rfiärung bebarf. 2)ie 9?aftrfier 
n4mli(i&, bie fi(te(le©elte in ber9iic^ter>)eriobe, enthielten fic^ be^SBeind 
unb alleö bcffeu; wa^ t)om Sffieinfiod fummt. Siegt auc^ im 9lllgemeinen 
barin wo^l ein gewißer Äampf , eine geiftige (grl^ebung über baö SRatflr» 
li^e, wie fte baö etl)lfc^e ^Princip ber ^ebrfilfc^en JRcIigion i>erlangte, fo 
erfifirt fx6) boc^ biefe ßntljaltfamfclt junäd)ji wo{)l nur barauö , baß fte 
einen ®egenfa^ jum fananitifd)en ^ultu6 bed S3aa( unb ber Slfiarte bi(« 
bete, wobei SBein unb Strauben, befonberö 3:roubenfud)en genoßen 
würben.*) Slu^ Jenem Äultuö, bem ein großer 3;^ei( beö l^ebrdifd^eti 
aSölfed biö jum ©rile \)in ergeben war, fiammt au(^ unfireitig ber afte 
a[u6fpru(]&, baf ber SBein ©ötter unb SRenfc^en erfreue. 2)ie 8ieber 



l)9itd^ter9, ;^7. $ofea3; 1. 



60 (Srfic $friob(. fBon 9Rofc hÜ jur (Srunbung M Stinlqt1)um9. 

aUx, n)e((^e man id liefen ®6tterfef)en fang, fanben gan) natfiiUc^ fein 
Unterfommen in ben fpitern etl^fifc^en ©(Reiften bed ^olM, o6n)oll^I fte 
für und ba{fe(6e 3>ntereffe^ n>o ni^t ein no(t) gröf ered l^aben burften^ a(d 
j. S3. bie Sttaturl^ijmnen bet 3nber, — 3ene Sntl^altung t>om ®enuß beö 
aSeind jeugt iibdgend t)on einet fe^r abßiaften^ einfeitigen $luffa|iung 
.bed ^ebrdif(^en 9teligton6principd/ bad bie Statut butc^aud nic^t t^et» 
nickten tt>fD, tt>e6^alb auc^ bad SJoil öftetö bie SJafitfiet jtt)ang, il^t ®e* 
lübbe ju btec^en unb SBein ju ttinfen.*) — 3nbe6 au4 abgefel&en »on 
jenem Sttatutfultud gab bet SBein aud^ bem SSetel^tet 3a^t>ed ©toff ge« 
nug )U unt)etf5ngl{(i^en Siebetn/ bie jebod^ am leic^tefien in SSetge^enl^eit 
gerieten/ ba jte bei jebem ^n(ap butd^ ftifc^e etfe^t n^etben fonnten« 

!Z)ad ameite unßetblici^e 2:i^ema ber S^tif aller SBöIfet ift neben bem 
993ein bie Siebe, ^ne biefet ©p^dte f)at bad l^ebtAifc^e SSoK und }um 
®(ä(f ein fo ein}iged unb fo ))oIIenbeted 3>enfmal im «^ol^enliebe leintet« 
la^eu/ bap n)it batnad^ an bem SSotl^anbenfein einet tein n)elt(i^ natio« 
naien $oefte neben bet fireng teligiofen nic^t mel^t )n)etfe(n butfen« SBir 
n>erben biep fpdtet genauet fe^en. @d ifl aber )>on 3ntere{fe, bie @pu« 
ren biefer n)eU(i(i)en Siebedii^tif fo weit a(d mög(id) )u t)erfoIgen, n)o6ei 
n)it benn iun&d^ft bie @teQung bed äBeibed überhaupt bent(!tl(^ti^en 
müpen. 

SRan batf bie Sage bet Stauen bed heutigen 9)}otgen(anbed ni(^t 
mit ibtet Stellung im . $I(tert^um )?etn>e(^fe(n. (Stfc^einen bie je^igen 
otientalifc^en Stauen al6 &uperß befd^tdnft unb gebtädt^ fo fmb fte felbfi 
au<^ in einet Sßeife tntaxiet, ttdg/ üppig unb genupffic^tig , mie fte ed 
ftül^er ni(^t n^aten. ^upetbem gilt biep nitt ))on ben ©tcibtetinnen. S3ei 
benSebuinen bet atabifc^en SBfifte ^ bie bad a(tpattiatc()aUf(l^e Stoma« 
benieben mit aQen 93ot)ugen unb Sel^ietn nod^ immer fortfu^ten unb 
und bad entfptec^enbfie 9i(b bed ait^ebt&ifc^en 93oIfd(ebend geben fön« 
neu, nel^men bie Stauen no(^ immet eine )iem(i(i^ fteieunb el()tent)oQe 
Stellung ein. ®te ftnb äupetfi tl^&tig unb befotgen alle «^audgefc^Afte. 
Die @^e n>itb fel^^t treu gehalten/ obn>o](|I ber äRann ftc^ mit großer 
Seic^tigfeit fcbeiben unb eine anbre l^eitaten fann. ^bet auc^ ber er« 
bittertfie geinb / wenn et ein Saget audplunbett/ bel^anbeit mit gtopet 
$l(^tung bad n>eibli(^e ®ef(^Ie(^t unb ))et(e^t niemals bie (Sl^te. SRäpen 
bie gtauen, tt>ad fe^t feiten t)otfommt/ i^te Sc^mudfati^en j^etgeben, fo 
n)etben fte genötigt, fte fic^ felbfi ab)une](|men , n>&^tenb bet Stäubet in 



l)a3gU5lmo0?, 12. 



B. 3)if 3ett 3ofua'8. 3« ®i( tie «eirScr Me Siric Befungm. 81 

einiger (Entfernung i^nen ben SRfiden }un)enbet« !D{efet Heine 3ug ifl 
d^acafteriftifd^ genug« 

@benfo mar bie Sage ber «^ebrierinnen nid^td tötni^tt, a(d eine 
gebrürfte unb unwürbige« Daö ganje ^audwefen, SBeben^ Äleibenna« 
<^en, Äoc^en, Saden, SOBaferfd^öpfen u* [• f» lag il^nen ob, w>obet fie 
im aiDgemeinen unt)erf(^Ieiert untl^ergiengen unb bie ©efeüfc^aft bet 
2Ranner nic^t meiben burften* 1 3Kof. 12, 14. 24, 11. 3>ie jungen 
8Kab(^en würben' auc^ bei ben beerben befc^flfrtgt. t ÜRof*29, 9. 
2 «Wof* 2, 16. 1 Sam. 9, 11. — «ußerbem nahmen fie Il^ieil an ben 
öffentlii^en aSoItefejien unb t>erl^errli<^ten biefe burc!^ ®efang, 5;ana unb 
ÜRufif- 1 ©am« 18, 6. Sticht. 11, 34. 21, 21. 1 ©am. 10, 5. ©te 
erf^einen and) al6 IDid^terinnen n>ie SRtriam unb !Debora unb nel^men 
felbfl an ))oUttf(^en Unternel^mungen be^ SSoIfe^ S^^eii, n)ie befonberd 
bad 93eifpiet ber Debora jelgt. 

2)ie ®runbanft(^t ber i^ebrSer über baö ü>eiblic^e ©efc^fec^t im 
SJerMItnid jum SKanne ift am fc^onfien unb bcutlic^fien in ber jttjeiten 
©(^6j)fung6fage 1 üRof* 2, 21 ff. auögcfproc^>cn. 3fi biefe Sraä^Iung 
aucft ber gorm nac^ erjl im 8. 3al^rl^. t)or S^r« niebergcfc^rieben, fo iji 
ber ©toff unb 3nl^aU boc^ uralt. Danach ip baö SOSeib aud ber St\p)p^ 
bed SJlanneö gefc^affen. 3)lefc oft belachte unb befpottelte — tt)eit nic^t 
oerjianbene ©age, gicng tt)ol^I auö folgenber Slnfc^auung ^ert)or: Der 
SKann in feiner t>oIlen Äraft , in feinem SWute unb feiner fiof jen ©elbfi* 
fud^t toärbe ftdb felbß genug fein, n)enn nic^t fein <^er} eine Srginjung, 
eine SSer^oQßdnbigung feinet eigenen SSBefend burd^ bad äBeib bebfirfte* 
3)enn9Rann unb SBeib jufammen biiben erfibcn g a n j e n äJ^enfd^en ; 
jebe ©eite für fic^ ift unoollftdnbig unb unooOfommen* Diefe anfd^au* 
ung wirb nun ftnnli^ unb bilblic^ fo audgebrucft, old ob burc^ bie 
©^o>)fung bed SSBeibe« in ber 53ru^ be6 9Wanne6 eine Surfe, eine Seere 
entpanben fei, bie nic^t e^er aufgefüllt werbe, ai6 bi^ er bad i^m ent^ 
fj)rec^enbe ^9lip>)d)ett^ gefunben. Sbenfo erreidbt aber auc^ baö SBeib etjl 
bur(^ bie t)öBige .^ingabe an ben SWann i^re Sefiimmung unb i^re t)one 
Sefriebigung unb I6fet be^l^alb jebeö anbere 93anb, fobalb fte bad 
S3anb ber Siebe fnüjjft, wie e^ t)om SWanne ^ei^t, baf erSBater unb 
9Rutter t)erla^en unb feinem SBeibe anfingen werbe. 

3)ie grau l^ei^t ferner bie ® e b u l f i n be« SWanned , bie ibm ent* 
fpric^t, fein jweiteö3cft, ober ^ba^ ®egent^eil^ wie bie fd^alfb^ften 
SBiener bad SSBeib furjweg bejei(^nen. — 3n jener alten Srjfi^Iung liegt 
enWd) and) nod^ biep, baf bieSRonogamie in ber @l^e ba^ ein}ig 
{ittüc^e aSer^aitnid, fei, wie fie auc^ ber !Defa(og mit bem SRonot^eid« 



62 @r^e $eriot)e« SSon SKofc M iux ©runbuttg bed JTSnigtl^um«* 

inu6 in $araae(i^mu^ ßeOt !Dad mitf lid^^e Seben Mieb freUic^ ^intet 
biefer ^orberung jurucf ; bad ® efe^ gemattete fogat 93te(tt)etbetei ; allein 
in ber Sieget begnügte ftc^ bo^i bet gen)6l^n(i^e3drae(ttmit (Siner^rau, 
wie no^ jeftt ble Slraber ber S33üfie* 

9Ran Tann nic^t ^cxUnnm, baf in btefen dltej^en Sinfid^ten ba^ 
SBefen be6 äBeibed unb ber Siebe überl^aupt bereite auf eine f)b<i)^ tont* 
bigc SBeife gefaf t i|i» Dabei ifi eö d)araf terifUfc^ , baf »on Stnfang an 
me^r bie etl^ifdje, aW bie rein fiftl^etifc^e ©eile ber Siebe J^eröorgeJ^^obeu 
wirb, fo tt)ie anäi fpater im SlBgemeinen ba6 ftttlic^e — bei ben !i>i<^tern 
n)enig{}en^ — bad finnlic^e @(ement bei weitem äberwog« !£)ie b(op 
lßr^)erlic^e ©c^önl^eit, o^ne ®eifi unb ©otteöfurd^t, flnbet fein ich. 

epm* 11, %2t aBte ein golbener Stin^ 

3n ber 9lafe be< @4h)ein0, 
3|l ein f(^öned SBeib^ 
^ad cl^ne Serßanb* 

€j)rh), 31, 30: ICrügerifc^ iß bie 5lnmut 

Unb nid^ttg ifi bie ®ä)övif}eH*y 
^oä) ein gottedfttrd^tig SBei6, 
^ad foK man loben« 

©^tto* 19, 14: ißauö unb ^ahe 

@inb ba« Erbebet 53 fiter; 
S5om $ertn nber fomntt 
(Sin »erflänbig SBeib. 

&pm. \S,72i ©er ein fBcib gefiinben 
^ai ®Iü^ gefunben 
Unb f)at ®m\>t 
S3om $errn erfangt* 



@^tto^ 14, 1 : IDet Stauen Setdl^eit 

Qäauet auf i^r ^aud, 
2)0^ X^crl^eit gerflört ed 
!D'{it eigenen ^finben* 

@benfo ^ebt no^ fi^iter ©irac^ ben SBert unb ftttüc^en Slbel einer 
weiblidjen ©eele nac^brücfiic^ \)troox: 

&xa(f) 26, 1 f* : IDer ÜJZann eine« guten IZBeiBed ifi ^Itdliäf 

Unb bo))^eIt bie 3al^l feiner Sebendtage« 



(Sin tü(|tig Seib erfreut i^ren ai^ann 
Unb feine Saläre befd^liegt er in ^rieben« 



^oU Slnmut if! ein feufd^ed SBeib 

Unb nt^td fo oiel toert^ aU eine entl^aUfame Seele. 



SBDie bie aufgel^enbe @onne am ^imntcl M ^crttt/ 

®o t|i bie €(^ön^e{t eined guten ffieibed al0 ®(|mu(f il^re^ ^aufe^* 



®xxaät 36; 22 ff* : IDed 9Det6ed ©d^dnl^dt erfreut bad ®ejt(^t; 

Unb öbertrifft ade SQBänfd^e M aRanne«. 



Sft Sie6e unb Sanftmut auf i^ret Bunge^ 
@c tfl t^r mann üBev atYe anenfd^enf5^ne« 



!})ad 9Rufierbi{b eined tugenbfatnen SBeiM ifl in bem alpl^abeti« 
fc^en ©türfc, ®pm. 31, tO— »l, bad au« ber Seit nac^ bem (SxiU 
flammt, mit lizbeooütx <^anb au6fu^r(ic^ ge}ei(^net unb möge l^ier noc^ 
anflefuflt »erben , bamft tvfr fogfeld^ b(e wid^tigßen ©teilen belfommen 
l^aben, bie und jeigen, n)ie bie ^ebrdifd^en Diditer bie Siebe bel^anbelt 
fiaben : 

din tu^tide« SEßetB, toet mag ed finben? 
Seit übet $rrlen gel^t xf}x tQext 

31^r t^ertraut bed ®aiitn ^erj, 

Unb an CIrtoerB toirb^ nimmer fehlen«. 

@ie tl^ut i^m ©uted unb nl(^td $dfe< 
^tle %a%t {^re0 £ebend. 

Um SEBo((f unb gtad^d befümmert fie ficift, 
Unb fd^affet naci^ ber 2uß i^rer $&nbe. 

2)en jtaufmann^fci^tffen i|i jie glei(^ : 
Son feml^er bringt fte i^re 92a^rung* 

SGBenn'« nodj J^oc^t tfl, jlel^t jte auf, 

®tbt Sel^rung i^rem $aufe unb ein !$!agett)erf ben SDl&gben. 

@ie ftnnt auf ein gelb, unb erlangt e«, 

IBon ber Sruc^t i^rer $&nbe grünt ber SDeinberg» 

Sie umgürtet mit Jtraft i^re Senben 
Unb ma((t flarf i^re Slrme* 

@te f(^me(ft, toie lieblid^ i()r (Srtoerb : 
Unb nie erlif^t Ui m^i i^r 8i((|t. 

3^re ^ünbe ftrecft fie nad^ bem @)}innro(fen au9, 
Unb il^re Singer faßen bie @)>inbel. 

. @ie breitet il^re ^anb bem Firmen aud 
Unb reicht bem 93ebürftigen il^ren 9(rm* ' 

@ie fürd^tet für i^r ^an9 nid^t ben <S(^nee, 
^enn aU if)xt itnit {!nb in $ur))ur geHeibet« 

93unte IDedPen mad^t f!e ftd^ : 
4B^{fud unb $ur^ur ift i^r (Slekoanb^ 

3$r aJ^ann ifl berühmt auf bem !D^arfte, 

Sßann er )u 9tat$ fl|^t bei ben Älteften M Sonbe«« 



64 Qcfie ^eriobe* Sßon 9Rofe Btö gut ©rfinbung M J^inigti^umd. 

$rad^i(embd^en ma^t f!e unb vetfaufi jie; 
Unb fej^t {!e ab an ben Jtanantter. 

(Sllan) unb SEBnrbe ifi i^r ©e^anb : 

®o (a(^t f{e entgegen bem fommenben S^age* 

€te mad^t il^ren SDlunb mit SDetdl^eit auf/ 
^ad ©efe^ ber Siebe t|l auf i^rer Bunge» 

(Sie beachtet ba< S^un i^te6 4<tufe<^ 
Unb Q9rob ber 2!rög^eit if et fte nid^t* 

3^ve €d]^ne jtel^n auf unb ))teifen fie, 
@o n)ie il^r ®aiU, unb ber lobt fte fo : 

,/$ieIe ber Xdd^ter kvitfen )tt>ar inäfii^, 
aber btt — übertrifft fie bodb alle.* 

Hrügerifdb if^ bie 9(nmut unb nichtig bie @(^dn^eit $ 
S)odb ein gottedfur^tig 9Beib, bad foll man (eben. 

greifet fie cb ber Snt((t i^rer $dnbe 
Unb lobet auf bem a^arfte i^re Serie ! 



9leben biefen Sobedecl^ebungen n>erben au^ bie 9Rlnge( unb €cl)n)&(^en 
beö ttjeiblid^en ®efc^Ied)W nadöbrucfüd^ gctabelt. ©c^on im 5Parabiefc 
crf(^cint baö SBeib aW ber t)erfu^rbarere 2;f)clL ©pdter rügt namentlid^ 
3efaia bie ^Pu^fud^t unb übertriebene ÄIeiber>)ra(^t ber «^auptfiSbterin* 
nen, 3ef. 3, 16 ff., fo wie i^ren forfllofen 8eid)trinn. Ä. 32, 9 ff. 2)ie 
Sel^rbfd^ter »ifen i^nen nod^ ©d^Iimmereö na(I)jufo9en: ^aniini^i, 
l^eimlic^e ZMe unb eine S3o«^eit, bie aße übrige S3o«^eit übertrifft, fo 
baf Sirad^ 25 lieber bei iömn unb Dramen n)o^uen mochte , al6 bei 
einem b5fen SBeibe. 3nbe$ gelten un^ biefe Entartungen unb @(l^it)ddben 
ntc^td an ; ed ^anbelt ftc^ l^ier blop um bie ))oetif(^e ^uffaf ung ber Siebe 
unb ber ed^ten SBelblidbWt. 

3la^ ben mitget^eilten ^Proben fc^eint, tt>le gefagt, nur bie fittlic^e 
unb ^iu6(i(^e (^eite ber Siebe am äBeibe befungen )u fein. SlUein n)enn 
ben ©emiten inögefammt unb ben Hebräern indbefonbere auc^ plajiifc^er 
©c^on^eitöftnn abgel^t, fo finb fte boc^ {n ber Siebe tt)enigflenö für bie 
fd^öne ftnnlid^e gorm nid^t unem>)finblid^ gewefen. Son ber glü^enben 
8eibenf<^aft, bie baö^o^elieb at^met unb bie l^ier üon ber fc^önen ©eefe 
ebenfo fiarf, n)ie t)on bem fc^onen Äörper, entjünbet ifi, bfirfen w>ir mit 
©id^er^eit auf bie frühere Siebeöl^rif ber »^ebrder jurüdEfd^Iiefien. ©ie 
mup im Slllgemeinen ben ®efingen be^ «^ol^enUebed dl^nüd^ getoefen 
fein, aber minber entn)i(felt, für), einfach, fc^mudlo^, naturtoal^r, finn* 
li^ anfc^auUd^ unb rein mUüd). SSerfd^weigt iod) nid)i bet ernße 



B. 3){(3eit3ofua'0. 3. Sie ttU^tix. b(eS(e6e it\. (Sin ali^ttx. ea^enlieb* 6S 

®pru4b{(^ter (@pm. 5, 15 ff.), inbem et jut e^eüc^en Sreue ermal^nt, 
}ug(ei<^ bie ätetje einer frönen (Saitin ju ff^ilbern : 

Stinf bod^ 9Baf et ^ ®o xoixh bein CueU 

9(ttd b e { n e c (Btubt ©efegnet feiii/ . 

Unb gläptged .Unb freun tottfi bu bi$ 

9(u6 beinern Brunnen ! 9(m S9}et6 bemet Sugenb : 

fRx^t mdgen uati^ 9(ugen ^ev UeMt(^en ^tnbin, 

S>eine OurKen flteßen, S)ec l^olben ©emfe — 

me 9ßagetb&c^e 3^c 9)ufen betaufd^e bid^ 

9(uf bie ®af en ^in ! SUCegeit ! 

' baumle fletd in il^rec Siebe ! 
9Ba6 totdfi bU; mein SoJ^U/ 
^on einer ^nbern bid^ Beraufd^en, 
Unb einer Sremben SBufen umfagen? 

@in iplitmx !Dt(f)ter ($[alm 78, 63) fagt ed audbritcfü^, baf bie tun« 
gen ^{äb(]^en in ©efängen t)er^ett(tc^t n)otben. 9(6er }ur 2^xt einet aQ« 
gemeinen 9lot, wo bie Jünglinge bad ©c^wert l^inrafftc, ba würben, 
U)ie et bemerft, aud^ bie Jungfrauen nic^t befungen unt) nic^t gefeiert. 
3)en I;äuftgfien 9ln(ap ju fo((^ n>elt(t(i^en Siebe6(iebern gaben n)o^( bie 
<^o(^jeiten, n)o bieS3):aut unter äKuftf, ©efang unb S^anj unb beim 
@({|ein ber Safe(n in bad <^aud bed Srdutigamd geleitet muibe* (Sin 
fpcitered Seifpiel ber 9Irt, bäd aber ber Jlunßpoefte, nic^t ber eigentlichen 
3$o(f6poefte angel^ort, Uefett $fa(m 45. 9Iud} bei ben fiebentfigigen 
*&oc^jeitd*©cl^maufereien, wo man jt^ unter anbern mit SRdtfelaufga« 
ben unterl^ielt, (»gt. ©imfon) ertönte, ebenfalls wo^t män^ed I;eitre 
8ieb jum 8ob ber ©c^onen* 

2)op biefeS^rif bi^ in bie niebrigjien SBer^altniffe bed gebend l^erab* 
flt^g/ i^igt noc^ bie $cobe eine6 Keinen, ganj gewöhnlichen ®apen(iebed/ 
welc^ed fiii im SudS^e bed ^ropl^eten Jefaja 23, 16 finbet. @d iß ein 
©pottlieb auf eine alte, abgenupte Sudlerin, bie i^r ®ewerbe niäjt mel^t 
fottfeften fann. Sbenfo fpottenb, meint ber ^ßrop^et, werbe man fpdter 
Z^xn^ aufforbern fonnen, il^r unterbro^eneö Oef^ift aufd 9?eue ju be* 
ginnen* 2)a6 giebc^en l^at Sieim, SlUiteration unb einen leidsten, fel^r 
fangbaren JR^^tl^mud : 

0l{mm bie 3itl^er, 
^nx^litff bie <Stabt, 
^u Su^Ie, bte man »ergepen ffat ! 
^pitU lieblid^/ 
©inge lani, 
3)afl mon toiebet nad^ bir fdjaut ! *) 

^ 1) 9Bdrtli(!6 : ®inße viel, bamtt man bein gebenfe ! 
(Sefd^. b. pett, ^;itionatiit b. «gebr. 5 



Statt witb ft<^ l^tentad^ (eid^t überjeugen, bap n^al^rfd^einlii^ au^l 
in ben ®aIomontf(^en Sprächen ,K. 7, (ei bet Sd^tlbetung^ VDie eine 
Sudlerin einen Jüngling \)etfü^tt, cü^nU^e t)o(föt^ümn^e Siebet ber 
nnterßen ®attung bem äJerfager i>ot\<i)mbUn , unb t^ei(6 t>on i^m auf« 
genommen^ t^ei(6 na(^gebi(bet \t)utben. 3(1^ meine namentlich folgenbe 
©tette, 58- 9—20, bie iebenfaW an ftc^ ni^tber religiofeniDi^* 
tung angel^ört : 



3n ber Dämmerung, 
9Cm 9(6enb bed 2^ag6, 
3m ^üjiec ber 9lcL^t 
Unb im ^unfein : 

3)a flel^e, ein 9Be{6 
Stam auf tl^n )u 
3m ilBu]^Ien«$(n§uge/ 
Sßit^täten ^iwüH* 

Sännenb toat fie 
Unb gar uiiBanbig $ 
3n i§rem $aufe totxlUn 
3^re Sü^e niti^t : 

^alb t}or ber Xf^wc, 
$alb in ben ^hraf en, 
$(n i«9{td^er <t(!e 
Säuerte fie* 

^<e fafte t^n an 
Unb fußte tl^n 
Unb f^rad^ gu i^m 
aftit frecher @tim: 

,<td lagen mir 
lDanfo))fer oB 3 
^eut $ab id^ erfüVei 
SRetn ®clübbe* 



X>xum gfeng t^ l^eraud 
Um bi(i^ gu tref en, 
3)ein 9ntli( §u fu(^eK 
Unb fanb bic^ ba. 

(Dtit IDecfen ^ab id^ ~ 
a^eiu a3ett gebecft, 
anit bunten'Södbem 
iBcu Agt^^tifd^em ®arn* 

Stein Säger l^ab idft 
mt aß^rr^en bef^rengt, 
a»it 9((oe 
Unb Jtinnamon* 

SO 0^1 auf; lag un6 fi^toelgen 
3n Ziibt M )um SOtcrgeu; 
Unb un€ ergd^en 
mt Sieb! ofungf n ! 

{Denn ber SHann 
3^ nid^t gu ^aufe, 
3fi u>eitl^in gegangen 
$(uf einen Seg* 

3)«n Beutel ®elbed 
9lal^m er gnr $anb 
Unb fommt erfl ^eim 
Um bie S^odmonb^aeit.« — 



Jtel^ren vi>ic naü^ biefer Slbf^tt^ifung )u bet {(teren SSoif^bid^tung 
}utu(!/ fo mäfen n){t iundd^fl bie poetifc^e gotm bet l^ebt&ifd^en Siebet 
für) erörtern. @6 ifi biep um fo nötiget, a(6 man bet l^ebtdifi^en $oefte 
lebe 6ef}immte innere $otm abgefpro^en l^at. 2)a$ bi(]^terif(^e ÜRaf 
fod nur im ®ebanfen , ni(^t in bet Sßottfotm liegen , unb t)iefen ,® e « 
banfentl^^tl^mud'' ftnbet man in bem f ogenannten ^ataHelidmud bet 
® Hebet, in bet ®(ei(l^$ obet (Sntgegen^Se^ung ber ©ebanfen. SlUein, 
n)ie t){e(e ®ebi(]^te gibt etf nic^t im «^ebrdifci^en ol^ne biefe rl^etorifd^e 
Steigerung ! @d fel^It bei biefet 9(uffafiung no<^ bie tid^tige SSotßeKung 



iitx bie fptac^Hd^en ©nmbbebingungen aller $oef{e/ ü6ei ben feflett 
Unterfc^teb }n)tf<^n $oe{{e unb $rofa, ben bad «&e6riif(^e fo gut fennt/ 
atö bie @))ia(^en ber befd^rdntteßen unb ungebilbetflen SBöIfer* 

2>a^ S93efen unb ber 9lnfang ailer ^oefie (iegt einjig unb aOein in 
ber Sorm ber ^arfleUung/ in ber gebunbenen, regetmdfigen ®(ieberung 
bed 3lnl^alte6 / fo baf 93erfe unb Strophen entf}el[)en. !Da6 It^rifc^e Sieb 
nantentiic^/ bad \>on 9(nfang an mit ^^uftf ^oerbunben aufttitt unb ge- 
lungen ^t)irb/ iß )t)eber benfbar o^ne ein beßimmtea rl^^t^mtfd^ed 3^^^^ 
unb 3:af tma^ , no(^ ol^ne gleichmäßig gebaute unb regelmäßig ftdjf mir« 
berl^olenbe @ttop\)cn. <Sc^on bie 3Re(obie fe^t einen gan) benimmt ge« 
meßenen Umfang ber ®tro))^en \)orau6 / n)ed^a(b Stcopl^en )Don ganj 
unglei^er 8&nge/ xolt hofier / @n>a(b u* ^* fle annel^meu/ )Don ))orn ^ 
I;erein ald irrig be)ei(]^net werben müßen* @ie n)iberf))rec^en ben ein«* 
fac^flen ©efe^en bed (^rifc^^en Siebet unb bed melobifc^en ©efanged/ xoit 
ii) biep n)eiter )u jeigen gefuc^t b«be in meiner Schrift über b i^ g o r m 
ber l^ebr&if^en^oefie^ 1853* !Die «&au))t):efu(tate meiner Unter« 
fu(i^ung finb in bec Äürje folgenbe : 

@in eigentHcbed <StIbenmetrum^ bad nad^ ber OuantitAt^ na^ ber 
S&nge unb ^rje ber 93ofa(e abgemeßen n)irb / tpie im ©ried^ifc^en unb 
Slräbifd^en, f)at bie l^ebt£if<^e $oefte entf(]^icben nid^t* !Der lange SBpfai 
an ftd^ erl^dft nic^t ben Zon, biefer n)icb )DieImel^r burd^ ben Sccent be« 
ßimmt/ xotläi€X ebenfowol^I eine lange^ atö eine furje @i(be l^er))or^eben 
fann, xcicKäial, n)o bie erße Unge Silbe unbetont ifl unb mithin 
einer htrjen @ilbe gleid^fommt* S3ocl^ercfd)enb rul^t ber !£on auf ber 
Snbftibe, unb nur in ganj beßimmten gdOien auf ber )DorIe^ten @i(be* 
Sluferbem ifl ber 3^on in (ebem Sßorte n)anbe(bar unb rficft fort^ fo tt>{e 
bad 993ort burd^ ^(uralenbungen ober Suffixe leinten ber(dngert n)irb* 

38ie im einzelnen äQorte^ fo benimmt au(^ in ber einfa<^f}en.Sßort< 
teilte/ in ber SSer^seile einzig ber 9lccent bad rl^^tl^mifc^e SRaß* 3ebe 
SBer^jeiie erl^filt gn^ei Hebungen b* u gmei betonte Silben ^ benen be» 
liebig t>ie(e Senfungen ober unbetonte Siiben t)orl^ergel^en unb @ine 
unbetonte Silbe, jebedmal folgen fann. Sel^r feiten befielet eine 93er^« 
jeile n)ie im 9l(tl^od^beutfd^en b(oß aud «Hebungen ol^ne alle unbetonten 
Silbern 9Hit jener @int^ei(ung ftnb meifl {(eine Sinnabfc^nitte^ oft 
aud^ äieime t^erbunben* IDer St^^t^mud aber i{) ber natfirli^fle unb ein« 
fac^fle^ ber benfbar i^, inbem bie 993orte nur an einen mufif a(if(^en 
3^ a f t gebunben jtnb. @d ifl ber S^aft bed regelmdpigen ®e^en^ obe^: 
be6 SRarfc^ed fo mie be6 mel^r fd^reitenben atö l^ä))fenben Zani^$ ber 
9lUtn^ ober eine rl^i^t^mif(^eSBortben>egung^ bie ben :|)l^9fif(^m9ften bed 

5* 



68 Srfte $eriobt* SSon 9Rofe iü jur (Srunbung M J^ßnigt^umd. 

JRubernö u. [♦ tt). entfpric^t^ Um biefen tßcr^taft ju marfiren unb flc* 
W)oItfam bur(^jufü^ren jjflegten bie Hebräer i^rc lieber wnb gcfitfinje 
mit Raufen unb Serfcn ju bcfllciten* x^qL 22Kof. 15,20 f, 2©am-6,5* 
m6)t 11, 34. 3erein^ 31, 4. 

Öbcrl^au^t l^errfc^t in ber J^ebräifd^cn ^^Joeftc ba6 ^ßrinci») be6 mu» 
fifolifc^en Si^vtl^muö noc^ fo übeTOlegenb \)or, bap biefem Sil^ijtl^:» 
mud JU lieb bie fonfi gefe^lic^en iinb grammatifc^en Setonungen l^äufig 
aufgegeben werben , \t)oburc^ ein \)orl^errfcl)enb inmbifc^er, oft nu(]^ ein 
trod^fiifc^er S^onfntt entftel^t 6o ertragt ba6 rb^tl^mifc^e SBol^Uaut^* 
gefe^ nic^t ben 3wföwiwt^J^P<>P J^^' betonter Silben , tt)ie ^ - -^ ^, 
fonbern jwingt ben S33orten, bie il;rer grammatifdjen gorm nad^ fo a«6* 
gefproc^en werben müßten, einen anbcrn SRfi^t^niud auf, }• S. hölem 
päam, wer ba fc^lfigt ben Slmbod, 3ef* 41, 7, an^att ber 
grammatifc^en Betonung : hol6m päam. @benfo jismach m^lek, e6 
freut fic^ berÄonig, flatt jismäch m^lek ; ferner iyväled bö, für 
ivvalöd bö, (ber ZaQ) an bem iö) geboren warb, ^iob 3,. 3 f» n* f. w. 

©obann gel^ört l^iel^er bie Swrürfjicl^ung bed^S^one^ in ber 5Paufa 
auf bie »orleftte ©übe, fiatt baß er fonfl auf ber legten rul^te. Sluö 
jiqtelü Wirb in ber $aufa jiqlölu ; au6 lecbi wirb l^chi , aud ani , i(j^, 
äni XL. f» w» — Die greil^eit gcl^t fo weit, baß bloß ber aibwed^feiung 
wegen bie grammatifd^ gebotene Setonung t)erdnbert werben fann , wie 
JRi^t. 5, 12, wo bie ÜWaforeten juerfi uri uri, unb bann ben regelmäpi* 
gen Smperatit) üri üri betonen unb accentuiren^ @d beweiji bief aUed 
nur, wie fel^r bie ©prad^e l&ier nod^ unter ber ^errfc^aft beö mufila« 
Ilf(^en SlbVtl^muö , be^ bloßen SBerötaheö jiel()t, ber im Slotfatt mit 
®ewatt wnb mit Unterfiü^ung ber Raufen unb ©etfen feine ^Bewegung 
burc^füi^rt* Slnbrerfeitö folgt aud biefen Oefe^en ber 33etonung, bap bie 
Sllten wirllid^ einen regelmäßigen SR^^t^mud beabfid^tigten unb fül^lten, 
unb jwar fo ftarf , baß jie il^m bie grammatifc^e Slu6fprad^e ber SBorte 
burc^aud unterorbneten , weöl^alb man im »^ebrdifc^en einen SQSort« 
accent unb einen r^^t^mifd^en 93er6accent unterfd)eibeh muß* 
3)abei gibt ed wie im 3)eutfd)en unb in allen accentuirenben ©prad^en 
mitteljeitige ©ilben, bie man beliebig betont ober unbetont gebraud^en 
fann« 9(ußerbem bürfen wir annehmen, baß ber lebenbige ©efang 
mand^e «^drten unb 9Rfinget be^ fprac^lid^en Si^^tl^mu^ ebenfo au^^ 
geglid^en l^aben wirb, wie bieß bie SRelobie nod^ immer bei aUen 9}olf6- 
Hebern tl^nt* @nbli(^ jinb bie SSerfe oft fu^tbar t)erßummelt, unb außer^^ 



B. S)ie Seit 5iofua% 4. S)lt gform ber l^cSraifi^en $oef{f. 69 

bem ftnb bte n a d^ eriüf d^en Seife rl^^tl^mlfi^ geregelter^ ali bie bor« 
erflift^en. 

Sßter IBerdjeilen ber angegebenen $Irt^ inbem {ebe )n)e{ ^ebtingen 
erl^ält, bilben ben Heinfien Umfang einer ©tropl^e^ ?(ußerbem gibt ed 
©tropl^en t)on 8 unb 12 3eilen. Seltener finb 8ieber mit 10^ 5^ 6 wnb 
9 jeiligen <Btxt>p\)tn, wie idi anber^mo f(]^on genauer nac^gewiefen ^abe. 

^an f)at gegen bie 3(btl^ei(ung meiner $er$jet(en t)orgebra(l^t/ fie 
feien ju furj. Sin feftfamer (Sinwurf ! 3fi in ber SKujtf etwa ber jtt)ei 
SSierteltalt aud^ ju !urj? @d tritt ja feine ßdU felbftfinbig auf^ fonbern 
fd^liept ftd^ anbem an wie ein S^aft bem anbern* 3Bem auf erbem biefe 
3ei(en ju für; ftnb/ ber t)erbinbe boc^ jwei ju @iner. (£r er^SIt bann 
in ber einfad){}en Stropl^e jwet paxaMt Steigen , jtt)ei Sangjeilen / jebe 
mit \) i e r betonten @ilben , entfprec^enb einem altbeutf(^en Sitxmpaaxt 
itnb einem arabifd^en Seit« Um ätaum )u fparen l^abe i(^ biefe Sd^rei^t 
bung mel^rfad^ angetoanbt« allein ber wirnic^e^ät^^tl^mud tritt in jienen 
lürjeren SSerfen weit beutlid^er unb plajlif^^er l&ert>or unb ifi oft aud^ 
burc^ einen äteim unb bur(^ ben $araneli6mu6 ber ©lieber ganj un^^ 
(fiugbar angebeutet; )» S. $falm 33, 9 : 

(Sx Ufa% 
Unb ti defd(fa]^ 5 
dt gebot 
Unb ed jlanb ha* 

^ier ftnb beutlid^ \)ier ©lieber, \)on benen nac^ einem fel^r gewöhnlichen 
jparattefi^mnd bad erfle unb britte, fo wie bad jweite unb i>ierte ftd^ 
genau entfpred^en unb bie obige 9lbtl^ei(ung rechtfertigen* 93gl. no(^ bad 
8ieb SRofe'ö, 5 g»of- 32, 

^dve bu ^tmmel, 
. 2)enn i<^ »itt reben, 
^ Unb )9ecnimm/ bu (Stbe, 

S)ie SBo(te meinet S^unbed ! 

(S€ ^ie^e tote Stegen 

Sl^etne Seigre, 

einträufle toie Xl^au 

SWeine Siebe, 

9Bie Sle^enfdjfauet 

$(uf junget ®xm, 

9Bte 9tegcntto^fen 

Sluf baö Ärautl «♦ (♦ to» , 

aOSir finben auperbem fold^ furj gemef ene SBerfe nid^t nur in biet l^unbert 
beutfd^en SSolföJiebern; in ben (Sbba ^^ Siebern , in ben alt^oc^beutfc^en 






70 Srfie fßrriobe« SJon a»oft BM )ur ©tünbung beS Jttnigtl^umd. 

aQitertrenben ©ebic^ten^ fonbern ebenfo ait^ in itnenblt^ )){e(en Siebem 
unfrer bcjien !©(c^ter* SWan nel;nte nut ®5t^e'6 grfi^tingdlieb: 

9Bie l^rrcltd^ leuchtet 
mx bie 9lahtt, 
SS^te lad^t bte ©oitne, 
SßieöIänjIHegltttJ m (♦ to- 

gemer: 9iafKofe Siebe: 

^rm (S<$nee/ bem [Hegett; 
^em SDtnb entgegen^ 
3m IDam^f bec J^tüfte, 
IDur^ 9iebelbüfte, 
Smmer gu, immer gu ! 
D^ne (RafI unb fftui^ I it. f. tv* 

!Dabe{ l^aben bie legten beiben ^nkn eine l^dufige ^J^nlidifeit mit bem 
9i^i^tl^mu6 l^ebr&ifc^er SSetfe. 3n ber ffinften 3^'^^ tnnf ncimli(^ bad 
fflort: «r3mmer" jiebeömol im Jluftaft mit jwei ^Ärjen gelefen »erben: 
w ^ - ^ ^ -♦ ebenfo in ber folgenben ^nk: „Dfjne": ^ ^^ - v-' -* 

Daf bei ber Wac^bilbung grlec^ifc^er SSerdmafe, be6 ^erometerd 
M. (♦ f* bergleic^en t)öai9 «njiatl^aft ifl, t^erjle^t fi6) t)on felbji. aOein 
beim mufifaiifc^en/ auf bem b(of en 9lccent beru^enbcn äil^^tfimnd 
lann man baö 3ß6rtd)en „immer" ol^ne Slnfianb für jwei Äürjen nehmen 
unb fific^ttger fpred}en a(d fonft/ n)enigflen6 t^un biep aUe 9?atur« unb 
aSoIf^fänger in taufenb unb abertaufenb gStfen* 

(Sbenfo fmb im »^ebrdifd^en nic^t feiten Sffiotter tt)ie 61ef, m^lek 
ober dabär, jiqtöl u. f. \y>. n)ie )n)ei unbetonte unb bedl^alb }n>ei ^ärjen 
gleid^fommenbe @i(ben au^3uf))re(l}en. !Denn bie J^ebr&ifd^e $oefte ifl 
mel^r alö jebe anbre in ber äUefien 3^it lebenbiger, wie t>on felbfi ber* 
ttorbre^enber SSolfdgefang, leine betOMpte, lunfimfifige Did^tung 
unb @r3&l^(ung. $(uf erbem ubern)og bei ben «^ebr&ern ba6 Sntereffe am 
©toff unb Sn^alt bei weitem bie SRürffi^t auf bie poetifc^e gorm; baber 
ber €toff felbfi fafi narft, naturwabt unb naturfrifd), in ber Ueblic^ften 
Unmittelbarleit unb SBal^rl^eit l^en^ortritt. @r|l fpäter ftnben ficft einige 
SlnfS^e jur Äunfibic^tung , bie aber aK reine gorm niemals au^gebilbet 
ifi unb auc^ in ben »otlenbetften €tü(fen.bie im .^o^enliebe unb im 
!Buc^ i^iob nur a(6 eine fc^one^ eigent^mfit^e SRifc^ung 'oon 93oIf6« 
unb Äunjijjoefte ji(]^ jeigt. 

SBir burfen ben l^cbräifc^en ©Angern fein eigentlid^ed Setouf tfein 
über bie S3ebeutung ber Jjoetifd^en gorm jufc^reiben; i^re®ebid)te ftnb 
weit mel^t unmittelbare ^uperungen einer bid^terifdjen unb etl^ifc^en ®e< 
nfatität^ l^a(b unbewußte 9latur(aute^ bie aber in SBerbinbung mit äRuftt 



B. S)it Seit 3pftta'9. 4. S>it %exm bet ffAxai^ätm fßoffle. 71 

mit Xan) unb ®efang fi^on t)on felbfl Tfi^tl^mifd^ fletegflt fftvoo^xbm^ 
Un. 2)enn bie menigfit feftfle^ettben 9Re(obien/ nac^ benen man utißreitig 
UKed abfang ; entziehen gugleid^ ba6 ®efe^ fär bad notmenbtge ßciU 
map ber SBotte« @o jeigen nun au<l^ bie Äitejien 93o(K(iebet ber i^e* 
brder ^ xoa^ rl^^t^mifd^ed SRap unb €tro)>^enbau betrifft, bereite eine 
To((^e SBoHenbung, bap bie ^ebrAif<4e ^ßoeite au(^ in ber fplteren 3^it ^t 
nur nad^al^men , aber nic^t iibertrefen tonnte* 3>enn bie toa^re 93olf6» 
bi(tytung fd^afft fiberaQ inftinftartig wie bie 9iaim felbfi fog(ei(^ bie ^oU» 
enbeten formen , beren ftc^ bann fpAter bie betDuf tere Jtunfipoefie mit 
mel^r ober toeniger ®l\\ä bemächtigt* !Diefe beflimmte poetifc^e ffiort« 
form im .^ebrdifc^en Uugnen tooU^n, bad ^eipt ben ^ebtlern äber^aupt 
atfe $oefte abfpre<^en* Sßer biefe ^orm jeboc^ nur mal^mimmt^ n>enn er 
im regeire^ten Jamben« unb Sroc^lenfi^rttt / im S^on unfrer mobernen 
®efangbu(^doerfe fcanbiren fann^ bem entgel^t freiiic^ eine «^auptfc^dm 
^eit*biefer einfa^en, ))o(f$tl^ämIi^en !Di(^tung* @benfo fonnen alle 
Öberfe^ungen in regelmdpigen Jamben' ben poetift^en Sinbrud be6 ^e« 
br&tf(^en £)rigina(d nur fe^r unt)o(Ifommen n)iebergeben. !Der frif^e 
92aturl^auc^ gel^t babei "onloxtn, unb Sutl^erd $rofa erreicht benS^on 
unb ben r^^t^mifc^en Zon^aU biefet 2)i(^tungen bei weitem befier/ a(d 
biefe eintönigen/ ermäbenben jambifc^en 9$erfe* 

(£^ ift }u bebauern^ baß unfre aUtefiamentlid^en $^{(oiogen nur fe(« 
ten etvoad t)on «^erbetd ®etße be|t$en, ber andi ¥^^ bal^nbrec^enb gewirft 
l^at, inbem er ba6 SBerftänbnid eined jeben fremben 2)i(^tergeiße6 juerfl 
un^ erfc^iopen l^at unb jeben in feiner eigent()fimlt(l^en gorm nac^iubü« 
ben wußte* Die naturwä(^ftgen l^ebratfdjen SSerfe If^aben aderbing^ oft 
etwa6 fnttte(t)erdartiged ; aUetn «^erber unb ®ötbe Ifiaben biefe unfc^etn« 
bare unb t^erac^tete gorm wieber )u @^ren gebracht* S)er ();rtf(^e S^on 
unb bie muftfaUfc^e @ee(e eined 8iebed bricht oft mit wunberbarer ®d)in* 
^eit unb äBa^r^eit barin f)^voox* Mein wie wenige bed «^ebrdtfc^en 
Jtunbige empftnben biefeu muftfa(ifd)en ®runbton eined altteflament" 
liefen 8iebed unb wif en ifin beutf(^ wieberjugeben ! 3welfe(n boc^ fel^r 
93te(enoc^/ ob bie «^ebrder überhaupt nur me(obif(^en ®efang gel^abt 
l^abeu ! ®ewiß waren i^re @angedweifen wie bie ber übrigen orientaü« 
fc^en SBötfer fel)r »erfc^ieben t)on unfern SRelobien* SlOein bie ©adje 
bedl^alb ben «Hebräern abfpred)en woden, jeugt t>on wenig Urtl^eildfraft* 
9Ran Tonnte il^nen ebenfo gut bad !Denfen ober bie Sprache abfpred^en, 
weil ber ganje 93au bed «^ebrdif^eh aüerbingd t)on unferm Sprachbau 
fel^r abweicht unb einem guten beutfd^en D^re burc^aud unoerftdnblic^ 
if), d^niidjf; wie gewiße SSöIfer anbere mit frember @pra(^e gerabeju a{& 



72 Srfte $eriobe» SSon affofe 6id gut ©vünbung be0 JtSnigt^umd« 

^ßumm'' bejeid^nen. Singen bod^ fc^on bte rol^flen unb unfulttoirteflen 
93ö(fer aQer 3onen/ bie Sieget Slfiifa'd rok bte ^amtf(^aba(en. Unflreittg 
begleiteten fd^on ,/bie erflen ^enfc^en balb ben ®efang mit tl^^tl^mifd^em 
gaH ber SBorte ober mit ebenmäßiger Bewegung ber güpe^ wie einer 
unfrer erflen Siterarl^iflorifer urtl^eitt^ obwohl id^ nicfit jngeben mochte/ 
bap bie 9Renfc^^eit t)on ben 93oge(n ben äuperen antrieb jur 9{a<4« 
a^mung bed ®efange6 erl^alten l^abe fo tt>emg old fte jemald )oon ben 
)Dierfäf igen Spieren gefeUiged 3"fAnimenfein erlernte unb Unteni^t in 
ber Sefriebigung natär(id)er Seburfniffe erl^ielt. SSieCme^r n>ie ber 
SRenfi^ fc^on burdb 9}aturinf)inft unb Seburfniffe bon $(nfang an auf 
bie ®emein[((}aft mit feined ©(eichen angetDiefen unb ein gefe0ige6 S93e« 
fen wax (ÜRann unb SBeib, Äinbcr unb (Sltern u. (♦ to.), fo !om aud^ 
ber Eintrieb )um Singen au6 feinem eigenen Innern f^ex'oox fo gut n)ie 
ber antrieb gum Spred^en^ nur baf bad Singen uberaQ nocb frul^er jtc^ 
geigt^ afö bad Sagen. IDie 3:^eorie^ n)onac^ bie Sprache toefentiic^ auf 
9la^a]^mung t)on Schäden unb 9}aturlauten berufien foOf^ entbel^rt f)U 
fiorlfd^ unb pf^d^ologifd^ jebeö ®nmbe^*). 



@6 ifi fc^on im SBorl^erge^enben bemerft, baf bie ^ßoefie ber .^ebräer 
i>on il&ren erfien Spuren an mit ©efang unb S^anj t^erbunben auftritt, 
tt>obei eö ^arnfteri|iif^ iji, baß bad SSolf, obwohl aucft einjcine !Dic^ter 
unb Sänger fid) ^ören lapen toit SDcbora, (Simfon) 3)abib, bod) \)or 
SIttem ba6 3ufammenfingen unb ben boöen (F^or ber SWenge liebt. 
66 liegt barin ein ©emeingefü^I, ein lebenbiged Swf^Jnmenwirf en , ein 
Stnfd^Iiefen be6 Sinjelnen an baö ®anje, tt)ie tt>ir eö j. S. bei ben 
®xkijtn burd^auö nic^t ftnben* Sei ,^omer fingt nur ber einjelne 
SRbapfobe. Dagegen ^eißt eö fd^on bei bem ^ßajf aliebe, 2 ÜRof. 15, 1 
ou«brüdflic^ : ,,5)a fang ÜÄofe unb.bie Äinber Söraelö biefeö 
gieb bem ^errn u. f. U)/ »gl. 4 moU 21, 17. Sbenfo fü^rt 
SWirjam einen grauenc^or an, 2 ÜWof* 15, 20. gerner fingt unb tanjt 
bad ganjeSBolf in Steigen*) um bad golbeneÄalb, wobei jic^ in ber 
profaifc^en. erjfi^tung ein altert^ümlic^er SSer« finbet, 2 SWof. 32, 18. 



1) S^gl. toeitet l^ietübec bie SSorcebe gu meinem l^eBrSifd^en 9Bnrgetn)5tterBud^e 
(S. XXXI — XXXVI. 

2).lDaEI Xänje uBerl^au^t gu religtofen 3toedFen bei ben Hebräern tootfamen unb 
ficax nid)i btof beim IRatitrfultud , fonbem andb beim 3)ien^ Sal^^e*^ ; geigen folgenbe 
®teirett: ^f. 149, 3. 150, 4. ^L % 78; 7. 2 ®am. 6, 16, 20. . 



B. S>lt Seit 3ofua*d« 5« Üitx ®f fang u« Xani bfr ^Axitx it. Krater« 73 

3ofua meint ncimU^, ein Jhieg6gef^te{ im Saget ju t)erne^men. äRofe 
al^er antwortet : 

fft'x^i x^e bet e^aH )>on (Sirgdgeft^tei 
ttnb ni(^t bet @(^a(( toie von ^eftegten : 
S)en ^(^aU )^on (Singen utnt^tM id)^ 

Sfm l^ätifigften erfc^eint ein Srauend)or/ bet unter 9Ruftf unb 9{eigen« 
tfinaen feine ©efdnge ttorträgt. So j. S. bei bem Keinen fiiebc^en: 

@aul etfci^tug 
©eine taufenb SWann, 
S)a»lb aber ^ 
3e^ntaufenb bann. 

!©en meiften Sfnffc^Inß iiber biefe altefle ?lrt be« boIMtpmli^en ^elben^ 
«nb Slebeöliebed «nb feine Sluffül^rung gibt und Sutrf^arbt in feinen 
tkortreff(id)en ©emerfungen über bie ®ebuinen unb 2Bat;a» 
biten. Sei bem gänjlid)en SWangel an genaueren 9?ac^ricl)ten über bie 
5Wufif ber l^ebraifd}en SIebcr unb i^re ?luffü()rung mag jene Sefd)rei* 
tung ber arablfc^en Sangedweife l()ier um fo el^er einen 5piaJ finben, 
ald jie ber alt^ebrSlfd)en nal^verwanbt iji unb fic^ wie t)Wed Slnbere in 
Sitte unb geben bei ben SGBflf}en«fSlrabern offenbar bon ben filtcften 3^^* 
ten l^er treu erhalten ^at. Surrf^arbt fagt: 

„3n aßen SE^elfen ber arabifdjen SBüfie iji bie !Di(^tfunft glei^ 
f)oäi gefdja^t. SWan finbet SSiele, welche SSerfe \)on richtigem 95er6maf 
mad)en, obfc^on jie Weber lefen, nod) fd)rciben fönnen. 2)a fie aber bei 
foldjen ©etegen^eiten nur gewallte Sluöbrürfe anwenben, unb ba bie 
9leinf)eit i^rer 2Kutterfprad)e von foldjer Slrt ift , bap grammatilalifc^e 
gel^Ier auögefd)Iofen werben, fo fönnen blefe SBerfe, nad)bem jte t>on 
SRunb ju aKunbe fic^ fortgepflanjt f)abcn, enblic^ ju ^Papier gebracht 
werben, unb man wirb fie gewöl;nli(ft regelmS^ig unb richtig finben* 3c^ 
vermute, baß ber größere S^^ell ber alteften ®ebid)te ber Slraber, wcld^e 
btd auf und gelangt ftnb , and dl^nlid^en ^ompofttionen beftanben l^at. 

Der arabifc^en Sitte gemäß empfangt ein angefel^ener Dichter, 

wenn er einige 93erfe an einen Sc^eifö ober an einen audgegeid^neten 
Ärieger rid)tet, ein Äamel ober einige Sc^aafe jum ©efc^enL 

Die ©efange, weld)e ben 9?amen As^mer (j^^Ut) führen, »er» 

langen eine audfüljrlici^ere Sefc^reibung. 9D?an ^ort jie burd) bie ganje 
SBufte, aber jcber Stamm f)ai eine anbere ÜSanier, biefciben aufzuführen* 
SQBä^renb meiued Slufentj^alted in ben ©ebirgen bed Sinai l^atte i(^ 
l^fiupg ©elegenl^eit, biefe ©effinge gu Igoren unb ein ß^u%t ber Sluf« 
fü^rung berfetben wäl^irenb ber ftiüeu Slid^te )u fein* 



3n>e{ obet brei Stunben nad^ @onnenmttergang t)erfammeln fi^ 
entoeber bie 9Räbc^en itub bie j[un9en äBeiber , ober bie jungen 9Rannd' 
pti^omn ouf einem freien 5ßlafte i>or ober l^inter ben Selten unb beginnen 
bafelbfl in Sl^ören ju fingen , bid bie anbre gartet ftc^ i^nen anf^iie^t 
S)ie 9Rdb(^en ßeKen fl(i^ al6bann in einer ®ruppe }n)if(^en bie äßannd« 
))erfonen, bie onf beiben Selten in einer 8inie fic^ onffietlen, ober wenn 
bie 3fl^l ber toelbiid^en 3nbi\)ibuen jn flein ifi^ fo bilben Untere eine ben 
9Rann6))erfonen gegenuberßel[)enbe Sinie in einer Entfernung t)on unge< 
fa^r 30 ©(^ritten. 

@ine ber 9Rannd))erfonen beginnt aCdbann einen ®efang (Kazide ^)), 
t)on loelc^em nur ein einjiger 93ecd gefungen unb berfelbe t)ie(ntal6 immer 
mit berfelben SRetobie toieberl^olt tt)irb^ Die fammtüd^en 3Rann6j)erfos 
nen fingen bann im Sl^ore ben SBerö unb begleiten ben ©efong mit ^iaU 
fd^en ber ,^anbe in t>erf(l)iebenen Bewegungen bed Äorperd. 3)a fie nai&e 
neben einonber jiel^en, fo neigt fid& manchmal bie ganje Sinie auf bie 
eine unb manchmal auf bie anbeie ©eite, rücfwartö unb t>orn)clrtö, fallt 
manchmal aufsein Jtnle nieb«, fiel;t aber immer barauf, bei biefec S5e* 
n)egung mit bem ©efange Jlaft ju ^atten^ SBä^renb bie 2Kannöperfonen 
biefeö tl^un, f ommen jtoel ober brei ÜKöbd^en auö ber ©ruppe ober Sinie 
il^ter ©efaljrtinnen l^eroor unb betoegen fld) langfam gegen bie SKannö« 
!|)erfonen l^in* ©ie finb tJoUPfinbig öerfd&Ieiert unb über i^re au6gebrei* 
teten 8lrme ifi ein blauer SSRantel ganj (eld)t geljangt. ©le nähern fic^ 
mit lei(ftten ©(^ritten unb geringen SSerbeugungen im S^aft bed ©efan« 
geö* SSafD toerben bie Bewegungen ber ÜJiätc^en etwaö lebenbiger^ 
»a^renb fte ftc^ ben SDJannöj)erfonen bid auf jwei ©d)ritte nähern* Da« 
bei tanjen jte immer, W)ie man ju fagen pflegt, unb bleiben auf erfi ju* 
rürf^altenb, fittfam unb fd^eu. Die ÜÄann^perfonen bemül^enftc^, bt^ 
SKdbd^en burd^ laute Sluörufungen, mit welchen fie ifiren ©efang "oon 
3eit JU ^dt unterbrechen, ju beteben- ©ie bebienen fic^ für biefen ^md 
ber SBorte unb S^one, mit welchen fie gewohnt jtnb, if|re ,Ramete anju* 
l^alten, fte jum ©c&ritt, jum2;rab, jum ©aufen, jum grefcn, jum 
©tiöfiel^en unb jum SJieberlegen anjul^alten. ©ic rcDen baö 9Kdbc^en 
nic^t bei feinem SRamen an, toaö nac^ ben ©itten ber Sebuinen ein großer 
gelter gegen bie »^öflic^feit fein würbe, fonbern nennen fie „ÄameP, in* 
bem fte t^un, alö ob fte fic^ ifinen nähern, um gutter ober SBager ju 
i>erlangen* Diefe giftion wirb burc^ ben ganjen 2;anj fortgefe^t^ «^©tel^e 



1) Sebe $(rt i>on ^ßoefie nennen bie Sebuinen Jtapibe. 



B. 9){e Qtlt 3ofua'd* 5. Ü6er (Sefang u« Sani ber ^tUin u; ^Krater* 75 

auf, Stamüi'' <,®el^e fc^neR!'' ,S>ad arme Amtet iflbur^g!'' 
Ȁomm unt) empfange befn Slbenbfutter ! " 

Um bie S^Anjerin not^ mel^r )u erregen, ^fi^i^tt einige ber Reitern 
{ungen SRanndperfonen il^re eigenen ^^urband ober Jto))ftfi(^er ))or f{(^ 
aud )u breiten, um bamit bad Sutter fär baf jtamel ju be)ei(^nen. 993enn 
{t(6 bad tanjenbe SRäbd^en fo fel^r n&^ert, ba^ ed irgenb ein Jtieibungd« 
ftM tx^a\(i)cn lann, fo toirft ed baffelbe hinter fid^ ben ©ef&l^rtinnen ju ; 
unb toenn ber S^an) geenbet ifi, muf ed ber (Sigent^umer burt^ eine 

Heine an bad üRfibd^en ju beja^Ienbe Strafe »ieber einlöfen* 

Sflad^bem ber S^anj 5 ober 10 iDtinuten gebauert l^at, fe^t {t(^ bad 9Rcib« 
d^en unb eine anbere nimmt feine @teOe ein. ®te beginnt toie bie erfie 
unb befd^Ieunigt i^re Bewegungen, je nad^bem fte ft(^ felbfl beim Zannt 
intereffirt fü^lt* 

iDleifer JEanj, welcher l^äuftg 5 ober 6 €tunben lang fortbauert unb 
bid lange nad) ÜRitternac^t, unb bie pat^etifd)en ©efcinge, tDelc^e il&n oft 
begleiten, machen einen mdd^tigen @inbrudf auf bie @inbi(bungdfraft 
unb auf bie ©efül^fe ber 8traber, fo baf jte Dom Mesämer nur mit @nt* 
jürfen fprcd^cn» 2)ie ©efu^le eine^ Sieb^aberd müpen bei blefer ®ele» 
gen^eit aufd «^öd^fie geweigert »erben* 3)ie »erfc^leierte ©efialt feiner 
©eliebten fommt in ber 2)unlel]^eit ober beim ?roonbIic^te toie eine Sr« 
fd^einung feinen Umarmungen entgegen; i^re anmutigen, jiertid^en 
Stritte*), i^re junel^menbe Belebung, ber allgemeine SBeifatl, ben jie ein* 
erntet, unb bie SQBorte bed ®efangd ober ber Äapibe, welche immer ein 
Sob ber ®(l}5nl^eit au^fpred^en, möpen im Sufen il^red Siebl^aberd bie 
lebl^afteften ®emät^en)egungen erregen, unb ed toirb i^m babei wenig« 
flend bie ©enugt^uung ju S^^eil, ba^ er feinen ©efä^len burc^ Stimme 
unb ©eberben Suft mad^en fann, ol^ne ftd^ bem geringfien 3^abel au$)u« 
fe^en* 

3)iefe 9lrt t)on ©efdngen Jtnb burc^ bie ganje Sffiüfte verbreitet, aber 
fafi jeber Stamm bat eine anbere ^ct, biefelben )u fingen. !Der ©efang 
wirb oft extemporirt unb bejiel^t fi^ auf bie Sd^onl^eit unb auf bie @i« 
genfc^aften be6 tanjenben 3Kat)d^en6. SBenn bie jungen SDlannöperfonen 
fic^ JU ^aufe im Sager beftnben, fo wirb berfetbe Mesämer ÜKonate lang 
jieben Slbenb fortgefe^t. 9iRanc^mal lommen aud^ »erl^eiratete SRdnner 
unb grauen l^inju* 3unge 3)tanner ge^en oft be6 Slbenb^ mel[)re Stun« 



1) SSgU baö ^ol^elieb, 7, 1—2, too bie anmutigen ilritte Ux Sungfrau Beim 
^anj gc^riefen Serben» 



78 tfr^e ^eriobe« a3on SRofe W jut (Scfinbuns bc9 JlBnigt^uml. 

betienigen bed t^origen SAngerd» !Der Zahdsehe n>{rb auf biefe Sßeife 
fiunbenlong fortgefeftt» 

!Der «ffrieg6gefangbet Orabet ^eif t Ghadü. Sßenn ein @tamm 
gegen einen Seinb marfc^irt/ fo befielet bie erfle Sinie aud 9teitem^ mU 
(^en bie Jtamelreiter feigen ^ unb bieSebuinen )u ^up^ mit Qioätn, 
Sanjen unb ^olongs u. f. n). bmaffnet , machen bie $(rrieregarbe au6. 
3jl bet geinb na^e, fo befd^ieunigen bie guffolbaten i^ren ©c^ritt unb 
laufen oft \o, baf fte mit ber $(oantgarbe 3ug(ei(^ anfommen. Sei biefet 
®e(egenl^eit fingen fte ben berAI[)mten Ciiadu : 

„%e^, untetbntcfe betne 9But; , 
Sob, bid geröd^et ifi iai SBIut 1 " 

2)le ÜRelobie biefed Jtriegdgefangd ifl berjenigen bed »orl^erge^en« 
ben Asämer ganj glei^** — 3)ie Äamelreiter fingen aud^ eiijen Ärieg6« 
gefang^ unb ed ifl eine bekannte @ad^e^ bafi ftd^ bad Äamel niemals 
tei(^ter bewegt^ a(6 n)enn ed feinen <^erm fingen ^ort: 

Unb mad^ koit (Sifenfäulen i^ve ©lieber feji ! "* 

@in ttieblid^e^ Sieb be6 gemol^nlid^en Jtamedreiber^ l^5rte Surd« 
l^arbt in «^ebfc^aj unb in äg^pteu/ unb folgenbe äBoite fd^ienen ba6 
Sieblingö» SRitomeH biefeö ©efangc^ ju fein : 

«Seite Steifen fann Irinrt ma^tn, 
91(0 baa p&mmige, ftarle i^ameU" 



3^ l^offe, biefe SWitt^eifungen über bie 5Poefte unb ben ®efang ber 
ben »Hebräern fo nal^ t)ertt)anbten Straber tt)erben 5Riemanb i>crbrief en^ 
^aä) äffen jerflreuten ©puren ju urt^eilen müßen tt)ir un6 bie alt« 
l^ebrfiifc^e 93oIWbi(^tung in ber ganjen 9iici^terjeit unb no(^ weiter l^erab 
titoa in biefer SQSeifc tjorfleffen* !Da6 Sobtieb ber grauen auf ©auf unb 
3)at)ib Kingt ganj tt)ie ein Asämer ber Slraberinnen unb Idpt ftd^ fogar 
na<^ ber mitget^eilten SWelobie »oHIommen gut abfingen, — Sluc^ toa« 
bie 9Kotit)e betrifft, fo tt)erben bie alt^ebrdifd^en ©effinge, j, S* bie 
©c^tad^tlieber, ben mitgetl^eiften arabifc^en nid^t unfil^nlid^ gett)efen fein: 
für), t)on gefd^id)t(i(^en , reaien SSerl^ditniffen au^ge^enb, l^o^fl einfa^ 
unb nur bad 9iotn)enbigfie au6brfidenb, etn)a fo n^ie bad mofaifd^e 
Jtrieg6(ieb/ bad beim ^ufbruc^ ber Sunbe6tabe gefprod^en unb »om 
ganjen 93o(fe offenbar na<^gefungen tourbe. Mtin fold^e Eingebungen 
be6 Sugenbiidfd, bie ftc^ l^unbertfad^ n)ieberl(|oIten/ erl^ielten fid^ nur fe{« 
ten, ©0 wirb j. $• bad Sofungdwort, bad gelbgef(^rei/ ba6 ber Siic^ter 



0{be0n 0a6 unb VDomit ba6 IBoIf ben Aam))f et^ffhefe/ nod^ angegelftni^ 
fRl^U7,2(i. gelautet: , 

»^n @((toett, für 3afi^t 
Unb füt ®ibeon!'' 

2>ad @(]^n)ert foQ ®ott unb bem gottgefanbten Solarer icmif)t feiU/ U){e 
bieSSBorte na6) 93. 18 ein}tg tt(i^tig gefapt n>erben mä^en; t)gL anäf 
?Hiä)U 1, 14* S6enfo »erlangte bod frleg6mutlge SSoIf t>on ber 5ßro« 
))l^etin unb Siic^tenn !De6oia ein eigcntlic^ed Sieb , ein ©d^Iac^tUeb obet 
ein furjed ©ebet, 6et)or e6 auf bie geinbe lo^fc^Iug» Ki^t. 5, 12, 3u 
t>erg(eid^en ifl l^ierbei ettioa ber ^ciegdgefang einer arabif(^en $rau in 
bem ®efe(^t beiDI()ob, Im brittenSa^r ber .^ebfcftra *)* SHö ndmli^ 
bie feinblic^en «g^eere ftd^ gegenüber flanbeu/ trat ein SBeib^ 9}amend 
«^inb auf mit ben übrigen äBeiberU/ n)el(]^e bie Raufen fc^(ugen l^inter 
ben ^t\\)txi ber 9Rinner/ unb [fia^ ju ben Seni 9(bb el ^ax, benen bie 
Saline ant)ertraut tpar : 

^Sßo^tauf i^r @d^ne Don 96b e( <Dar ! 

Sc^Iauf i^r ® (firmer in bet ®efa^r ! 

9tfngt eure blanfen @(^n>erter bar ! ' 

({Ruifcit.) 



C. Hute 3eit ibfer tlul)Ut:. 

!£)er (ange S^it^^um i^ifi^en Sofua unb 3)ebora/ ber ettoa 250 
Sa^re betragen ^aben muf , bietet und/ n)ie gefagt^ feine Sfudbeute ffir 
bie 2)i(l&tung> feine 5ßrobe einer »eitern Sntwid lung / tt)e6]^alb i^ i^n 
mit einigen Änbeutungen über bie gorm unb bie etwaigen Stoffe ber 
bamaligen 93o(fdb{(^tung audjufüllen gefu(^t l^abe. 

SWit ber Sti^terin unb Dichterin D e b o r a aber, bie um 1300 t)or 
S^r. gelebt l^aben tt)irb, treffen xoix bie nationale' 2)icl&tung ber »^ebrier 
auf einer «^o^e unb in einer SSlfite, bie man naij ben fd^toac^en Slnfdn« 
gen ber mofaifc^en 3^it faum l^&tte a^nen fönnen. Sßir bürfen aber al6 
geu)ip annel^meU/ baf ein fo grofiariiged unb \)onenbete6 ®iegedlieb \o\t 
bad 3)eboralieb ni(^t fo allein baflanb* Unflreitig giengen i^m mannig« 
fa(^e £l^nli(^e Sieber ))orau6; benn ed xoax biep nt^t ber einjige unb 
nid^t ber erjie grof e ©ieg, ben bie Stamme ju feiern l^atten, allein alle 
&l^nll(^en Slegd^« unb «^elbenlieber n)urben toa^rfc^einlld^ burd^ biep 



1) ^iefi jrriegeifeb tlftetlt 9(bulfeba mit; bei Steiffe, \, 30« 



80 @r{te $eriobf« SSon Wlo^e m jut ©rfinbuttg M Jtkigt^umd* 

@ine ))erbnn{e(t unb t)erbr£ngt^ ober boten bo(^ ben fp&teren @amm(ern 
nid^t genug äntereffe mel^r bat/ um fte auf jujei^nen* 

3)aju fommt, bag bie meifien Ädmpfe ber 3i{d)tcrje{t t)on ein jel» 
neu Stämmen ou6gefül&rt tourben unb ftd^ auf bie einem jeben Stamme 
juncic^ji tt)o^nenben unb itjn bebrol^enben geinbe befc^rfinfte* 3)a]^er 
geborten auc^ bie Sffiaffent^aten ber fogenannten Slic^ter in ber Siegel 
nur ben befonberen Stämmen, nid)t ber ganjen^ation an. 2)ief ein* 
feitige Stammintereffe fd)wanb aber mel^r unb mel^r, at6 bie ,Rönigö* 
^crrfci^aft bie 12 Äantone »ereinigte. SQBäl^renb biefer 3^it/ toal^rfc^ein* 
(ic^ noc^ unter Salomo, ald bie Sagen unb ©efflnge ber 3lic^ter^eriobe 
bereite ju fc^toinben begannen, fammelte man toenigPenö bie SRefie ber 
alten Überlieferungen, indbefonbere bie ^elbenlieber, unter benen aller» 
bingö baö 2)eboralieb baö attgemeinfie 3ntereffe in 8lnfpru^ nel^men 
mupte. 

(Sin großer S^l^eif biefer gefd^id^tlic^en Sieber muß bamatd Ifingfl 
»ergepen gewefen fein; allein i^r Stoff unb 3nl^alt war nod^ üielfad^ 
lebenbig unb tourbe aufgejeid^net* 3)a^er bie i)oetifc^e Sbrunbung uni 
bie flare epifc^e Slnfc^aulid)feit biefer ®ef(l^id)tcn über S^ub unb feinen 
STOeuci^elmorb am Äönige ber SKoabiter, über ©ibeon, ben frommen 
Streiter be6 ^errn, ber bie SWibianiter fdjlug unb beffen ^elbentl^aten 
noc^ lange fpric^wortlic^ blieben, (3ef. 8, 3. 10, 26. $f. 83, 12,); 
ferner bie ßrj&l^lungcn über 3efta, ben 9?5uber]^auj)tmann unb feinen 
tragifd^en Sieg, ber bur^ bie Opferung feiner Slocl^ter beflerft würbe, 
unb i>orSlllen bie ergo^tic^en Sagen über Simfon, ben Jtobfeinb ber 
$^ili|ier, unb über feine Äraftftreic^e. SBir werben biefen ^ßunft fpfiter 
genauer erörtern müßen. <^ier nur nod^ bie Semerfung, baß neben ben 
anf(^aulic^flen ©rjäblungen aud^ gan) abgerißene, fragmentarifd^e Stüde 
nebji Sieberreflen fic^ finben, bie auf einen weiteren 3«fflnimenl^ang unb 
auf \)erlorene unb »ergeßene Sieber auö ber 9iid)terperiobe l^inweifen* 

3um ®lüd ifi und im Deboratiebe ein ed^teö !Denfmal ber bamaK» 
gen SSolWbic^tung erl^alten worben, ein 2)enfmal, bad, wie eö felbfi 
mitten aud ber gülle bed bewegteren Sebenö l^ertjorgegangen ifl, fo und 
aud^ bad treufle 9lbbilb ber bamaligen gef(^i(^tli(^en SSerl^filtniffe , ber 
nationalen Mmpfe, ber re(^tlid)en, religiöfen unb jtttltd^en 93ilbung bed 
aSolfeö liefert. a)ad ©ebic^t ift jwar no<^ rein l\)ti\d) ; allein ed jeigt 
jugleic^ fel^r lel^rreic^, wie bie S^rif, ald bie ©runbform aller 2)i(^tung, 
f(^on bie «Reime ber beiben anbern ©attungen ber $oefte, ber epif(^en 
unb bramatif(^en, in ftd^ fd^ließt unb in ber fc^önfien Sßeife »ereinigt 



mitten la$m Um. ÜXe religiife @rl^e6ung jti (Sott, ber IBoff tinb %ux^ 
flen )u bem Siege begeiflerte, bilbet bie (t^cifc^e ®runbf}immung , »on 
welcher aud bad Sieb ft(^ kalb au bratnatifd^er Sebenbtgfeit erl^ebt, inbem 
e^ in fd^arfen Umrißen/ mit menigcn aber meijierl^aften 3wß^n k^» 
Äampf mit allen \>orberfle^enbett, i^n »otbereitenben unb beflieitenben 
9tebenumpnben fc^ilbert unb un6 bann mitten in bad Sßogen ber 
©(^lat^t t)erfe$t^ SBir erfahren bie SJamen aDer ©tömme, bie an bem 
grei^eitöfampfe fic^ betJ^eiUßten, fo wie bie Women jener unpatriotifc^en, 
bie ftd) t)on j^ren gen)ö^n(i(^en, bürgerlichen S3ef(^äftigungen nic^t lod' 
reiben tonnten unb ba^eim blieben» — S)ie jweite ^ölfte fc^ilbert ben 
entfc^eibenben ©ieg unb mac^t und bann in ganj ej)if(^er SBeife mit ben 
SBerl^filtniffen ber Sefiegten, namentlii^ mit ber Srlegung be« feinblic^en 
gelbl^errn fo W)ie mit ber (Stimmung i>er traut, bie feine Siieberlagc im 
Greife feiner gamilie ^ert)orrufen mupte. SlHed enttvicfelt fic^ l^ter glei(^« 
fam t)or unfern ^ugen; mit ber anf^aulid^flen 6innli(i^feit/ o^ne alle 
riefenartigen Übertreibungen n)irb ber gortfc^ritt ber «^anblung mit fla« 
reu/ feden, genialen ©trieben ^ingejeic^net unb ein großartiger l[)ißori« 
fc^er i^intergrunb und eröffnet. 

IDie gefd)ic^tlic^e, profaifc^e Einleitung (Sticht. 4) enthalt Aber ben 
Slnlap bed Siebed fo xoit aber bie ))erf5nli<^en SSerl^filtniffe ber 2)i(^terin 
meiere fpedetle eingaben/ bie bem Siebe tl)eil$ }ur (Srg&njung bienen, 
t^eild i^m miberfprec^eit/ im ®an}en aber mangelhafter f!nb/ ald bie 
eingaben bed Siebed felbft; benn btef entn>irft bei aller ^ür)e ein meit 
lebend))ollered unb anfc^aulid^ered SBilb bed ganzen ^ampfed unb )Der« 
bient/ meil eö gleichseitig i% in allen abmeid^enben fünften mel^r ®lau< 
ben, ald bie profaifc^e (Sraäl^lung. !Diefe gebort ber fpdteren mAnblicI^en 
Uebertieferung an, bie an baö alte Sieb fic^ antel^nte. 

pr unfern ßxo^d entnehmen n>ir baraud nur bie 3loiii, baß 2)e< 
hoxa, bie^rau eined unbef annten Sappiböt / al6 $ro))l)etin unb 9ti<l^« 
terin auf bem ®ebirge @fraim/ }n)if(^en SBetel unb diama, xoof)ntt unb 
bem SSolfe Stecht fprad^ unb jmar unter einer $alme/ bie nac^ il^r bie 
2)ebora'-$alme genannt mürbe* 93on ba fenbet fie SBoten an 93araf/ 
ben 9{aftaliter/ ber in jtebefc^, meit im 9{orben mol^nte^ unb ermunterte 
i^n sum Sluffianbe gegen ben «KananiteT^Jlönig 3 a b i n unb feinen gelb« 
^erm @ifera* SBaral foO mit 10,000 Tlann aud ben Stämmen 9iaftali 
unb @ebulon jum Siabor ixtf)tn, m&l^renb @ifera an ben jtifd^on }iel^en 
merbe« iDie (Sbene 3i6reei; bad eigentliche S^tac^tfelb ^aldflina'd, 
mar alfo jum Äampfpla^e auderfel^en* — SBid fo meit ßimmen bie ?ln* 
gaben ganj gut {u bem 3n^alte bed Siebed« 9iur anßatt bed @lnen 



ÄönigdSÄbfn in S^ajör, (ber altfanamti[d)en Äümg^flaW/ bie fc^on 
3ofua nebU einem glef^namigen Äönige Sabin bejwungen l^aben f^)n, 
3of» 11, 11 — 13) nennt baö Sieb unfireitig rit^tiger meiere fanani« 
iif(^e Könige 9li(^t 5, 13, o^ne jieboc^ befiimmte 9iatam anzugeben* 
3)ie 9?(K^ri(l^t ber profaif<^en (Srji^Iung Mpt ftc^ mit ber filteren aingobc 
be« Siebe« etwo fo audgleic^en, baf Sabin wal^rf^einlic^ ba« ^aupt ber 
loerbünbeten norblicben Äönlge n>ar unb bed^alb mit feinem gelbl^errn 
Sifera aBein öon ber ©age feflgel^alten wnrbe. \>qL 3of» 10, 3. 11, 1. 
Die äbrigen 9lbn)eic^ungen interef^ren und ^ier ni^t n)eiter* SBir l^aben 
t)ielmel^r ba6 Sieb felbfl nun n&l^er )u anal^ftren unb feine $orm unb 
2)arfteQung ju befprec^en* 

!Dad 2)ebora(ieb befielt au« 15 ^oDig gleic^mfi^igen €tro))l^en, 
)[>on benen immer brei nfi^er jufammengel||ören unb fc(^ im SlUgemeinen 
entfpre^entt)ie98orflrop^e, ®egenPropl^e unbSt^tu^ftropl^e, 
o^ne bap man l^ier ieboci^ an bie fünftüd^en formen ber ®riec^n beulen 
b&rfte. SlOein ber Sn^alt ber l^ebrAifc^en Sieber entnoicfelt fic^ gern in 
biefer äBeife M Sa( unb ®egenfa^, n)0)u bann l^fiuftg nod) eine britte 
©tropl^e ben jufammenfapenben S^lu^faft bilbet *)* 3ebe (Sinjelflropl^e 
1)at 12 aSeröjeilen» 3)ana(^ ifl ber prop^ifi^ geglieberte Sn^alt fo^ 
genber» 

3)ie erfie.SSorflrop^e 93. 2—3 gibt furjben aUgemeineu STnlaf 
unb 3n^alt be« Siebe« an* aSolf unb gfirften If^aten i^re ©d^ulbigfeit 
gegen bie Slfationalfeinbe ; ba§er bie Slufforberung jum greife ®otte«, 
burd^ beffen ,^ülfe man ben ©ieg errungen» !^ie ®egenfiropl^c 
Ö» 4 — 5 befc^reibt nfil^er ba« gottfi^e SQSalten, bie ftegt)erleil^enbe 6r* 
f^einung ®otte« im ®en)itter )ur ^ät be« testen Kampfe«. ^u<^ im 
©ebanfengange bilbet biefe ®egenjirop^e einen f(^6nen ®egenfa^ ju ber 
95or|iropl^e, welche junficbfi l^ert)orl^ebt, tt>ie gürjien unb SJoIf t)ereint 
unb ^mflig in bie ®<^(ad^t jogen* !Die ©egenfhop^e befd^reibt bagegen, 
n>ie ®ott feibf} im SBetter unb unter gewattigem Siegen ^eranjog/ um 
[xdf an bem grei^eitafampfe ju bet^eifigen» 3n ©ewittern, bie In ^ßalÄ" 
jiina t»on ©üben ^er fommen, (^ab* 3, 3. ^adj. 9, 14. i^iob 23, 9) 
nd^t @oit überhaupt jürnenb, rid^tenb unb bie ©einen enettenb* ?ßf. 18, 
7-^16. 46, 7—8* 2)iefe ©c^ilberung ifl ^ier nic^t biibUc^, fonbern 
eigentlich ju »erflehen. Offenbar begunfligte bie 3«raeliten bei il^rem 
Äampfe ein heftige« ®ett>itter, in golge beffen ber fonfi ni(^t geffi^rlic^e 
J^if^on mfic^tig anfc^tooK unb bie flüchtigen ^einbe fortraftc unb er« 



1) SSgU l^ietübet toeitec meine @<^rtft: ^te Scvm Ux t^ebtt ^«efle» @« 41 f» 



ttinfte, »>ie bief ffi. 21 — 22 au^brutfüc^ gefagt voiti. «uc^ bie @c* 
m^nung 93. 20; ba$ bte (Sterne 'oora «^imtnel gegen ®ifera gefimpft/ 
beutet auf fol^e e(emeutarif(t)e/ ben S^raeliten gänßige (Stfc^einungen 
l^in- — 2)ie erjle @(^lupjitoj)]^c SS. 6—7 bejiel^t fi* nä^er auf bie 
93orftrop^e unb wirft einen Stucfblid in bie nd^lfte SSergangen^eit* ®{e 
6erid)tet, ba^ unter ben Ul^ien dtiiikxn, @amgai unb 3ae{# bie größte 
Unftci^er^eit im Sanbe l^errfic^te. Raubet unb SBanbel \iodk, Uin §B3eg 
n>ar mel^r ftt^er unb feibfi bie Surften txf)oben (xdi nidfi gegen biefe «^err^ 
f<!^aft ber Sanantter; bi^ enblic^ S)ebera aufftanb unb fte gur Slbwerfung 
bea 3oc^d ermutigte« 3ebe biefer brei Bttopffen fc^lie^t mit bem fHamm 
3er ael/ n)ad nic^t iufdQig ifl/ )umal au^ bie beiben folgenben Qtxo* 
pl(^en ebenfo f(^(ießen. 

!Die »weite ^auptfiropl^e, bie mit ber SBorfirop^e 5B. 8— 9 
beginnt, fc^ilbert in brei g(ei(^mä0igen 9(bfc^nitten ben Slnfang, gort« 
gang unb @rfo(g bed )u(e(t angebeuteten^ burc^ 2)ebora bewirf ten 9(uf« 
fanbeö. SKan erwählte eine xitwt Oberleitung, (offenbar bie Debora) 
nnb fofort begann aud) ber Aampf gegen bie .Sananiter. 3nbee ifl ber 
Xert ^ier ftd^tbar in Unorbnung gerot^eu unb ))er{letlt ; namentlich foQte 
ber 9« %erd t)or bem S. flehen , n>obur(^ ber 3ufammenl^ang ber ganjen 
©tropfte gewinnt» — Die jweite @egenflrop^e9S. 10—11" forbert 
bie »erfc^iebenen Drbnungen bei5 ^eere^, bie ?lnfiv](|rer wik bie gewöj^n«» 
liefen Krieger auf, ben ^errn )u preifen unb jwar baburc^ , bai fte (aut 
))er{finbeji/ wa6 jte unler göttlichem Seiflanbe audgeful^rt ^aben* — 
2)ie iweite ©c^^Iufflrop^e 83. 11*^—13 bejiebt fl* iurfid auf ben 
3nl^alt ber S3orfirop^e unb biefe funfttJoUe Slnorbnung, bie id^ fdjon bei 
ber erfien ©c^hif firopl^e bemerf te , iji im gan jen Siebe bur(^geful(irt unb 
beft&tigt andj in ^Betreff be^ ©ebanfenganged bie objeftit^e SBa^r^eit 
unb diic^tigfeit ber l^iei gegebenen ßrop^if(^en @intl^ei{ung. SSor« unb 
©d^Iu^ßropl^e berühren ft(^ g(et(^fam unb fd^Iiegen JUd) }ufammen wie 
ber $(nfangd^ unb @nbpunft eined Greife«* @i) fci^ilbert biefe )Weite 
©(^lupftropl^e nur weiter ben erfien 9(u&^ru(^ bed .^ampfed wie bie SJor>: 
fhropl^e SB. 8. <Se wirb S3* 12 ber mutige 3uruf, ben bad ä}o{{ an 
!Debora unb Sataf ergeben ließ, wieber^olt unb bann allgemein gefagt, 
93. 13, wie jal^ftei^ bad SSoIf mit feinen Sui^rern ind ©4|lac^tfeti) ^r« 
abformte. 

2)ritte S o r fi r o p ^ e , 83. 14—15 \ S)er oDgemeine ©ebanfe ber 
9orl^ergel^enben ©ttop^e wirb ^ier genauer unb im (Sinjelnen aud» 
ge^l^rt. t&^ werben bie ©tämme nam||afi gema(^t, bie an bem Kampfe 
Xf)M genommen. — 2)ie britte @ege»firop^e 83. 15**— 16 »erl^öint 

6* 



84 (Srjle $eriobr* SSon 9Vofr Vi9 ^ur ®runbutid brd JtSnidtl^um«* 

im ®egenfa^ boju bieienigen StdmmC/ n)el<^e ju ;^au^ blieben unb 
fel6f)fä(^ttg unb unhiegerif^ bem notlonalen Äampfe fidf entjogen. 
(Sbtnio bie ed)Iufflrcr»)^e »• 17—18. 9tnx lenft ber leftte äJer« 
lüieber jur 93orftrof>lgie ein unb lobt jtDei Stimme, weld^e tobe^mutig in 
ber ®^iad:it ftc^ ben>A^rten* 3)amit ifl ber ^lid toUUx auf ben ^ampf 
l^tngen>enbet unb bad Solg^nbe eingeleitet* 

aSierte 93 o r fi r op 1^ e, 93. 19-~20. a)ie 93ef(^reibung ber @(^Ia(^t, 
ba^ n>irf(i^e S^f^^inmentreffen mit ben jtananitern bei SRegibbo unb 
Zaanat, )t>obei ber,^immel felbft mit ad feinen 3Ri^Un gegen bie^einbe 
(tritt. !Der ®ebanfe/ bap bie @terne mitffim))fen^ fe^t offenbar bie 93ar« 
j^edung bed ^immel^b^^te^ "ooxau^, bie n>ir fieser ber mofaif(^en fo n>ie 
ber 9li(^terjeit jufc^reiben bfirfen, wenn anij ber Korne 3a^t)e 3rtaot 
ISlier nod^ nic^t rorfommt. $(n unfrer €teDe l^at ber Siudbrud noci^ qne 
l^alb m^t^ologifc^e gfirbung, inbem bie ®efiime faji felbfMnbig erfc^ei« 
nen. 2)a$ an^erbem l^ier nac^ 93» 4—5 bie Slnfd^auung etned ®miU 
ter6/ in n>e((i^em ®ott felbfl )ur @rbe ^erabfteigt^ )u ®runbe (iegt^ ifl 
fd)on oben bemerft. — 93ierte ® egenfiro<)l^e, 93, 21— 22. 9Bie "ocm 
^imme{ bie ® eftirne / f o füritt aud^ auf Srben bae (SIement bef Sßaf er^ 
im <ftif(^onflupe fär bie 36rae(iten unb raffte bie fliel^enben ^ananitec 
l^in. iDedbatb preifl bie @ängerin ben %h\f. — aSierte @d)(uf^ 
^ropllie, 93. 23—24. Umgefe^rt n)ie ber <ftif(^on machte ed ber (fonfi 
unbefannte) Drt fSRtxoi, ber wal^rfc^einli^ ben flfid^tigen Aananitern 
bel^uIfKc^ n>ar ober fiberl^aupt nur fie burc^Ue^^ ol^ne fte aufjureibeu/ 
unb bedl^alb toerfluc^t n>irb* ®efegnet bagegen tt)irb ^atl, ba^ SBeib 
S^eber^/ be6 «fteniten* 

günfte 9Sorflrop]^e,, 93* 25—26. SBa« bie \)orl^ergel^enbe 
@trop{)e nur unbefiimmt anbeutete , n>irb l^ier im @in)e(nen unb aud« 
fu^rlid^ befd^rieben^ nAmUc^ bie ^elbent^at bed SSBeibe^^ bad ben feinb« 
liefen gelb^errn töbtete. Mt fünf 93orfh:o)>^en bed ganjen Siebet fnäpfen 
in &\)nHi)ex SBeife an bie t)orl^ergel(|enbe @^{uf firopl^e an unb fpringen 
glei^fam baraud ffttoox, fo baf fte n>ie bie ® lieber einer Aette )ufam* 
men fangen. Sunac^f) 93* 25—26 bie KfHge (Sriegung bee €ifera burd^ 
3oeL — 3)ie fünfte ®egenfiro))ISfe 93. 27-28 f(^itbert feinen 2;ob 
unb t)erfe^t un^ bann im I^rifc^en %lu%t in ba^ ^eimat^au^ bed gefa(» 
lenen Selbl^errn unb geigt ergreifenb^ n>ie i)Wx, beoox bie Slrauerbotfc^aft 
bort^in gelangt ^ %nx<iit unb Hoffnung l[|errf(^en. 3unad^fl jammert bie 
9Rutter in bunHer Sll^ung unb fpa^t umfonfl nac^ ben 993agen unb 
9{offen i^red Sol^ne^ aM. Die @^luf ftrop^e 93* 29—30 befc^reibt 
fel^r c^rafterifiifc^ , xoU bie Hugen (Sbelfrauen bie SRutter @ifera'^ tri« 



€. S>i€ 3rlt brt fftiä^itt. 3)ad lDr6ora(irb« 



85 



flen , inbem fie in bei ^oerjögetten 9{u(ffel^r gernbe b{< Xnjeic^en eine^ 
gidnjenben 6{eged ettUifen. 2)ie IBertl^eilung bcr reichen Seute n>irb 
fo iDtele 3^i^ in 9(nfpru(^ nehmen ^ toedl^alb er tu{c^ nt(^t ba fein 
fann* 3)o(^ bad n^nungdt)o(Ie SRutterffet) wiK ft(^ bur(^ fo eitle tBor* 
fpiegelungen nic^t bef<4n)i(^tigen la^en unb wiebet^oU befMnbig bie Ha< 
genben !EBorte« Stit biefer bunHeti Sl^nung bet Stuttei, bie fid^ ni(^t 
irre machen (fi^t^ wirb fe^rpaffenb unb mit großer SBirfttng bad ganje 
furchtbare .®emä(be abgefc^Iopcn. 

!Dap 93. 31 fonoo^i beut 3nl^a(te/ a(d au(^ bem @tro))]^enbau nad^ 
)u biefem altnationaten Siebe ni<4t geboren Unm, fonbern einem fpAtern 
ll6erar6eiter bed Suc^ed ber 9li(^ter angeboren mü^e^, ^dtte ben 9ud(e« 
gern hic^t entgelten foDen. 

3e^t möge ba6 (Bebtet felbfl ^ier boHflonbig mitgetl^eilt werben. 



I. 

1« a. 9tnn ba bad ^eec füi^rten 
2)ie ^eerfu^rtT 
3n 36tar(, 

iDa »iQig bad 93oIf Mar t 
@o greifet ben ^eim 1 

Unb merfet auf 

31^t Sürflen : 

34 totd bem ^etrn, 

3^m ta)t(( i(t fingen ! 

SGBt(( f)iie(en bem J^etm, 

lDcm®ott3<taeU! 

1. b. ^erv/ aU bn aud^ogfl 
Sßon <Biix, 

mi bu \ä)xittt9 ba^et 
S3om®efiIbe(5bom6: 
IDa bebte bie Stbe] 
Unb bet ^tmmel trof/ 
Unb bie SOoIfen 
Xroffen t)on Sßager. 
IDie Serge toanften 
Sßcx bem 9nt(t( be« ^ernt, 
IDer ®tnai ba t)or bem ^errn, 
S)em®ott3<TaeU^ 

1* c. 3n ben Sagen ^amgar'f, 

3n ben iüagen Sael*« 
Seievten bie $fabe, 
Unb bie @trafientoanbrev 



6 



(Stengen fßfabe, 

3)ie frummgetounben» 

(Se feierten bie Surften 

3n 3drae(; fte feierten, 

8t6 i4 aufflanb aU Sü^rerin, 

SBi« xä) aufflanb ali Sftviin 

3n3«raeU 

IL 

2^ a. 9Rein ^erg tfi geneigt 
S^xatU gttrflenr 
Unb ben SreiwiQigen 
«u« bem O^olfe. 
a^an ertoa^lte 
meue9lt(^ter: 
IDa bra4 ber ®turm 
9(uf bie X^oxt Ui, 
3nbem man nid^t ^d^ilb 
92 o4 Sänge fal^ 
Unter t)ier2igtaufenb 
3n3draeL 

2. b. greifet ben Qtxxn, 
S^x, bie i^r reitet 
SBeiilgl&ngenbe (Sfel 
Unb ft$et auf @&ttc(n I 
Unb i^r Segetoanbler, 
finget vom fftnf)m 
IDer Seinbegerf^mettrev 
3tt>if(^en ben li:r&nf4Rinnen ! 
3a bort m5ge man «crf&nben 
{Die SERai^tti^aten M ^ntn, 



10 



11 



89 Srjle $eriobr« Sion ÜRoff btd jitr ^rünbung M Jt&nigt^umd« 



14 



SnSdraeU 

3» c. 2)a !am i{u ben ^oreti 

2)a« ®olf beö $erm : (fprcdjcnb) 

^SBol^Iauf, ttjol^lauf, 12 

£) 3)ebora ! 

$(nf bo4/ auf bcd^; 

iSinge bad Sieb ! 

^uf, Sara! ! maä) befangne hix, 

IDu <Sol^n ^6möam6 !" 

IDa !am ein dtefl 13 

S3on ©blen l^erab, 

ttai Sßo\t bed $ernt fam gu mir 

a){it ben ^^elben. 

III. 

3« a. Sßon (Sftaim \>\t, 

3)eren ©tamm in 9Imalef ifl, 
^iv nac^f; Benjamin; 
Sflii beinen beuten ; 
Son Sflalix famen 
3>ie ©ebietcr, 

Unb t>on ©eSuIon bie ^ragrv 
IDed Sul^rerftabed 3 
Unb bie gütjlen in Siffafar 
®Iei(|n)te ^ebora; 
Unb toic JDebcra*) fo 93araf 
SDucben forigerifien bur(^ bad 
i?ne0«\)oW^ 

3» b. $(n ben HBa^en 
S5on [Äuben, 
S)a: tDaren groß 
IDie ^er^en^entf^Ififle* 
aßarum btiebfl bu 
Stollen ben -gürben, 
Um an^ul;dren 

a)a« @eflöt bei ben beerben? — 
$(n ben Säd^en 
aSon [Rüben, 
S)a toaren groß 
5£)ie ^erjen^enttoürfe« 



15 



16 



3. o. d^Ueab; {enfeii 17 

2>e6 Vorband milte ed, 

Unb IDan, toarum rul^te er 

93ei ben ©ci^iffen? 

5lfc^er blieb 

$(m 0Kanbe bed -SO^eer«; 

Unb an feinen Sudeten 

SRul^te er. 

^eä) (Sebulon veradbtete 18 

Sdie gum Xobe fein Seben 

9Bie !naftali 

$(uf ben $d^n Ue ®ef{(be«. 

IV. 

4* a. (Sd famen bie i^dnige, 19 

@ie fäm^ften, 
SOie fäm^ften ba 
^ie Jtönige itanaand ! 
58ei 3:aanaf, 
$(m SDager SD^egibbo*« 
©efamen fte feine 
SBeute tton @itber* 
Sßom $immet l^er 20 

Äam^)ften bie ©teme, 
aSon iftren Salinen l^er Unüpfttn jle 
®egen ben ©ifera. 

4. b. JDer X^alba^ Jtif^on 21 

dtaiKtt fte ^in, 

[a)er3:i^atbad^ÄifdJon,]»> 

5)er «igenbe 93a(^ ! 

2)er !i:^albac^ itiff^on 

[[Raffte fte l^in :] 

a)a gelobte bir") 

SWeinc ©eele ^xni* 

Sie flam^ften ba 22 

2>ie ^ufe ber [Roffe 

SDegen bed Sagend/ 

5£)e6 Sagend ber gelben ! 

4. c. aSerflud^et SRerog! 2S 

®)ptaä) ber Sote bed $erm, 



1 ) STnflatt bed finnlod toi^ber^olten «3iffaf ar*' ifi l^ier unfireitig ^3) c b r a* |U lefen. 

2) ^ie eingeflammerten gtoei 3eilen flitb im l^ebräif(^en ^eri audgelagen/ mäßen 
aber fd^on bed @tro))]^enband loegen aud bem Einfang ber ©tro)>$e toieberl^oÜ toerben* 

3) Sä^ lefe : rt^'n^rn 0. ms, geloben. 



C. 9)ie ßiit t>ex Sti^ttx. S)ad IDcipraHeb. 



87 



SSetfTu^t/ ia verflud^et 

3^tc S3ett)ol^ner l 

SDeil fte nx^t Urnen 

Brxx ^filfc bc« J&etrn/ 

3nt $älfe be^ Gerrit 

ma ben gelben ! 

3)o(i6 gefegnet f« ^acl*),. 

©0« fficib ei^cber«, bc« Zeniten! 

S3oc ben SBeibcrn im 3elt 

@ei fte gefegnet f 

¥. 

5»«. Um IBBager Bat rr^ 

lDo(i(f gab fle SKüd^, 

3n FöBU(3&er ^ä)aaU 

ütii6)U fte 9lat)m. 

äl)rc giitfc nai) Um Mfy^cd 

^Ueätt fte a\x^, 

Unb i^re SKe^te 

Slad^ beitt ^aittmer ber ^d^miebe; 

Unb fo ^ämraette fte beit @ifera, 

3)a« ^au^t i^tn gerf(3&e((enb, 

Unb gerWlug unb butd^bo^rfe 

@etne ®4^&fe* 



34 



25 



26 



5. b. Sßox t^ren Säßen 

Ärümmie er [x^ flerbenb) *) 

2>a too et ft4 UnmmU, 

3)a flatb er, beto&Ulgt. — 

hinter bem genfier 

Siep {ammemb fid^ fd^n, 

i^tnter bem ®itter 

®ifera'«SWutter: 

,,9Baruifi gögert 

@etn Sßagen gu fommen? 

SQBarum gaubern 

€(ine0 Su^rmerfd Sritte?'' 

5« c. ^te Hügfien i^r^r Sutflinnen 
9(nttt)orten i^r : — 
(@ie aber »ieber^olt 
S^re SBotte ft* ; — ) 
„®t\o\^ ftnben fte SBente; 
®te tverben fle t^eiten : 
(Sin SRäbd^en; gwei SR&bd^en 
gut jeglichen 9)2ann ^ 
$eute von ®en>&nbem 
gür ^ifera : ') 
@in bunted; gtoei gefitcfte 
Stir feinen ^adfen*) üU Seute! 



27 



28 



29 



ao 



9?ad) ber Ü6erfc^rift filierten 2)c6ora unb Saraf bieß ?{eb mit ein* 
anber anf, vvobel man jebod^ nic^t boran benfen barf, bof fie eö öbwec^s 
[elnb alö iDuett gefangen* 3)er ^nl^alt beö Siebeö ifi ju beutlicfe bagegen» 
S3Bir bürfen bie SBei^üIfe ©aroW nur fo \)erftcf)n, bafi er ben ®efang ber 
2)et)ora etwa mit einem Snjirumente begleitete unb unterftu^te, wobei 
eö fid) bann immer noch fragt, ob biefe Eingabe beö um me^rc ^a^rl^un« 
berte fpäter lebenben 3"[^n^nien|ieKer^ wirf üc^ auf treuer, alter Über« 
liefernng ober nic^t üiefme^r auf bfo^er 93ermutung berül^t* 8ln fid) aber 
ifl nic^tö bagegen eiujutt)enben. 9SgI. 23Kof* 15, U Die beiben^aupt* 
l^elben beö 2ag^ mochten immerl^in bieg Sieb ftd^ einüben unb bann am 
©iegeöfefte öffentliA vortragen* 2)enn bie STOeiming t?on Sert^eau, bag 



1) ^95 or b en 2Ö eib ern^j biefe Iffiorte finb irwg ani bem »Orienten ®liebe.aud& 
in ben ^(nfang ge!cmmen. 

^) „(Sr lag ba ; tjor t^ren gügen ftümmte er ftdj fierbenb»* fÄut^ in meieren J&anb* 
fdjtiften fel^lt biffer uned^te 3ufa^» 

3) „^tutt »on (bunten) Xü^ttn, ton Stt<!erei5'' ein falfd^et Bttfaj^. 

4) STOit ben 70. ijl 'i-isj^V ju lefen. 



88 Qrjle $eiif>be. SSon ÜRofe 6U jur ©vnnbung bfd J^tnigt^umd. > 

2)ebora unfer 8leb (juö bem Stegreif »fi^renl) be« Sriump^juge geW^« 
tet, entbehrt aDer äBaJ^rfc^einHc^feU* @tn fo funfit^oUed / p(anmapiged 
©ebic^t tann man ntd[)t wol^I {mprot)i{treit. @d iß )oie(me^r gan) ent* 
fd}tebeu mit Slbftc^t unb ^or^er auf bie Siegesfeier gemacht unb bann 
t)crgetragen noorben. 2)ie I^rifc^e Unmittelbarfeit ge^t baburc^ bei eckten 
2)ic^tern nid^t t)erIoren» So trug ©ot^e befanntlic^ oft 3a^re fang ben 
Stoff eines Siebet ober^einer SSaQabe mit fic^ l^erum / el^e eS jur S)ar« 
fieünng beffeiben tarn, unb l^telt nic^t )>ie( auf einen •aU^eit fertigen 
©tegreifbic^ter. 

pr bie Stic^tigfeit ber Überlieferung, ba$ 3)ebora tDirfli^ bie SBer* 
faperin biefeS in feiner 9lrt einzigen ® iegeSgefangeS fei ^ finben fi(^ im 
Siebe felbf) no^ einige Sln^altdpunfte. 3unA(^{} fonnte nur ein 9(ugen* 
)euge unb ein n>armer Sl^eiinel^mer beS grei^eitdfam!t)feS ein fotc^eS 
S3ilb bat)on entwerfen; SIQeS atl^met unmittelbare ©egentoart, inbbi* 
buelleS Seben unb gefd)id)t{i(^ treue ®runb(agen« 2)a)u Utamt, bafii 
!Debora fetbß a(S eigentUc^e S^rägerin unb a(S gottbegeifterte Urheberin 
beS großen Syeignijfeö im Siebe erfd)eint» Sie rebet von jic^ in ber er» 
pen 5ßerfon unb jtt>ar fo, baß jeber leicht fül^It, xok nic^t etwa ein Sin* 
berer in il^rem 9{amen fo l^ätte fagen unb fingen fonnen. 

gilt befonberS c^arafterijilfc^er 3wg/ ber auf eine grau aW !Dic^^ 
terin ]()inweifi, finbet fic^ 83» ZS^— 30* ^ier wirb bie bange Stimmung 
ber SWutter beS Sifera fo wie bie Siegeöl^offnungen i^rer «^offrauen 
fe^r lebl^aft unb eigent^ümlic^ gefc^ilbert. Sin ÜWann würbe bieß wal^r« 
fc^einlic^ anberS ausgemalt l^aben, wenn er überhaupt barauf gefommen 
WÄte, mit biefem Silbe baS ©anse abjufc^ließen. 3m Übrigen atl^met 
baS Sieb mel^r einen mdnnUc^en ©eifl unb würbe ben gröpten !Di(^t/ern 
beS Slltert^umS @^re machen. 

3)aß grauen als Di^terinnen auftreten, ifi bei ben Semiten wie 
bei anbern orientatifc^enSSoIfern fc^on in ben frü^jien S^ü^u etwaS ganj 
©ewo^nUdjeS» So erfd^eint noc^ t)or 3)ebora bie Sc^wefier ÜWofe'S, 
ÜRirjam, als t^rifc^e 5)i^terin. 2 üWof- 15, 20 f. Die Äönigin »on 
Sabäa fam ber Sage nac^ }u Salomo unb ))erfuc^te i^n im bid)tertf(l^en 
SBettfampfe mit Stätfelfprüc^en ; 1 Äon* 10, 1—13. SefonberS reic^ 
finb bie Siraber an 2)i(i^terinnen. Sin guter 2:^ei( ))on Siebern, j. S. in 
ber ^am^fa, werben grauen jugefd^rieben ; ebenfo t)iele ȣ)ijmnen in 
ben SSeba'S, bie }u ben beflen gehören unb am ^affenbflen noc^ einen 
SSergteid^ mit bem 2)ebora«Siebe aushalten fönnteu/ obwol^l eS an na» 
tionaler Sebeutung unb c^n urfprungUd^er, bi(^terif(^er Araft \>on feinem 
anbern erreid^t wirb. 



G. 5Dir Seit bet.Stti^tfr* S>a9 5De6otaneb. 

Siufei ben @. 8t gegebenen 9Iot<3en loifien tDfe Vüenig fiter Me 
perfönUc^en SSerl^&Üniffe ber !Di(^teTin* 8ud intern Sfufent^alte muf 
manfc^Uepen/ baf fte entwebet )nm @tamm Gfraim obet toa^rfc^etn« 
Itd^er jum ®tnmm SBenjamin gehörte. 93on l^ier aud n>at fte f&t bieSe^ 
freiung ber nörbtic^en Stämme i^ÜQ, inbem fte ofenbar bte fäb(i(^em : 
Benjamin/ (Sfraim imb SRonaffe (3Raftr) auf ben Aam^fpla^ ffi^i^te^ 
wä^renb Sarai bie nörbKc^en Stämme am 2!abor )i)erfamme{n UHb ))on 
bort auf ber guten ^eerPrape, bie mäj Sig^pten fül^rt, ben in ber Äifd^on« 
@bene fie^enben geinb ilberfaHen foQte/ fo ba^ er ))on }n)e{ Seiten an« 
gegriffen tourbe. 3)ur^ i^r gottbegeifierte^ ^elbenleben gewinnt 3)ebora 
eine allgemeine ä^n(i(I)feit mit ber a(tgermamf(^en Veleda bei Zadtn^ 
unb entfernter auct) mit ber 3ungfrau "oon Orleans* 

2)ie S^ronologie ber ganjen 9ti(^ter))eriobe ifl ixoat fel^r ungenau 
unb unHar» 3nt allgemeinen aber »erben n>ir bom 9ii(^tigen nicftt fe^r 
abirren, wenn toir unfer 8ieb um 1350 biö 1300 t)or (Ef)u »erfaßt fein 
lapen» 5)ie feilen SBo^nft^e ber Stämme fe^en einen langen Slufentl^^alt 
in ^ßaläiHina »orauö ; ja 2)an unb «fc^er treiben fogar \d)on Sc^ifffal^rt 
unb »^anbet, it)S^renb ber Stamm SRuben — wie auc^ ^p&ttx noc^ — 
ein ^atb nomabif^ed 8eben fortful^rte. 3ebenfalld gel^ort bieß ©ebic^t 
iu ben Alteflen IDenfmalen be^ Slltertl^umd überhaupt unb if) ftc^er über 
3000 3a^re alt» 9?ur wenige »^^mnen be6 9lig*aSeba unb man^e fine« 
ftf<^e 83oIWlieber im Sc^i^Iing mögen gleic^jeitig fein» 

Obwohl unfer Sieb — wenige ffierfeftungen , irrige SBieberl^olun» 
gen unb Sludlaf ungen abgere(!^net — mit auj^erorbentlid^er Streue und 
überliefert worben ifl, fo fu^rt bod^ an fic^ nid)td barauf / baf ed fd^on 
in fe^r früher ^tit, nid)t lange nad^bem ed gebic^tet, wie man gemeint 
l^at, auc^ müfe riiebergefc^rieben worben fein» 66 ^aben ftd^ fonfi ja 
nod^ weit größere Sieber 3n^r](|unberte lang ebenfo treu unb unöerpm« 
melt erl^alten. 3n ber 9td^e be6 Sd^lac^tfelbeö , unter ben Stämmen 
3iffafar, Sebulon unb SRaftali, bie am meifien bur^ ben Sieg gewon* 
nen Ratten, blieb unfer Sieb Wol^l am treueßen unb lebenbigfien im Sin« 
benfen, erbte »om SSater auf ben Sol^n, »on ber SRutter auf bie Sod^ter 
fort unb würbe enblid^ aud bem äJtunbe ber Stnwo^ner ber @bene 3i^« 
teel aufgef^rieben. 3)er erjie 3«ffltnmenfleller bed 93u(^« ber Silc^ter, 
ber um« ^af)t 1000 unter Salomo lebte, l^at e6 mitfammt ber l^iflori* 
f(^en Einleitung entweber felbfi aud ber munblic^en Überlieferung auf« 
genommen, ober fanb ed bereite in einer Sammlung t)on Stationallie« 
bern »or» 98or Saul unb 3)abib würbe e6 fc^werli^ aufgefc^rieben» 

Pr bad äSerßänbnid ber ganjen Siid^terperiobe l^at ba^ 2)ebora« 



90 @rft( $eriobe, a3on Wo\t ii9 juv ®rtinbung M Sttni^t^nm^, 

8feb Wcfclbe Sebeutung , »fe ber IDelalog fut bie mofoifc^e 3«^ tt)eö« 
l^olb folgenbe SSemetfuRgen ^ier ganj om ^lai^e fein »erben. 

1) @o fel^ir bie ^e6räif(^en ©tämme in $a(ä{iina bur^ natfirli^e 
ia^t, bur(^ bajwifd^enwo^nenbe ^ananiter unb burd) befonbere 3>nteref« 
fen iD&l^renb bet Stic^terjeit auäj nc^ getrennt erf(|^einen^ fo bilben fte 
boc^ nod^ unferm 8tebe ))ot ®ott eine l^ö^ere @in^eit unb ein einjige^ 
©olf*r©ie ftnb al^ (gin^eit gefaßt baö Soll ® otteö, 93.11; 3a^t>e 
[elbjl ffei^t d^ SRationalgott aHer©tämme: ber ®ott S^raelö, 3}* 
3, 5, unb- iji ber »>a^re SRid^ter unb «^errfc^er beö Solfeö* So liegt 
barin bad beflimmtefte B^ugni^^ baß bie ©tämme t)or ®ott ftc^ a{^ @in^ 
fu^UeU/ baß fte mithin eine gemeinfame reügiofe Slnfd^auung l^atten^ bie 
ber fananitifc^en entgegen ftanb unb bie {i(^ nur au6 einer geifiigen du 
ISiebung in ber mofaifc^en ßeit erflärt* §lud biefer Sinfci^auung ergab fii) 
fobann bie fittUc^e ^orberung , baß ber @in)e{ne für bad ibea{e ®an)e/ 
bem er a(d ®Iieb angehört/ ftc^ aufopfern unb ed burd^ S^^aten unb 
Sßerfe forbern mäße/ n>äl^renb anbrerfeitd er fe(bfl auc^ burci^ bieß 
@anie/ burc^ bad Sanb ber fittlid^en unb rechtlichen ®emeinfdi|aft ^ ge« 
l^alten unb gefragen i{}* 

2) eine jweite wichtige ^Tngabe, toelc^e bieß gieb enthält, ift bie 
3;i^atfa(fte, baß bereit« im britten 3a^rl^unbert na^ üKofe bie 10 nörb« 
liefern ©tcirnme ein engere« politifd^e« 93anb/ ein gegenfeitige« BtS^np 
unb S^ru^bunbnid jufammenge^aUen l^aben muß* @ec^« @t&mme na^« 
men S^^eil an bem 95efreiung«friege ; t>on ^ier anbern tt>urbe loenigften« 
bie Ü^eilnal^me fieser erwartet unb i^r äluöbleiben beö^alb mit fpotten* 
ben äQorten gejüd^tigt. 

SDagegen wirb auffattenber SBeife Suba, fowie ber @tamm ©i* 
meon gar nid^t/ Weber (obenb^ noc^ tabelnb erwähnt: ein beutUd^er 
S3ewei«, baß man auf bie9Kitwirfung biefer Stamme nid)t gebofft l;atte. 

@d(on burc^ feine natürliche Sage unb feine fejieren ©ränjen , na« 
mentlic^ burd) bie große SBufie im ©üben unb burc^ baö tobte ÜKeer im 
Dffen, fonnte 3uba o>^ne ®efaf)r fic^ mel^r abfonbern unb abf^ließen, 
aW bie übrigen ©tämme. 3)er räubere ©obeU; ber Wo^I auc^ feine 
frud^tbaren ®ra«ftcidben f)aiic, aber boc^ hinter ben norblic^en unb o{|r 
(ic^en ©tammgebieten jurucfbiieb/ reigte nic^t fo (eidbt bie benad^barten 
S36Ifer unb erl^ielt auc^ offenbar ben ©inn ber Sewol^ner ernfter, nud^* 
terner unb einfad^er, wä^renb bie üppige Statur Sfraimd oft einen fttt* 
lid^ loerberblid^en unb erfd^Iaffenben Sinfluß auf bie bortigcn (ginwtl&ner 
ausübte* — ©enug, ber ©tamm 3uba nebfi ©imeon im äußerften @ü* 
ben $a{&^ina'«^ jeigt frul^ eine fe(bft&nbige/ von ben anbern ©tdmmen 



C. 3)U Seit ber 9lt(4tvr« S>a^ S>ttcrM^. 91 

ftd^ abfonbembe @ntn>t(ffitng , fo ba0 bie f))dtere @)>a(tung in ein ndrb< 
(ic^e^ unb fubUc^ed äidc^ einen tiefer (iegenbetf ®runb f)at unb nnc 
einen ölten, nie ausgeglichenen Siiß tt)ieber](ier|ieHte» — Snbed ift l^iet 
ni^t ber Dxt, bieß n^eiter ju t)erfolgen» 9?uf bad fei nod^ bemerft, bof 
(lud biefer Slbfonberung 3nba'ö t)om 3ntereffe ber übrigen ©tämme eö 
^^ erflclrt^ n>ie au^erOtniel, btm 93rut)er beSAdeb, ber Stamm 
3uba feinen dtiijttx geliefert f)aL 

3. !Die eigent^ämlic^e Stellung unb SBebeutung ber fogenannten 
Stic^ter ober @(^ofeten ifl aM bem 2)eboraliebe fe^r gut )u«erfennen» 
9?ad^ aS» 8 tt>urbe ein 9ii<^tcr bei friegerif^en Unternel^mungen gewdl^lt 
unb jtt)ar "oom fflolfe, tt)ie fpdter 3efta. JDer SWame bafür ifi ^ier aber 
nic^t ©d^ofet ober Äojtn b. i* gelb^err, ?lnfü^rer, ei'g. abet 
6ntf(^eiber, n>ie Siidjt» 11, 6, 11, fonbern Slo^im in ber allgemeinen 
aSebeutung t)on obrigfeitlic^er SKac^t unb ^errf(l)aft, ^)gl* 2 ©am. 
2, 25. @ö ift eine wefentli^ ^)rop^etif^e, freie üKac^t, tt>ie bief na« 
mentlid^ auc^ ber SRame ©c^ofet auöbrudt» JDiefer umfaßt aber jweiertei: 
ba6 9te(!^t'f))re(^en unb bann aud^ bad 9lu6fu^ren beS 9lc<i)i6, bad 
9ie(^t*t)erf(^affen. 3n biefem boppelten ©inne ifi @ott felbji ber 
eigentlid)e SRic^ter (ober Äonig) 3«raeW, tt>ie eö 9li(^t. 14, 27 »on il^m 
l^eißt: ^@6 ri^te3al^^e, berJRid^ter, ^eut jtt)if(!^en ben ©ö^nen 
SöraeW unb jwifc^en ben ©öl^nen Slmmonö ! " !Der menfc^lid^e ©c^ofet 
ifi nur ein Drgan unb SBerfaeug bed göttlichen SBillenö, alfo eine eigent» 
lic^ j)ro))]&etifc^e Tlaiit, ber baS SSolf ju Seiten freiwillig fic^ unterwarf* 
Sm n&c^ften entfc^ieb er nad^ befiem SBißen unb ®ewißen bie innern 
©treiligfeiten, jeboc^ o^ne jwingenbe ©ewalt ju l^aben unb ol)ne feine 
Sntfc^eibungen auc!^ auöfübren ju fönnen. SBid^tiger war bie ©tellung 
eineö 9?ic^terö, wenn er einjelne ©tdmme jU gemeinfamen Unternel^mun« 
gen gegen bie Siationatfeinbe bcgeifterte, wo i^m bann wol^t bie Dber* 
leitung über bie »erbünbetcn ©tamme an\)ertraut würbe. 3)ie gewöl^n« 
liefen ©tammfürften, beren Slmt erblich war, fc^einen mit bfefer friegeri« 
fc^en Siic^terwürbe niemals betraut gewefen ju fein, inbem fie nur, wie 
in unferm Siebe, bie einje Inen ©tdmme in bie ©d)tac^t führten. (Sr* 
wartet würbe eö t)on i^nen, boß fie fic^ Idngft f)aUm an bie ©))i^e i^rer 
©tdmme jiellen follen ; aber neben ibnen werben aud^ Siic^ter erwd^nt, 
bie furj »orlDebora gelebt unb gewirft l^atten, unb bie eö nlc^t^er^ 
mod^ten, bie gremb^errfc^aft ju brechen, offenbar weil bad SSolf unb bie 
©tammfürften nid)t geneigt baju waren. 

4. aOBaö enblid) bie religiofen unb fittlid)en Sufidnbe beö ffiolf«^' 
lebend betrifft, fo treten biefe im 2)eboraliebe fel^r befiimmt unb d^arafte* 



98 ®rflf $eriobf * fßon SRofe (ia jur (Ürtinbung beB JCinigt^um«. 

rifiifd^ ^en>or* dunA^fi bie 9[nf(^auung ber göttU^en (Sinl^eit unb ®e{« 
fiigfeit* !£)ie ganje SIcrtur beugt ftc^ unb erbebt ^or biefem geißigen 993e« 
fen (R. 5, 4—5) unb aOe ArAfte bee WiütaU, bie Sterne be^ ^immeM 
n>ie bie ®ett)if er ber @rbe mftf en feinem SBiUen bienen. 

!£)a^ eigentli^ ftttlid^e Streben ber d^it erfd^eint noc^ )DoOfommen 
6in^ mit ben nationalen Sefirebungen nac^ (Sinl^eit/ @e(bflanbigfeit 
unb gref^eit» ^af)€x felbfi \6)k6)H ^anblungen, wenn fie nur bad na» 
' ttonale Sntereffe förbern^ Billigung unb Sob erhalten. 2)ad Seben fetbfl 
erfc^etut iion ber l^öl^ern religidfen Slnfc^auung nci) nid^t geläutert unb 
geheiligt vt>orben )u fein^ unb fo mup man geße^U/ bap ber erreichte 
jittlic^e 3wftanb ein an f!(i^ noc^ fel^r nlebriger ifi* — 3)er M^ige Äampf 
um bie *@riflen)/ bie beflinbig bebro^t tt>ar^ fo toie bie tl^eilmeife Unter» 
brudfung unb Slu^pifinberung mand^er StAmme erflären ed^ xolt bad 
fd^tDäc^ere 3örael gegen feine »eit jal^Ireic^eren geinbe oft nur bur(^ 
iift unb bur(^ unreblid^e 9Ritte{ ftc^ fdjirmen fonnte unb felbfl ))or 
Steuc^eimorben ni(^t jurüdfbebte* 

aiud biefem einfeitig nationalen 3nterejfe erIWrt ed fld^, tt)ie bie mit 
falter Überlegung aufgeführte S^^at bed ^onigdmorber^ (&^vi\>, ber 
nid^t lange ^ox 3)ebora gelebt ^aben xan^, gepriefen werben tonnte^ 
(9li(^t* 3, 15 ffO unb wie felbji IDeboro baö meucöeimörberifc^e SBeib 
3ae{ fo begeiflert feiern unb fegnen mod^te^ obtt)Ol^I i^re Zi)ai unter t)ie(* 
fa(^ erfc^tt>erenben Umfldnben ^odbrac^t U)urbe, t)g{. äti^t* 4. S93ar 
bo(^ @ifera ber greunb il^red SOtanned unb Stammet; fte fam feinem 
SEBunfc^e aufd toilligfie entgegen , gab i^m ju trinfen )>om Seflen toad 
fte f)aik unb )>ergriff fic^ bann am Seben bed forg(od Sc^Iafenben. 

9Ibgefe^n t)on ber ®d^Anb(i(^feit bed äReud^eimorbd äberl^au^t^ 
brac^ 3ae( bamit jugieic^ auf bie treulofefle SQSeife bie "oon SItterd ^er 
gebeiiigten Siechte ber ®af)freunbf(^aft , bie bo(^ fonft bei ben Hebräern 
galten unb ^on i^nen in Slnfpruc^ genommen tourben. 1* SOtof» 14^ 18* 
19, 5 ff. 3of. 2, 2 ff. Sticht. 19, 23. Dbabja 83. 7. — D^ne ben 
^a^ftab unfrer {ewigen ftttlic^en gorberungen an biefe Z\)at )u (egen, 
bleibt fte — fireng genommen — auc^ auf l>ebräifc^em ©tanbpunfte ein 
93erbred)en unb "om&tf) ein noc^ fe^r unenttoidfelted ftttlic^ed 93ett>uf t» 
fein, ein nod^ fe^r ro^ed ®en)ipen. äBie gan) anberd flehen in biefer 
^inftc^t bie l[|eutigen S3cbuinen in^Sfrabien ba, bie fonjl eine ben bama* 
ligen ^ebrdern ndf) )>em>anbte Silbung^flufe einnehmen! Selbfi ben 
Argflen Seinb/ ber fxd) in i^ren @c^u^ begibt/ fc^irmen (te mit Slufbie» 
tung aQer «ftrdfte unb fielen felbfl mit bem Seben für i^n ein. @ine 
S^reuloftgfeit/ toie bie an ber 3ael ge^riefene, ift bort unerl^ört unb 



C. 3)te 3e(t bet fRi^in. IDte «(bcoti^fagr. 

tt)ärbe auf bcn ganjett Stamm, {u n>e(d^em bet %Wti ^t^ixtt, einen 
etDigen ©(^anb^ed werfen unb t)on ben eigenetl Sngel^origen auf bie 
blutigfie SBeife gerid^t tt)eiben* 



3eigt un6 bad 2)e6oraUeb/ n>{e bie f ananitifc^en Soiflerf^aften 
(m Sterben 5ßalafiina'^ »on ben S^raeliten gfiirflic^ befiegt tt>urben, fo 
.nbergiel[|t bagegen batb ein ))on Slupen , ))on JDften eiubringenber unb 
noett furchtbarerer Seinb bad 8anb» @^ ftnb arabifcbe Slomabdt/ SBan« 
berß&mme ber SEBfiße/ bie unter $(nfä^rung ber 9Ribianiter mit i^ren 
beerben unb S^lUn in bad Sanb fonimeU/ ed abreiben, bie €aaten ))er« 
berben, bie SBie^^eerben, €^aafe, D^fen unb Sfel, wegtreiben unb [o 
{teben 3al^re (ang bie 3draeUten branbf(^a0en unb be^errfc^en, bid i^ncn 
enb(i(^ in ®ibeon ein neuer ätetter erfie^t* 

!Die ®ef(6t(^te biefed gelben, wie er burc^ äQunberjeic^en ber gott« 
Ud^en ^ulfe ftc^ )oer|i(^ert, bann fic^ ein <^eer fammelt unb burd) Huge 
Beobachtung bie 3iaf(^ef}en unb an {eine 9equem(i(^fett ©ewol^nten 
erfennt unb au^wä^U; wie er bie Stimmung be$ feinblid^en Sagerd in 
ber SRflc^t belaufest, wie er bann mit feinen 300 Sluöerlefenen einen 
nfic^tlid^cn Überfall au6ful)rt unb bie geinbe in ©d^reden unb SBer« 
wirrung fe^t, fo ba^ fte fliel^en unb barauf mit «^filfe ber Stämme 9?af» 
tafi, ?lfcl)er, 5Wanajfe unb Sfraim t)ejfoIgt unb aufgerieben werben: bad 
Sdied ifl fo e))if(^ anfc^a'uUc^ unb äUertl^umlic^ befc^rieben, ba^ man 
glauben fönnte, ber (Srgä^ter l^abe alte 9tationa((ieber Aber ®ibeon )>or 
ftc^ gehabt, ^uc^ bie bi(b({(^en S3e)eic^nungen unb fprid^wort({d}en 9{e< 
ben^arten, bie l^ier fel^r l^dufig t?orfommen, fci^einen auf eine folc^e 
Oueüe ^injubeuten. SBer mochte auc^ tdugnen, bap ein fold^er ^elb, 
bejfen Zap^cxUit unb Ärlegöglüd im aSolfe immer fpric^wörtlid^ blieb, 
ni^t fei in 8iebern befungen unb gefeiert werben? 3nbed ifi un^ nic^td 
ber Slrt überliefert worben» 3)er Sn^alt biefer etwaigen 8ieber aber liegt 
in ber profaifc^en Srjdl^lung »or. 

8Iu6 3)anfbarleit wollte, ber Sage nac^, fc^on bomaW eine ^Partei 
bem ©ibeon bie erblid^e Jtönigdwfirbe übertragen; allein er fc^lug fte 
and. @d liegt barin iebenfalld ein 3(ugnid, bap bad Sebürfnid einer 
innigem ^Bereinigung ber Stämme unb elne6 fefleren ^altpunfted fc^on 
früher em>)funben würbe* ?luf baffelbe JRefultat leiten aud^ nod^ anbere 
©puren, (g« wirb nämlic^ JRic^t. 8, 33 erwäl^nt, bap bie 3«raeliten 
nac^ ®ibeond S^obe wieberum ben Saald unb namentlid^ bem Saal*. 
93erlt b. i. bem Sunbedbaal, bem @(^irmer unb SBäd^ter bei Sünb« 



M (Srfte $rriobc. fSon SRofe M jur ®rjinbutt0 M J^Snigt^umd* 

* niffe; ge](iu(b{gt l^ätten. IDiefec ®ott l^atte in Sid^em einen grof en unb 
teid^en S^emt^el ; on feiner SBere^rung nahmen aber mdi ber obigen 9(n« 
gäbe offenbar noc^ weitere @täbte be^ Sanbed 3;i^ei(/ fo baf {t(^ l^ier, 
Äbnlic^ wie bei ben Äananitern, eine Slrt »on ©tSbtebunb unter ber 
Dberfeitung ©ic^em« gebilbet ju l^aben fcfteint*). 3)iefe altfanonitifc^e 
Stabt mit gemifc^ter 83e»ölferung bilbete f<^on jur Seit Sofua'e gewifer^ 
maßen einen 93ereinigung6punft für aKe 12 ©tämme*), unb l^ier würbe 
jje^t Aud^ }uerf}/ obwohl nur t)orfiberge^enb/ bad ^onigt^um eingeful^rt* 

9tad& ©ibeonö JJobe regierten bie 70 ©o^ne ©ibeonö, wie eö 
beißt, worauf ?lbimelef, ein S3ajiarbfof)n ©ibeoni^/ ben SBürgern ®id)emö 
e6 einleuc^tenb ju machen wußte, baß eö beßer für fie fei, t>on Slnem 
ÜRanne, alö »on fiebjig ÜJWnnem bebenfc^t ju werben* @r befam fo* 
bahn ®etb auö ber Äaffe bed ®unbe6gotteö, Warb leichte, lofe Seute an 
unb jog mit biefen nacf) D))^ra, wofelbft er feine 70 ©ruber bid auf 
3 1 a m , ben iüngjien, ber ftc^ t)erPe(ft batte, erwürgte unb barauf ald 
Äonig in Bi^cm ancrfannt würbe. 3otam aber, be^or er aud feiner 
^dmat flol^, erHärte noc^, wie erjäl^It wirb, in einer ))ortreffIlci^engabel 
ben bürgern t)on Sichern baö Sffiefen be6 Äonigt^umö. 3)ie ©rjdl^Iung 
ifi mitten au6 bem Seben ^er\)orgegangen unb ift in ber Äürje folgenbe : 

• !Die S&ume wollten ftc^ einen ^önig wallen, unter beffen ©(^u^e 
fte (eben fonnten. 2)er Oetbaum, geigenbaum unb SBeinfiod (bie brei 
i^aupterjeugniffc 5ßalaftina'ö) , benen juerfi -biefe SBürbe angetragen 
wfrb, f^lagen fie auö* ©ie wollen ibren bisherigen friebtic^en S3eruf, 
bur^ ebte gruc^t ©ötter unb 9J?enfc^en ju erfreuen, nicl)t aufgeben, um 
ft(^ bem ©c^u^e anberer S3dume ju wibmen. — 2)enno(f) finb fie felbfl 
febr jarter Siatur unb bebürfen b^ö ©c^u^eö »or fc^dt)Ii(^en Silieren unb 
9Kenf(ben* IDiefen ©c^uft erwarten juie^t aKe Sflume oon bem l^arten, 

- raul^en 2)ornflrauc^e unb bieten i^m beel^alb bie Äönigöwürbe an. Sr 
finbet (td) aud^ foglelc^ in feine ©teflung ; er i>eclangt Eingebung unb 
flrengen ©el^orfam ))on ben Säumen unb bro^t ben Ungel(|orfamen 

. glü^enbe 9Serni^tung. 

3)ie gäbet (9ii(^t. 9, 8---15) bePe^t au« ))ier ein}eljiroj)]^en. ©le 
ifibergorm na(^ l^ödbfi einfad^, ol^ne eigentlid^en ©ebanfen-^araUe« 
liSmuS, ber a(« eine rebnerifibe Steigerung nur in ftreng I^rifcben 
©tuden natür(i<!^ if). Dabei l^at {te übrigen« )foeH\ö)tn SR^^t^mu« unb 



1) n^%U (StoM, ®ef4t<i^te U9 ^olU^ S^tael, II. @. 336 f. 
t) «gl. 3oftta ;i4, 1,25. 



Strop^eU/ bie bur^ einen tpieberfel^renben 9tefra{nt)erd 6e^mmt ^tto^t* 
gehoben ftnb/ n>ie t)ie folgenbe Übeife^ung {eigen tpirb: 

1* a. @d giengen l^tn bte ISBäume, s 

3u falben vibtx ^ einen j^öntg* 
' @ie fpra^en pm £)el6aum : ^^^et JtOntg ö8er nnd ! ' 

®)>ta(t tec £)e(6aum )u tl^iien : «@oUt* ic^ lafen mein %t% o 

^ad ba ))Tetfen an mir ®ötter unb SPtenf(^en, 
Unb l^ingel^n/ gu f^meben über ben Säumen?'" 

1. b. 5Da f^ra^en bie Q3äume jum geigenBaum : 10 

^Sol^lan bU/ fei itdnig über und ! "* 

IDa f))rac^ gu i^nen ber Seigenbaum : ii 

jmk ? foUt* ic^ laßen meine (Süpigfeit 
Unb meine Sruc^t; bie fßplic^e/ 
Unb l^ingej^u/ jn f4n>e6en über ben liBdumen?' 

7^^ a. IDa gtengen bie IBäume gum ^etnflod : i% 

^fffio^lan bu, fei Äönig nbewin« I " 

IDa f^rad^ gu il^nen ber 9!Betnfloc!: 13 

»2Bie? foftf \^ lagen meinen SWofl, 
^er ©Otter unb SDtenf^en frö^lidfi mar^t, 
Unb l^ingel^n, gu f^n^eben über ben Säumen?'' 



V« 



2* b. IDa f))Ta(9en a((e Säume gum ^omflrauc^ : 14 

SBol^ian bU/ fei itdntg über und ! " 
H Unb ber ^crnOraud^ f)>raci^ gu ben Säumen: 15 

«,3jl ed nja^r, bag i^r mid^ falben itjclit 
3um i^onig über eud^, fo vertraut eu(| meinem ®dS>ut ! 
2ßo nici^t/ fo entfprül^e bem JDomjhaucJ^ geuer ! * *) 

Sie ?lntt>ent)ung , welci^e im S3uc^ ber SÄi^ter »on biefer JJabel ge* 
mac^t tt)irb/ ifi unabhängig t>on ber S3ebeutung ber gabel an ftc^, tt)or» 
auö folgt, bap ber ävif^i^o^fufieUer biefer (Srja^lungen fle nid^t felbfi 
gebidjtet, fonbern alö eine alte Überlieferung »orgefunben unb ^ier ein« 
gefdjaltet l^at* ^xocd liegt nid^t« naiver, alö bie eblen Säume, welche 
bie Äonigöl^errfd^aft auöfc^^lagen, bem ©ibeon J)arallel ju fteüen, tt)eU 
er eö cbenfo gemacht; unter bem 3)ornftrau(j^ aber 8lbim6lef, ben grau» 
famen Äönig, ju t)er|iel&en, ber bie SOSal^l onnal^m^ 3n biefem Sinn 
trägt axnij ber ^Referent bie gabel l^ier t)or, ttjobei ncc^ an 2 ©am. 23, 
6 f. erinnert werben Knute, vvofelbfi Jd^led)te ^errfdjer" mit »eggewor^ 
fenen 2)i)rnen/ bie man tjerbrennt, üerglic^en »erben. SlUein ber ur» 
fprünglic^e Sinn ber gabel iji bennoc^ ein anberer, tt)aö man gewo^nlid) 
überfielt. 

1) «Unb t)erge^re bie Bebembea Libanon l'' ein une^tec 3ufa(. 



M Srfte $rriobr* Sßon SRofe m jut ©tunbung, M Jtitiigt^uma* 

!X){e 9iebe bed !Domf)rau$^ ifl burc^aud nk^t jpxafflvxi", toit bei 
neufle 9(ud(eger be^ Su(^d bei ätid^ter meint; benn er ifl inber Zf)at ein 
fe^r guter S3ef(^u^er ber 9&ume unb SBeinberge unb n)irb be^l^a(6 no(^ 
je^t n>ie in alter 3«it t)iel ju ^erfen »erwanbt; logl. 3ef» 5, 5» 3" 
erinnern ifi nuc^ an bie gcrbel bei Ävianus, m bie fc^Ianfe Spanne mit 
il^rer @(^dn^eit fid^ gegen ben fiarren f)ru))p{gen SDornßraud^ brüflet itnb 
Unterer, aße SSorjüge jugebenb, il^r erwiebert; 

lylDod^; f)avit einfl bit ^ertli(|e ©lieber bie brol^enbe fXxt ah, 
D Yo'it toitfl bu aUbann toünf^en bet IDotnen ®ef!( ! ^ 

2)aju lommt, baf ber in unfrer gabel gemeinte ©tec^born ("fün), ber 
befonber« in Serien unb Slgljpten tt>ä(^(i , burd)au5 fein f o' Heiner 
©trauc^ iji, fonbern wol^I 10 bid 15 guß l^oc^ tt)irb^ iDennod^ Deu 
fprici^t er ben Säumen nic^t «.©chatten" im eigentlid^en ©inn )u geben, 
WieSert^eau meint unb ed bal^er für 5ßral^Ierei erHdrt, üielme^r fielet 
biep S3ilb ganj gewo^ntld^, felbji in iprofaifc^er Siebe, für r®^u$^, 
unb ben fann ber !Dornftrauc^ aderbingd n^eit beper gen)d^ren/ atö ieber 
anbre ©traud^ ober S3aum, 

3)ie gabel 3otamd, in ber wir ba^ ältefie Seifpiel öon l^ebrÄif(^er 
8e^rbi(fttuwg befl^en, entjinnb unftreitig in einer 3eit, bie üur Sinffil^^ 
rung ber ^önigd^errfc^nft ^inbrängte; benn fie jeigt fott)ol^( bad 
SBefen be$ Jtönigtl^umd, aU auc^ bie 9lotn)enbigfeit 
beffelben» 3öraet felbji ifi eine eble jarte ?ßflanje, bie bed fc^ü^enben 
2)ornfliau(l^d gegen bie 8(nfed^tungen i[>on allen Seiten beba'rf fo gut ttrfe 
ein Delbaum, Feigenbaum unb 993etnflodf* !Die Aönig^wurbe felbfl aber 
erfi^eint bem freiftnnigen ^ebräifc^en 9I(tertl^ume a(d eine fatte, fruc^t« 
unb freublofe SBürbe , bie , fobalb fie i^rer Slufgabe »irflic^ entfprec^en 
\r>\ü, nur für Slnbere ba fein muß* ©ie muß auperbem einen fJrengen, 
garten S^arafter I)aben/ um bem Unrecht ju fleuern unb bem Siechte ®e(« 
tung JU t?erfd^affen, unb biefe jtt)lngenbe unb jugleic^ f(^fl^enbe «^firte 
brüdt ba« S3ilb t>om ©tet^born t) ortreff (ic!^ au«. Sr fetbp l^eipt ber (Stv* 
mologie nad^: ber\^arte* 2)a6 geirer, ttjomit ber 35ornbufcl^ bro^t, 
brücf t über^au))t nur bie fc^neüfle 9lrt ber Vernichtung aud , tok fie bei 
einem Saume auc^ bie näc^fle unb natfirüc^fte ifi. 

!Der l^ebrdifc^en 93o(fön)eidl^eit erf^ien alfo nac^ unfrer gäbet ba« 
«ftonigt^um a(6 ein notwenbiged Übel: eine.9lnft(^t/ bie man 
bei ber burd^aud bemofratifd^en SSerfapung bed Solle« natürlich finben 
»>trb. — 



^ G. IDif Seit ber Sinter* 3tfta unb Simfon. '97 

!Dte att$fül^r({(^e @r)il^(ttng fiber Sefta^ bm ®i(eab{ter, ben feine 
Siüber atö ben ©ol^n einer 93u^(e(in aud bem SBaterl^aufe vertrieben 
Ratten nnb ber bedl^db ein äiciuberl^auptmann würbe / bann aber, }um 
Slnfü^rer bed ofliorbanifd^en SSolfd erwd^It/ bie ^(mmoniter fo nac^« 
brucfüc^ fcblug: biefe @rji^(ung entölt feine einjige )>oetifc^e $robe; 
nid)t bad SubeUieb, bad nac^ jt. 11, 34 ttnfheitig bie nng(u(fli(^e 
Zoäjttx fang/ a(d {te mit $aufen unb 9teigentdn)en bem SSater entgegen 
)0g, au(^ nid^t bad^(age(ieb/ bad fiemit i^ren ®efpie(en t)or il^rer£)pfe« 
mng auf ben 93ergen wirb angeßimmt l^aben unb bad i^r }u (Sl^ren 
fpater wo^I bie Zoäjkx 3«raefö fangen , wenn jie atfifil^rlid^ , wie e« 
@itte warb/ l^ingiengen, um 4 S^age lang bie S^oc^ter 3eftad ju 
preifen*)* 

2)ie erfien fieberen ©puren wirTHc^er SSolMbici^tung treffen wir erfi 
wieber bei © i ra f o n an. dtidfU 13—16. 

2)ie ©efc^i^te biefeö l^umorißifc^en gelben / ber mit ben SBaffen 
feinet SBSifteö unb feiner riefenmoßigen 8eibeögewalt bem 2Jo(fe ber ^Jßf^U 
lifler fo empftnblic^e ©treibe fpielte, gel^ort gu ben unter^altenbjien unb 
ergi^li(i^f}en bed 9(lten S^ef^amentd. @r ifl ber «^aupt^elb bed fleinen 
Stammet ^än, ber fein ®.ebiet föbwefilic^, in ber unmittelbaren 9IA^e 
ber $l^ilifler l^atte» 2)iefer SSoIMfiamm/ ber von Äreto ^er eingewanbert 
war unb urfpriinglid^ ben fäbüc^en ^äftenßri^ am ÜRittelmeer inne 
l^atte^ fud^te gegen bad @nbe ber 9ti^terjeit l^in ftc^ weiter audjubreiten 
unb be^errfc^te über ^unbert 3a^rc lang einen großen S^^eil ber 36rae* 
Htm, m1)m if)mn bie äQaffen ab unb bulbete untgr i^nen feinen Sifen« 
fc^mieb; bie Sldergerdte/ bie fte brauci^ten , mußten fie in ben pl(^ilifldi^ 
fd^en ©tdbten fd^drfen laßen ^). 9iaäj langen Jtimpfen gelang ed erft 
3)a))ib , biefe $lbl^Angigfeit bauernb }u brechen* 2>ie SBolf^erjA^tungen 
t)on p^ilifidif^en SRiefen, t)ott einem 3ed b i mit feiner breil^unbert ißfunb 
fc^weren 8anje, t)on'®oliat, t)on©af, t>on bem langen SWanne mit 
24 gingern unb S^^tn^), beweifen beutlid^ genug, wie furd^tbar biefe 
$einbe ben 3^raeliten erfd^ienen* 

9(n ber ©pi^e ber patriotifc^en «gelben, bie bennoc^ ben itampf mit 
ben {riegerif(^en unb wo^tgeräfieten $^ilif)ern ni(^t fd^euen, ja ))ietmebr 
bei ieber ®elegett^eit mit il^nen ansubinben fud^en, fle^t ©imfon unb 
erf(^eint ald ber größte aller Stifter. C^ne ein 93olf6^eer anjufu^ren. 



1) 8li«t. 11, 39f* 

2) i €anu 13, 19— :iU 

3) % ^am, 21, 15 f* 

Oef<^. b. ißott. fRationaUtt. b. ^e6r. 



98 <5rflf Verlobe* SSon SRofe iid jut ®runbung M ASnlgt^umd. 

ja ol^ne an ber Spille etned etnjelnen @tammed ju fiel^en, tvagt et ganj 
allein ben Äampf aufjune^men, (dalagt mit eigner gaufi bie gelnbe, t>ef* 
n)äßet i^te gelber, teipt i^r^ geßungdt^ore um unb trägt fte fort, unb 
fetbfl nocfe fierbenb tobtet er S^aufenbe^ ©o repräfentirt ©imfon am 
beuttid^fien bie l^eroifc^e ßut, baö eigentliche 9littertf)um ber Slid^ter* 
perlobe, wobei fogar bie 8iebe fcl)on eine toefentlic^e SloDe fpielt* 

3ugleid^ ^at feine Oefc^ic^te baö Sigent^umlic^e, bap er bie ^1)\IU 
fier uid^t eigentlich alö 5ftationalfeinbe befdmpft, fonbern nur perfön« 
lid^e 93eleibigungen an i^nen rdd^t/ n>eöl)alb er auc^ nic^t an ber @pi^e 
feined ©tammeö fie befriegt, fonbern ganj allein wie ein redjter 
aiaufbolb unb Sifenfreper ben Äompf mit it)nen aufnimmt^ ©ie müpen 
i^m 8lntap geben unb bann freut er jic^ ungemein, bap er nun ®runb 
ju ^dübeln f)aU @d liegt barin eine Strt t)on ritteilicl)er Sl^ren^aftigfeit, 
bie md)t ro^ unb witlfürlid^ auf ben ®egner nur loöfcl)Icigt. 6ö i|i me^r 
ein Äampf um ben ^ßreiö ber ©tfirfe, ein gegenfeitigeö SKeßen, ein mut« 
williget 9?erfen, \>a^ fid^ t)on t>er fcul^eren friegerifd^en SBilb^eit unb ber 
l^interliftigen SSertilgungöwut eineö (Sl^ub unb Ruberer fel^r merHid^ 
unterfc^eibet, unb eine fortgefd^rittene, bem l^eroifc!)en JRittert^um t)ers 
wanbte Silbung beurfunbet. ^nii) bie SSolföpoefte erfc^eint l^ier auf 
einer weit entwidetteren ©tufe , alö frul^er unb l^at in i^rem gieblingö« 
l&elben ben @eiji biefer romantifcft ritterlichen 5ßeriobe aufd anfdbaulic^fie 
unb bortreffiid^fie abgefpiegelt* 

3)iegrage, ob ©imfon eine ^ifiorifd^e ?Perfon gewefen, intereffirt 
und ^ier wenig, obtvol^l eö an fid^ fe^r glaubhaft ifi* 3n ber SSolK* 
p^antafte aber Ibat biefer abenteuerliche .^elb balb eine ibeale ©eflalt 
erl^alten; Wlan gab bie l^ijiorifc^e ®runbtage tl^eilö auf, t^eifö erwei« 
terte man fie, unb {onnte fo bie ganje Stid^tung, ben ®eif} unb bie 
©timmung jened 3Ä^tl[^unbert6 ^ier mit einer Streue unb SBal^r^eit nie« 
berlegen, wie fie eine eigentlid^e ©efc^id^te, eine ganje 3iei^e fogenannter 
beglaubigter S^^atfad^en niemals erreid^t l^aben würbe* 

iDie rein bidjterifv^c ©efloltung ber ©imfon6*@age erfennt man 
junäd^fl an ber abgerunbeten, epifc^en gorm, an ber funftterifc^en ${n« 
orbnung , in ber feine 2;i^aten aufgefülj^rt werben* ©obann werben fte 
jebeömal moti)>irt; feine fle^t abgeripen ba. Sticht wie ein el^rlofet 
Siiuber unb äBegelagerer äberfdllt er au^ bem «^interl^alt bie $^iti« 
fier, fonbern rfic^t ft^ nur, wenn fte il^»t beleibigt l^aben* 3)iefer 3lnlaf 
fommt i^m aber burc^ brei pl^ilifidifd^e Sßeiber, bie er nac^ ein» 
anber liebt unb t)on benen bie le^te, 3)elila, feinen tragifd^en Untergang 
herbeiführt*/ fDiefe eigent^ümli^e Sage, bap fein ^er} ftd^ befidnbig 



G. SAt Seit ber Stid^ttt. S>lt eimfondfage« 9§ 

an bie Xid^tet ber SRationalfeinbe ^dngt unb baburc^ ritte Steige 9on 
^odiftonen l^eibeifu^rt, Ijat )>on \>orn herein ttxoa^ fel^r $oetif(^e6 itnb 
erinnert an fpdtere romantifc^e !Dic^tungfn unferd 3Rittela(terd* 

3« bea<^tcn iji babei ber Umfianb, baß gerabe 12 gufammen« 
^ängenbe Slbenteuer t>on 6imfon aufgeführt toerben. €obann ftnben 
gd} in biefen (Srjä^Iungen fo ja^treid^ SBcrfe ober t)ielme^r Heine ®tro* 
p^en eingefügt/ baß man an einer alten / bi(i^terif<i^en iDarßeQung ber 
Simfond ' @age nid^t n)o^I jtDeifein fanm @d xoat unflreitig-ein S^Hud 
romanjenartiger ©ebic^te , n)e(^e bie 12 Abenteuer @imfond befangen, 
v^on benen aber nur ber allgemeine Stoff, in ^)rofaif(^e Srjd^Iungen auf* 
gelofl/ fti^ erl^alten l^at: fei ed, baß bie Sieber )ur 3^^^ bed Sammler^ 
nur noc^ in 93rud}fiüden ))or^anben toax^n, ober baß er felbfl erfi bie 
3luf(öfung ber poetifc^en gorm tjornal^m» 3)fe Slbenteuer jtnb fol* 
genbe : 

®eboren ju 3ora/ in ber Sfad^barfc^aft ber ^P^iüjler, trieb ber 
®elji ©otteö, n>ie ed I;eißt, ben jungen 9Wann na^ Siimna (ober 3;im« 
nata, Jeftt Jibne) §n ge^en, roofelbfl er fic^ in eine ber $f)ilijier«2;ßc^ter 
\jerliebte unb (ie oon feinen ßltern jur grau begehrte. Die SSorfieDungen 
ber SItern, boc^ ein iöraelitifc^ed SBeib au nel^men, frud^ten nid^td» @r 
erltdrt bem ißater furj: „biefe nimm mir, benn fle gefällt meinen ?lu« 
gen/ @o mäßen bie Sltern eimvilligen, nic^t »ißenb, baß e« t)Ott ®ott 
fam, ber nur ©clegen^eit fuc^te an ben ^^ilifiern, bie bamalö über 36* 
rael ^errf(i^ten. 

993ie er nun gen3!imna sielet, um feine 98erbung ))or jubringen, 
))oUfä]^rt er feine er fle Zf^ati ol(^ne SSaffen in ber <^anb ju l^aben, jers 
reißt er einen jungen Sötoen , ber tl^m entgegen brüllte, wie man ein 
93o(flein gerreißt; fagte aber feinen @ltern nic^t, mad er getl^an* SSie 
et bann fpAter }ur «^od^jeit reifie, fanb er unterwegs in bem ®nippc beö 
Sowen einen Sienenf(^n>arm, nal^m ben «^ontg aud itnb genoß bat)on 
imi£Beitergel(^en, gdb auc^ feinen @ltern ba))oi(ro^ne ju oerraten, wo« 
l^er er il^n genommen. iDiefer SSorfaO gab i^m fobann Einlaß, ben 
30 gelabenen ©efeHen, bie feine ^o^jeit mitfeierten, ein Sidtfel auf* 
jugeben unb einen $reid für bie Sifung au6)ufe$en. S&enn fie ed inner« 
l^alb ber 7 Xage bed gefieö entrfitfeln Mnnten , foHten fie 30 feine 
«^emben unb ebenfo t)iele geierfkiber erl^alten, wenn nic^t, fo follten fie 
benfelben 5Prei6 an ©imfon jal^len» 

!Dad 9t5tfet t|i in feiner poetifc^en gorm erl^alten ; ed ifl r^^t^mifc^ 
fel^r regelmäßig gemeßea unb \)ai Alliteration , bie wie ber 9ieim in ber 

7* 



100 Srjle $friobr. SSon SRofe 6tö }ur ©runbund bf« Jt^ntgt^um«. 

ftebrdifcftcn Jßoefte ein (SIement bilbet/ nur fein l^errfci^enbeö wie In ben 
a(tnorbif(^en unb altgetmanif^en Siebern« Dad Sifitfel (autet : 

$(ud bem ©peifer 
®teitg (Streife l^ettjot; 
Unb ani bem <Sauten 
®teng ©üf ed ^ett)or« 

!Die Srage: „xoa^ ijibaö?" fe^lt l^ier ebenfo n)ie ßettjö^nlic^ in unfern 
gereimten SBolfördtfeln, bie uberl^aupt bem obigen t)ielfa(^ d^nlic^ 
ftnb. — Sflö bie ©efeUeu baö JRätfel nid^t ^ernu^bringeu/ \?eranlafen 
fte burc^ JDrol^ungen bie junge grau , i^rem ®atten. bie ?fuf(6fung ju 
entlorfen unb it;nen ju t^erraten. (Die 8(ntn)ort ber ©efellen ifi fel^r 
l^übfcl^ unb mit einem feinen S33ortfj)ieIe in eine neue Slfitfelfrage ge^ 
fleibet. 8[m jtebenten Sage, el^e bie Sonne untergieng, fprac^en fte ju 
©imfon : 

SS^ad ifl fu^er 
^U $omg«®etm? 
Unb toai faurer 
9««bctfiö»c? 

©imfon erfennt fofort bie 93errdterei^) unb erflfirt in einem gereimten 
®))ru(^e : 

^äitet mein Stalb 
3l^t tttd^t ongefpannt, 
®o l^&ttet il^r ntd^t 
aWein Sldtfer erfannt*). 

5)abur(l^ befommt ©imfon nun Seranlapung ju feiner j weiten gelben* 
t^at. dt gel^t nac^ Slöfalon, erfdjldgt 30 ^P^ilifier, nimmt i^nen bie 
geierfWbn ab unb gibt fie ben 30 ©efeKen unb t)erldf t t)oD Unmut feine 
grau* — SIW er na^ einiger 3^it Ju i^r jurüdfelj^rt unb i^r ein 3iegen« 
böcflein a(d ®efc^en{ mitbringt , i^ fte bereite mit (Sin^iOigung i^red 
gSaterd an einen «nbern tjerl^eiratet. ;,3c^ meinte, bu mßt^tefl fte nlc^t 
unb gab. fie beinem ©efd^rten/ aber ©imfon erwiebert: 

^iepmal Bin iä} fci^ulblod an ben $l^i(ifleni, ^ 

SEBenn i^ il^nen Übled tl^ue* 

(Sr rd(^t fi(^ bur(^ eine britte S^at, inbem er 300 güd^fe fdngtunb 
mit geuerbrdnben t)erfel^n in bie reifen ©aatfelber unb ©drten bcr 5B^i* 



1) ^tgentlid^: aui bem ©rimmigen, ©vaufamen* 

2) ^aä) 3ore))^ud (Rrd^dolog. 5; 8 foU et an ben Uiitn^}pxn^ anfn&))fenb geroßt 
l^aben: i^Sügt no(^ l^ingu: 9Q3a« i|l falfc^er, aU ein SBeib?'' 

3) «ffiörtltdj :„a®enn il^t nid^t ö«Pff«9t f)CitUt mit meinem iealbf , fo l^dttct il^r 
mein dt^t^el nid^t aufgefunben.'' 



Hfler ia^U 2)iefe jüd^tlgen nun ben ©(^»iegenjater ©imfond für ben 
Sd^aben , ben er burc^ feine €(^u{b angefliftet unb t)etbtennen i^n mit* 
fammt feinet Zod^in. i>a\>md) fü^U {tc^ ®imfon aufd 9{eue fc^wet ber« 
(e$t unb rid^tet ))iertend unter ben ^^ilifiern eine gewaltige 9{ieber< 
(age aU/ flfid^tet ftc^ bann aber nac^ 3uba unb tvol^nt in einer S^idHuft* 
— 3nbed riirfen bie ^^iKfler gegen \f)\x auö unb t)erlangen feine Sfud« 
lieferung , tt)orauf 3000 tjom Stamme 3uba gegen i^n jielj^en unb il^n 
gebunben ben $^i(if}ern übergeben* SBie biefe aber bei bem Ort Sec^i 
i^m entgegenjlau(i^sen ; ba fommt ber ®eifl über i^n unb et jerrei^t 
ffinf tend bie neuen ©triefe/ mit benen er gebunben war, wie gdbeu/ 
bie ))erbtannt finb am $euer* (Sin frifc^er (SfeldfinnbarfeU/ ben er auf« 
greift, bient i^m fofort af« Sffiaffe/ mit ber er feine fec^fie ^elbentl^at 
audfu^rt, inbem et 1000 $^i(if)er bamit erfc^Mgt. ^ier ftnbet ftc^ n>ie« 
ber ein )>o(fdtpm(id)er Spruch mit wi^igen Scrtfpielen. ©imfon felbft 
feiert ben Sieg inbem er fingt : 

mt bem !8 a(f en bed $a(fefeld; 

SRit bem ^ a (f eil bed $ a (f efeU 
drf^lttg i4 taufenb fDiann* 

2)ad fflort chamAr, @fel (eig. SafitrAger) bebeutet jugleid^ Raufen, 
nmd burd) $ a cf (^l^iKfierpacf) nac^gebilbet ifl. 3u beachten ift no(^, 
baf ber Drt8e(^i, tt)o Simfon ausgeliefert wirb, Warfen, Äinn* 
baden bebeutet unb n)ol^( nacf) einer gelSHippe benannt werben war. 
^araOelen }u folc^en Sagen gibt ed überall« ^laij unfrer @rjd^Iung 
erl^ielt ber Drt erfl bamal6 ben 9?amen/ weil ©imfon ben Gfeldlinn* 
baden bort Einwarf, alfo gan} wie in unfern beutfc^en Siiefenfagen* 

9tad) bem l^eifen Jlam)>fe ifl Simfon nal^e am SSerburflen. !Da 
betet er )u ©Ott : 

^ ^ojl gegeben in bie ^anb beined Wiener« 
S)i(feit @teg, ben gtofen: 
Unb nun foQ xä} fierSen l^ter t)or 2>nr{i 
Unb faUen in bie ^anb ber Unbef<^nittenen. 

SIIS fiebented (SreigniS wirb berichtet/ Wie ®ott bief ®ebet@imfond 
erl^ort unb aud ber Vertiefung bed Atnnbadend einen Duell frif(^en 
aßaperd ^erborfprubeln Idpt. iDie Duelle bei Sec^i ^ie^ bal^er: ^bie 
Duelle beö Sluferd/ e« ftnb bieß beutlic^ et^mologiftj^e Sagen, 
wie fie aud^ im $entateuc^ fc^r gewö^nlic^ jtnb. 

Da Stmfon feine erfte grau t)erloren f)at unb i^m bie ^pi^ilifler« 
töc^ter bo(^ überaus wo^l gefallen, fo fepelt i^n fp&ter in @aia eine 



Sul^Iertn. 9Bie er aber bie SRad^t bei tl^r aubrmgt , bef(^Iief en bie 9üc« 
ger^ il^n. am 9)?orgen umjiibringen imb lauern t^m auf am S^l^ore. 2)0$ 
er fu^rt barauf feine ac^te %f)at an^, ))er(dpt um SRitternac^t bie 6tabt 
unb nimmt bad ganje Si^or mitfammt ben $fof}en unb SlAfl^In auf feine 
@({)ultern unb trAgt e^ it)ettn>eg auf einen S3erg "oct «^ebron. 

^ 3um britten üRale enblid) Hebte er eine ?p^ilifierin , Delila, bie 
im S^ale ©orel wol^nte. ?ln biefe wenben ftd) bie gürfien ber 5ß^i[ifter 
unb üerfpred^en i^r reiti^lid^en %o^n, mnn fie bem Simfon ba« ®e^eim* 
ni^ feiner übermenfcl^(i(^en €tärfe imb Unbeftegbarfeit ablaufc^e unb 
i^nen ))errate* ^Dreimal tAuf(^t er feine ®e(iebte/ inbem er mit )Der« 
f^iebencn neuen @tri(fen gutmütig ftd^ biuben unb enblic^ fogar feine 
mit ®arnfdben bur(^fIo(i^tenen <^aar(o(fen feßuageln l&ft^ unb (egt fo 
brei neue groben feiner @tärfe/ bie neunte^ geinte uub elfte ab* 
S3{e fte i^n ndmli^ auf bie $robe {teOt unb ruft : »©imfon ; $^ilißet 
über bir!"" fo jerreipt er jebedmal ade Sanben n)ie jarte gAben, ^toie 
man eine ©c^nur t>cn SBerg jerreipt, »enn jte geuer ried)t/ 

$I(d er bann aber ben bringenben 93itten bed treulofen SBeibed nid^t 
xoiUx9tf)t, inbem fte il^n aQe Sage plagte unb ^feine @ee(e ungebuibig 
tt)urbe bid auf ben lob/ uub er l^r fein ganjeö ^erj entberft, baß er 
nAm(i(^ t)om 9Rutterf(^oof an ein @ottgen)ei()ter unb allein burc^ fein 
ungefc^orened ^aar fo unübern>inb(i(^ fei^ ba oerrät fte il^n ben $^i(i« 
fiern. Sie f(^Ififert il^n ein auf ibren Änien unb fd^neibet il^m bie 
7 3*Pf^ f^'n^^ ^aupted ab, toorauf bie ©tfirfe fofort oon i^m toeid^t» 
2)ie $^i(if}er ergreifen i^n, fied^en il^m bie Singen aud, führen i^ in 
Jtetten fort unb mad^en i^n )um 9Ru^lfcla)>en. 3nbe6 begann fein ^aar 
wieber ju »ac^fen» — 

2)ie Iß^ilifier aber feierten ein greubenfeß unb brachten Dpfer i^rem 
®otte 2>agon, ber enbli(^ il^ren Sobfeinb @imfon in \f)ie ^anb gege^i 
ben. !Da fangen bie $ürflen ben gereimten SBerd : äiic^t. 16, 23 f« 

i,(Si 0aB unfet ®oti in unfte ^anb 
IDen ®imfon/ unfern geinb*' 

@benfo fang ba6 gange $^ilif}en)ölf/ inbem bad obige Sieb ein paar 
»eitere 3rfl^n erl^ielt: 

„(S9 gab unfet ®ott in unfte {^anb 
Unferen Seinb ber vettoöfiet bad Sanb, 
Unb a3iele »on und gum Xcbe gefanbi.'' 

Simfon felbfl ttirb gum !Dagontempel gefül^rt unb muß bie fß^ilißet 
burd^ Spiel unb 2;an) belufligen. !Da fielet er gu ®ott nod^ einmal um 
©tlrfung, auf bap er Stacke nel^men f önne : 



G. ^if 3rit brr fRid^ttx. S>\t itoö(f Vbrntrurr e<mfon«. 108 

£) mrrf e mi(( bo*d^ 
Unb {lärfe mi^ boc^ 
9luv biepmal nodj^/ 
£) bU; mein ® ott ! 
^amit t4^ nel^me 
$iuf einmal bie fftaä^t 
%üx meine gta>ei Singen 
9ln ben $^iUfleni ! 

@o t^oQbringt et benn feine )n)o(f te unb g(än)enbf)e 3!^/ bie et abet 
mit bem Seben bejal^Ien mup. „66 ßerbe meine @ee(e mit ben $l()ili* 
ßetnl^ ruft et aud unb rei^t mit SRac^t bie @äu(eu be6 2:em))e(0 um^ 
fo bap bie batin t)etfamme(ten 3000 $^i(if)et i^ten Untergang finben 
unb @imfon/ voie e6 j^eipt, bei feinem S^obe i^tet me^re tibtete^ al6 bei 
feinem geben. — 

2)ie ä^nlic^Teit bet ^elbent^aten @imfon6 mit benen be6 griec^i« 
f<^en unb p^önififd^en .^erfuled liegt fo flar am S^age, bap felbft fel(ft 
^tengglAubige Sludteget/ n)ie^aifet/ fie augeben, babei abet )u bem 
t>er)n)eifelten S(u6funft6mitte( gtcifen, )u behaupten, €tmfon l^abe biefe 
^etfuiifc^en 3;^aten blop be6()alb "ooübtadit, um ben )>^iltf)äif^en J^tx* 
UM f^Pematif«^ ju petftfliten ! *) — 5)abei iji bie 3tt)^lfja^l bet 
Sltbeiten geiDip ni<l^t )uf&Qig ; fie felbf} abet finben nut in bet Statut bet 
9}oIf6fage uberl^au))t ilS^re genügenbe @rfi&rung. 

9Bie @imfon6 erjie Ül^at/ fo befielet auc^ bie erfle bet fogenannten 
12 ^tbeiten be6 «^etfuled in bet @tn>utgung bed nem&ifc^en iototn, 
beffen «^aut n>ebet Sifen, nod) €tein, noc^ ubet^aupt eine SBafe t>et* 
tDunben fonnte« — !Dem @infangen bet 300 gütl^fe enifpric^t, n>ie 
^erfuied ben fc^nellen «^irf^ ber '3)iana mit golbenem @mtU}, ben fte« 
tenftfc^en 6tiet unb ben ett^mant^if(^en @bet (ebenbig erjagt unb einbringt. 
3ug(et(^ l^aben no(^ anbte Sagen unb @itten auf biefe feltfame @t)&l^> 
(ung Sinßup geübt. (S6 würben ). 93« an ben tomifc^en Sereaiien 
Süc^fe mit aufgebunbenen Seuerbtcinben Io6ge(apen* $(u(^ bei Ovid*) 
^tibet fid) eine merfn)ürb{ge parallele l^ieju. 6treng gef(^ic^t(i(^ iß 
ber 6(^n)anf gemip nic^t ju t>erfie^n , fonbern beruht auf einem m^t^i« 
f(^en/ ie^t nic^t mel(^r beutlic^ )u ermitteinben <g)intergrunbe. — SEBie 
©imfon ferner 1000 5}^ilifier erfc^Iug, fo erlegte auc^ ^ecfuled ben 
Jtönig ber äRtn^er unb fein ganjed <^eer, kDobei ber (Sfel^finnbacfen ber 
bleute be6 ^erluled entfpri(^t* — 3^ ber 7. ZJ)ai, toit @ imfon 6 



1) hälfet; Commentar. in priora Genes. capilSi p. 188 ff. 

2) Ovidinbengajlen, IV, 681 |f. 



104 (Srfie ^rviobe» äJoit SRofc f>i9 jur ®ritnbung brS Jtinigtl^umd. 

® ebct erl&ßrt Wirb, ifi )u löergld^en, tote ^erfuled/ bcr iiterl&oupt We 
® Otter c^rtc, cfnji t>on ©rillen fle^)laflt, ju ben ®6ttern betete, biefe 
SRu^eftorer »egjufc^affen, worauf fte für afle 3^it awd ber ©egenb ("oon 
Sll^egium unb fiofri) »erfc^njanben» gerner entfpri(^t, wie an berÄüfie 
x^an (gicitien bie ^vxp^cn, um t^u )u (aben, warme DueOen entfprin«> 
gen liefen , unb wie ein anber 3Ra( ein 9ßibbec bem Durftenben einen 
ffiaperquell im iSanbe auffc^arrte» ^) — 

(Sine t^öQige 9la(^bi(bung ber ^erfule^fage iß bad 8* $(benteuer, 
wie @imfon bad gef)ung6tl^or-))on ®a)a mit beiben ^foflen auf 
einen 93erg t)or ^ebron tr> ed ifl biefelbe ®ef(^i(^te, wie .^erfuled 
an ber 9Reerenge jwifd^en Suropa unb 9(friTa, auf ben )wei gejfenubers 
Uegenben Sergen bie ^wei Sdulen erridjtet, wonadb bie Serge felbfl bann 
bie@dulen bed ^ er! u(e$'genat\nt würben« $inbar nennt fie : bie 
3:^ore)>on®abe0, (eig* @abira; bod^ ifi ®abe6 bie urfprüngUc^e 
gorm, bal^er Sab ix.)^) — 3^ ber Sage, wie ©imfon 4 mal bie ©trirfe 
}erreipt, mit benen er gebunben wirb, ftnbet fi(^ )>ienei(^t ein 9lnf(ang 
barin, baß ein fe^r fefier, boppelt gejogener Änoten, ben man aW äJor» 
(egefc^Ioß gebrauchte, ein^erfuledfnoten, nodus Herculis fj{e$. 9(u^ 
ber Srautgärtel mußte bei ben 9i6mern )um 3^^^^^^ ber geftigfeit mit 
biefem itnoten gefnApft fein* 3nbed Hegt bieß t>ieUeid^t )u fern unb foU 
Uli bamit bloß allgemeine Kraftproben angegeben werben* Deutlich aber 
entfpri(()t ber freiwillige gtammeutob bed .^erfuled auf bem Deta, ber 
alleö Srbifc^e an il^m ^zxtl&xt unb il|)n ben ®öttern jugefeßt, bem felbji* 
gewäl^lten S^obe @imfond, ber ebenfalls ben ^iriumpl^ feinet Sebend be« 
jeic^net* IDabei liegt eine weitere Sl^nlid^feit barin, boß beibe^eroen 
unb gelben, bie ben SBeibern fe^r ergeben {Inb, enblid^ burc^ i^re Sßeiber 
untergeben, wobei )wifc^en D e t i t a unb 2) ei a n ir a )>iellei(^t fogar eine 
urfpränglid^e 9Iamendoerwanbtf(^aft ftatt fanb* 

2)er ganje ©agenfreie t>on ^trluled, feinen S33anberungen unb 
Saaten ift wa^rfc^einlic^ pl&önilifc^en (tijrifc^en) Urfprungd unb mit 
)){elen anbern äRi^tl^en frä^ nac^ ©riedb^ntanb oerpflanjt worben. Sbenfo 
erhielten bie ^ebrder biefe unb ä^nlid^e ©agen ))on ben benachbarten 
$^6nifen unb l^aben fte auf il^re äBeife wie bi^ ©riechen umgebilbet unb 
lofaliftrt, wobei freiließ iebe Srinnerung an eine urfprungtic^ mt^t^ifc^e 
93ebeutung biefer ®efc^ic^ten fc^on bem dltefien Srjd^ler gdnjlic^ ent« 
fd^wunben gewefen fein muß. 2)ie SSolf^p^antafte fc^mücfte mit ben 



1) $gl. Diod. Sic. 4, 22 f. 

2) Sß^U Diod. Sic. 4, ]8. Strabo, 3, 5. 



G. 5>\e Seit brr md^tn. 3)ie 12 %itnitmx ®imfon«« 105 

fremben 2){c^terfarben il^iren l^eimifc^en Sie({ing6l^e(ben au6 , too6ei betti 
jQtix&tx, feiner gangen @innedart gemäp , bad urfptäng(i(^ 9}aturm);« 
t^if(^e in ein rein ®t\iji^tlld)t^ unb S^^atf&c^Iic^ed {t(^ t)eTn)anbeln 
mupte. 

@imfon ifi fein Sonnengott/ {ein €onnenl^eIb/ toitman 
nadj ber irrigen Ableitung feinet 9{amend ))on u3^*23 ® onne mol^I ge« 
meint ^at^ 3la<S) 3ofep^uö*) bebeutet ber 9lanie loxvqogy ber Star fe, 
^ r & f t i g e / alfo tt)ie .^erfuled bei ben ©riechen ebenfalls urfprunglic^ 
Akxaiogy ber ©tarle ^ief, unb biefe (Stijmologie liegt im «^ebrdifc^en 
nod^ ganj tjeutlic^ üor^*) ©imfon bejeid^net einen taj)fern, fiarfen ©trel* 
ter (t)gL äRaffabäer) unb modjU bann eitlem «Reiben ber 9ii(^ter)eit im 
»orjfigüc^ett ©inne beigelegt werben. 2)ie Sage unb bie eigentliche 
SSolfdbic^tung aber bilbete ^ieraud ein l^eroifc^ed äRufierbilb/ einen ibea« 
(en gelben, ber mit unbeugfamem ^nte^ mit bem J^öd^flen £raftgeful^( 
unb aud eigenßem eintriebe bie größten Mmp^t )um 93eßen feined 93 o(« 
U^ audfü^rte. Sin einen gef(^i(^tli(^en Stein f)ahen ft^ atfo m^t^ifc^e 
ober fagen^afte Elemente angelehnt. @imfon \Durbe gewipermaf en ein 
JlolleIti))name, an ben ftc^ aQed 93ertt)anbte anfc^Iof toie Xiü @u(enf))ie« 
ge{/ Sauft unb anbreSIamen^ bie urfprüngHc^ toirflic^e ^erfonen bt» 
)ei(^neten/ bann aber Stepreifentanten unb Sirfiger einer ganjen ätitxiii' 
tung tDurben» Sgl. ©♦ 98, 

!Die l^ö^ere gottlid^e ^elbenfraft in @{mfon wirb )>on ber @age 
auf ec^t j^ebrdifd^e äBeife motioirt« @r ifl ))om äRutterfc^oope an ein 
®ottgett)eil^ter (ein 5ftafiräer) ^ we^l^alb nie ein ©c^eermeper fein 
i^aar berül^rt ^at. W\t bem langen .^aar aber ^exUnt er }ug(eic^ feine 
6tMe unb wirb befiegt. 2)iefer lefete «luffc^hif erfolgt gana rid^tig erft 
im Saufe ber ©efc^ic^te* 3)er fpatere Überarbeiter -beö S3uc^ö ber Slic^« 
ter/ ber bie alten SBoIfdfagen überl^aupt mit einem erbaulichen Elemente 
)>ergeifiigen woUtt, erjd^lt nun fc^on ^ap. 13 au^fuj^rlic^ / Wie bie 
9Rutter @imfon6 w&l^renb i^rer ©d^wangerfc^aft jic^ bed Sßeind unb 

1) Josephus, Archaeol. 5, 8, 4. 

7) 3)er Ißame ij! öietbu^fläblg , ein Cuabnliter/ »♦ yt^xo hmä) ffiteberl^olung be« 
erjlen SRabifal« jiaci^ bem gtöciteti -gebtlbet/ toie t)nnt JRcgengufi \>, t)nr jllegen, fhd« 
mtn, ab-)^ ClinfaSung)^^ nnä u^ f* to* 9lamtnt\{^ fontmt biefe Silbung, bie i(^ in 
i^ter organifd^en unb gefe^ltd^ett (Snttoicflung im ^emitifd^en an einem anbecnOcte 
nad^gitoiefen , bei Eigennamen »ielfad^ \)or* $gU mein l^ebtäifdbed Iffiutgelwdrtetbuc^ 
@* 648 f« ^ec einfädle 9lame '))s« be^ei^net fdbon ben® tarfeu/ ben !t& fügen 
Jtricget, miU 3, 29, toie ^sii^ 5Pf* 78, 31* 3ef. 10, 16* «gU Slef» 59, 10. 
Qbenfo bie (Steigerungafonn ivtttp obet toie bie 70« t^n audf^vadl^en : '\hviqp ^afnpoiv, 
Vulgata : S a m s n , eine Sorm tote oI>en Carcob u» f* uo* 



106 Srflc $eriobr. SSon äRofr m jur ©rfinbung bed JtBnigtl^umd« 

aUet beraiif(i^enben ©etränfe fo tt)ie aller unreinen ©peifen entsaften 
foUte, um fo atö reine SRutter ben flottgeweil^tcn ©ol^n ju gebdren» 

aSott ben fpdteren Seflimmunflen beö »afirdertl^umd (4 ÜRof» 6, 1 ff,) 
ijl freiließ im 8eben unb 2:rei6en ©imfonö fel^r wenig ju berfpüren; nur 
tnxdi fetneit langen .^aamuc^d l^dngt er bamit {ufammen. Sticht ein« 
mal ber ®enuß bed SBelnd wirb il^m unterfagt ; blof ber 9Rutter wirb 
er berboten, dj^nücb n)ie ber ^riefier im l^^eiligen 9(mte bed Sßein^ ftd^ 
enthalten foBte, *) So wenig ©imfon bal^er Slnfianb nimmt, eine Selche 
)u berühren unb fogar ben^^onig aud einer Seici^e geniest/ o^ne ftc^ 
nac^ ber (Sr)äl^(ung baburd^ verunreinigt ju fällen, (wie ed bad 9{aft« 
rdergefe^ audbruddd^ ))erlangte,) fo wirb er no(^ weit weniger be6 
Sßein^ ftc^ entl^alten l^aben unb tranf lebenfaK^ bei bem fiebentägigen 
^od^jeitdgelage (nn'ipö) rec^t tapfer mit. ^nd) fonji erf^eint er burd^s 
an$ nid^t al^ ein ^ufier "oon gntfagung, \)on fttt(i(I)er 9leinl;eit unb 
^römmigfeit ; )){e(mel^r bilben berbe ÜJIanne^fraft unb Sffieiberliebe bte 
©runbjüge feineö Sffiefenö. Scrtl^eau*) unb @walb^) fegen ein t)iel ju 
t^ol^ed ®ewi(^t auf bieg 9lafii&ntf)Vim ©imfon«. 3fi bod^ fdjon jeber 
3^raelit an ftc^, ald ®lieb ber ®emeinbe , bem 3a^t>e geweift unb wirb 
biep ganj befonberd no(^ bnrc^ ben 9(ft ber Sefd^neibung. ^de 9{alio» 
nal^elben, wie j. S. bie im !Deboraliebe, fmb t)on ®ott begeif)erte ^tU 
ben, ftnb ®otte6jireiter* 3)er 9?afiraer nun, ber in ganj befonberem 
©inne ®ott angel)6ren woUte , f onnte biep entweber errei(I)en wie ©a* 
mue(, ber jum 2)ienß bed «^eiügt^umd erjogen würbe, ober, wie ed 
unfireitig bei ben meinen 9?afiräern gefd)a]^, burc^ äl^f efe , burc^ gor^ 
berung beö eigenen flttlid)en Seben^. 5Rac^ biefen beiben ©eiten l^in war 
©imfon fein SJafuäer. @r war ein J^ü\> ®otteö wie 3ofua, S^ub, 
©(bamgarunb anbere; aHein ein I)6l[)ereö , propt)etif(^e0 unb et^if(^e6 
Siement tritt bei i^m )urucf unb bie ©age woDte biei au(^ nic^t an i^m 
|ien)or^eben, l^atte au^ wol^I bei ben fonft burc^ it)ren SBlIberbienji ubel 
berüchtigten Ijanlten feinen ®runb baju. — 

!Daö lange pl^antafiifd^e »g)aar wirb man {ebenfalls unferm gelben 
lapen müßen, ba eö ein «^auptmoment in feinem ?eben bitbet. So ifl 
fein S^alieman. SlUein \)ermuttid) I)Qtte ed urfprünglic^ eine etwa^ anbce 
Sebeutung o^er SSejie^ung, unb wurbt nur an ba$ ^ebrdifc^e 92aßr&er« 
tl^um angelehnt* / 



1) fflgl. 3 SKof, 10, 9. 

2) Seri^ean, bad ^ud^ ber Stid^ter ttttb 9tut erüari. 1845. €. 172. f. 

3) ewalb, ©efd&id&te ^ixatU, XL @. 401 ff. 



C. 3)if 3dt brt dliä^Uv. S)ie Simfondfage. 107 

3m 9(ngemeinen trugen bie f)tht&i\dicn Sunglinge lang ^txabxoaU 
lenbed ^aai unb ßu^ten ed mir t)on d^it )u 3eit. ^ @d n)ar and^ ein 
«^auptf^mud bed äSanned ; nur a(6 3^i^^n tiefer S^rauer fc^or man ed 
gan) ab«^; «&iufig {ommt ed bei üerfc^iebenen Sölferi^ a(6 ®e(übbe 
loor^ bad ^aar ju f(i)eeren ober tt)a(^fen ju la^en* @o gelobten bie 9(r$ 
git)er, baö ^aar nic^t el^er wieber »ac^fen ju laßen , biö jie Zi)\)xta er« 
obert l^citten«^) Serner l^eißt ed )7on gewißen arabifc^eu @tdmmen ber 
filteren 3^it in ben $(nmerfungen jur HamAsa p. 2 : ^993ann fie tttoa^ 
i^eillged t)or^atten, iJfJegten fie feine faure aKil^ ju bereiten, bie öutter 
nid^t abjufod^en, b. i. fte t)om gett nic^t ju reinigen unb voeber bad 
^aar, no(^ ben glaum auöjurupfen/ 

9(m frappantefien erinnert an Simfond ^aar bie €age ))om Adnig 
9Iifu6 in SKegara. 9(n bad golbene ober purpurfarbene j^aat biefed ^o» 
nigd »oar n&m(i(^ jugleid) fein unb feiner ätegierung Sc^idfal gebunben« 
!Durc^ feine treulofe S^oc^ter ))ei:(or er mit bem «^aare }uglei<^ Seben 
unb jReid». *) 

@nb(i(^ ftnbet fic^ in ben$erfu(ed«@agen gerfireut eiwa^ ^tlnW^n* 
li(^e«. 3)iobor*) erjdl^It t>on 3olauö/ bem Stiefbruber unb fieten ©e- 
fährten be6 ^ecfule^r ber eigentlich mit i^m @ind iß, baß alle 93en>o^« 
ner ber @tabt 9Ig)^rium in @ici(ien ibren «ßinbern t)on ©eburt an bad 
^aar, a(d bem 3o(aud gen^ei^t, n>a(^fen (aßen, bi^ ed il^nen gelungen 
fei, burd) foft&are Opfer ben ®ott ju t>erfö^nem Unb biefe Sitte fei fo 
i^eilig unb unt)erleft(ic^ , fagt er weiter, baß alle Äinber, für welche bieß 
Opfer nicbt gebrad)t werbe, bie Stimme ))erlieren unb wie tobt au^fel^en* 
©elobt aber^emanb nur, bad Opfer ju bringen, unb wei^t bem ©otte 
ein Unterpfanb beffelben, fo werben bieÄinber alöbalb wieber l^ergefiettt. 

SDtußten wir nun oben ben «^erfulcö^Sagen überhaupt einen gro« 
ßen Ginfluß auf bie ©efialtung ber Simfonö^Sage jugeftel^en, xt>a^ au(^ 
Gwalb entfc^ieben jugibt, fo wirb eö nidjt ju fü^n fein, auc^ biefen left» 
ten 3ug mft ben langwac^fenben paaren ald entlehnt unb bem l^ebräi« 
fd^en «l^elben nur angeeignet gu fäßen« @o erfi&rt/d ftd) einfad), wie er 
)um 9}afiräer geflempelt werben fonnte, fo wenig er fonfi auc^ einer ad« 
fetif(fyen ober prop^etifcben älic^tung gugetl^an ifi. 

2)ie Studbilbung biefed ©agenfreifed gel^ört unfireitig bem fleinen 

1) 9391,2 ©am. 14,26» 

2) $(mod 8, 10* 3er* 15, 2* m^. 1, 16* 

3) Herod. 1, 83. 

4) ApoIIod. 3, 15, 5. Ovid. Metam. 8, 6 ff. 

5) Diod. Sic. 4, 24. 



# > 



108 ßrflf $eriobr. SSon SRofe M gut ©runbmig be0 J^Snigtl^umd. 

Stamme 2) an )[in, ber ali ®tdn){}amm ibfeten ^ngrifnt ait^gefe^t toat; 
ober aud^ fonfi alö ta^>fer unb mutig gelobt h)itb, 3m Segen 3afo6d*) 
tt)irb t)on i^m, tt)o^I mit Sejiel^ung awf ©imfon, gefagt : 

^ S) a n ber toitb ridj^ten fein IBoIf 

SEDie trgenb einet bet stamme 3dtael0* 

Unb im ©egen SRofe-'d*) ^eift er ^efn junger ?6tt>e, ber l^erborfprfngt 
auö S3afan/ — 3)aö efnjfge Iiterarif^e2)enfmal, bte @imfon^*©age, 
bie wir "oon blefem ©tamme befifeeu/ erregt ben t^ortl&cif^aftePen Segriff 
^on ber poetif^en Begabung beffelbem grül^er SBerfe^r mit ben 5pi^6* 
ttifen unb ?P^ilifiern, ^anbel unb ©c^tfffa^rt ') muß l^ier aldbalb au(^ 
eine freiere Äultur inö Seben gerufen l^aben, tt)ot)on tvlr ben beutUd^flen 
9Iieberfc6(ag in biefem SSoIf^bud^e beft^en. (Sd entl^äit aOe (Siemente 
eined wal^r^aften 93o(fdepo6> beffen Altefle reinere ©efialt und (eiber 
nic^t überliefert tt)orben if). 2)abei ifi bie^ poetif(^e 93o(fdbud| bad ein« 
gige bed alten S^eflamented ^ in bem fi^ ein getoißer «^umor, eine ftc^t« 
bare greube am ^ßoffenl^aften audfpric^t* iDer ^ebrdifd^e ©oIKgeifi ift 
fonfi im $(0gemeinen )u ernfl unb trocfen ; )u pat^etifc^ unb erl^aben ge« 
fiimmt/ ald baf er bem gränblid^ Jtomif(i^en unb ber ^erglid^en Sac^iufl 
{e l^&tte rechten ©efc^mad abgewinnen Knnen. Um fo mel^r Sntereffe 
gewÄl^rt biefer eine ^elb mit feiner jotiialen Saune unb feinen barorfen 
®eniefirelc^en^ mit feiner SBerliebt^eit unb feinem tragifd^en (Snbe, inbem 
er }eigt/ baß bad ^omifd}e ale ein allgemein menf<I)(id)e6 unb ec^t )i>olUf 
t^umitc^ed Clement aud^ ben l^ebrdifc^en ©tämmen nid^t gan) abgieng 
unb nur in ber Siteratur feinen reiften Shidbrurf finben fonnte» 3eben< 
fatlö aber ip bie fomifc^e Slber ber «^ebrder niemals fel^r fiarf gewefen* 
9{ur in ber ©efrtjid^te 3a{obd trijft man noc^ einige 9(nfd^e )u "oolU* 
t^ümli(^en ©(^»dnfen unb ©c^erjen, — 



!Dad (e^te 3a^rl(^unbert t)or ber (Sinfftl^rung bed Jtönigtl^umd geigt 
m\^ bad 93oifd(eben ber .^ebt&er in einer allgemeinen ©d^rung unb 
auflel^nung begriffen* 93on außen l^er bringen bie $^i(ifier unb SJm* 
moniter unb im 3nnern gerflelfc^en bie ©tdmme fic^ felbji mit erbitterter 
9But. Die ©ittenlofigfeit aber^ bie ^Barbarei unb 9(nard}ie/ bie bamald 
f)m\i)tt, ftel^t man am grellfien, aber gewiß l(|ijlorifc^ treu in ben 



1) 1 affof. 49, 16. 

2) 5 aWof, 33, 22. 

3) fftifit 5, 17. 



Reiben (Srjil^Ittngen , n)e((^e ben ® (^(u^ b<d 9u(^d bei Sinter bilb<tt/ 
Map. 17—21. 

©ofd^c 3^iten ftnb bcm ©ebei^en ber ?ßoejie nit^t flunflfg. 3w>at 
fe$te Samuel ber aQgemeinen Sü^Mo^iiUU @(^ranfen unb bereitete eine 
neue @po(^e^ eine uattonaie SBiebergeburt t)or/ tote biep oben in ber 
aOgemeiuen Überfielt n>e{ter angegeben ifl. ^Kdn fein ))or^errfc^enb 
praftif(f)'ed unb ))oIittfc^e^ S33irlen, wie bie ^tit eö et^eifc^te, war eben« 
fadd ni(^t geeignet^ eine neue bid^terifc^e 2!l^dtigfeit in6 Seben )U ru< 
fen. (Sd war ein un))robuItit)ed/ unpoetifc^ed Sa^r^unbert« 

3)aö einäige :poetifc^e (grjengniö, welc^eö ber S^it®amntl9 mit 
großer ©a^rfc^einli^feit jugefd^rieben werben barf, i|l ber ©egen 3a« 
fobö.^ Der Dichter gel^t t)on ber geograplj^ifc^en unb l|>i(lorif(^en 8age 
ber 12 ©tdmme in^aiijiina aud/ wie fie }u feiner 3eit beftanb^ unb 
legt biefe ald Sßeißagung ober )>ie(me^r ale SSor^erfagung bem alten 
3afob in ben 5Kunb, inbem er balb, wie bei 9inbm, ben ibealen Stamm« 
Dater ber ©age / ba(b me^r ben wirHic^en ganjen ©tamm )>or 9lugen 
f)aU SBir ^aben l^ier bad fiitefie Seifpiel t)on ))ropl^etif(^er^ bit)inatori« 
fc^er S^rif, bie t)on \p&tmn, gegebenen U}erl()altniffen au6ge^t unb biefe 
einen alten, erleud^teten SSorfa^ren a(d gufunftig au^fprec^en (Aßt: eine 
bid^terifd^e gorm unb Sinfleibung/ an welcher ber unbefangene ©inn 
beö 9l(tertl^umd feinen einfloß nel^men fonnte* 

(Sd ifl fein $robuft (ebenbiger 93o(fdbi(^tung, fein @rguf ^dl^erer 
prop^etif(^er 33egeifierung , fonbern me^r ein t)er jianbigeö , IfinfMid^e« 
unb gelehrte« aRac^werf , ba« afö folc^eö un0 falt Wßt. 3)er Sßerfafer 
liebt ed/ aud ben 9Iamen ber ©tämme burc^ eti^mo(ogif(^e SInfpieiungen 
irgenb eine befonbre Gigenfc^aft berfelben ^ecöorjul^eben. @o fombinirt 
er 3uba mit bem SBerbum (Hif.) joda, greifen; ©ebulon wal&rfd^ein* 
(id^ mit zabal, wolbnen; Dan mit dtn, richten; ® ab mit gedud, ©e^^ 
bringe; Sf d^er mit bem gieic^Iautenben SSerbum^ weic^ed reid)/ g(ü(f« 
li<i) fein bebeulet, unb ebenfo ^ebt er an 3ofef, inbem er eigentlich 
ßfraim meint, nac^ einer nal^eliegenben (Stpmologie bie Sruc^tbarfeit 
beffelben 1)ttocx. SRanc^e biefer Sßortfpiele unb SlnflAnge ^atte au(^ 
t)ielleid^t fc^on ber SSolf^wift fo audgeprfigt. 

Dad ©ebid^t befielt urfprfinglic^ aud fec^d ©tropl^en, ifl aber in 
feiner je^igen ®efialt flarf äberarbeitet unb außerbem iuxi) einige ®lof« 
fen, bie in ben Ztxt geraten ftn>, rec^t eigentlich entfteHt worben. 3n« 
bed laß en ftc^ biefe fpdteren 3ittl^Aten noc^ gut erfennen unb abtrennen» 



1) 1 2Wof» 49. 



110 Srfie $er{obe. aSon SRofe m gut ©rttnbuttd )>f0 ^Bnigti^umd. 

(Sbenfö t)erllgfÄft c6 fi(^ mit bem weit {fingeren ©egen SKofe'ö^ ^ ^fer ifl 
gfeic^fall« eine ditere ©nniblage fpdter erweitert unb au^gef^müdt toou 
ben/ aber ntc^t )um äJort^eil bed ®an)en* 

2)er Überarbeiter unferö @tud6 ifl junclcl)ji baran ju erfennen, bog 
er bie angenommene Situation^ bie bei einem fo Heinen ®ebi(]^te bo^ 
leicht bnrc^jufu^ren n>ar , mi)t inne l^dlt unb al6 ^rjd^Ier etn)a6 atö 
t>ergangen beridjtet, bad er f)ätte alö fünftig anöfpredjen foUen. So foHt 
er bei Sifföfar ganj aud ber SRofife, inbem er t)Ott.ibm fagt: Jlnb er 
\al) bie Slu^e, baß fte gut, unb baöSanb, baß eö lieblich fei, neigte jum 
Siragen feinen SRarfen unb warb jum Sol^nbiener." !Dabei i|i jugleid^ auf 
sakär, „um Sol^n bingen^ angefpielt* Sbenfo unpaffenb l^eif t eö 93* 23 
t)om ©tamm Sofef : „(S^ reiften il^n unb fpannten, unb befeinbeten if)n 
bie Sogenfc^üften ; bod) eö blieb fefi fein Sogen u. f* n>/ 2)abel bringt 
biefer (Srgfinjer ben SBiberfprud^ hinein, baf 93* 26 3ofef aW „bcr 
gurfl feiuer 93ruber", b. i. aW ber l^errfc^enbe unb bie Stämme an-- 
fü^renbe ©ol^n 3afob6 bejeid^net wirb, wd^renb nad) SS^ 10 in bera 
alten Oebie^te bem Stamm 3uba bie Hegemonie »erl^eißen wirb* — 
S33ir fonnen l^ierna^ fidler »ermuten, baß ber SSerfaßer biefer Bwfäft^ ^i« 
Surger bed nörblidjen JReic^eö war unb bieß neben 3nba mel^r ^ert)or» 
lieben woKte* aBfil^renb ba6 alte ©ebid^t furj unb altert^ümlic^ Hingt, 
fo l^aben bagegen biefe 3«fä6e ^^toa^ Sreiteö, Sll^etorifd^eö, Äraftlofe«, 
unb "oaxattn aud^ baburd) eine fpdtere 3^^^^ @inige Sludfprüi^e unb 
aSergtei(^ungen, j. S. 3uba'ö mit einem ?owen, S3. 9, unb IDan'ö mit 
einer ©d^Iange, 93. 17, würben urfprünglic^ tjieüeic^t nur alö $araBe* 
len JU unferm Siebe angemerf t unb Hingen filter, aU bie etwaö auffallen* 
ben Sludmatungen über 3uba'« 9Beiu* unb 2Ril(^reid)t^um, 93. 11—12, 
fo wie bie WeitlduftigenSufdJie JU bem Sluöfpruc^e uber^ofef, ». 23— 26» 

©0 wenig bid)terifc^en SBert biefer ©egen 3afob0 auc^ i^at, fo ifi 
er bod^ für bie leftte ßüt t)or ber ßiufü^rung beö Äönigtl^um« fe^r (^a* 
ralterifiifd^ unb eine wichtige Urfunbe* 3)ad 93olf ndmlid^ bilbet f)\tx* 
mdi nod) fo wenig eine organifd^e, wirHic^e Sln^eit, baß brei ©tdmme, 
JRubcn (ber aU Srfigeborner in ber Urjeit ber ftdrffie gewefen fein 
muß), 8et)i unb@imeon einen glud^ erl^atten* 3)er Stamm 3wba 
bagegen, afö ber tapferfte unb alö 93orfdmpfer feiner.örüber, belommt 
ben erjJen ©egen unb tritt gleid)fam in bie iRe<i)it beö Srfigeborenen ein* 
8lu(^ gefd^ic^tfic^ Idßt fic^ erweifen, baß 3uba beim 93eginn ber Srobe* 
rung Äanaanö^), fo wie furj t>or ber Sinfü^rung bed Äönfgt^um^ ba« 

1) 5 33. awof. 33. 

2) miäiU U 



G. 3)lf.3eU ber dlidiUx. Dnr Srsrn 3afoB«. 111 

$rd{tbtum in ben 93erfamm(ungen unb eine 9(rt t)on «Hegemonie ü6et bie 
anbern ®tAmme ausgeübt l^aben mu^. ^) 3nbed f{l er ^iet no(^ ni(^t 
al0 ber Äonigöfiamm gefaxt, n>aö und einen beutüc^en Singer jeig ü6er 
bie Slbfapungöjeit bed ©ebicftted ücfert. 3)ad ^riefiertl^um fobann er* 
fd^eint noc^ o()ne befonbered ^^nfe^en^ n>ie überhaupt in ber ganzen fRidf* 
terjett jeber Saminen))ater )u o))fern pflegte unb nur ftl^r feiten ein fievit 
))i)rfommt. 2){e 3^r{}reut^eit unb .^eimatloftgfeit biefer Dpferbiener/ bie 
man jun^eifen in ©olb nol^m, wirb fogar oW ein glud) betra<I)tet für 
tjerfibte ©raufömleiten. *) Srfi beim ^iempel in 3crufalem tt)urle bie 
Stellung bor Se))iten aQmä^lig gunftiger unb t^r @influß bebeutenber. 

aüeö fn^rt barauf , baf biefer Sludfprud) über bie 12 ©tdmme ber 
3eit Samueln angel^ort^ !Die bamaligen gefd^id^tfid^en 3wP*nbe paffen 
t)o(lfomi^en. 3ug(eid} n)i^en \Dir/ n)ie Samuel bie $rop^etenfd)u(en 
f)ob unb forberte^ unb aud biefen mel^r geie^rten SBeflrebungen erfldrt 
fid^ am leic^tefien ein folc^ed , ttwa^ fro^iiged ^rabuft ber prop^etift^en 
g^rif. 9(uc^ erinnert bie ganje ^xi, ^twa^ mdj bem Srfolge rflÄDärtd 
)u »eifagen, uoc^ fe^r an eigentliche SBal^rfagung, tt>ie fte früher t>iel* 
fac^ t)arfam unb i^i ben ?Prop^etcnfagen fo wie im 93alfdglauben aud^ 
fpäter nod^ fprtlebte. T)ap Samuel felbß biep @tu(f t)erfa^t ^abe^ lift 
fic^ burc^ nid)td erweifen unb ifi an ftc^ fc^r unwa^rfc^einlic^* 3)er 93er* 
faper ber ®runbfdf)rift fanb eö bereite t)or unb ^at ed eingefd^altet^ Sd 
jerfdKt in jwei «g)5lften, jebe mit brei ©tropfen. 2)ie erfte «geäffte be^an» 
iDelt bad ffiblid^e®ebiet/ bie i\n)eite ba« nörblicfee, inbem fte \>on 
3uba )u Sebulon äberfpringt. 3)ana(() lautete bad ©ebic^t urfprAnglic^ 
fo/ inbem ic^ bie uned^ten 3ufä6^ wnten mitt^eile: 

I. 

l«a. JDD^ubett; bu mem (Sxft^thexntx, 

S)u meine iCtaft unb (Stflling meiner ^iMt, 

S)tt Sorgug an ^ol^eit unb ^orgug an ^a(i^i, 

)Dit @^vubel toie SBa^et : l^abe feinen iSor^ug ! A 

SBeil bu befiiegen bad IBett beine« SßaUxi. 

5)a fret)elte|l bu, mtin ^ager Sefteigenb I •) — 

1 . b. @ i m e n unb 9 eo { {!nb Grübet/ 5 

^eten SDaffen graufame Serfgeuge */) 



1) IBgU 9tt4t. 20; 18. 

2) fflfll. 1 meU 34, 25 ff* 

3) ^qU 1 anof* 35, 22t 

4) ,,3n i^ren fRat Ummt ni^t meine Stete ! 

SRit i^m ®emeinbe l^eieine {t^ nit^i memc ^o^eit !" 



^- 



112 @t^e $mobe. aSon 3»ofe (id jui: ©rfinbung bei JtSnigt^umd. 

^enn in il^tem Bora ettoütgten Ite ben SRann/^ 

Unb in il^retn Öbetmut entn6n)ten {ie ben @tiet» 

S3erfluc^it fei i^r 3orn, toeil er §ort, nnb \i}x ©rimm, »eil er grattforn ! 7 

©ertl^eilen toitt iä) jtc in Safob, unb jte jerflreuen in S^rael J 

c. D 3 w b a , bid^ »erben beine Srüber ^jreifen, 8 

JDa beine §anb om ^aäen beiner Seinbe ifl» ' 

^ulbigcn^erben bir bie ©öl^ne beine« fBaitti. *) 
9lie toirb »eid^en bad ®ce))ter t)on 3ttba/ lO 

9lo(t ber ^enfci6er|la6 jtoifd^en feinen güpen ffivCme^,*) 
Subem bie (Stamme i^m gel^ord^em ") 

IL 

;^«a. @ebuIon toirb lool^nen am Ufer be« SWeer«, *) 13 

Snbem fein ®ehiä bi« @ibon reicht — 

3i f f atar ift ein fno^igter öfet, u 

JDer fi(^ lagern »irb jtoifc^en ben Würben» *) 

2) an ber »irb rieten fein ^olf ig 

SDie nur irgenb einer ber ©tämmeS^rael«/) 

2« b. ®ab/ ein ®ebränge »irb il^n (ebrängen/ lo 

Sr aber toirb bie gerfe bebröngen* 

gür 51 f dfi e r toirb feine €)jeife ^u fett fein, 20 

®o baß er liefern fann Bniglic^e Sederbipen* 

!Ä a f t a U ijl eine f^lanf c ^irf «f ul^, 21 

@r ber ber ba geben n>irb 9Dorte ber ^ä^l^nf^nU 

c. 3 f e f ifl ber @prog eine« %xviäfthavan9, 22 

IDer ^pxo^ eine« gruc^ftbaum« an ber OueQe, 



1) ,M\n iunger fim tift bu, 3uba, 9 

93om (Raube, mein 6o^n, ficigfi bu herauf, 
(Sc fcümmt |t(^, le^t {t(^ tote ein Seu, »ie eine Sottin : 
SBec mag i^n auflegen ?" 

2) „60 lange man na(^ 6i(i> fommt ;'' M mü§t€ bebeuten : ^immet", eine entf<^iebene 
(&U^t, bie ft^on äugerli^ fe^r la^m nad^^inft. 

3) ,Mt, bet ba binbet an ben 3Bein{lod fein (SfelfttUen, 11 

2)ec ba »äf4it im 2Bein fein ©etoanb, 
Unb im S^raubcnbtute feinen ^njug ; 

@c, mit 9lugen, bie bunfel bom 2Beine, 12 

Unb mit Sahnen, bie ba »eig ftnb k>on ber 9Ri((^." 

4) ,,Unb i»ac am Ufer \>on Schiffen /' eine ®(o(fe, »o^( na(^ Olid^t. 5, 17 gebilbet. 

5) „Unb er fa^ bie ^\if)t, ba§ jte gut, 15 
Unb M Sanb, ba§ e« Iieb(i(^ fei. - ^ 

92eigte ^um 2:Tagen feinen !Ra(fen 
Unb »atb ^um So^nbienet.'' 

6) „3) an ift eine Schlange am 2Bege, 17 
(Sin Sajtn^r an ber ©trage, 

- 2)er be« IRojfe« (Jerfen bei§t, 
3)a§ rucTwact« fäat ber Oleiter." 
(^uf beine ^fitfe ^off' i^i, ^err !) 18 



G. 3)ie Seit bei: fRl^Uu 3)er €egen 3af oM. IIS 

änUm feine @))töflUtige bie a^aitet äbetjleiden. ^) 

93 e n j a m i n i|i ein raubgieriger SBolf : 27 

$(m SDtorgen t^ergel^rt er bie ^eute 

Unb am Qlbenb t^eiU er ben ütanh* ^ 



3u beachten tfi ^icr, baf ber Stamm Sttaftali, auf ben Setfl^ö^en 
)n)tfc^en bem @ee ® ene}aret unb bem Libanon wol^nenb , ald ein Uxptu 
üi) unb geiftig fc^oner 93o(f^f}amm gepriefen n)tcb* 93gU au^ 5 ^of* 
33, 23» ^2)le833orte ber ©c^6nl^eit% bie er geben wirb, fmbDic^* 
tern>orte/ iDi^tungenv inxäj welche er jt^ bamdd t)or allen übrigen 
Stämmen audgejeid^net l^aUn muß , obwohl und feine $robe bat)on er« 
l^alten ifi« !Dad fpätere^obeUeb aber gebort biefem rei}enben Sanbßric^e 
an. 9lu4) bei ben Slrabern gibt ed mand^e St&mme/ )* 9. bie Sewol^« 
ner bed Sanbfiric^d IDfc^of , bie Seute t)on el «^affa am perftfc^en ^ttx^ 
bufeu/ bie unter aUen S^buinen in Slebfc^ib ober «^ebfc^ad wegen i^red 
muftfalifd^en unb poetifd^en Salented berul^mt ftnb. 

Sine fpätere Srgfinjung unb ÜRoblpfation beö ©egenö 3afob« 
bilbet ber © egen ÜRofe'ö im 3)euteronomium Aap. 33. ©cl^r lel^r* 
reid^ erfennt man barin bie weiter entwitfelte/ fortgefc^rittene ßeit beö 
^onigtl^umd. <^ter wirb fein @tamm mel^r berfluc^t; alle bilben t)ieU 
mcl)r nur ©lieber eineö ©anjeu/ beren notwenbiger 3«fflniwen^ang jum 
Sewuf tfcin gefommen i% obwol^I ba« SSolf in jwei ^filften get^eilt Ifi* 
Der iDic^ter aber wünfcbt, bap Suba wieber aVit Stfimme unter feiner 
^errfc^aft t>crcinlgen unb baburc^ gegen feine 55einbe flarf werben möge» 
ffl* 7. — Der Stamm Seöi erf^eint in l^o^er Sffiürbe alö ber prfejier* 
lic^e Stamm, unb fo erl^alten alle nur reine ©egettöwünfc^e* 3)ed ®e« 
genfa^ed wegen möge biep ©ebi^t, bad etwa bem 8« Sal^rl^unbert an« 
gel^ort, gleid^ l^ier $Ia^ finbem @$ l^atte urfprungüc^ benfelben Um« 

1) a. „Unb t9 Teilten i^n unb fpannten 23 

Unb bffeinbtten i^n bie S^OQenfd^ü^ni. 

S>o(b fejl blieb fein Sogen 24 

Unb ge(enftg blieben bie 9(mie an feinen ^änben, 
93 on ben ^änben be« aUmäd^tgen 3o^0b#, 
aSon bort^er, tt)o bei ^itt, bet ^tU ^9xcutl9 ifl ; 

b. aSon bem ®oii beine« fßain9, unb ber belfe btr ! 25 
Sßon bem aUmäd^tigen ®oii, unb ber fegne bicb 

9Rit Segnungen be« ^immell tjon oben, 

QJ'lit Segnungen bei Sagerfude bie ba unten liegt, 

Tlit Segnungen ber Stüjle unb ht9 3Rutterf(^of e# ! 

c. S)ie Segnungen beincd 93atet9, bie ba überfieigen 26 
3)en Segen etoiger 9)erge unb bie SBonne uralter ^ügel — 

Sie mögen fommen auf 3ofefS ^anpi, 

Unb auf ben St^eitel Ui ^vn^m feiner Srüber l** 

(defi^. b. pott, dlattonaiat. b. ^e6r. 8 



114 (Srfie $ertPbe. Sott SKofr 6id jur (Brüttbuttg be0 Jt&ttigt^umd» 

fang n)ie ber @egett 3afo6^/ ttimli«^ fed^^ @{n)elf)to)>]^ett, ifl ober \p&ttx, 
wa^rfc^einJJ^ im 7» ^a\)xf)nnitü, wU jal^Ircid^en Swfä^^n unb erfWren* 
ben OCojfen fo tt){e mit SBfebcrl^ofnngen auö bem ©egen ^atoi^ t>er- 
fe^eit tt)orben» 35cr tijU Meth. läpt ftc^ icboc^ ito(^ gut l^erauöfc^älen, 
3)ie Unet^t^eit ber übrigen 3vitl^aten fann ^ier n\d)t weiter ertDiefen tt)er* 
ben, unb eö ifi auc^ unnötig ; benn wen ber ©nblirf in ben ^ergefletlten 
3;ert nic^t fogteid^ befriebigt, ben »erben ani) ade weiteren SBeweife au0 
bemSnl^alte wie anß ber ©prac^form uic^t fiberjeugen, unb er möge 
"oox wie na^ ba6 ®ebi<^t in feiner bunten Unorbnung unb ©ebanfen» 
t>erwirrung aW ein fc^öned ©anjeö in feinem (Seifie ft<^ jure<^tlegen. — 
®Uii) ben Slnfang ^at ein fpfiterer Öberarbeiter mit jwei ungel^ö* 
rigen unb bur^aud pjrenben ©tro)3^en b^rfei^en, ©. 2—5, wä^renb 
auf bie profaif<^e Einleitung IB« 1 unmittelbar S. 6 folgen mu0. @d 
l^ei^t l^ier: ;,^ief ifi ber ©egen, womit Wofe, ber ÜÄann ®otte6, bie 
ilinber 3^raefö t>or feinem S^obe fegnete ; unb er fprat^ : ^) 

1* a. (S^ UU dtnhcn unb ßevBe xd^t, o 

Unb feine ieriU m^gen ungäl^Ibar fein ! 

Unb gu 3 üb a fpxaä^ er fo : 7 

(Sxf)&xc, ^err, bte stimme 3uba'^, 
Unb ftt^re il^n ju feinem 93oIfe I 
S)eine $anb oedl^eibige iljin 
Unb l^elfe il^m )>or feinen Seinben I 

1« b. Unb }u S ei) { fyxaäf vci . 8 

^ein Xummtm unb Unm gel^drt beinern StPmmen/ *) 
JDer ba ftjrid&t »on Jöater unb !Wutter : „id) fel^ fte ntd^t an !" 9 

2)er feine 93rübet nid^t erfennt un^ »on feinen ©öl^nen ni(|ft« toeig**) 



1) $# !atn bet ^erc tjom €inai 3 
Unb Qieii0 t^nen auf tjoti €e1t ; 

(Sc erglänzte Dom Serge ^aran, 

Unb )09 ba^in fem k>on ben (Dll^ciabcn ^eiliflen, 

3nbem aui feiner IRect^ten @tra^(m für jte fuhren ; 

5Denn er liebt bie @tämme, aO i^re ^eiligen ftnb in feiner ^anb. 3 

Unb jte folgten bir nad^, enM^fangenb bon beincn SB orten. 

S)a« ®efe|^ t>erorbnete SRofe für un«, 4 

Gin @rbt^ei( ber ®emeinbe iaUbi, 

Unb fo »arb 6r (@ott) Jtönift in 3ef^urun. 

^11 fid^ berfammelten bie ^mpitt tU ^olti, 

S)ie @tämme ^ixatU aQ^umal. 

2) „^tn bu toerftt(^tefl bei SRaffa, 

Unb mit bem bu ^abertefl am ^abe(toa§et.' 
tiefer Bufat^ etflart bie bor^erge^enben Sorte falf(^ ; benn ber ,,$romme" tfl ni^t (^ott, fonbern 
Sebi, toit er im t^olg. (jef Gilbert n>trb. 

3) „6onbern bie ba ben>a^ren betn SQort, 
Unb bie ba ^üten beinen S^nnb ; 



G. S>it Seit bft 9ti^tn. 5Der Regelt Vtoft'i. 



115 



©egne, o ^m, ferne Sttafi, unb feiner <9&nbe ffiBet! (af bit gefafien ! . ii 

Betfd&eKe b<e Ruften feiner ©egner^ 

Unb feine Seinbe, baß jte ni6)t ftt^m fj^imeu! 

2» a. ^ott Benjamin fprad^ er: ' 12 

a)er ßieblina bed ^erm \i>of)nt fldjer i>ti\fpn*y 
dt wnWxtmt ifin aüe^eit *) 

Unb »on 3 c f e f ftjradj er : I3 

©ottgefegnet ifl fein Sanb an ^immeldgabe t)on oben 
Unb an Iffiaßerfuae, bie ba unten liegt, 

Sin ®ahm, gejeitigt »on ber (Sonne, 14 

Unb an ©aben, getrieben in ben SRonbe»«.') 

2* b. 3)ie ®nabe beffen, ber im S8uf<^e »o^nt, 
€ie möge fommen auf 3ofef« ^arüpt ! ■) 

®cin erPgebomer ®tier f^at ^rac^t, 17 

Unb ^fiffet^örner ftnb feine (j^meri 
9Rit i^nen toirb er bie Stämme ffof en, 
3>te (Snben bed £anbe« aKgumaL *) 

3. a. Unb ^on @ ebulon f^raci^ er: I8 

Sreue bid^ <Se6ulon beined $(udgangd, 
Unb 3 iffafar beiner Seite!») 

Unb ))on (3 a b f^rad^ er : sa 

Oefegnet fei »er ®ab SHaum tjerlei^t ! 
9Bte eine Utoin liegt er ba unb jerreif 1 9(rme imb @<^eite(. *) 



S)ie 3alob (c^rtn beine 9i(d^te 
Unb 3droe( bein ®efe^ ; 
S)i( 9tau((t9etf legen i^oc beine 9{afe, 
Unb 9)ranbQ)>fet Mif beinen mtta.** 

1) ^.Unb |toif(|en feinen ^o^en tüofftit ct." 

2) „^n bem 9ej}en uraltet 9?er0e/ 
Unb an ®aben en^tger ^üget ; 

9In Gaben bei @Tbe unb i^cet g&ne." 

3) ,,Unb auf ben @^eUeI 

2)e« ^ür^en feiner Srübet !" 

4) ,,^a# |!nb bie ant^rtaben (Sfraim^ 
Unb bieXaufenbe a^anaffe'«.'' 

5) S)ie @tämme laben fte )tint 99etge. 
2)ort o<)fetn pe 

©ebu^renbe 0<)fer ; 
SDenn {ie fangen ein 
2)'en tReit^t^um be« SReet«, 
Unb bie Sitaj^t, 
S)ie toerbotgen im Sanbe. 

6) „Unb er etfa^ bal ^rfle für fii^, 
SBeil bal 8oo0 bei ^nfübter« 
[3^mJ bort äuf^eboben t»ax ; 

Unb fo führte er bie $äu|>ter be< ^olUi 
Unb boUjog ba^ IRe^t be« i^erm 
Unb feine ©ertöte an 3^mI.' 



10 



15 
16 



19 



21 



8* 



116 (Srfte $eriobe. SSott SSofe i\9 ^ur Srünbung M StM^iffum^. 

Unb )»ott ID a n ft>tdd^ er : rt 

IDan ifl ein iutigrv Htoe 
IDev ba l^ervorf^rittgt aue Safan* 

3« b. Unb t)on Slaftali ^ptaä^ tv : 23 

92aftali i|) gerätttdt mit «nib 
Unb ))oU ))cm (Segen bed ^errn/ 
^en SBeften unb ©üben nintmt er ein* 

Unb ))on 91 f (i^ er f^rad^ er : 24 

©efegnet iß $(fd^er t)or Slßenffi^enfinbecn ') 
Unb taucifit in Oet feinen SnS* 

Gifen unb (Srg feien beine SRiegel, 25 

Unb bein fiebenlang baute beine Äroft I *) 

@o gering bic »njal^l ber 8ieber anij ifi, tt>el(^c mit ©ic^er^eit bfirfcr 
erjlen, fünf^unbertjäl^tiQcn ^ßcrfobe ber ^ebr&ifc^en Dichtung augefc^rie« 
ben tt>etben bfirfcn, fo genügen fte boc^ t>onfommen, um ein treuem 93ifb 
ber filtefien l^ebrdifdjen S^rlf ju erl)a(ten. !Die brei größeren ©tiitfe : baö 
iDeboralieb, bie gabel 3otamd unb ber ©egen 3afobd bejeic^nen bie 
«^o^enpunfte^ an n>e(c6e bie übrigen Heineren Sieber [xij anlel^nen. 
2)aö religiöfe SIement fe^It jtt)ar nic^t, iji aber bur^aud nid^t t)or^err« 
fc^enb barin« SBielmel^r ^aben biefe &lk\im ®e[&nge einen gan) reatifli* 
fc^en, boIWtpmli^en unb »eltUcl^en Sl^arafter, ber int)ielen anberen, 
ni(^t erl^altenen Siebern t){elleicl^t noc^ treuer^ ftnnlic^er unb nait}er aud* 
geprägt mx, \m bie ©imfondfage beutlic^ ben>eiß« 2)iefe nationalen 
Sieber }eigen eine eigent^ümtic^e SRifd^ung \>on (^rifc^en unb e))if(^en 
@(ementen/ n>ie bie älteflen SaUaben aUer ^blUx, namentlich aud^ n>ie 
bie altarabifc^en gelben* unb 8iebe^lieber, obwol^l biefe fonfi al6 eigent* 
lic^e ^unßgebi(^te einen n>efentli(^ t)erfd^iebenen S^draTter l^aben unb 
an @infa(t unb %l^alt fxif mit ben altl^ebr&ifc^en nic^t me^en finnen* 

SBaö bie poetifd^e gorm betrifft, fo erfc^einen bie Mtefien ^ebräi« 
fc^en 8ieber in Seji^^nng auf Si^^tl^mud unb ©trop^enbau bereite alö 
t>ollenbet. ©elbji bie fpfitern rein religiöfen 8ieber mußten ftc^ ber ein* 
mal gegebenen t)olf^t^um(i(^en ^orm anfc^tießen, unb ed ifl ginjlic^ 
irrig/ tomn man meint, erß !Dat)ib ^abe biefe formen ber religiöfen 
8Vrif erfunben. 3n 'S^nlic^er SBeife würben jur ^tit ber SReforraation 
geiftlic^e Sieber naäj ber gorm unb 9Re(obie ber kveltUc^en 93oIfd(ieber 
gebic^tet unb gefungen. 

1) ,Mt ifl bet 99e(}nab{ftte feinet Srübet." 

2) „Mmt tjl tt)ie ®ott, Sef^ucun ! 26 
Sbei ba^eifä^tt am ^imme( bti gut ^ttlfc 

Unb auf ben SBoIfen in feinet ^o^eit ; 
eine 3uf[u(^t ijl bet alte Qbctt, u. f.to." 



Bmzitz periobe: 

SBon ber ®ränbung be^ Aönigtl^um6 bl6 }um (Snbe 

be0 @ri(d. 

SKit bicfer jw>eiten .&auJ)tj)eriobe t)er(af en tt)ir bic unjictc, fiurm* 
iinb brangtJoHe Sugenbjelt ber ^ebräifd)en IDic^tung iinb feigen ftc aW* 
bolb gldnsenb in i^r eigentlic^ed SRanne^alter eintreten. @d if} bief bie 
erfie »al&r^afte Slüte ber l&ebräifc^en 9?attonaIIiteratnr , ein neuer 8e« 
ben^frü^Iing, ber mit 2)at)ib beginnt unb ber fpdter auc^ feine grüc^te 
getragen l^ot. — SBir fonnen l^ier brel befonbere Slbfc^nltte untere 
fc^eiben : 

1. SBom 11. Sal^rl^nnbert blö in bie 3Witte be« 9., cttt>a »on 1100 
— 850, ein 3citraum t>on 250 Solaren* 

2. 3)ie eigentlich aff^rifc^e ^ßeriobe, öon 850—650. 

3. 3)ie (^albdifc^e $eriobe bi$ tum @(^Iup M @jci(e6, ))on 
650 — 536. 



(Srjler m\6)nitU 

Sett Stifattg bed 11. (1095) W gut SRitte bed 9. 3a$((|ttttbettB. 

Ä. &öni; ^amtf ol^ lDid)ter. 

!Die Stille unb fRul^e, in n)e(d)e bie J^ebrÄlfd^e ^ßoefle am (Snbe ber 
9lld)terjeit \)erfunlen ju fein ft^eint, bauert auä) unter bem erfien Jtonige 
no^ fort, ^n einer neuen h;rifc^en Schöpfung war bie 3^it nid^t reif, 
bad Seben ju raü^, ju jerri^en unb unverfo^nt. Äeln SSolf fingt au^ 
gern feine eigene €c^anbe ; unb felbfl um biefe fdt^rifc^ unb bibaltif(^ 
bem SSoffe t>oräu^aIten, muf bieSiIbiing fc^on tüeiter t)orgerü(ft fein, 
a(d tt)le bie bamalige ber .^ebrfier. !Die erjien unb notwenbigflen Se« 
bingungen M SSolf^bafeind n)aren ja no^ iu gränben. 2)a)u fommt, 
baß feit Samuel in ben $rop^etenf(^uIen, n)ie ed fc^eint^ eine $lrt ge« 
Uf)xttx, eingelernter, fönft(i(^er $oefte ge))f[egt tDurbe, n)obonundim 



118 Stoeite fßeriobe. Son b* ®runb. b. Sttnl^i^. Bid {um dnbe b. (SxlU. 

Segen 3afob6 ein Seifpfel übrig geblieben ifl. Solche 9Serfu<^e »aren 
ebenfaUd nid^t geeignet^ ber nationalen IDic^tung einen neuen Sfuf« 
f^tt)wng ju geben* * 

2)a baö geben fefbfi fo VDenig begetflernbe Stoffe einem !Di<^ter 
barbot, fo fang baö SBoIf einfiweifen feine aften Slationallieber fort, 
erjfil^ite ftc^ bie ©efc^ic^ten feiner frfil^eren gelben unb je^)rte t>on ben 
Sagen feiner @tammt)dter/ bie e0 al^ ein ^errli^ed poetifc^ed 93er» 
m&iitni^ treu in ber Erinnerung betoal^rte unb bem nac^folgenben @e« 
fd}(e(^t ))ererbte* ^ Slu^erbem toar bad eigentlich iDeltlic^e 93o(M(ieb, 
ba6 Heine ®e(egenl^eitdgebi<^t, mld^t^ alle Vorgänge, aUe @timmun« 
gen im SBoIföIeben umfaßte unb öon ber 3agb, t)on SBein unb^?iebe unb 
l^unbert anbern !Dtngen ^anUltt, n)o^I nie ganj er(of(^en unb ))erßummt* 
iDergleid^en Heine Sieber unb 9?aturlaute .ftnb ein ewige« Sebfirfnlö für 
bie SBoIfer; fte entfiel^en unb "otxQc^tn tt)ie t)on felbfi unb toerben mit 
jebem ®ef(^Ie(^te neu geboren» 9?ur ein glucHic^er ^u\aU })at unö ju^ 
toeilen folc^e flä^tigen Jtßlnge ex^altm, toie bad t>orl^er angefahrte 
Heine ©iegeöfieb auf ©auf unb 3)at)ib. 3« beachten iji aud^ , toie furj 
^ox ber @infü]^rung be6 ^onigtl^umd ber Stamm Staftali a($ ein poe^ 
tif^ begabter gefc^ilbert mirb 0* 

9Rit !Dat)ib beginnt unßreitig eine neue @po^e ber l^ebrdif(^en 
!Di<^tung, wenn gleich ber S^araHer berfelben anberd benimmt werben 
muf , aW wie bie fpätere Überlieferung i^n fapt. 9?a(^ biefer ifl 2)at>ib 
wefentfic^ religiofer !Did)ter, inbem nic^t weniger alö 73 5Pfatmen 
aufi^U/ bie meijlen übrigen aber auf Sänger feiner Seit jurürfgefü^rt 
»erben» 3nbeö jeigt fc^on ein flüchtiger 95licf , wie bie Überfc^riften bet , 
5Pfalmen, namentlich alle eingaben über bie Serfaf er unb über bie ge» 
fc^ic^tUc^e 9}eranlaf ung ber lieber/ fo l^dd)ft feiten mit bem Sn^altejiar« 
moniren, baf man be^l^alb mit Stecht bie ©laubwürbigfeit aUer Über« 
f^riften in 3tt>eifel gejogen unb fte einer fel^r fpÄten, unfritifc^en 3eit 
gugefd^rieben l^at* So werben bem !Da))ib nic^t nur $falmen beigelegt, 
bie ben falomonif^en Stempel borau^fe^en, fonbern aud^ fotc^e, bie be« 
reitd bom babt^tonifc^en @rile unb t)on ber 3etf}orung bed Ztmptl^ unb 
ber fieiligen Stabt ^anbeln» $luperbem wäre l^iernad^ bie religiöfe S^rif 
ber i^ebrfier mit IDabib unb feinem näd^fien Stac^folger bollenbet unb 
abgefc^iof en gewefen, eine ^Inna^me, bie burc^ ben Snl^alt unb bie grope 
SBerfc^iebenl^eit biefer Sieber aufd Harfle wiberlegt wirb» 

Sinb nun aber bie Überfc^riften ber $falmen, wie fein Unbefangen 



1) ^gf* t SRof» 49/ 2U unb ))ot^er 6» 113< 



eif rr ^bf^nitt. SSon 1100-850. A. iT&nto lDa)>U aM SMd^trr. 119 

ner Uugnen Tann , oi^ne aUe l^iftorif^ ^runblage , unb finb nad^ ben 
fic^erflen Unterfuc^ungen bie meiflen für 2)aioibif(l^ ausgegebenen ^fal- 
men entfd^iebin nid^t ))on 3)a\>{b gebid^tet , fo mäf en natfiilic^ bie fi&tf« 
flen )> of itit)en Setoeife in einem i^iebe t)or(iegen/ n>enn xoix ed bennoc^ 
bem fönigltcl^en !Di(^te( jufd^teiben n>oIlen« fDabei fann e6 nic^t geniV 
gen, ba^ man fagt, bief ober ieneS Sieb tDiberf^red^e bem S^arafter 
!Dat>ibd nic^t ; noc^ weniger barf man t^on ben {(teflen ®ef(^i(^tdbä(^ern 
abfel^n unb {t^ ein ibealed Dic^terbtlb )>on 2)o\>tb entwerfen unb bauac^ 
nun einen (S^flud t>on Siebern auf i^n )uru(fful^ren. @o ijiAt s* 9* 
(Swalb einige 60 !Dat>ibifc^e $fa(men für nic^t 2)at>ibif(^ , fc^reibt i^m 
aber bennod^ 10 bis 12 mit ber größten (Sntfc^ieben^eit ju , inbem er 
fagt : M^ gibt eine Steige t)on $faimen eigent^umlidi) frdftigen ®eiM 
unb einaig l^ol^er ©eftnnung ,. welche nac^ bem 3iif^ntmentrefFen aller 
Spuren t)on feinem anbern unb t>on feinem geringern (Dichter flammen 
fönnen, alö t)on Dat)ib felbji^ *) 

Slüeitt tt)er mochte fo aßgemeine eigenf^nften, wie ©eijieSfraft unb 
l^ol^e ®eftnnung blop auf !Da))ib bef<^ränfen unb nic^t au(^ bei anbern 
S^raeliten, nomentlic^ bei 5ßrop^eten wie3oeI, »^ofea, 3efaja, ^abafuf 
unb anbern t)orauSfe$en? 9luf einen .^önig als 3)i(^tcr leitet )ubem 
ni^tS in jenen Siebern ; eS feblt jebe l^ifiorifc^e SSe^ie^ung, unb waS 
gwafb bafür anführt, ifi unhaltbar- ©o foH j. 8. bie 9lrt, wie biefer 
iDic^ter feine fönigUd^e SBürbe/ feine innere .^o^eit (Kab6d) fu^Itunb 
auSfpric^t, gan} einzig fein. ^Qein @waib bebenft xAiji, bap ja nac^ 
5PfaIm 8 blefe ^obeit unb ^errfc^erwörbe bem 2Dlenfd}en fiberl^upt ju- 
fommt unb !i)at)ib fie feineSwegö für fic^ allein ober in ganj befonberem 
©inne in äinfprud) nimmt*)* @S ifi bie allgemeine SDlenfc^enwütbe. 
Sluperbem fiebt ber SluSbrucf : „meine (S^re*, ober «^meine »^olgieit* nic^t 
feiten nur jur Umfc^reibung beS petfonli^en gürworteS^), wofür fouft 
im gleichen ©inne: „meine Seele, mein Sebcn, mein 8eib", gefagt wirb, 
ober wie ber !Deutfc^e entgegengefe^t unb d^arafterifHfc^ genug „meine 
SBenigfeit" fagt, !Der »^ebrder bagegen fü^lt ftc^ als etwaS Sebeuteube^ 
wie ber (Snglänber, ber fein wertes 3(^ groß fc^reibt. 

2)ie übrigen fprad)li(^en Seweife, auf bie ftc^ befonberS »^i^ig unb 
©walb berufen, finb nic^t minber unfic^er. 9Bir beft^cn allerbingS no(^ 
2)at)ibif(^e ©eblc^te; allein i^reSlnja^l ifl »iel ju flein, als bap wir 



1) (Smalb, bie ^oet. ^inä^tt bed alt^n Sunbcd, II. bit^falmen. ®. 7. 

2) «gU ^falm 8, 6 f. 

3) B* ^. $falm 7, 6, 1 SWof. 49, 6. 



120 Smeitr ^etlobe; Sßon b. ®tmt>. b. Mni^if). iü gum Gnbe b. dxiU. 

ffietnai) aui) in anbern Siebern auf „eift 2)a»{b{fd^e 9(udbtü(fe'' ((^liefen 
bärften* 3m ©egenü^eil muf man fagen, ie großer unb genialer ein 
!Did^ter ifi, um fo weniger tt)lrb er ftc^ überall berfelben jiel^enben SBen« 
bungen unb Sßorte bebienen, fonbern jlebe neue unb eigeut^ämti^e 
©timmung au^ ouf eine eigentl^ümlli^e SBclfe auöbrürfen» 2)ie gleichen 
SBorte unb SBenbungen, bie jid) in manchen ßiebern ftuben, »erraten 
ba^er mit e^er einen 9?ac^a^mer, alö einen unb benfelben SSerfaf^jr* 
äluperbem mup man gegen bie fpra(^Ii(^en Argumente überl^aupt fel^r 
miötrauifc^ werben, ba gerabe bie beibea ^auptfritifer ber ^falmen, 
t&ii^ig unb (Swalb, in il^ren SRefultaten fo bebeutenb von einanber ab* 
weichen, bap ^ijig }♦ 8* meiere ?Pfalmen für maffabfiif^ f)&lt, bie 
ßwalb auf 2)at)ib unb feine 3«it surfitffu^rt* 

@6 fragt ftc^ ba^er: woran erfennt.man benn nun bie ec^t 3)at>ibi« 
fc^enSieber? 

!Der einjig wif enfc^aftli^e Sffieg , um l^ier ju einem SRefuItate ju 
fommen, fann junfic^fi nur ber fein, jt(^ an ben 3nl|alt ber ?ieber felbp 
JU galten unb bie Überfc^riften alö gar nid)t t)orI|anben ju betrad)ten; 
bann aberbaö ganje Sebcn unb ben S^aralter !Dat)ib6 , wie bie Sucher 
©amuefö i^n fc^ilbern, genau ju prfifen unb banad) ju entfc^eiben, ob 
biefer ober jener ?PfaIm für bie Sifbung jener 3«t überhaupt nur is^a^t^ 
3)'ann erfi ift ju fei)en, ob fid^ beftimmte gefc^id^tlidie Sejieliungen barin 
finben, bie mit 9iotweublgfeit auf !Dat>ib afö ben SSerfa^er fd)(iepen 
lapen* 2)iefe Gntfc^eibung ifl Äuferft fd)wer, ba überl^aupt nur in fel^r 
Wenigen ^falmen ^ifiorifc^e Slnbeutungen gegeben ftub, bie wenfgfienö 
über boö ^äialUi feinen ßweifel (af en ; noc^ weit fpdrlid)er fmb bie fpe* 
ciellen Schiebungen auf bie ^erfönlic^feit beö Didjterö, fo baf man e« 
l^ier nur ju aRogli^felten , ^6d)ftend ju SBa^rfc^einlic^feiten, aber nir* 
genb^ ju unbejireitbarer ©ewipl^eit bringen fann» 

©0 wichtig e^ für ein gef(^ic^tHd)e^ SBerjiänbniö jener 3^ii^n fein 
würbe, wenn wir einen IDiwAn ed^t 2)at)lbif^er Sieber befdpen, fo barf 
man boc^ bei bem je^igen ©tanbe ber 2)inge nic^t t)on ben ^JJfalmen 
au6ge^en ober gar mit (Swalb*) bel^aupten, baö Silb 2)at>ibö fei barin 
»iel treuer, a(a in ben ©efd^ic^töbü^ern getroffen* SEir müßen t)ielme]^r 
t)on biefen au6gel)n unb banac^ einen 9Rapfiab für bie poetifc^en (Sr* 
geugniffe Dat)ib6 ju gewinnen fuc^en* Diefer SBeg i|i fc^on beö^alb ber 
dnjig ftd^ere, weil geben unb 3)i(^ten bamald noc^ nic^t t)erfc^iebene 



1) ®ef(|ft(|fte Sdraela. fßfalmen, e. 6. 



6rßer ^If^itt. SSon 1100— 850. A. JttniglDai^ib ate iD^tcr* 181 

£^AttgTetten waten unb Saoib nur ba$ befottg / tt)ad et tvitfU^ etlebt 
unb tt>ad bad Sebett in ibm angeregt l^atte* 

3n)ar ifl bad Seben !Dat)ibd/ namentlich feine 3ugenbgef(^{(i^te/ 
feine itraftentwtcftung bid aum S^obe @auld bur^ )}oetif4ie unb fagen» 
^afte Siemente »ielfadb au^gefc^mud t ; inbe6 I&ßt fid) ber {}reng gefc^id^t« 
(ic^e J(ern n)ol^( nodb erlennen^ unb im SlOgemeinen fiat bie @age getoip 
!e{n uni^nlic^ed 93ilb t>on ibcem Sieblingd^elben entworfen. 

8lufgett>ad)fen ala ,^irt bei beu ,&eerben feine« 93ater6 feigen »ir 
ben Süngling^ ber a(d berebt unb tapfer / a(6 rothaarig, fc^oniugig unb 
))on gutem S(u«fe()en gefc^i(bert wirb , and) fdbon loertraut mit ® efang 
unb Saitenfpiel. @r wirb be^l^alb an ben lönigUc^en <^of gebogen , um 
ben trfibfmhigen @aul burc^ ÜRufif ju erweitern / unb ed würbe bem Mi» 
nige^ wie e« ^ei^t, jjebedmal beper unb leichter um« ^er) unb ber böfe 
Oeifi xoxdi t)on ibm^ wenn 3)at)ib öor i^m fpielte*)» @r fiieg barauf in 
ber ®unfi be« «ffonigö fo febr, baf er il^n ju feinem SBaffcnträger er^ 
nannte, ©c^werlic^ aber bejiften wir noc^ ein 8ieb IDavib« au« biefer 
deit. ^etn einziger $falm ber ganzen @amm(ung möd)te wol^l geeignet 
gewefen fein^ bie böfen ®eifier @au(« }u bannen. Überhaupt wirb ber 
iunge 9)?ann feine ernftreiigiöfen unb erbaulid^eu/ fonbecn weltliche, 
)erf}reuenbe/ l^eitere S3oI!«Iieber^ «^elbengefdnge^ bie loieUeic^t anäi 
@au(« eigene S^^aten feierten, i^m t}orgetragen ^aben. 2>enn bie tiftt 
gefunbe S^rif iß ))ou «^au« a\\^ Um fc^ wermätige , fonbern eine frö^« 
li(^e unb l^erjerfreuenbe ^unf}. 

yiü&i ber folgenben grjd^Iung*) iji 3)at>ib bem ©aul gänjHc^ un« 
befannt unb wirb wegen feine« Sieg« über ben pl^ilijidifc^en JRiefen ®o* 
Hat an ben «^of gebogen. 6« liegen bier gan) beutiic^ jwei abweicbenbe 
93eri(^te \)i)r. !Die DarfleHung aber ifl fo anfc^aulid^, fo ec^t "oolUti^üm^ 
(i(]^, fd)on unb abgeruubet^ baf fte bem 3n^alte nacb bie ßpifobe eine« 
Spo« bilben fönnte. — Sereit« burc^ feine erfte ^elDentl^at I;ätte !Dat)i^ 
ber ©c^wiegerfo^n @aul« werben foHen*). SBielleicbt ^dngt bamit bie 
fpfitere 9?a(^ric^t jufammeu/ wie i^m ©auf« filtejle S^oc^ter ÜWerab^>er* 
fprod)en, aber nic^t gegeben wirb*). 3nbe« tritt !Dat>ib in ba« ,g>eer, 
erwirbt fic^ burc^ füf^ne gfüdlit^e Unternehmungen bie greunbfc^aft 3o^ 
natan« unb bie Siebe be« SSoIfe«/ jugleic^ aber anij bie @iferfud)t unb 
ben J^a^ be« «ßonig«. 2)iefer ftnnt nun auf feinen Untergang/ inbem er 

J) ©öL 1 ©am. 16, U — 23. 

2) «gl. 1 ©am. 17, 31 —40, befonbert 93» 55 ff. 

3) SSgl. 1 ®am. \7, 25. 

4) 1 @am. 18, 17 ff. 



122 Sn^tt $etiobe. Son b* ®ritnb. b« Sttn\%ff)* (il {unt <Snbe b. Srite. 

il^n immer gidfeten ®efal^ren entgegen fül^rt unb feine jfingfie Zeigtet 
Wiial a(d ^ampfpreid il^m t}erf(>ri(^t 3)abei ifi ba^ Srautgefc^enf, bie 
100 aSori^aute t)on erfc^lagenen $^IH|iern, bie Dat)ib einliefern foB, 
gett>if d^atafterif)if(^ für bie @itten jener 3^{^* 3nbed beßanb er aHe 
®efal^ren/ lieferte fogor bie boppelte 3«^! iö««t @ie9e6tro^)l^äen *) unb 
tt)urbe bann »irfHcft ber ©d^tvieflerfol^n bed Äönig^» 

S(uf biefe SSorgdnge in !Dat>ib^ Se6en.n)irb wo^l Sliemanb irgenb 
einen Jßfalm bejiel^en wollen. 

SSon jle^t an n^irb bad Seben !Dat)ib^ immer fifirmifd^er unb bebro^« 
ter. @r mu^ fliegen/ menbet ftd^ jundc^fl an @amue(, bann ind 9[u6tanb 
SU bem ^J^iüfler» Jtonig Slc^i^^ mo er aber feiner ©ic^erl^eit n>egeh ftd^ 
t>errä(f t fteHen muf te , unb begibt ft<^ enbtit^ in bad füblic^e 3uba , in 
bie ©egenb ))on SlbuUam* ^ier trat er an bie @)>i^e t)i>n 400 Un}ufrie« 
benen unb 9(benteurern^ beren ßaf)l aKmAJ^Iig junai^m/ entfette bie t)on 
ben ^^itiftetn belagerte iäbif<^e Ordnjjiabt Äegiia , unb irrte bann 
in ben fübfic^en (Bttpptn, in ber 3Bujie ©if uml^er, biö er,- um Sauld 
9{aci)ßenungen ^u entgegen, jtc^ tpieber ju bem befreunbeten p^i(iflätf(^en 
Äönf ge Sld^id begab , weiter i^m unb feinen ©etreuen bfe 6tabt Sj^ög 
al« fejlen aBoftnfift überlief ♦ 93on l^ler au« unternahm !Da^ib nun be« 
ßdnbige Streifjüge gegen bie ben ©üben 3uba'« bebrol^enben arablf(^en 
93ö{ferf(^aften/ namentlt^ bie Slmaiefiter^ inbem er aüt^, \t>a^ in feine 
©ewalt fam, niebermaci^te, SWdnner tt)ie SBeiber*)* Slld 8e^en«mann 
bed «ßonig« ^Hfi^ljätU er jebod) faß gegen ©au( fdmpfen müfen^ n^enn 
nic^t bad äßidtrauen ber übrigen p^iliftdifc^en gurren feine S^eitnal^me 
an bem geibjuge »erl^inbert l^dtte*). (Sr mufte umfel^ren unb fam eben 
no^l jeitig genug/ um bie tt>dl^renb feiner 8lbtt>efenl^eit auögeplünberte 
unb jerftörte ©tabt ^iUa% an ben amafefitern ju rdd^en. Salb «ber er* 
l^ieft'er ^ier bie S^rauerfunbe ^on ©aul6 SRieberlage unb S^obe, unb feierte 
fein unb feine« ©o^ne« Slnbenfen in ber berül^mten, rül^renben (Sfegie*). 
e« ifl bief ba« erfte unb dltcfie Denfmal ber 2)abibif(^en SKufe, beffen 
6d)t^eit au« bem Siebe felbfi mit unjweifel^after ®ett>if l^eit ]^ert)orge^t* 
@« befielt au« ttier Sinjelfiropl^en, bon benen immer jtt)ei ndl^er ju« 
fammen gel^ören* Sinige Heine 3wfä&e, bie unten angegeben finb, er« 
»eifen fi^ af« jiörenbe, ungel^orige ®lo jfen, beren Sefeitigung fc^on ber 
©tropfjenbau erforbert : 

1) ^aii) 1 ^mn. 18, 27. bod^ »gl» 2 @am* 3, 14^ . 
2).l ®am. 27. 

3) 1 @am. 28 — 29* 

4) 2 @am. \, 19—27. 



(St^rr ^(f^nitt. »«n 1100—850. A. Mnig S>a^t> aU SX^trr. ISS 



1» a. 3)eme Bier, o S^xatl, 19 

9(uf betnen ^öl^eu 
3 p ite erft^ilagen : 
^(^ \üU fielen 
S){e gelben ! 

^agtednifi^tin ®at! so 

äJevfimbtgt ed nic^t 
3n 9(«!aIon'd @tta§ett, 
JDomit fid^ nidfit freuen 
2)er?^itijlerXö*ter! 
IDamit nici^t frol^loifen 
S)ie3:ö4terbec «Reiben! 

L b. 31^ a^erge ®\lbea% 81 

IRid^t 3:9att mo^ Siegelt 
SaKe auf eu(^ ; ') 
S)enn boci^in marb gen^orfen 
JDer @d^tlb bcr gelben, 
JDet @(3Jitb be« ©out!*) 
Ob be« ^lut« ber (Srfd^Iagncn 22 
£)6 bea Seite« ber gelben 
^i(^ 3onaian*d. ISogen 
9{iemald gurüd, 
Unb ba« ^^tottt bed Saut 
j(dm ntc^t l^etm eigne Otac^e» 



2, a. Gaul luib 3ondan ss 

S){e {t(i^ liebten, 
ttnb bie (tc^ Igolb, 
€o lang fte lebten : 
fittdg im S^obe igaben 
^it ^ä) nidfi getrennt 
mti)x benn 9(b(et 
SBaren fte fclgnen/ 
S^elgr benn Sonden , 
Sßaren f!e flar! : 
O 3«rael« Xö*ter, 
SBcn^eint bcn @anl ! *) 

2. b. $((^, toit ffelen 25 

^ie gelben 

Snmitten bc< Sttanpft^ l 
Sonaton — 
9(uf betnen folgen 
Sil er erfcftlagen I 
ffHit ifl \ütf^ um bidg 26 

3onatan, mein l^ruber! 
Sieb loarfl bu mir felgr,^ 
fiteber benn grauenlieb' l — 
^ä}, tc»ie fielen 
JDie gelben ! ») 



!D(ef ik\>, bo6 ol^ne bic fferingfJc rcUgfofc Seimifd^ung, refn 
menfc^Iid^e ^lage atl^met unb ein burt^aud ))o(f$tpm(ic^e$ unb mlU 
H(^ed ©ebic^t ifi, enthält jugleicfe »idjtige j^ifiotif^c Slnbeutungen , bie 
über bo6 8ebcn ®aul6 ein merfwürbigeö Sic^t t?erbreiten unb getvif 
ntel^r ©tauben t)erbienen, alö bie 300 2af)xt fpdter au^ niünblid)er 
Überlieferung oufge}eid)nete, unb priefierlic^ gefärbte SBoIföfage. 2)at>ib 
f)>ri(^t ^ier mit ber gröf ten $(nerfennung ))ou ber S^apferfeit , bte @aut 
unb 3onatan il)x ?ebenlang beVDiefen ; er l^ebt bie ungetrübte ?iebe l^er* 
"oox, bie jtt)ifc^en Sater unb @o^n immer ge^errf^t, fo baß fte felbfl im 
Sobe fic^ n{d)t trennten» Snbfic^ ^eißt eö auöbrürflic^^ baß beibe $eU 
ben in ber @<^Iac^t/ im tajjferen itampfe gefaß^n feien» JDer 
©elb^orb Saulö gel^ört alfo offenbar einer falfc^en Sage ober SDid^» 
tung an, welche ein Sntereffe baran ^atte, ben unglüdfic^en Jtönig ald 

1) „Unb auf bie ®efirbe bei erjUinftgopfet." 

2) „9li(^t flefatbt mit Ott." 

3) ,Mx, bei eu<$ {(eibete in ^titpui mit fßonm, 

S)et ba braute golbnen 6(^mu(f oüf euet ©etvanb." 

4) „ffiunbetb« «>ai bttne Siebe ju mit." 

5) ,,Unb ed Giengen untet bie ^hiegdwerf^euge." 



124 3toeite $eriobe. Sßon b. ®runb. b. iTtnigtl^* M ;um (Snbe b* Srifö« 

einen abtrünnigen, »on @ott 93erlofenen unb bedl^alb JBerjWeifelnben 
barjulieHen* 

9Iu^ bad Setl^iltni^ !Dat)ibd )u @aui muf na^ biefer (SIegie ein 
etn>a^ anbered 8en>efen fein, al^ wie man gewol^nli^ annimmt* !Die 
Siebe )u 3onatan U)icb jmar gan) befonber^ l^en)orgel^oben; allein SSater 
nnb So^n erfc^einen in ber @(egie fo ))erbunben, „al^ ob ^e Seibe glei« 
d)eö SRe^t auf 3)at)ibd ^etj gel^abt Ratten/ Daö Äriegöglfirf be« 
t^atenf ül^netf unb t)om SBoIfe gefeierten 3üng(ing6 motzte aUerbingö bie 
(Siferfuc^t be^ olternben «ffonigö ertt>e(fen, fo ba^ 5)a))ib fic^ am ^ofe 
nid)t me^r ft(i^er glaubte unb eniflol^. aOein feiner "oon ben $falmen, 
bie man n^ä^renb ber angebü^en SBerfoigungen @au(^ gebid^tet fein 
l&^t, bfirfte ber bamatigen Stimmung unb bem ganjen 6^ara!ter 2)a« 
t)ib6 entfpret^en» SBenn man bei ber SIegie auc^ fagen tDoHte, ba^ eben 
ber S^ob alle »ibcrwärtigen Erinnerungen im ^erjen 3)at)ibö auögelofc^t 
l^abe, .fo erfc^eint er boc^ aucft fonji t>iel ju jartfü^fenb, gu ebcl unb 
menfc^Iid^ grop, afö ba^ er ftc^ je fo fur^tbare fflerwünf^ungen gegen 
feinen Äonig unb ©cl^tt)iegen)ater erlaubt f)aben tt)ürbe ,- tt)ie fte in me^* 
reu, auf biefe Vorgänge begogenen 5Pfahnen au6gef^)ro^en jtnb. 

Snbeö bejie^t felbfi Swalb l^ierauf noc^ jn)ei Sieber, bie bedl^alb 
eine nähere ^Prüfung erforbern* ©o foCi jund(l)fl ber 11. $falm tt)d^* 
renb ber erftcn ernfien ©efal^ren unter ®au( t?on 3)at?ib gcbid)tet tporben 
unb fomit baö ältefte !Dat)ibifd)e Sieb fein* @^ gehört ju ben wenigen 
©tüden, bie neunjeilige ©tropl^en l^aben unb lautet : 



K a. 9(uf ben §erm öcrtwu' i(^> ! i 
SBie mögt il^r tnic fagen : 
„^\x\i Oebirg fliegt, ifer QBögel ! 
JDenn fletje, bie gtcölec 2 

. ' ®)jannen ben ^Bogen, 
gegen ii^re Pfeile 
9luf bie (Seltne, 
Um (^eimlic^ gu ((i^iegen 
2)te teblid^ ©ejinnten»" 

1. b. SDann bie ©runblagen 3 

Umgett)ü()lt ftnb, 

a)er ©erec^ite, toa« t^ut er? — *) 
S)er ^ert; im $alajl 4 

®eined «getligtl^umd, 



(Bx, ber im Fimmel tl^ront : 
@eine ^ugen fc^fauen, 
©eine ©imjjern prüfen 
JDie SWenf(^ienfinber* 

1» c. fDer $err jjriift ben ®ered6ten5 5 

IDod^ ben %xt9Ux unb ©etoaltti^ä« 
tigen, 

5Den fja^t feine ®ee(e ; 

Gr logt regnen nber bie greller 6 

^agel, ?euer unb ©c^ttjefel, 

Unb ©(ü^toinb ifl i()red iBe^et« 

JDenn geredfet ip ber $crr, 

Unb ©eredbti^feit liebt er 3 

^ie 9iebU(^en fd^aut fein 9(ntU(^* 

Slicfen wir }un&c^fi auf bie Situation, a\i6 ber bad Sieb f)M0X'- 



I) IDa« fd^toierig bcfunbene iperfeft fielet ganj fo toie ?f* 39, 8. <6iob, 36, 23, 
4 SWof. 23, 23, 



(Srfier mr<i^tiith SSon 1100— 850. A. JtBnig S)abib ab S)i(!^ter. 125 

gegangen ifl, fo läfit fid^ eine fi>(<i^e {n!Dat>(b^ Seben bur^aud n{(^t 
nac^weifen. 3)le Drbnung beö @taatd ifi md) 58* 3 t)60{g aufgelöfi ; 
gret)Ier unb ©ewaltliebenbe fleKen bem !Did)tcr, ber ald ba6 «§aupt einer 
@d)aar t)on ©ered^ten b* i. \)on unfd^ulbigen frommen unb ^flid^t« 
getreuen erfd^eint, nad) bem Scben, fo bap feine grcunbe i^m raten, }u 
fliel^en. SlQein t)oI( erl^abenen ®ottt)ertrauend t>erf(]^mfibt ber 3)t(i^ter 
bie glud^t unb ^offt »on ®ott ein t)erni(i^tenbeö @eri^t über bie gret>Ier. 
Unter biefen niüpte natür(i(i(f ©auf unb fein ?ln^ang »erfianben werben, 
wdl^renb !Dat>ib mit feiner Sc^aar bfc ©eret^ten reprafentiren tt)iirbe. 
SlHcin tt)etbücfte im Srnjie glauben, bap 3)ot>ii> [idj {e in einen folc^en 
Oegenfaft ju ©aul gefießt unb gefül^It babe ! ?lu0erbem tt)ipen wir au0 
3)at>ibö Seben red^t gut, baf ec in Sejie^ung auf eine etwaige glud^t 
gar nic^t fo ffrui)uI66 war. unb me^r alö einmal ftc^ auf unb bat)on 
machte* @obann fonnte bie Slnfc^auung t)on einem $a(afle ©otted im 
^immel offenbar er|i nad) bem ©alomonifd)en S^em^jel auffommen* 
SSorber ^atte ®ott nur ein 3^^^/ obwohl bie «Hebräer bad aOgemeine 
SBort h^käl, ©c^Iop, ^ala^, TAngf} fannten, aber ed gewi^ ni(^t )ur 
93eiei(^nung ber göttlichen SBo^nung gebrauchten* — Da« ganje 8ieb 
Hingt jwar altert^ümlic^ ; inbed ffi^rt fc^on ba6 reine fittfi^e ^e^x^n^t* 
fein, ber allgemeine ©egenfaj bet greoler unb grommen in fpdtere ^cU 
ten unb Sufiänbe. (So ifi fd)werlic^ t>or bem 8. Sal^rl^unbett gebid^tet. 

?luf biefelbe 3^^^ ber Verfolgungen ©aulö bejiel^en @walb unb 
triftig ?ßfalm 7, ein jut)erjid)tlit^ed ©ebet um ©erec^tigfeit unb um ein 
Strafgericht wiber gottlofe geinbe, bie ben !Did)ter, ber feine Unfd>ulb 
feierlich bet^euert, ju t)ernic^ten trad)ten. Der $falm jerfdltt eigentlich 
in jwei t)erf(^iebene Sieber; 95.2—10 geboren jufammen unb finb gegen 
freoell^afte geinbe überl^aupt gerid)tet. Die jweite ^alfte, 93. 11 — 18 
l^at ed nur mit einem (Sinjigen ju t^un. Der S^ert l^at me^re ©loffen 
erl^alten, bie wir audfd^eiben müpen. 

I. 



!♦ a. ^err, mefn ©ott, 
Sd^ t)ertraue auf bid^, 
$nf mit ))on oUen Verfolgern 
Utih rette mi6) ! 
^a^ man nic^ft tote ;in Sötoe 
mi^ jerfleifdje; 
Unb m{(^ jerrei^e 
O^ne Sleiter. 



1) ,,^enn t^ toergalt 
SD^einem Streunte 99öfe0, 



hb. ^m, mein ®ott, 4 

SS^enn i^ fold^ea getl^an, 

0Denn ein %xt))d fleBt 

SD^einen^&änben on : *) 

@o \)erfolge ber geinb 6 

Unb erreiche m\6) ! 

S^rete mid^ gu Voben 

Unb in ben ®taub fhedT er miä^ ! 

(®da.) 

Unb ))(ünbette o^ne ©lunb 
SWeinen JBebränger" : — 



IM Stvette $rriobe. SSon b. ®ntnb. M Mnl^t^. 119 fam Gnbe b* (SxiU. 



2* a. ^U^ au& o ^ivt, 7 

3n beinern Born ! 
Qvfftbt bid^ gegen 
S)te SDut mrtnet ^r&nger! 
9(uf, mein ®ott^ 
SBe^eKe ba« ©edd^t ! 
Unb bie Serfammlung bet Seilte 8 
Umvinge bi^ 1 *) 

2* b. ^ttx, tickte bie Seutel 9 

Stickte nti(^, o ^ert ! 

^aä) meinem dtt^t 

Unb naä) meiner Unr^ulb gefd^el^e 

mir! 

fBli^t %oät f^toinben lo 

IDte Sde^Jitit bet Stebler I 

Unb ftärfe ben ®mä)Un, *) 

^tt gerettet ©Ott! 

II. 

K a. SRein ®<^ilb il 

39 (et ®ott, 
9)ec ba l^ilfi 
S>en reblid^ ©ejinnten* 
®ott, ber ift 12 

(Sin gerettet ffti^ttt 
Unb ein ®ott/ ber ba iumt 
3u iebec 3eit. 



13 



14 



U b. %&maf}x, er (®0tt) toirb 
®ein @^tvett toiebet toej^m^ 
©einen ^ogen f^annen 
Unb i§n rid^ten : 
Sßicb Sobe6gef(|fo$e 
@{(( bereiten, 
Sttbem er feine $ffi(e 
^rennenb macl^t* — 



%. a. ©tel^eba: 15 

streifet ber [nun aud^] mit Unheil') 
Unb ge^t [(i^toanger mit IBerberBen/ 
®o tvirb er X&ttf4ung geb&ren* 
®rft6t er eine ©rube le 

Unb Wlt üe ava, 
®o f&nt er in ben 9(bgrunb/ 
IDen er ma^U* 

2. b. (Se toenbet f!d^ fein Serberben 17 
9l]tf fein eigen 4^an)>t, 
Unb auf feinen ®(^eitel 
etürgt feine Sod^eit. 
S)en ^ervn n>i(l id^ greifen 18 
9la* feinet Oerec^tigfeit, 
Unb toxü fingen ben f^amen 
lDe0 4^erm, be« ^ö^flen ) 



STud !I)at)ib« 8c6enöt)er]^attnijfen läßt ft(^ biefcr 5Pfatm nf«^t erliaren ; 
ed fehlen baju alle bc|ilmmteren gcfd^ic^tlic^en Slnbeutungen* SBir fc^en 
t^n tvenigflend nie in einer &f)nUii bebrol^ten Sage. STitperbem fonnte 
fl(^ 3)at)ib nie nnb nimmer gegen ®aul fo audfprec^en, bejfen (ßerfon 
unb foniglfc^e Sffifirbe er nac^ ben ©fiebern Samueln fortttjdl^renb für 
l^eflig unb unt)erle5n<^ I)(elt*)* Sobann fprfc^t ber innere S^arafter 
beö Slebeö gegen iDaDib» G« {fi für einen iungen glütflic^en gelben \>Ul 
)u Hagenb/ )u religiös refignirenb^ inbem ed ba ein g 5 1 1 (i (^ e ^ ®er{(^t 
etxoüxUt, n)o !Dat)ib felbß ge^anbelt unb feiner S^atfraft ))ertraut l^aben 
mürbe, n)o^( wipenb, bap ber Wler\\i) bie göttlid^e «gulfe nur burc^ eigne 
2:^aten ergreifen unb in ^nfpru^ nel^men mup* SSgK ba6 2)ebora({eb» 
(Snblijc^ gleicht biefer $fa(m fo t){e(en anbern .^lageHebem unb f))ri(^t 



1) ,,Unb übet i^t fe^ce surficT gut $ö^e ! " 

2) /,Unb ))cüfe bie ^erjen unb ^itxtn l " tnben^ bet 3m^etattb ubechan |u lefen ifl. 

3) ^et Seinb n&mli^* 

4) 93gU 2 ®am. 24/ 7* 



St^c 9l6f<nUt aSon 1100— 880* k. StMq a>a\>ü M S>l^iit. 127 

bd6 93erl^d(tni6 ber Stommen ju Sreiolem unb gottlofen geinben fo Hat 
aM, baf tvir il^n ttur in einer ^pittxcn delt begreiflich finben» 

3n ber erfien $eriobe feinet bebend $atte Daioib unflreitig gan) 
anbere u,nb toeit anfprec^enbere Sto^t, bie er )>oetif(^ barßeUen mo<^te, ^ 
iDor SIQem feine S^^ben mit ben 9Iationa(feinben/ mit ben $^i(iflern unb 
ben arabifcben Solferfc^aften ber fublic^en 9Buf)en. 3)iefe $l6enteuer 
Rotten an ftc^ f(I}on einen burdjaua bid^tertfc^en Slnftric^/ unb n)ir bflrfen 
\>txmnttn, bap bie Sefc^reibung berfelben ben Aüeßen e)>if(^ « I^rifc^en 
^elbengef&ngen ber Siraber nic^t gan} uni^nlid^ gemefen fein wirb. 
9te(ig{6fe3üge febiten too^I nic^t; allein fte fonnten ^ö(^fien6 nur benen 
im !Debora(iebe gleichen, inbem ftc^ !Dat)ib a(d ber .^elb fällte, ber bie 
@(^Iac^ten 3al^t)ed fd^Iug unb bie Seinbe 36rae(d beMmpfte. Jtein ein« 
jiger $fa(m aber brädt bie Iriegerifc^e morbgierige Stimmung , ben 
frif(^en l^eipblätigen ^elbenmut unb bie Seuteluß be^ jungen tt>e(tflugen 
9Ranne6 entfprec^enb aud/ unb ixoi) tveniger (^arafteriftrt irgenb einer 
bie nationalen geinbe , mit benen er ed au t^un l^atte. SEBoQen n>ir und 
inbea eine IBorßeQung matten, toit ein (eibenfc^aftlic^ erregter <^elb in 
fo((^en 3^iten fingt/ fo möge ^ier bie S^obtenflage bed S^aabb^ta 
@(^arran aud ber ^amäfa ßel^en. !Diefem lag bie $fli(^t ob, bad S3(ut 
feinea / in ben S^l^ben mit ben @tammgeno^en loon «^ubfeil erf(^(agenen 
mütter(i(^en D^eimd ju xaittn, unb er fang barüber : 

5Dort in bet %f)a\f6fin6^i, ^^tt ju 93öbm hliättCt 

!Dte unter bem Seifen, »(Üift au0f(^toi^t, . 

Siegt ein (Brf^Tagner, «^er tote Ottern hliät, 

IDef IBIut ni^t f^toinbet* «®{e 9tattem ®ift autfl^au^t.' - 

Ott legte, mir auf Sa, ed fam und eine Jtunbe, 

IDiefe SafI rnib oerf^ieb $ ®o ^art^ fo %xof, 

Unb biefe Safl, ') S)af ba« ®rdf te ))i)r i^r 

34 toiK fie tragen : 3ur i^Ieinigfeit toarb* 

^(Si erbt meine dta^t (Ba beraubte mi^ bad ^^i^^fal 

«,^er ^((toe^er Go^n, SeinbfeHger SEBeife 

Mn too^lgerüßeter, (Binetf (Bblen, beff^en (Saflfreunb 

»streitbarer SRann) , 9lie befd^ämt »orb. 



I) !Die Q)Itttra((e nämlicb* ^er< 3 unb 4 f^d^t ber €terbenbe. 



128 äwftte Verlobe. SSon b. Orfinb» b» JWnlgt^. bW'jum ffinbc b^ (Sritt» 



7* 

IDer ehte ®onne 

IBet bet JTalte toar, 

Unb toonn ber ^unb«jlem brannte, 

Clin ful^Unber ®((attem 

S)ec mageren MUi, 
S)o4 nic^t aud ^an^tl, 
JDer tton trtefenben «gänben, *) 
J(ü]^n nnb getoaltig^ 

S)er SD'Iut )oq mtt i^m au^, 
®o oft et lagerte ; 
9Do er lagerte, ba tagerte 
mi \f)m avL^ bet mnU 

CSin Sßolfengng koar et, 
©efci^cnfe fDenbenb; 
^0^ ein tro^iger Sdloe, 
SDenn et fdm^jfenb anfleU 

11. 

Stet liep et flattetn 
©ein f(i}toatied $aat gn ^aud ; 
S)o(i^ im JTttege n)at et 
(Sin fitu^^iget 9Bolf. 

3tt>ei ©efciftmädPe ^att' et : 
^onig unb SBermut, 
Unb bie Reiben ©efd^m&dfe 
i^oflete 3ebet* 

9(nf bem ®ä)xtätn titt et allein, 
Unb ed begleitete il^n nut 
®ein Semanif^ed ^^tottt, 
^ai fd^artent^olTe. 



14* 

Dft reifl* er mit SötigUngeit 
IDurdb ^t« SD'^ittag^gTut 
^ie gange 9la(^t l^inbut^, 
Unb tu^te eifl SDIorgen^* 

15. 

3cbet »at f(ib«f 
Unb trug ein ©cijarfe«, 
S)ad and bet ©d^eibe ful^t 
mt tin gUngenbet ®Ii(* — 

16. 

^at nun bet ^ubfeilit* 
3^m bie Sänge gebtodb^n^ 
^atf er fie guvot 
S)en ^ubfeiltten gebtod^en *, 

ir. 

$atte j!e oft gelagert 
3n einen f4lle(bten <Sta(l, 
9Do am bitten (Seflein 
^ie .{flauen gerbtadben. 

18. 

^aiU felbfl in i^tem ^aufe 
<S{e b^tmgefudbt, 
S^o nadb bem S^obtfdblag 
S)ie !Beute man fottttieb; 

V 

19. 

9{un Ibaben toit abet 
^ie dladbe etl^alten, 
Unb leenige enttannen 
93on ben gtoei €tämmeii» 

20. 

Sflodb fdbliefen fie feft 
Unb fdbnardbten unb ni(ften : 
SDa fcbtedtten toir jle auf* 
Unb fie entfielen. *) 



1) b. i. freigebig. 

2) ©tropl^e 19 unb 20 flehen im SCrabifdben minber gut gtoifdben 6tr. 15 unb 16. 
9(ttferbem fdbeint €tr. 20 inig t>or @tr. 19 gu flehen. 



Srfier %6f(!(nÜt iBon 1100— 850* A. Mnig S)a&ib aU S)(^tfr. 129 

21* 24. 

34 ^db l^ei^ gemad^t beit $ubfei(iten O f<(enfe mit ein, 

^U ein ta))fetet Tlam, ^atodb, ®en 9(mt ! 

^en bad Unglücf ntcf^t meid^ ma^t S)enn toegen bed D^eim« 

^ii iene toetdft f!nb 5 Sin i(i^ etmaüet 

22* , 25* 

IDet ba iränft feinen ®)pt«x, 9lun (aci^i bie ^^&ne 

Unb toann er getmnfen, Ob ^ubfeild Grfc^lagnen/ 

3ur }toeiten XtänU Unb bet ^^atol 

5)en «Dürftigen fü^rt* 3ft frö^li* barüBer- 

23* 26* 

92nn ift gel^oben Sßcn SeidSie )u Seiche 

S)ed 9Beined Verbot; @dbre{ten eble ©eier, 

Unb vi>af}xliäi, mit SO^ül^e IDie mit \>oHtm S&auäf 

äBarbe anfgel^oben. ^iä^i aufwiegen fOnnen* 



SRit ®au» %oU beginnt ein }n)eiter Slbfc^nitt im 8e(en !X)at>ib6* 
(Sr Begibt fi^ nad^ «^ebton, ber a(tfananitif(^en Jtönig6f)abt, unb wirb 
bafe(bf) ))on 3uba ald ^önig aufgerufen/ n)A^renb bie 11 anbem 
Stimmt, burc^ ben (Sinflu^ SIbnerd betoogen, einen ®o^n ®au(d 3^« 
böfet ald ©egenfönig einfe^en* 2)iefer nimmt feinen Sßol^nft^ ienfeit6 
beö 3orband in SWac^önoim. — 3tt)ei 3ai^te befianben beibe 9iei(^e 
neben einanber, bann fam ed jum Kampfe , in n)e((^em jebo^ !Dat)ibd 
Partei fi^ . be]^au))tete unb aOmi^lig \>tx^xtU. %l^ aber SIbner mit 
S^böfet }erftel unb )u iDa^ib übergieng, |iatte auc^ bo^ nörblid^e Steic^ 
feine eigentlid^e Stä^e ))er(oren* !Der Aonig n)urbe ba(b bur^ a^^i f^<* 
ner S^lbl^rren ermorbet unb barauf aUe 12 @t&mme unter Da^ibd 
©cepter t)ereinigt* 

S(u6 biefem jweiten ?Ibf(6nitte/ ber 7 ober 7% 3al^r umfaßte, be* 
fifren n)ir no(^ ein f (einea ® ebi(^t , eine $(rt @))igramm auf ben S^ob 
aibnerö* 5116 biefer ndmlic^ ju 3)a^ib übertrat, tt>urbe er "oon 3)at)ib6 
gelbl^errn 3oab (beffen ©ruber »on Slbner im dampft getöbtet Sorben), 
au6 Slutrad^e, ^ieUeit^t au^ au6 (Siferfuc^t/ l^interlißig ermorbet. 
!Da)oib beflagte ba6 untoürbige @nbe eine6 fofd^en «^elben^ inbem er 
»oeinenb hinter ber 93al^re ^ergieng unb am ®rabe bie SBorte \pxa6) ; ^ 

«Sie ein 9teoln ftixli, 

aWttpte §(bner fterben? 

^a beine 4&nbe ni(i^t gebunben 

1) ©gl- 2 ©am. 3, 33—34. 
(Slef^. b. ))i>ct. SQationanit. b. ^ebr. 9 



130 Stvfitf fßeriobe. SSon b. ®runb. M Stini^if^. W jum @nbe b. <Stl(0. 

Unb betne pfle nic^t gefefelt ! 

(Sie fu^rteti bi* ab, bi* überfaUenb:*) 

&Uiä) ^öfetoic^tevn bifl bu gefaüen.'' 

SBBir l^aben l^fer bie flltefie elnfac^fle gorm einer SiobtenHöfle, gegen 
beren Slbfafung t)on 2)a^ib nfc^td einjuwenben ifi» Sie entl^Jft rein 
menfc^Uc^e «ßlage wie bie (Slegie auf ®au( untv 3onatan unb befidtigt 
bie SSerntutung / baf 2)a))ibd SRufe feinedn)egd einen au6f(fi(ie^(ic^ ober 
au<^ nur t)orl^etrf(^enb religiöfen Sl^arofter gelobt l^aben Hnne^ 

@in anberweitigeö ?ieb ouö biefer ^tit ber get^eiften Äönigdl^err« 
f(^aft beftften wir nid^t* 

!Der wic^tigfle unb gldnjenbße Stbfc^nitt in !Dat)ib6 Seben beginnt 
mit feiner ,§errf(^aft fiber ade 12 Stämme unb böuerte, ber allgemeinen 
Ängobe nac^, 33 Saläre* .^ier entwirfelt 3)at)ib nun fofort eine organi* 
ftrenbe f^öpferifd^e 3;^atigfeit no(^ 3nnen unb l^ebt ein fdjwa^eö , ger» 
ripened SBolf au einer fo bebeutenben ÜRad^t nad^ Slupen l^in, bap er ben 
größten JRegenten aller Reiten unb Sflnber beigejd^lt werben muß. — 
Sundc^ji eroberte er 3ebu6 b. i. 3erufalem unb erfor bajfelbe mit glürf* 
liebem Slicf jur ^^auptjinbt unb jum SKittelpunfte feincö SReic^eö , befe* 
fiigte eö noc^ mel^r unb oertl^eibigte e6 fiegreic^ gegen bie Angriffe ber 
^Pl^ilijier. Sobann ließ er bieSunbeölabe, bie frul^er in »erfd^iebenen 
Drten beö Stammet Sfraim, inUi^t aber inSubo, in Äirjat^Searim 
(aBalbjiabt) ober Äiriat.Saal (55aal6jiabt) unweit 8et*@6me6 (@on» 
nenl^auö) aufgehellt war, nad^ 3erufalem bringen unb grunbete ba? 
mit aud^ für ben ©otte^bienft einen feßen SRittelpunft. 

pr benÄnltuö felbft ifi e6 ^arafterifiifc^ , wie!Dat)ib bei biefer 
Öberfiebelung ber l^eillgen 8abe unter raufc^enber SRufif "oon 8auten unb 
^arfen, üon ??aufen unb S3edfen unb unter bem Subelgefc^rei bed 9Solfe6 
auö allen Äräften »or 3al)»e ^ertanjte. 3ugl^i<^ tnuß et fafi naft unb 
nur mit einem furjen ©c^ulterfleibe beberft gewefen fein; benn 9Wi(^aI, 
feine Oema^lin, mad^t i^m SSorwürfe, baß er t)or ben SWägb^n feiner 
2)iener ftc^ fo entbloße „wie einer ber 8ei(^tfertigen/ !Daoib ontwortet : 
er l^abe au6 Danf gegen ®ott, ber tl^n jum Äönig erl)oben, fo getanjt; 
unb gerabe bei ben aWdgben, t>on benen jle rebe, wolle er jic^ berl^err» 
liefen unb für i^re ffierac^tung ftd^ entfd^dbigen» „Denn — fügt ber ßr« 
jfl^ler l^inju — ÜRid^al l^atte fein Ätnb bi6 on i^ren 2;ob/ ^iernad^ 
fann fein 3weifel obwalten, waö mit Jener SBerl^errlic^ung bei ben SWdg* 



1; 3ulefentß: higgischüka naföl ; bn Inf. abs. fle'^t untergeotbiiet* Sütben 
©inn »gl. 2 @am. 3, 27, 30. 



etjter ^Kfd^nitt SSon 1100— 850« A. Jt&nig 3)at>ib att 3)l<l§ter. 181 

ben gemeint ift, ühb n){r bfirfen nic^t mit %^oM gerabe ein 3^i<^^n bec 
tiefen «^etien^bemut ^at>ibd barin erblicfen tooUtn. 

Ob n>ir noc^ ein Sieb befi^en, bad 2)abib bei biefec ®e(egenl^eit ge« 
biegtet/ ifl fel^r sweifell^aft : tt>enigftend brficft fein $fa(m bie Stimmung 
aM , Sie nac^ ber Sefc^reibung ber Sucher ®amuetö babei gel^errfc^t 
Ibaben muf * !Dat>ib brat^te reiche 0))fer an Stinbern unb äRaßfdIbern 
f^on itntemeg^^ ebenfo in 3erufalem/ fpra(^ bann ben @egen aber ba^ 
SSoIf im SRamen bed ©otted ber «^eerfd^aaren unb gab iebem aud ber 
SRenge jo^vx ÜRanne bid }um SSeibe'' ein 9Ra|i SSein unb einen SBrob« 
unb 3!raubenfu(^en. 

Swalb besiegt $fa(m 24, 7— 10 auf biefe Öberfiebetung ber Sun:: 
bedlabe. 2>ad Sieb ifl iebenfaUd bei einer durfidbringung ber l^eiiigen 
Sabe nac^ Serufalem gefungen unb lautet : 



1« a. Xü^Vii auf/ i^t X^ore, 
(Sure leiten ! 
X^ut eu^ auf/ 
31^t emigen fßfotteit; 
^amit eingtr^e 
^er «ttönig ber CS()ren ! 

1« b. «^Seriflbenn 

JDerÄÖÄig ber (S^ren?" 
JDer ^err, bec ©tarfe, 
Uiib ber J&elb, 
JDer ^tvc, ber ^elb 
3m J^rtege ! 



8 



2« a. X^ut auf; i^r S^^ore, 
(Sure Letten ! 
Xl^ut fte auf, 
34r etoigeit Pforten, 
IDamit ein^ie^e 
IDer «tt^ntg ber CS^ren ! 

2* b. «9Der ifl benn 

S)erjrdnig ber (Klaren? 
ör, ber J&errfdjier 
fDer <&eerf(|iaaren/ 
(5r ifl ber ,{t5ttig 
3)er ö^ren ! • 







10 



3nbeö ufil^er betrad^tet pajft bleß 8ieb nic^t für bie angegebene Sage/ 
ba bie Sunbeölabe offenbar nacft 9S» 8 auö einem gelbjuge an il^ren 
Drt jurücfgebrad^t ttjurbe» I)le S^l^ote; bie ewigen ober uralten ^Pforten, 
burc^ welche ®ott einjje^t, fonnten nic^t wol^I bie Si^ore beö eben erji 
eroberten 3erufalemö fein , tt>ie Swalb will ; e6 müpte ber (Singang be« 
3elte6 gemeint fein, tt>eld)eö 2)a\)ib für bie Sunbeölabe aufgefd^lagen 
l^atte *)♦ StIIein bafür ^)afft ber ?lu6brurf nic^t ; er lann jtc^ nur auf ben 
Stempel bejiel^en unb fc^on beö^alb ift ba« Sieb nic^t t)on 5)at)ib tjer« 
faf t, jumal jebe anberweitige f^)ecieHe 93ejiel&ung fel^ft* @« ifl iebenfattd 
alt unb flammt t)ieltei(^t aud ber S^it be6 U|ia, au« bem 9» ober 8. 3oi&r? 
l^unbert^ Dl^ne ®runb fd^reibt e« .^iftig bem 3»eremia ju. 

3n bie erfie 3«it ber JRegierung !Da^ib$ ju Serufalem tjerlegt @»a(b 
tt)ie be SBette bie Slbfafung \)on 5ßfalm 101» (Sin i«raeIitif(J^er »^err« 



1) 2@am. 6, 17* 



9 



1S2 3n>ette ^ertobe. SSon b. ®runb* b. Jttnigt^« ttö }ttm (Bnbc b. %il9. 

f(^er nimmt fid^ t)or/ ^römmlgfeit ttnb Stecht ju (efittgen unb unfhrdffid^ 
im eignen «^aufe )u n>anbe(n ; bad Söfe tDiU er meiben unb bie 6(^(e^« 
ten^ bie 93er(Aumber, Setruger unb Stigner fo tt)1e bie Übermütigen in 
feinem ^aufe n{(^t bulben. 9Iur Unfhr&flic^e foUen in feiner $d^e fein 
bärfen unb i^n bebienen ; aOe %teoUx aber iDiQ er im Sanbe fo toie in 
ber ®tabt ®otte6 t>erti(gen* @n)a(b meint: Mi)t^ öffne und fo fiar 
ben gan)en $(bel unb bad gewaltige Sid^t ber ®ee(e 2>at)il^ / ald btefed 
furje Sieb/ 3(^ glaube ni(l(|t, baf SJiefe biefem fe^r fubie(ti))en Urt^eile 
bei^immen n>erben. !Dad Sieb brfiift eine ganj bia'ot moralifc^e @efin- 
nung / aber feinedn)egd einen befonberen @ee(enabe( unb feine befonbere 
Voetifc^e Se^abung a\x^, ^ie man fte bei !Dat)ib unßreitig t>oraudfe^en 
mu^. Sud^ fonfl fpric^t SlOed gegen eine 2>at>ibif(6e ^bfafung* S^* 
ndc^fl ifl fd^on bie Situation bed Siebet eine ^an} aOgemeine^ in bie 
auc^ t>iele anbere A5nige auper !Da\)ib fommen fonnten. 2>af mancher 
bei ber S^ronbefteigung gute SJorfd^e gefaft f)abt, n)irb 92iemanb (dug« 
neu wollen. 93efonbere gefc^ic^tlic^e Sejiel^ungeu auf 2)aiDib feilten aber. 
®egen il^n f priest t>ielme^r bie 93e)ei(^nung 3erufalemd aM ber @tabt 
3 a^t)e'd . S.8, n>ad einen (Angeren 93ef}anb bed ^Itu6 unb bed gan« 
jen^empelwefenö t>oraudfe^t* ©obann jeugt ber ®eifi bed 8iebed gegen 
3)aüib. Seim Seginn feiner .^errfd^aft ffattc er größere !Dinge )u t^un, 
ald bie 93erldumber unb «hochmütigen aud}uf))d]^en/ um fle au t)ertilgen. 
2)er 5)i(^ter wiB ferner reblic^ unb friebli<^ »in feinem ^ aufe* xoan^ 
beln. 2)at)ib aber, ber feurige Äriegd^elb , l^atte SBölfer ju beawingen 
unb ein eigentliche^ @taatdn>efen }u organiftren* 2)abei gieng er offen« 
bar mel^r praftifc^ ju SBerfe, afö nac^ fo frommen Sil^eorien, fo ehren- 
wert fte an Rc^ auc^^ finb. — 2)ad entwidtelte ftttlic^e »ewuptfein be« 
8iebe6 fu^rt und inö 7. ober 8. Sal^rlfiunbert unb würbe gana gut für 
einen ber beiben frommen reformatorif^en jtönige : «^i6fia unb dofta^ 
paffen. Snbed febten und a^ einer folc^en beßimmten Slnnal^me aKe 
bifitorif(^en ^nbeutungen. @{e if} aber immer noc^ fieserer, al6 bie 
^nnal^me t^i^igd , ber ben $falm bem SRaffab&erffirflen 3onatan au* 
fc^reibt. 

9?a(^bem 2)at)ib bie innern Slngelegenl^eiten feined SReid&d einiger* 
mapen georbnet, brachen au(^ fd^on Kriege t>on allen Seiten über il^n 
herein. . 3lnbed gieng er flegrei^ aud biefen Stürmen l^er^or, bra(^ für 
immer bie ÜRad^t ber ^l^ilifter, fc^Iug bie wieber^olten Sinf&Oe ber @bo« 
miter aurüdC unb eroberte enbli(^ ibr Sanb, machte bie 9Roabiter flc^ tri^^ 
butbar, bejwang bie S^rer "oon 3oba unb 2)ama6fud unb bel^errf^te ein 
®ebiet, bad t>om SRittelmeere bid aum rotl^en Sleere unb im.Dften bid 



(Srfler 3(6f^mtt. SSon 1100— 850. A. JtDnig S)atib att S)iti^trr. 13S 



)um ®ufrat reichte : eine Siu^bel^nttng/ bie eifi fett biefec d^it im $enta» 
teud^ fo n)ie bei ben f)>dtem $rot>^eten unb !X){(^tem )ur 9e)ei<^nung ber 
Auf erfien ©rdnjen bed {6iae(itif(^en Steid^d gebrauci^t tDerben fonnte« ^ 

3n blefen Äriegen fommen, no^ bem rollen Ärieg6re(^te ieuei; 3^U 
ttUf no(^ furchtbare ®raufamfeiten t>or; fo namentU^ in ben ^dm)>fen 
gegen bie ^on ben @)^rem unterbauten Slmmoniter, an benen iDaioib eine 
9ef(^im)>fung/ bie fie feinen ®efanbten angetl^an^ auf barbarifc^e SBeife 
x&^U, inbem er bie Kriegsgefangenen aOer ®t&bte Stmmond t^eitö in 
Siegelofen fiecfte, tl^eilö jte bur<i^ ©igen unb eiferne 3)ref<^wagen ju 
Sobe martern lief *>♦ 

SBd^renb biefeö Äriegö, ben anfangt 3oab aflein ffil&rte;. begab fld^ 
\>af)cxm ber SSorfatt mit ber SSatfeba* Sr i|l ein bunfler gfecf in !Dat)ibS 
itUn unb fc^Iof ein bo)>pe(te6 SSerbred^en in fic^ : ben @^ebruc^ unb 
bann bie )>(anmApige «^inopferung beS Uria. ^m SrHirung , nic^t )ur 
@ntfc^ulbigung biefer Zf)ai (df t fidb f <tum anföl^ren , baf bie orientali« 
f(^en «^errfd^er überbau)>t ein gewipeS Stecht auf aQe ©dienen bed San^ 
bed jl(^ anmaßen ')♦ @d war ein ?lft leibenfc^aftlic^er (Sefc^fec^töliebe, 
n)e((^e !Dat)ibmit manchem außerorbentlic^en SRanne tl^eifte, bie aber l^ier 
um fo firafwurbiger erfc^eint^ a(d er (Angfl ein idf)Utli)t9 <^arem f!d^ 
}uge(egt ^atte. !Der $ro^l^et 9latan mad^te i^m barfiber bringenbe SSor« 
gedungen in einer einfad^en ^axaUl, inbem er }u i^m fprac^ : *') 



a. Qti ta>ftten fi»n Wl&mtt , 
3n (inet &a\>ij 
^et eine ta>a¥ reici^ 
Un^ ter anbete arm* 
^et teid^e ^aiie S^aafe 
Unbfc^t«iele9linbet5 
^o(i^ bet atme I^atte got nt^td 
9üi ein eingigee Sämmlein $ *) 
^a^ a{l ^on feinem Sipen 
Unb ttanf aui feinem ^ed^et 
Unb fd^Iief an feinem Sufen 
Unb toat i^m toie eine Xoi^itt^ 



b. £Da fam ein SBanbter 
3tt bem teii^en Spanne, 
Unb e0 bauette il^n gn nel^men 
SßovL feinen ^^aafen 
Unb fle gttgttbereiten 
S)em SReifenben/ 
^et ^ iX)m gefommen« 
S)a na^m et bad iSamm 
^ed annen SO'^anned 
Unb beteitete t9 bem, 
S)et jtt il^m gefommen» 



Sin bem ^(ter unb ber (S^t\)dt biefer $arabe( ifl ni(^t n>ol^( }U 
}n>eife(n. SBBii; ^aben ^ier auper ber Sabel 3otamS bad jweite Seifpiel 



1) SJgU 2 SWof^ 23; 31* 1 SWof. 15, 18. 5 SWof. 11, U. ßa6), 9, 10. gjf» 7^, 8.- 
eira(^ 44/ 123. %) tBgU 2 ®am. i;^, 3U 3) SB9I. 2 @am. 12, 8* 4) 2 ©am. 
12, 1—4. 5) ^iet folgt im f^hx. Serte eine ®bffe. 



184 dtoeite $eriobe« SSon b* ®tünb« b. Jt&ntgt^. 610 jum (Enbe b. @xite. 

»on altl^etrÄifc^er Se^rW^hing» — 3)at>ib »erurtl^clft fic^ felbfi, inbem 
9{atan gerabe i^n aI6 ben Siiuber bed armen SRanned bejeic^net, unb 
legt tiefe JReue on ben Za%. 3)ie weitere Srjd^Iung , wie baö im @l^e» 
bruc^ erjengte Äinb — gJeid^fam jur Süfene — ben SItern wieber ent« 
ripen wirb, wie 2)at)ib t)orl^er trauert unb betet, nat^ bemS^obe beö 
^tnbed aber ft(^ minnl{(^ gefaf t jeigt, bad Mcü iß ergreifenb unb ru^« 
renb erjd^lt» 

S3ie(e ^udleger (@wa(b u. $(•) bejiel^en auf biefen SSorgang mit 
ber ^ai^eba ben 32* ^fatm, ein tiefreligiöfed Sieb, für bad fxd) fc^einbar 
mel^r, ald für irgenb einen anberen $faim eine gef(^i(]^t(i(^e Sage im 
geben 3)aüib6 nac^weifen Wßt* 3war bejiel^en bie SBerfaßer ber Über* 
fd^riften ben 51 ♦ ^falm l^ierauf, obwol^I ber ganje 3nl^att fo wie bie 
fpdtere ßcii be6 Siebet biefe ^Innal^me unmog(ic^ machen. SQßeit el^ec 
würbe aUerbingö ber 32. 5Pfa(m paffen, beffen Snl^ialt l^ier nfil^er geprüft 
werben mup* 

3)er iDic^ter biefeö Siebe«* fül^Ite lange 3eit bie Dualen eine« f^ufb« 
belabenen ©ewipen«* (Sr war S^ag unb Slad^t oI)ne ätu^e unb fein ©e» 
bein verfiel; bi« er enblic^ burcl^ offene« ©ünbenbefenntni« öor ®ott jur 
innern 93erf5l^nung unb )ur ©ewi^fieit ber ®ünbent>ergebung gelangte. 
3)ie lefttere folgte unmittelbar auf ba« ©eftdnbni«» — 

SBetc^er 3frt bie ©c^ulb be« 3)i(^ter« gewefen, ob er, wie @watb 
meint, „"oon Seibenfc^aft t>erfül^rt," gefünbigt l^abe, wirb im Siebe nic^t 
n&l^er angebeutet« !D{e Sage i{} fo allgemein unb unbeflimmt, baf ©ro:: 
tiu« annahm, f!e fei ftngirt unb ber $falm fei baju gebic^tet worben, um 
al« Sel^rlieb am großen IBerfol^nungdfefle t^om ganzen SSotfe gefungen gu 
werben- Slu(^ be SQBette neigt il(^ ju biefer »nftc^t ^in- Slttein ®- 3—5 
atf)men boc^, troft ber SlUgemeinl^eit ber ©ebanfen, ju t>iel inbit)ibueöeö 
Seben unb ju ))iel perfonlic^en ^nt]()eiK Slugerbem pafft ber änl^alt bed 
Siebe« boc^ nic^t }u ben ®ünbopfern, bie an bem i&l^rlic^en SSerfol^« 
nung«tage bargebrac^t würben» Unfer JDic^ter bebarf ju feiner SSerfö^« 
nung feiner ©tiere unb S5ßrfe, wie bie grope SWenge; er Pel&t l&öl^er* 
3)ie Vergebung iji bei il^m bebingtburd^ einen inneren 3lft, burd^ bie 
Stimme be« ©ewipen«, ber er folgt* Somit ergibt fic^ au« bem ©e* 
l^alte be« Siebe«, bap e« fd^werlid^ für bie große SWenge gebic^tet würbe, 
fonbern junfic^ft bie perfönlic^en Srlebniffe unb innern Dffenbarungen 
eine« einjelnen, I^O(I)fiel^enben ©eifle« au«fpri(l^t» ©d^on biefe« l^o^en 
Snl^alte« wegen fann e« nid^t ein allgemeine« ©emeinbelieb fein, ba« ju 
liturgifc^en 3»ecfen tjerfapt worben, wie Sengerfe unb JDl«]^aufen an* 
nel^men, ober gar ein „Stationalbanfpfalm", wie giftig Win» Sluf erbem 



Gtfler Slbf^nitt. aSon 1100— 850. A. Jt5nig ^at^ib att S)iti^ter« 135 

fVtid^t ber EDid^tec nidit im 9{amen einer ®efammtl^eit unb rebet nic^t in 
bei SRel^rlieit n>ie g. S* $f* 90, fonbern f)>ri(^t feine )>erfonI{(^en (Sm< 
l)ftnbunflen au^ in feinem eigtjen SRomen ouö.*'— 

Die befien Sieber, weltlid^en wie religiöfen 3nl(>alt6, (inb ju oUen 
Seiten ®ele9enl(^eit6lieber gemefen , bie burc^ befonbere J3erf6nli(^e SBer^ 
l^dltnijfe ber SJid^ter l)ert>orgerufen würben, ©elbß bie beflen c^rifiiic^en 
©emeinbefieber tt)ie ßutl^erö : „(Sin' fefie Surg ifl unfer ®ott*, 
©er^arbö: ^Sefiebl bu beine SBege^ ober: „3P ®ött für 
mldi^ nnb tjiele anbere, fmb, wie wir wifen, an6 gonj fpecieUen Sin« 
lipen unb uberl^aupt au6 wirflic^en @r(ebniffen l^et^orgegangen, ni^t 
au6 beut allgemeinen ®treben, ju erbauen, ju troften, }u unterrid^ten. 
@benfo \)er^ält eö fi(^ mit ben befien l^ebrdifc^en 5Pfalmen, unb nur bor« 
auö , Weil ber Did^ter fte evfat)ren unb empfunben , erHdrt fld^ bie wun* 
berbare Äraft unb grifc^e, bie unt^ergdngli^e S38irfung unb Sebenbigfeit 
biefer Sieber. 95ei unferm 5PfaIm fpric^t nun SlUeö, bie gorm wie ber 
3n^alt, gegen jene S(nna](^me eined ganj allgemeinen bibaftifc^en Ur« 
fprung^. 

Db jeboc^ 2)at)ib bei bem t^or^er angegebenen 8fnlaß bief 8ieb ge« 
biegtet, i|l me^r atö jweifel^aft. 3uncl(^ji ift fc^on bie Sage unfer« 8ie« 
beö eine anbere, a(6 bie in ben Sücfiern ©amueW und überlieferte, 
»^iernaci^ erlannte 3)at)ib fo wenig fein ffierbred^en, baf er nid^t einmal 
burc^ bie ^ßarabel 9?atanö fofort jur Sinfid^t fam, t)ielmel^r nnbewupt 
jlc^ felbfl ^erurtl^eilte. (Srji aW ber $ro))l^et i^m »orJ^dlt, baß er fetbfi 
biefer reiche 9Äann fei , ber baö ©c^aaf be« ^rmen gewattfam fic^ an« 
geeignet, erfennt unb befennt er feine ©ünbe t)or ®ott unb ^or 9?atan, 
ber i^m alöbann im SRamen ®otte« Vergebung anfünbigt. 3n unferm 
Siebe bagegen brel^t fic^ 3lßeö barum, baf ber 3)id^ter bie Stimme feine« 
®ewipen« lange ju unterbrüdfen fuc^te unb beöl^alb fid^ unfelig fül^lte, 
bi« jie juleftt burc^brang unb ben Streit in feinem Snnern fd^lic^tete. 

Sluc^ abgefel^n ))on ber wefentli(^ t>erf(^iebenen Situation bei !Dat)ib 
unb bei unferm 2)ic^ter.ijl ber älnl^alt be« Siebe« für bie 3)at)ibifc^e 3eit 
unßreitig ju geißig unb }u l^od^» 2)amat« würben @ül(in« unb Sünb« 
opU^ unerläßlich gewefen fein. 9Sor ben ^ßropl^eten be« 8. Sa^r^un* 
bert«, üor 8lmo«, Sefaja, SWidja *) ift unfer Sieb fc^wer begreiflich ; benn 
e« fefet bie l)roi)ll^etifc^e ^olemif gegen ba« rein äußerliche Dpferwefen 
offenbar »orau«, unb erinnert anbrerfeit« an bie 3bee be« ©ittengefefte« 



1) ^dl^ befonbei« TO^a 7, 6-8. 



136 Qmitt $friobe. 9$on b. ®runb. b. Jt5ni0t]^umd 610 j. (Stibe b. (Sri(d« 

im eignen 3nnem bed aitenfd^en* *) (Sd tDicb mithin bei ßtlt ))ort 
700—600 \>ox (S.f)u angel^ören. @))&ter fommt ber ®runbgebanfe bed 
Siebet in einem futien @!pru(^e iufamniengebrdngt t>or* Qpm* 28, 13. 

9Benn 2)at>ib fetner ganjen Statur unb Sinnesart nad; fic^ )>eran« 
lapt füllten fonnte, iene ft^watje Xf)at unb feine Seelenbuge für biefeibe 
in einem Siebe au0}uf)>re(l^en/ fo l)at er ti fieser in anbrer äBeife, a(d in 
5pf. 32 getl^an. 3<^ aw)eiffe aber fe^r, ba^ er gerate baö Slnbenfeit an 
biefe Zf^at burd^ ein Sieb t)eren>igen mochte. !Die ertoac^ten SBorn>ärfe 
feinet 3nnern fuc^te er ))ie(mel^r ))raf tif(^ / bur^ ^^aten unb SQßerfe ju 
befc&tpidbtigen/ n>o)u il^m ba6 Seben fe(bft (Selegen^eit genug barbot. 

!Die iDeiteren 9ln(dpe ju ba))ibifc^en ^falmen ftnb no^ toeit unbe^ 
flimmter unb unftc^erer, a(^ bie biai^er angeful^rten. 3)a6 ganje Seben 
biefeö Äönigö war im ®runbe — bei allem Ofanje unb aller 9Ka(^t — 
^in fhirmben>egte6 unb wec^feboQed* Seine legten Sebendja^re nament:» 
Uä) würben getrübt bur^ bad Unglüd unb ben Kummer / welchen brei 
feiner @5^ne über fein ^an^ brachten. 2)er eine, Slmnon, begel^t Slut- 
fc^anbe mit feiner fc^önen @c^weßer S^i^amar^ worauf SIbfalom if)n 
meucl^lingd ermorben lipt unb bann entfliegen muf . 911^ er aber na^ 
brei 3a^ren auf !Dat)ibd @itaubni6 jurüdf eieren barf^ erregt er einen 
offnen Sluffianb gegen feinen SSater, wobei er bie 10 nJrblid^en Stimme 
für f!ii^ ju gewinnen gewupt l^atte. — Daöib entpolfi mit wenigen Streuen 
au6 Serufatem, wetd^ea Slbfalom fofort in S3e{t^ nal^m* 

Sllö ein ^cliftn ber ©ittehrol^eit jener 3^iten i|i l^ier an bie @r)dl^« 
lung )u erinnern, wie Slbfalom t>or ben Singen be6 ganjen Solfed an 
ben jurfidEgelapenen 10 Äeb6weibem feineö 9Sater6 einen ?lft tjoöaiel^t, 
burc^ ben er feine Slnfprüd^e an ben Sil^ron faftifc^ ju begrünben fucftte* 
3n einem Srefen jebo(^ Wirb er gefc^tagen unb büpt auf ber S^uc^t fein 
geben ein, womit ber SürgerWeg beenbet war. (Sine jweite Sm^)6rung 
bur(^ Seba, einen 93en{aminiter, wirb ebenfalls balb gebimpft. @nbli(^ 
empört fic^ noc^ ein britter Sol^n !Da^ib6, Slbonia, bem ber S^l^ron 
eigentlich gel^ört ^itte, wd^renb !Da))ib, auf 9atfeba'd unb 9{atan'6 9ln« 
trieb, ben längeren <Salomo )um 9Ia(^fotger beflimmte unb nun nod^ 
t>or feinem S^obe )um Jtönige aufrufen lief. 

9luf jene 9lu(^t t>or Sibfalom bejie^en @walb u* 91. , gemip ber 
Überfc^rift, $falm 3. 2)ad Sieb fpridift feM ®ott\)ertrauen aud trofr 
toieler S^inbe, bie ben IDid^ter umgeben. Slllein bad feltene, l^arte Sd^id« 
fal, baf ein unter Siegen ergrauter ^önig "oox bem eigenen Sol^ne fliegen 



1) fflgl* 5 SWof. 30, 11 14. Serent. 31, 3i— 34. 32, 40. 



erfler ^efd^nitt. d. 1100—850. A. Sttniq S)at)ib aU S)id^ter« 1S7 

mn^, ifi in bUfem Siebe au^ itic^t mit einem einjigen ffiorte angebeutet* 
@n>alb meint )tt>ar, !Da)>{b ignotlce au^ 3Att(i^Ieit ben abfalom/ ber 
ol^nel^tn nur ein 9Berf)eug in ber ^anb Unb'erer geu>efen. VQein man 
Um flehet fagen : toenn 2)a\)ib u6er^au))t auf biefer glud^t biegten unb 
feine S^rauer unb feinen Ztofi in einem Siebe audf))re(^en mo<l^te/ fo 
tDürbe ft^ fein gefr&nfte6^ tieffäl^tenb^d Saterl^er) gans anber^ geAu^ert 
^aben. (Sd fe^U in bem Siebe ^ubem jeber fpecieQe Svl%, iebe ^iflorif^e 
Knbeutung , au6 toel^er bie Stid^tigfeit ber Überfc^rift gefolgert n)erben 
f onnte* 3m ® egent^ei( muf man fagen , baf !Dat>ib gen)i^ nic^t gegen 
ben fafi }u jArtltd^ geliebten @o^n/ beffen Zoi i^n tief beugte/ SSertoun« 
f<l^imgen wie bie 93* 8 ausgeflogen f)aUn tt)ärbe: 

«,9btf^ ^erc ! rette mid^, mein ®ott 1 

3a ierf^lag bu ben ^adtn aU meinen g^inben ! 

ätxbxiäf bu bie Saline ber ^xeolnl" 

Wlan ))erg(eid^e j^ierniit bie menfd^lic^ tDeid^e, n)el^mätige (Stimmung, in 
ber !Da»ib 3erufa(em t>erlief / toie er V))einenb, ))er]|^unten .^au)>ted unb 
barfuf ben Celberg l^inaufgieng unb bad SBoIf/ hai U)m folgte, mit il^m 
tt>e{nte/ unb urtl^eile bann, n>ie tt)enig. jene SSenoünfd^ngen ju ber (Sr^ 
i&^Iung ber 93ü^er @amuel6 ))ajfen. — 

^ Qtoali mit t)ieten 8ltt6(egem Uilcf)t au(^ $f. 4 no(|» auf benfetben 
Sntaf . S0 if} ein ®ebet um Stettung )Dor gottlofen Seinben , bie M 
(Did^terS (S^re bur(^ Sugen fc^Anben. (§toaü> meint, biefer $fatm fei am 
Sibenb beffelben Siagd gefungen , an beffen SKorgen 2)aoib $f« 3 gebic^ 
tet ! ! 9lu6 aSerd 9 folgt biefe Stnnal^me gau) gen)if nic^t : 

,0 gib btt boil^ 

Sreube in mein ^ei^, n«. f* n>* 

2)a{i inSdeben ^uglei(^ 

3* m\^ leg' anb entf^Iafel-' 

Slud^ bie äBorte $f* 3 , 6 ftnb ganj allgemein unb ni(^t b(op auf einen 
befttmmten S^ag ju bejiel^en : 

//£eg* id^ mtdSi nieber unb entfci^Iafe, 

®o tmai^e iäf, toeii ber ^err mid^ fci^ü^t.'' 

«tUeS, n)ad gegen bie baoibifc^e Sibfapung ))on $f* 3 gefagt ift, trifft 
au(^ ^ier su. Slu^erbem finb bie geinbe beS !Did^terd feine !|)o(itif(^en 
Siufrü^rer, fonbem Unfromme unb @c^mi^füt^tige, bie (Sitten lieben 
unb U^f^aVb aur Srommigfeit unb aum tt>a^ren ©otteSbienße ermal^nt 
mrben. !Der (Dichter erfd^eint toeber i^ier, noc^ $f« 3 auf ber Stud^t t)or 
einem geinbe, ber i^n beS 2;^ron« berauben Witt; ja e« folgt au6 feiner 
Siede, baf ber !Di(^ter fiber^au!))t nur ein Aönig getoefen* 2>,enn U)enn 



188 ätDtiü Verlobe. SJon b. ®run)0. b. JtBnidt^utnd (id ;. (Snbe b. @ri(0. 

er $f. 3, 9 über bad SSoIf ®otte^ ben göttl^en @egen er^e^t^ fo ifl 
ba6 ein SSBunfc^/ ben je^er n)al^re 3»dtae(it au^fpred^en lohnte unb mn^tt, 
ba {a t>on bem Sßol^Ie bed ®an}en aui) ba^ Sßol^I unb ®(ä(f ber ein}e(« 
nen ®(ieber ahtfün^t, unb uberl^anpt ber tä)t Stetifliöfe nie egoifiifd^ nur 
an f{(^ benft, fonbern fletö au(i^ ba$ Singemeine unb ®an}e t)or Singen 
f^ai unb in fein ®ebet mit einfd^Hef t» — 

S)ie Sudler Samueln entl^alten bte )n>ei S^obtenf lagen au^ bem 
Knfang ber ätegierung 2)at>ibd ; auf erbem jn^ei religiofe Sieber , bie er 
in feinen legten Seben^ial^ren gebi(^tet l^aben foO. 9Bir burfen annel^« 
men, boß man im 8. 3al^rb. (um 740 t)or S^r»)/ »o bie Sucher ©a* 
muel^ jufammengeßeQt würben / nod^ feine anberweitigen religidfen ®e^' 
finge auf S)a»ib jurücffül(^rte» 3a mif allen ©puren ju urtl^eilen, wur* 
ben biefe belben Sieber erfi bamal« im 9?amen 3)aDibö gebid^tet» 3unfici^ji 
baö große 3)anflieb*), alö er all feine geinbe gefc^tagen, baö mit meieren 
^btoeii^ungen auc^ otd $f» 18 n>ieberfel^rt* 

ßinem aufmerffamen ?efer muf bie breite, rl^etorifd^e unb fünjilic^ 
befi^reibenbe Sorm bed langen Siebed fc^on aufaHeU/ n>obei $l0e6 fo 
allgemein gel^alten ift, bie Sefd^reibung ber Siobeögefa^ren, ber Ädmpfe 
unb Stettungeu/ baf man nirgenbd ein iubit)ibuelle6 Sitb / einen Slud« 
brucf unb 3Bieberf(^ein eigener, wirf lieber (Srlebni jfe ju t>ernel()men glaubt, ^ 
fonbern ein eigentliche^ Äunftgebic^t , bie poetifd^e Sluömalung eine« 
gana allgemeinen Sage au« 3)a\)ib« testen Sebenöjal^ren. 2)er 3)ic^ter 
jeigt aQerbing« ein nid^t gen)öl)nli(^ed Sialent in feinen ©d)ilberungen, 
befonber« in ber c(i)t poetifc^en Sluömalung SB» 8—16, tt?ie ®ott rid^* 
tenb unb rettenb im ®ett)itter jur (Srbe l^erabjieigt. Sluperbem fd^eint bie 
jtt)eite, ganj gleiche .^Älfte bed Siebeö SS» 26—51 eine fpdtere, nod) 
tt>eitere Stuömalung berfelben ©ituation ju fein, bie burd^ ®ebe]^ntl^eit 
unb aWattl^eit l^inter ber erjien ^filfte weit jurfldtfte^t» ©obann entl^ait 
bad ganje Sieb eigentlich einen äBiberfpruc^ , ber {!c^ am leid^teflen ba« 
rauö erflfirt, baß l^ier ber Dichter im 9iamen eine« ?lnbern fpric^t unb 
feine gau) beflimmte Sage t^or ^ugen l^atte, n)e6^alb er auc^ jtDifc^en 
einem einjelnen galle unb jnjifd^en einer ganjen Sleibe t>on gefal^rtjotten 
gfiöen, in-benen IDaüib gerettet würbe, l^in unb l^er fc^wanft. 3)er 
^auptwiberfprud^ ifi aber folgenber» 9?ad^ 93. 1—20 würbe ber Dichter 
in ber 9tot gerettet, weil er ju ®ott um »^lilfe rief unb weil ®ott il^n 
liebte. S^Jac^ 93. 21 bagegen l^ilft ®ott bem3)id^ter wegen feiner eigenen 
®erec^tigfeit unb Weil er e« fo tjerbient l^atte. @r beruft ftc^ fobann wei« 



1) 2 ^am. 22. 



Grßer SlBf^nitt. ^. 1100^850. A. Stink ^a))ib M S>iäittx. IM 



ter bati^uf ^ ba^ er bad gdttK(^e^efe^ beftdnbig \)or Slugen gel^abt unb 
fe^Uo^ feinen 9Beg gegangen fei« 2)e$^alb l^be il(in ®ott wegen ber 
Steinl^eit feiner .^dnbe gerettet unb il^m nur t)ergo(ten naä) feinem Xf)\m* 
— Slllein tt)er fielet nic^t, baß bieß berufen auf bie eigne ©ered^tigfeit 
einer n>eit fpdteren 3^it angeboren muf ? $lm n)enigflen Mrben biefe 
Sßorte in 2)at)ibd eignem ÜRunbe ))affenb unb natfirli^ fein, )uma( toenn 
er ani) ben 32. $fa(m gebic^tet l^aben foH. 

(Snb({(^ n)urben gerabe bie legten 8eben6)al^re !Da))ib6 burd^ @m< 
!|)örungen , burc^ «^uiigerdnot unb eine fuid^tbare $efl fo getrübt unb 
beunruhigt/ baf man m^ einem !Dtomente fo ^odfldnbigen fe^en ®(ucfed/ 
n)ie i^n biefl Sieb ^oraudfe^t/ umfonft fic^ umfielet* 9(u(^ bie 9(rt/ n>ie 
!Dat)ib felbp am ©c^Iufie erTOfll^nt mirb, fül^rt notwenbig auf einen an« 
bern 3)ic^ter* (Sr fonnte nic^t »ol^t fagen t>on ®ott, baf er „®nabe 
übe an feinem ®efa(bten/ an !Da^ib unb feinem ®amen 
en)igli(^.'' Die ©efc^id^te mußte bieß faftifd^ erfi gejeigt unb ben ba^i« 
bifc^en S^^ron fc^on lange aufre<l^t erl^alten l^aben, el^e ein !Di<^ter biefe 
^Öffnung fo beftimmt auöfpred^en fonnte* (ügl. ?Pfalm 89, 4, 5.) !Da6 
Sieb felbß ))erb{ent iebod^, l^ier ^^oUfldnbig mitgetl^eilt ju werben. 



I. 



1* a. 



2 



3 



3d6 liebe bi*, 

^ttx, meine @tarfe ! 

^ttx, mein %eU 

Unb meine Surg ! 

IDtt mein (Stxtittx, 

SRein ®eit, mein $ort, 

$(uf ben idSi ttaue, 

Unb mein ^(^ilb ! 

S)tt ^ont meinet ^eiled, 

SD^eine QSe^e [unb 3uf[u(l(ft, 

S)u mein Srlöfer^ 

S)e( 9on ®en>altt]^at bu mid^ nUis 

tefr]*) 
1. b. ® erriefen, riefid^f, 4 

®ei ber J&etr ! 
S)a loarb i4 ttlbfi 
©on meinen geinben» 
SD'lid^ i^atten umfangen 5 

^ie Stuten bed Xobe«, 



S>ed 93erberbend ströme 

Ratten mid^ befaUen $ 

^ie Rauben bec ^oUe 6 

Ratten miä) umringt, 

IDed 3:obed ^d^lingen 

SWidSi umfaßt. 

!♦ c. 3tt meiner 9lot 7 

SXief id^ an ben ^erm, 
Unb )u meinem ©ctte 
®(i^rie idSi auf; 
^ 'oanafjm meine stimme 
$(tt« feinem $alaß, 
Unb mein ©efd^rei 
IDrang i^m gu Dl^ren* 
IDa loanfte unb toogte bie (Srbe, 8 
Unb bie ®runb)}eflen ber Q3erge 
&t bebten unb h)anften, 
SBeil er gomig toarb« 

2. a. 3n feiner 9lafe flieg Slaudb auf, ^ 
$Ctt6 feinem S^unbe ^ap geuer, 



1) 3)ie eingeflammetten SDorte fehlen l^ier, toie fc^on ber regelmäßige ^tro^l^en- 
bau leigi, flnben ^^ aber nc(i^ in ber gvoeiten 9tecen{ton in ben ^üd^em @amuel4« 



140 ämltt $etiobe. SSon b« ®tünb. b« Jti^nidtffum« (id }« dttbe b* ßxiU. 



20 



21 



22 



23 



24 



25 



Jtol^Ien etitft)vü]^ten 

9)on i^m aud» 

Unb er neigte ben ^tmmel io 

Unb ful^r Ifttah, 

fBulttntmUl 

Unter feinen 8&ien» 

duf bem ^etttb rettenb ii 

glog er bal^eT/ 

@r flürmte bal^er 

«ttf ben glüöeln be« ®inbe«. 

%. b. ginfterni« madjte er 12 

3n feiner ^itQe um fid^ l^er, 

3u feiner ^ol^mtng — iBaperbunfl, 

SBol!enbt(fi4t. 

$[u« bem ®Ianj feiner mi)t, 13 

9(ud feinem ®etodif 

Qntf^rnl^ten ^a^tl 

Unb Seuerfol^len. 

Unb ed bonnerte 14 

^er $err am ^immel, 

Unb ber ^dd^fle Uep 

®eine (Stimme ertönen/) . 
2» c. er entfanbte feine «Pfnle 15 

Unb toarf j!e «ml^er, 

@4o$ f&liit ah 

Unb trieb fe audeinanber: 

2)a tourben jld^tbar 

JDie Q3etten be« SReer«, 

Unb ei entbldflten {!d^ 

JDie ®r«nb»eilen ber drbe, 

93or beinern iDr&uen; 

O^etr, 

Sßox bem <Stunnedf(i&nauben 

^eine« 3omeö* 

3* a. (Sx langte au0 ber ^b^t 
Unb fagte mi4; 
Bog micift l^er)[)or 
9(ud gen)altigen 9Baf em* 
($r rettete mt(i^ 
$on mä^tigen Seinben^ 
93on meinen ^aßetn^ 
aJeil f!e jn flarf mir toaxtti. 
®ie überfielen midfe i» 

Snr Seit meiner JÄot, 

O^^ögei unb g^uerf Olafen!" eine fl*tbare (Üloffe, bie in ber anbem Äecenflon 
mit 9le^t fel^lt nnb au« S3. 13 iciig toieberl^oU ifl. 



16 



17 



18 



S>o4 ba toarb ber $err 
Bur <Sttt|e mir* 

3« b. Qtx führte mi(4 l^inau« 
3nd SBeite; 
^Befreite mi4, 
SlSeil er miä) Hebte. 
!Dec $etr t^at mir 
ffiaäit meiner ®ere(^tigfeit/ 
^a4 ber Steinzeit meiner $&nbe 
Sergalt er mir» 
S)enn {(^ toa^rte 
IDie SBege be« ^mn, 
Unb \oi(i ni^t ab 
9)cn meinem ®ott. 

3. c. m feine fRtä^iifptViäfe 
^afi* iäf \)or 5lugen, 
Unb feine ®efe^e 
Sief x^ ni^t oon mir* 
@o toar i(i^ fel^lioe 
®egett il^n/ 
Unb toal^rte miäf 
aSor meinet ©erfci^ulbung* 
Unb fo »ergalt mir ber $err 
gilod^ meiner ®ere(ijtig!eit, 
9la4 ber SRein^ett meiner ^anbe, 
^ie il^m »or Singen. 

II. 

4* a. ©egenben ®ttten 
Beig1lbubi(i6 gütig; 
®egen ben Stebliciften . 
Beigfi bn bic^ rebli^ 5 
®egen ben steinen 
Beigji bn bid^ rein, 
S)od^ treulc« gegen 
^en dtänfe^oUen* 
demütigen beuten 
^ilffi bu auf; 
S)c(i^ ftol^t 9(ugen 
Seugü bu nieber* 

4* b. 3a bu lieft^ f^einen 
aReine Senate) 
JDer ^err, mein ^oti, 
(Srl^edte mein ^unfel. 



26 



27 



28 



29 



dtfUtm^ä^nitt. \>. WOO—SfM. A. «»nfg 3)at{^ aU Sinter. 141 



CSrßümtte i^ 6(i^aaren, 

Unb buT(^ meinen ®oit 

Grfptang i^ Stauern* 

®oiUi SDeg ifl fe^Uo«/ 31 

iDed ^ettn SDort iß lauter; 

(Sin @d&Ub iß er für Mt, 

^ie il^m ocrttanen* 

4. c. 3)enn n>er ifl ein (Sott 32 

9luper bem ^errn ? 

Unb toer ein ^oti, 

^U nnfer (S)ott ? 

^er (S^ott; ber ni^ 33 

Umgitrtet mit^aft, 

!Der fel^Ilo« mad^te 

Steinen ^eg $ 

^er meine Söge maci^te 34 

IDen ^inbinnen glei«^; 

Unb ber mläf ßeOte 

9lttf meine ^d^en ! 

5* a. IDtt getoö^nteß meine ^&nbe 35 
$(n ben ^rieg, 
@o ba$ ben ehernen IBogen 
SWeine 9(rme fronnten» 
IDu reici^tefl mir ^ 36 

IDen ^d^ilb betner ^ft, 
Snbem beine ateil^te mid^ ftäj^te 
Unb beine (inabe mid^ l^ob* 
S)u gabeß dlaum 37 

SD^einem ©d^ritte unter mir^ 
@o bap nid^t toanften 

5. b. 3d6 )9erfo(gte meine S^inbe 38 

Unb Ijfoite fte ein, 
Unb fe^rte ntd(t um 
910 bid f!e Mm\ä)ttt. 
3d^ gcrfd^eUtc f!c, 39 

S>ap f!e nid^t {leiten fonnten, 
®i> baf ße fielen 
Unter meine Sofie* 

S)u gürteteft mid^ 40 

fßlit Sttaft )um «ttriege, 
93eugteft meine ®egner 
Unter mici» 
5. c. 5Dtt toanbtefl ben Studfen 4i 

^tinex Seinbe mir lu, 



Unb meine ^af er 

aSerHIgte i^. 

Btoar f(^rteen fie auf, 42 

S>od^ IRiemanb ^alf, 

9(uf gum 4^nt, 

IDccf) er ^örte fie nid^t. 

Unb fo ^errteb id^ ffe 49 

mt @taub ber (Mt, 

SBie (Sapenfotl^ 

3erflam»)fte idft ffe. 

6. a. 3)u retteteß mi(^ 44 

9lu« ben Streiten ber Srute, 
®|)arteß mi^ auf 
3u einem iO^lferl^au^te. 
Seute, bie tdji nic^t !annte, 
IDienen mir, 

5luf be« Dftr« JOemel^men 45 

(Se^ord^en fie mir* 
IDie @d^ne ber Stembe 
Sdbmetc^eln mir, 

©inberfd^red^unbfommensiüemb 46 
9lud i^ren ®4l5gem* 

6* b. (Sd lebe ber <&err ! 47 

Unb gepriefen fei mein %ei6 1 
drl^oben fei 

5Der d^ott meine« ^eil« ! 
IDer ®ott, ber fftad^e 4s 

mix ^>tclia), 
^er mir bie HBdlfer 
Untertoarf ! 

5Der mid^ rettete 4» 

(Bon meinen toüteuben S^^nben, 
aber meine (Segner 
anid^er^ob! 

6* c. SBom SRanne ber (&etx>a\Hf^at 
ISBefreiteft bu mid^, 

^rum n)in id^ bid^ greifen 50 

Unter ben beuten, ^<xx ! 
IDeinem Dramen 
mn iäi iobfingen, 
[^i^f] ber ba grop mad^t m 

^ai $eil feine« JTdnig« $ 
S)er (Snabe übt 
$(n feinem (SefalBten/ 
9ln IDavib unb feinem ©amen 
(Btoiglid^* 



142 3\i>AU Verlobe. SSon b. ®ntnb. b* JtSnigt^umd (U }* @nbe b. (Eri(d. 

a3erflle{(^t man We beiben unfheitifl eckten ®tiiä)tt a)a\)ib6 , bfc 
beiben SIeflieen, mit bfefem lanflat^miflen ?febc, fo wirb Jliemanb bcn 
bcbeutenbctt Unterfc^leb »erfennen fonncn. Da^ib preijl bie gelben tt)c* 
gen i^rer c ifl n cn X\)atha^t, bie fte fiet^ beriefen, »a^renb im 18. ?ßfalm 
alle Saaten !Dat>ib6 nic^t ))on i^m^ fonbern ))on ®ott au^gel^en unb in 
SBa^r^eit nur eine Ser^errlic^ung ®otted flnb. ffififirenb ferner jene 
SIeflieen »oH gefc^ic^tlic^er, fonfreter S3ejief|unflen ftnb, fo ifi in biefem 
Siriumpl^iiebe and) nic^t ein einziger 3ug/ ber an bie ©efc^id^te ^at^ibd 
{t^ unmittelbar anlehnte. Mt^ ifl allgemein , abflraf t unb farblos ge« 
galten/ n>ie gen)i^e ©c^lad^tfc^ilberungen^ bie auf jiebe mögliche @c^la(^t 
paffen, ^äiit !Dat)ib fic^ belogen gefunben, un6 ein poetif(^e6 ©emAlbe 
feineö t)ielbett)egten, t^atenreicl^en *§elbenlebenö ju entwerfen: gett)if, 
ed n)firb$ anberd aufgefallen fein. 9Ran fage nic^t/ ed fei eben ber a 1 1 e 
3)at)ib, ber l^ier rebe, unb baö Sllter fei matt, breit unb rebfelig. 3n ber 
©c^ilberung SS* 8 — 16 geigt ber Dieter no^ l^ol^e Äraft unb jugenb^ 
li(^ed ^euer. 9(uf erbem n)ürbe gerabe ber alte Dat){b in einem f olc^en 
®ebict)te fonfrete 3äg^ anfiatt ber gan) allgemeinen !I>eflamationen und 
)>orgeffi^rt l^aben; er n>urbe burc^ «^anblungen, burdb epifd^e SrgSl^lung 
bebeutenber Srlebniffe, an benen gerabe bad Sllter ftc^ fo gern im JRiitf* 
bli(f reibet / und ein Slbbilb feinet Sebend unb feiner 9tegierung l^inter« 
lafen l^aben. @r ^dtte 93olfer genannt/ bie er befiegt^ ©täbte, bie er er< 
fifirmt/ unb Sinber/ bie er erobert, fo bap man ein anfc^aulif^ed S^otal« 
bilb beffen, toa^ er im 8eben errei^te, tt)ie er aud einem ^irten ber 
@(^aafe ein mächtiger SSolferl^irt geworben, \>ox f{(^ gel^abt l^aben n>firt)e. 
allein folc^e beflimmte 9e)iefiungen ))ermipt man ^ier burd^aud ; bad 
Sieb ifi ein gemacl^teö, fein erlebtet. 

Saf} no(^ beutlic^er finb bie fogenannten ,/le^ten 993orte!I>a« 
t)ib^"*) »on einem prop^etifi^en Dichter nur im 9?amen 3)at>ibd g^fpto* 
d^en. @r mirb l^ier fc^on in gan} ibealer Seife ald ^ropfiet gefaxt unb 
cr^lt fo e^renbe ^ßräbifate, wie fle i^m nur ein Slnberer unb Späterer 
beilegen fonnte. @r ^eißt: „ber liebliche ©dnger Sörael^, 
bur(^ ben ber ®eifl ©otteö fpric^t.^ — «ac^ SBerö 5 l^at ®ott 
mit ibm einen ewigen 93unb jur geflfiellung feinet »^errfc^erl^aufeö ge« 
f(^lo$en. !I>ad fonnte !Dat)ib noc^ nic^t fagen unb fingen , fonbern nur 
ein Späterer nac^ rein gefci^id^tlic^er 6rfal>rung, wie in bem fel^r fpäten 
Siebe ^f. 89, 4—5 unb fonfi. Übrigen« ifi ber Dichter biefer „legten 
SBorte^ ein anberer, alö ber \)on 5Pf. 18. Sie flingen frdftiger unb alter« 



1) 2 @am. 23, 1—7. 



Ofrflet mfd&nitt ^. i 100— 850. A. dtStiig S>iA>Ü> aÜ S>i^» 14S 



t^fimlic^er, ald Ht$ abfirafte ^elbenlieb. !Der )ttm 3;^e{( f(l^tt)fte SIert ifl 



1. a. €o fi)t{((t 3)a\){b^ 

'€o f))vi(il^t ber äVann, 

er, bet ©efalbtc 
3)e« Ootte« Sofob«, 
IDer Iteblid^e <BänQtt 
3draeld : 

IDtr @ei|l be« .^errn 
[Rebet bur($ mtcd/ 
Unb c9 tfl fein SBort 
9uf meiner Bunge* 

1 . b. e« \\>xiä)t ber ® ott 
3«roeI«, 
®« tebet )tt mir 

Sßer ^ecrf(^t über Snenfc^en 
^U ein ®rre((|teo 
®er ba l^errf^et 
3n ®ctteöfar(ijt: 
^er {{} tt)te ein aRorgenlid^t 
^ann aufgebt bie ®onniV 
SBie ein SRcx^tn 
Di)M Wolfen. 



1 2« a. 93om ^onnenfltal^tf/ 
9)om ftfgengu^ 

[€)>ro$t] &xünti au^ bet (Btbr* 
Sa, ift ni^i a(fo 5 

allein $au« )>cr ©oti, 
IDap ein etotge« l^ünbni« 
<Sr mit mit gemad^t/ 
©erüflet mit «aem 
Unb \oofjH t^ettoal^tt? 
3a, aU mein ^eil 
Unb an mein ^eßfl^r, 
Saßt M nici^t fprof en? 

2. b. 5)0* bie fd^te(<iten J&errfd^er, 6 
9Öte »ettDorfene dornen 
€inbf{eaae: 
a^an fa$et fie 
SRit ber ^anb ni^t an, 
tlnb toer ficd t^nen no^t, 7 

9)erfte]^t ^(^ mit Qifrn 
Unb mit bem ^^aftt 
Qined e^eired^ 
Unb bur((i Seurr 
SSerbrennt man fte 
9luf ber ©teUe» 



@6 t>erl^ält jtci^ alfo mit bicfcn bdbcn tcitgiöfen ?ict)crn ebenfo tt>ic mit 
bem Siebe/ n)e((^ed ber «^ an na bei ber ®eburt @amue(d in ben ÜRunb 
ge(egt mirb unb ebenfalls bem 8. Sal^rl^unbert angel^ört/ nur baf e^ für 
bie angegebene Situation noit) t\)eit weniger ^afft^ a(d bie beiben Sieber 
3)at)iDd. 

SRupen nun felbß bie n)enigen $fa(men ^ n>e((l^e fd^arfftnnige unb 
im ungemeinen unbefangene ^ritifer tpie «^i^ig unb 6n)alb bem Da))ib 
jufc^reibeu/ il^m entfd)ieben abgefprod^en n)erben , fo begreift man Uidji, 
toie f)aUlc^ bie ®runbe berer fein mögen/ n)e((i^e toenigßend bie üRel^r* 
ia\)l ber fogenannten bat)ibif^en $fa(men für ec^t galten« !Dabei ift J)kx 
nur nod^ bie religiöfe @eite im Seben !Dat)ibd etn^a^ n&^er )u betrad^ten. 

Die erfreu bid^terifc^en Seiflungen !Dat)ibd am ^ofe@au(d/ n>ie 
fdbon oben bemerft toorbeu/ (apen felnedn>eg6 auf redglofe Sieber 
fd^Iief en* Die beiben eckten ßlegieen fobann finb burd^aud n>e(tli(^ uttb 
t)olfdt^ämli(^ unb f onnten be^^alb aud^ ni^t )um gottedbienfiUc^en ®e« 



144 Stotiit Verlobe. SJoit b. drunb. b. Jtiktigt^ttm« m ;. Snbe b. Qtxm. 

6ratt<^ in ben ^fatter aufgenommen iDetben. 9((6 ^önig ift fdn Seben 
prm{f(^ nnb t^atenreid^. @r ifi ein ^elb in jeber äBeife : gleid^ gro$ 
im ^a$ n)ie in ber Siebe, im ®IM tele im Un^lüd, im ^rieg n)ie im 
^rieben; er if) äber^aupt ein bebeutenber unb ^öc^fi lieben^n)ürbiget 
S^araftet, eine fernfiafte 9?otur t>oH gefunber ©innlid^feit ; allein @ble6 
nnb ®emeineö, ©roßmut unb ®raufamfeit, Sefon^nenfieit unb Seicfttftnn 
erf^einen bei il[)m noc^ ))ermifc^t unb ungeldutert neben einanber. ©ein 
ben)eg(i(^e^/ aaem))fäng(ic^ed , leibenfdbaftUc^ed @emät läpt balb bie 
eine, balb bie anbre Seite biefer ©egenfd^e ^ewottteten , inbem er mel)r 
nad^ augenbli(f liefen Stimmungen "^ unb genialen (Singebungen , me^r 
mii 92aturbrang/ al6 nac^ ben)upten fittli^en ®runbfd^en ^anbett. 
3nbed l^ängen biefe ©c^attenfeiten mit feinen tt)eit größeren SJorjfigen 
eng jufammen unb jinb bem ®efd)i(l^tdfreunbe fixier eben fo t)iel wert, 
al6 feine ^^ugenben. ®ie ben)eifen, baf er ein begabter, normaler SRenfc^, 
unb fein fagenl^after «^eiliger gemefen. !Dabei ifi er eine g a n)e, unge^ 
tl^eilte 9}atur, bie aud jebem 3n)iefpalte fc^neU fxä) l^erfleUt. 

3n feiner Sage be^ gebend erf(^eint !Dat)ib aber na^ ben Suchern 
Samueln a(d ein eigentlich religiöfer «^etb, tooju il^n erfi bie ^falmen^ 
fiberfd^riften machen wollen* ^xoax weiß er bad Ungluä gefaßt unb toüu 
big }u tragen, ^) unb beurfunbet im allgemeinen einen gottergebenen 
Sinn;^) allein bief fromme^ gottedfürc^tige Slement bilbet burd^aud 
feine l^ert)orfled^enbe Seite feineö S^arafterd, wie eö bo(^ notwenbig ber 
%aU fein mupte, wenn er bie t)ielen $falmen wirflid^ gebic^tet ^tU. 
!Da}u fommen nod^ ein}elne gefc^id^tlid^e 3uge in ben 93äd^ern Samueln, 
welche über bie religiöfe 93ilbung !Da\)ibd unb feiner 3^it t)ad notige 
8id^t tjerbrelten* 

3)ie ganje Sebendgefc^id^te !Dat>ibd l^at freiließ einen ^oetif(^en 9ln« 
flrid) unb ^anc^ed bat)on gel^ort ber Sage an ; wo biefe aber etwad 
9Iac^t^eil!ged t)on i^m berichtet, ba t)erbient bieß an fic^ fd)on allen 
® tauben, weil fie feinen ®runb l(|atte, etwad ber Sirt ))on i^rem Sieb« 
lingd^elben ju erbic^ten. (Dabin geboren unter anbem aniS) bie abgot« 
tif(6en 3*g^/ *{^ in 3)at>ibd Seben tjorfommen, unb bie bedl^alb in ber 
ß^ronif, ald ben frommen S^raeliten anfioßig, audgelaßen worben. So 
wirb 3* S. in ben SSfic^ern Samueld^) ein «^audgo^e erwdbnt, ben 
Stic^al in ba6 S3ett !I>at)ibd legte, um bie 93oten i^red SBaterd t>aburd^ 
ju tdufc^en. 2)iefer ®ööe war einer ber Sierapl^im, ber Renaten, bie 
bemnad) menfc^enfi^nli^e ®ef}alt l^atten« Sobann befragte !Dat>ib ein 



1) % <Bam. 16, 5 ff . 2) % €am. \2, 16 f. 24, 14. 3) 1 ^om. 19, 13. 



Gtflev %mnitU 93. 1100-850. A. Mni^ S>at>Ü> M S)id^ter. 145 

übec)ogene^ Silb/ ba^ ben 3al)t)e t>orfleate/ um DtaUU ^) @in Sewuf t« 
fein abet/ bad fo duferer SRittel noc^ beburfte^ um fl^ )u @ott )u er^e» 
ben^ tonnte unmöglich fd)on auf ber reinen $5^e ber ®otterfenntnid 
flehen / n)ie fte au^ ben meiflen für bat>ibtf(^ gel^a(tenen $fa(men un6 
entgegen leuchtet. 9}eben bem 3;a^t>ebienf} befianb ferner fc^on bama(6 
ber ^öl^enbienfi ber SRoturgotter*) tt>ie unter ben folgenben Äönigen, 
unb wir lefen nic^t, bap 2>at)tb bagegen geeifert. @r n)irb biefe natär* 
l{(^en (Elemente t>ie(mel^r unbefangen neben bem3al^))e»®{auben gebulbet 
l(|aben. — 

9(u(^ fonft tl^eilte er noc^ ganj ben religiifen 9(berg(auben unb bie 
mangell^afte fittiid^e 93t(bung feiner ^tit, n)ie a\\^ ber merhofirbigen 
@u^ne/ ml<i)t er jur Slbme^r einer breiid^rtgen .^ungerdnot ben Se« 
tDo^nern ber@tabt®ibeon brachte/ beutlic^ ^ert)i>rgel^t^) @aul nimlic^ 
J)atU gegen alte SSertrdge meiere ®ibeoniten getobtet. Wlan fal^ be^^alb 
eine I&ngere «^unger^not a(d göttliche ©träfe bafär an. Um fte abiubn^ 
f en, fibergab 3)at)ib jtvei @6^ne unb fünf önfel ©auld ben 93ett)o^nern 
®ibeond , bamit fte biefelben \y>k eine Slrt ÜWenfc^enopfer bem 3a^t)e ju 
S^ren aufhängen m6d)ten. 9Wit bem reinen ftttti^en ®eifl ber ^falmen 
ifl ein folc^eö Sett)Uptfein fci)Iec^terbingd untjereinbar. S33er \oldjtm 
93olf$aberg(auben no^ l^ulbigte/ fonnte nid^t ben 32« $fa(m t)erfafen 
unb bie @änbent)ergebung/ bie Serfol[}nung mit ®ott atö einen inneren 
2lft bed eignen ®ett)i^en« borfieHen. 

^at 3)a\)ib religiofe Sieber fflr ben Äultud gebid)tet, wa^ an fici^ 
fe^r tt)o^l moglic!^ unb fogar wa^rfc^einlic^ ifi, (benn er felbfl »erriAtete 
ol^ne Slnfianb öffentliche Dpfer unb ^uUudgefc^äfte unb fieUte feine 
©öl^ne al6 5{Jriefier an*), fo fci)einen boc^ nur fel^r wenige ^^Jfalmen för 
iene3eit ^jaffenb. SBenn^ßf. 24, 7—10 nid)t bereit« ben Semjjel t>orauös 
fe^te, fo fonnte er bem Snl^alte nac^ fe^r wol^I bat)ibif(^ fein. Sra<]^te 
2)aöib 3)anfopfer ffir glüdlid^e Kriege, feierte er einen ©ieg, fo »erben 
feine 3!rium^3f)lieber im SlHgemeinen bem 2)eboraIiebe filjnKd) gewefeu 
fein. Sie batten aber unfireitig ade juJoiel inbit^ibueUeö Seben, ju t>iel fpe« 
cieHe perfonlic^e 33ejiebungen unb ju wenig fpeciftfc^ religiofe Slemente, 
aW baf fte beim attgemeinen Äuttuö au(^ fpdter ftc^ ^tten erhalten fön* 
nett. Deö^alb ftnb fle aHmfl^Iig in Sergefen^eit geraten unb l^aben 
leiber feinen ©ammler gefunben. 6benfo ergieng eö tt)o^l mit ben eigent^ 
Ud^en ^efiliebern, bieDat)ib ffir benÄultuö in3erufalem gebid^tet l&abcn 



1) mä^ 1 ^am. 23, 9 ff . 2) 2 &am. 15, 32. 
3) 2 @am. 21, 1—14. 4) 2 <Sain. 8, 18. 



146 StotlU ^ttloU. aSon t). ®runb* b. J^Dnigt^umd (U j* (Snbe b* dritt. 

tt>frt. 35>ad gefi bcr ®f trafbeerntc (^fiitflfien), fo tt)ie bad ^eitere !Danf* 
fcß fär bie t^oOenbete Cf»fl« unb 3B(itt(efe (bad Saub^itttenfefl) riefen 
unfheülg entfpredjenbe Sieber ^eiDor^ in benen bie 9{aturanf(^ammg flarf 
l^en)orgetreten fein koirb. @6enfo gab e6 gen)ip ein 9}atur(ieb )ur Segrä« 
fung be^ erflen 9Ieunionb(ic^te^^ bad man mit Opfern unb frol(|(i(^en 
©aftma^Ien feierte. *) »Hein fein ?PfaIm «nfrer ieftigen ©ammlung pafft 
für bie Silbung unb ben ec^t bülWt^fimlic^en Sinn jener 3a^rl^unberte* 
Snbeö l^aben ftc^ jtt)ei allgemeinere Slaturlieber tx1)altm, ^falm 
19, 2-7, unb ^\. 29, bie ber bat)ibifc^en 3eit, ja t>iellei(^t bem fonig* 
liefen 3)i^ter felbß angehören fönnten. Der erße iß einSoblieb auf ®ott 
ald ben Sd^opfer bed ^immeld , ber bei £ag unb 9lad)t bie göttliche 
«^errlic^feit berfunbet. Der ^i^mnüd ^at brei @trop^en unb bilbet ein 
boHfianbige« 8ieb^ 



K a. IDet •gintmel vecfünbet 
<Dif «etrli(^feit ©otted, 

X Uifb ba0 ®er! feinet ^anbe 
Beigt an bie SSefir, 
3nbem ein Xa% bcm anbem 
IDie @age tjerfünbet, 
Unb eine 9la($t ber qnbetn 
^ie i^unbe melbet. 

1* b. jteine^age ifii 
Unb feine fRebe, 
IDeven ^ä^ali 
SD>2an nic^t t)etn&^me : 
IDurci^ bie ganje (Srbe 



2 



3 



®e]^t au6 i^r $aQ/ 

$(m (Snbe ber SBelt tönt l(v 9tuf, 

S)a n>o bei Xag ein £)bba<( ^at. 

1« c. IDcr tritt tote ein fBiautigam 
^ewex and feiner Jtammer, 
Stent f!(i^, tt)ie ein ^e(b 
3u taufen bie SBal^n» 
9(nt @nbe bed Fimmel« 
®e^t et auf unb fteifet 
3i4 }ttm anbem (Snbe, 
3nbem nid^td {tc^ birgt oot feiner 



6 



@d fel^len in biefem Siebe jmar alle gefd^i^tli^en Sejiel^ungen. 3nbed 
biefrif(^e, lebenbige 9?aturanf(^auung , bie 5ßerfoniflfation ber ©onne/ 
bie mdnnlii^ gebraucht n)irb unb xok ein «^elb ben ganjen i^immeldbo« 
gen ftegreic^ bur(^(duft : bief fo n>ie bie gan) eigentümliche DarßeOung 
beurfunben bad f)bf)exc Sllter bed Sieben. Dad boppelte Silb be6 ®on« 
nenl^elben unb bed 93rdutigamd gel[)t im Deutf^en burd^ bad tpeibli^e 
©efc^tec^t ber ©onne bcrloren* Unpajfenb finb bie Überfeftungen : ^©on^ 
nenfönig" ober ^clM\ 3c^ \)abe eö burd^ ^ag" »iebergegeben , ber 
in ber beutfc^en Uraeit ebenfatt^ aU ein ^ol^eö göttlicfeed SBefen t)orge» 
flellt würbe wie bie 9?ad^t. -— 

3rrig benfeu bie Sludleger bei bem Silbe bed Sräutigam^, ber auö 



1) 1 ®am. 20, 5, 24. togt. $f. 81, 4. 



(Sd^tx m^äinitU ißon 11 00 --SSO. A. JtSnig ^ai>Ü> a(« IDi^trt. 147 

feiner Jf ammer l^eiiDottritt / an einen 9{eut)erm2^Iten / bet naä^ gefeierter 
Srautnac^t aud bem ®(^(af gemäße l^en)orfomme, in mlijem ^alle er 
tt)o^( nic^t gerabe fo mufte'r^aft fhal^ien unb gldnjen burfte» ®emeint 
ifi t)ie(me^r ber 93rdutigam/ ber freubigffi^n^ gefd^müdt unb 6ef rtojt ber 
Sraut entgegensteht unb fein f(^öned 9Berf erfi noc^ )u t>oII6ringen f)at 
3)em entf)>ci(l^t aQein auij bad parallele Silb : j,^t freut f{(^ / toie ein 
,§elb ju laufen bie SBal^n,* xoonadi ed ni^t jwelfel^aft fein fann, toel^ 
4en Sßergleic^ung^punft ber SBrdutigam ^ier luli^U 2)ie mutige^ frifc^e 
^eiterfeit/ bad @rn)artungdt)oIIe bed anbrec^enben Sagd fall bamit au^» 
gebrudft fein. — Die aSorjieUung, toie bie Sonne am ©aume bed ,§int« 
meld nieberfleigt unb in il^rem 3^^^^ übctna^ttt, erinnert an bie (Sinfel^r 
bed «^etiod bei ber ^^etid, ober toie-nac^ altnorbifd^er 9(nf(!^auung bie 
SIbenbfonne in bie ffi^lenben SBogen bed SReered jur Stulpe nieb'ertauc^t. 

(Sin fpdterer Dichter f)at biep f(^5ne Statuclieb, um. e6 feiner 3^it 
{Ugdnglic^er unb erbaulicher )u machen / mit einigen SReflerionen über 
bad gef^riebene Oefeft »erfe^en/ ©♦ 8—15. 3(n pc^ todre e« nic^t un* 
gel^örig / ®ott }u )>reifen al6 Sd^ipfer bed .^immetd unb ald ®eber bed 
©ittengefefted ; nur in ber Slrt, tt>ie ed ^ier gefd^e^en ift, fann bie jweite 
^dlfte bed 8iebed nic^t t>on bemfelbeit Did^ter l(|errul[iren / ber bie tx^t 
»erfaßt l^at. , 

@ntf(^ieben alt unb moglid^erweife ba)>ibif(^ iß $fa(m 29, n)enn 
nur ni(^t bie @m)d]^nung eined l^immlif<^en ^alaßed l^öc^ft toal^rfc^eiu' 
Udi bad Seße^en bed S^empeld »oraudfe^te unb wenn ed uberl^anpt nic^t 
gewagt toäre, für ein 8ieb, bejfen 3n^att unb Anlaß fo »iel l^unbertmal 
in ber Sttatur ft(^ wieberl^olte, einen befiimmten SBerfaßer anjune^men. 
3ebenfattd aber gibt und bad Sieb ein guted Seifpiel über bie Slrt, wie 
man in ber Statur unb jwar ^ier im ®eit>itter bad göttliche SBalten an« 
fc^aute. Sold^e Sc^ilbenmgen geboren ju ben dltefien ber religiofen 
g^rif unb flnben jid^ f(^on im iDeboraliebe. *) 



1, a. (Siebet bem ^etnt; 

3IJr®ütterfö^ne,») ♦ 
®thti Um ^exxn 
$tet« unb (if)xt ! 
®thei bem «genn 
^U (Sfjxi feiittfö 9lamen^ ! 
^ulbigt bem $enn 
3m l^etUgen ®(6mti(f ! 



1* b. IDie stimme be6 ^etrn 3 

^^aUi über ben Saf eni/ 
IDec ®ott ber ^errlic^feit, 
<Sx bonnert. 
^ $)er ^txx erfdiadt 
äbcc mächtigen Sßa^ent, 
^ed $erm stimme t)on ^Maäfi, 4 
^ed $firn Stimme t>on ^cac^t ! 



1) 9li(5t. 5, 4—5. ' 

2) 5)a« finb ®nget, ^d^ere ^immlifc^e 55^efen, toie ^f» 80, 6 f. 

10* 



148 StotiU Verlobe» Sßon b. (Brunb. b. J^Snigt^umd W )» ünbe b. dxU». 



2. a. IDie (Stimme bed ^enm 
3ecf(^mettert Sebent, 
2)er J^err jerft^mettcrt 
IDfd 2i6anon6 Bebetn. 
(5t t&ft fie f)fi)pfen 
mtStSühtt, 

IDen Libanon unb Girjon 
SS)ie iunge IBüfeU 

2. b. ^ie stimme bed ^evrn 
@i)rü^t geuetffammen ou«, 
[3)er ©Ott ber $en:H*fe(t 
@*leubert »%.]*) 
)Die stimme be« ^ecrn 
SRad^t gittent bie SSBüfte, 
IDec $en mad^t gittern 
IDie SEßülle Jrabe6. 



6 



8 



3« a. IDte stimme betf ^evtit 
aWa(§t freifen 
. 3)U ^inbinneit; 
ttnb ^e entblättert 
iDie SIDälber, 
äB&^tetib 9iae0 ruft 
3n feinem $alafle : 
^©l^rc fei i^m I" 

3. b. (Sd tl^cont bet ^en; 
Über ber aBagerjIut, 
Unb ber $err thront 
9((« Ä0nig für immer. 
3)« ^err toirb Äraft 
€einem SßclU geben^ 
IDer .i^err toirb fegnen 



9 



10 



II 



aWit ^eil fein ^clU 

3n bie bat)ibif(^e 3^i^ Ü^^ott f}bi)fi n)a()rfc^ein(i(^ an^ bad @ieged« 
lieb im 2 S3* ÜKofe, 15, ein eißentli^ed gefilieb, bad am 5{Jajfa flefun* 
gen ttjurbe. 2)et üSofaifc^en 3^i^ I^nn e^ nic^t angcl[)oren / weil cö bie 
Sroberung 5ßoWfilna'd »oraudfe^t. ^a, wenn SB. 17 e(^t wäre, fönnte 
ed frul^ßen^ erf) upter ®a(omo gebid)tet werben fein. ^Oein biefer SSerd 
ifl entfc^ieben ein fjjdterer 3nfafe; mit 93. 1—16 iß bad Sieb t)onfidnbifl 
unb fe^r fc^ön abgefc^Iopen, fo baß e« o^ne ©c^wierigfeit »on Daöib 
felbft l^erräl^ren f onnte, wenn nur im Siebe felbß nic^t jiebe 93e)iel^ung 
auf bie 5ßerfönli<l^feit bed Dic^terö fel^Ite. Der Siebter fnupft an ein 
alted Siebc^en (@. 48) an unb blicft auf bie umwol^nenben SSoIfer mit 
einem fioljen 9?ationaIgeful^Ie l^erab, wie wir e^ erß feit 2)at)ib natfir« 
Ii(^ unb begreiflich finben. Die neue, ^ifiorifc^e ©runbtage be« 5ßaffa* 
fefted *) wirb ganj epifc^ erjd^lt unb mit ber Sinna^me ^^Jölfißina'e paf* 
fenb in 93erbinbung gebract)t. 



1. a. !Dem $errn toid iä) fingen 
SSBeil er f)Q^ unb ^ebr ! 
Stoffe unb ^a^en 
®arf er in6 Tleex» 
SWein ?Jrei«lieb ijl ber ^err, 
^et$eilmirf(i^affte; 
(8r ifi mein (Sott, 
3^n xeiU t(9 toben 5 



2 



Sit ber ®ott meine« IBater«, 
3^n roiü x(f) erbeben, 
IDen ^errn, ben Jhieg^^elb, 
5)e|f* 9tame ifl: ber ^err ! — 

1. b. $1^arao*0 9Bagen 
Unb ^eere^mad^t 
©türgt* er in« SPi^eer ; 



1) ^ie eisgeflammerten Seiten fehlen im Xert unb {inb ettoa fo }U ergangen : 

61 bakkaböd 
8chol6ach chizs^im. 

2) <Bg(» hierüber bie mofaif(^e 3eit. 



(Srftet 3IK^nitt Sß. 1100—850. A. Jt5nig S>a\>it> aü S>id^ttt. 149 



2>a. 



IDft IBa9enF&m)>f(r htftt 

^erfanfen im ^Bäfilfmttx, 

93on Sluten bebedft ; 5 

@ie faufen tu ben 9(bgvuitb 

9(id toie ffn @tetn» 

2) eine 9le<ltte/ o ^err, 

@o ^eccUd^ an jtraft^ 

IDeine Utttf^U, o ^err, 

6ie bva($ ben Seinb. 

S)etne SD'^a^t; bie ^o^e, 7 

3erma(mte bie ®egnet, 
IDeine^ Botned So^e 
^te frafi fie voit ®ti))>^eln ; 
5Detne Stafe iftaudl^te; 8 

^af ba0 ®aSec f{^ flauc^te : 
^a üanben wie ein IDamm 
IDie 9Ba^erflr5me ; 
®« flarvten bie gluten 
Snmitten bed SReerd ; 
3>a ^tod^ ber geinb : 9 

/^34 ^iU nachjagen ! loia fie ein:^ ' 
Idolen! 

2. b. »ente ioia {(^ t^eifen, 
anetnen mui gu fliüen ! 
älDifl }iel^en mein ^c^toett^ 
IDag bie ftanb fie »ertilQe l" 
S)a bUefefi bu beinen ^au($ lo 

tlnb ed bedfte fte bad 3)teer $ 
®ie fanfen tote IBlei 
3n bie m&c^tigen SDager« 
Sffierifttotebu ii 

Untet: ben ®ßttern, o ^ertc! 
9Ber tfl toit bu 
€o l^enlicti im ^eiligt^um ! ^) 



3. a. S>u fenfteft beine 9ted^te^ » 

IDa )>erf(6(ang f{e bie (trbe \ 
IDu lenftefl bur<( (SInabe 13 

^a« 93oIF^ ba6 bu txU\tt, 
Unb leitetefi e« ftaftvcH 
3ur 9Bo^nun9 beined «^eiligt^umtf. 
e0]^örtendbie9)ölferi u 

®te erbebten/ 
Bittern ergriff 
Q^atäflina*d Setöol^ner ; 
^a tourben beßärjt 15 

5)ie Surften öbom'«* 

3. b. IDie ®en)altigen ^oahe, 
di ergriff fie SBebenj 
(S6 t>erjagten aUe 
SetDol^ner ^anaantf 5 
(S6 überfiel fte 
@4)re(fen ttnb Surti^t ^ 
® ei ber <S)r&{le beined $(rm6 16 

QIrftarrten fie n^te @tein , 
Q3i0 baf l^tnbur^gog 
IDein SScIf, ^en^ 
SBi« ^inburc^gog t>ai Sßoll 
^a€ bu ertDorben« 



3 tt f a t* 
IDu fttl^rtef} e< unb )>flan)teft e< 
9(uf ben 8erg beine« (hhti, 
9iuf bie (Stätte, ^err, 
S)ie bu )ur SDol^nung bir gemacht, 
3n ba« ^etiigtl^um, ^err, 
^ai erbaut beine ^&nbe« 
IDer 4)etr ifk Jtönig 
Smmer unb etoig* 



17 



3)er 8itcrot^ifiorifcr, ber bic poctifc^cn Srjcugniffe cine^ SSotfed 
nic^t begreift aU unmittelbar unb fertig ))om «^immel auf bie @rbe ge« 
faden, fonbern i^r S(uf« unb $lb6(iil^en auf bem realen Soben ber ®e« 
fd^iij^te t)erfoIgen unb iebed ©ebic^teö Urfprung aM menfc^Iic^en SBer* 
l^dltniffen erf(&ren mu^, ^at Jbei ber @ef(^i(^te !Da^ib^ bie unbanfbare 
aiufgabe^ bad ibea(e !Di(^terbi(b biefed ^dnigd jerftoren, unb ein realed^ 
gef(^i(^tli(^ee an bie ©teUe bepben fe^en ju müf en* itiep le^tere er« 



1} ^^el^r an ^eid, Sßunber t^uenb/ ein unedSitet Snfa^« 



148 Breite Verlobe* SBon b. ®runb. b* J^Snlgt^umd M ). (Snbe b. QxM. 



%. a. S)te (Stimme bed $errn 
3etf($mettert Seberti/ 
2)et ^err jcrfd^mettett 
3)e6 Sibanond Bebetn. 
(5t I&ft fie ]^ü)>fen 
Siei(&»er, 

IDen Libanon unb €irion 
me iunge IBufeU 

2. b. 3>ie Stimme be« ^etrn 
®)pxüf}i geuetffammen au«, 
[3)er ®ott ber ^etrUc^feit 
@*Ieubert5BUte.]*) 
iDie Stimme M ^ettn 
SRad^t gittern bie ^üfit, 
IDer ^err mad^t gittern 
IDie 98u|le ^abed. 



6 



8 



3* a. ^ie Stimme betf $errn 
^a^i freifen 
. 3)ie ^inbinnen/ 
ttnb ^e entblättert 
^ie SEBdlber, 
SBa^renb mie^ ruft 
3n feinem ^ala^e : 
^©l^re fei i^m !" 

3. b. (Sd thront ber $err 
Über ber aBagerffut, 
Unb ber ^err tl^ront 
9((0 Jtdnig für immer* 
^fr ^en toirb ,^aft 
Seinem $olfe geben^ 
IDer ^err h>irb fegnen 



9 



10 



II 



mt «eil fein aScIf. 

3n bie bat)ibif(^e 3eit gel^ört l^oc^f} tDal^rfd^eindd^ au^ bad @ieged« 
Heb im 2 9* SRofe, 15, ein eigentlid^ed S^filieb, bad am $affa gefttn« 
gen tt)urbe. 2)er üSofalfc^en 3^it fann eö nic^t angel^ören , weil eö bie 
Sroberung 5ßaWftina'd »orauöfejt. ^o^ wenn SB. 17 e(^t tt)4re, fönnte 
ed fru^ßen^ erfi upter ®a(omo gebic^tet n)orben fein. SlHein biefer SSerd 
ifl entfc^ieben ein f^jdterer 3nfafe; mit 93. 1—16 iß baö Sieb »ottfWnbig 
unb fel^r fc^on abgefc^Iopen, fo bap ed o^ne ©c^wierigfeit t)on Daöib 
felbji ^errü^ren f onnte, wenn nur im Siebe felbß nic^t jebe Sejie^ung 
auf bie 5ßerfönli(iöteit bed IDic^terö fehlte. !Der Siebter fnupft an ein 
alted Siebc^en (®. 48) an unb blicft auf bie umwol^nenben SSöIfer mit 
einem fioljen 9?ationaIgefül&Ie l^erab, wie wir ed erß feit 3)a\)ib natfir* 
li(^ unb begreiflich ftnben* Die neue, ^ifiorifc^e ©ruublage beö 5ßajfa* 
fefteö*) wirb ganj epifc^ erjdl^It unb mit ber Sinna^me ^alfifiina'^ ))af» 
fenb in 93erbinbung gebracht. 



1. a. IDem «errn toill idb fingen 
tEBetl er f)o(!fy unb l^ebr ! 
Stoffe unb Sagen 
®arf er in« SWeer. 
SWein ?Jrei«lieb tjl ber «err, 
^er^eilmirfd^affte; 
(8r ifl mein ®ott/ 
3^n xeiU iä^ loben 5 



2 



3ft ber ®oit meine« ^ater«, 
3^n n)ill ic^ txi)chtn, 
^en «erru/ ben ^rteg«^elb/ 
3)efr 9ltime ift : ber «err ! — 

1. b. $1^arao*« 9Bagen 
Unb «eere«ma({;t 
Stürgt' er in« Söteer ; 



J) ^U eingedämmerten Seilen fehlen im Xert unb flnb ettoa fo gu ergangen : 

€\ bakkaböd 

schol^ch chiz2iiii. 
V ®di» l^ierüber bie mofaifd^e 3eitt 



(Srftet 3iefd^nin* Sß. 1100—850. A. Jt5nig S>amt> aü mä^tn. 149 



^ft IBa9enF&m))fer Bcfte 
9)erfanfen im S^'iifmttx, 

Sit faufett itt ben 9(bgrnnb 
^U toie efn ®tetn» 
SDeine dtei^te^ o ^err, 
@o ^errUd^ an jtraft^ 
^tint Steckte; o $«rr, 
@ie hxa^ ben Seinb. 

2» a. IDfine SD'^a^t; bie l^o^e, 7 

Becmalmte bie ®egnet, 
lDeine6 Bcnte^ So^e 
IDte fraf f!e n)ie ®ti>^^eln ; 
5Deine Stafe iftandt^te^ 8 

IDaf ba6 ^afier fl^ flaud^ie : 
^a ilanben )t)ie ein ^amm 
IDie 9Ba^ecflr0me ; 
©« jlarvten bie Stuten 
3nntitten be« SWeer« ; 
3>a frwd^ ber geinb : 9 

//3(i^ toitt nachjagen ! xoiü fie etn^ ' 
Idolen! 

%. b. 93ntte toia {(( t^eifen, 
aneinen SP^tut gu ßiden ! 
Sin giel^en mein ^(^toett/ 
S>a9 bie $anb fte t)edilge !" 
S)a bliefefi bu beinen ^aut^ lo 

Unb ed bedfte fte bad SReer ; 
@ie fanfen toie IBIei 
3n bie m&ci^tigen SDa^er« 
9Bec ifl n>ie bu ll 

Untit ben ®6Uttn, o ^etc ! 
Sßet ifl n>ie bu 
€o l^ertlicti im ^eiligt^um ! ^) 



3« a. S>tt fenftefl betne 9ted^te^ n 

IDa )>erf(6(ang fle bie (trbe $ 
^tt lenftefl bur<( (SInabe 13 

5)a« ©olf, ba« bu eriöfet, 
Unb leitete^ ei ftaftvcK 
3ur 9Bo^nun9 beined ^etligt^um€. 
9i^xttn^titU^mtt, 14 

®ie erbebten. 
Bittern ergriff 
^atäftina*6 ®eU)ol^ner ; 
^a vourben 6e{)är)t 15 

^ie Surften (ShcnCe. 

3. b. IDie ©emaltigen a^oab«, 
Q^ ergriff f!e ^then^ 
(Stf «»erjagten atte 
Setool^ner ^anaantf 5 
(Sd überfiel fte 
®4re(fen unb Surti^t 5 
® ei ber <S)t&{le beined $(rm^ 16 

QIrfiarrten fle n^ie ®tein , 
f&ii baf l^inbur^gcg 
IDein SBclf/ ^m, 
SBi« ^inburc^jog ba« IBolf; 
^a6 bu ertoorben* 



3 tt f a t* 
IDtt fttl^rteft e^ nnb )>f[an)teft ti 
9(uf ben 8erg beined (Sxhti, 
auf bie @tätte, ^txx, 
^ie bu gur SDol^nung bir gemacht, 
3n ba« ^eiiigtl^um, ^err, 
IDa^ erbaut beine ^&nbe« 
^er 4)etr ifk i^dnig 
Smmer unb eioig* 



17 



3)er 8itcratl^iPorifcr, ber bfc poctifc^cn Srjcugnfffe eine« aSolfe« 
nic^t begreift a(d unmittelbar unb fertig "oom «^immel auf bie @rbe ge< 
foUen, fonbem i^r Stuf* unb Slbblöl^en auf bem realen S3oben ber ®e* 
fd^ic^te ))erfo(gen unb iebed (Sebid^te« Urfprung au« menf(^(i(^en 93er« 
l^dltniffen erf (&ren mu^ / l^at Jbei ber @ef(^i(^te !Da))ib« bie unbanf bare 
Slufgabe^ ba« ibea(e !Dt(^terbi(b biefe« £5nig« jerßoreU/ unb ein reaie«^ 
gefc^id^tUc^d an bie ©teUe be{fe(ben fe^en ju mfipen* S)ief le^tere er- 



^) «»^el^r an ^tii, Sßunber tl^uenb,' ein unedSitet Sufa^. 



150 QwtlU Verlobe. SSon b. (Srünb. b* Jt&nidtl^umd (id }• @nbe b. (Brite. 

f(^eint je^t aUerbittg^ minber reic^ unb erhoben; bo tDtr na(^ ber firengen 
®efc^i(^tc bie refn religlöfe Dfc^tunfl, wie fte in ben ^falmen »orilegt 
unb tt)ie jle im SHlgemeinen »ot bcn großen $ropl^etcn bed 9* unb 8. 
3af)rl^unbcrtd ni(^t wo^i auffommen fonntc, bem 2)abib abfprec^en 
mä^cn* !Dte religiofe @eite fel^Ite feiner Si^rif gen>iß nic^t gan), aber fie 
n>ar nod^ unmittelbar eind mit ber nationalen, fp baf feine Sieber einen 
t)or]^errf^enb weltlichen unb t)olWtl^fimli(^en ßfiarafter erl^ielten. geiber 
l^at und bie Ungunfi bed ®(^i(ffal6 nur )n>ei entf(^ieben ed^te @tfi(fe ber, 
Sfrt \>ox\ lf)m äberliefert. 93on rellgiofen Siebern tdpt fic^ aber nic^t ein 
einjiged mit t)oner @i^erl^eit auf i^n }urädffä^rem !Die SOtogli^feit 
f ann bei einigen $falmen jugegeben werben ; aOein ein befonnener SttU 
ttfer wirb ftc^ pten, nad^ bloßen !D}dglic^feiten ein !£)i(^terb{{b »on !Da« 
t)ib ju entwerfen* (So würbe immer nur ein ?pi^antaftebitb bleiben» 

3u allen Seweifen aud bem geben unb ber ®ef(^ic^te 3)at)ib6 
fommt noc^ bad Alteße 3^ugnid über ifin ald iDic^ter bei bem $ro))l^eten 
äfmoö.*) IBiefer fprid^t »on S^^^rfibern, bie wie!£)a\)ib fpielen unb 
fingen woQen : 

J^U ba flimmern auf ber'^atff/ 
Sie lDat>{b aRetobieett fid^ etbenfnt ; 
j 5D{e ba trinfen au« Iffieinfrngen 

Unb mit ben befien (Salben fid^ falben!" 

O^ne dweifel werben biefe luftigen ©efetlm beim SSein f{(^ nid^t in 
Atagliebem unb Sufpfalmen )?erfu(^t l^aben. @d fonnen nur weltliche/ 
üolfdt^ümlid^e 8ieber gemeint fein, bie fte mifa^mUn. 

fragen wir nun genauer, worin bad 9}eue unb Spod^emac^enbe 
ber babibifc^en g^rif befianb , fo werben wir und mi) ben gefc^ic^ttic^en 
Slnbeutungen etwa folgenbe.93orf}eIlung baruber mad^en burfen* Sßie 
!Dat)ib urfprfinglid^ bem SSolfe angehörte, fo f)aiU aud^ feine 9Rufe feinen 
geleierten unb fänfilic^en, fonbern einen t)ol!dtl^ümli(^en, pl^antafieboDen 
unb gemütli^en (Sl^arafter. @d }eigte ftd) ^ier }um erfien 3Rate ein w2r« 
mered/ fubieifti^ered (Slement in ber i\)xit, wie wir ed in ber 9ti(^ter)eit 
nirgenbd finben« Seinem ganjen SSBefen nac^ waren feine 8ieber )>oO 
Seibenfd^aft unb lebenbiger Smpftnbung , boll Sinfc^auung unb ^anb« 
lung, looll Staturwa^r^eit unb @infalt im $ludbrudE^ ftnnlid^ unb fang^ 
bar wie bad ed^te SSotfdlieb, aber ol^ne reltgi5fe, erbautid^e Setrad^tun^^ 
gen tthb ol^ne moralif(^e @enten)en toit feine beiben Qtegieen. iXbnf)aupt 
bilbete nid^t bie rein religiöfe (Smt>ftnbung ben 3n|aU biefer tieferen/ 

1) 9(mcd, 6^ 5 f«, gef daneben um 800 «or (S^r« 



Sr|lec 9l6f(l^nin. äSon 1100—850. A. «ft&nig 3)at)to aU S)i(l^tcr. 151 

gemAtU(^n S^rif / fonbern ed n>aren nationale^ ))o(fdtl^umIt(^e^ äuge« 
mein menf(^lt(^e ®toff(^ bie et ergriff unb befang. S)abei fonnten auc^ 
bie etDigen Zf)tmata bed Sieben : 9Bein unb Stebe^ n>oll^( ni(^t gan) fel(|(eiu 
9Iur ba^ blof Se^r^afte unb Sbeale , alled auf btoß innerer 9(nf(^auung 
Seru^enbe mirb er nit^t (eid^t bargefieOt f)abtn, fonbern mel^r bad duf er« 
ii<^ $(ngef(^aute/ ®r(ebte unb aSoQbrac^te* (Sr mar a(d S^rifer me^r eine 
gdt^if(^e ^ ald eine f(^illerf(^e !Di(^ternatur. — gur einen gelben n>ie 
2>Q»it> ifl ed fobann unmoglid)^ bap er fo üiele JttagKeber geminfelt/ ivie 
bie 9lu^(eger i^m beilegen — ganj abgefel[in von bem retigidfen 3nll^a(te 
biefer 8ieber^ n>onac^ fie einer mit fp&teren 3^it angeboren müpen. 

2)at>ib ^ob unb beförberte auc^ ben nationalen ®efang. ^afnx 
fpric^t toenigflen^ ba^ eine S^ugnid/; b^p er befa^K/ bad ^rauerKeb^ 
über 6aul unb Sonatan bie ®d^e 3uba'd )u teuren unb )n)ar ,g en au'' 
oDer »richtig',*) tt>ie e« l^eißt. €ebr »a^rfcfteinlic^ iji e6, bap auf 
!Dat)ibd antrieb aud^ bie ))oIfdt^umU(^en ^elbeniieber aud ber ätic^ter» 
)eit gefammeU n)urben^ bad S^pher hajjascb^r, ba6 9u<^bed93ra^ 
"ocn, toorin bann au(ii feine eigne @(egie auf @au( unb Sonatan einen 
$Ia^ er^ielt^ n)ie au^brucfiic^ angegeben toirb* @r toürbe au(^ in biefer 
9e){e^ung .ftarl bem @rof en gleichen , ber bie ^ei^nif(^en ^e(ben(ieber 
ber alten S)eutf(l^en fammeln (iep* SlOein ber einfeitig religidfe @inn 
ber fp&teren äal^r^unberte liep leiber biefe fofibaren 5{(einobe ber l^ebrdi« 
f(^en n)ie ber beutfc^en Literatur in SSergefen^eit geraten unb untergel^en. 
Sind ber j^ebrdifd^en Sammlung {tnb und n)enigßend ein paax 9teße ge« 
blieben. 

SBon koelc^er 9lrt bie etwaigen religiofen Sieber 2)a)?ibd gemefen fein 
mogeu/ l^abe ic^ @. 145 für) }u )eigen gefu(l)t. !Dad nationale @Iement, 
toelc^ed )um erßen 9Ral burdb !I)a)?ib im Staate fic^ frei unb a(d bad 
l^errfc^enbe ex^eUn tonnte, n)irb aucj^ in biefen @efdngen einen begei« 
Herten Sludbrucf gefuiiben l^aben« !I)ie «^riegd« unb @(^(ad)tlieber mx 
ben ein ftol^ed @iegedben)u|tfein geat^met l^aben. StUein in aU biegen 
l^rifc^en @rgupen werben mel(|r bie floaten ber gelben / namentlich !Da« 
))ibd^ gepriefen fein^ atö bie ®nabe unb @ute ®otted/ bie ben «gelben 
^olc^e äßa(^t t)er(te^en. "SJtan ))erg(ei(^e in biefer Sejie^ung bte SIegie 
auf <Banl mit bem 18.,$fa(m« @ben bed^alb genügten biefe ©efdnge 



J) 2 @am. i, 17 f. ^ 

2) S)a0 96ott nöp $ o g e n / fann nxd)t ,M^ Sieb t>oni ^cgen" bebeutin, toa« gu:: 
bem niü^t einmal ))a{fte. (5d ifl nvp audgufptecbea nnb bebeutet : f!t\<IH\^nMX,fltts 
9 e l ^ 91 i (( t i 9 ! e i t unb tt){cb in biefer ^ebeutung fonfl mit n gef(^rieben / lote ^ptto* 
2^2, 21 3 l^iec aber mit t> mie im ^vrifc^en. i,9la(i^ b<r Siegel ^ b. i» riciifttg* 



152 ^xfotiU ^rtiobe. SBon b. ©cfinb« b« «ft&nigt^. Md jum @nbe b« ®rifö. 

ben fp&teren religiofen S3ebiicfniffen nid^t mel^ir unb gerieten n>ol^( fc^on 
in ben ung(u(flt(^en Seiten nac^ bec 2!rennung bed 9tet(^^ in 93etge|en« 
l^eit. Um fo leichter fonnte jeftt ein ibeale^ 3)ic^terbilb bon 3>,at)ib auf« 
fommen. 9(nbere Sieber n)urben aud^ mo^i in ber munbüc^en Überliefe* 
rung^ in ber fte allein fortlebten/ aOmi^lig umgebilbet unb auf bie Mxt 
fönnte ftc^ immerl^in noä) mancher 2)abibif(^e SSerd in unferm $fatter 
beftnbeU/ o^ne ba^ n)ir iebocf) mit Sid^erl^eit feinen Urfprung nac^n^if^n 
»nuten, ©eifpielöweife t>er»eife id) auf $f. 60, 8 — 10. 5ßf. 144, 
12— 14. 3)ieß (entere »rut^fiütf lautet: 

1. a. aWögen unfre ©öl^ne toie (Schlinge fein, 12 

©roßgejogen in i^rer 3ugenb .' 
Unfere Xl^^iet toie (Srffaulen, 
S)ie f(i^öngel)auen naci^ bec Bauart bed 2!em^eld ! ') 

!♦ b. aWögen »oU fein unfere ©pcid^er, 13 

5(n«ft>enbenb SBorrat »on aHer 5lrt J 
SnOgen ftd^ meieren unfere (^(^aafe 
a^aufenbs nnb ge^ntaufenbfa(§ auf unfern Zxxftcn ! 

!• c. Unfre 9linbet mögen tröd^tig fein, 14 

Ol^ne (SinBnui^ unb ^lu^gug, ol^ne ^kggefc^rei auf unfern Strafen ! 
^eit bem iBolfe, bem e6 alfo gel^t ! 
$eil bem SßolU, beffen ®ott ber ^ert ifl ! 



SBie Dablb aW meltlid&er Äonig unb Äriegd^elb bie nationale Qin^ 
^eitbe^^ebrdifd^enSBolfe^ begrünbet unb ben tt)irfli(^en @taat gefc^affen 
unb organiftrt l^at, fo l&at er eben baburc^ aUerbingd aud^ ben bcbeutenb* 
Pen Sinfiuf auf bie religiofe Silbung ausgeübt. S^roft feiner menfc^s 
lid^en ©c^mac^en unb SSerirrungen tt)urbe er be^l^alb fpdter fogar afö 
baö ÜRufier eineö t^eofratifci^en Äönigö, ja alö baö Urbilb beö SWeffia^ 
betrad^tet. 3n a^ntid)er SBeife würbe fpdter baö 3)ic^terb{lb 2)a\)ibd 
ibealiftrt unb einfeltig gefaßt. (Sr begrflnbete atterbingö ben ^Rational* 
fultud in 3erufalem, ber jeboc^ f(^on burd^ ©alomo eine ganj anbere 
Oefialt gewann. SBie aber allmfi^lig baö Äönigtl^um 2)at)ibd mit ber 
äRefftaö^Sbee t>erfc^molj unb bie religiofe Seite beffelben alö bie wefent* 
lid^fie l^erborgefebrt würbe, fo lag ed ber fpftteren nac^eritifd^en ßtit 
and) na^e, bie religiofen ®efänge, bie fld^ burc^ 3al^r^unberte langen 
®ebrali(^ in ber ®emeinbe unb beim Siempel anonym erl^alten l^atten, 
l^au))tf&c^lic^ auf ben erften Stifter bed <ßultu0 in Serufalem )urudF)u< 

1) ^teg $i(b fonnte natäcli^ ^a9ib nixi^ nic^t gekauften. 



ecflet a(6f(^niU. aSon 1100-850. A. Jt&nig a)at}ib att ^Did&tcr. 15S 

fnl^ren. ®eti>if ^atte !£)at)it) ald Stonl^ itnb 3)t(^ter beit ®runb bagu 
gelegt ; aber nur in ber 993eife ; mie etn)a 9Rofe ben .fteim unb ®runb )u 
bet (Sefe^gebung bed $entateu(^d gelegt l^atte. 9(IIm&^Ug n)uibe !£)a< 
t){bd 9}ame ein £oneftit)name^ auf ben man eine ganje ©attung t)on 
©ebid^ten, bie reUgiöfe S^rif/ ^urudful^rte/ if)nlx<ii n>ie man bie @))ru(^^ 
bic^tung bem @aIomi> jufd^rieb ober n)ie man i,&fo))tf(^e fabeln" nur 
nad) bem «^auptbic^tec biefer Gattung benannte. 

3>iefe grunblofen, unl^iflorifc^en ^Vermutungen über bie SBerfafer 
ber^falmen geboren toefentHc^ bem ^zitalUt ber Sl^ronif an, bie im 
9lllgemeinen um 300 ))or S^r. abgefaf t würbe unb bie alte ©efc^id^te 
nacl^ gan) ))ercinberten ©ejtc^tdpunften fdrbte unb entßeKte* KamentUd^ 
n)irb l^iet ber fpdtere^ fe^r fomplicirte <Su(tud fc^on bem Dat)ib )U« 
gefd)rieben. 3a er foQ fc^on taufenbe t)on 2!empe(f2ngem angeßeOt ^a« 
ben, }U einer ßüt, wo ber S:em>)el nod^ gar nic^t erifiirte. ^wm ®Iu(f 
beft^en wir noc^ bie älteren !Darf}eQungen in ben 93ä(^ern @amue(d, bie 
und im aDgemeinen ein fe^r treuem unb anf(^au(i(^ed 9i(b t)on jener 
3eit entwerfen* 

9Rit ben übrigen SerfaperU/ bie in ben ^falmenüberfd^riften ge« 
nannt werben/ t^er^dlt ed {td^ ebenfo/ wie mit!£)at)ib. @d ftnbunfri« 
tifd^e SBermutungen einer fel^r fpdten ^eit, bie aQen l^ifiorifd^en @inn 
tjerloren l^atte. - ©o wirb 5ßf . 90 bem SKofe jugefc^rieben, ein 8ieb, bad/ 
wie wir f)>&ter fe^en werben / nur im babi^fonifc^en @ri(e entflanben fein 
fann. ^toü Sieber werben bem ©afomo beigelegt, fßf. 72 unb 127, bie 
ebenfalls nic^t "oon i^m ^errnl^ren fönnen. !£)ie übrigen werben mei^ 
auf bat)ibifc^e ©Anger gurücfgefä^rt. Unter biefen nimmt $(ffap^ bie 
erfle ©teOe ein. (gr foß 12 $falmen, nfimlic^ 5Pf. 50. 73-83 \)erfaßt 
^aben* 9tai) ber S^ronif ^) war er m Se))it unb ©angmeifler 2>at)ibd 
unb }ug(ei(^ ber größte IDic^ter neben 2)at)ib ^). Slad^ innern Jtriterien 
ftnb aber biefe Sieber entfc^ieben jünger. $falm 74 unb 79 ^anbe(n t)on 
ber äJerwüfiung bed S^empeld unb Serufalemd ; $f. 80 beaiel[}t fic^ aufd 
(Sril u. f. w. ©elbft bie (äcifienj eineö Slffaj)^ jur Seit 2)aüib« ifl 
gweifel^aft, ba bie 93u(^er ©amueld i^n ni^t erwähnen. 

3wei anbre 3)id^ter unb ©Änger an^ ter 3«it Da»ibd , .^ e m a n 
unb et an, bie $f. 88 unb 89 t>erfaft l^aben foBen, werben wenige 
fiend bei ber ®ef(^i(^te ©alomo'd *) alö weife üKdnner fipric^wörtlid^ 
genannt. !Die beiben $fa(men aber ftnb fic^tbar fpdter entflanben. !Der 



1) 1 eisten. 16, 5. 25, 1, 
3) 1 it5n. 4, 31. 



2) 2 e^ron. 29, 30. 5Re§em. 12, 46. 



IM Stofiie $mo^. SSon b. ®rfinb. b. Jt5nigt(. bid {um Snbe b» Srifd. 

erdete n)irb au^erbem sugleic^ bert6(]^nien Stoxaäa^ jttgefc^rieben« 
aiuf biefe (et)it{f(l^e @Aiigerfami(ie, bie nod^ ber S^ronif )ut Seit !Dat)ibd 
unb auc^ f))dtei t^orfcmmt noecben not^ 11 anbere, \>mdi ^orm itnb 3n« 
^a(t ou^gejeic^nete $falmen )urfi(fgeffil^rt, ndin(i<l& $f. 42-- 49« 84. 
85. 87. !Da biefe 2iet>er burd^aud inbbibuea finb, f o fann bie 9(iitorf4)aft 
einer ganzen Samilie an {td^ fc^on nic^t fheng gefc^ic^tüc^ g^f^P^ n)erben« 
(Sntweber flammten fte "oon einzelnen ®Hebern biefer Familie/ ober Ratten 
fi(^ nur intdi Überlieferung borin erhalten, il^nlid^ n>ie im inbifc^en 
Seba ganje ^riefler« unb @dngerfami(ten aU SBerfafer ^on 8ob(iebern 
genannt werben. 3nbe^ bei ber Un}u\^er(d$igfeit aller übrigen Eingaben, 
bie fid^ auf bie Slutorfd^afi ))on $fa(men belieben / ifl auc^ au6 biefer 
Sejeid^nung nii^t ))iel }u folgern, jumal bie Sieber nic^t ber 3^it 3)at)ibd 
angel^ören fdnnen/ fonbern tl^eitö in, tl^eiM nac^ bem @ri(e gebic^tet 
n>orben {inb. 

aud ber gried^if^en Überfe^ung ber 70 {te()t man / tDie biefe SBet« 
mutungen auc^ in fpdterer 3^^^ ^^^ fortgefe^t tourben^ inbem einige 
anonyme $fa(men ben ^ropl^eten Seremia / @)ec^ie( , <&aggai ^ ^aiiaxia 
unb @dra beigelegt n)erben. 3nbed ftnb biefe eingaben ni(^t glädFUd^er 
unb nic^t begrunbeter^ ald bienenern fritifd^en 93erfu(^e )• S. ))on <&i$ig/ 
ber ein paar ^falmen (46 — 48) bem 3efaja, gegen 30 aber bem ^rop^e* 
ten äeremia t>inbiciren mdct)te» IDiefe SSermutungen fläzen ftd) metfl auf 
paraQete ^{udbrödEe ber Sprac^e^ bie ftd^ aOerbingd nidbt (dugnen lapen« 
3m SlOgemeinen aber ful^rt bie ®(ei(^l^eit bed SludbrudFd feine6n>eg^ im« 
mec auf ®(eic^l^eit bed SSerfaper^/ fonbern n>eit öfterer auf %a^a^mung 
ober auf 9iBieber]^o(ung fie^enber, beliebter formen» 

(S^ f&Ut bem menfd^Iid^en ©eifte immer fc^mer , fi^ elnjugejiel^n/ 
bafi er etn>a^ nic^t mife/ toa^ er voriger {td)er ju tpifen )?ermeinfe. ®o 
mu^ man ed aufgeben^ bei irgenb einem $fa(m einen beflimmten Ser« 
fa#er l^erau^« ober hineinbringen jn tooUen^ ba aOe berarttgen gefc^id^t« 
(ic^en unb )>erfin(id^en Setie^ungen in biefen Siebern feilten. Sluperbem 
geminnt fein Sieb bur($ eine foI(^e po^ttiot, l^iflorifirenbe Jtrttif ; mo^l 
aber n)irb bad einfädle aSerflAnbntd beffelben oft baburc^ getrübt unb \>ex* 
tnmmtxi, inbem man allgemeine 9lu^brädfe ober gar bilbüc^e SBejeic^« 
nungen Auf erlief unb gefd^ict)t(ic^ beutet/ ). SB. $f. 30. 9){aniituf ftd^ 
begnügen, bie Situation, aud ber ba^ Sieb ]^ert>orgegangen ifl^ mieber 
)u erfennen unb bann im allgemeinen bie 3cit ber 9lbfa$ung }u befiim« 
men, fann aber auc^ l|ier lei(^t um Sa^rl^unberte ftc^ irren. 

@in fünftiger «ßritifer, mlijcx tro^ ber biel^erigen mißlungenen 
SSerfud^e bem JDrange nidbt n)iberfle^en f onnte , bie gefd^ic^tltc^n 9in* 



Srßer 9(6f(^mU. aSon I100-8fi0. A. Jtinig Sat>ib a» 3)^ter. lU 

(Af e ber $fa(mcn int 8eBett iAamUx itinige , $ti>))]^eten tinb !Di<l^teY 
auf)ufu<l^en, bem rate i^^ feinen @(^arfftnn )unÄ^f! an einigen anbem 
eeif)>ie(en )u erproben. (Sr neunte bo(i^ bie fird^Iii^en Sieber Sutl^et^^ 
Serl^arbd unb Slnberer nnb nnterrid^te ft(4 au9 ben Soneben über bie 
gelegentlichen Seranlafungen biefer (SIefdnge, unb er tt>irb gefielen 
mfif en / baf er au6 ben Siebem felbfl tooi^I nur in f)bdifi feltenen gdOen 
anf biefen be^immten $ln(a$ I^Atte fdbüe^en fonnen* 3a , n>enn bie Xu^ 
torfd)aft biefer Sieber ni<lbt fonfi befannt todre, t^firbe an {{(^ nic^t^ l(^in< 
bern, biefelben irgenb einem anbem d^itgeno^en iener SRAnner )U)U« 
f(^reiben. (Sin Jtrltifer, ber auf bie Sri feinen Süd gefc^drft f)ai, toirb 
tDol^I minber )ut)erft(^tIiA t)on e(^t ba)>ibtf(^en $falmen reben« — 

ffiir burfen n>ol^( a(6 gemif annehmen/ baf bie Slfite be6 nationa* 
len Sebend , fo mie bie ® unft unb Pflege , toel^e 2)a)>ib ber $oefie an^ 
gebei^en Ile$ , ani) nod^ anbere bid^terif^e XrAfte neben il^m eitoedte ; 
aBein auf er ber $arabe( 9{atan6 em>Al^nen bie Sucher @antue(6 meber 
ein ®ebi(^t/ noc^ einen 3)i(^ter au6 jener deit. 3l^re 9?amen ftnb er< 
blicken )>or bem @inen föniglid^en !X)i<l^ter. @benfo gab e6 neben iDaioib 
bebeutenbe Jtrieg^l^elben, t)or aOen ben 3oab/ ber feit 3)a)>ib6 ®efammts 
l^errfc^aft über ade 12 @tdmme in ber 9{ege( aQein ind Selb }og unb bie 
Kriege mit bem glädlic^fien @rfo(ge fäl^rte. 3a ed finbet ft(^ ein (anged 
burred aäerjeidbnid bat)ibif^er «gelben unb einjelner auferorbentlic^er 
3^^aten/ bie {te "ooViiiaäit. 9(Qein bie (Sinjeltl^aten ber «gelben ^ ber 
(StAmme unb @tdbte toerben nic^t mel^r gefeiert ; ber ^önig/ ald äRittel« 
punft bed ®an)en, mirb ber fafl audf(^(ief(i(^e S^rdger aQed ®rofen, 
toa^ gefc^iei^t/ unb auf fein «^aupt n)irb ber S^^atenglanj bed ganzen 
Sa^r^unbertd gufammengel^Auft. @o l^atte benn bie bic^tenbe SBoIfd« 
p^antafte Ifltt ein banfbare^ gelb* 

3nbed n>urbe badSeben iDaioibd ni(^t b(op t)on ber SBoffdfage er« 
fapt ; ed muf fe^r frul^ aut^ fc^on in einzelnen romangenartigen Siebem 
)>er^err({(^t n)orben fein. !£)iefe epifc^en «^elbengefinge ftnb )n>ar unter« 
gegangen ; il^r @toff unb Snl^alt aber liegt toal^rfc^einli^ ben fc^inen, 
epifc^ abgerunbeten (Sr)AI^(ungen ber S3fi(ber @amue(d ju ®runbe* 9{ur 
Srud^ftäde biefer alten Sieber finb ^ie unb ba erl^alten ). S. 1 @am* 
18, 7. 2 ©am. 5, 8, 23—24. gbenfo benuftte offenbar' 8tt)iu6 bei fei* 
ner romifc^en ©efd^ic^te altepifc^e 93o(fdIteber, bie ein)e(ne 3uge au6 
bem frühem <&e(ben(eben feierten. $au( SEBarnefrieb ($aulu0 2>iafonud) 
na^m itt feine ®efc^ic^te ber (ongobarbif^en Könige/ namentlich be6 
^(boin , bie Igierrlic^en t)oIf6tpm(i(^en ®efinge ber ®otl^en mit auf n)ie 
fpAter €aro ®rammaticud bie altfcanbinaDifc^en ®agen unb Sieber in 



156 dtorlte Veriobe. SSon b. ©rfinb. b. Mniiif). ÜB {um @nbe b. @ri($. 

feine b&nifc^e ©efi^id^te ))eifIo(^t. 3nbe6 lagen bem älteßen 3u[antmen« 
fteücx ber SBüdjer ©antuelö jene gieber felbfi wol^I nfd^t mel^r üor, fonbern 
nur i^r münbfic^ fiberlieferter/ epif(^er Stoff, wie wir blef früher fc^on 
bei ben Sagen aud ber äiic^terjeit gefe^en l^aben* SBe{fpie(dn)eife ifl an 
bie Srjd^Iung ju erinnern, wie 2)at>ib ben Sliefen ®o(lat mit ber 
©(^leuber erlegt*). Mc^ iji l&ter fo ejjifc^ einfach, anf(^uli(i^ niib 
f^ön erjAl^It , ba^ 9{iemanb bie rein bid^terifc^e 2)arfteIIung t)er!ennen 
fann. SBarum biefe l^iflorifc^en SSoIf^lieber fpdter nid^t )u einem ©am 
}en, )u einem nationalen @po6 t^erbunben tDurben, n^erben mirfpdter 
fe^en* 



B. Öal0m0. 

9ta^ !X)at)ibd Sobe bel^auptete ©alomo ben S^^ron, ben i^m fein 
aSater auf SBetrieb SRatan^ unb ber Satfeba betoiOigte , obit)o]^( ein &U 
terer ©ruber, ?(bonia, mel^r Slnfprüd^e barauf l^atte unb t)on bem tapfe« 
reu 3oab fo wie t)on bem ^ßriefier Slbjatar unterjiü^t würbe. Sedieren 
»erbannte ©alomo fofort; feinen SSruber aber, bem er ©i^erl^eit ju« 
gefc^woren, liep er batb barauf , fo wie er abermalö entfernte ©elüfie 
nad^ bem JH^rone l^atte bliden lapen, ^inri(i^teu ; ebenfo ben im SDienjie 
feinet SSaterö ergrauten 3oab , ber in baö ^eiligt^um 3al^t^e'ö fi^ ge« 
pd^tet, wo fonp eine greijidtte war. — 3n biefen erften S^^aten nad^ 
bem SRegierungöantritte ifi ©alomo'ö »ielgeprlefene SEBei^l^eit nid^t eben 
ftc^tbar. 2)ieaufere?PoIitif, bie rüdtfic^tölofe ©elbper^aitung mod^te 
folc^e 9Wapregeln angemef en ftnben : bem ,§erjen unb ßl^arafter beö jun* 
gen Äonigö aber mad^en_fie feine ß^re. 2)er Referent fül^rt jwar^ biefe 
Sluturt^eile auf ben jierbenben 2)at)ib jurüdt ; allein fid^tbar unnatür^ 
li<^ unb un^ifiorifc^. gür ©alomo bagegen, ber baö no^ l^alb patriar* 
c^alifd^e 3legiment feined 93aterö ju einer eigentlichen !I)eöpotie au^^ 
bilbete, jinb jie fe^r c^arafterijiifi^. ©enn bei allen ^errfc^ertugenben, 
bie er befa^, fel^lte il^m boc^ eine: bie fittlidje ©elbfi\)erleug» 
nung, o{)ne welche jebe^ Übermaß geifliger Gräfte faß notwenbig )tt 
beöpotifd^en »g)anbtungen t)erleiten muf . 

3m t)ierten 3a^re feiner JÄegierung begann ©alomo ben Stempel« 
bau, ber für bie religiöfe Slnfc^auung eine grof e SBebeutung gewann. 
(Sr eröffnete fobann feinem SSolfe, bad biö bal^in meift in engen, abge* 
fc^lo^enen ©rfinjen unb SSerl^dltniffen gelebt f)atU, einen großartigen 



1) I ©am. 17, 



(Sx^tx m^ä^niit SSon 1100— 850. B. @a(omo. 157 

9Be(tt)errel^i, in Solge beffen Jtfinfle uitb SSi^enfc^aften unb über]^au)>t 
allgemeinere Silbung aüffotnmen fonnte. $l^önifif(^e JtfinßUt unb 
Sauieute würben ind Sanb gebogen/ bie ebomitifc^en ^Afen führten 
arabif(^e unb tnbifc^e $robufte ein, unb auc^ mit äigt^pten flanb ®a« 
lomo burt^ ^eirat unb 5ßferbe^anbel in SBerfe^r* — 3m Snnern fuc^te 
er bad Staat^gebfiube , n>e{c^ed fein 93ater mietet f)atU, px&djtii au^» 
gubaueu/ }u Derfd^onern, }u organifiren unb )u erhalten, lief 3erufalem 
nod^ weiter befeßigen unb ebenfo anbere an ben ®rin}en ober an mili« 
tArifci^ tt>i(^ttgen fünften gelegene @tdbte ; er legte aRagajine an , Der« 
mehrte iaß fie^enbe <^eer burc^ Steiterei unb Streitwagen / unb umgab 
ft(^ mit einem glAntenben Greife Don ^Beamten unb äBurbentrlgern fo 
wie mit einem äberaud rei(^en «^arem* @r (od 700 legitime grauen, 
barunter t)ie(e au^lAnbifc^e, unb 300 «ßeb^weiber gehabt ^aben* 

®a(omo'6 aiegierung wirb aU burct)au« frieblic^ nac^ allen ©eiten 
l^in bejeicf)net*)* 9?ur im Slnfange f(!^einen bie (Sbomiter unter ^ ab ob 
flä) empört ju ^aben, jeboc^ ol^ue bauernben Srfolg, obwol^l fie ber 
j^ebrdifd^en .^anbeWflotte manchen Schaben jufügen mo(^ten*). — 
®(u(f(i(^er war 9tef on, ber ftd^ in 2)amadfu6 unabhängig maift^ unb 
jid), fo (ange ©dlomo lebte, alö ein SBiberfac^er 3drae(ö jeigte, wie 
e6 ^eißt'^ ©elbfi tm eigenen Sanbe brac^ fpdter unter 3erobeam eine 
Empörung au^, bie ieboc^ unterbräcft würbe, worauf 3erobeam nac^ 
%^pt^n jum Äönig ©ifaf flio^. 3nbe6 finb biefe Unruhen nur Derein« ' 
gelte Srfc^einungen ; im allgemeinen fonnte ©alomo wäl^renb feiner 
langen ^Regierung bie grücl)te t)on ben Slnfirengungen feinet 9Sater6 in 
grieDen genießen unb bewirfte nac^ bem SWaf ber SoHöfrdfte aUerbingd 
©ebeutenbeö für bie Silbung feiner Seit. 3)ap bie neuen 3uftdnbe aber 
wie überall bei unfu(tit)irten SSölfern nid^t ol^ne beöpotifc^e ^drte ein« 
geführt werben fonnten, baß ber ?uru^ unb bie ^Jradfitliebe be6 »§ofe6, 
bie pebenben .^eere , bie neuen gejJungen unb ?ßracl^tbauten fo wie ein» 
gelne beöpotifd^e ,&anbtungen baö SBolf empftnblic^ brüdten, erbitterten - 
unb enblic^ bie il^eilung be6 JReic^eJ herbeiführten , Wßt jtc^ leiber eben* 
fall« nid^t Idugnen. SSerfaufte ber tanbeöoaterlid)e Ä önig bocft an ^U 
ram, ben Äönig Don^ud, 20 ^ebrdifc^e ©tfibte *in ©aliWa ! Äein 
SEBunber, wenn bie nörblici^en ©tdmme bem .^aufe 2)at)ibö nic^t fe^r 
ergeben waren* 

©uc^en wir unö {e^t bie geifiige ^Perfönlic^feit ©alomo« beutlid^er 



l) 1 Äön. 5, A f. 2) 1 Äön. 11, 14-22, 25* 3) 1 Äön, 11, 23—25. 



1S8 Stotitt $rr{obe. ffion t>. (Srfinb. b* Jttnlgt^. (U gum (Bnbe b. (Srltt. 

)>orsiifieaen , fo iji e« Don äSi^tigfeit/ baf ber $ro)>^et 9{atan i^n 
erjogen unb gebKbet l^atte* 993ie bei 3)at)ib aQed 9{atur ifl tinb tvie er 
in bet @(^u(e be6 Sebend )U einem gtof en Sl^arafter gebilbet tt>orben/ fo 
tritt bei @a(omo fofort bad (Siement gelehrter Silbung mit aQen SSor« 
jfigen unb aJMngeln fel^r entfcftieben in ben ©orbergrunb. «ufgewac^fen 
im ®diet>$e bed ®iu(fd unb ©lanjed unb o^ne eigentlich hiegerif^en 
@inn, ^atte er aber aUt^ SEBi^endwerte , f o mit e6 bamal« errci^bar 
\»ax , fi(^ unterrid^tet unb t)or3Ugdn>etfe fc^eint fein frieblic^er @inn gur 
9laturbetra(^tung/ )ur @rforf(^ung ber ^jlanjen* unb S^^iermelt fid) l^in« 
geneigt ju ^aben ; fo bgf er felbfü n)if enfc^aftH^e SBerfe baxäber Der« 
fa^te* @d l^eift Don i^m*): ^@r rebete fiber bie Sdume, Don ber 
@eber auf bem Libanon bid )um ^fop/ ber an ber 9){auer ^erborn)3(^f) ; 
unb rebete über bad SSiel^ unb über bie 93dge(; über ba6 ®en)<irm 
unb fiber bie ^ifc^e/ — 2)iefe Stacl^rii^t ifi immerhin merfmfirbig unb 
DerrAt cim aOgemein menf(^(i<^ere Silbung/ ald n>ie n>ir fte bei aQen 
folgenben Jt5nigen finben« SEBegen feiner naturgefc^ic^tlic^en Jtenntniffe 
befonberd im $f[an}enrei(^ galt @aIomo fpdter ald ein großer ®eifiec« 
banntt, inbem man 3<{uberforme(n unb 3<iuberbfi(^er auf i^n guriicfs 
führte. Sgl. 3ofep]&u«, «rc^. 8, 2, 5. Über ben jfibif^en Ärieg,7, 6, 3. 
Slußerbem tt>ar @a(omo Dichter toie fein SBater unb verfaßte/ ber 
Eingabe nac^, breitaufenb Spruche unb taufenb unb ffinf 
^ Sieber^)* 93on ben (entern ^at ft<^ fein eingiged erhalten* Unter ben 
150 Siebern ber $falmenfamm(ung kDerben i^m nac^ b(of er SSermutung 
nur }n)ei gugefd^rieben , bie aber einer fpdteren ^nt angel^oren* (Sbenfo- 
fann er bad «^ o 1^ e( i eb nic^t felb^ gebic^tet l^aben, unb noc^ Diel U)e« 
niger ben $rebiger* Über feine ®nomenbi(^tung werben n)ir mitn 
unlen rebeu. 

4Bor allem wirb bie SBei^l^eit @alomod gepriefen unb iß fpri(^* 
tt>irtli(^ geworben feit uralter 2^\t (S6 l^ei^t Don il^r^ fte fei größer ge» 
wefen / a(^ bie SBeid^eit aller ® 5l^ne be6 Dflen^ (ber Araber) unb ald 
ade 9Beid^eit ^gi^ptend unb al6 bie bec SBeifeßen in S^rael, fo baß fein 
Stul^m }u allen äiolfern ringsum gelangte. 9116 $robe feinet ric^ter« 
liefen ®(l^arfftnne^ wirb bie befannte ®efc^i(^te exi&ftU, wie }wei 93ei« 
ber um ein Jtinb fireiten unb er bie rechte SRutter beffelben I^erau6< 
bringt. !Da fie beibe e6 anfpred^eU/ läßt er ein ©c^wert fommen unb 
Win e6 in )wei «^dlften gerti^eilen lafeU/ womit bie eine ^rau }uftieben 
ifi , bie anbere aber bittet^ bad ^inb lieber gang unb lebenb ber ®egnerin 



1) 1 itdn. 5; 13. %) 1 itdn. b, 12. 



(Srfiet 3l6f(^nitt SBon 1 iOO— 850* fi. @a(oiiio. Iftf 

/ 

SU übergeben; unb ber MM% txUnnt an blefem äRitgefü^l mit bem Ainbe 

richtig bie n>a^re 9Rutter befelben unb iptidjt e6 if)x ju. 

@oId)e treffenbe (Sntf(^eibungen/ bie t)on einem Haren SBeIt)>erflanbe 
unb tiefer 3Renf(^enfenntnid aeugeu/ mußten bad ünfel^n bed Jtinig6 im 
3n« unb Siudlanbe ungemein liebem 2)enn nic^td imponirt ben SBilfern 
auf einer gen>ifen Stufe ber Silbung me^r, a(0 bie geißreid^e Sdfung 
eined anfd)einenb f o f c^weren $rob(emd / ba^ nun plö$li(^ auc^ ber ein« 
fad^fie @inn Durc^fd^auen fonnte. @a(omi) aber/ a(6 ^^(^fier 9iid}ter/ 
mochte )DieIfad)en Slnlaf J^aben^ feine Urtbeil^Iraft unb feine 9tegenten> 
n>et6^eit in fit^nHc^er 98eife an ben S^ag )u legen* @0 ift bie^ bie eine^ 
Die pxaUiidje Seite feiner Sßei^l^eit, U)ie er fte aui) ber @age nad^O von 
@ott ^6) erbeten ^atte^ um bad 93oIf gehörig richten unb )n>if4en 9ied)t 
unb Unrecht unterfd^eiben )u fönnen. 2)ed^alb färd)tete i^n auc^ bad 
93olf, n>ie e6 ^eift^ ^tt>ei( fie fallen, bapbie 9Beidjieit ® ottee i^ 
il^m fei; um @erid)t }u l^aiten*'' 

9?eben biefer 9ti(^tem>eidbeit erfd^eint nlc^t minber gl&njenb unb 
grof feine S)ic^tern)ei0l^eit/ bie er namentli<l^ burc^ ga^Ireic^e !Denf« 
fpruc^e fo mie bur<l^ feine S^rtigfeit im Siufgeben unb im 25fen t)on 
9t Atfelf ragen beurfunbete, fo ba^ er fp&ter ald ber Scib^pf^i^ ber l^ebrAi« 
fd)en iS))tu(^bi(^tung betrachtet n>urbe. Diefe ^n{t(^t ifl freiließ fe^r }u 
befc^tänfen unb )u mobiftriren. j)enn bad eigentliche ® p r i d) tD o r t ; 
ba$ einen ttnnreid)en ®ebanfen bllbtic^ unb bunbig audfpric^t/ bann wie 
eine geprägte 9Run)e g&ng unb gAbe n)irb unb au^ ber meiter enttoicfel» 
Un @pru(^bi(^tung }ur ®runb(age unb sum SSorbilbe bient, ift mefentUc^ 
ein ^robuft bed gan}en aSoIfdgeified* !Die @inne6art unb iffieidl^eit 
ganjer ^aJ^rJ^unberte, bie erfien SSerfuc^e be^ Siac^bcnfenö, bie erften aU* 
gemeinen Urt^eile unb Stefferionen über bie Statur, iiber bae 8eben unb 
t)ie @(^idfa(e bed ^enfd^en, aber rec^tlid^e^ poiitifc^e unb religiös « fttt- 
lid^e 33ecl^d(tniffe werben ^arin niebergelegt unb gewi^ren und ben ed^^ 
teilen unb wal^rßen Sinblidf in bad SBefen eined SSoIfdgelßed unb feine 
iebedmalige Siibungdfiufe* 

@o mag auc^ ®aIomo wie bie fiebeu Sßeifen ®rie(^en(anbd , wie 
unfer ®5t^e u* 9(» , bie Stefultate feinet 9Iad^benfend; feinet Sebend 
unb feiner t)ie(feitigen Erfahrungen in foi^en 2)enf> unb SSßeid^eitd* 
fprfid^en balb ernfi unb beiel^renb/ baib ffnttx, wi(ig unb unterbaltenb 
audgefproc^en ^aben ; aQein ber Schöpfer unb SBoOenber biefer ®attung 
ber Se^rbic^tung ift er nic^t* @ie ftnbet fid^ fc^on i>ox feiner S^it im 



1) 1 Ädm 3, 9—12, »8* »öl* 1 Äön* %, 6, 9* 3efo{a, II, i^. 



180 Qtotltt $enoDf« aSon b. ®vunb. b. Stini^tf^. 6id jum @nbe b. 6rt(^* 

ä3o(fe itnb eneid^te erfi (ange na^ tl^m t)ie ®eftaU/ in n)e((^er bie jefrtge 
©ammfung bcr foflenanntcn ©prü^c ©alomo'd un6 vorliegt/ fflel^cu 
$lnt^eil er an biefer ©ammlung l^aben tonnte, meiben mir fogleic^ 
feigen. 

Seiber ifit un6 feine ^(ufjei^nung ber dlteßen l^ebrAifd^en Q3o(f6« 
fpric^worter ju Si^eil geworben ; nur einzelne S}>uren t)erraten , baf- 
jte l^ier iDie äberad im 93o(fe t>or^anben waren. IDal^in gel^ört ). 9. 
baö ^jporif(^e ober m^t^ifc^e @i)ri*n>ort 1 aWof- 10, 9: „SBie §»im* 
rob ein gewaltiger 3ftger »or bem ,§errn** 1 ©am* 10, 12. 
19, 24: ^3jiau(^©aul unter ben ^rop^eten?* 2©am.5,8: 
,@in Slinber unb Sal^mer fommt nid^t in ba^ ^au^'', 
ein bunfied ©prid^wort, bad ju erT(&ren gefacht wirb. 1 ©am. 24, 15 : 
^(Sinem tobten «§unbe, einem %Uf) nachjagen.* ©old^e 
fprid^Wörtlid^e SR eb entarten jinb fe^r ^dupg im «^ebrfiifc^en. gerner 
fpric^wörtlic^e ©egen^tofinfci^e, wie: „(Sß befifte bein ©ame baö 
3;^or feine.r.geinbe!* 1 ÜRof. 24, 60 «nb fonft. ^©ottmac^e 
bi(^ wie Sfraim unb SWanaffe!" t g»of. 48, 20. — gemer 
JRic^ter 8, 21: „S3Bie ber SRann, fo feine Zfiat^" bieß ©pri^* 
wort bringen ©efangene bor, bie nid^t t)on einem Änaben, fonbern t)on 
einem SRanne getöbtet werben wollten, weil jte felbfl ftd^ a(d SRdnner 
fällten. Der 3Slann muf tl^un, wad bie S^atfraft eine^ äRanned erfor« 
bert. gerner gehört bol^in 1 ©am. 24,14: ,,SBon greblern fommt 
gre^el,* wobei auöbrüdtiid^ bemerft wirb: «,wie ein ©pric^ wort ber 
ajorfo^ren fagt." SRamentlid^ finben fic^ bei ben fpdteren ^Jropl^eten unb 
3)id^tern fold^e ec^te SBoIföfprid^worter tl^eil^ unberdnbert aufgenommen, 
t^eilö fünjilid^er gefaßt unb in rbijt^mifc^e gormen gebracht. — 2)a» 
l^in gel)6rt j. 33. Sefaja 33, 11, ein gereimter ©prud^: 

^®tf}i il^r fd^wanaer mit ^eit. 

®o gebärt \f)x @^)reu.* (eig. @toj)i>eln.) 

3m 3wföi«»i^Äl^önge befagen bie SBorte: l^egt i^r übertriebene .^off* 
nungen, fo werben fie bereitelt werben. @je^icl 16, 44 j ^SBie bie 
SMutter, fo bie ioAter.^ ©jec^iel 18, 2: 

«IDie fßätn aßen faure XrauBen, 
Unb ber Stinttt 3ä^ne n?urben flum^f.^ 

^iob, 2, 4; ^@ine <^aut (gibt man gern) um bie i&aut, unb 
9HU^ gibt man um fein ithen b. 1^. eine 3:i^ierl^aut ober ein 
Silier gibt man gern ^n, um mit eigner feiler i^aut babon ju fommen, 
(womit auf .^iobö ^eerbenberlufie l^ingebeutetwirb;) fein ganjeö SSer« 
mögen aber (dßt man wiQig/ um fein itUn )u retten. 2)er ©atan 



Sr^er^bf^nitt SSoit 1100— 850. B. Salonio* 161 

meint/ vvenn man bem «^iob fe(6{l )u Setbe gienge unb feine eigne «&aut 
antajie, fo werte er flc^ gewiß nid^t bewähren. — ?lu^ noc^ fpÄterer 
3eit iji jtt t^ergleid^cn Sira(^ 10, 12: ,,^eute Äonig, morgen 
tob.* 38, 23: ^^eute mir, morgen bir/ 3m SReuen 2;efta» 
mente 8ufad 4, 23: ^9lrjt, ^ilf bir f eiber!* ein ®»)iu<^, ber 
and) im S^aimub t>otfommt. 

93efd0en mir eine @amm(ung ed^ter, altl^ebräifc^er Q3oUdf))ri(^«. 
worter/ n>ie fte unßreitig ju taufenben im ©ebraut^ waren, fo würben 
fte ftci^ Don ber ie^igen ®a(omonif(^en Sammlung ttvoa ebenfo untere 
fc^eiben, wie bie altarabifcfien au6 ber ^tit t)or SKul^ammeb jiammenben 
(Sprichwörter bei äJJeibani u. 31. Don ben neuarabifc^en, unter bem@in» 
fiuß be« 3flam entftanbenen. 3« ben lefttern gcl^ört j. ®. bie auf ben 
^balifen ^(i jurucffä^rte ®amm(ung. SB&l^renb iene eine burd^ unb burc^ 
gefunbe, fernlgiafte ©eftnnung, eine berbe, wUbe «Kraft be^ ©ebonfend wie 
bed 9lu^bru(f0 at^men unb äberall burd^ fperiede Sejiel^ungen ben realen 
93oben bed bebend unb Sanbed verraten, bem fte entwad)fen ftnb, fo jtnb 
biefe lungern weit mel^r $robuf te ber Silbung unb bed 9}aci^benfen6 ufnb 
fielen und bedl^alb aud) , weil fte bem ibealen Stoben bed @eified ange« 
Igoren, menfc^lid^ Diel nd^er, ald jiene naturwu^ftgen, Dielfad^ bunfeln 
unb gebanfenarmen Sprichwörter ber älteren 3^it» 

Dabei mup man ©prud^ unb Sprichwort wo^l unterfc^eiben. 3)ie 
jeftige l^ebrfiifdje Sammlung entl^dlt eigentlich nur Sprudle, !l)enfs 
fprüc^e, Se^rfprflc^e, bie aber nid^t feiten Don eigentlid^en ffiolfdfprid&s 
Wörtern ausgegangen jinb, etwa ebenfo, wie unfre beutfc^e fd^önfte 
Sammlung, ^.greibanfö Sef^eiben^eit/ (b. L SBeltflugl^eit), bie man 
nic^t unpaffenb eine ,,weltlic^c 93ibel" genannt l^at unb bie ber Salomoni- 
fd&en Sammlung gewiß nic^t nac^fiel^t, ebenfalls auf einen fold^en®runbs 
üodE eigentlicher 93olKfprid^wörter jurudgcfü^rt werben muß. So i)at 
aud^ Satomo offenbar nur in ber Dolföt^ümli^en gorm unb SBeife feine 
Sprichwörter fortgebicfttet unb jeic^nete bloß Dor anbern 3^itgenoßen, 
bie genannt werben, ja Dor ganjen SSölfern, bie burd^ SBcia^eit berül^mt 
waren, wie bie ?lraber unD Sig^pter, auf« glanjenbjic fid^ a\i^, wobei 
man glauben fönnte, baß er bem aSolWfprid^wort juer|i bie fpStere ÄunP» 
form gegeben. Slllein nad& fieberen Spuren ju urtl^eilen, war auc^ biefe 
längfi Dorl^anben, fo baß er nur burc^ ben Umfang unb JReic^tl^um, 
burc^ neue, geiftrclc^e Sluffaßung in biefer ©attung ber 5ßoefte fid^ ^er« 
Dorget^an l^at» 3m Sltlgemeinen gehören ju biefer Se^rbicfetung fd^on bie 
dlteften ©efefte unb Sittengebote; beftimmter fobann bie gabel 30^ 
ta^md unb bie Parabel 9Iatand, burc^ bereu S)afein allein fd^on 

(Slefd^. b. pott, 92attonaUtt. b. i^ebr. ^ « 



162 StoeÜe $friot>e* fßon b. ©tfinb. b. Jt6n{gt^. tt« jum Sitbe b. 6x1(6. 

ble Slnfit^t en)albö »iberlegt wftb, bapt)or©o(omo feine 6pur t>on 
l^ebrdif(^er ©pruc^bic^tung ju flnbeii fei*), unb bap er im jircng ge* 
fd^ic^tlfci^en ®inne b^er Url^eber b(efc6 neuen SttJeigeö ber ^oejie, ber 
Sßei^^eitd» unb Se^cbid^tung getvefen. @0 finb f(^on oben ®))n(^« 
mottet au6 dltetet ^txt angefüllt* 9(upetbem iji golgenbed )u bead^ten, 
toa^ itbet ba6 93otI)anbenfein biefer 2)t(^tungdatt Idngft t)or @a(oino 
feinen 3w>eifel mel^t übtig l&^U 

(Sine befonbete ®eite bet fptic^möttUc^en ÜXc^tung n&nili(^ biibet 
ba6 9i&tfel, ba6 mit f(^on in ber 9ii(^tetieit, mie bi^ 9t&tfe(fragen 
@imfon$ {eigen, aufd feinfle unb finnigfle audgebilbet finben (t>g(. 
®. 99ff0» @^ geptt fibetl)oui)t ju ben frül^fien ^uperungen be« reflef- 
titenben iSenfend unb 2)i(^ten^ unb biente t^eifö ju gei^rei(^er Untere 
l^iattung , )um leiteten @pie(e bed $etflanbe6 unb SBi^ed mie bei ®inu 
fon6 «&od)jeit, t^eilö anc^ ju le^r^aften unb ernfteren ßvHden, wie 
)» S. au^ bie fieben äßeifen ®riec^en(anb6 9t&tfe( in SSerfen gebic^tet 
^aben fotten. 2)oc^ toar Unterl^altung too^l immer bie ^aupiiad)c ba« 
bei/ tt)le ba« befannte 3ldtfel, bad auf Äleobul gurfirfgefftl^tt tt>irb, 
jeigt: 

,,(Stncr ifl Sßattt unb gtoölf finb iHnbcr t^m ; a6(v ein tebfd ' 
J(mb l^at ^iDeimal brcipig vecfci^iebengejiaUete .^inber« 
^ie jtnb tcei^ an j^arbe ju fc^aun, fci^tDarj aber bie anbetn; 
Unb nnjierblid^cu (Scinö : hoä) Wnjinbcn ^munter pe atte." 

3)ad aaSefen beö 9ldtfel6 befielt im ungemeinen batin, bap ein ni(^t 
genanntet/ abfic^tlic^ ))erf!e(ftet @egenftanb bntc^ Umfc^teibung , but^ 
anbeutenbe, bilblic^e obet f^mbolifc^e ^atfteHung etraten werben muf « 
®o((l()e HU (öfenbe 9lufgaben unb $tob(eme enthielten bei ben «^ebrdern 
n)ie bei ben ©ried^en oft auäj bieDtafelfpruc^e, bie fxä) gern in eine 
rätfell^afte gorm pQten unb ba^er mol^I getabeju Stätf el^ chidä, ge:' 
nannt werben. 93gL Sjec^iel 17« !X)ann fielet ba6 äBott andj gan} oQ^ 
gemein für ©lelc^niötebe, 6innfptu(^ unb 8el(|tgebi(i^t. 

IDaö Snteteffe an fold)en geiftteid^en SRdtfelfpielen würbe no^ gefiei* 
gett butd^ greife, weld^e auf bie Sofung, unb butd^ Sttafen, weld^e auf 
bie SRid^tlöfung gefegt waten. 9?ad^ ben (Sbba«8iebetn, in benen bie 
9l&tfe(fonn fe^t gewö^nlic^ ift , fo wie in beutfd^en Sagen unb 2Kdr(^en 
witb bad geben gat )um $fanbe gefegt unb i)) betfallen , wenn bie 9Iuf« 
gäbe nid^t erraten werben fann. @^ etinnett bief an bad altgried^ifd^e 
aidtfel ber tl^ebanifd^en Spl^inr: „SBeld^eö S^^ler gel^t am SRorgen auf 



1) (Stoalb, bie ^oetif^en üBuc^ec betf alten 9)unbed. I. @. H5. 



(ttfin m^äiniiU Sott 1100— 850. B. Sa(otno* IM 

Diet, SRtttagd ottf }n)ei uttb 9LUnM auf brei Pfeti?'' burd^ meld^ed 
ntattc^ed äJfenfd^ettlebeti )>em{rft würbe ^ bid enbli^ £)b{^u6 bie Sifung 
9a6 , baf ed ber äRenf^ fei in feinen brei Seben^ffatfen atö .Rinb ; Süng* 
ting (ober 9Rann) unb ®reid» 3m n)lrf(i(^en Seben ftnben tDir bei beti 
fpAteren ®rie(^en eine mitbere Strafe ; n>enn 3emanb ein jur Unterlgial* 
tung aufgegebene^ 9t&tfe( (y^apog) nic^t (5fen f onnte , muf te er ein be^ 
fiimmted Quantum Sein in @inem 3uge auätrinfeu/ ber glfidUc^e Söfer 
aber erl^ielt Äcanje, Äuc^en, Äüffe u. bergt. — SBie ba6 SRdtfel ©im« 
fond jeigt^ festen bie «Hebräer oft nic^t unbebeutenbe greife babei an^. 

®el(ir merfn)urbig if! nun bie (Srjd^Iung im 99uc^ ber JtonigeO/ 
tt)ie auf ben Stuf t)on Salomo'd SBei^^eit bie Aönigitt t)on <Sabäa, in 
3emen^ im fublid^en Slrabien gelegen^ fi^ nad) 3erufalem begibt, iim 
einen iCid^ter « Sßettfireit mit i^m ein)uge^n unb il^tt mit Stdtfeln 
jut)erfu^en» 2)ie .Königin war bemnac^ ayt^ iDid^teriit unb nament« 
ii(^ im SK&tfe(fpru(6e gewanbt unb erfal^ren ; bentt ba^ 9(ufgeben unb 
9(u6{tnneu ber Stitfel erforbert entfc^ieben mel^r $l^anta{ie unb poetif^e 
Slnfci^auung / a(d ba6 ^uflöfen berfelben. ®ie fam mit einem g(dn)en« 
ben ®efo(ge unb mit Kamelen/ meiere bie für @a(omo beßimmten @^ren« 
gefd^enfe trugen ^ nAmlic^ 120 S^alente ®o(be^ unb eine SRenge @be(« 
fieine unb fo )oieI foftlic^en Salfam^ wie noc^ nie in 3erufa(em gefeiten 
worben war. — Über ben eigentlichen SOSettfireit aber wirb nic^tö 91%» 
red angegeben ; ed ^eipt b(of : bie «Königin ^abe ^Qed^ wad fte auf bem 
«^er}en gel^abt^ gu ®alomo gerebet, unb er l^abe i^r ol^ne fRüdffalt auf 
aOe il^re fragen Stebe unb Antwort gegeben / f^abc i^r bann ben ®(an) 
feiner ^oftafel unb feiner iDieuerfc^aft gejeigt fo wie «.bie Sranbo))fer^ 
bie er im .^aufe 3al^t>e6 opferte,"^) worauf fte t)erwunbert gejianben, 
ba^ bie 9BirT(tc^feit feiner $rac^t unb äßeid^eit älQed no(^ bei weitem 
fibertreffe, wad fte in i^rer i&eimat bat)ou gel()6rt. S^m ©d^Iu^ l^ielft ed, 
bap ©alomo ber fabdifc^en «Königin jeben SBunfc^, ben fte geAupert/ ge« 
w&^rt ^abe ^^noc^ auf er bem, wad er i^r gegeben nad^ ber ($anb b. i. 
nacft ber) gewöhnlichen greigebigfeit beö Äönigd ©alomo/' alfo nod^ 
auf er ben üblichen @^rengefcl^enfen« 

^ieron fc^lieft fic^ bie atl;io»)ifc^e Sage, baf biefe Äönigin , bie 
SRaqueba ge^eifen^ ben ©alomo nod^ gebeten f)abt, if)i einen ®o^n 
iu }eugen/ wad er benn aud^ getrau* @d^on 3ofepl(|ud in ber ^Irc^dolo« 

1) 1 Äßn. 10, 1-13» 

2) (Sfttfam meint (Swalb, t>on bem n%enil\äitn Xem^el ober öon beffeti Opfern 
I^abe @aIomo il^r nid^t6 geigen fönnen, gegen bad au^brüdUd^e Seugnid 1 St^n* 10, 
4—5. ^gl. iSRof. 15, 1 4. (SwaVb, ®ef(^. 3«raeld II. i, ®. 91. 

11* 



164 3tt>elte ?P«rlobf. 9Son b. ®nmb. b» ASnlgt^. W0 jum Snbe b» (Srlte. 

gfe (8, 6, 5) t)er|iel^t unter ©d^eba irrffl Seba ober ^tl^iopien. Die ara« 
blfd)en S^rabiHonen bagegen fubren biefe Königin unter ben ^errfc^em 
von 3emen auf unb nennen fie SSalfiö* 

@o((l^e SlätfelMmpfe werben auc^ fonfi t>on 6olonto erwdl^nt. 
^a6) ^l^önffifc^en ©efc^ic^töf^relbern , wie !3ofe>)^uö*) berid^tet, fonbte 
er an ben befreunbeten Äonig .^iram t)on Z\)xn^ 9tdtfel mit ber ©itte, 
il^n ebenfaüa barin ju t>erfuc^en unb äl^nlid^e Slufgaben ju überfenben* 
pr bie 5ßid)tlöfung waren ©elbfirafen befiimmt* 8ange 3elt, l^ei^t 
eö , fei ^iram in biefem Sldtfelfampfe unterlegen , biö er enbüd^ einen 
SE^rier 9iamen^ 3lbbemon gu »^ülfe na^m, ber atte Aufgaben @a« 
lomo'ö glürflid^ lofie unb i^n felbjl bann burd) feine fc^wer ju löfenben 
aufgaben in aSerIegenl()ett fe^te. ?(n fl(^ fie^t ber ^ifiorif*en SRi^tigfeit 
biefer Überlieferung nid^tö entgegen» 

gragen wir nun, weither »rt biefe uralten 9ldtfet fein mod^ten, fo 
irren bie gen)i§ , wetc^e meinen , ed l^abe fid^ babei um bie Offenbarung 
unb Sofung tiefer ^Jroblerae ber JReligion, ber 5Ratur ober gar bet 5|8|i* 
lofop^ie gel^anbelt. Smalbö begeijierter Sluöruf: „D glürflic^e 3«t, 
tt>o mdcl^tige Surften mitten in i^ren, »on ^eiliger ®otte^rul^e umfrie* 
Wgten Sdnbern fo ju einanber »aßfal^rten, fo in SBeiöl^eit unb, xoa& 
no(^ mebr ift, im regen Suchen berfelben wetteifern fönnen!'' jn>ingt 
beö^alb bem (irengern.^iftorifei; ein ^armlofeö Sud^efn ab, 8lu6gefd^Iofen 
iji für baö 9ldtfel natürlid^ fein ©ebiet beö SBifen«; allein t>on einem 
elgentlicf)en gorfd^en nad^ ffieiöl^eit unb ^ö^erer SBa^rl^eit l^anbelt eö 
fic^ babei nic^t. 2)a6 fRätfel ift wefentlid^ ein freiet ©plel bed ®ei* 
fteö, wobei e^ auf S3Bi^ unb ©eifteögegenwart anfommt unb wobei eö 
auf geijireid&e Unterl^altung, auf ein gegenfeitigeö aWepen beö Scharf* 
finnö unb ber ©rfinbung^gabe abgefe^en iji* 

2)aö SRdtfel ©imfon^, ba« berul^mte SRätfel ber ©pl^inr unb We 
ed)ten SSolMrdtfel aller Stationen fönnen unö biefe dltefie Slrt unb SBeife 
am beften t)eranfd^aulic^en. (Sine Ǥau>)teigent^umli<^feit t)ieler fol<^er 
JRdtfel befielet in ber Angabe eine^ wirHi(^en ©egenfianbeö unter fe^ein* 
bar jtc^ wiberfprec^enben unb unmöglichen Sejeic^nungen, \t>it bei ©im* 
fon: „auö bem ©auren gieng ©üpe^ l^ertjor;" weöl^atb ber Srrater 
eine iugenbli(^e 5ß^antafie, ©d^arffinn unb Äombinationögabe befiften 
muß, wenn er berartige, baö logifd^e Denfen t)erwirrenbe unb nedtenbe 
Slufgaben burc^bringen will» Oft l^anbelt fid^ö babei blof um eine 93er* 
gleid^ung flnnlld^er unb überftnnlit^er 2)inge, um bilblic^e unb f^mbo* 



\) ^Tr^äolog. 8, 5, 3. (Segen S^jion \, 18, »gl. 1 Mbn. 10, 24» 



(Srfln atfef^nltt. IBoii 1100-850. B. @a(omQ« 165 

Iif(^e Sejeid^nungen t)on befiimmten ©egenfidnben / wobei iebo(^ l>a^ 
eigentlid^e aSoIfdratfel ^d) niemals }u t)er epi^^nbigfeit unb JtünflHc^* 
feit Derfieigt, tt)ie j. 8. ber Dichter beö ©fingerf rieg« auf ber 
aSartburg in feinen bunfeln^ apofd^ptifc^en St&tfelfragen* 6^er 
n>ürben bte Dolfdm&figen 9iätfe( im !£r au gemnnb bliebe }u )>er« 
glei(^en fein. 

Sc^on ^erberO äußert fl^ fe^r richtig über baö SBefen blefer 
2)id^tungdart* ^Sllle SBöIfer auf ber erfien Stufe ber SilDung , fagt er, 
ftnb ?ieb^aber ^on 5Rdtfefn ; bie Äinber ftnb eö aud^ unb auö eben bem« 
felben ®runbe. 3l&r SBi^ unb ©ci^arffinn, ll^re Semerfung^s unb 1)1(^5 
tungögabe äußert fic^ bamit über elnjelne ©egenftänbe auf bie (eic^tefie 
SBeife; unb ber ?Preiö, ben ber ßrfinber fott)ol(){ afö ber Srrater elne0 
guten SRdtfelö in feinem Äreife ba^DU trägt / ifi i^nen gleid^fam Äampf« 
preiö, bie unfc^dblic^fte Siegeöfrone* 3d& wünfc^te, baß wir »on mel^* 
rcren jinnlic^enSBöIfern, patt SBefd^reibungen über ben ®eifi berfelben, 
groben il^red finb(i(^en SSi^e^, i^re^ ft(^ übenben ®(^arfftnne6 in 
@prü(^n)5rtern, ®(^er)en unb 9t£tfe(n ^tten; n)tr l^dtten bamit bie 
cigenflen ®änge i^reö ®eijied } benn jeber alte SSölf erfiamm , ben ic^ 
fenne, ^at in äufftnbung fold^er äibnlic^feiten bei feinen giebling^gegen* 
fidnben unb Sieblingdibeen gan} feine eigne SBeife. 993ir ^aben fte aber 
bei wenigen, »eil gerabe biefe Dinge jum ^eiligt^um jeber einjelnen 
Sprache gehören, unb oft fo fd^wer ^u ^oerfie^en, aW unüberfeftbar finb/' 
— 3n neuerer ^dt finb jene äBunf(^e..&erberd loielfac^ in Erfüllung ge« 
gangen. 

%\x6) in ber @alomonif(^en Sammlung ftnben {t(^ gtucf lieber SBeife 
no^ einige 9iitfel, bie, obgieid^ fte ^p&ttt niebergef einrieben ftnb/ bOi|> 
bem Stoff unb ber ganjen SIrt nad^ jum Z^ül n)ol^( weit Alter jtnb unb 
und eine weitere, ec^tl&ebrdifc^e 5ßrobe biefer 2)i(^tungöart liefern. Die 
Übe^fc^rift*) fü^rt fie auf einen fonji unbefannten ^prucl^bi(^ter 9?amend 
^gur }urää. @d flnb rein weltli(^e unb jum S^i^eil wi^ige SSolf^rdtfei. 

3ttfgabe. 
IDie ^tutfaugerin t;at jivei £5(i()ter: 

Unb brei ftnb unet fattlic^, 
Unb «iet fagen nie : //genug ! ** 



1) 93om (3# bet ebr6if(|en (g^tacifte* 1783* II. @. 288* 

2) ^pxii^t, Sto^. 30/ 1* 



«A 



166 ätotiU $etiobr. Son b. ®runb. b. Stini^tf). m jum (Snbe b« (lxi(6. 

3ttfläfittijg. 

5Die Unfru^tbfltfeit be« «eiBe«; 
^ae iant>, nie fatt an ff&afet, 
Unb baö geuer, ba« nie fagt: «genug ! " 

!X)fc ^S3lutfauflcrftt^ ifi ein l^albm^tl()ifd)e« SBefen: bie perfon{flclrte ®wt 
unb Unerfättlic^feit. — 3m .g)itoj)abe9a, ber inbifd^cn gabel* unb ©pru(^* 
fammlunQ/ ed. Saffen p.66 ftnbet fic^ ein d^nüd^ec ®|)cu(^: «,X)ad S^uer 
n)icb nic^t fatt be$ «^oijed/ nid^t bad 3Reec ber ©trome^ nic^t ber Sobe^« 
gott aller Sebenbigen." Sin Gntle^nung auf ber einen ober anbern Seite 
iß nid^t )u benfen* 2){e Silber liegen f o nal^e , baß mir {te faß überaQ 
antreffen» 3«t^^»i entfpret^en nur jwei. !Daö britte finbet jic^ ßanj 
ebenfo j. 8» in ber Sbba, wo ben S^rinfern geraten wirb, bie (Srbfraft 
«anjurufen; benn „bie ßrbe trinft unb wirb nid^t trunfen»'' 

SBon berfelben $(rt ftnb noc^ folgenbe loier Slufgaben : 

2)ret SDinge f?nb mir ju tounberbat, 
Unb t)lere finb«, bie id^ nt^t begreife. 

35en 3ßeg be« Slbler« in ben ^imme! j 
3)en SBeg ber ©oblonge ouf ben gclfen j 

2)en Scg be« ©c^ijfc« inmitten be« aWeer«, 
Unb ben ®eg be« aWdnne« in bie 3)ime. 

SBa« mit biefem legten aBege gemeint fei, jeigt ein fogleid^ fotgenber 
6*)ru(^, ber aber nic^t me^r jumSiatfel gehört, fonbern nur Wie jur 
SrlAuterung baftel^t : 

®o mad^td bie (S^ebredjierin : 
®ie genießt unb »ifd^t fiäf ben SWunb 
Unb f^tic^t aldbatifn: 
^3* t^at fein Unre*t--' 

2. 

Unter brei iDingen erbebt bad 8änb, 
Unb unter ))ieren f ann ftd^^ nic^t lieben : 

;3tufiöfttiig. 

Unter einem @ft(n>en toenn er Stbni% toitb/ 

Unb unter einem Sl^oren n>enn er $rob genug l^at $ 

Unter einer ^&$tid^en, toenn fie »crm^t )9trb, 
Unb unter einer SDlagb toenn fte bie ^errin beerbt. 



9i{ler3(6f(^nitt. aSon 1100—850. B. @a(omo. 167 

3. 

ffiiere ftnb )n>ac bie itUinflen bcr (SxU, 
Unb bennod^ ftnb fte bie iveifeflen : 

3ttflöfttnfl* 

^ie Slmeifen, ein unfräftig $olf, 

Unb rüflen bo(^ im Sommer i^re ^ptift *y 

S)ie J(li|)^eMba(l^fe; ein nid^t ^arfed ^oU, 
Itnb bauen bennod^^ in Seifen t^r ^au6 ; 

3>ie {^eufd^reden ^aben feinen J^dnig, 
Unb jie^en bodj; atte georbnet au6 ; 

IDie (Sibedf^fe taflet mit ben ^änben/ 
Snbem fle njol^nt in fdniglid^en $al&0en» 

' S)ret 5Dinge finb^ bie l^enlid^ fd^retten^ 
Unb viere |!nb^ bie l^errtic^ einl^erge^n : 

ttt Htoe, ber ^elb unter ben 2)^ieren, 
@r weidet ni<^t jurüdf vor irgenb (Siitem ; 

SDer fienbenjlarfe (b. {♦ ber «&irfc^) cber ber S3odf^ 
Unb ein ilönig, in ?Jurpur gepHt» *) 

aiiefc Slufgaben, ju beten Sofung eine gcn^if e ©cwanbtl^cü ber 9le« 
fletjon flel()ört, entfm(^en ettoa bei un« ben aufgegebenen Snbtefmen, 

bie man mit beliebigen finnigen SOBorten auöffiOen muß. 3n ber* 

felben 9JÄtfe(f orm , bie wir im SlBgemeinen fd^on bei Slmod angeitjanbt 
ffnben, liefert no^ 6ira(^ man^e ?(u6fprüc^e, j. S. 49, 25 f. 

3tT)ei aSMfer finb meiner ©eele »erl^agt, 
Unb bad britte ifl gar fein 93oif : 

$)ie Oebirgabettjol^ner »on ©eir, bie ?Pj)iUfter^ 
Unb bad t^dridfyte SSoIf bad in ®id^em tDo^nt* 

©eitere ©elfpiele finben ftc^ ©prtt). 6, 16 — 19. ^iob, 5, 19 ff. unb 
bei eixaä) Ä. 25—26. 

3m SlUgemeinen bärfen wir annel^men . bap bad SRAtfelfpiel )n)i< 
f^en @alomo unb ber Königin t)on @abda ein nait)ed/ ^eitered unb 
geifireic^ nedenbed war, wobei ber t)on feinem Seigrer 9?atan, bem 
$arabe(bi(j^ter , in ©(eid^^niffen unb 9lätfe(reben unflreitig frä^ geübte 



1) tibn bie f^taddUd^e drfl&rung biefer legten f4^tt>ierigen ^txopife f. mein ^ebr» 
Surgellodrterbudi^; ®. 668 f. 



168 ßxctitt $edobr. SSon b. ®tunb. b. Stinl^tf). (id {um @nbe b. 6x1». 

Äontg leicht auf jebc grage ber Hugen %tau eine finnifle 8lnttt)ort geben 
mochte. 3)aö ganje ®ebtet ber Watur, mit ber er ja t)oriU8^tt>elfe jtc^ 
befcfeoftigte , gab t^m felbft fobann ju ben mannigfaltigfien SRdtfelfrageit 
©toff unb ainfap genug , unb ba »erben bfe im SSoIMmunbe auc^ bei 
und nod^ (ebenben 9idtfe( jenen dltefüen bed SRorgenlanbed ni(^t un« 
fil^nlidÖ gwefen fein, Seifpieföweife mSgcn bedl^alb einige berfelben ^ier 
angeful^rt rocxicn, um eine tDirflic^e QSorf^eOung t)on bem gu geben, toad 
elgentlid) gemeint Ifl*)* 

^ 1. 

(Sß fliegt nnb l^at feine %iÜQtl, 

(89 jllt unb ^at fein ®t\ä^, 

(Si ge^t nnb fjat Um 8üp\ 

(Der @cf>nee.) 

2. 

SEBer ed mac^t; ber braucht t& mä)i, 

Ser ed fanft, ber n)i(( e^ nid^t, 

SDer ed Brauc^t^ ber iveig ed ni(!^t, 

(Gin ®arg.) 

3. 

SBeld^ed $au6 l^at n?eber $o() noc^ (Stein? 

(S)a0 @^necfen^au6.j 

9Iu(^ etgentlid^e SSSortfpiele^ bie bei ben «Hebräern fo beHebt 
n>aren unb fd^^on im äidtfel @imfond fic^ finben , mürben gewip l^&uftg 
JU ))erfdng(i(^en dtätfeffcogen benu^t. Der 3Borttt)l0 ber ^Inber unb 
bed SSolfed übt fi^ überall gern barin. ß\x ))erglei(^en ftnb auc^ bie 
grammatifd^en SidtfeMn ben 3Äafamen beö ^ariri, bei SRücfert 
gWafame 19, „baö grü^lingdgelage" unb 29; ^bie je^n JRelfenben/ - S3e» 
fonberö auc^ „bie ©efe^eöfragen/' SWafame 26. — ©old^e SSBorträtfel 
lapen fic^ Im ^ebrdlfc^en tt)le überall leidet bilben. 3. ©. „SBaö ifi ju* 
gleld^ im ^Immel unb In ber ^öHe?" (Slntwort: ber Suc^ftabe .&; Im 
^ebrdlf^en tt>ürbe eö ©d^ fein : Schamajim unb Scheel.) „2Ba6 ift bad 
Snbe bcd Sebenö unb ber Slnfang bed Sterbend?" O^er SSud^flabe 6 ; 
im «l^ebrdifc^en M; mah acharit hachajjim, umah reschithammavet?) 
gemer: Me f)at ber Xf)ot (Vüp) unb tt)o ber SSBeife (diDn) feine 
^anb?" Slntwort: ber Zf)ox ^at feine ^anb (eig. fein Ä af) t)orn, ber 
aBetfe In ber äWitte, u. bgl. 

Qm bie^ ganje Aa))itel ju beenben, fei fc^tlefltd^ nur nod^ bemerft. 



1) Bal^^veiti^e groben btn: 9(rt finbet man in meinen aud bem ^olUmvm'bt gefanu 
melten „5)eutf(^|en üinber^Sleimen au« ©d^toaben.^' 3^ub. 1851. 



@rfleF 9l6f(^niit Son 1100— 850. B. 6aIomo. ISO 

baf bad 9}oIf6tAtfe( fc^on in feiner Alteflett ®t^a\X, xoii in bet 6imfond» 
Sage, l^&uftg mit einer @ef(^i(^te in SBerbinbitng fielet unb fo einen 
integrirenben Seftanbtl^eii et)if(^er @r}äl[|(ungen bilbet/ toie ). S. in 
Sfirgerd SaUabe: ber 916t t)on ®t« ©qaen, nac^ ber altenglifd^en (£r^ 
jÄ^Iung: ^ber Äönig Sodann unb ber 8lbt t)on ßanterbun^ ; * ferner im 
9Rfir(^en ber Sinranbot nnb in unfern beutfc^en jal^lreid^en 9Ultfe{< 
mird^en. 

Sei ber Steigung )ur aOegorif^en unb parabolifc^en 9teben)eife^ 
n)e(^e bie «^ebrder mit ben übrigen orientalifd^en 93d(fern gemein l^aben, 
mu^ biefer Sweig bei i^nen fel^r audgebitbet gen>efen fein, ifl aber leiber 
bid auf einzelne groben und nic^t erl()a(ten n)orben: unfheitig mollil be^» 
l^alb nid^t, weit bie 9i&tfe( me^r einer rein meltlid^en ätic^tung ber $oef{e 
angel^örten unb ju bem einfeitig religiöfen ®inn^ ber fpdteren 3eit ni(^t 
mel^r )>a{ften. Sud bemfelben ®runbe i^ und aud^ ntd^t einmal t)on 
@a(omo eine ein)ige berartige $robe feined äSi^ed unb @^arffinnd 
fiberliefert tt)orben. SDennod^ liebte man fortwÄJrenb bie Unterl^altung 
mit 9tatfe(n, fo baf no(^ ®ira(^^) )Don einem @(^riftge(e]^rten rul^men 
f onnte : 

,.«erfie(!te OleidSniffe etfotf*t er 

Unb mit $Rdtfe(f))rä(i^en Befci^äftigt er iid^.'' 

Sbenfo lobt er ed an ©alomo *) : 

„^xt (5rbc bebe(fte bdn ®eifl, 

Unb bu fuateü fle an mit Si&tfdfVvüe^en.'' 



9?al^ t)ent)anbt mit bem SSdtfel, wie fc^on @. 162 bemerft worben, 
ifl bie eigentlich gnomifd^e ^ßoefle, ber ©innf^^rud^, 2)enffpruc^, ber 
urfprünglic^ njol^I nur ein einfad^ed S5ilb, ein ©leid^nid, mit ober o^ne 
Deutung unb Sluflofung, entl^lelt. 3nbed jeigen bie dltejJen eigentlid^en 
aSoIfdfpric^worter, baß ber bilblid^e Sluöbrudt jtoar ber gewö^nlid^e/ 
ober feinedwegö ber allein ^errfd^cnbe i|i. 2)er allgemeine 9lame für 
biefe ganje Oattung, für bad fur^e Sprichwort fo wie für ben fünft* 
motten, r^^tl^mifd^en 2)enffpruc^, ?e]^rfpruc^> unb für ein gröpereö i^t^x-- 
gebiegt/ ifl maschal. !Dad SBort bebeutet eigentlich ©leic^nidi^ebe 
unb beweifl, wie wefentlic^ ber bilblid^e Sludbrud für bie ©prud^* 
bid^tung urfprüngll^ war. 

2)ie unter ©alomod Siamen ^orl&anbene ©prud^fammlung gel^ört, 
wie fc^on gefagt, nid^t fowol^l bem unmittelbaren Sludbrudte bed SSolfed 

I) Äo^). 39, 3. t) Äa^). 47, 17. 



170 3toeite $n:iobf. O^on b. ®runb. b. Jtiitigt^* Md gum (Snbe b. (Sxt(d. 

an^ ald toiebne^r ber ielouften geregelten Jttinflfotnt ber gnotni« 
f(^en 2)i(^tung. lDentfO(^ fann %iemant) lAugaen, t)a^ )>{ii{e biefet 
@pr&(l^e urfprunglit^ ed^te 93 olfdf))t{(^n>örtei: waren/ bie nad^ bem 6^a« 
raftec unb bem 0eifl bed l^ebrdifcl^en S3oI!e6 fid^ t>on ben gemol^nlid^n 
@pri<l^n>drtern anberer SSilfer genugfam unterfd^ieben. Sie f)aUn ie^t 
)»^at einen t>orl^errfd^enb et^ifd^en unb (el^vl^aften S^acafter , nnb biefer 
bezeugt im allgemeinen ben gebilbeten^ funftm&f igen Urf))rung be^ gtop^ 
ten S^^eile^ betfelben. SKein aud^ bem ed^ten $Bo(f^f^tid^n>oi:te finb rein 
etl^ifc^e ®))rud^e bed tieffien ©e^alte^ uberaR nic^t fremb. ®o bad 
l^ebrdifd^e „uralte Sprichwort,'' »elc^eö 1 ®om. 24, 14 citirt toirb: ' 
„^on grettlern ge^t gret>el auö/ 

2>ie t&nmäie Searbeitnng fo((^ einfacher ®pri(^tt>örter befleißt 
barin, baß ber forje ®a^ mit einem parallelen ®egenfa^e ober mit 
einem entfpred^ehben @eban!en unb Silbe t)erfel^en n>irb. 9ta(i) biefer 
;^nflform fönnte man itne^ S3o(fdfpri(^n>ort fo umbüben : 

S3on ben grellem 

(&e^ %tt^t\ aitd ; 

^od^ bad $er} bev @m({|ten 

®innt auf ^rieben« 

ober: 

gunfen entf))rül^en 
^er Seuecflomme/ 
Unb ))on S^et^Iern 
®ef)i grcöel au«* 

®e]^r gett)0^nlid^ ifl auf bie 9(rt ein fpric^tDörtHd^ed 93t(b in eigentlid^er 
JRebe tttl&xt, ober aud^ ein fpric^wörtlic^er einfad^er ©ebanfe mit einem 
Silbe begleitet tt)orben* ©o iji eö ein Sprichwort 27, 17: „(Sifen an 
Sifen mac^t man fc^arf;" ein fpäterer ©pruc^bic^ter fugte eine 
(Srflärung l^inju, bie fogleic^ jeigte, in weld^em Sinne jene bilblic^e 
9{ebe J^auptfic^lid) gebrandet würbe, ndmlic^: ,,Unb (Stner fc^ärft 
ben SlidE beö «nberm^ — 9hc^t feiten ift baö t)olfatpml^e 
Sprid^Wort gereimt, wie 11, 2: M zadon, vejabö qal6n, b. f). 
^fommt Übermut, fo fommt auc^ Sd^anbe/' 2)er paraUefe 
©ebanfe: „Sei Sefd^eibenen aber, ba iji SBeiöl^eit,'' er* 
fd^eint auf ben erften Slidt al€ rein dußerlid^ unb nid^t entfpred^enb l^in* 
jugefügt ju fein* Slnfiott ber „SBelöl^eir erwartete man „(S^ce/ Sgl* 
Aap- 18, 12* Slttein offenbar iji bieß parallele ®li?b ein jweiteö Sprieß* 
wort, ba^ man eben in feiner gangbaren Sorm mit bem erfien »erbanb, 
i^nlid^ wie aud) im !Deutfc^en ganje Steigen ^oon Sprichwörtern ol^ne 



(irßer Sbfc^nkt. S3«n i 100— 850. B. ®«(omo. 171 

ted^ten innem dofan^en^ang »<t(unben »otfommen. 3>enfeli«ti Uu 
f^ntng "otnatm nod^ mand^e anbete ©ptüd^e^ beten ))ataDeIe Weilten 
nic^t jufammenjiimmen/ s* 93. ^ap. 13, 19^ t)etg(i(^en mit 9). 12: 

Ci^in erfüUter S^unfd^ 
39 bev @eele fuf ; 
Unb 3:^oten ifl« ein ©t&ucl 
^atf lB0fe gu meiben* 

@6enfo St. 10, 6 : 

©ecjnungen fommcn 
9(uf ba« $au|)t be« ©ercd^tenj 
Utib bfr Srwler SD^nb 
9)etBitet ®etoam^at 

einen ))offenbetn aSotbetfoft f)at bie jweite i^dlfte biefeö ®))tud^ö 
Ä. 10, 11: 

@m Clttett U9 itUni 
3ft bet SRunb be« ©ered^ten; 
fDoilft bev Sre)>In: a){unb 
ä^erbicgt ©etoalti^a^ 

SSflU an<^ Ä* 22, 28 mit Ä- 23, 10. 

6infitt)eilett mögen l^iet noc^ einige anöfptü<^e Pelzen ^ bie mon 
ol^ne ®<l^tt)ietiflfeit fut ec^te aSoIKfrti<|n>6ttet l^alten fann» 10, 9: 
3et in Unfc^ulb n>anbelt, tt)onbelt ftd^et/ 10, 22: ;;Det Segen bed 
^ettn.mad&t teic^.-' 11, 16: @in onmntig SSSeib ^ait (g^te fefl--' 
11, 26: 3et Äotn jutüd^ait, ben mflud^t ba« aSoIf/ 12, 11 : 3et 
feinen «tfet bant, ffat teicftlic^ Srob/ 12, 10: ^2)et ©etedftte beachtet 
anc^ fein 58ie^/ 13, 12: ^3« longed ,&atten mac^t ftonf bad ^etj/ 

13, 20: Mf) mit ffieifen um, fo »itfl bu »eifel' 13, 24: 3« bie 
9lute fc^ont, f)a$t feinen Sel^n.'' 14, 4 : „SSBo feine @tiete fmb/ ba ifl 
bie Ätip}>e leet/ 14, 13: ^»eim Saiden felbfl fann ttanetn bad ^etj/ 

14, 23: „9tl lebet 5»fi^ witb ein aSott^e« fein/ 16, 31: Mnt 
* fc^mfidenbe Ärone ifi gtaue^ ^aat/ 16, 32: JSbe^ex ifl bet Sang* 

mutige, a(« ein ^elb/ 17, 28: ^«ucl^ ein a;^ot, bet f<f>tt)eigt, mag ffit 
»eife gelten/ 18, 22: J^tx ein SBeib gefunben, f)at 91M gefnnben/ 
19, 12: .SBie beö SJwen ©ebtfitt ifl beö Äönigö 3otn/ 20, 1: ;,Det 
aBein ifl ein ©pöttet, ein Slufbtaufet bet aRetl^/ 20, 18: „^n^ijl&^c 
flnb nut butd^ a3etatung ftc^et/ 22, 8: ^8Bet Unted&t fdet, »itbUn« 
^eil etnten/' t)gl* $ofeo 8, 7. ©pt». 22, 28: ^aSettücfe nic^t bie 
utalte (Stdnje!-' t)gL Map. 2ä, 10. 25, 23: ^3)et $Rotbn)inb btingt 
Siegen ^enjot/ 27, 1 : ;,3lfi^me bid^ nid^t beö motgenben JEag« ! ' 
28, 2 : ,em))itt fic^ ba^ ganb, fo ^atd t>iele Sfitflen« u. f. \». 



178 dweite ^eriobe. Son b. ®ritnb. b. Janigtl^« hü {um Snbe b. @rite. 



3it ^i^fcn .fternfptä^en liefen ftd^ (ei(^t parallele Steil^en ftnben 
ober erfinbeit/ inbem gett)5l^n(i(^ bem @a^eein®egenfa^ l^insugefugt 
n>lrb, j. ©. 

10,5: 10,7: 



9Ber fammelt im Sommer 
Sji ein fluger (So^n ; 
©er Wl&ft in ber (Srntc 
3jl ein Wledjter @o]^n. 



5Da« ®eb&d^tnid bet ©eted^ten 
SdUiht im @egett 5 
IDod^ ber Sret)ler IRame 
SBirb »ertoefen. 



SInbere Sprüche befianben t>on Anfang an and jwei fllefd^maßigen @Iie* 
bern, bfe jufammen erfi einen t)oKjidnbiflen ©inn QcUn, unb beweifen 
beöl^alb, baß fie rein ber Äunfibic^tnng angeboren, j* ©♦ 



10, 26: 

Sie (Sgig ben 3&l^nen 
Unb U}ie dland^ ben klugen, 
@o iji ber iCr&öc bem, 
^er if)n entfenbet« 

11,22: 

SBie ein golbener fKing 
3n ber 9lafe bed (Sd^toeind t 
<So ift ein fd^dned SBeiB 
IDa« ol^ne IIBerflanb* 

13, U: 

a)eö aßetfen ?e^re 
311 ein «eben^quen, 
Um }u entweicif en 
^en ©tridCen be6 llobed. 

15, 17: 

^eger ein ©erid^t Sttaut 
Unb Siebe babei, 
^ii ein gem&jleter Dd^fe 
Unb $af babei. 

16,7: 

^ai ber <^err Gefallen 
9(m Ifßanbel eined Tlannti, 
@o t^erföl^nt er mit il^m 
9(udji feine geinbe« 

16,24: 

eieblidE^e SBorte 
@inb ^onigfeim^ 
@ü^ ber @eele 
Unb l^eilfam bem Seibe. 



19, 24: 

JDer ganle jledft 
@eine $anb in bie (Sd^ußel, 
Unb mag ite gum SDlunbe 
3urud( nidjit führen» 

20, 20 : 

aöer feinem SJater findet 
Unb feiner SKutter, 
3)eir Seud^tc erlifd^t 
3m bid^tejlen JDunfel 

21, 31.: 

^ai fRc^ toirb gerußet 
pr ben Xa^ ber ^ö^U^i : 
Aber bem ^erm . 
®e^drt ber &e%* 

25, U: 

aDte Sßolfen unb Sinb 
^ie c^ne SRegen, 
@o iji ein a^ann, ber fälfc^lic^ 
SO^it ©efd^enfen pxai)\t 

25,25: 

Jtül^Ie« OBafer 
9luf bie matte ©eele, 
@o ijl gute ^lad^rid^t 
Sin« fernem 8anbe. 

26, 17: 

(Si \>aät bie O^ren 
@ine0 $unbe6/ 
Sffiev ))orbeige^enb ftd^ erzürnt 
Ober frembett streit. 



(hflet ^IBf^nitt Sott 1100-850. B. Salonto. 



118 



27,8: 27, 15; 

9Bie ein ^t>%tl, ber flirl^t Ci^ne laufende IDac^iraufe 

9(ud f«tnem 9lefle, $(m fftt^tnta^t, 

^ tu ein SDlann, bet fliegt Unb ein gänfifc^ed ^^ih, 

^ud feiner ^eimat. ^a« iß ^(^ gläc^. 

27, !9; 

aBie im Safer 
©eftd^t gegen ©eftd^t : 
^0 ift ba^ $er) bed SRenfd^en 
©egen ben SDIenfd^en« 

3ln biefer funf}t)otIeren Sprud^form ttiu^ @a(otnO/ ber aKgemeinen 
Überlieferung jufolge, ftc^ ganj befonberd au^gejetc^ttef l^abett. 92ur ifi 
ed duperß fc^tt)er, n)0 tiid^t unmöglich, irgenb einen @pru(^ mit t)oIIer 
©id^erl^eit i^m jujufc^reiben. 9(n ftc^ ! 5 n n t e er n>ol^( bie gan)e t)or« 
fle^enbe 9teil^e t)erfa^t ^aben. (Sbenfo noc^ folgenbe : 



12, 16: 

(Sin S^or ofenBart 
©ofort feinen 3om, 
jtlug aber i{i 
SBer ben @c6iml)f berbtrgt 

13; 17: 

6in trenlofer ©efanbter 
%m in« UnglüdP, 
2)0(fi Teilung fc^afft 
(Sin reblid^er Q3ote« 

14,28: 

3n ber Stenge \>ti ^om 
Siegt be« StiwxQi @d^mu(f $ 
^od^ im 3Rangel an itnicii 
2)c« Surften ©turj. 

14; 35: 

(Sin flnger Wiener 
^ai bed i(6ntgd ©unfl, 
(Sin fc^led^ter aber 
(Seinen ©rimm. 

16, 10: 

(Sin (Sötte« « ®vmd^ liegt 
$Cuf be« 5!önig« 8ip))en : 
3m (S>eri«t foK fein SWnnb ; 
92id6t Unred^t f^rec^en. 



16, 14: 

IDe« .^önig« 3om 
3{l ein Sobe«bote, 
2)o(( eitt loeifer SRann 
^erfd^net i^n. 

19,6: 

Siele fd^meid^eln 
IDer ?Jerfon be« Snrfien, 
Unb eine Wltn^e greunbe 
^ai ber freigebige ^aun« 

20, 5: 

Saef (Semäper tfi ber Utat 
3m bergen be« IDtanne«/ 
!Dod^ ein fluger SOtann 
@d^d))ft i^n f)txau^* 

20, 18: 

ISnfdyl&ge fmb mix 
IDurc^ Beratung fld^er,^ 
Unb mit flnger Leitung 
Sü^re ben Ärieg. 

20, 27 : 

(Sine Seudbte ©otte« 
3jl be« ay^enfc^en ®ei% 
2)urd^forfdbenb aUe 
©emöd^er im Snnern. 



174 3tx>txU Verlobe* fßon b. (Stfiitb. b. «»nigt^. m jum (Snbe b. (Sri(9. 

20; 6: 20; 8: 

®ai Siele dtl^men diu Jtdnig; fi^enb 

Qtm jleber feine 8ie6e : $(uf bem dtid^ter^l^l; 

SBer aber finbet ©onbect mit ben ^(ugen 

(Sinen treuen SDtann? 3eben (Sd^Iec^ten» 

Sffier möchte iibrfgend ben 93en)ei^ ffil^ren, \>a^ eben ©alonto biefe 
©))rüc^e flebic^tet l^aben luüfe, unb ba^ nic^t ^imbert anbere 36rae* 
Uten berg(etct)en ebenfo gut l^ätten fagen fönnen? SBtr mä^en l^ier um 
fo ffeptifc^er fein, ba bie aWe[)rja&[ bec @)>rü(^e fdfeott bem Oeifi unb 
3nl^a(t mi) nit^t t>on @o(omo t>erfaf t fein fann. 2)fe firengen Äeufcft* 
Öeitölel^ren, bfeSmpfel^IungberüKonogamie ttJürben in ©alomo'öSRunbe 
bod^ fel^r ironifc^ Hingen» Überhaupt pajfen nur fe^r wenige Sprüche 
für einen fonigli^en IDft^ter unb feine Umgebung ; ble meiften bejiel^en 
fic^ auf ben SRittelftanb, auf baö ?Prit>atleben unb »erraten einen weit 
fpdteren S^P^inb ber religtofen unb fittlic^en ©Übung. SBir fommen 
fpäter, wenn wir bie ©pruc^fammlung a(6 ein ®anje3 befpre(i^en, l^ier^ 
auf jurüd. 

3m SlUgemeinen ifl l^ier nur noc^ }u bemerfen , bap bie IDid^tung 
unb SBeiöl^eit ©aIomo6 Weit mel^r ber rein weltlid^en unb nationalen, 
alö ber reügiofen {Richtung angel[)6rt l^aben muß» 2)ie ©efc^ic^töbüc^er 
me(l>en eö auöbrucf (ic^ , baß er nid^t bloß ein 3a^t>ebiener / fonbern au^ 
ein eifriger 9faturt)ere^rer war unb ben ®6ttern feiner auöWnbifc^en 
grauen ebenfaKö Stempel erbauen ließ, ©o würbe namentlich berÄuItud 
bed moabitif(^en Äarno^, ber bem 3tbonl0 entfpric^t, eingefül^rt; ebenfo 
ber IDienfi ber flbonifc^en aftarte unb be6 ammonitifd^en Wlolod) ober 
SBilfom. !Die @c^ulb biefeö Oöftenbienfted wirb jwar ben ^eibnif^en 
äBeibern ®a(omo'^ )ugef(i^rteben» 9l(Iein fo gewiß bie Stauen bei aQen 
religtofen S3efe^rungen ßetd eine wefentlid^e SloOe gefpielt f)aben, fo 
muß man boc^ anbrerfeita geftel^en, baß Salomo t>on ^an^ aud no(^ 
ber 9iaturre(igion nfl^er ftanb unb fie mel^r unbefangen , nait> unb l^alb 
unbewußt, wie eö in ber JUic^teraeit oft gefd^al^, mit ber 9ieIigion3a^t>ea 
»ermif(^te» ^atte er fc^on eine fo flare, burd^gebilbete ©otterfenntniö 
gel^abt, wie f?e i^m in ber fc^onen SRebe bei ber Sinweil^ung beö S^em« 
peW in ben aWunb gelegt wirb*), fo wire freiließ jener SlbfaU unerfldr« 
lic^ unb fc^ier unmöglid)» 3nbeö gel^ört biefe 3lebe erji bem 7. 3al^r* 
^uttbert an unb fpridjt baö Sewußtfein biefer Seit au6. 

iEaß bie religiöfe 3lnf(]^auung ©alomo'ö t)on 2l.nfang an nic^t o^ne 

1) 1 Stbn. 8. 



(Sxjlift m\(^nUU Son 1100—850. B. Cabmo. 175 

« 

{{nnK<^ uttb mt&xü^^ @(emente toax, (dft int Snigemetnen ((^on fein 
9{aturflnn r>txmuUn, mDnac^ er bie dupere finnlid^e gönn ntel^t Heben 
unb fc^d^en mupte^ a(d fonfl bem l^ebriif(^en ®eif}e eigen if}« 9ejiimm» 
ter aber bejeugt e^ n^ ber %cm)fid in 3etufa(em. ®(^on 3ofe))ll^u6 ^) 
fal^ in bet 93etferttgung ber 12 @tierbi(ber am fogenannten eisernen 
Speere, (bem großen SBafc^beden ber ^Priejier im SBor^ofe bed S^empeW) 
fo wie in- ben SonoengeßaUen am S^rone eine 93er(e^ung bed gdttiicf^en 
®efe(e^. 3n ben }n)ei Dbeli^fen t>or bem Stempel n)irb man jtoei @on« 
'ntniäuUn, bie l^ier gang unbefangen mit bem !Dienfie3lal^t>e'^ in SSerbim 
bung gebrad^t tDurben^ ni(^t t)erfennen tonmn, unb biep um fo toeniger, 
a(d fpiter ber ^dntg Sofia unter ben ^eiligtl^ümern, n>e{(^e Salomo 
ben 9{aturgottern erbaut j^atte, au(^ @äu(en/ b. i* @oniienfAu(en ober 
Cbeii^fen, )erf)6ren lief. 

!Die p^onifif(i^en Sauleute mögen immerhin auf bie Silber am 
falomonifc^en Stempel einen freien @influp gefibt ^aben ; aQein um aud^ 
nur biefe Silber ju bulben ober gar greube baran ju ^aben, mußte bie 
ganje ®eneration noc^ fe^r unbefangen jum Sßaturbienfie ber Siac^bar« 
\>6Ifer ft(^ tjer^alten. ßbenfo noii Salomo. Grfl bie 5Prop^eten t>om 
9. ^cii)xl}. an bringen biefen ©egenfa^ bem ganjen Solfe aKmfi^iig jum 
Sewußtfein. 

(Sigent^umii^ ifl bie ^rt, toie (Stoaü^) bie Slbgötterei @a(omo'^ 
mit bem 9RanteI d^rifUic^er Siebe unb 2)ulbung gu bebetfen fud^t. <Sr 
finbet in bem Seric^t 1 Äön. 11 nid^te aW eine fpdtere, ungef*ic^tli(fte 
Umbeutung ber religiöfen Sioleranj beö großen Äonigö, ber jum S^ic^«« 
oHgemeiner 3leligiondbulbung feinen aBeibern erlaubt l^abe, il^ren @iu 
tern au opfern* @ol(be 3)ulbung ift jebenfaBö gegen ben ®eifi ber 
^ebrdif(^eu Sieligion. SBenn Swalb aber gar fo toeit gebt , ju be^aup* 
ten, aue feiner alten Duette ließe fi(^ betoeifen, baß @alomo jemals bie 
Sieligion 3a^t)e'd »erlaßen unb mit eigner ^anb ^eibnifc^en ®ottern 
geopfert ^abe, fo ifi einfach auf i Äön. 3, 3 ju t)ern)eifen, wo ed ^eißt : 
^©alomo liebte ben 3«^^«/ fo baß er wanbelte in ben 6aftungen 2)a- 
r>iH, feinet Saterd; nur auf ben ^o^en opferte unb r&u^ 
d^ette er/ 9Bem biefe ^ö^en geweift n)aren/ erfal^ren n)ir ni^er 
l Mn. 11, wo audbru(flid^ gefagt n>irb/ baß @alomo nic^t gan« treu 
bem 3a^oe gebient/ fonbern anbern ®öttern nachgefolgt fei* ^urj, er 
»erließ ben Sa^oebienfl aOerbing^ nic^t/ biente aber^ baneben auc^ an» 



1) «tcbäoU 8, 7, 5. 2) üefAicbie 3<tael«, 111, 1. <S. 99 f- 



176 3tt>eite $etlobe« SSon b. ®tunb. b(6 Je6nigtl^. m j» Snbe bea (SxiÜ. 

bern^M^ten, wie ein gtofer3:^eU feined 93o(!ee unb U)ie no(l^t)iele 
fp&tereÄ6n{ge3uba'ö. 

3)ie ©egenfä^e \>on Statut unb ®eifi , bie Oegenfäfte einer realen 
unb ibea[en äSeltanfc^auung ßanben ftd^ l^ier no(^ nid^t feinb(i(^ unb 
einanber audf^Ueßenb flegenfiber, fonbern fanben in bem ))octff(^en, 
funftftnnigen ®emüte beö Ä6nifl6 eine unmittelbare Sinl^eit unb 93er« 
fö^nung* SBir finben e^ begreiflich für jene 3«it/ wie ein greunb ber 
lebenbtgen 9latur, ein begeiflerter (Srgränber i|irer SQunber unb @d}ön* 
I^eiten {1^ ber SSere^rung biefer atlwaltenben 9!aturfräfte nic^t leici^t ent« 
[erlagen fonnte. !Dem !Dic^ter{tnne unb ber regen ^^antafte genügte ber 
unftd)tbare geifiige ® Ott nid^t gan) ; er behielt if)n bei, ia er war ber 
(ebenbige «^intergrunb ; allein baneben fc^mfidte er feinen S^l^ron aud^ 
mit ben 5Raturgöttern ber SSolfömajfe unb ber benachbarten SSölfer unb 
fud)te burd^ Silber unb Sauwerfe feinen funjHerifc^en Sinn ju befrie« 
bigen* 

Diefer freiftnnigen, l^umaniftffci)en SBeltbilbung gemäp mü^en au^ 
b(e!l)icl)tungen ©alomo'ö/ bie Sieber wie feine Spruc^weiö^eit, einen 
tjorl^errfd^enb weltlidfeen ß^arafter gel^abt baben unb entfprac^en beöl^alb 
bem fpdtereu/ auöfci^lief (ic^ religiofen unb et^ifc^en Sinne nic^t me^r, 
weö^alb fte t)on felbji in SSergepen^eit gerieten unb untergiengen. 3nbe0 
bie brei Stücfe, weld^e bie fpdtere 3eit bem ©alomo jufc^rieb, ba^ ^o^c^ 
lieb/ bie ©prüc^e unb ber ?ßrebiger entfjalten nod) bie beutlid^Pen @pur 
ren eined weltlid^en ßl^arafterö , ber fic^ ganj ^ifiorifi^ treu mit bem 
2)i(^ternamen ©alomo'ö »erfnüpfte* SSom .^ol^enliebe unb t)om ^ßrebi* 
ger ifl biefi t>on felbfl flar; aber auc^ bie eigentlichen Sprüche enthalten 
t)iel SBeltlic^eö , einfache Beobachtungen, gewöhnliche Äfugl^eit^lel^ren 
ol^ne religiofen unb moralifc^en ©el^alt , we^l^alb auc^, einer talmubi* 
fc^en Überlieferung jufolge, bie fatomonifd)en ©c^riften anfangt für apo* 
fr^p^ifd^ galten unb erP fpäter in ben Äanon oufgenommen würben. 
66 liegt barin im Slllgemeinen nic^t bloß eine Erinnerung an bie fpatere 
Slbfaf ung biefer ©d^rifteu; fonbern auc^ bie treue Überlieferung, baf bie 
5)ici)tungen ©alomo'ö wefentlid^ weltlicher unb tjoltet^mlic^er ?lrt ge* 
wefen feien. 

©0 bürfen wir mit großer SBa^rfc^einlic^feit annel^men , baß ber 
ben SBeibern nur ju fel^r ergebene Äönig aud^ feine Siebeöemppnbuttgen. 
unb i^erjenöerfal^rungen befungen ^aben wirb unb baß unter ben 1005 
t)erlorenen Siebern wo^I ein bebeutenber Si^eit ber 9Rinnebic^tung ange» 
l^örte unb bie ©c^onen öerl^errlic^te* !Der fpcitere Dichter beö ^ol^enlie« 
beö, ber faß 200 3al&re nad^ ©alomo lebte unb unjireitig nod^ ed^t falo* 



(Sx^ex %i\ä^niü. SSon 1100-850. B. ©otomo. . 177 

tnonifd^e iUhMitUx t)Oi {!<^ f)atit, n)ätbe il^n fonfl wol^I nl^t leicht fo 
eingefül^rt f)aUn. 9Bit bürfen fogar t)ermuten/ baf i^m fär einjelne 
®(^{(berungen tDirfli^e Sieber bed .Rönig^ )um $Bor(i(be iitnun, fo ba$ 
man fpdter um fo leidster bad ganje ©ebtci^t bem ®a(omo )uf(l^re{6en 
fonnte» 

@in anbetet 2!]^ei( feinet Si^tif U)ttb bie 9{atut jum ©egenfianbe ge* 
I^a6t l^a(en/ inbem felbfl bie wi^enfc^aftlic^en 9tatutfitibien bed ^onigd 
wol^I me^t im 5)ienfl bet ^Poefte unb ?ß&antafic, ald in bem einet toißen* 
f(!^aftlid^en @tfotfc^ung angeflefft n)utben. Saju bie allgemeine 98e(t« 
bilbungr bie et im IBetfe^t mit ben n)e(tfunbigen $l^öni!en^ mit äig^p« 
tetn nnb Sttabetn ftd^ etwotben; bet weite 33 lief , mit bem etbie^to* 
bufte Snbienö befd^auen unb mit ben einl^eimifd^en etjeugnijfen tjetglei* 
d^en f onnte : alled mupte bie $l^anta{te mdc^tig antegen unb neue 3been 
etjeugen / bie bti bet ganjen Sinnedatt @a[omo'6 am (eic^tejlen in tpU 
gtammatifd^e ©innfptü^e jtc^ J&üUten^ Sine lel^tl^afte S^enbenj ^tten 
biefe ©ptfic^e unjiteitig nid^t, waten übetl^aupt ni^t motalifd^et 9?atut, 
fonbetn enthielten 8eoba(]^tungen, ©leid^niffe, Sieflerionen/ Stfa^tun* 
gen aud ben »etfc^iebenfien SIementen beö gebend , bet Statut unb bet 
Äunji, tt)ie wit fte t>eteinjdt in bet ie^igen Sammlung ebenfaK« noti^ 
antteffen. !Det ®tünb bet falomonifd^en SBeiöl^eit obet t)ielme]^t SQSelt* 
»eiö^eit wat ^nfc^auung unb Stfa^tung , wobei 3nneted unb sluf eteö, 
®eiji unb Äatut, 3a]^»ebienfl unb SRatutbienfl nic^t al« jwei t)etfc^iebene 
@{emente unb a(d ©egenf&^e fUti bef&m)>ften^ "oidmt^x bei il^m im ©(eid^^ 
gewicht etfd)ienen , inbem et bie SSotjuge bet Äultut mit benen bed 9la« 
tutjußanbed noc^ in gan) nai^et unb poetifc^et äBeife ju t)etbinben wupte. 

SGBenn @a(omo enblid^ im $tebiget a(6 Steptdfentant bed fl&tffien 
@f e\)ticidmu« aufgf fu^tt witb , fo ifi bie^ ^öd^fi paf\m\> unb \>ett4t t)iel 
SWenfd^enfenntniö, inbem ein 3Rann / bet wie et »oB ftunlid^et Oenuf * 
fud^twot, bet feinen SQBunfc^ ftc^ t)erfagen.butfte, unb bobel befMnbig 
tefleftitte; fafl notwenbig jugieid^ ein Sfeptifet wetben mußte. Qt$ ifi 
bieß eine ganj notmale @ntwi(f(ung ; bet 3bea(idmud unb bie ©d^wit« 
metei bet 3ugenb gel^t oft im SRannedaltet in einen gefunben SteaHdmud 
übet, unb fö^tt bann, je nad^ ben 3dt^^^^i^dltniffen unb nac^ benvSl^a« 
taftet bed einjelnen Snbioibuumö, entwebet ju einem tul(|ig befd^aulid^en 
aitet obet auc^ jum 6fe^)tici6mu«. iDiefe Oegeufd^e: gei^tfinn unb 
2;tfibflntt , Oenuf fuc^t unb 3tt>^ifrffw«^t l^dngen innet Hd^ eng jufammen 
unb seigen fic^ am l^duftgfien bei fiatfgeifligen Statuten, ju benen au^ 
®alomo gel^ötte. 

@in beßimmteted !Dic^tetbi(b Idf t fic^ t)on @alomo nid^t entwetfen, 

def(^. b. ))0<t. SHationaUtt. b. ^ebr. 12 



178 QtütlU $frtobe. Sßon b.,@rttnb. M StM^iff. m j. @nbe M (SxiÜ. 

inbem n)ir qud^ niiit ein einjiged ©ebic^t/ nid^t einen einjigen Sludfpruc^ 
mit t>oIIet l^ißorifd^er ®en>ipl^eit auf il^n jurfiäffi^ren fonnen. 3nbe0 
aud feinem ganzen Seben unb Streben Idf t ftc(> im SlQgemeinen bet (S^a^^ 
raftei feinet 2)id^tungen n)o^( erraten. @ie gehörten fdmmtlic^ ber ^unfl^ 
^)oefte an, waren (Srjeugniffe beö ©tubiumö, beö ©innenö unb JDenfen^ 
unb fleKten ni(!^t fomol^l ba6 ganje So(f^le6en bar, M i>klmtf)x bie per^ 
fonlid^en, inbiöibneKen Srlebniffe unb Setroci&tungen be6 Äonigö* 

3um ®(fi(f l^ielt bad 6<^itffal duf ere Äämpfe- unb Äottiftonen ^on 
i^m fern ; benn in biefen n)ärbe er [tä) unflreitig minber ben)&l^rt l^aben, 
al^ fein Später. !Der lange grieben aber, in bem er lebte, war bem ®ef 
beiden ber bilbenben ^unße unb äBif enfd^aften gänßig ; benn biefe be^ 
bürfen ber 9iu^e/ w&^renb bie eigentlid^ poeti\ä)t ^raft burc^ Jtrieg weit 
eitler gel^oben alö gehemmt wirb. — 

2)er93orwurf t)on Sertl[ieau^)/ baf @aIomo )ur Untergrabung 
ber (Sigent^umUc^feit feinet SJoIfed me^r beigetragen f)abe, al6 irgenD 
ein anberer .König/ i{} ein. einfeitiger unb unl^ifiorifc^er, inbem ®a[omo 
mit einem falfd^on 9Rapftabe gemepen wirb. @^ wäre bie(mel^r iu wön« 
fd^en , ba^ bie aOgemein menfi^lid^e unb weltlid^e 9tict)tung , bie er be« 
foHberö förberte unb bie in ber 5ßoefie fpäter im t^ol^enliebe if)ren i^öJ^en* 
punft erreid^te, au<i^ im Seben bed $o(fed no^ weitere unb tiefere Sur« 
)eln gefc^Iagen l^&tte. Sie gan^e Literatur unb .^(tur ber <^ebr&er w&re 
bann nid^t fo au6f(^(ie$Iid^ eine religiofe geworben unb wfirbe t)or man« 
(^en @(^roff^eiten unb Sefd^ranftl^eiten bewal^rt geblieben fein. Unb 
wenn auci^ @aIomo l^ie unb ba bem $(ud(Anbifc^en )u einfeittg ft(^ ^in« 
geneigt l^ätte, fo f)ai biep ber bereite fd^arf ausgeprägten nationalen 
@igent^umtid^!eit gewip feinen 9?a<i^tl^eil gebrad^t. !Dem ofenen SßeU« 
blidfe @a(omo'S unb bem @inf{uf e feiner freifmnigen 9ii(^tung ))erban« 
fen wir iebenfaQS ein paar ec^t nationale Serfe, für weld^e bie SJ^enfc^* 
l^eit il^m 3)anf fc^ulbig ift unb bie wir fogleic^ ndl^er bejeid^nen werben. 
(Seine @d^w&(^en unb 9Renfd^Iid^^eiten aber treten gegen feine grof en 
(Sigenfd^aften gar fel^r jurädF. 

Unter allen großen Siegenten ber ©ef^^ic^te xoix^k id^ feineu , ber 
in ^ejiel^ung auf ben allgemeinen (Sl^arafter unb bie @{nnedart mit 
Salomo fo t>iele SBerglei(^ungSpunfte barböte / als fein 9ZamenSt)etter 
griebrid^ IL, ber große .^o^enfiaufe. '8eibe waren jiaatSf luge, frei» 
benfenbe »^errfc^er unb mit feltenen Äenntniffen auSgerfifiet , ab«r nid^t 
o^ne eine flarfe Seimifc^ung t)on 9iomantif unb $^antaf}erei ; beibe 



1 ) 3ttr Q^^äiiäfU ^ex 5^vmUU\u <S. 324. 



(Srjlfr 9l6f(^nitt. fflon 1100— 850* B. ©atomo/ 17» 

J^obeti' bie aKgemeine 93{(t)uttg/ beforberten «ganM unb ®MtxU, ))er« 
fc^^nerten bie @tdbte; beibe Hebten bie 2)i(^tfunft; begänftigten fie unb 
fibten fie felbfl in il^ten 9Ruf eßunben aM ; unb xoit @aIomo über $f(an« 
gen unb 3;^lere f^rieb, fo \>erfu(^te ou(^ griebrid^ fic^ in fc^riftfieHerif(^eu 
äicbeiten über bie 9?atutgef(i^i(^te ber 93ige(/ über il^re Seben^VDeife/ 
SRa^rung, SRefierbau, ^engvinQ, SQSanberjüge u* f. to. unb beförberte 
ubetl^aupt bie 9!aturfunbe burc^ (Sinfül^rung au^linbifd^er 2:i^iere n)ie 
@a(omo. 2)a)u fommt no(^ ber befonbere 3ug/ ba^ griebric^^ ber in 
ber Set^^eit ber Siraber erjogen n^ar^ ftdi übexf^aupi )ur morgenlinbi« 
fd^en Sebendweife unb 9Be(tanfdbauung fe^r entfdbieben ^ingejogen füllte 
unb bed^aib ber ^e^erei unb ber gel^eimen Siebe )um 3^lam befc^ulbigt 
n)urbe« 3)em 9{aturbienfl @a[omo'd entfpric^t Sriebric^^ ®Iaube an 
©ternbeuterei» Slud^ bie fonßigen ©d^attenfeiten beiber «^errfci^er berül^* 
ren fid^ ^oielfac^ : )u grope ^raci^tüebe; )u grof e ^egfinßigung bed aM* 
Wnbifd^en 8QBefen6, gu fiarfe ©Innlic^feit, namentlid^ i« Setreff ber 
grauen / unb au^erbem bei ^i^iebrid^ eine aOe ©d^ranfen fül^n burd^bre^» 
(^enbe Sweifelfuc^t, wie fie im ?Prebiger ©alomo'd nid^t fc^neibenbet 
^ert)orgetreten iji» !Do(^ ifl ^ier nidbt ber Ort, biefe ?Parotle(e/ fo tt>eit 
bie gonj »erfc^iebenen 3^it^«»^^*I^niffe fiber^oui>t fte gefiatten, no<^ tt>ei» 
tcr burd^iuffil^ren. 9?ur ein grof er Äriegöfielb wie griebric^ IL war ®a« 
(omo ni(^t/ wenn ü^nt gleich 2 (S^ron. 8^ 3 bie Eroberung )Don i^amftt 
gngefd^rieben wirb. 



SRan fonn bie falomonifc^e toie bie bat)ibifc^e 3rfi «uc^ in Setreff 
ber reiigiofen Silbung nur bann richtig würbigen^ wenn man bie natfir« 
lid^en Sebingungen , bie eine Steügion }u i^rer @ntwid(ung bebarf , im 
S(uge bel^&It. 3m SlUgemeinen befielet ba6 SQefen biefer SteUgion/ wie 
wir fd^on frfil^er gefe^en f)ahtn, in ber 3bee ber fittlid^en greil^eit bed 
SRenfd^en, bie ^erwirfiic^t werben foO. ®o wirfte je^t gunAd^fi bie polU 
Hfd^e unb nationaie Einigung auc^ unmittelbar auf bie (SntwidFbtng je« 
ned 9ieIigion6))rinci))e6 wo^it^jtig eiU/ wenn gleidb ber^Ituö nod^ mit 
natürlichen (SIementen behaftet erfc^eint. 2)ad Solf war nun ))oIit{fc^ 
frei/ ber wirf (ic^e Qiaat war gegrünbet unb bamit eine gang neue @runb« 
läge für bie weitere Silbung gegeben. 9Ba^ t)on Sfnfang an im $rinci)) 
ber l^ebrftifd^en Steligion fc^on lag/ ba6 war nun pU^Uäj ind !X)afein 
getreten. 

!Dae tiefe Sewuf tfein ber geifligen greilffeit bed SRenfd^en fiuf erte 
^(^ gunfic^fl aQerbingd burc^ eine fül^ne @r^ebung über bie Xatur unb 

12* 



180 3^tiU ^txlo's>t. aJon b. ®runb* bea StM^if^. M ;. @nbf M ßrtte. 

nQe^ 9tatM\äit. Mtin biefe innere @rl^e6nng batf man f{(^ nic^t ))ot« 
fleflen ald ein feinblld^c^ SeMnUjfen unb Slegiren ber 5Ratur. 2)ae ®it^ 
tengefe^ forbert gtt)ar blefen itampf, unb bie Sntwfdtung ber fiebräffc^en 
Sieligion enbet mit einer folc^en Sntjweiung, mit einem »oHiflen 3er« 
fatten beö Sett>uf tfeind mit ber bieffeitigen natürlid)en SBeit* (oqU Äol^e* 
(et.) 2)en 9lnfang aber c^arafteriftrt eine freubige Srl^ebung^ bie unmit« 
telbare ©ewif^eit, baß ber SRenfc^ fraft beö göttlichen Sbenbilbeö ber 
^err ber ganjen @c^d))fung iß unb baf bie ganje Statur il^m bienen 
muß* @r fül^It jtc^ l^ler jum erfienSTOale ^eimifc^ in ber bieffeitigen ffieit 
unb will ^ier [ein Seben unb feine greil^eit alö feine eigne Zf)at bor fic^ 
l^aben unb boBenben, fo bap i^m baö S^nfeitö boKfommen berfc^inbet* 
!£)er alte ^ebrier fennt bal^er im fc^arfen ®egenfa$ }u ben übrigen orien^ 
talifc^en SBoIfern, namentlich ben ^Q\)pUxn, fein Seben nadj bem S^obe^ 
ff ine UnßerbUc^f eit / xoa^ einen biet tieferen ®runb l^at^ ald man ge« 
tDöl^nlic^ annimmt. 

3ette innere greubigfeit beö ®emfite6 ifl in ber ganjen JRic^terpe* 
riobe^ tro^ bielfad^er SebrädFungen unb Seiben ; bod^ ald bie ^errf(^enbe 
SBolfdfiimmung ju betrad^ten. @ie n)ar aber me^r an ftci^ unb innerlich 
t)or]^anben. @r{} unter iDabib unb @a(omo erl^ieit fte au(^ im Seben eine 
wirflid^e ®ejialt, unb ba fielet man gern, tvie bad ffiolf mit ^o^er ©e* 
geißerung bon ber bieffeitigen 9Be(t a(d bem eigentlichen @^au))Ia^e 
feiner 3;()dtigfeit in SBa^r^eit ©eft^ ergreift unb ft(^ bem wirfiid^en 8e« 
ben anbertraut» 3n biefem Sinne fagt noc^ ein fpflterer 3)lc^ter, ?Pfalm 
115, 16-17: 

2)er ^immet t^ ber ^imtnet be€ $etnt/ 
fDod^ bie(5rbe gaB er ben SRenfd^enfinbern. 
9{i€^t bie ilobten loben ben ^tttn, 
Unb IRiemanb/ ber gefunfen gur ©rabedfItUe* — 

^ierna^ fle^t man leicht, wie einfeitig ^egel in ber ^ß^dnomenologie 
©. 257 meint, ba« jübifd^e ©ewuftfein fei ein unfelige« unb ba« JBoIf 
baö berworfenjie gewefen. 3)iefe Sejümmung pa^t faum ffir ba« 
(Snbe be« l^ebriifd^en 93olf«{eben«. 

Sür bie falomonifci^e S^it beurfunben jene« l^ol^e SBetbußtfein ein 
paat tbic^tige @tüde, bie l^ier für) ju bef))re(^en ftnb. dunid^fl ber 
ac^te jpfalm, ber fc^tt>erlld^ bor ber ^tit ©alomo'« gebic^tet fein fann* 
2)er grope ®ebanfe be« 8iebe« ift folgenber : bie Srl^abenl^eit unb »gerr« 
lic^f eit ®otte« , bie in ber ganjen 9lai\xx , am Firmament n)ie auf ber 
(Srbe fi<i^ funb gibt , bie offenbart li^ boc^ am reinßen unb t}o(Ienbet{len 
im äRenfc^en. ©c^on bie erften geizigen ^Regungen be« .ftinbe« n>eifen 



ßrfiei' aer^nitt 030111100-850. B. @aIomp* 181 

auf bief unenbKc^e Sßefett l^in ; gatt} (efonberd aUx tl^ut t)iep ber ent« 
n>i(felte SRenf^ , in in feinet gtei^eit ftd^ Sind u>eif mit ©Ott ttnb fraft 
berfelben baö ganje ©ebiet ber Siotnr 6el^errf(^t. — !Die 93* 3 genann« 
tengeinbe unb SBiberfad^er ©otteö jinb ni(l)t ®otte«Iduflner fiter« 
l^aupt/ wie man gen)51^n{i(i^ cxMxt, fonbern e^ ftnb fo((^e/ bie no(^ im 
9taturbien{)e befangen tt>aren unb nid^t in ®ott , al6 bem freien ®tifie, 
if)x eigene^ geifiige^ SBefen anf({)auten unb fanben. @$ n)irb bed^atb 
l^ier bie Offenbarung ®otte6 in ber 9?atur/ im SBeftaQ fo bebeutfam ber 
Ofenbarung ®otted im SRenfd^engeifle gegenüber gefieQt unb bie (entere 
aU bie J)o\)txt unb reinere l^ert)orgeboben* @d)on bie Unf^ulb be6 Stin* 
bed, bad nodb unmittelbar in ®ott rul^t, meint ber ^Did^ter, fei im 
©tanbc, ienc ®egner bcö geifHgen, naturlofen ®otted ju toiberlegen 
unb auf ben ^ö^eren Urfprung bed 9)7enfd^en au6 ®ott l^injutDeifen. 
3)ann ft)ri(Jbt er mit gropem iRa^brud ben ®runbgebanfen ber l[iebrAtf(^en 
9Bettanf(^auung au^, bap ber 9Renfc^ in feiner @rl^ebung }u ®ott/ atö 
bem unenblic^ freien geiftigen SBefen^ jugleic^ über aOe ^epeln ber 9latur 
unb (gnblic^feit ftd^ erl^ebe unb bie ganje SBett be^errf(]^e* 

ungemein mid))erftanben ifl l^ier ber Sufammenl^ang 2n)if(l^en 93. 
4 unb 5. 3)ie SBorte lauten: ^©cl^e id^ ben ^immel an, baö SBerf 
beiner ginger, SWonb unb Sterne/ bie bu bereitet:" wobei ber SRa^faft : 
^fo t)erfunben {te aud^ wol^t beinen$reid/" fid^ aud bem ßufammenl^ange 
t)on fe(bf) ergibt unb (eid^t }u ergingen iß. !Dafur l^eipt e6 mit bid^teri« 
fc^er Äürjc fogleic^ 9S. 5: 3)od^ tt>ad ifl ber SWenfd^ bagegen! 
b. 1^. wie grop unb l^errlid^ ifi ber SWenfd^ biefen 9?aturWri)ern gegen^ 
fiber — weil bu feiner gebenffi, unb bed SWenfd^en @o^n, 
weilbu feiner bi(^ annimmf)! 2)u ^afi i^n nur wenig un« 
ter ® Ott gebellt u. f. w. ^lUgemein ftnbet man l^ier bie @d^wdd^e 
unb Unwurbigfeit beö SWenfd^en ben ^immeWförpern gegenüber audge» 
^i&dt, ein ®ebanfe/ ber mit bem Sßefen ber ^ebriif(^en dieligion im 
greHflen 9Biberf))rud^e fielet. $(n ftc^ fann natürlich ber ^u^ruf: „xoa^ 
ifiberSRenfc^,* wenn ber 3ufammenl^ang eö erforbert, bcbeuten: wie 
gering unb fc^wad^ ifl ber SRenfd^ ! SlOein ^ier, wo ber üRenfc^ al^ ber 
gefronte ^errfd^er ber ® (^öpfung gefc^itbert wirb , i(i jene Sluffaßung 
um fo wiberftnniger / ald ber 9Renfd^ ia eben burc^ ben gottlid^en Sei» 
fianb biefe ^lol^e ©tufe ^nur wenig unter ®ott* einnimmt. Sluf erbem ifi 
nur ber äRenfc^ nad^ bem @benbilbe ®otte6 gefd^afen; nid^td in ber 
9{atur iß ein entfpre(^enber 9lu6brud( bafur, wedl^alb au<^ ber 3^raelit 
t)or ben 9laturbingen feinen fo übertriebenen 9tef))eft bejeugt/ bap er fie 
ie l^ol^er afd feine eigene ®eifie6fraft gef(^d^t l^itte. 9lad^ bem alten 



162 ävodtt $edobe* äJon b. @runb. M Stin\^Qtff. m g. dnu M Qrib. 

ZtftamtnU if) bet 9teitf(^ ein Sßunber« litib Steifiemerf ®ottee unb iß 
e«^ noti^ immer, troft be« fogenannten ®ünbenfoIle6. SBentt imfre a)utt« 
fe(mdnner f!c^ getrieben fugten, ben SDlenfc^en al6 eine mögU^fi elenbe 
nnb erbdrmlid^e Äreatur ^inju^eOen , fo fd^einen fte nic^t ju feigen , no^ 
ju füllen; xoddit Oottedia^erunfl barin liegt — 2)er 8. ?ßfa(m, ber 
^ier ))oaf}dnbig mitjut^eilen if}, gibt ienet 9(nft(^t {finftig feinen «^aH« 
pnnU mel^r. 



U a. ^etr unfet J&enfd^er 2 

Sie ^errlic^ ifi bein 9^aine 
0«f bet gangen (Srbe, 
IDtt beffen (Slang 
IBetfönbtgt toitb 
9(m ^immel ! 

9lud bem SIRunbe ber Jtinber 3 
> Unb ber ®&uglinge 
$a{l btt $re{0 bir gegrünbet, 
IDeiner Gegner toegen, 
Um ivan @€^b)e{gen gu bringen ben 

geinb 
Unb ben SBiberf^enfligen* 

1. b. ®el^' id) beinen ^tmmel^ 4 

2)a0 Sßerf belner Singer/ 
^en Sftonb nnb bie ®tetne, 
2)ie btt Bereitet : — 
SBa« ifl ber a^mf^ [bagegen] 5 
SBeil bu feiner gebenffl. 



6 



Unb bed a)>{enfd6en &of)n 
9Dei( btt feiner bid^ annimmji ! 
^tt ^afl iH^n nur toenig 
Unter ®ott gefleOt/ 
anit ^ef)eii unb «errli^feit 
$aft bn il^n gefrdnt« 

1* c. 2)n mad^tejl i^n gum ^errf^er 
aber ba6 SBerf beiner ^änbe, 
^tt legtejl ^ei 
Unter feine güße : 
®c(^aafe unb dtinber jttmal, 
Unb and^ bie X^iere bed Selbe«; 
3)ie liBdgel bed ^immel« 
Unb bie Sif^e bed a^eer«; 
Sad ba bur<i^tt)anbert bie$fabe 

bed a^eerd. 
^err, unfer ^errf^er, 10 

S^ie l^errli^ ift bein 9tame 
$(uf ber gangen @rbe I 



8 



9 



®ani baffelbe freie 9en>u^tfein n)ie in biefem Siebe ftnben n>ir auc^ 
in ber erfien ®c^6))fungöfage/ bie fd^tt)erli(^ t)or ber 3eit ©alomo'd il^re 
ie^ige %oxm unb gapung erl^alten l^at« 3m ®egenfa^ }u aQen anberen 
leblofen unb lebenben 97aturtt)efen ifl l^iernad^ ber 9Renf(^ t)on Slnbeginn 
bet aßelt an ber eigentliche S^rdger unb bad Drgan be6 gittltd^en ®ei« 
fled; er ifl ®ei{l t)on ®otte^ ®eif}e, trdgt bad gdttlid^e (Sbenbilb in ftd^ 
unb ifl inxä) biefe geiflige (Sinibeit mit ®ott ^er <&err unb «^errf^er über 
bie ganje Srbe unb über aOe ®efc^5pfe. 3ugki^ tritt ba^ SSerl^dltni^ 
®otted )ur 9latur l^ier tlax f)troox. !Die SBelt ifl nic^t burd^ 3^ugung/ 
burd^ Smonation aud i^m l^ert>orgegangen/ noc^ ifl er felbfl a(d bie blof e 
(Sinl^eit bed 9Birf(i(^en t>orgef}eat/ t>ielmel^r [(^afft er burd^ einen reinen 
gSiOen^aft ba^ ^üiaü, unb erfc^eint alfo feinem a93efen nad^ aI6 t>öaig 
))erf(l^ieben t)on ber 92atur. !Diefe iDarfiellung ber @(^ö))fung ifl eigent« 
Ii<j^ nur eine SReprobuftion be6 eigenti^ümlid^ l^ebriifij^en SetDU^tfein^^ 
bad f{(^ über bie Vlaä)t be^ @nb(id^en , 9tatfirli(^en in bad ®ebiet bet 



Srfici 9l6f(^nttt Sott 1100—850* B. @a(omo. 



18S 



fittlfc^ett Srei^eit t>a ®tifUe ztf)oUn l^attc unb fl(^ nic^t mz^x ber blofen 
9latutnotn>enbigfeit preidgegc6en fällte. 

Die ganje (£i)il^lung )>err(it jVDai im @in)e{neti SBenDanbtfd^aft mit 
6eibmf(^en Jto6mogonien ; fte jeigt juglei^ aber auc^ fel^r (el^treic^, n>{e 
bie «^ebrder feinen @inn fui bett 9tatuxm\ft^o^ l)äbm, fonbern ti>egen 
i^re6 tiefen duged )um Sßirflic^en / juc menfc^lic^en ®ef(^i(^te aOed 
9R);t^if(l^e / ba^ fie etwa aufnel^men / fof ort timbilben unb in eine ge« 
fc^id^tlic^e @age t>em)anbe(n. dugleic^ ifl bie (Srgd^Iung gang nationa* 
liflrt unb ber ec^t l^ebrdifc^e Z^pn^ if)t aufgebrudt. — üuc^ bie gorm 
tfi ju beachten / bie fc^ine ganj naturgem&fe Drbnung , bie allyiil^Uge 
Gntwicflung ber 9Be(t ))om rollen , geßaltlofen (Ef^ao^ an bi6 )um 9Ren« 
fc^en ^ ber ben @d)(u^ ber ®(^6))fung biibet. @^ mirb barin naäf einer 
tiefen Slaturanfd^auung tin ^ortfc^ritt t)om Unorganifi^en unb Seblofen 
jum Sebenbigen angenommen, ^anadj t)o(Ienbet fic^ bie ganje ®(^ö))fnng 
in a<l^t parallelen Sßerfen , bie aber , um bie @abbatrul^e anäf in ®ott 
t>orbi(bli(^ gu ^eiligen / fpiter auf fec^^ jufammengebr&ngt morben ftnb. 
aSBir muf en aber bie fiebenben @A$e : „Bo n>utbe aud Slbenb unb SRorgen 
ber erf)e Za^, ber ixodu, britte 2:ag u. f. u>/ ald ftörenbe Sinfi^iebfel 
befeitigen. 2)ann erhalten n>ir folgenbe a(^t Sßerfe in jmei fic^ entf)>re« 
^enben Steil^en. SunAd^ji : 

mie 0rl)öpfuug breiSi Cl)a0i6i otftt tft^ Utftofftf^ der ttlelt. 



A. 0f|it>fttng be^ £ebUfett. 



1. 

©d^&pfung bed Sid^ted. 

@d^5vfung ber «&immetdn>&(^ 
bung jur^^rennung beö Srb^ unb 
<&immete«£)ceaned, n^oburc^ gu« 
gleich bie ^tmofp^are mtpt^U 

3. 

@^5pfung bed {^efltanbea bur^ 
^^eibung berSReered bom troif« 
nen Srbboben* 

<S(^&))fung ber $ f l a n ) e n unb 
^aume. 



B. 04i)ifitttg ht$ Belebten. 

5. 

@(]§&pfung ber ©tßirnc ald ber 
lebenbigen Srager bed Stdgted. 

6. 

@^6:|)fuiig ber ßuft- unb SBa^er^ 
tbiere, (9S6c|f( unb gifc^^e.) 



7. 

@^5)}fung ber iBanbtbiere. 



8, 
^(]§5pfung bed aRenfd^em 



2>ad erße SBerf ber belebten @c^ö)>fung ftnb bie leuc^tenben 
^immel^f dr)>er / bie n>egen il^rer 93en>egung atd lebenbige Sßefen , al^ 



184 Streite $ertobe. äJon t^* ©runb. M Stini^tif. m j. (Snbf bed @rite. 

bad «^immeldl^eer t)orgeftent tDurben. @{e entf)>tec^en bec Qäfip^nQ 
be^ St(^te0/ g(eid^fam ber allgemeinen Subfian) bedSi^te^ ober bedS^a« 
ge6/ bet bön ber @onne al^ unabl^dngig geba(]^t n)irb/ 3n gleichet 
SQSeife ent^rec^en jtc^ baö jweite unb fedfefle SBerf, fo tt)ie bad britte nnb 
ftebente« äBemger fc^eint bief beim bieiten unb achten SSSerfe ber 
%aü }u fein* SlHein jn beaä^ttn ifi einmal/ ba^ bie^flanjen tt)egen i^re$ 
äBac^^tl^umd fd^on ben Übergang ju ben befebten SBefen biiben. @0' 
bann aber fd^einen uralte m9tl[)ifd)e Überiieferungen l()ier burd^jufd^ims 
mern* 9lu(^ anbere SBöIfer/ namentlid^ bie germanif(^en^ fennen bie 3(b« 
fünft ifß erfien SDtenfd^en ;,au6 bem i^albtoac^en 9tei(^ ber ^fHaitjeU/'' 
unb biefe SSorfieOung ifl ni(]^t fd^Ied^ter, al^ bie^ wom6) ber SRenfc^ au^ 
(Srbe gebilbet tDorben^ )u tt)e(d^er Sluffaf ung ein «gebrder fc^on burc^ ben 
et^moiogifc^en $(nf(ang )oon 9lbam unb 9(bama (@rbe) geleitet n^erben 
mnfte»^) Über ben ^araUeli^mud biefer @(^5))fungdtt)erfe )>erg(ei(]^e bie 
jel^n ©ebotc @. 43, in benen flc^ ganj biefelbe iDarfieHungdart finbet. 

9ßie biefe ®(^5pfung6fage, fo l^aben aud^ bie übrigen ^ebrdifc^en 
5RatlonaIfagen jur ßüt ©alomo'd il^re erfie fci^riftli(^e Sluftei^nung ge« 
funben, wie l^ier noc^ furj erörtert »erben muß. 

3m Snigemeinen werben bie alten @agen eine6 93oITed überaO erfl 
bann gefammelt unb aufgefc^rieben , wenn fic bem lebenbigen Sewufits 
fein bereite entfc^wlnben wollen. So lange jte in 9111er SWunb leben, l^at 
bie 9lufjeic^nung feinen 6inn. SBo aber ganj neue Sßolf^juflänbe ftc^ 
biibeu/ wo nene^been auftauten unb einbringen, äber^au))t, wo in 
bem atigemeinen SBoif^bewußtfein eine neue ^eriobe anbrid^t/ ba wirb 
ber SHtf fo fel^r bon ber ©egenwart erfüllt , baß bie alte ^tit mit il^ren 
3;rabitionen lei^t in SSergepenl^eit gerdt. 3tt fold^en Selten liegt eö 
naf)t, baß ein Patriot bie alten )oaterldnbif^en Überlieferungen ju ret- 
ten fud^t. — 

2)ie )>atriar(l^alifc^en 93olfdfagen ber «gebrder, bie aU ein uralte^ 
<)oetlf(]^ed aSermdd^tni« im ^erjen unb SWunbe ber ®efammtl^eit fort* 
lebten , erl^ielten ft^ w&^renb ber gangen 9ti(]^terjeit um fo leichter im 
©ebdd^tnid, ald bamald noä) ganj dl^nlid^e 3ufldHbe beflanben. @benfo 
no(]^ unter @aul unb !Dabib/ bie no(^ ein me^r )>atriar(^alifc^e6 9tegi* 
ment führten. SWit ©alomo aber war biefe alte ßtit t>oBft4nbig ju Snbe. 
grembe Silbung unb frembe (Sitten brangen mit SRac^t ein ; bie alte 



1) l2)e(toanbt mit biefer ®d&ö))fung aud 93&umen ifi bie aud steinen, bie bem 
l^ebr&tfd^en ^(Itert^um e6enfa(l€ mä)i fiemb getüefen ju fein fc^eint. IBgl. 3erem* 1t, 27. 
3, 9. aWatt^. 3, 9. Obl^ffee, 19, 163. 



(Stjler 9l6fd^nitt Sott 1100— 850« B. @atomo. 185 

ßinfad^l^eit glitte auf; bie @e(6f)finb{gfeit bet eingelnen @tAmine fij^toanb 
allmfi^ttg bal^in; bafüt \oaii aber bem ganjen SBoIfe ie^t ein 9Be(tt)et«' 
U^x ttnb eine 993e(tb{(bung eröfnet/ beten SBitfung fi(^ nod^ gat nic^t 
bered^nen lief* 

@ine genaue Unterfu^ung aber bie attl^ebtfiif^en @agen gel^itt 
nid^t ^iel^r* 9lut bet aUgemeine Sl^ataf tet / bet ®eifl unb ®tunb ber^ 
felben mup l^iet befptoc^en toetben ; benn bie ))oetif^e ®efta(tungdgabe 
nnb fibet^aupt bad poetifc^eSialent eined SSoIfed etfennt man nic^t Miit 
beutUd^et^ a($ in bet 3itfammenfieQung unb^afung feinet nationalen 
Sagen» 

iDie i|tbrätfd|)e iloltofage. 

98a$ ben Utfptung bet 93o(f^fagen Abetl^aupt bettifft fo muf man 
)n>ei ®ebiete betfetben kool^l untetfc^eiben : bie ®ittetfage unb bie ^eU 
ben« obet 93d(fetfage. !Die etfiete umfaft mefentlic^ ba^ ®ebiet bet 3la^ 
tut unb ifi gleid^bebeutenb mit äR^t^oIogie. !Die anbete gel^t üom 9Ren« 
fc^en aud unb gel^ott me^t bet ®ef^icl^te an, ^oetmifd^t fic^ abet nid^t 
feiten mit bet ®öttetfage» ^ietaud entßel^t nun ein utfptunglic^et. Un« 
tetfc^ieb )n>if(^en SR^tl^od nnb ©age^ ben man gen>öl^n(i(^ nid^t bead^tet/ 
mit et mel^t im 9Befen bet @a(^e/ a($ in ben äBotten begtunbet ifl» 
2>enn bet 9Iame äR^tl^od an {td^ bebeutet: SBott/ Stebe; banU/ na* 
menttic^ fpdtet: a(tettl^um(i(^e Si^be, bunfle Stidl^Iung aM einet unge« 
fd^id^tlid^en 93ot}eit/ befonbetd ®öttet« unb ^elbenfage^ unb n>itb 
fo bon Sogod / a(d einet beglaubigten ®efdbi(^tdet)&l^(ung untetfd^ieben. 

S93egen biefet allgemeinen Sebeutung t)on Tl\)tf)o^ Ht man feit 
I&ngetet ^tlt fxH) gen)dbnt, auc^ )Don altteßamentlid^en Wi\)tf)tn }u teben 
nnb bamit bie diteße ibeale ®efd^id^tdfotm bet .^ebtdet )u be^eid^nen* 
!D2an ^at fogat l^ebtdtf^e 9R);t^oIogien gefd^tieben. 3nbe^ fann man 
ed bem teligidfen 8en>uptfein nnfetet @ttengg(dubigen nid^t betbenfen, 
koenn fte an fold^en Sejeid^nungen Slnßop nelSimen^ inbem fte immetl^in 
ettDa^ Unbequeme^ unb d^cii^eutiged l^aben. — 

!Dad eigentlid^e ®ebiet bet ^\)ti)oloiU ndmlic^ ftnbet fic^ in ben 
92atutte(igionen unb btel^t ftc^ n)efent(i(^ um bie ®elbf)entn)idf(ung ®ot« 
M, bie )ug(ei^ bet natutlid^e. Snttpidfiungöptocep bet äBelt ifi/ ein 
^ampf bet Elemente unb 9{atutmd(^te* !Denn ®ott unb äBelt ftnb l^iet 
ibentifd^e Segtif e ; et iß n)efentlid^ beftimmt a($ ®ubßan), aU bie @in« 
^eit bet Statut unb aOet äBefen* 3n bet l^ebtdifd^en Religion ahtt , too 
®ott gen>uft witb ale ®eifi, a(d fteiet, ßtt(i(^et SßiQe, bet etl^aben iß 



1 



180 Stveite $mobe. Son b. «tunb. be9 J^tnigt)^* Btö g. (Snbe bed @xi(0. 

über aded 9latfirli^e/ l^ier fann t)on einer Selbflenttoicflung ©otted 
nid^t me^t bte9tebe fein* @r ifi en>ig in fi^ voUenbet ttnb ftei t>on jebem 
Statuc}n)ange* (Sben bed^alb fann man aud^ fheng genommen nici^t 
mel^r t)on ^ebrdifti^en ÜR^tl^en, t)on Waturmpt^en reben; benn bod ®e» 
biet be^ 9{^turpantl^eidmud unb ber SRpt^oIogie iil l^iet i^oUig ubemun« 
ben* 993ad ft(^ enttt>iäe(t, ifl nur ber a)ienf^; ber aRmi^Kg }u ®ott/ )ur 
fittlid^en ^reil^eit ft^ emporarbeitet« 2)al^er gel^t au«^ bad ffiefen unb 
äBalten (Sottet nic^t t)on 9laturanfd^auungen unb überhaupt 'oon feinet 
natürlichen ®runb(age au^/ koie fic^ eine fo(($e j* S* bei ben griec^i« 
fd^en ® Ottern/ felbfl bei 3eu$ unb ^poüo, nod^ nad^koeifen (Apt^ fon» 
bern bet ©ottedbegriff gel^t au^ t>on ber 3bee bed ®eißed unb ber ftttli* 
d)en ©elbfimac^t bed SBiOend/ ber aKe 9{aturm&d)te fic^ fd^Iec^tl^in um 
terworfen l^at unb fie ju feinen ßwedten »ertt>enbet* 2)ie Srjdl^Iungen über 
ba6 göttliche 2!^un l^aben ba^er bie Sorm ber ®ef^ic^te erhalten unb 
f!nb feine SK^tl^en. Sßir f5nnen fie aOein paffenb a(d @agen bejeic^nen« 
@d offenbart fid^ hierin eine ®runbe{gentl^äm(id^feit bed ^ebr&if(^en 
93o(fdgeifted/ ber fein red^ted Drgan f&r p^antaftifc^e ^taturm^tl^en ^at^ 
fonbern t>on Anfang an einen tiefen 3ug jur ttoirflic^en ®ef(^id^te unb 
)um 2!^atfdd^{{d^en oerrftt* ^Qerbingd entl^a(ten bie Alteren kt)ie bie fpd« 
teren ®agen man^e Elemente/ bie eigentlichen 9Ri^tl^en ent(el[>nt finb* 
8lßein babei ifi ed k)on l^ol^em 3ntereffe ju feigen , wie biefe naturm^tl^i* 
fc^en @toffe fafi immer in rein menfd^Hd^e/ gefc^ic^tlic^e @r)d^(ungen 
umgetoanbelt n>orben unb {eben @d^ein il^rer urfprfingli^ m^tl^ifc^en 
S3ebeutung t)erIoren l^aben* @o befonberd bie Sagen über ©imfon unb 
3ona, bie ©c^ipfüngdfage/ bie ^lutfage unb anbere* !Da^in gehören 
audb ein)e(ne ä^orfieUungen/ toie bie ))om Saum bed Sebend, "oon 
einem urtoeltlid^en ßl^aod/ töhu unb böhu genannt, bie )u blofen 
äJerftanbe^begriffen l^erabgefe^t finb / toie voenn toir jie^t im 2)eutfd^en 
oon ber ;;3Qinb^braut'' reben» IDie $l^6nifen bagegen fannten ein n>e(t« 
gebdrenbed Urweib Baau , bad jenem bohu entfpric^t* — 6el^r feiten ift 
bad koirflid^ 9R)!)tl^ifc^e fo unberdnbert geblieben , wie in ber @rjd^(ung 
t>on ben ®otterfö^nen/ ||6l^eren ^mmeldtoefen ober @nge(n/ bie ftd^ mit 
irbifc^en SSeibern fleifc^Ii^ mifc^ten unb baburc^ ein ruc^Iofe^ / gewatt« 
t^dtigeö ®efc^lec^t ^eroorriefen^ bad bon ®ott burc^ bie Sintflut ber« 
tilgt würbe» t 3»ofe, 6, 1 -8. SBir l^aben ^ter bie griec^if^en ^im* 
me{^f)urmer unb bie inbifc^en ®iganten/ )Don benen ebenfalls (Siner^ ber 
bie SSebad geraubt^ bie grofe ^(ut oeranla^te. Derartige m^tl^ifc^e (Sie« 
mente finb bon S(u^en l^er eingebrungen unb nic^t ein ^robuft ber ec^t 
ftebrdifd^en SBblf^pl^antafie» — 



Qtt^a m\ä^nHU SSonl 100-850. B. @a(omo. 187 

3)ie eigentHc^e ®tunt)(age ber aUf)tbx&i\iitn l^eUigen Solfdfage 
n>ut)€(t, wie gefagt/ nic^t im ftatnxnMjt^o^ , fonbetn in ber ®efd)i(i^te/ 
in einfa^ menfd^Hd^en ißer^dltnifen t)on $(nfang an, unb bet 3nl^a(t 
biefet @agen ifl n)efentH(i^ bad SSoIf^Ieben, bad innere toie bdd dufere, 
in feiner ganjen guUe unb grif(jöe. — Die gemeinfamen Zf)akn unb 
@r(ebniffe ber d(tef}eif3^ii pflanjen {{(^ nun aber überall sun&(^fl mänb« 
li<^ fort/ t)er&nbern ftd^ aUmd^Iig unb gelten bann nic^t feiten in eine 
rein ibeale Oejialt über^ Dabei fel^It ben frfil^|Jen 3;^aten unb @<^i<ffa» 
(en eined 93o{fe6 immer ber innere 3ufammen^ang ^ inbem bie national 
)Dern)anbten Staffen nod^ feine, mal^rl^afte @inl^eit; feinen @taat bilben 
unb bedl^alb and^ feine gemeinfame @ntn>icftung ^aben. @ie ^ooUbringen 
nur Sinjelne^/ Stbgerifened/ unb biefe dltefien Öberlieferungen l^aben 
bal^er an fi^ fd^on ettt^a^ S3ru(l^f)u(fartige$ unb ^^rfimmer^afted, toad 
bur(^ bie münblic^e @r)d^lung noc^ t>erme|irt n)irb* 

3nbe^ nic^t jebe münblic^e Überlieferung ber dltefien ^elt berbient 
ben 9Iamen einer Sage* Slm wenigflen fann man eine blo^ entftellte ®e« 
fd^id^te fc^on fo bejeid^nen. 3ur@age gehört t)ietmel^r/ baf bie gefd^it^t« 
lid^en Zf)ai\a(i)tn in ber ^^antafie beö SSoIfeö eine bic^terifc^e ®ef)alt 
angenommen l^aben unb baf allgemeinere 3been unb Slnfc^auungen 
baraud l^ert^orleuc^ten. 3n biefem (Sinne ifl bad Seben ^hxai)am^, 3fa« 
af«, 3af obö , 3ofef« u* f* xo. »efentlic^ fagen^aft* (gbenfo aSiefeö au« 
bem Seben Wto\f^, ber 9tud)ug aM ^g^pteu/ bie Eroberung bed gelob« 
ten Sanbe« , t)iele @rj&l^lungen au« ber 9tid^ter)eit unb bie Stiftung be« 
Aönigtl()umd* ^a, noc^ im SebenDa^ibö/ in feinen Jtdmpfen mitSaul^ 
in feinem 93er^d(tnid )u Sonatan iß bie bi^tenbe SSotf^p^antafie fel^r 
tl^&tig gewefen. Den ^reng gefd^ic^tli^en .ffern au« biefen 93olf«fagen 
au«)ufd^eiben/ i{) Aufgabe ber ^iflorif(^en ^ritif* 

9n abftd^tli(()e 2:duf(^ung , an $rief}erbetrug unb bergleid^en babei 
SU benfeu/ üerrdt ein t)6tlige« '^l^Unntn be« Siltertl^um«. Diefe ganje 
$lrtber ®efd^i(^t«betrad^tung/ ber ®agenbilbung ifi t>ielmel^r al« eine 
notn)enbige )u begreifen. Die 9Bei«l^eit unb Silbung ber d(tef}en 3a^r* 
l^unberte erf(^eint unabftc^tlic^ barin abgebrfidft unb jtt)ar fo / baf bie 
dufere ®efc^i(^te unb bie innere ®ef^i(^te be« Semuptfein« barin ju« 
fammengevoad^fen finb. Dabei l^at bie 93otf«fage eine lange bauernbe 
@ntn)idllung unb ifl bei aOer Stetigfeit unb 2;reue bod^ fo fluf ig unb 
em))fdngli(^ / bap fie bi« ju i^rer fc^riftlid^en Slufjeid^nung fortmdl^renb 
aOe neuen 93ilbung«elemente be« SSolfe« in fi^ aufnimmt, ©pdter tritt 
ber perfonlid^e Slnt^eil ber ^ufgeid^ner immer beßimmter f)tvoox. Die 
9Jolfdfagebientba}u, allgemeine Sbeen in biefer^äOe au«}ufp];fd^en/ 



188 3tve{te $eripbe. SSon b. ®runb. M StM^ti). M $* @nbe bei @rt(d« 

bid fte enb(i(^ in ben bibaftifc^en ©d^tiften tcit im SBud^ ^io6 tein b^« 
terifd^ audgefd^mädt n>irb unb il^ren urfptänglid^en (Sl^aiafter fott)o]^( 
ber gorm wie bem Snl^altc nad^ t)crlicrt» @ie wirb l^icr jur Äun|ibi(^* 
tttng erl^oben/ md^ienb fte tttfptungKdb bet iRatur« ober a3olfd))oe{te an« ^ 
gel^5tt* 

@ine bcfonbere Seite ber l^ebräif(j^ett ffiolföfdjjen bllben bie n> u n « 
berbaren @(emente, tt)e((l^e btir(^ bie gange ä(tere ©efc^id^te ftd^ l^in« 
burd^jie^en* ^^nlici^e äBunbererj&l^Iungen ftnben fid^ auc^ fonf} im Drient 
unb fiberaO* !Doc^ ^at bei ben ^ebr&ern bad S93unber eine tiefere 9e« 
beutung/ a(d bei ben t)or]^erge]^enben SSolfent; inbem ed mit bem äBefen 
biefer Sieligion aufd eng^e )ufammenl^&ngt. 

3m Snigemeinen ergibt ftd^ bie ^nfd^auung be^ äBunberd ganj fon«* 
fequent aud bem ^ebr&ifd^en ®ottedbegrif« 2)er ®eifl tt)irb l^ier getauft 
aU bie freie ^a<i)t fi b e r bie 9iatur ; bedl^alb erbliät ber 9)tenf(^ in feiner 
Srl^ebung Aber bie reine 9}otn>enbigfeit ber Statur aud^ nur bad 3Ba(ten 
eineö freien unb ftttlic^en SBiKend in aOen @rfd^einungen bed Unit)er* 
fttmd* 3m ®en>itter/ im (SxiUben, in einer ®onnenftnfiernid/ im @nt« 
{iel^en unb SSergel^en ber $flan)en , ber (ebenben Sßefen u» f. f« erfannte 
man nic^t bie natfirUd^en ^uperungen ewiger^ notmenbiger ®efe$e^ fon^^ 
bem bie fletö ftd^ erneuernbe freie Stnorbnung bed (Sinen abfoluten 993iU 
kn^. Sbenfo »erben bie Sreignijfe im geben ber Sinjelnen wie beö gan* 
Jen SSoIfed ol^ne SSermittlung ii)xt^ ^vernünftigen Sufammenl^angd un« 
mittelbar auf ®ott }urudfgefül^rt* 9Iur baburd^ fiel^en bie biblifc^en 
äBunber l^5^er/ al6 bie auf frül^eren ©tanbpunfteU/ bap ^ier ni(^t3ufall 
unb äBidfür l^errfd^eu/ fonbern bap ber abfolute SBiUe/ ber in bie @r« 
fd^einungen eingreift/ ein toeifer^ fttt(id^er unb l^eiliger ifi* 

!Die religiüfe 3ßdf)xf)ät, toeld^e bie ^ebr&ifd^e SQunberibee entl^ait, 
ifi a(fo bie , baf ber ®eif} a($ ba^ bie Statur Sel)errf(^enbe angef(^aut 
wirb« 3)ie @infeitigfeit biefer Slnf^auung liegt aber barin / bap in ber 
Statur b 1 fi bie greil^eit unb nid^t jugleic^ eine ewige Stotwenbigf eit er« 
fannt wirb. @^ feblt l^ier ganj bie 3t>ee eineö Staturgefefted. 

3m 93ewuptfein be^ l^ebriifc^en SSoIfe^ l^at äbrigend bie 3bee bed 
SBunberd eine @ntwidf(ung burc^Iaufen* !Die S93unber ^ ober t)ie(mel^r 
bie SSorPellung ber SBunber nimmt ab, fo wie bie 3eit l^ifiorif(^er wirb. 
3n allen gleid^jeitigen ®ef(^id^tdbä^ern ftnben fid^ feine äBunber mel^r. 
3a in einem ber fpdteften Sudler, im 5ßrebiger ©afomo'd, fommt fd^on 
ber ®ebanfe einer unwanbelbaren , ftc^ ftetö wieberl^olenben Staturorb« 
nung bor, womit an<l) bad repeftirenbe^2)enfen ben alten, f(^ranfen(ofen 
ffiunberbegriff aufgegeben l^at. 



Grfier 9l6fd§nitt. SSon 1100— 850* B. @a(omo. 189 

Äönnen wir übrigen« M fielen SaSunbern ber dtteren 3^it au^ 
no(^ bcn naturlid^'en, j)rofaifc^cn ®runb crblWen, j* 93. in bem Durd^* 
juge bwrc^« rotl^c aWeer, in bcm SWanna bet ®ü|ic, im Untergänge So* 
bomö unb ©omorr^a'öu. f. »♦, fo waren bief bod^ im Sinn ber graduier 
SBunber^ unmittelbare @inn)irfungen ®otted* Ded^alb if} nid^td t)erfel^r« 
ter, afö bie fogenannten natürlid^en 2)eutungen ber SBunber, inbem man 
burc^ afierlei Äunfigriffe baö SBunberbare unb Unbegreifli^e l^inau« )u 
interpretiren [ud^t unb baburd^ eine profaif(^e gewoJ^nlid^e ®efc^i(l)te 
fid^ jurec^t mad^t. SQSir l^aben ))ie(me^r im äBunber eine beftimmte ^\U 
bungöfiufe ber aWenfd^lg)eit anjuerfennen , eine befonbere )>oetif(^e gorm 
be« religiöfen ©tauben«^ aber feine beglaubigte ®efd^id^te. 



2)ie SSoIWfage, tt>ie fd^on bemerft, iji in einer fortwdl^renben leben« 
bigen (Sntwidtlung begriffen unb wirb mit ben 3been jebeö 3a^r]^unbertö 
getrdnft unb erfüHt, biö fte enblic^ i^re gefifiellung burc^ bie ©c^rift 
erlangt. !Diefe (e^te abfc^üef enbe ßiit n)irb namentlid^ in ber ^uffagung 
ber Sagen fiarf l^enoortreten. ©o ifi bie l^ebrdifd^e Sage burd^aud wn 
bem nationalen ©tnne unb ber politifd^en ^5^e ber ä^lt !Dat)ibd unb 
©atomo'ö burc^brungen. ^a, bieß SRefultat n)irb f(^on im Seben ber 
Patriarchen t>orbereitet, inbem i^nen üer^eifen tt)irb, baf il^re 9?ad^fom« 
menjßaläfiina beft^en unb baß Könige aud i^nen l^er)>orge^en foUen* 
Slußerbem n)urbe bem 93olfe fein eigene^ äBefen unb ba6 , xt>a^ e$ ale 
Siufgabe feinet Sebenö anfa^ unb xoa^ ed )u erreid^en f}rebte / in feinen 
@tammY>dtern gegenftänblic^ unb jur wirHic^en Slnfc^auung gebracht* 
@d l)at bief jugleidb einen allgemeineren ^ et^ifd^en ®runb/ ber mit ber 
ganjen Sßettanfd^auung be^ l^ebrdifd^en SSolfeö )ufammen^ingt. 

2)er Äern biefer SBettanfc^auung ifi, tt)ie gefagt/ bie 3bee be« @it« 
tengefefteö* 3)ie ©ittlid^feit aber iji wefentlid^ ein ©ollen, ein ©treben, 
ndmlic^ bieß / bie innere gtei^eit ju realiftren unb fic^ al^ ein ganjed 
unb fttttic^ed SBefen au üollenben. Sn biefem ©treben liegt eö notwen* 
big/ baß ber @inaelne ftc^ in feinem Momente feinet Sebend ald fittlid^ 
t>öllenbet betrachten fann, felbfi ba nid^t, wo er mit ®ott ftc^ tjöllig t>er* 
föl^nt fül^lt. ?lud& ber ®erec^te fünbigt mit feiner Seit. 

^ud biefer Unauldnglid^feit beö ftttlid^en Seben^ entf}e^t nun ))on 
felbfi bad SBebürfnid/ ein Sbeal , ein äRußerbilb aufauflellen , in welchem 
bad ftttlid^e ©ollen unb ©treben al^ real unb t^oOenbet angefd^aut wirb. 
3n ber l^ebrdifd^en Sieligion f5ntTte man ®ott felbfi fär ein fold^ed 3beal 
t)ollenbeter ©ittlic^feit l^alten, inbem ja an bie S^raeliten bie ^orberung 



190 3tvrite $eriobe* fßon b. ©rfinb. M Stini^ii). m g« Snbe bed (Srifd. 

crgel^t, IgicUtfl ju w>erben, tt>ie ®o«; b« 1^. i^r aBille foK mü bcm ©it» 
tengefe^ t>öaig übereinftimmen tt)ie ber göttlid^e äBiUe« 

aaein befiimmter faitn ein fol^ ftttli(i^ed »orbilb für bcn S»enf(^en 
nic^t ein übernatürliche^ / göttli^eö SBefcn fein ; benn bieß f onnte ber 
ÜRenfd^ boc^ nie ganj erreid^en, fo baß bad ©ittli^e immer nur ein 
©oBen bliebe unb niemaW ein tval^rl^afte^ ©ein tioürbe» 2)e«^a(b fann 
biefe ftthic^e SSoUenbung bed SRenfd^en auc^ nur in einer n)irfii^en/ 
menf^(i(^en $erfön(i(i)feit t)orgeßeIIt n)erben. 

ein foI(3^e« 9Ru{}erbiIb eineö ftttli^ üollenbeten SKenfc^en ^ai nun 
auc^ bad ](^ebrAif(l^e 93oIf aufgefleOt^ unb itoax ein boppeltc^ ; ein^/ bad 
in ber Sergangenl^eit liegt unb ben 9(nfang i^rer ©efc^id^te bi(bet* !Die$ 
ift bie SBebeutung ^biaffam^ unb ber ^atriard^en überl^au))t. 2)a^ 
gleite, fpdter aufgefteCfte aWujierbilb liegt in ber 3wfwnft «nb wirb am 
6nbe ber 6nttt)idlung beö gangen SSoIfeö erwartet» 3)ie|i ifi ber SWef * 
f iad, in welchem bad SSolf fi^ ald bie wirHid^e @in^eit»@ined ftttlic^en 
SBiBenö anfd^aut. 3m SReffiaö iji ba« fittIi(l&e©oUen unb ©eignen \)oH* 
fommen realiftrt/ unb gwifc^en ^Ibräl^am unb il^m liegt bie $eriobe bed 
Äampfeö gwifc^en bem fittlit^ ®uten unb Söfen. 

©0 tdtk l^iflorifc^ treue Überlieferungen bad itUn Slbra^amd audf 
entl^filt, fo gel^ört boc^ ber etl&ifc^e ^intergrunb blefer ©agen tt>efentlic^ 
ber ©alomonifc^en ßüt an unb trfigt gang baö ®ej)rdge ber Silbung 
biefer jperiobe» Sbenfo ^arafterifiren bie urtt>eltli(i^en ©agen , bie mit 
ben J)cix&V[6)en ©tammfagen gefci^idt in SSerbinbung gebracht ftnb/ fjiijfi 
anfd)auli(l^ ben ®eiji jener 3^i^/ J* S3» t>'^ erjie ©(i^opfungögefc^i^te. 
»gl. ©. 182 ff* 

Um aber biefe ©agen gur Sl^arafteriftrung bejiimmter 3^^*«« b^*' 
nu^en gu fönnen^ müpen wir bie*3^it ^^^^^ Slufgeid^nung überl^aupt l^ier 
furg angeben* 

Ute BufammtnfteUunQ Irer t)tbräifd)tn bolkzfas^n. 

1) !Daf ber 5ßentateud^ in feiner jeftigen ®efialt unb feinem 3tt* 
l^alte nac^ Weber )>on SRofe, no^ \)on einem 3(ugengeugen ber mofaifd^en 
3eit gefd^rieben fein fonne, iji ein« ber unumfioplid^ften (Srgebniffe ber 
^ifiorifc^en Äritif. !Die ®efcl^i(^töergfil^Iung Ibat no^ einen burc^aud 
fagenl^aften Sl^arafter unb ift \>oü innerer SBiberfprud^e* Offenbar war 
ber religiöfe unb ftttlid^e 3uf}anb beö SSoIfe^ in ber dltefien 3tit ein an* 
berer, atö wie er l^ier erfd^eint. SBad bit ®efe$gebung betrifft, fo begiel^t 
fte fid^ wefentli^ auf ba6 anfdf ige geben in ^aldflina , ba6 bem SRofe 



Srflrr SlBfd^nttt ffion 1100-850. B. (Salomo. 191 

itnbefannt toax. tibexf)aupt 6{(ben fic^ fo($e ©efe^e burd^d 8e(ett/ butc^ 
$tarid unb ®en>ol^n^elt oitd ( nid^t abet fann ein Singelnet ^e jum 
^oraua enttDerfen unb einfüllten« !I)affelbe gilt t)on ben ^tiefletgefe^en. 
Äac^ bem ?Pentoteud& erfd^eint freiließ bq« ^JtiefieTOefen f(^on in ber 
aSBüße/ int 9lomaben)ufianbebed9k)lfed/ fo au^gebilbet/ n)ie)ut3^<t 
be$ ®a(omon{f(^en 2;empe(0. StOein biefe 9(nffapung tfi gefd^id^tlidb un< 
rid^tig, , toie mir and anbern CueUen n>ifen/ namentlich aud bem SBud^ 
bet Siic^tei: unb aud ben Suchern 6amuel6. 

3nbe$ gibt f{(^ ber ^entateud^ aud) gar nid^t ffir ein Sffierf 9Rofe'^ 
GUd. @d ]^ei|tnur bei einjelnen ®efe^en^ baf SDIofe fie aufgefc^rieben. 
(Sine fo((^e Semerhing n>dre n)iber finnige n^enn man afUed t)on i^m l^et«- 
geleitet ^itte. 3ubem fann ber $entateud^ nur in $aldfiina gefd^rieben 
fein unb jwar nid^t t)or ber @infu^rung bed Aonigt^umd , nid^t \>ox 
®aul unb 2)at)lb« aSgL 1 5t»of- 17, 6, 16- 35, IL So ^eigt fogar 
1 äRof. 36, 31 mit bärren äBorten: baf bie Sbomiter bereite JTönige 
l^atten, ^bet>or nod^ l^errf d^te ein Jtinig über bie Jtinber 
3«rael«.^ 

Sefiimmter aber l^aben fUS) brei ))erfd^iebene SJerfaf er an ber ßn* 
fammenßeOung be^ ganzen SBerfe^ betl^eiligt. 

1* !Der JBerfaper ber ©runbfd^rift. 

2)iefer lebte nad^ aden ®))uren }u urtl^eilen unter ®aIomo unb 
Pente bie wefentlicbfiett S;^eile beö Ißentateu^^ tl^eilö nac^ Älteren Ur^ 
funben, t^eild unb jwar ^auptfa^Iic^ nac^ münbfic^en Überlieferungen 
jufammen. Sluf fold^e ältere iDofumente wirb auöbrüdtlic^ ^ingewiefen, 
i. ». 4 ü»of. 33, 2, baö 9Serjeic^ni6 ber JRelfefiationen in ber SBüjie, 
baö t)on 5Wofe l^errfi^ren foH* Die Eingabe ifi jwar nid^t gefc^ic^tlicft 
treu, }eigt aber, baf ber SBerfa^er l^ier eine Altere, für mofaifc^ gel^altene 
Urfunbe ef nfc^altete. 3)ajfelbe ti)at er wol^l mit einzelnen ©efeften , bie 
er bereit« aufgejeid^net t)orflnben mochte, obwol^l bie aWel^rjal^l berfetben 
offenbar erfi bamalö nac^ ber ®ettung im Seben aufgef^rieben n)urbe. 
— Die JIrennung in ein fübti^eö unb n6rbli(^eö 9?efc^ fennt blefer SBer* 
faf'er nod^ ni(^t« Gr fprld^t ba^er mit ungetl^eiltem 3ntereffe öom ®an^ 
jen, ja mit einer gewipen SSorliebe üom Stamme Sfraim, j. 93» in ber 
©efc^ic^te 3ofefö* Sr lebte alfo etwa in ben Sauren jwifc^en 1000 bi6 
975 t)or e^r. 



!Det jtDeite «^auptoerfafer be^ $entateud^6 t)erfo(gte feinen fe(6« 
ßdnbigen ^lan, fonbem überarbeitete unb t)ert)oQfl&nbigte nur ba^ S3erf 
beö alteren SBerfafer« ; bal^er wir il^n am befien aW ben Srfldnger be« 
gei^nen» IDie alten @agen tverben ^ier im SlQgemeinen ibeeOer gefaxt/ 
M fcfil^er* 2)00 !Denfen erfc^eint entmicfelter* 9{amentli^ ^at biefer 
Srflfinjer bie »on Sinken efngetDanberten m^t^ifd^en ©toffe, tt)ie bie ®e« 
f(l^{d)te t)om 5ßarabiefe, t)om ©ünbenfaBe^ öon ben ®iflanten w. f* tt). 
in bie ©runbfci^rift aufgenommen* 3)abei liebt er tt)ie bie fpÄtere ara« 
btf(]^e @age bad ))oetifd}e Slbrunben unb $(u$ma(en einzelner S3eges> 
ben^eiten wie 1 SRof* 18—19, 24» 4 SWof* 22—24, »dl^renb bet 
Altere SSerfaper mel^r einen großartigen gefd^id^tU^en «^intergrunb t>ur<i^« 
bliäen (dpt unb ben e))ifcl^en 3ufammenl^ang immer im ^ug< ^at. auf er^^ 
li^ erfennt man biefen (Srgd^Ier an ber rein profaifd^en, aber mti)X fünft« 
(i^en IDarfteUung , toA^renb ber ältere 9}erfaf er nod^ gan) poetif^ unb 
l^o(^fl einfad^ fd^reibt. Serner tfi ein ^auptfennjetc^en bi^ 2 3Rof* 6, 2 
ber ®ebraud^ ber ®ottednamen: !Der Altere ^iftorifer nennt ®ott in 
ber t)ormofaif(^en 3eit (SU^im unb bemerft audbrüdlid^ 2 9Rof* 6, 3, 
baf ®ott unter bem SRamen 3a]^\)e (3el^ot)a) nic^t ben ^Jatriard^en, 
fonbern erfi bem SWofe ftcft geoffenbart ^abe. Ded^alb gebrandet bet 
aSerfaper ber ©runbfd^rift erji t>ott 9Wofe an biefen fpdteren Kamen. !Der 
Srgdnjer bagegen gebrandet il^n üon 9(nfang an unb fü^rt i^n fd^on bei 
ber S^öpfungögefd^ic^te 1 aWof. 2—3 ein. (Sbenfo 1 ÜRof. 4. gerner 
in mehren ©teilen ber gtutfage, Ä. 6, 1—8. 7, 1—10. ©obann beim 
geben Slbra^am^, 1 SRof. 12-16. 18-19. 24. — 3m 2 83. aWofe'd 
fc^attet er Ä. 3—12 ein, bie ©efc^id^te ber dg^ptifd^en plagen, gerner 
Ä. 14—15, ben !Dur*jug bur^ö rotl&e SWeer* Ä. 16—17, bie ©un« 
ber üon bem SKanna in ber SBufie unb bem SBaf er au« bem getfen. 
gerner bie Srjd^lung übet ben SlbfaH bed ganjen ffiolfeö unb bie 93er* 
fldrung ÜRofe'd, 2 g»of. 32—34. — 3m ganjen britten Suc^ ÜKofe'« 
l^at er nur Aap. 26 , eine prop^etifd^e SSSarnung unb Drol^ung l^inju* 
gefügt, wenn bief ©tüd ni(^t üielmel^r, tt)ie 6walb vermutet, einem 
ettt)aö fpdterem aSerfaf er jugef^rieben werben muß. — 3m 4. 93ud^ 
fd^attet erÄ. 11 ein, bie 3Bunber in ber 5Rd^e Äanaan«, entfpred^enb 
ben SBunbern in ber SBfifle, 2 ÜKof. 16. »efonber« aber rü^rt bon i^m 
bie ganje ®ef(^d^te ©iteam« ^er, 4 a»of. 22—24. ^at er biep ®t&d 
aud^ wol^l ni^t felbfi gebid^tet, fo ifi bo(^ ein deitgenoß be« @rgdn)erd 
unfteeitig ber äJerfaf er beffelben unb er nal^m bief feltfame propl^etifc^e 



^(Sr^et SKfd^nitt. Son 1100— 850. B. <Sa(onto. 103 

• 

®ebi(^t auf* dniHä) Qtf)ixt il^m ber Seflen SRofe'« an, im 5 ©. 3Rof . 33, 
worin bie Ocfc^ic^te 3öracl« bid inö 9. 3a^r^. ^crab fopirt n)irb* — 
Seine OueOen tvaren tl^eild ®agen unb mänblic^e Überlieferungen, 
tl^eiiö auc^ v^o^l Altere fc^riftlid^e Urfunben, wie 1 9Jlof. 14, ein nierf> 
wflrbiged @tüä fiber Slbral^ant; ferner 2 9Rof« 15, bad ^affalieb. Sgl* 
2 SRof* 17, 14. 9Ran(]^ed i{} au(^ unftreitig fc^on eigene freie !Di(^tung 
gu religiöfen ^weätn. !X>a^in geleert ). 9. bie @r)i^Iung ber fig^pti* 
fdien $(agen unb bie @ef(^i(^te bed SbfaU^ in ber S93ufie, womit er 
)>or)ug6tt)eife ben Snl^dngern bed Jtdlberbienfled im nirbiic^en Steici^e 
ein abf(^redenbe$ ©emilbe t)or^a(ten wollte. 

9Bad bie 3eit betrifft, fo lebte biefer @rgAn}er am @nbe be^ 9. ober 
ju Anfang bed 8. Sal^r^unbertd, furj t^or ober nad^ bem äa^re 800 t^or 
(Sf)U — 2)ie dltejien ?Prop^eten wieSoel, Slmo«, ^ofea unb ^efaja 
6aben feine ©rgdnjungen fcfton gelefen. Sgl. 3oel 2, 13 mit 4 aWof. 
34; 6. amo6 2, 9 mit 4 3»of. 13, 32 ff. «u« biefer Seit erflArt fi^ 
unter 9(nberm aui) ber 9Iational^a$ gegen bie benachbarten SBölfer, bie 
feit bem 10. 3al^r^. fid^ allmil^lig wieber unabl^fingig gemacht l^atten. 

Um bief ^apM l^ier abjutl^un, mögen fogleid^ noc^ ein paar 9e« 
nterfungen aber ben britten ^aupttterfafer folgen, obwol^l er einer noc^ 
fpdteren Seit angehört. 

3. !Der SSerfaper bed iDeuteronomiumd. 

Dad IDeuteronomium feftt ben Snl^att ber übrigen 4 JBfi^er beö 
^entateud^d ))oraud unb benu^t il^n )u erbaulid^en ßwtätn. 2)er ®tit, 
ber im allgemeinen bem beö $rop^eten äeremia gleidbt/ ifl bur^aud 
r^etorifd^, fo baf wir benSSerfaper am befienald benOefeftprebiger 
bejeid^nen. 2)ad SBud^ ifü ber «^auptfad^e nad^ baö S93erf eine6 einjigen 
SSerfaperd unb f)at bal^er mel^r @in^eit unb ®lei(^f5rmigfeit, ald bie an« 
bem Sfid^er. !£)er SSerfafer ermahnt bad SSolf , will ed rä^ren unb il^m 
ba^ ®efe$ an'^ ^erj legen. 3)abei blidtt bie ©egenwart biefeö ®efeft* 
prebiger« überaß beutli^ genug bur<^. 6o iji ö 3»of. 28, 33-36. 
auf ba« (Sril ber 10 ©tdmme ^ingewiefen. 2)ief begann 722 \>ox Sl^r. 
— 5ßriejier unb 8et>iten erfc^einen l^ier aW gleid^bebeutenb , wd^renb in 
ben anbern Suchern nur bie @öl^ne Sll^ron^ ^riefier ftnb unb bie Set^iten 
il^re 2)iener. 9?ad^ ber Sluflöfung bed nörblic^en 9iei(^6 flol^en ndmlic^ 
ülele Seilten na^ 3uba, woburc^ fh^ il^re frül^ere Stellung dnberte. — 
ScbcnfaB« befianb ba« 9lei<^ 3uba noc^, aW biefer JBerf. fc^rieb. 3a er 
fc^reibt nod^ red^t eigentlld^ für 3uba unb fül^rt bad @ril ber 10 Stdmme 

Oef^. b. ^pft. fRationatlit. b. ^tf>t. 13 



194 ßrotitt ^evipbe* Sien b* ®runb. b. MniQtti. m jum (Tnbe b* QxM. 

« 

<xl9 ein abfc^rerfenbe^ Seifrfcl an. (Sr fc^rieb etwa jw>{f(^en 700 b(« 
650 t)or S^r^ — Stuf bem ®runbe feiner mal^nenben 3ieben begann ber 
Aönig 3o{ia um 625 feine befannte Steformation bed MuUM in 3e« 
rufaiem» 

9lud bem erbau(i(^en 3^^^^ bed SSud^d erfl&rt ftd^ genugfam bie 
flanje gorm, bie ftc^ t)on ber ©efc^i^te unb alten aSoiWfage weit ent* 
fernt* «^iet wirb nun aud^ jum erfien SRale ba^ gan)e ®efe^ auf 9Rofe 
)urü(fgefül^rt ^ a(fo boc^ immer noäj nl^t ber gefc^ic^tlic^e ^l^eil bed 
fßentateu(^^. (£$ ifi btef eine arglofe S^tm/ ber bie fp&tere 3tit fi^ im« 
mer me()r bebiente/ um ben äBorten Kad^brud ju geben* 93on Setrug 
unb abft^^tlid^er Sidufc^ung fann nid^t entfernt til 9tebe fein* '^ofe 
mt biefe (angen ^rebigten !ur) )>or feinem Siobe in ber moabitif^en 
ebene, bie jeboc^ unferm Serf* „i^nfeit^ be6 3orban«'' liegt/ womit er 
f}<^ ganj unbefangen a(d einen in $a(äfiina fc^reibenben )u erTennen 
gibt. @r erfidrt noc^ einmal bad ganje ®efe^ mit 9!a(^trfigen unb 
manchen ^binberungen , wie fte bamald galten ober gelten foÜten* !Der 
®<^luß über ben Zo\> SWofe'd gehört noc^ ber ©runbf^rift an, auf bie 
wir je^t }urü(ffommen« 

3ene^ alte Sagen » unb ©efeftbud^ ber .^ebrder , bie ©runbf^rift 
be« ^ßentateud^d , enbete urfprünglid^ nic^t mitbemS^obeüHofe'd, fon* 
bem er)il^(te noc^ bie (Eroberung unb 93ertl^ei(ung bed Sanbed unter 
3ofua. 2)ettn erji l^iermit ifi bie Silbung ber tl^eolratif^en ®emeinbe 
)u einem gewipen Siul^epunfte unb )u einem ))orIfiuf!gen 9Ibf(^(u|le ge* 
fommett/ nid^t aber mit bem Zo\>t 9Rofe'd* (Sd ifi andf (Ängfl an* 
erfannt/ ba$ unfer ie^iged 9ud^ 3ofua ben wirflid^en unb notwenbi» 
gen @db(u§ ber ©runbfc^rift bed ^entateuc^ed bilUti, unb ed (af en fid^ 
unf(^wer bie brei äierfaper / bie am $entateu(^e fi(^ bet^ieüigt l^aben, 
and) l^ier im StQgemeinen nad^weifen* 

3ur ©runbfd^rift geboren 3ofua St. 2* 9. 11—12* ©obann ba« 
geograp^ifc^e ^iüd St. 13 — 19, welcfteö bie Sage ber Stdmme unb 
©tdbte befd^reibt, wie fte jur S^it Dat^ibö unb ©alomo'd befianb. 
©agen^aft i^ babei nur bie er}äl^(ung/ bap bereite Sofua biefe Sbtorb« 
nung unb Suf^eic^nung ))eran(aptj^abe» !Den ©d^(u^ biibete bie Sladb« 
ri^t aber 3ofua'd Sob* — S)ie ^anb be^ Srgdnjer^ erfennen wir ganj 
beutti(^ Ä. 2— 3 bei bem Übergange über benäorban* ferner A» 5* 
1—12* »gl* 2 aRof* 16 unb 4 S»of* 11. ©obann treibt er mit St^. 
moiogien ein buntem ©piel wie im ißentateu^e* ©o fc^eint bie ganje 
®ef(^id)te ber Sefd^neibung )u ®i(ga( nur bur(^ swei 9{amen loeranlof t 
ju fein* 



etflev 3l6f(!^nm. iBon 1100-850. B. (galomo. IM 

^ebeutenber ifl bie @^rift iuxi) ben SerfAfer bcd 2)euterono« 
miumd ü^catbeitet toorben. ®Ui^ k. 1 beginnt et emal^nenb unb 
(e^renb }u teben^ fo ba^ man auf bet ©teile ben ®efe^)^rebigec bed 
!X)eutetonomium^ uoieberetfennt« (Sbenfo greift er am @(^Iu§e be^ Su« 
c^e^ S. 23—24 flarf ein. 2)ie ma^nenben unb brol^enben SBorte be0 
fierbenben äofua Hingen gait) n)ie ein (Sd^o aud bem 3>euteronomium. 
^(ud^ in ben mittlem ©tfiäen l^at er manc^e^ i^injugefflgt. @o leitet er 
)* S* A. 5, 13 ff. bie Eroberung äeri^o'd burc^ eine (Snge(»93ifton ein 
na^ 2 9Rof. 3. !Docl^ ift l^ier ni^t ber Drt, bief totitti au^jufü^ren. 
9{ur bie aügemeinflen ^^nbeutungen unb Umripe mußten l^ier gegeben 
»erben. 

« 

2, !Da0 in)eite ^ebrfiifd^e ®agenbu(^ , baö neben ber ®runbf(^rift 
iei $entAteu(^d feine (Sntße^ung ber 6a(omonif(^en Seit ))erbanft^ iß 
badSud^ berSiic^ter^ bad eigent(i<^e<r «Reiben buc^'' ber Station. 
6e ent^dlt fel^r alte unb n)ern)oae Siefie ber ^ebrAifc^en a3o(fdbi(^tung 
unb itoax tl^elid in ))oetifd) rl^^tbmifc^er gorm n>ie ba^ !Debora(ieb unb 
bie ^abel 3otam'$ , tl^eitö in $rofa aufgelöfie / mit SBerfen untermifd^te 
e))if^e !Did^tungen^ j. 93. bie @r}d^(ungen aber ®imfon. 93gt. baruber 
@. 97 ff. !Dad gan)e 9ud^ trägt ben 6(;arafter einer treuen, unt>erfun* 
jielten SSoIfdfage. Ol^ne ))riefierU^ed 3ntereffe unb olgine ibealiftrenbe 
S^enben) entwirft ber (Srjd^ier in einfädlet/ a(tertl(füm(id^er'98eife/ bie 
nid^t feiten ganj ibi^Otfd^ wirb/ ein l^föc^fl anfc^aulic^ed ®emft(be t)on 
ben nationalen j?&m))fen unb )Don bem 9Jo(te(eben iener Sa^r^unberte, 
unb uhterfd^eibet ft^ bur($ biefe Statärlid^feit unb e(^t t)o(f$t]^ämlid)e 
SBal^rl^eit fe^r t)ortl^eiI^aft r>on ben fpäteren !X)arf}eIIungen bed $enta« 
teuc^d unb be^ SBuc^ed 3ofua. 

3nbe^ wie bad 9u(^ je^t t)orIiegt/ fann ed ni^t aud ber^^anb 
eine^ einzigen Serfaf erd ^en)orgegangen fein ; )>ie(mel^r (af en ftd^ l^ier 
wie bei ben meiffen l^iflprifd^en ©d^riften ber «g^ebrier wenigfiend jwei 
@ra&^ier benimmt unterf (Reiben. SSon biefen ßeQte ber eine bie ®efd^id^te 
ber Siid^ter nad^ munblic^en unb t>ie(Ieid^t aud^ fd^on f(^rtft(i4|en ä}o(f^< 
fagen unb SSolfdliebern }ufammen; ein anberer, fpiterer ergdnjte Sinjei- 
ned unb frifd^te bad alte ®emd(be mit neuen Siebtem unb ®4iattirungen 
auf. 3ene ®runbfamm(ung gel^ort fd^on bem innern @ffarafter na(^ fo 
wie na(^ ber frifc^en, nait) finblid^en IDarßeHung ju ben frfi]^f}en äßerfen 
ber J^ebr&ifc^en Siteratur unb mag gieid^jeitig -mit ber ®runbfd^rift bed 
$entateu(^0, runbgered^net etwa umd 3oXfx 1000 iDor (S^t. nieber« 
gefd^rieben worben fein. S)af einiget barin. aud ber ®runbf<^rift be6 

13* 



196 ätotiU ?Periobe» fflon b* ©riinb. b» ÄSntgtl^» BU jum ®nbe b. QxiU. 

5p«ntatcu^cö (atid ber fogenanntcn 6lo^im*Utfuiibe) cntlcl^nt fei, 
vermuten be SBettc unb 6tt)alb ol^nc @runb» 9?od^ unfic^erer ifi bie 
^^pot^efe »on ©tdl^clin, baf ber Äcrn beö SBud^d tjom ffierfafcr bcr 
3a](|t)e * Urfunbe , b. i. t)on bem ßtgdnjer be^ 5ßentateu(i^d ifcrtfi^re» 
3)k Sieflicxiondbifbung biefe^ 9Serfapei:6 fo wie feine SSerel^ning bed ®e« 
feje^ ftnb ijim t)oni8 fremb. 

D« Überarbeiter be^ Siic^terbud^d brachte in bie alte «^elbenfofle 
ein mel^r bibaftifc^eö wnb erbauliche« Stement, inbem er »ieberl^olt bie 
fd^Ummen golgen bed ®6ftenbienfte6 unb ber Slnarc^ie l&ert>orl^ebt unb 
auf bie SBo^lt^at einer georbneten i^errfc^aft l^inbeutet. Salier bricht er 
juweilen in bie SBorte an^: ;,2)amalö war fein Äönig in 3«* 
rael, jeber tl^at »aö i^m rec^t bdu^te** Ä» 17, 6. 21, 25. 
aSon i^m rül^ren ferner bie ftel(|enben Sluöbrfirfe ^er: „Die ©öll^e 3d* 
taeld ful^ren fort ju tl^un, waö bofe tt)or in ben Slugen ^df)i>e'^.'' 
M. 3, 12. 4, 1. 6, 1. 10, 6. 13, 1. gerner, wie ftebaun ju (Sott um 
^ülfe fc^reien. 4, 3. 6, 7. 10, 10. 3)ie SarfieHung Ä. 2, 1 — 4, 
wonach t)or ber g6ttH(i^en .g)ulfe ein (Sngel ober 5ßroj)^et fommt unb beut 
aSoIfe eine ©trafprebigt J^dlt, biefe wieberl&olt er auc^ St. 6, 8—10. 
@benfo entwidelt er no(!^ einmal au^ful^rlid^ feine ©runbanfid^t aber bie 
«Ric^terjeit, feinen t^eofratifcfeen 5pragmati6muö, Ä. 2, 6 biö Ä* 3, 4, 
inbem er abermals an bie ©efc^id^te 3ofua'd anfnüj)ft» ©eine ^nfic^t 
t)oh ber Ki(^terj)eriobe ifi biefe: Wac^ 3ofua'« S^obe entfielet ein bofed 
©efc^led^t, ba« feinen ®ott t^erlfift unb bem ©aal unb ber ?ljiatte 
bient 3)e«^alb gibt auc^ ®ott fte bal^in in bie ®maü i^rer geinbe, 
bid ba« aSolf, burc^ 8eiben gebeugt, ju Sitten fld^ wieber ergebt, inbem 
ein gottbegeiflerter SRann jic^ an bie ©pi^e ßeHt* 

^aij biefer t^eofratifc^en ^nfd^auung wirb nun bie ganje ®ef(^id^te 
fonftruirt» @d ^errfc^t ^ier ein regelmäßiger, wellenartiger SBed^fel bon 
©c^utb unb ©träfe, 'oon ©eßerung unb Segnabigung, bon ®Iaubett 
unb Unglauben» ©o lange ein Slid^ter lebt unb burc^ ben IDrang ber 
Umflfinbe gel^oben einen gewiflen 9Äittelpunft ffir bie allgemeine 3^t* 
rlpen^eit bilbet, fo lange iji baö aSolI bem 3a^be getreu unb lebt glud* 
lic^; mit bem 3:obe be« Sii^terd aber ftnft e« in ben alten ®6^enbien{} 
unb bamit in Äned^tfc^aft unb Slnarc^ie jurürf. 2)iefe tl^eolratif^* 
^ragmatifc^en Slnftd^ten l^at ber }Weite SSerfaßer gleic^fam al6 neue 93er« 
bihbungdglieber in bie @r)&^lung ber Z1)at^d(fitn ^ineingef^oben unb 
baburc^ bem ganjen ©uc^e ein anbere« Slnfel^en gegeben* ^um ®lfi(f 
aber l^at er bie alten (SrjAl^lungen felbfl unber&nbert geladen unb e« 
gebort nur ein mäßiger ©^arfftnn bajn, um biefe ©etra^tungen unb 



(St^tx m^äinitt aSon 1100— 850« B. @almo. 197 

allgemeinen motalif^en Uttl^eile a(^ fpdtere ßniffatm )u etfennen unb 
absutrennen* 

Um nur ein 9eifi)ie( biefer berfd)iebenen Stuffafung^weifen anjU' 
fuhren, fo bemerft bet Altere @r)dl^(er fRldjt 3, 1 f. ^ baf ®oH me^re 
fananitift^e 935(!er unbefiegt Heß, um auij bad f]^cltere idrae(itif(^e ©e^ 
f^Iec^t/ weld^eö bie ^dm))fe 3lofuad nic^t mitgemad^t f)atU, im Jtriege 
}u üben* 2)ad flingt gefunb, ^e{benmdfitg unb altert^umli^« ^uc^ be* 
merft er einmal Ä* 1, 19, baf 3uba bie Sewol^ner ber (Sbene ni^t t>ers 
treiben fonnte, n)eü fie eiferne (Streitmagen l^atten. !Der fp&tere 
Öberarbeiter fc^iebt bagegen ade @c^u(b ber 9{i(^tt)ertre{bung auf ben 
SlbfaK bed SSolfed unb auf bie SSermifd^ung mit ben ^ananitern, n)e^« 
l^alb fie ®ott jur ©träfe fo oft in bie .§anb ii^rer ©egner ba^in« 
•gegeben» SBgl. JRid^t. Aap. 2* — Seibe äuffafung^weifen Mnnen na« 
tär(i(^ nic^t einem unb bemfelben ^opfe jugefd^rieben n)erben« 

3)er 3^it na«^ lebte ber Überarbeiter bed JRic^terbiic^« in ber SWitte 
beö 8. 3al^rl^unbert« , ober balb nac^ bem 3al^re 740 »or Sl^r. !Denn 
Ä* 18, 30 ertt)fi^nt er ein Sril, womit nic^t fotoobl bie gortffil^rung ber 
10 (Stamme (um 722) burc^ ©almanaffar, ald t)ielme^r bie (SntDölferung 
be^ Stammet Staftaü unb mel^rer @tibte inxd) Siiglat ' $i(efar um 740 
gemeint fein wirb« (93gh 2 Äön. 15, 29. Sefaja ß, 23.) 



S3(i(fen wir jle$t )nrüd auf bie ditefien nationalen Sagen ber «^e« 
brAer t)on9tbra^am, 3afob unb 3ofef , auf bie @r)&l^(ungen, wie bie 
®tAmme )u einer Station aOmd^Hg fid^ l^erangebilbet, auf bie bebeuten« 
ben ®(^iäfa(e, bie fie w&^renb il)xtt 9Banber)üge befonber^ in %9pten 
erful^ren, fo fd^einen bamit ade Elemente }u einem t>ondt^ümIid^en @pod 
Wie \)on felbft gegeben ftu fein» — Unfireitig würben, wie wir jum of« 
tern ju fe^en ® eiegenbeit l^atten , bie ilteßen %i)attn unb (Sriebniffe in 
Siebern tjerl^errlid^t unb bom SSoffe fortgefungem SBir finben fogar 
fdbon frü^ jwei Sieberfammlungen, nAmÜc^ ^ba6 9ud^ ber «Kriege 
3al^^e'«, 4gRof. 21, 14 f., wofelbji ein altert^ümlid^er poetifi^er 
(Spru^ ane bemfclben citirt wirb. (93gl. S« 52). g« enthielt wo^l 
wefent(i(^ bie erften ^dmpfe bed IBolfed in ber SQfifie unb in ber M\)t 
itanaand, ec^t gefc^id^tlic^e, glei^jeitige 8ieber mit wid^tigen geograp^i« 
f(^eH Angaben« Sldein ein eigentüd^ed ®efd^i(^tdwerf, wie Swaib meint, 
war ed nidfU — 2)ie )Weite Sammlung, ^ba6 $u^ bed S3rat)en'' 
(ober Steblic^en), umfafte mt})x bie äiidbterperiobe unb gieng, fo bie( 
wir Jel^en f innen , biö auf bie babibifc^e Seit ; benn lDat)ib0 @legie auf 
@au( unb äonatan befanb fi^ noc^ barin* 2 @am« 1/ 18« 



198 StDtitt gJrtiobe* aSott.b. ®ntnb. b* ABnigt^. hÜ jum ®ttbe b* ®rtfö. 

3n bicfen ©ammluuflen , einet oltl^ebrÄif<^en „^ama^a," bfe 
tt)al^rf(^einU(i^ ber ßeit !Daüibö angel^ören, jeigt jtd^ ber erfte @(^dtt^ 
bie einseluen t)o(fdt]^fim(i(i^ett ®efdt)ge )U einem größeren ©anjen^ 
ju einem nationalen (Spod ju »erbinben* Diep tt)Äre f)Ux, tt)ie ed 
f^eint/ um fo (eid^ter getoefen/ ba aQj^ biefelbe ))o(f^t^fimIi(^e ®ntnb« 
(age l^atten. @d 6eburfte nur einer ec^t nationalen !Di(^terfraft unb 
einer g{fi(fli(!^en/ gel^obenen 3^it ^i^ bie ba))ibif^ 4<t(<>^^nif^^ e6 n^at/ 
um aud biefen badabenartigen Siebern unb ben alten großartigen ^olU^ 
fagen ein n^irflid^eö (Spod ]^ert)or)ubilben ; benn fo glAnjenb !Dat)ib^ 
Z^akn auc^ n>aren unb in einjelnen fiebern gefeiert würben, fo fielen fie 
bod^ wie bie 3;i^aten Slleranber^ unb Äarl6 be^ ®ropen in eine ju ent« 
toidelte unb fci^on )u l^iftorifd^e 3eit/ atd baf fie einem 93oI{def>od |idtten 
jur ©runblage bienen Wnnen» 3nbed boten bie alten ©tammfagen ben 
Hebräern einen ganj geeigneten Stoff bar» — SBenn fie bennoc^ fein 
(Spod baraud erjeugt l^aben, fo muf bief einen tieferen ®runb l^aben, 
ben xolt fjUx no<t) für) in (Srtodgung jiel^en müf en^ 

@6 iß fd)on in ber (Einleitung gefagt, baf ben «^ebrAern tolt aüfen 
©emiten ein ed^t i)tafiif(^e6, obieftit)e^ Äunfiüermögen abgel^t unb baß e^ 
nid)t i^re ©ac^e i|i, großartige Stoffe auc^ in einer großartigen Äunfi« 
form barjufielten. Sonff l^aben fie öiel ©inn für i^re tl^atenreid^e SSer« 
gangen^eit, ffir bieß^it i^rerSSAter, mit ber ed bad Spod immer }u 
t^un f)ati aQein fie (eben bennod^ n^eit mel^r in ber ®egenn)art unb 
3ufunft, ald in ber SBergangenJ^eit, fo baß ald ^ebrdifi^ed 9{ationaU 
Temperament bad d^olerif(^e mit einer )iemlid^en Seimifd^ung bed me« 
land^olifc^en S^emperamented angenommen toerben muß» 3^re ®runb« 
fiimmung ifi Yöefentlic^ l^rifc^ ; ed fel^lt il^nen bie Stulpe unb ba6 aUfeitige 
poetifc^e S^alent, mli^e^ bie eingelnen .^anblungen unb Sieber )u einem 
®an}en, JU einem nationalen (Spod I^Stte verfd^meljen fönnen* Wiae 
bem l^ebrAifd^en ®eif)e gefallen foQ/ muß furj unb fangbar fein, atfo 
l^rifd^* 3« ber cpifd^en SrjÄ^lung aber, in ber bieß l^rifd^e Slement 
bebeutenb jurudftreten müßte, jieüt ber «^ebrier — um ber gefd^ic^tlid^en 
aSBal^r^eit willen unbr wegen feinet Sntereffed am ©toff unb 3nl&alt — 
bie einfad^ profaifd^e !Darf)elIung t)or» 

!Dennod^ foUte man meinen, e^ fei in ber bat)ib{fd^en ober falomoni« 
fd^en3eit wenigftend berSSerfud^ gemad^t worben, bie altnationale ©age 
anäj in einer entfprec^enben poetifd^en Aunftform bargufleUen, jumal wir 
bereite in ber äiic^terperiobe bie t)ortreff(id^f}ett (Spifoben eine^ eckten 
Spod im Siebe ber2>ebora, in bet ©imfondfage unb fon^ t)0t{inben. 
Sdlein bie Stlaxffdt ber ®efd^id^te unb ® efd^id^tfc^reibung , bie mit 6a* 



Srßer Sl^fd^nitt* Son 1100-850. B. ®aIomo. IM 

(omo auffam, n)ie n>ir fallen/ mu^te flircnb itnb (dl^menb auf bie rein 
btc^tcrifd^e ©eßaltung eineö (Spo^ einn>irfen^ iae, n^enn e^ je ^Atte t)er' 
fu(^tn)etben Bnnett/ bamdd alleiii au^fid^t auf einigen (Srfo(g gehabt 
l^itte* Die f^Stete S^it md^ ber l£rennung bed äteid^d )t)ar ju t)em)irrt 
unb gebrudt, a($ baf fteeine fo((^e Sd^dpfung l^fttte l^etDonufen 
Wnnen* — 

2)a}u fonratt noc^ bet angeborne @inn ber Hebräer för ba6 fl&lxU 
lic^e^ 2:^atfd(^(i(l^e unb ©efcbic^tlid^e, ein ®inn, ber an ftc^ ba^ ed^teße 
9?at{ona(epod nic^t gel^inbert i)&ik, tt)enn er nur mit größerer poetifc^er 
®e{la(tungdgabe t)erbunben gewefen n)&re* !Denn ber SRangel einer 
reid^eren äR^t^oIogie ifi nic^t, xoU man n)ol^( gemeint f)at, ber eigene 
lid^e ®runb/ n>aruni bie .^ebrier fein (Spod l^aben*). Kud^ ba6 beutfAe 
@))O0 berul^t n^efentlic^ auf gef(^i(^l(i(^en ®runb(agen, obn)ol^( ^ier 
)* 9. bei ©iegfrieb unb ber 93runl^ilbe/ in9tl()ifd^e @toffe l^ereinragen 
unb mit ll[)iflorif(^en Elementen {t(^ gemifd^t ^aben n^ie in ber f)ebxiU 
f(^en @imfondfage unb in 3afobd näd^tlic^em Kampfe mit ®ott^ 
1 3»of, 32, 24 ff. ?luf biefe uberraenfd^Ud^e ©tfirfe 3afob« beutet auii 
bie @rjdl^(ung l^in , n)ie er allein einen fc^weren Srunnenf)ein ablieben 
fann, 1 5!Rof.-29, 10, fo baf wir auc^ l^ier einen mi^tl^ifc^en ober 
fogenl^aften ^intergrunb erbtidfen* — !Daffelbe gi(t »om inbifd^en unb 
«om gried^ifd^en SBoiföepod wie t)on bem fpdteren perftf^en Jtunjtepod. 

§ltö (Srfa^ fär bad mangeinbe @pod l^aben bie «^ebrier wie bie 
SIraber nur profaifd^e @agener}fil^(nngen , biefe aber t>on einer 
altertl(^ftm(icl}en / nab> finblid^en @infac^^eit unb @infa(t, wie wir 
fte fonfl nirgenbd ftnben« iDabei jiel^t ftd^ bitrv^ ade eint fid^tbare 
Sotliebe für rein menfc^lic^e gef^id^tlic^e SBer^&itniffe ; fie ^aben nid^t^ 
9lebell^afted unb pl^antaflif^ 9R9t^if<^ed. nic^td Übertriebene^, fon« 
bem erfreuen burc^ f (ar unb fc^arf gezeichnete Umripe bed wirflic^en it* 
UM , burd^ 9Iaturtreue unb SSal^rl^eit , unb fc^ilbern im ungemeinen 
mel^r bie ftttlid^en unb gemütlichen Seiten be^ Familienleben^, a(d grof « 
artige ^elbent^aten beö 93öifer(ebend« S)ie l^ebrdifc^e 93o(fdfage mad^t 
bal^er weit me^r ben 6inbrud( einer @ef(^i(^te, aU einer !£)id^tung ; unb 
gewip ifl ed, baß bie $^antafte bie fl^atfac^en ber &Itef)en 3eit weit 
mel^r geformt, a(d umgeformt f)at 2)abe{ merft man ed biefen @r)dl^« 
(ungen an, baf fte ein^Ibbilb (ebenbiger, münb lieber Überlieferung 



1) ^an benfe boti^ nur, tüte in bev ^ebr. ®age ®cit mit ^hxaf^am ptt^Miä} t>er« 
feiert/ Bei i^m efnfe^tt, mit i^ f^effet u. betgU SBagt bie ^age fold^e duge auf)us 
\\tf}mtn, »ad l^&tte ba ein ^i^termagen bötfen! 



200 ämitt ^eriobe. SJon b« (Srfinb. b. JtSnigt^« iid jum dnbe b* (Srite. 

finb/ aud bem e^tefien UrqueQ aQer ^oefic/ au^ ber 9Iatur felbß ge» 
f^öpft. 3)a]^er biefcr reine, fc^Iic^telon ber »atoetät, biefe grif<^^/ 
ännigfeit unb 9(nfd^auIt(^Teit , toie fie bae 93o(f bei feinen ®agen< 
er)d^(ungen noc^ immer jeigt/ fo baf man bie ^anbe(nben ^erfonen unb 
il^re 3wß&nbe t>or feinen »ugen werben unb wac^fen fielet. 

9Bie (ange mögen ä6rigend bie ®runb)fige biefer ®agen ))on Sbra« 
ISiam, 3faaf unb 3afob, »on 3ofef, ©imfon unb anbern »on 9Runb ju 
9Jlunb gegangen fein unb 9Ia(^t^ bie ^irten bei i^ren «beerben ergoßt 
l^aben ! SBie t)ie(e ))o(f^t^üm(i(^e 3üge festen ^ä) f)itt aud bem Seben 
tt)ie t>on felbfi an, j» S. bei 3afob : 3^9^ *>i^ wic^t erbic^tet unb erfun* 
beU/ fonbern unmittelbar erlebt unb erfahren ftnb* @d iß eben baburc^ 
l^ier )um erßen 3Jlal, (ange loor .ferner ^ ber reine Zon naioet Solf^« 
))oefte in einer äBeife getroffen, bai er für aOe 3^i^^n mußergältig blei« 
ben wirb , we^l^alb a\xi) biefe Sr^fi^Iungen — ganj abgefe^n ^on i^rer 
etl^if^en Sebeutung — eine ewige 3Ru|ierf(^uIe für bie 2)i^tung jtnb* 
!£)ie ©eißer ber fpdteßen 3al^r]^unberte werben au^ aller Überbilbung 
unb 93erfünße(ung immer wieber )u biefen einjigen UrqueQen ft^ )uräd« 
wenben fo wie bie größten !Di(^ter unfrer Literatur baran ft^ l^erauf^ 
gebilbet unb i^re Sewunberung bauTbar audgefpro(^en l^aben* — @(^6n 
unb gut fönnen ie^t 93ie(e er)ci^(en unb f(^reiben; nait) unb einfdltig 
aber nur SBenige, nur ein ®enie. $lm größten aber iß immer ber reine 
®eniud ber Statur , ben wir befonber6 in biefen 93oIf^er}d^(ungen tu 
bliden. — Diefe Semerfungen gelten jeboc^ nur ))on ber ©runbfc^rift 
be^ ^entateu^d unb namentlich t)on bem 1 Suc^ 9Rofe'd/ ba^ l^ier 
eigentlich allein in Setrad^t gejogen werben fann» @d ))ertritt bei ben 
«^ebrdern bad nationale @po^, unb l^at au^ bief mit bem eckten 93o(fd* 
epod aller 936(fer gemein / ba|i bie $erfon bed 3ufammenßeQerd un* 
befannt iß. 

!X)er 3^^^ bi^f^d ®agenbu^d / bad bie Einleitung )um ganzen 
$entateu(^e bilbet, iß ganj beutlic^ bie 93er^err(i(^ung bed au^erwdl^U 
ten aSoIfe^ ®otte^« @^ wiU aeigen, toie bad idraelitifc^e Solf x^on Sn« 
fang an unter ber befonberen Seitung feinet ®otted }u l^ol^en 2)ingen 
beßimmt war, tt)ie ed t)on aUtn 93ö(fern ber 9Be(t audgefd^ieben worben 
unb wie bereite feine ®tamm))&ter, ^btaf)atn, 3faaf unb 3afob,-ben 
®runb 3u feiner ®r5pe unb }u feinem ®liidc legten« !Diep nationale 
^od^gefül^I, baö ßc^ fro^ ber SBortrefflic^f eit bed ® a n j e n , bem ber 
@inje(ne a($ ®(ieb angel^ört, bewupt iß, mu^ t)on leerer @ite(feit unb 
:€e(bßfud^t wol^( unterfc^ieben werben. Stein @to() iß berechtigter, ebler 
unb jugleid^ bemütiger , olö jener. — 3m ©njelnen iß ber 3ttl&alt in 



ffinf ))erf(^iebene (S))o<^fn ))ertl^ei(t tfoocbett/ toie i^ in ber Jtutje i^tet 
noc^ )e(gen totQ* 

Sfßc Spoc^e* Aap* 1—4* a. S)ie Sc^opfung^gcfc^ic^e, 
Ä* 1 — 2, in einer hoppelten (Srjd^Iung/ t)Ott benen Me erPere fiati 
an bie perftfd^e 93or{leQung erinnert^ aber boc^ im ^ebrdif^en SBoIfe eine 
ec^t nationale Suffaf ung erhalten l^at* @d fd^Kef t fi(^ baran bie (fpdtet 
eingefc^altete) tiefftnnige 2)arfienung beö ©unbenfaUd, auf bie tt)ir 
iDeiter unten jurudf ommen , unb bie Vertreibung ber Uretern ^vA bem 
$arabiefe* — b. ©obann wirb erjd^lt, »elc^e ©efc^Iec^ter t)on ber 
«^auptgenealogie ft(^ abfonbern* 2)iep finb befonberd bie oßaftatif(^en 
aSöIfer^ a(d beren ®tammt)ater ^ain aufgefaßt mirb. 3n il^m unb fei« 
nem Sruber 9(be( n)irb }ug(eic^ ber ®egenfa^ ber .Kultur unb be^ 
9{atur(eben^ bargeßeQt , ber @egenfa^ ber ^ieblic^en Sderbauer unb ber 
tt)ilben, unjieten SRomaben. Die ©rjfibiwng iji ^ier fel^r bürftig unb 
fc^eint auf uralten Siebern )u beru^en^ t)on benen fic^ Stefle erhalten ^aben. 
Aain ^ie^t nac^ OberafteU/ loo mir bie dlteße Kultur antreffen, ©einen 
9{ad^fommen wirb bie (Srfinbung ber äRuftf unb ber äBafen )ugef(^rie« 
6en. Der 9{ame ^ain felbß bebeutet San}e; er iß ein «ftrieg^mann, 
ber ba^ erße 9Kenfc^enb(üt loergief t« 

3 weite (Spo^e» Aap* 5-— 9, a. 2)ie fortlaufenbe ®eneaIogie 
t>on ?lbam biö 9ioa^. Ä* 5. Diefe ^at im allgemeinen ben 3tt>ed, auf 
Sfbra^am unb ba^ ^ebrdifc^e 93ol! l^inuberjuleiten. SBon Slbam bie 
9Joa^, biö jur ^.©intpuf werben 10 ©efd^teAter genannt, unb ebenfo »iele 
))on 9ioa^ bie Sbra^am* @e finb runbe^ allgemeine unb fagenl^afte ^n« 
gaben, bie mit ben Sagen anberer SBölfer in fel^r meriwürbiger SQBeife 
äbereinfiimmen. Sbenfo ^aben ndmlic^ bie €^albder nac^ Serofud^) 
je^n «§errfc^er bie jur großen gfut, bie ^g^pter jel^n ^eroen, bie 
3nber jebn Urt)dter öor ber glut^) unb fetbp bie ©inefen i^re j^dl^n 
Stu 3wfäBig lann biefe ubereinfiimmung nid^t fein* Urfprüngfic^ aber 
l^aben biefe Urt)dter gewip feine aßronomif^e Sebeutung gel^abt , wie 
man oft annimmt, fonbern fiellen Sntwicflungeperioben ber SSoffer bar* 

b. Die ®ef(^i^te »oal^e unb ber großen gtut. Ä* 6— 9. 3n 
biefer @r)d^lung beft^en wir eine uralte ©age , wel^e bte «^ebrder aue 
il^rer «^eimat, aue 9)?efopotamien mitgebrad^t l^aben, ol^ne fie il^rem 
fpdteren SSaterlanbe anjubequemen* — ^^ntidje ©agen »on einer allge« 
meinen Überfc^wemmung, bie ben SWenfc^en öerberblic^ geworben, jie^en 
ft^ fafl über bie ganje @rbe. 9Bir finben fie bei ben Snbern in einer 



J) ^ei SyDcellus p. 30. 39. 2) Sgl. fXRanu 1, 35* 



308 ßtütik fPcriobe. S3on b. ®runb* b* Mnigt^. btö jum @nbe b* @ri(«. 

^{fobe be^ 2Slal)ä*^i)äxata. !Die ä^nlid^elten beiber !Darfleaungen 
fiiib nic^t grop genug, um einen fem{tifd)en Urfprung ber inbifd^en @age 
annel^men gu bärfen« 9(m meißen g(ei(^t bei 6t6(tf(^en @r)fi^(ung bie 
d^afb&if^e glutfage bei S^nceaud^). Sie &g9)>tif(l^e ftnbet f{^ ^ei pato 
im3;{mdu^. 

^if^orifd^ betrachtet fann eine folc^e Überfc^memmung )u gleicher 
3eit nic^t allgemein gewefen fein, unb noc^ weniger ftnb tt>ir bere(t)tigt, 
fie mit ber ©üubl^aftigleit ber SDlenfclöen in SJerbinbung ju bringen* ~ 
3)er Urfprung biefer Sagen, bie überall »erlaubte ©runblagen jeigen, 
fd^eint nic^t fowol^I in gropen (Srbretjolutionen ju liegen , ald loielme^r, 
tt)ie man (Angft bemerft ^at, in bem jd^rlid^en 9(u^treten gen>iper @trom^ 
gebiete, inbem ber @ntn>i(f(ung^gang ber Statur auf größere gerieben 
übertragen ift* 3"^^ Sefidtigung biefer 8lnftc^t bient befonberö bieß, baf 
n)ir bie Slutfage nur bei folc^en SSoIfern beflimmter au^gebilbet ftnben, 
bie an großen, oft auötretcnben Strömen too^nen, tt>ie bie 3nber, ^a^ 
b^Ionier unb ^g^pter; nic^t aber bei ben 5ßerfern unb ?ß^6nifen, auc^ 
uic^t bei »^omer unb «^eflob» aSielme^r ^aben erji bie fpdteren ©riechen 
bie Sage aufgenommen unb (ofaliftrt* 

3)ie ^eimat ber ^ebrdifd^en Sage iji beutlic^ bad glußgebiet beö 
(Sufrat unb S^igri^. 3n 9(rmenien, auf bem 9lratat (anbet bie Sirene« 
9Bie ber 9JiI , fo treten beibe Ströme jä^rlic^ auö unb t)ern>anbeln SKc* 
fo})otamien, befonberd im grül^ling, in »eldjem auc^ bie Sintflut be* 
gönnen ^aben foQ, in einen unüberfe^baren See/ !Die ganje Sage ifi 
ftd^tbar nur eine gefieigerte Äopie biefeö ^Projejfeö. ^2)ie SRatur erjiirbt 
unb »erfd^Ied^tert ßcft ; bie Ströme treten jerjiörenb unb befrud^tenb über 
i^re Ufer, unb ber Äreidlauf beginnt »on neuem* Sbenfo fd&reitet bie 
S33e]t fort, entartet, toirb jerfiört burd^ eine allgemeine Überfc^memmung, 
unb eine neue ^ßeriobe bed SBa^fenö unb SBerbenö beginnt nac^ biefer 
Äatafiroj>^e/*) 3n ber ^ebrdifc^en Sluffaßung iji aber biefe SRaturfeite 
gfinjUci^ jurüdgetreten unb unflar ge\t)orben. @^ bre^t ftd^ l^ier ^Qeö 
um ben Sobn ber 3!ugenb^aften fo n)ie um bie Seßrafung bed gemalt« 
tl^dtigen ®igantengefd}re(]^te^. Sabei finb freilid^ noä) ein)e(ne m^tl^ifd^e 
3üge geblieben. So iji j* 93» bie 2;aube mit bem £)Iitt>eige offenbar bie 
Staube ber Sljiarte unb 9i(b ber Si^uc^tbarfeit, bie aud bem SBaßer ent« 
fie^t. 2)a^ ®an)e aber ift ein einfach erl|»abene^ , ))oetif(^ed ©emdibe. 



1) Chronogr. p. 30. 

2) fBgl. Zuä^, j^ommentar über bie (üenefi«. 1838. ®. 150« 



(Sx^et m^ä^nitt. ffion 1100— 850. B. ®alomo* 

bad nur bann feine @(]^5nl^e{t "ottllcxt, tocm man ed ßreng iprofaift^' 
«nb 8ef<^i^tn(l^ gu beuten fud^t. — 

!I>r { 1 1 e (Spoife. 93om 3:obe 9toä!fy^ bi^ }ttm Sobe 9lbxa^am^. 
&. 10—25, 11. ^ier lafien ftc^ brei «bfc^nitte unterf (Reiben, a. «ngabe 
aller ^ilUx, \otli)c t)on ber <^au))tgenea(ogie nac^ ber Sint^ut ft(^ tren» 
nen unb fpäter nic^t »ieber erwdl^nt werben* Aap* 10* 2)ieß iji Die be- 
räumte 93ö(fertafe(/ in n)e(d)er bie et^nograpl^ifc^e Slnfi^t ber«^ebr&er 
üon ber alten SBelt, fo tt>eit fte i^nen jur Seit ©alomo'ö belannt tt>ar, 
enthalten ifi. 3u ®runbe liegen »ol^I ^auptfdd)Ii(fe pl^önlfifc^e DueHen, 
mflnblic^e ober aud^ f^rlftllcfee» 2)aran (erlieft fic^ ein fpdterer Bufaft 
^ap. 11/ 1—9 über bie bab^Ionifc^e ©prac^tjerwirrung. — b. 2)ie 
«^auptgenealogie ))on 3lodf)^ brittem @o^ne @em bi^ auf S^erac^, 
beut 93ater8lbra^am«, Aap* 11, 10—26. @o ifi ber Übergang jur 
®ef(^i(^te ber ^atrjlard^en angebal^nt; benn t)on @em flammt Sber, 
ber SBor\>ater Slbral^amd. 

auf biefe ?lrt wirb bie genealogifc^e Äette auf einen immer-engeren 
Ärei^ ]()erabgefü^rt, wo juleftt nur noc^ bie ben ^ebrdern »erlaubten 
äJöKer au6)uf(^eibeh übrig bleiben. !Ded^a(b werben , um biep g(ei(^ 
Ifiix ^injujufügen, brei 6tammt)fiter aufgehellt, Slbral^am, 3faaf 
unb 3afob, tt>eld)e bur(^ bie SBerwanbtfc^aft ber ^ebrder mit ben 
9fa(febart)ölfern bebfngt jtnb. So l^iengen bie »Hebräer mit ben burd^ 
i^re SBei^^eit berühmten (SDonHtern na^e gufammen, we^^alb biefe burc^ 
@fau t)on 3faaf abgeleitet »erben, ©ein ©ruber 3afob ober 36rael iji 
ber ©tammoater bed idraelitif(^en Sollet. Entfernter flanben bagegen 
fc^on bie Slraber im ©üben unb bie ^ramder norböfilic^ loon $aldfMna; 
wenigfiend Ratten bie bamaügen 3draeliten il^rer ganjen Siic^tüng nad^ 
»on biefen ©tdmmen, befonber^ »on ben aramdlfd^en, fic^ weit entfernt. 
iDeöl^alb werben fte burd^3öittael unb burd^ bie ©öl^neber Äetifra 
))on Slbral^am l^ergeleitet. 

©etjitig unb dußerlid^ wirb ba6 Seben ber nomabif^en SIraber in 
3«mael »orgebilbet. (Sr ip ber freie ©ol^n ber SBüfie, ber bie SBilbni« 
fiberSineö liebt; l^at aber wie @fau, ber ©tammöater ber ©bomiter, 
eine bto^ ibeate SBebeutung. — 2)ie beiten *§auptc^araftere finb Slbra* 
1^ am unb fein (Snfet 3af ob. 2)er erfiere iji ber allgemeine, btr tefttere 
ber befonbere ©tammtjater, we*^alb aud) fowol^l bie l^o^ere wie bie 
niebere ©eite be6 ^ebrdifd^en 9{ationalc^araftec0 in i^m bargefieOt iji. 
2)ana^ ^at er auc^ jwei Flamen. ?tW 3afob ift er ber ©c^taue, »^inter* 
Hfiige, SrugtJoUe, ein l^ebrdifi^er Dbijffeu«, ba^ redete Urbitb eine« »er* 
fdblagenen Sebuinen : aU 3dtaet aber ber 9Rann , ber um bad «^dd^fie 



204 Stotxit IBcriober Sßon b* ®tutib« b. Jttnidtl^« iU ium (Snbe b. (Srt(«. 

ringt itnb leibet. ®ein Sater 3f aaf b* i. ber ii^tlvltt, erf(^eint a(^ 
N Steprdfentant bed gen)5^n(i(^en Sebend ^ eiti btat»er unb gitfriebener 
9Rann , ber ol^ne eigne ® elbfidnbigfeit ))oU finblic^en ®inned am Über^^ 
lieferten fefi^ätt. 

^ 9(uperbem ifl in Slbral^am unb 3afob eingeogra))]^ifc^er Unter« 
fc^ieb n)ol^( }u beachten. !X)ieernßen Sagen \>on^bxa\)am ^aften befonberd 
an [abliefen Drten unb (Segenben in 3uba unb mtien biefem @tamme 
gan) ))or}üg(i(^ angehören/ ttfil^renb ber t)ielgen)anbte/ mel^r n)e(t(i<l^ 
geftnnte 3afob ober S^rael bem nörb(i(^en $a(fi{lina angehört unb ba^ 
bortige Seben reprifentirt fo mie er ja ani) fpiter bem 9{orbrei^e ben 
5ßamen gab* SJgL ^^ofea 12, 4 — 5. 8tm au^ffi^rlic^fien ifi bie ©age 
über Slbra^am, Stap. 11, 27 bid ^ap. 25, 11. SOed m^ er tl^ut, l^at 
t]^eofratifc^»pro})^etlfd^e ©ebeutung unb wirb im Sid^te einer fpfiteren 
deit aufgefaßt. @o ). S. bie Ser^ei^ung bed Sanbe^ Jtanaan unb bie 
yoütifc^e ®r5pe feiner 9{a^fommen ; ferner bie äQei^agung/ baf ,ß5nige 
au^ i^m ^er))orgel^en foUten u. bergl. 3m ^({gemeinen ifl er ein looH« 
enbete^ «jRujierbilb alle« beffen, tt>a6 bie ^ebr&ifc^e SRation in fittlic^er 
«^inftc^t )u erreichen ftrebte ober xoa^ fie ald i^re Lebensaufgabe betrad)« 
tete, baS 3beal. religiofer Streue unb unerf(^fitterli^er «Eingebung an 
®ott. Um ben 2)ienp be« einigen ®otte« treu ju bewal^ren, t)erlfift er, 
na^ ber 2)arfiellung beS jüngfien SSerfaperd, 3of. 24, 2, feine göften» 
bienerifc^en SSerwanbten in 9Ref o))otamien , in ß^albda, unb toanbert 
nac^ «Kanaan, nomabiftrt l^ier im ®uben, befonberd in ber ®egenb i>on 
Hebron unb begibt fic^ bei einer «Hungersnot auf eine d^'tlang nad) 
%9Pten. @S if} biep ein SBorfpiel ber fpdteren allgemeinen (Sinwanbes» 
rung b^r «^ebr&er. iDurd^ i^n wirb bie SBefd^neibung als religiofeS 
9unbeS)ei^en eingeful^rt. Sobann werben fc^öne bid^terifc^e ßü^t fei» 
neS innigen Ser^dltniffeS )u ®ott erjd^lt, wie ndmlid^ ®ott felbfl mit 
i^m »erfe^rt, fein «§auS befud^t unb bei i^m fpeiji. 3nbeS l^at fein 
®laube auc^ fc^were Prüfungen lu befleißen* @eiue @^e mit ber f(^önen 
@ara ifi KnbertoS unb jte beibe finb f^on betagt» 3war fü^tt ©ara 
i^m bie dg^ptifc^e @fla\>in «^agar ju ; allein fo wie btefe ))on ^(bral^am 
ft(^ fd^wanger ffi^lt , erl^ebt fie fi^ gegen i^re ®eb{eterin unb ftört ben 
^auSfrieben. ©ie mug fliiel^n, fommt wieber, gebiert in Slbra^amS 
.^aufe ben 3SmaeL 2)a enblic^ erl^dlt auc^ ©ara ben lang^erl^eipenen 
©ol^n, ben 3faaf, allein wie bie jwei grauen neben einanber p(ft ni(I)t 
loertragen fonnen, fo anäj bie «ftinber ni(^t. ®egen fein .^er) mUp ^bra« 
l^am ben 3Smael nebfi feiner STOutter »erfiofien. 3eftt aber ISiat er no«^ 
bie fc^werfle $robe )u befleißen« @r glaubt in f{(^ eine, göttliche ©timme 



Srftet Slbfd^nüt SSon 1100—850* B. ®a(omo. 205 

,)u 'ottntf)men , bie il^m gebietet^ ben geliebten/ einjigen 6o]^n 3faaf 
®ott }u o))fem/ unb fofort if) er bereit bajiu !Diefe %f)at tDoQte er t)oIIs ' 
bringen auf einem Serge im Sanbe 9Roria b« i. auf bem Semipelberge 
bei 3erufa(em* @inen n)ärbigern $(a^ mufte bie ®age nic^t aufju* 
{leHeU/ m^rau^ t)on felbß folgt , baf n>ir eö l^ier nii^t mit ftrenger^ 
duperer ®ef(^i^te )u tl^un l^aben* Sugteid^ ifi ber 3n)ed biefer legten 
2)arflenung ber^ einmal/ bie unbebingte ©ottergebenl^eft Slbra^amd ju 
}eigen , unb f obann ba^ 9){enfd}eno))fer )u )>erbieten unb ein f)ellt)ertres 
tenbed Dpfer einjuffi^ren. ^ierbur<^ erinnert bie (Sridljiiung an ben 
griec^ifc^en fW^tl^uö t)ün ber 3>)i^igenia. — Slbrabam^ mittlre 8eben 
))erlfiuft in grieben* @r if) ben)&|)rt erfunben. ®ara'^ ^^ob loerania^t 
l^n, in ber Std^e ))on «^ebron ein ®runbßit(f )u einem Srbbegrdbnid 
fdufli^ }u emerben unb bamit getDipermafen ))orbi(b(i(^ Dom Sanbe 
Kanaan 9eji^ )u nehmen. Dmif Steinxa , bie er ie^t nal^m unb bie i^m 
no(^ fe(^^ ®o^ne gebar / n)irb er abermals ®tamm))ater ))erf(^iebener 
arabif^er 93o(ferf^aften. 

SBierte @))0(^e* Som Sobe $lbral^am^ bie auf 3faaf . St.ih, 
12 bid ^a))« 35« d^erß merben wieber bie ftd) abfonbernben gamüien 
genannt/ namentlich 36mae( unb feine 9ta(l^fommenf(^aft/ ^ap* 25/ 
12-- 18* !Dann fommt bie grjd^tung auf 3faaf / ben'Sol^n ber 93er» 
l^eifung/ ben fpdtgeboreneu/ unb auf fein <^aue* @r ifl ein blo^ed 
SKittelglieb / baö nur ben ^xotd ^at , bie ©attung fortjupflianjen 5 benn 
bie @age noeip über il^n nic^t t)iel mel^r M bie^ : er lebte / na^m ein 
äBeib unb fiarb. St. 26 — 27. SBeit leben^^oOer unb inbi))ibueaer er« 
fd^eint fc^on feine grau Slebeffa. ©e^r anfpredjenb ifi namentlich bie 
ib^Üifc^e ©c^ilberung / wie Sbral^am einen treuen !Diener nad^ 9Jlefopo« 
tamien fenbet unb bei ben bortigen SSerwanbten ffir feinen @ol^n um fie 
werben Wßt. Aap» 24. (bieß @tüd ru^rt t)om Srgdnjer ^er.) — aUed 
golgenbe bre^t jt^ fafl nur um bie Sc^icffale »on 3faaM Swiöing^' 
fi^neu/ um (Sfau/ ben Siebling bed Saterö unb um 3afob/ ben bie 
9Rutter ))or)iel^t. 93eibe ßeUen einen 3wief)}a(t im ©c^'oof e ber gamilie 
bar wie Sfaaf unb 36mae(. 

2)er S^arafter Sfau'« ifi ber ber (Sbomiter. (Sr ifi ein ztxoatt 
raul^er, juweilen l^eftlger unb leic^tftnniger/ aber ein offener/ treu« 
l^erjiger/ arglofer Slaturmenf^/ ben bie ©age in ber Jl^at weit ebler 
»nb liebendwürbiger alö feinen 93ruber 3afob fc^ilbert, obwol(|I nac^ 
bem allgemeine n Urt^eil ber l^iebrdifc^en ©age fein S^araf ter ald 



2M 3tve{tc$eiiobe. Sion \>. ®v&t(b. b. Stinigtf). f>\9 ium Snbe b. @xi(d. 

ein ))em)erf({d^er attgefel^eQ mrben foU*). $(aein @fau^ Zf)atcn UftH^ 
tigen biep Urt^eil nic^t, fo baf bie @age n)iber aSiOen il^m ©etec^tigfeit 
tt)iberfa^ren lafen muß/ — 3afob, atö fpecieller unb unmiftclbater SRc« 
^rdfcntant beö i^cbrfiffc^enSBoffed, bcfonber^ be^ nßrblfc^en, ioereinigt 
bie gwtm unb fdjled^ten Seiten ber Station in ftc^. SBon^^anö aui ifi 
ec ein t)erjogene^ SRutterfol^nd^en; t)oII .^interliß unb €elb{)fu(^t^ bie 
immer nut ben eignen SBort^eil ewfigt; auferbem feig unb miptiauif(^. 
993i? er feinen Sruber, mit beut er fci)on im 3ltutter(eibe ^dnbel anfdngt/ 
um ba^ (Srflgeburt^rec^t unb um ben bAterlic^en 6egen geprellt ^at, fliegt 
er auö Surc^t "oox ber ^ai^ na(^ SRef o))otamien ; bient bei feinem 93er« 
n)anbten Saban fteben ^afyx um äial^el , txl)ilt bann aber bie ni(^t ge» 
liebte ältere ©d^wefier, ita. @o wirb fein 33etrug i^m vergolten* 3war 
gibt i^m Saban a(dba(b an^ bie 9ial^e( ; aOein 3af ob muf nocf) fteben 
weitere ^af)it um fie bienen« 3l\xn aber entfielet ein neuer Kummer : bie 
ungeliebte ®attin ifi fru(^tbar, bie geliebte nic^t« 3)iefe fu^t awar burd^ 
eine @f[at>in/ bie fie bem @rjt>ater julegt^ WlntUt ju werben; aOein bie 
©d^weftcr fielet baö nid^t gern unb fü^rt bem 3afob ebenfaU« eine SRagb 
gu , bie wie bie anbere al^balb ^inber befommt ; nur Uiaf^^l wirb no^ 
immer nic^t gefegnet« 

@d ift ein fte^enber 3ug *«t ^ebrdifc^en ©age, baß bebeutenbe unb 
wid^tige SRdnner meip t)Ott aWüttern geboren werben, bie lange ^tlt un« 
fru(^tbar gewefen; fo 3faaf, 3afob unb Sfau; ferner ©imfon unb ©a* 
muel. (Sbenfo befommt avab dtaf)tl erfi fpdt ben langerfeJ^nten 3ofef, 
ber beö SBaterö Liebling wirb. — ffiie bie 14 3)ienftia^re um ftnb, Witt 
Saban ben 3afob ni(^t'gem mifen; fie befc^UefeU/ ^id) in ben ®ewinn 
ber »beerben ju tl&eflen, wobei aber 3afob burcft 8ifi unb ,Runfi im 93or« 
t^eil bleibt/ unb enblic^, cd6 fein ©d^wiegeroater ben betrug merft, 
mit feinen «beerben ent^iel^t, nad^ .Kanaan juräcffel^rt/ mit (Sfau fic6 
au^fo^nt unb in ber ®egenb bon ©i^em nomabiftrt* S3ei ber ®eburt 
Senjamind/ feinet }Wo(ften ©o^ne^ ^ fiirbt 9{a^eL €o brel^t f{d() fafi 
SlQed im Seben ber Patriarchen um ^amUiengefc^ic^ten unb S^milien« 
))erwide(ungen. 

Sie 3afob fo l^at auc6 (Sfau }w5(f ©o^ne/ bie benannt finb nad^ 
ben )Wö(f ©tdmmen be6 ebomitifc^en 93o(fe^. 2)ief war frul^er a(d bad 
i^raelitifc^e mdd^tig unb gebilbet/ l^atte «Könige unb ein georbneted 
©taatdwefen. (Sgl. 1 äJlof. 36, 31). !De^l^a[b erf^eint auc^ @fau ober 



1) SßgU. Tlaltaä^i, l, 2 f. ^ebxA2, 16 5 bod^ iverben anä^^aUU ©d^attenfetteti 
fletabelt: *ofea 12, 4. 3ef. 43, 27: ^JDein erjler Sßatet fünbfgtc fci&on." 



Sr^er «(fc^nüt aSon 1100— 850* B. (Sa(omo. S07 

@bom aU @rflge6ornet/ n)odn ein beutlic^ed^Busefidnbnid feiner Alteren 
Silbung unb ®röf e (iegt* Siamfi^Iig aber fanf t^, uub bad t)on Statur 
f^n)A(l^ere 3drael ^06 ft(^ bagegen unb )n>ar nic^t feiten auf Unfoflen 
feinet d^iOingdbruber^/ bi^ @bom enblic^ ))oh ^a'oli t>ö(I(g unter* 
worfen n)urbe. 2)a^ natfirli^e äSerJ^dUnid betber 935(fer l^atte fu^ alfo 
umgefe^rt. 2){ef fieUt bie ®age nun fo bar^ atö ob Safob auf (tfttge 
Sßeife (bur(^ ein Sinfengeri^t) feinen Sruber um bad Srßgeburtdred^t 
brad^te unb i^n enblid^ gar unter 9){itn)irfung ber SRutter um ben ^Ater« 
(i<^ai Segen betrog« SEBeil aber fein ®ieg fein el^rli(^er unb f^ulblofer 
wat, fo mup er t)iel (etben, namentli^ burc^ feine «ftinber unb %tanm, 
f>i6 er enbli^ bad errei<i^t , tt)0)u er oon ® ott berufen xoax. (Erfi f^At 
erl^AIt er aucfy ben Stamen SdraelO* 

Sänfte ßpo^e. Som Sobe 3faafd bi^ jum 2;obe 3afobd ünb 
3ofefd« Stap. 36—50« 3unA(^fi n)erben noc^ einmal bie Solfer ge< 
nannt, bie ftc^ trennen, bid enblic^ bad ^au6 3afob^ ober 3^rae(d an^* 
gefd^ieben unb au«em)A^(t inmitten aQer SSaifer baße^t« !Die 12 @ö^ne 
Safobd fteOen bie 12 @tAmme 3drae(^ bar« 3nbed treten fär ben 
@tamm Set>i f))Ater sioei @nfe(, bie @6^ne 3ofefe, 9Ranaffe unb 
Sfraim, in bie Sieil^e« !Die @age gel^t natürlich ni^t bon )n>d(f einjeU 
neu ^erfonen au^; ^ielmel^r bie alte Zeitige ©tammeint^eilung , bie 
n)ir namentUd^ bei ben ©emiten ftnben unb bie mit ber S^lSieifung be^ 
äa^rd in 12 äRonate tt)o^{ {ufammen^Angt/ biefe ifi ^ier perfonificirt 
iDorben« @benfo werben bem @fau unb Sdmael 12 @öl^ne beigelegt, 
b« f). bad 93o(f, mUit^ fte reprAfentiren, t^eilt ftc^ in 12 @tAmme« 

mt fic^tbarer SSorliebe unb ^o^em @elbßgefu^l. ifi bie ©efc^id^te 
3ofef^ be^anbelt worben. @{e ge^5rt in bic^terifc^er <^{n|td^t un* 
fhreitig ju ben angiebenbflen SrjAl^Iungen bed alten Zt^amtnie^ n>ie bed 
SUtert^um^ uberl^aupt unb iß t)on ergreifenber , un))ergAngli(j^er @c^dn< 
i^eit« ^%ltid) beurfunbet biefe @r}A^1ung/ bie gan} in einem ®eii} 
unb ®upe abgefaßt ift^), eine ungen>d^n(id^e «ftompofitiondgabe, fo ba^ 
ju einem Spo^ nic^td fel^It, a(d bie poetifc^e ^nfiform« 2){e ftttlid^e 
Sibee, t)on ber ba6 ®an)e burcbbrungen if) unb bie am €(^(uf e (50, 20, 
))g(« St. 45, 8) aud biefem (ebendt)oQen ®emA{be t)o(I tiefer pfpc^ologi« 
fdber Sßa^rl^eit n)ie t>on felbfi l^en)orbri(^t, ifi bie: n)ie @ott bie 
©einigen (eitet, inbem er ba^, xod^ bieSRenfc^en ibnen 
Abied antl^un n)onen, }um ®uten n)enbet« 



1) 9)sl. (Stoalb, (Sefc^id^te 3«rael0 I. ®« 350« 388 ff« 

2) 9iut Aa)>« 38 utit St* 39, 1—5 unb SS« 21—93 ^tib 3uf&|^e M (StdAngertf. 



208 Bmite ^ctiobe. SJon b. ©tflnb. M Stini^t^. (tö s» Sttbe b. @xi(l. 

SRit großer ^nfi, tmb bo(^ fo natärl{(^ unb einfa<^/ tDtrb batge« 
jiellt/»(e3t)fef, ber Siebling beö 93atcr^ , butc^ Smifc^entrÄgerel unb 
inx<i) l^od^fliegenbe S^r&ume/ in benen fid^ i^m felbfi unUton^t feine 
Knftige ®röf e anfünbigt, ben Weib unb §aß feiner ©ruber erregt* ©o 
träumt ber 3äng(ing einfi, n)ie bie ®arben feiner Srüber auf bem gelbe 
ft(^ \>ox benen^ bie er gebunben unb aufgerichtet l^atte, beugen. Sin an« 
bermal fielet er gar im Zxaumt, n>ie ®onne unb SDtonb unb elf @terne 
(b. i. 93ater unb SKutter unb feine elf Srfiber) fld^ t)or il^m t)erneigen. 
— .SlId3atob einP i^n auöfenbet / um feine Srüber au^jufunbfc^aften, 
n>oQen fte i^n umbringen / ))erfaufen i^n aber bann an arabif(^e ^auf» 
leute^ bie il^n nad^ ^g9))ten führen, ^ier fauft il^n ^i>tipi)ax, ber Dberfle 
ber Zxabanten, unb fe^t i^n ba(b über fein ganged ^audn)efen* !Da 
fieUt il^m bie grau feinet ^errn nac^ unb fuc^t il^n jü »erfül^ren. 3ofef^ 
Streue unb Jteufd^^eit bringt il^n in$®efdngni6. 2)o(^ n)ei^ er benSuf« 
fe^er ber ©efangenen für {i^ }u gen)innen unb legt )n)ei Uniglid^en ®e« 
fangenen il^re Xrdume auö , bie eintreffen ; benn ber ®ei|i ®otted rulSite 
auf il^m* !Dem aRunbfc^enfen tDeipagt er SiMUf)x an feine frühere 
Stelle; bem Sfider abex, ber geträumt; baf erSadmerf in einem ^orbe 
auf bem «ßopfe getragen unb baf SSögel e^ il^m iveggefref en / bem beutet 
er bief fo: baf er gel^enft werben unb bie 9S6gel fein gleif^ frefen 
n>ürben. 

8116 ber Äönig ^on SÜg^pten nac^ Salären einmal einen Sraum 
^atte/ ben il^m SRiemanb beuten tonnte, erinnert jtd^ ber !lRunbf(^enf 
3ofefd, n>orauf ber Äönig i\)n aud bem Jterfer fommen läf t. S)ie fieben 
fetten unb bie fieben magern M\)t, totldi^ (entere bie erßern t^erfd^lan* 
gen, fo n)ie bie fieben fc^onen ))oUen ^l^ren auf einem «6a(me, n>el(^e 
t)on fieben mageren Staren t>erf(^(ungen tourben, beutet 3ofef ))on fieben 
frud^tbaren unb fieben unfruchtbaren 3al^ren , unb gibt babei bem «König 
fo n)eife Statfc^Idge, baf biefer i^n jum erften Beamten feined Steid^ed 
erl^ebt* SQBdl^renb ber frud^tbaren Sa^re fauft 3ofef nun aOeö überflüf ige 
£orn auf unb legt grof e 93orrdte an, bie er in ben «^ungerjal^ren wieber 
t)erfauft, baburc^ bem Könige unermef lic^e Sleic^tl^ümer gewinnt unb il^n 
enbli^ gar j;um ®runbe{gent]^ümer be6 ganjen Sanbe^ mac^t« — 

!Die allgemeine i^unger^not t>eranlaf t aud^ ben alten ^afob , feine 
®ö^ne naii ^g)^))ten )u fd^iden unb bortl^ier «Korn Idolen ju laf en« ®ie 
f ommen Weber al^ (Sroberer, noc^ at^ arme glüc^tlinge, fonbern frieblid^ 
unb mit i^rem guten ®elbe» 2)ie weitere Sntwidflung , wie 3ofef flc^ 
nur aHm&I^Hg ju erfennen gibt/ ifl ergreifenb fd^ön gel^alten. ©eine 
überlegene SBeidl^eit unb bit etl^ifd^e ®ered^tigfeit ber ®efd^i(^te t)erlangt 



erßev «brd^mtt. aSon 1100—850* B. ®a(omo. 209 

e^/ baf et ni(^t fofort "oom ßxiQC feined ^er}en^ ftc^ ^{nreifen Idf t. @r 
^>ruft »ielmel^r erfi bie SSrfibcr, wobei jie jur ©Allane i^rcd frül^eren 93er« 
bred^ene aUt Dualen felbf} burc^Ieben unb burd^em))ftnben müpen ^ ble 
3ofef eittß burc^ i^re ©c^ulb .erlitten ^atte. 3n blefen »6ten itnb Äng* 
fien »erben jle gelfiutert nnb jeigen , bof fte il&r frühere« SSerbre^en tief 
Bfereut l^aben» Sin feiner 3ufl ifi babei bie 3lebe 3«ba'd, ber Seben unb 
greil^eit für Senjamin aufjuopfern bereit ift. 1 SKof* 44* — ®eel^rt 
nnb gead^tet jie^t enD(i(^ bie ganje gamilie 3afob^ nac^ %9pten ttnb 
befommt l^ier freiu>illig t)om «Könige ein f(i^5ned ®tud Sanb jur SBo^< 
nung unb jum Unterl^alt für bie «^eerben ongen)iefen. 

!Die gef(^{(^t(ic^e ®runb(age biefer epifd^en ^r)dl[|(ung iß @. 26 f. 
nd^er angegeben« @$ iß bie .^au))tfage be^ @tantme^ (Sfraim unb un« 
ßreitig an^ in biefem Stamme ^ loie bie ®ef(^i(^te 3afob^^ wefentlic^ 
ermatten unb au^gebilbet morben* !Die (e^te ®ef}a(tung erhielt fie, toit 
S^f^^gt )ur 3^it ®a(ofto'^^ unb man fann nid)t (dugnen^ bap bie 9ie« 
gentenn>ei^^eit biefe^ «Könige ftd^ überaU in ber ®ef^id)te 3ofef^ ah\pk* 
gelt* 2)enn genau genommen , fo iß eigentlich bie l^o^ere SB e i ^ ^ e i t , 
bie auf bem ®runbe ber ®otte^furcl^t rul^t, unb bie jugleic^ ald ec^t praf« 
tifd^e a3Belttt)ei^^eit ßc^ offenbart, bie Seele unb baö ^errfc^enbe Slement 
im geben 3ofef^» @r iß lein friegetifcfter »^elb, fo wenig aU ©alomo» 
S)ie })oetif(^en 3;rdume, bie 3ofef auflegt, entfprec^en ben JRdtfeln, bie 
©alomo fo gut ju löfen »erßanb. SBie 3ofef, legte auc^ ©alomo 5Wa- 
gajine an (1 Äön* 9, 19) ; beibe »erßel^en ßc^ gut auf ben Srwerb ; wie 
3ofef eine dg9})tifci^e 5ßrießertoc^ter jur ©ema^lin befam, fo l^atte aud^ 
@alomo eine dg^ptifc^e ^rinjefßn, bie i^m eine f leine ® ebiet^erweiterung 
jufülirte- (1 Äön- 9, 16 fO ©elbß ber bamalige lebhafte ^anbel mit 
Sa[g9J)ten l^atte in ber dlteßen 3^^ fcfeon fein ^ot\pkl unb jeigt beibe 
Stationen im frieblic^ßen unb freunblici^ßen SBerfel^r« Äurj, wir feigen 
^ier überall, wie bie ®egenwart be^ SJerfaf erd auf bie ®eßaltung biefer 
Sagen eingewirft unb biefelben gewiß ermaßen wiebergeboren l^at» — 

!Dabei iß l^ier jum Sd^lufi nur nod^ e i n $unf t t)on allgemeinerer 
Sebeutung ju erwdl^nen» SBir l^aben gefefin, wie ber SSerfafer ber 
©mnbfc^rift bie Sntßel^ung ber l^ebrdifd^en Station unb il^re ßrenge 
Slbfonberung \>on allen anbern SSolfern ald ^on ®ott beßimmt na^wei« 
fen wiO. ,3c^ l^abe euc^ audgefc^ieben au^ allen aSölfern, um mein ju 
fein." 3 3Rof* 20, 26* 3«rael iß ba« auderwd^lte »olf ®otteö , bem 
ba6 Sanb «Kanaan in ber Studbel^nung, wie ^at)ib bie ®rdnjen beffelben 
erweiterte, al6 Seß^^l^um loerl^eif en wirb« «^ierfoUed, au^gefc^ieben 
unb un))ermifd^t mit anbern ^Htttn , )u ®lü(f unb ^rieben gelangten« 



210 StotlU $er(obe. 93on ber ®runb* bed A&nigt^. 6i6 }. (Snbe b. dxiU. 

!Dief(m nationalen $artifulaii6mu^ / ber ein ®runb)ug bet ^ebrdifc^en 
S93e(tanf(^auung ift unb bei eifl im S^rißent^um t)6tltg ubemunben 
n>uibe/ bem )[|)iberfvr{(^t te, bap fc^on ben Patriarchen uni))erfel(e 
SteUgion^ibeen jugefd^rieben n>erben / inbem man ctMxt, bap tH)n Sibra* 
l^am wie ))on 3afo6 aud ein Segen über alU SBöIfer ber @rbe ft(f) 
)>er6reiten foUe« @n)a(b in feiner ®ef(^i(^te 3^raeld I. @. 135 [(treibt 
)»>ar biefe unit^erfeüen äl^nungen ni^t bem SBerfaf er ber ®runbf(^rtft/ 
fonbern erfi feinem ^öierten (Srjd^ler^ju, ber in ber äRitte beö 
8. Sa^r^unbertd gelebt l^aben foO ; aOein entfc^ieben irrig* 

3ur äQiberlegung biefer allgemein l^errf(^enben Xnfit^t ifl eine furje 
pl^i(o(ogif(^e Semerfnng l^ier nötige Sffi6rterbfi(^er unb Kommentare 
fafen ben ^ßlural Gojim (ö-^ia) al« ^eibnifc^e, nie^tjübifc^e 
SSölfer; allein gegen ben fiarften @pra(^gebrau(^ bed alten Sefiamen« 
te^. 3un&(l^ß fielet ber @ingu(ar ganj getool^nU^ oon 3>^rael ). SB* 
1 SWof. 12, 2. 17, 20. 35, 11. 46, 3. 3efaia 1» 4. 9, 2. 3of. 3, 17. 
giid)t* 2, 20. 3a(^» 2, 9 u. f. w. SBie ö? Soff, fo fann au^ lia bic 
Seute eine^ einjelnen Stammet bejeic^nen* (Sbenfo ftei)t fogar ber $Iu^ 
ra( Gojim. 6$ l[^eif t ). 9. 1 9Rof. 48, 19 ))on Sfraim : fein @ame foO 
n>erben ü'^ii»^ («b» eine ^uUeoonSeuten, n)ad natürlich S^raeliten 
jtnb» Sbenfo bejeic^net ö-i^ian b-^^a 3ef* 8 , 23 nic^t« weniger a(d einen 
Kreid bon «^ e i b e n , fonbern einen idraelitifc^en !Dißrif t im @tamme 
9?afta(i, ber jtoar eine etwa^ gemifc^te $et)5lferung l^atte, urfprünglic^ 
aber offenbar toegen feiner Solf^menge atö ein ^Kreid ))on Seu ten'' 
bejeic^net würbe. fRüft 5, 18 l^eißt @ebuIon: M ein 93oIf ober 
@tamm, unb 93. 14 ßel^t ü'^i27^s> Don ben ^Seuten'' ober 9[ngel^5rigen 
93enjamih^. «^dufiger fie^t ber $(ura( t)on aQen 12 @t&mmen* @o 
f)}rid)t (Sott )ur 9iebeffa, a(6 fte mit @fau unb 3afob fc^wanger iß, ed 
feien jwei Sölfer, ö-j^i:», in i^rem 8eibe, 1 g»of- 25, 23* iDem 3af ob 
wirb oerl^elpen : eö foBe ein i*ia unb eine ö^i:» brtj? eine SBerfammlun^ \)on 
93oIfecf(^aften, oon @t&mmen aud i^m Verborgenen , 19Rof. 35, 11. 
(Sbenfo foU 9(bral(^am )um Spater t>o(freic^er @tdmme (ü'^ii) werben. 
1 SRof. 17, 3—6, 16. an janireicl)en anbern ©teHen ftel^t ö-^ia ebenfo 
beutti^ oon ben 3drae(iten unb }War gan} gleic^bebeutenb mit ü^is» unb 
ö-ö«b, 1 SKof. 25, 23. 27, 29. 28, 3. 48, 4. 49, 10. 5 Ü»of. 32, 
43. 33, 3. 3ef. 2, 2—4. 3, 13. 11, 10, 12.*) «mo« 6, 1 nennt 



1) ISgl. meine @tfI&Yttngbe0$vo))^eten3efaia. 1850. SEBenn itnoBel 
|u 3irf. 2, 2*-4 BontrH : bie SBe^ei^nuitg O'^a*^ 0*^9 koiberlege meine flnfi^t fii^ott, fe 
fc^eint et m<^t )tt bebenfen, bap b^:inm^t»iele einzelne, «erfd^iebene, fonbem 



Qtifln %i^^nitU SSon 1100— 850. B. @a(omo* 21t 

3«tad : Mi erfic ber SBdlfer^, (ö-j^ia*) Se^t oft finb bfc Gojim ganj 
aUgcmein „Seilte^ (roit Xaoi im ©ried^ifc^eri) unb jtrar idraelitifc^e, 
j. »• $f. 9, 16, 18, 20, 21. «Pf. 10, 16. 18, 50. 22, 28 f.) dtft 
im 9leu]^e6rdif(^en finb Gojim 9{i(i^t«3dtae(iten ; aber no^ im ^^almub, 
n)ie mir ber ^r* Dr. $inuer loerjic^erte, fielet ed au^ oon ä^raeliten* — 
Srae bie ©teKen im h 33uc^ 9Rofed, bie man auf »alle 93 ö(f er ber 
(S r b e^ au^bel^nt, {{nb befc^eibener unb-naturgemiper auf «,a ( ( e @ t d m m e 
ober So(f^gef(^ (echter be^ Sanbed'' 3U 6ef(^rdnfen unb fpecieO 
auf bie 3^raeliten ju bejiel^en. @o I ^XYof. 12, 3, loo ed t)on 9(6ra]^am 
l^eift: ;,aRit bir werben fic^ fegnen aOe ©efd^iec^ter be^ Sanbed,"" ndm«^ 
({(^ bed ^er^ei^enen Saubed , in welchem ^biaf^ami Ü^ac^fommen gtüd« 
Ii(^ werben foUen* @benfo 1 9Rof* 18, 18: «älbra^am wirb ju einem 
grofien unb )al^(rei(^en 93o(fe werben unb fegnen werben ft^l mit il^m aQe 
93o(fdßdmme be^ Sanbed.'' ^ier iß flar, bai nur bie ®(ieber eben bed 
Solfed, ba^ aud Slbra^am l^eiDorgel^en foQ, gemeint fein fonnen. Jlap. 
22, 23 : „(Si werben ftc^ fegnen mit beinem Samen aQe ®tdmme bed 
Scinbeö, barum, weil bu gel^drt \)aft auf meine Stimme.'' 1 9Kof 26, 4: 
ifSc^ meiere beinen Samen wie bie Sterne be^ ^immeld unb gebe beinem 
Samen aQe biefe Sanbe^gebiete , fo bap ftc^ fegnen werben mit beinem 
Samen aQe ^ottmmxnz bed Sanbed/' Q3g(. 1 9Rof. 28, 14. Slbra^am 
wie 3afob foQ felbji ein Segen werben für feinen Samen, b. i. für ba« 
^ebrdifc^e 93olf , aber nid)t für bie ,^eibenwelt^ 5)a6 ®Iüd unb biefer 
Segen, ben bie Patriarchen burc^ ben Sunb mit ®ott begrünbet l^aben, 
wirb fpri4lWort(i(^ werben, ebenfo wie fonfl and^ ba6 Unglüd bed @in« 
jelnen ober ganjer SSßlfer fpric^wörtlic^ werben fann. — SBie jeneö 
Slc^'fegnen mit aibral^am , mitS^fob ober mit feinem Samen ju »er^ 
flehen ifi, jeigt 1 ÜRof. 48, 19, 20, wo ben Stdmmen Sfraim unb 
SWanaffe eine ja^Ireic^e SolWmenge öeri^eifien wirb, inbem Salob fagt: 
^Witbir wirb36rael fegnen unb wirb fagen; ©Ottmare 
blc^ wie Sfraim unb wie SWanaffe!'' Sbenfo wirb man fagen 
fonnen : ®ott fegne bic^ wie 8tbra^am ! u. f. w* 

2>iefe @rirterung war l^ier um fo nötiger, ba man au^ in f^dteren 



innerli^ la^ttiäft, flatfe, oolfrei^e®t&mme jinb, tote b-^^n ti^ ^acie, getoal« 
tigeSföager. «gl. 3ef» 8/ 7. 5>er ©ingulat an d» ^eingol^Iteid^e« 95olf* Mt 
Sofua 17, 17 ))om Stamme ^ofef ; bev $(utat !ann ballet ol^ne Vnflanb ^on allen 
(Stämmen flehen« ^afi btefe Ibebeutung 3ef. 2, 2 — 4 tiici^t auf ben et^en 93li(I erfannt 
toirb, geigt nur, ttie fel^ bie 9)<{enfd$en S^rabition^mefen flnb unb ererbte Svrtl^ümcr nur 
fd^toec ablegen, ^ie gange 0tebe 3efaia*0 St. 12—5 begiel^t fi^ auf ba« iöbif il^ e fBcXl 
nnb ent^&lt toeitec fein Wort loon einer )>ermetnten ^eibenbefe^ntng. 

14* 



212 Swelte {Pettobe» SSon b» ©runb* b» StinxQtf}. ^iö §um Snbe b* (Sxlte* 

Suchern beö Sl» S;« berartige unit)crfenc Slelfgiondtbeen gefunben f)at, 
ble mit bem 3wf<^i«tticn^ange bcr Stüde, fo tt)ie mit bcr ec^t l^ekäffi^en 
!Denfn)e{fe nMexänbax ftnb* 92ur einjelne ^ropl^eten emeitern l^ie itnb 
ba ben begrfinjten nationolen ©tanbpimlt, wie 3ä^» 9/ 7. 3ef. 19. 
!X)ie meiflen 9(u6fprfid^e aber, bie man fo beutet, bejie^en ftc^ att^f^Hef « 
lf(^ auf bie »erfcftiebenen aSoIWfi&mme ber 3dtaeliten ; fo namentli^ bie 
im bab^fonifd^en Sefaja Aap. 40'— 66, njoruber fpäter ba6 Slötigc be« 
merft werben wirb. 

aSBir fdjeiben l^iermit ^on ber bat)ibif(j&»falomonif(l^en 3eit. — ffiie 
jebe Slüte in ber Statur nur »on furjer 2)auer i|l, fo ip au^ bie Slüte 
ber 8iteratur eine fc^neHtjergel^enbe , unb jwar befonberd bann, wenn fie 
nid)t burd^ baö offentü^e Seben gehoben wirb. ?(uper ber nationalen 
g^rif fam in jener glänjenben ^ßeriobe bie ©efialtung ber 93olWfage ju 
einer fo reinen unb fc^önen Sulfite, wie fie überhaupt bem l^cbrflifdien 
ajolfegeifte nur erreichbar war. (So ifi feine epifc^e ® lutenjeit ; benn er 
f)at aKerbingd epifc^e 2)i(^tun9, nur fein epif^eö ®ebi(^t, fein fflolK* 
epo«. ^UQUlij aber feigen wir in ber falomonifc^en ^dt bie nationafe 
a^rif fc^on im ©infen begriffen , inbem bie alten ^elbenfagen melfi in 
5ßrofa aufgeföji in baö große Sagenbuch be6 JBoIfeö aufgenommen wer* 
ben. Überhaupt fommt erfi ba bie 5Profa rec^t auf, wo bie lebenbigc 
5Poefie al« bie urfpränglit^fie ?luöbrucföweife ber SBöIfer ju fi^winben 
beginnt, fo baf bie ®alomonif(^e3eit auc^ in biefer^inftt^t bereite ben 
Übergang jur folgenben ^ertobe anbeutet. 



C. Ute Bett nad) Saloma. 



Sluf ba^ rege (iterarifd^e geben wäl^renb ber langen !Regierung ®a* 
lomo'^ folgt nun eine ^dt ber ßrf^laffüng unb Unfrud^tbarfeit, au^ 
ber un^ aud^ nic^t ba^ fieinf^e ®ebi(^t, noc^ irgenb ein anbered literari« 
fd^e^ ^robuft fiberfiefert worben ifi. 2)iefe 3e{t bauert etwa 125 3a]^re 
lang, tton 975—850. 3nbe^ bürfen wjr mit ©ic^er^eit annel^men, baß 
bie eigentliche aSolf^bid^tung , bie burc^ Da^ib fo t)iel neuen ©toff unb 
neue Anregung erJ^ielt^ aud^ neben ben mel^r wipenfc^afttid^en nnb ge« 
(eierten Sefirebungen ber falomonifd^en 3^it ftc^ im ©tiQen gtädlid^ 
f ortbilbete unb namentli^ bei ben pl^antafterei^eren , iugenblid^eren 9e« 
wobnern bed nörblic^en Sieic^^ eine gebei^lic^e ^^ege fanb. 3nbe^ finb 
biefe SSolf^lieber nod^ weit weniger erl^alten, al^ bie frfil^em/ weil t^e{l6 



(Srfier mfd^mtt aSon 1100— 850. G. S)ie Seit na(i^@a(otno. 218 

in ber Siteratur "oom 9* ^af^tf). an immer mel^r ein audfc^Ilef (ic^ teligid« 
fed unb ftttlic^ed @(ement fid^ geltenb maä^U, tf)exk auii loeil bie Seiten 
m^ ©alomo'd 3:obe immer ))ern)irrter würben unb bur^ bie Trennung 
bed dieid^ / burd^ gegenfeitige S3ef riegung / bur(^ innere Unruhen nnb 
burc^ l^arte @(^(&ge pon ^ufen oQe t^olfat^ümUd^e Dichtung fafi er« 
fiidfen mn^te« 

£enno(^ muf bie rein weltlid^e $Bo(f^))oefte , bie unt>em>üfU{d^ ifl 
n)te bie Statur/ tro^ aller @tärme fortgeleM I^a6en ; ja fte i)at am @nbe 
bed 9. Sal^rl^unberte noc^ i^re fc^önile unb )>oIIenbetße ^miijt Ifien^orge' 
6ra^t unb befc^Uept tt)urbig ben erßen 9(6f(^nttt ber feiten J^auptpc^ 
riobe. 3)iefe S)i(^tung i|i 

baö ^ol^elieb. 

1) !Dap bief ®ebi(^t nic^t ))on @a(omo ))erfapt fein fanne^ folgt 
aud bem rid^tig t)erflanbenen 3nl^a(te t)on feibfl; benn ber «König er« 
fc^eint a(^ a3erfu<j^er ber Unf^ulb ni(^t e6en im'fd^onften Sid^te» Subem 
r&l^rt bie Überfd^rift^ welche bad Sieb bem @a(omo )uf^rei6t/ entfc^ieben 
ttic^t ))om 2)id^ter ^er unb ^pxi^t iugletc^ ein Urt^eil ubec bad Sieb au6, 
inbem edbaffe(be aldbad Sieb aüer Sieber, b* i. a(d ba^fc^önfle 
Sieb bejei(^uet, — fl&ljti betrautet fann eö nic^t einmal ber S^it ®a» 
lomo'd angeJ^öreU/ n)ie be äBette^ !Do)>fe u. 31« n>oaen* Sin S^üs^nof 
tüurbe e6 nic^t (eic^t getoagt ^aben^ ein folc^e^ Sieb auf feinen Sanbed« 
fonig )u biegten. Serner ftnb inbifd^e $robufte/ bie erß @a(omo ein« 
fül^rte, tt)ie 9iarbe, aioe, Ärofoö, f^on in bie aSoKet)orjiellung überge* 
gangen unb gau} eingebürgert/ xoa^ einen fc^on (dngeren ®ebrau(^ 
))i}raudfe^t. Sluferbem fu^rt bie gemfittic^ fel^r entn)id(elte Si^rif auf 
ettt)ad fpdtere Seiten unb^SuP^ttbe. 

Su loeit jebod^ rficfen ed ®efeniud/ Umbreit u. 9i. aud f^^rad^Iid^en 
©ränben in bie na^eri(if({}e fßeriobe l^erab. !Dama(d toar bie aQge« 
meine SSolf^fiimmung tl^itö jn gebrficft'unb bum))f / t^eild )u ))or](^err^ 
f(^enb religio^/ afö ba^ ein fo rein n)e(t(i(^e^/ nationale^ Sieb, ein fo 
Ielendt)oHer/ ibt^Uifd^er SJoIf^gefang l^dtte auffommen fönnen* ^ud^ 
tt)&re bie freie 9(uffa^ung @a(omo'^/ ber nod^ nic^t a(6 9){ußer aQer 
aSeiöl^eit in S^rael erft^eint, auö einer fo fpdten ßtit nic^t re<^t begreif« 
li(^. 2)ie aramdifd^en SBortfortnen unb namentK^ ba^ furge Pronomen 
reiati^um^ bad fic^ l^ier n>ie im Seboraliebe ftnbet/ erHdren fic^ aud bem 
93olf^bia(eft/ ber immer/ befonberd im nörblidben $a(&flina/ eine flarfe 
aramdif(^e gdrbung behalten ^atte. ä}g(. @. 21. !Denn ba^ unfer Sieb, 
in Storbpaldßina )ur Seit beö getl^^eilten dteic^ed gebic^tet fein mü^t , ift 
))on gewichtigen gorfc^grn (dngft anerfannt* 3nbe^ ifl e^ fel^r ft^wer. 



814 3»f<t( $edobe. SSon b* ®x&tit>. b« jrSnigt^um« 6U j* (Snbe b. «ritd* 

einen beflimmten 3^{t)>unft fßr bie Sbfa^ung beffe(6en anjugebeU/ ba 
aae^f))ecieQen / gef^i(^t(i(^en Bestellungen fel^Ien* SebenfaH^ {{} e6 t)Of 
bem Untergange be^ nirblt^en äteic^d geb{<^tet unb gehört fomit bem 
langen 3eitraume ^on 975 6{6 722 an. 

Swalb fe^t e« in bie 3eit Omti'«/ um 920. «ttein jene 3eit, in 
bei ba^ 93o(f in )n)et ftc^ 6efdm))fenbe Parteien getl^eilt roax, (onnte )uc 
©c^öpfung etne6 folc^en ®ebi(^te6 nid^t ti^o^I geeignet fein ; benn bie^ 
fe^t nott^enbig blü^enbe unb 6efrieb{gte 3uf}Anbe bed IBoIf^Ieben^ ))or« 
au^* 9lud biefem allgemeinen ®runbe/ au^ ber Reitern unb l^avmfofen 
^luffa^ung bed gebend Mtfen wir mit einiger 9Bal&rf(^ein(id^{eit ben 
Schluß jiel^en, bap ed jur 3eit 3erobeomd II. (reg. 825—784) ttnoa 
um 820 m 800 im n6rb(i(^en 9iei(^e entßanben fein mag. 3(^ xoUU 
n>enigften6 in ber ganjen ©efc^id^te feinen paffenberen 3^i^^unft bafur 
anjugeben. Serobeam II. er^ob in ^olge g(udf(i(^et «ftriege bad Sanb }u 
einem nie gefel^enen 9Qol^(f}anbe / fo baf au^ bie 2)i(^tung wieber ge« 
beil^en fonnte. (Siner fpdteren Spo^e fann e6 ni(f)t too})l angehören ; 
benn nai) 3erobeam'6 Sobe n>urbe ed rafc^ anberd. @d folgten 3^i^(n 
t)öti{ger ^^narci)ie , blutige 2))9nn{)ien«9Be(^fe( unb immer emf}ece<fton« 
flifte mit ben Stff^rern , bie enbli^ bie 8[uf(5fung be« Steid^ed )ur $olge 
Ratten. 

3u Jener 3^^* ^^^^ / wni 800 »or ®^r. , wo in 3uba unter ber lan« 
gen unb gificfiid^en 9iegierung Ufta'd ein neued Hterarifd^ed Seben fi<fy 
entfaltete, wo 3oe( unb 9(mod blfi^ten^ wo ber (Srgdnjer bea ^entateuc^ 
Mit unb feine ib^Qif^en ®(^i(berungen entwarf/ ba werben anc^ im 
n6rbli(^en 9>ie{(^e bie )>oetifd^en SSoIfdflimmen ftd^ wieber lauter l^aben 
l^ören la^en. !£)ie falomonifc^e 3^it I^^fi bamatö nod^ nid^t aOjufern unb 
ifl im ungemeinen treu gefd^tibert. IDer «ftinig wirb no(^ feinedwegd 
ibeafifirt unb l^at etwad t)on ber SBei(^^eit unb unbegrdnjten Eingebung 
ber Winnefdnger, nur mel^r finnlid^e ®(ut unb frd^Uc^e Groberungdlufl/ 
wie wir fie etwa bei ben S^roubabourd finben« !Dabei wirb er aber mit 
einer gewi^en Sc^abenfreube utfyiJ)ntf weil er, ber SSieberüebte/ mit 
aQer 9Rad)t unb mit allem ®lan)e bad <^er) einer Jungfrau nid^t ju ges» 
winnen unb il^re Sirene ni^t ju brechen t)ermo(^te« 93gl. ^. S, 7. Sinem 
!Di(^ter bed nörblic^en 9iei(^e6 lag biefe Sluffapung befonberd nal^e. 
!3>{ef fä^rt und weiter auf ben 3nl^alt bed «^ol^enliebee. 

2) Seit 9ii(^arb @imon unb befonberd burd^ ^erberd geifheic^e 
Sluelegung*) if) bie 9lnfi(^t verbreitet worben, baf bad «^o^elieb tl^eild 



1) eiebev bev ütU, bie älteften unb fd^dn^en au« SD^ot^enlanbe. 1778. 



9x^nm\ä^nitU f8on 1100—850. C. ^ie Seit nad^ ®aIomo. 215 

nur StagmentC/ tl^etld nur Auf erK(^ unb M6)t )ufamniengerei^te SieM« 
lieber ol^ne eigentlid^en $(an , of^nt eine bad @anje burc^jie^enbe 3bee 
enthalte* (Sd fd^eint bie^ tfuffaOenb, ba bie fd^einbare 3n{^uimen^ang0< 
(ofigteit biefer Sieber nid^t größer ifl, a(« in t)ielen eigentlichen tßolf^:» 
Hebern, beren SBefen gerabe «^erber juerfl fo trefenb erfannte unb bad 
Sibgerißene unb ®|»rungl^afte berfelben mit lebenbigem @effi^( unb bi<^« 
terifc^er $^anta{ie fonf) fe^r n)ol^( ju ergdnjen )»erflanb* Slffein ba6 rein 
exegetifc^e Skrfidnbni^ be^ i^D](^en(iebed/ wie ed fpdter butc^ Amnion, 
Umbreit/ Qtoalh u. Sl* begrftnbet mürbe , mar bama(^ no(^ m(^t meit 
genug erf(]^(ofen* Slud^ ifl ba^ Sieb ni^t ganj o^ne Süden/ nid^t o^ne 
fpAtere 3ufi$e unb irrige Sßieber^olungen un6 fiberliefert morbeU/ fo 
baf bie Slad^meifung be^ urf|>räng(i(!^en 3nfamnienl^angd feineen>eg^ fo 
(eic^t mar* 

60 abgerifen unb t)eretn)e(t ndmlii^ 9Ran(^ed auf ben erflen 93Ucf 
aud^ erf^eint/ fo fdimebt &ber bem ©anjen bo(!^ eine l^i^ere @in^eit, ein 
))(anm&figer 3vfamnten^ang , eine fortfc^reitenbe (Sntmitflung ein unb 
berfelben @ef(^i(^te, bie naii il^cen SRomenten befungen mirb« 3)abei 
ftnben mir uberaO biefelbe @igeutl^umli(^feit in Sprache unb SDarßeU 
(ung/ benfelben Si(berfrei^/ biefelbe Slnfc^auung^meife unb bie burc^» 
gel^enbe Sejiel^ung auf ein unb baffeibe S^er^dltni^. @d ifi nirgenbd 
\)on ber Siebe nur im SlUgemeinen bie Siebe/ fonbern fle ifl bei ber Sung« 
frau fietd mit ber ®e]^nfu(^t na^ 9Biebert>ereinigung)>erbunben/ mie fie 
am @(^tu^ bed Siebet auc^ mtrflic^ ju 6tanbe fommt* 

2)abei erfc^mert ed bad SBerjidnbm«/ ip aber e(^t I^rifc^ unb tJofW^ 
tpmlic^/ baß ber iDic^ter nur aOmd^^Kg ben angenommenen ^Iflorifd^en 
^intergrunb bed Siebet ffert^ortreten (Aßt-/ immer aber nur fprungmeife 
bie «^anblung anbeutet unb man<^ed ber $l(iantafte bed .^5rer^ ober Se« 
ferd )u ergdnjen übrig gelaßen l^at. @o entmidelt ft(& bie Keine «^anb« 
lung ganj un^rouo(ogtf(^ unb fann "oon ber @{nbi(bungdfraft nur naii 
unb naiSj jufammengefebt merben. @ö Hegt hierin ein eigentl^flmlid^er 
Voetifd^er Weij , ben man jerflJren mfirbe , fobalb man Me ©cenen unb 
Silber/ inmeldje ba6 Sieb äerfdlFt/ ber3«itfoIge na(^ jufammenfhnen 
moHte. ^ler 6ber ifi biefe reine 5ßrofa ber^anblung/ bie jum SBerfMnb* 
ni^ be^ @an)en notmenbig i% genauer na(^)umeifen. 

3>a6 Sieb beginnt mit bem ®el^nfu(^t^rufe ber 3[ungfrau ®u(a^ 
mit naf^ i|rem ©eliebteU/ oon bem fie alfo getrennt mar« lX)tefe Sei^n« 
fuc^t/ meiere ber anmefenbe .ftdnig Salomo nt(^t fHOen Um, mirb erfi 
am@nbe befriebigt; benn ber®eliebte ber3ungfcau iflein^irt, mie 
flberaQ aufd l93efHmmteße l^er&orgel^oben mIrb/ alfo nic^t ber Ainig ®a* 



lomo. — 3m n>eitern äJerlauf M Siebet treten fobann noc^ fo(genbe 
gefc^tc^tltd^e 3{{omente beftimmt l^er)>or. 

Siufer bec SRuttet/ bie um bie 8ie(e ber Xo^Ux weif unb fie 6tl« 
ligt / n>erben nur no^ i^tt 33räbet emA^nt« !Diefe jeigen fic^ für bie 
S^te unb Unfc^ulb ber ®<l^tt)efler beforgt/ (Äaj)» 8, 8—9) unb »ertreten, 
ti)ie ed fi^eint/ bie @teOe bed ni^t mel^r (ebenben Saterd« — Sei einem 
beflimmten ^nla^, ben wir erfl fpdter erfal^ren, fc^idften fte bie Srüber 
unwillig, aud bem ^aufe / um bie blül^enben SSSeinberge gu lauten unb 
bie Sä(^fe baraud ju t)ertreiben» @ine^ SRorgen^ n&mlid^/ aM bie^ung« 
frau no(^ fc^Uef/ melbete il^r ber ©eliebte/ l^inter i^rem genßer ßel^enb, 
bie Snfunft bed Srul^iing^ unb forberte fie auf )u einem ®)>a)iergange 
ind ^reie/ ^. i, 8—14* !Die wac^famen Sruber aber unterbrachen ba6 
3n>iegefprAd) ber Siebenben fo wie ben gemeinfamen ®))a)iergang beiber, 
inbem fie ber @cl|wefter eine Arbeit anwiefen, bur(l() weld^e fie )>on ifirem 
geliebten «^irten getrennt würbe. iDiefen @inn unb d^fammenl^ang mit 
A. 1 ; 6 l^aben bie nod^ nie rid)tig bejogenen ffiorte/ weld^e @u(amitd 
Sruber reben müpeu/ ,^* 2, 15 : 

%Qi:\x^ti und bod^ 

5Dte deinen Sä(|rs/ 
35ie 9BeinBet0sS3ctberB«l' 
JDenn unfcr SEBcinbetg 
©tel^t in S3lüte. 

@u(amit erf annte gan) ri^tig in biefem 9(uftrage , baf bie S3rüber i^r 
jürnten; benn fie fagt tjorl^er 1, 6: 

3){e Gdl^ne ber SRuttet mein 
SRo(|ten mit bdfe fein^ 
©e^ten gut ^ut mic^ ein 
Über ben äßeinbetg 1 

®ie gieng nun in ben S93einberg , unb bad war ber Einfang il^rer Siren« 
nung t)on bem ®eliebten an jenem Srü^Iingdmorgen* (93gL «ftap« 6, 
1— 3») allein fie trojiet fic^ mit bem Sewuftfein i^rer gegenfeitigen 
treuen Siebe .unb wunf^t/ bap ber «^ergendfreunb no^ t)or Slnbrüc^ be^ 
8lbenb« wieber bei i^r fein möge. St. 2, 16— 17. 

Sß&^renb ©ulamit ben Sßeinberg yitiit , lief fie ftd^ ju einem wei< 
teren <S))a)iergange ind !ll^al t^erleiteU/ um gu feigen/ wie weit ber grftl^' 
ling f(^on ))orgerä(ft fei* 93gK Jt. 6^ 11. Sluf biefer Sßanberung ent* 
femte fie ft(^/ in ®ebanfen t)ertieft unb bem 3uge be^ «bergend fic^ l^int 
gebenb, ))on il^ren Sanböleuten. Jt. 6, 12. !Diefe werben bannfofort 



(Sx^n m^ä^nitU SSon iiOO— 850. G. Sie Seit nod^ @aIomo. 217 

tebenb eingeffil^rt unb m&nfd^en fte intüä, inbem fle )ug(ei<^ ein 8ob üUi 
bie ^nmitt i^rer SanMmdnnin au^fpre^en^ Jt* 7, 1 : 

j^omm toiebet/ !omm toieber^ 

O ©ttlamti ! , 

Stemm toiebet/ fomm toiebet/ 

5Dap tott bid6 feigen I 

«,90ad fel^t i^t betut | 

Sin (Sulamit?« 

3)en Steigen gletd^fam ^ 

IDet Gngel^dte ! 

Sie anmutooK 
@inb beine Xxitte 
3n ben ©anbalen/ 
^uSod^ter etned Gblen! 

!Den9{amen ©ulamit fu^tt bie Jungfrau Wn bem Drte Sulem, 
ibentifc^ mit ®unem^ v^o^er au(^ bie fd^öne SIbifag toai, bie ben alten 
S)at>ib bebiente* 2)er Drt lag na<l^ (gufebiu« fünf romifc^e SReilen föb* 
(i(^ t)om S^abot unb ifl nod^ ie^t in bem !Dotfe ®o(am )oorl^anben* S)ie 
^eimat bet Siebenben wax aifo in bet 9{Al^e be^ @eed ©enejaret 'unb 
Ux @bene 3idceel* 

Slad^ ber Sotfieaung bed fDi^terd begegnete @u(amit auf jenem 
^u^^uge ind !ll^al bem «König @a(omo mit feinem äieifegefolge« S)ie 
f6nig(i(!^en grauen t>em)unberten ft(^ über bie imponitenbe @(l^5nl^eit 
bed Sanbmdbc^en^ unb i^re Sobfprudie über baffe(6e werben t)on ®a« 
lomo toörtli^ n)ieberl^o(t, A. 6; 10 : 

«®et I&fit f!(| bort fel^n 

äBie anctgenrot? 

@o fd^ön tofc bet SWonb, 

@o rein tote bie ©onne, 

®o fiirdjtbar 

SGßie ein gfeftung^tl^urm?'' 

IDen mdc^tigfien Sinbrucf aber machte fie auf ©alorno felbfl/ fo ba^ fie 
— wol^I nic^t freiwillig — im S^or ber »^offrauen mitfortgenommen 
unb ind Hnigli^e i^arem entfüi^rt würbe* ?IW SJufentl^aUdort ©alomo'd 
nHrb ^. 8^ 11 Sa a(««^a mon genannt, ein Dxt, ber in ber 9läf}c t)on 
@u(em ober 6nnem im Stamme äiffafar gelegen l^aben muf * <^{er ifl 
bie @cene ber gan)en ©efd^ic^te, nic^t 4ber in 3erufa[em , n>ie man nac^ 
falf(^en ^Deutungen einiger ®teOen l^öd^f} gezwungen annimmt. !Der 
Did^ter l^at offenbar bie SorlieUung / ba^ ®a(omo auf einer Sqfireife in 
biefe rei}enben ©egenbeu/ in bie SVAl^e be^ @ee6 ®enesaret unb bed 8ibo« 



218 QtoeiU $mobf* aSoii b« ©rfinb. b. JTiniet^umd (td j. Sitbe b* (^Ud. 

non )ut ^öl^Kng^jeit ^ier anwefenb n>at; bälget ait(^ if. 1^ 5 nuf ®a« 
lomo'd 3 ^ 1 1 e angefpielt wirb» 

S)er Aonig fu^t nun auf aQe 9Beife bie Siebe ber Jungfrau ju 
gewinnen, bur(^ freunblic^ed ßwreben tt){e burc^ ©(^mei^elei/ burd^ 
fllül^enbe ©d^ilberung feiner 8eibenf(^aft fo wie burd^ bod Serfpre^en, 
fie jur erfien Äonigin erl^eben ju tt)onen^ 3a, er läßt bereite 8[lle6 §ur 
93ermd]^(ung jurufien unb wirb felbft ^od^jeittic^ gefc^mucft. SIDfein 
nic^tö/ oud^ eine Äönig^frone nid^t, ifi im ©taube, bie 2'reue beö 9RSb* 
^en6 maufenb ju mad^en* @ie lebt unb webt nur im 9(nbenfen an i^ren 
Sieben, ))ergegenn)ärt{gt {td^ in ber S^rennung aUe glfidfUc^en @tunben unb 
©cenen, bie fie jemiti^m erlebtunb trägt fleben^offrauentjor, fie befc^wo« 
renb : fie böc^ iu feiner anbern Siebe gegen il^re Steigung bewegen ju wollen. 

SBd^renb ©alomo i^re ©c^ön^eiten unb Sleije preifi, weip fie no(^ 
gau) anber6 )u fingen unb )u fagen, wie fte t)on il^rem ©eliebten ge« 
feiert werben unb wei^ baburc^ inbireft unb fein, oft nai'o unb necfif^, 
aQe Einträge bed ^onig^ jurfidf. !De0^aIb muf er fte enb(id^ entiaf en* 
äßir felb^n {ie !p(d^ii(^ wieber mit i^rem «Wirten )[>ereint, unb fo feiert fte 
ttoft ber ©eforgniffe i^rer »rüber (St. 8, 8—10) unb troft t)er ajerfu* 
cl)ungen eineö Äonig« unb feiner »^ofbamen (8, 11—12) ben Sriumpl^ 
ihrer Unfc^ulb unb treuen Siebe» — !Die iDarfreOung biefe« ©tegeö ber 
treuen , aHen SSerfuc^ungen wiberftel^enben Siebe , wie fie nur bem" freien 
3uge bed ^erjen^ folgt unb ni(^t burc^ Auf er e SÄittel ju erwerben ip, 
— bief, aber nic^t bie ©<^ilberung einer Siebeöfcene überlj^aupt, ifi ba6 
eigentliche Jll^ema unb ber ©runbgebanfc bed Dic^terö» 6^ txf)tüi bicf 
gan) beutlid^ au6 ben fd^onen äBorten ^* 8, 6^7 : 



®tat! toie ber %ch 
3ß bie £iebe, 
Sefl toit bie ^dQe 
$&(t l^eifie 9)'2inne. 

3f)xe ©lutcti 
(Sinb geuecgluten, 
<Sinb Stammen ®ciUi* 
©etvaltige SEBafiet 



Äonnen nid^t li5f((>en 

^ie !Bie6e6g(ut ; 

fRx^t Ströme fönnen 

^intoeg fte ^uteti» 

SBenn einer 5ßte 

$111 fein SSetmdgen 

Um bie £iebe: 

SWan tourb' il;n »er^ißl^nen»'' 



iDiefe legten äBorte finb beutKc^ mit Sesiel^uug auf bie vorl^erge^enbe 
@ef(^{<^te gefproi^en. ^uüf ©alomo woDte burc^ duperen ©lanj, burd^ 
l^ol^e SJerfprei^ungen u, f. w* bie Siebe ber Jungfrau gewinnen, (»gl* 
k. 1, 11. 6, 8—9.) aOeiu fte wied i^n immer fein unb nedtifd^ uitb 
mit einem gewipen .^ol^n )uräd!; benn wal^re Siebe ifi nid^t fdufHd^» 
©0 ifi il^r ffiefen uberl^aupt, wie ed l^ier befc^riebcn wirb, eine flamme 



et^fr^6f($nitt. 93on 1100— 850. G. 3)le Seit nad^ ®aIom9. 819 

®otted/ iU, n>o jie )finbet, unau^Iofc^H^ ifl gleid^ beut 9(i$e bed «^int« 
meld mi) bem ®Iauben ber SSöIfet. 

®el^en n>ir nutt^ n>ie ber Dichter biefe ^dben einer ®ef(^{(^te funfi* 
t)ol( t)ern)o6en unb )u einem fc^onen ©anjen ))ereinigt f)at. 

3) !Dad gan)e 8ieb Idf t {{d^ ol^ne dmang in Tteben ibi^Uifc^e Si(ber 
ober ^bfc^nitte jerlegen, S)abei ifl bie angenomtttene Situation bie, baf 
@ulamit {{(^ unter ben .^atemdfrauen/ in ber unmittelbaren 9{d^e @a« 
lomo'd beftnbet/ am ©c^Iuf aber bei i^rem ^irten auf ber $(ur. 2)ie 
gan)e ®ceile fpielt in ber «^eimat ®utamitd/ in ^aaU^amon, nt<^t in 
Serufalem^ wie biep aud bem richtig Derfianbenen @(^(uie unjmeifel^aft 
j^ervorge^t* 3)ed]^alb Wunen jt^ j. 33. auc^ bie ^offrauen erbieten, ben 
®e[iebten ber Sulamit fudjen ju wollen, wa6 in S^rufnlem — wenn 
man ni^t ju uberlünfili^en i§i)j)otl^efen feine 3uffucftt uel^men*tt)ill — 
nic^t möglich getoefen wäre- Sgl. Ä* 6, 1, — Die jteben ibpKlfc^en 
Silber finb fotgenbe : 

@rfied Silb. &. 1—2, 7. 2)ie Jungfrau fel^nt (xi^ im ^axm 
@alomo'd m^ bem <^up unb ber 93ereinigung mit i^rem ®eliebteh, 
beffen Sortreff lic^Ieit fie lurj fc^ilbert: 

D toütbe mit fin Stuf 2 

SBon ben Mfjm feine« SDImibe« ! 

^enn fnf t^ beine Siele 

mef)t ald Sein. 

(Sd buften beine halben s 

^ie »airam ergießt fi^ 

^ein 9lame3 

S)arum lieben 

^ie Jungfrauen bi^ : 

D giel^ mi^ btr nad^ ! 4 

D lag und laufen ! 

@ie etji^lt fobann ganj gef^i^tli(^ , wie ®alomo fle in fein ®ema(l^ 
gefül^rt unb jur greube unb 8ufi aufgeforbert unb jie öerfi^ert l^abe, bap 
man fie aufrichtig liebe. Ä. 1, 4. 9?un fel^len aber fd^on bem ©tropl^en* 
bau nac^ fec^d Seröjeilen, wel^e ©ulamitd JRebe an bie,i§offrauen un« 
fireitig näl^er begrfinbeten. 3m Slllgemeinen fragten bie .^offrauen wol^l, 
waö fie benn ba im SBeinberge gemacht unb fügten eine Heine ©c^mei* 
(^elei l^inju (wie Ä. 6, 10-11), auf wel^e fic^ ©ulamitd JRebe ald 
SIntwort bejiel^t. @ie berichtet / bap bie Srüber fie jtitnenb )ur «Täterin 
bed ffieinbergd beßeOt I^Atten. Untetbeffen l^abe fie i^ren eignen SSein« 



220 3^eite fßeriobe. aSon b« ®ritnb* b. Jt&tiigt^. (tö )um (Snbe b. (Sxtte. 

6erg ^ n)omit fie ben ®e({e6ten meint , nxä)t gel^fitet unb feufjt bann in 
bie8fifte: 

O fagc mir, «. 7. 

S)U/ ben ba liebet ' 

Steine ® eele : 

aSBotoeibeftbtt? 

SBo toeilefl bu 

duraJ^itiagd^eÜ? 

IDamit i^ nid^t 

®(|iet gang i}in^ä)ma^it, 

[IDi^ fttd^enb] Bei ben $eetben 

Steinet greunbe* 

2)ie i^offrauen antttjorten l^icrauf; allein fc^on duferlid^ fel^Ien l^ier 
abermals fec^d ^elUn, bie ftc^ jebo^ bem allgemeinen @inne na<^ n)ol^l 
noc^ ergSnjen unb j^erßellen lapen* !Der 3ufammenf|ang )>erlangt einen 
aS^orberfaft ju 93. 8. ÜRan erwartet, baf bie ^offrauen beftimmter barauf 
l^inn)eifen/ n)ie fie ba6 <^er) be^ ^5nig6 gett)onnen l^abeunb baf {te il^r 
bief ®lfi(f ein wenig ausmalen nnb fie auff orbern, biefe Steigung ju et« 
tt)iebetn. 5)ann belommt ber ©egenfaft SS. 8 erji rechten Sinn: 

^od^ ta>enn bu nid^t fing h\% 9). 8. 

IDu fd^önfle bev Stauen, 

@o gel^ nur l^maud; 

^en Spuren bet @4aafe naä), 

Unb toeibe beine 3t(flein 

^n ben Ratten bet Wirten ! 

9taii biefer 9iebe ber «^offrauen wenbet fxi) @alomo felbfl mit einfc^mei^ 
(^elnben Sffiorten unb mit 93erfpred^ung t)on ^ßu^fad^en an @ulamit. 
@ie aber antwortet : 

$(fd ber StM^ nod^ \oeilU 12 

^et feiner Umgebung/ 
©ab meine 9larbe 
S^ren JDuft" 

2)iefe buftenbe 9larbe, ein inbifc^ed 5p flanjenarom , woran bie 3ungfrau 
jtc6 erquf dte , i ji eben ii^r ©eliebter. €ie war in ®ebanf en mit i^m be* 
fc^dftigt, (Ä. 1, 1-3) unb biefe fupe »efc^iftigung, bad liebliche 2>uf. 
ten i^rer Starbe unterbricht bie (Srfdöeinung beö Äönigö. !Daö liegt im 
3ufammen^ang. ®ie fül^rt bad Silb fogIei(^ noc^ weiter auö : 

(Sin ^alfamfiäf^lctn 13 

3^ mein ©eliebter; 



(Srßer ^b^ä^nitt Q3on 1100-850. C. Sie Seit nad^ ®a(omo. SSI 

9[n meinem ^ufen« 

(5ine (S)^))etblttme 14 

3fl mein beliebter, 
^ie ba n)a(^^ in ben ®&rten 
• 93on (Sngebi. 

9luf bie fein a6n)eifenben Sßorte ®u(am{t6 preifi bet A6n{g nun im M^ 
gemeinen i^rc Sclfonl^eit, befonber« i^re fanften, unfc^ulbigen Slugen, 
gj- 15: 

®iel^, btt bifi \^&n, 15 

D meine S^eunbin ! 
^Uf), bu bifl f($5n/ 
$afl llaubenaugen ! 

@ulamit* 
eUff, bu bijl fc^dn^ 16 

SRein beliebtet; unb liebli« ; 
^od^ unfer Saget 
^ai ifl grän : 

SDie S3alfett nnfrec #Äufer 17 

IDad finb €ebeni; 
Unb unfre S&ube 
®inb (59i)rejfen, 

^iäift anmutig n)enbet Sulamit bad So6 bed üönigd ))on {{(^ ab auf 
i^ren S^eunb unb fagt f ogUic^ ^ auf baf man fte nic^t mx^\>ttftif)t : i^t 
(Beliebter fei f(^6n, bo^ il^r beiberfeitigeö gager fei grün / fei auf bem 
grünen 2!ep)){(l^ ber SVatur / unter bem Saubbac^e , bad Gebern unb @9« 
preffen gettDcü^reU/ alfo nic^t im ^tlk ©alomo'd auf !prd<^tigen ^olflern 
unb !D{)oanen. !D{e 8iebe bed <K5nigd ifi bamtt beutli(^ genug abgettDte« 
fen. 2)ie Sungfrau tjerglei^t fi(^ felbfl einer einfad^en gelbblume unb 
fu^it fid^ am mol^Iflen auf ber freien g(ur bei il^red ®(ei(^en , &.Z, l: 

(Sine 3eitIofe bin id» i 
8(ttr@aron*< glnr, 
Gine Silie 
an ben X^&Ienu 

2)ief einfach (dnblid^e 9i(b/ n)e((^ed @u(amit "oon {t(^ gebrandet, ftei« 
gert ber Äönig fe^r artig ju einem fc^meic^el^aflen Silbe M 8öbe«, in* 
bem er fagt : 

me eine Silie 2 

Untet ben 3)omen/ 
©0 ifl meine ^teunbtn 
Unter ben %öä}Utn, 



222 3tt>eite $eriobe. Sßon \>. ®ntnb* b. Jt&nigtl^. iü )ttm (Snbe b« (Sxil^. 

3eboc^ in berfel^n ffieife n){e Aa)). 1 / 16 n)enbet Sulamit biep 2o6 
auf t^ren entfernten greunb unb fc^ilbett bann totiUx l^u @el^nfu(^t, 
il^r innige^ Sie6ed^etlajtgen. 



€ulamit* 



fBit ein 9))felbattm 
Unter ben SBalbeebaumen/ 
@o i^ mein beliebte); 
Unter ben Söhnen* — 

3n feinem ©d^atten 
aRd^te t4 toeilen ! 
IDenn fä$ \ft feine Srud^t 
Sär meinen 9)^nnb* 

(Sr fül^rt mid^ l^in 
3ttmaBBein(e^&Uer: 



9(10 Sa^ne bient mir 
Reifte £ie(e. 

O 9&tf et mi^ 5 

SDi^it ll^rauBenfnd^en ! 

Grqntcfet miäf 

mit bupenben Ä»)fetn ! 

IDenn fran! (in id^ 

IBor iUU 1 — 

Untere ^aiüßi feine £tnfe mir ! 6 

Unb feine ffttiitU umfaße miäf ! 



Der 8[|)fel bäum l^at l^ier tDie Ä. 8, 5 unb ebenfo bie Sru^t bejfelben 
an allen ©teOen/ tt>ö jie tjorlommt/ iuflleic^ f^mbolifc^e Sebeutunfl unb 
mup Sinnbilb ber Siebe fein. 3>^ren ^ceunb ^at fte f(^on )>ot^er 
a(d il^ren Sßeinbetg be)ei(^net A« 1, 6; l^ier ifi er i(ft eiu ^fpfelbaunt/ 
in beffen 6c^atten fte xnf)^n, mit beffen grfi<^ten jie erquirft werben 
mochte , weil fte liebe^Iranl ift. ® ewö^nlic^e Sipfel unb 2;rauben , wie 
man ed profaiftb genug allgemein )>erftel^t ^ würben ba wol^( wenig ^eU 
fen* aSielmel^t ben ®eliebten unb wad er )u geben t^ermag^ wänfd^t fie 
)u genief en^ feine 9t&f)^, feine Umarmung/ bie @rweife feiner Siebe^ wie 
fte e^ ^. 6 offen au^fpri^t. Daran fc^Iießt ft(^ bann fel^t paffenb bie 
93ef(6w5rung ber «^offrauen^ weld^e ofenbar bie SSerbinbung mit @a« 
(omo )>ermitte(n foDten unb il^r )uf))ra(^en ; fie befc^wort fte aber bei 
aOem toai ^olb unb (ieb(i(^ ift, fie bo(^ )u feiner anbern Siebe bewegen 
gu woOen, biö i^r ^erj etwa fid^ geneigt fu^ile : 

« 34 befd(n)5re end^; 7 

Sl^r Sd(iter Semfalelhd; 
^ei ben ©ageQen 
Unb ^tnben be0 Selbem : 
IRic^t gu erregen 
^oä) )u Ben^egen 
a)ie titU, 
$t0t^re0gef&atl 

©0 enbet baö erfie Säilb, bad und fogleic^ mitten in bie Sac^e, in bie 
Serwiiflung bed Siebet einfül^rt« 9Bir l^aben )Wei Siebenbe^ gwifc^en bie 
fi(^ ein britted einbringen wiO. Wt grof er ^nnft entptit ber Did^ter 



dxjlttx mi^nitt. aSon 1100—850. G. S>U Qtit na^ Salmo. SS8 



fobann aam4l^(ig unb nur Beiläufig bad iu^tu, ))tofaif^e (Setfiß ber 
»^onblung, \>on welchem feine f^rifd^cn Srgfif e getragen jinb. 

3weite6 »ilb* Äa^ 2, 8-17. Der Seit nac^ gebort bie^ 
jwdte {bi^ntf(^e 9i(b t) o r ba6 erfte. @^ jeigt und bie 93eran(af ung, n)ie 
(Su(amtt ))om eUerltc^en «^aufe unb ))on i^rem ®e(iebten getrennt VDurbe. 
Site biefer nämlicl^ an einem grfll^Hngemorgcn jte ju einem ©pajiergange 
abl^olen wollte, um be6 eben angebrod^enen grül^lingd ftc^ gemeinfom 
au erfreuen, ba übertrugen i^r bie ©ruber bie t^fitung be6 ffieinbergd, 
Ä. 2, 15, wad beutlid) auf Ä. 1, 6 jurfitfweifi. SBgf. ©• 216. 

^(S6 ift ein feiner 3ug beö 3)ic^terd, baf er bie ber «^aupt^anbfung 
»orauöge^enben Sreigniffe nur ate @inf<^Iag6fÄbert für fein ®ett)ebe bt^ 
nuftt* !Die Situation ifi babei fofgenbe. 3n ber abwefenl^eit be« ®e* 
liebten vergegenwärtigt fi^ Sniamit lebhaft frul^ere, glüdlid&e Slugen* 
blicfe, wo fie mit il^m )ufammen war* 92ic^td ifi natürlicher. !Diefe liebe« 
glu^enbe Erinnerung, bief innere Sortleben unb ftete ft^ SSergegenwär- 
tigen bed einjig ©eliebten er^ö^t jugleid^ il^re SBiberflanbdfraft gegen 
bie reijenben 93erfu(i^ungen eined ^önigd. ®o gebeult fie sun&dbfi ber 
lefttm, t>erl^4ngniöt)ollen 3wföinnienlunft mit i^rem greunbe unb jieigt 
bonn immer weiter in bie Vergangenheit jurüd/' *) 

auf erfi aart ifi ba6 ÜJtorgenfldnbc^en, bie (Sinlabung bed ©eliebten 
gel^alten ; 



^ox^, mm ©eltebtet ! 
(Sir^f, bafottimt er! 
®)>rm9t uBecbte ^erge, 
$ä))ft üUx bie $ngel* 
@6 gteic^i mein ©eliebter 
3)et ©ageffe 
Dbet bem Simgen 
S>er ^inbinnen« 
®te]^e, ba fte^i er 
hinter unftet SOlauer, 
@4aut ^en>or 
^urd^ bad Senfler ! 

Gt gl&ngt l^et^or 
hinter bem ©itter, . 
^a beginnt mein beliebter 
ttnb fpri^t gu mit : 



8 



9 



10 



„^Uff aufboc^, 
3)u ^olbige 



Unb lauf bo(|'! 
3)enn fortgegogen 
3fl ber hinter, 
S)et d^egen vetflogen 
Unb ifl bal^in. 

^xauf bUnfen bie Slumen, 
5Die ^ingaeit i^ ba ; 
^ai ©irren ber Gürtel 
hernimmt man im Sanb ! 
^er Seigenboum treibt fd^on 
@eine JhioUen, 
IDie 9teben{ld(fe 
^(ä^en unb bnften ! 



11 



\t 



13 



1) iBgU meine @(^rift : «,^ad ^ol^elieb in beutfc^eii' äberfe(^ung ^ (SrfUrung 
unbfritifd^erXertau^gabe* Tübingen, 1854.'' 



224 3)veite fßeriobe. SBon b..®rfinb. b. Jttnigt^um« m }• Snbe b. dxM^ 



&tff auf bod^, 

(Solbige 

Unb (auf bpc^ ! 

SRem 3:&ub((en im ^eflüft; 



14 



3m IBecfledE tet &d^t, 
£af miti^ fe^n bein ileft(|t/ 
9a$ mi(& l^ötett beine stimme ! 
^enn fü$ ifl beine stimme 
Unb lieMi* bein ««Midi* 



2){ep @tdnbd^en unterbrai^en bie Sritbet/ inbem fte bie @(^n)e{ler in ben 
SSSeinberg fc^idten. A. 2, 15. iDott tröfiete fte fid^ aber in ber Sinfam« 
feit mit bem ®ebanfejt il^tet gegenfeitigen treuen Siebe unb n)unfc^te/ bap 
ber greunb nod^ "oox SIbenb fo fc^neO n)ie am ÜRorgen n)ieber )u il^r 
eilen möge, 6ie fingt: 

4 SRein beliebtet ifi mdn 16 

Unb \ä) bin fei«, 
Gt ber ba reibet 
Unter ben iBilien. . 
93e))or no4 toel^et 17 

S){e (XbenbfuI^Ie, 
Unb el^ nod^ verfd^toinben 
^k @($atten : 
i(omm SieBßer unb gteid^e 
^er (Saj^ett* unb bem Snngen 
^er ^inbinnen 
$(uf bem ^alfamgeBirge ! 

Da« b ritte Silb^en, Aap. 3, 1—5, fieW ebenfaO« ein «eine«, in 
j^d) abgefd^lofened Sreigni^ ane bem Siebe6(eben ber Jungfrau bar. 
@ie ))ergegenn)Artigt f{(^ unb erjäl^It/ wie fte einfl bei 9lad)t "ocn if)xtm 
®e(iebten trdumte, bann auffianb, i|in braufien fuc^te unb fanb unb )um 
,§aufe ibrer SWutter führte. 5)er 3)ic^ter wiK bamit bie Snnigleit i^rer 
Siebe bejeic^nen. !Der S^eunb erfüllt eben i^r ganjed <^er}/ i^r @innen 
unb Denfen bei S^ag unb 9ia6)t, unb eine fo tiefe räifj^aitiofe Steigung, 
tt)ie bieferSorfan fd^on fie i^arafterifirt, ifi nic^t fo leicht ju tjerbringen. 
Dal^er bie abermalige Sef(^n)5rung ber fönigKc^en grauen, fie boc^ )u 
feiner anbern Siebe bewegen gu woHen, bid il^r eignet innere ed etwa 
jugeben würbe. 



9uf meinem Sager 
^a fud^f iä) Bei 9lad^t 
3^n, ben ba UeBet 
SReine @eele. 
3(9 fud^te tl^n 
Unb fanb i^u nidBt. 
ir®o toiQ i(b auffie^n unb uml^ergel^n 
3tt ber @tabt, auf ben (Strafen ! 
' %(uf ben freien $U|en 



^a tüiU td^ fn(9en 
Sf^n, ben ba liebet 
Steine (Seel^!'' 

3(9 fud^te i^n 
Unb fanb i^n nid^t ; 
m\6f fanben bie Sß&d^ter, 
IDie um^ergeBu in ber ® tabt : 
v39n, ben ba liebet 
Steine eeele, 



drflft ^IBf^nltt. aSon iiOO— 850. G. S)ie Qtit nad^ @alomo* 

D fal^t Uft i^n ni^t?'' 3n0 ^ma^ meinet SRnitet. — 

Jtaum \owc i4 i»orufiet 4 3(^ UfdfXobx' m^, s 

9(n i^ncn, 31^« ^^öc^ter Snrufalem«, 

@o l^aB' iä) gefimben S3e( ben ®a|ellen 

3^11; ben bo liebet Unb ^inben be« gelbe« : 

aWeine Seele» 9liäfi jn erregen 

3c5 iW if)n fogen unb nx^i lagen ^'>^ 8» Betüegen 

»i< t)afl {(^ i^n geführt ^^< ^^«^^ 

3n« «au« meiner SWntter, ^<« i*« e« Ö«f&tt* J 

Sietted 93{(b. Aap< 3, 6 — ^. 5; 1. ®(^on bitt(^ Me (Sin« 
gang^tootte tt){rb l^ier mie A. 6/ 10. 8^ 5 auf eine gan) neue 6cene 
^ingewiefen, in n)e(c^er @u(atnitunb @a(omo auftreten. 9R{t n)enig 
jtunfl fünbigt bet 3)i(^tet fe(6f} 93. 6—11 bie ^anbelnben ^eifonen unb 
il^te Umgebung an ; }und<^fl ein tveiblid^ed SSefeU/ ml6)t^ beut 3»* 
fammenl^ange gem&p nur ®u(amit fein fann* 3)ann befd^reibt et^ n)ie 
Salomo ein pr&(^tige6 Stautbett/ bad mit einer neuen ©eüebten ge« 
f^m&dt n)erben foO, {t(^ l^at mad^en la^m, unb n)ie er felbfi im l^o(^« 
ieitlid^en @(^mudfe erfc^eint. !Diep aUe^ ifi SSorfpiel unb Einleitung, 
eine b(ofe (Srpofition/ um bie folgenben SSec^felgef&nge t)erflAnbK(^ }u 
machen, ganj fo tDie im inbifc^en ®ita ^^ ®o))inba* !Dann beginnt Aap. 4 
wieber ber !DiaIog mit ber Sungfrau, beten 8iebe ber Äonig gewinnen 
m5(^te. 3laii ber einleitenben ^fu^einanberfe^ung mufi bie Steigung bed 
A5nigd {e^t weit gefieigerter unb (eibenf^aftlic^er gefc^ilbert werben, a(6 
frül^er. i>e^f)alb Idft ber 2)i(^ter i^n fe^r pajfenb gerabe l^ier bie weib« 
liefen dieiie, bie il^n in ^(ammen fe^en, fo audfü^r(i(b greifen. Sr fe^nt 
f{(^ glfil^enb m^ ber Umarmung feiner ©eliebten. 

steine ^ei IBrüfte 5 

@tnb tDie ein $&rd6en 
Sßcn Swiaing« ^ (SaieHen 
Unter Milien toeibenb. 

fQeoet no(!9 loel^et 
2)ie Slbenbfü^le 
Unb bie ©d^atten 
IBerfd6tt)inben : 

aRdt^te id^ gel^n 
3um an^rr^enberge 
Unb gnm «öget 
5Dee SEBei^rand^d ! 

3m eigentlichen Sinne {innen biefe^^figel/ bie®a(omo befieigen 
mSd^te, f(^on bedl^alb nic^t fiel^en, weil SR^rrl^en unb Sßeil^raud^ in^ 
$a(dfiina ni^t gebaut würben. ®emeint finb t)ie(mell^r bie im Stnfang 

0efil^. b. pott. Kationallit. b. «gieBr. \ 5 



3t»eitf $eriobf* Sßon b. (Sriinb. b, .ftdtigt^* Bid jutn (Snbf b« (SriU* 



ber ©troplgie erwähnten ©ajettcn • SwfWnge , bie refjeitbfn ^otthifleln, 
bie M. 8, 9 gar mit 3;prmen tjergHc^en'iDerbcn» ^^nli<^e unt»ertlümtc 
SaSunfc^e fiupert Satomo auc^ Ä* 7, 9* — Sulantit tt)iK boÄ S3ift> t)on 
ben füf buftenbm .^ugeln ni(^t )>etfiel^en unb antwortef ^ [(^alf^aft aud« 
weic^enb, wie i^r ©cHebter jlc einji aufgeforbert , ben gefo^rllc^en 8iba« 
non Witt feinen aSorbergen ju befieigen. 2)aran Ibiüpft (ie bonn eine 
Sobpreifung i^rer felbfi, inbem fie bie SQSorte be« ©«Hebten »ieberl^olt» 
@d liegt barin/ ba|i ber junge «^irt fte nnenbli^ liebt unb alle6 fät fte 
wagen wiube^ fo wie anbrerfeitd auc^ i^re eigene unbegrAnjte .^in« 
gebung unb Streue/ foIgKc^ jugleid^ eine fel^r entfd^iebene Sutüdweifung 
bec SEBönfc^e bed Aonigd. 

^uni^ß fpringt Sulantit auf e<]^t ))oIf^t^umli(l^e SSeife, burc^ eine 
9(tf 9SBortf)}ie(^ von beut «^ügel be^ SBei()rau^d, ,/Sebona'' jum Setge 
Sibanon übet unb weidet baburd^ f^^fi anmutig bem Slnflnnm bed 
^{nigd an^ : 



8 



,,aRit mit Dom Si^anoii; 

D f&XCMt, 

Ü02it mtr t)cm Libanon 

^cdfl btt !ommen ! 

^Öfl fe^en »om ®tj)fel 

S)ed Slmoiia 

IBom <Di))f(l be9 Senit 

Unb bed ^ermon ! 

fßm ben ^dl^Ien ber ^dm^n, 

33 on ben S3ergen bet $arber ! 

[IDenn] bu ma^^ mtd^ ^tg^aft; 9 

D @^wefler S3raut ! 

2)u mac^fl mic$ Ijerjliaft 
2)ucc^ ein« beiner ^ugen, 
5)ttr(5 ein« befÄctt'((>en 
IBon beinern ^alfe* 
ODie f(iftön ifi beine Siebe, 
SD'^eine (B^toc^tx, ^rant ! 



10 



aöie fufl ifl beiie «tebe, 
@nfler al^ Sein I 
deiner halben S)uft 
©el^i a((em ^alfam »or : 
^^nigfetm tranfeltt 
^eine iipptn, o ^cout I 

^«nig unb 9Ri(d6 
Sfi nniex ber 3imge bir, 
Unb bet ^isft beinet itlf^t 
3ü )ote £ibanott< ^uft. 
(Sin t^erfdj^ogener ©arten' 
S3i)l bu, ©d^weiler ©raut, 
^<8vn tjcrfd^Iogener ©arten, 
%in »erjieöeltet 93om ! 
f)etne !ßflan)Uttgen flnb 
(^n $arabte0 von ©ranateu 
9le64l ber gtuc^t 
aSon.eblem Dh^" 'u* f. to. 



11 



13 



13 



Sluf biefe frül^ere SJnrebe unb aufforbemng be« ©eliebten antwortete 
©ulamit, inbem jle baö leftte ©Hb t)on einem Sujigarten beibel^ielt. @ie 
wieber^olt l^ier — na^ ber SorjieBung bed 2)i(^terd — i^re eigenen 
SBorte fo wie baö, toa^ ber ©eltebte baranf erwieberte* ©ie wunfd^t 
offen, ber ®eliebte möge be6 3)ufted unb ber grud&te biefeö ® artend, 
bet/ wie er wo^l weif, für jeben »nbem »erfc^Iof en iji, ftc^ b^c^ erfrewen 
unb {ie genießen. 2)er Srftutigam antwortet: ev werbe nid^t f&tmtn unb 
ft(^ im Siebe^genitp feiig bcraufc^en* 3nbem ©ubuntt aifo ecflirt, bap 



dx^p^h^d^nüt aSon 1100— 850* G. 3)ie Seit ita«^ edomo. 227 



fie intern ©eliei^ten unb Setlobten gern aOed Siebe utib Sfi^e %t\»&f)tc, 
entl^alten il^re SEBorte inbiteft ttne abermalige Verwerfung ber Setoerbun« 
gen be6 Jt6nigd* 

Gulamit* 



(it^eBe btd^/ dlorbtoinb/ 16 

Unb fomm heäf, o ©übtoinb, 
^VLxä)mfft meinen garten/ 
IDaf flrdme fein ^dfambuft! 
IDamit fomnte ituin ®clirBter 
, 3u feinem ©arten 
Unb genief en möge 
©ein eb(e0 D6^ ! 

t,5ä} fomme )» metnem (Sorten; St.^,U 



D ed^toefker ^drant, 
3d^ ))fln((e meine SRl^e 
9tibt meinem ^alfam $ 
3^ geniepe mein ©«i^ibd^n 
Unb meinen ^onig/ 
Xrinf e meinen tB«in 
Unb meine ai^ild^ : 
«,//®eniepet bie greube! 
Xxxnh euc^ felig in iUU ! '*' 



gfinfte^ 33 üb* Äa^ 5, 2 — Ä. 6, 3. ^3)ie \)ierte ©cene 
jeigte un« in ber testen ^äCfte ba6 innige ffied^felfe^nen t)on jwei lie* 
benben Äatiiten, jwifil^en bie fiä) ein XxxiM einbringen wollte. Die 
Snngfrau tonnte ben Jtönig/ ber bnr(^au6 fein reifer nnb gemeiner 9Bo(« 
täfiling war, nid^t yaffenber inrndhoeifen; a(6 bobnrc^; bof fie au6 bem 
Seben , aui^ einjelnen gef(^i(^t(i(^en Vorgängen bie unwanbeibare Streue 
unb 3nnigfeit i^rer Siebe erraten (ief • ®o f^Uef t ftc^ bie ffinfte €cene 
fel^r ))affenb an bie ))or]^erge^enbe an. 2)ie ^ebonfen unb ®effil^(e beö 
3;agd Wirten auc^ bei SRac^t in bem «^erjen bet 3ungfrau fort; unb in 
biefem @inne er)d^(t fte l^ier eine uA^tU^e @cene/ bie mit ber Stap. 3, 
1—5 t)erwanbt if). Sie trAumtc einfl, wie i^x ^eunb bei llaiit (ieb^ 
fofenb um @in(ap bat unb wie fte erfi fc^erjenb il^ abwied, bann auf^ 
flanb, um i^neinjula^eu/ oberbraufen nic^t fanb unb nun ))ergebend 
il^n fud^te* !I)er anfdnglic^e S^raum gel^t wie A. 3; 1 aOmdl^Hg in bie 
9ßir{(i(^fe{t aber unb jeigt beutlic^er/ a(^ ^unbert Setl^eurungen unb 
Ausrufungen/ wie tief bie Siebe im-t^erjen ber Jungfrau 93ur)e( ge« 
fc^lageu/ fo baf au(^ nic^t ber fleinfle Staum f&c eine anbre Siebe noc^ 
übrig ifi/ — @ie bef^wört fobann bie ^^offrauen, ibrem Siebten Äunbe 
))on i^r ju bringen unb i^m )u fagen , bap fte franf fei "oox Siebe. (&$ 
liegt l^terin offenbar^ ba^ fte unfreiwillig )urfitfge]^alten würbe* 

iSulamit. 
3^ fear enifci^lafen; 2 

lDo(6 mein ^erg n^ar \oaä). 
^ox^, ba ftopft mein ©elieBter : ^ 



JSIla^ mir hoä^ auf, 

SReine ®d^n>efler; meine gteunbin; 

SRein S&nbc^en, meint IBejie ! 

^enn mein ^an^i 



3^ wU ^(M ^QU, 

Unb meine f&adm 
S5ou Txo^fm ber Sloc^t.* 
«»3d( l^ab antfgqogen mein ^eib, 
SBiefoiUMd^bod^anjiel^n? 
3i^ ^ah gelDaf^en meine Süfle/ 
SB}iefoari4 9ebef4mtt(^en? 

15* 



4ia 



228 Sttxite ^txUU. SSon b. ®runb. b* Jt&nigt^umd m ). Snbe b» @r(». 

Stein beliebtet fhr(ite 4 3d^ trar riiä^i Bei ©innen 

^ie $anb Hxibfi Senftet; ®&^renb et ft)ra(l(» 

Unb mein Snnerßed 
©ogte i^m entöfsen. s^„„ ^„^^^ .^ .|^„ 

^a flanb id^ auf 5 Qnb fanb i^n nici^t ; 

3u Offnen Hm Siebten, a)9i4 f^nben bie ^&^Ut 7 

• Unb meine ^änbe JDie uml^erge^n in bet @tabt j 

S:rieften »on SR^trl^e, . ®(e fd^Iugen mi(^> »nnb, 

Unb meine ginget , ^oben mir ben @(6(eier auf. — •) 

iBon qniUenbet ^^ttf^t. *) 3(^ befd^n^öre eutib/ s 

!X)a dflfnete i(ti 6 5^x Xb^Ui ^ernfalem« : 

aReinem beliebten) Sßenn il^r finbei ben 8tebflen/ 

^0^ mm beliebtet SBad wollt il^r i^m fagen? 

Sar foit/ taax t)erfd^ta>unben3 2)a{i id^ hanf bin bor Siebe ! 

i^tetauf erfunbigen ftd^ bie ^^offiauen^ »»er benn iJ^r ©eliebter eigentK(^ 
fei. a9^ennicgenbn)0/ fo ift e^ ^ier unjmetfel^aft Hat / bap ni(^t ®a« 
lomo ed fein tann. @ulamit f(^t(bert baiauf n>arm unb begeiflert il^ten 
gteunb unb bie ,&offrauen erbieten fic^, i^n fuc^en ju Reifen. 

®ol^in gieng bein Siebter, Sta^, 6, 1. 
3)n fcbönfie ber grauen ? 
äBol^in toanbte ftd^ bein 8iebßer? 
Sap un0 fttc^en i^n mit bir ! 

©ulamit* 

SRein Siebfter gieng gnm ®axim, % 

3u ben ^alfambeeteU/ 

Um iVL loeiben in ben ®ärten 

Unb «ilien ju ppcfen. — 

IDec 8ieb{le ifl mein 3 

Unb idb bin fein^ 
Cr, ber'ba »eibet 
Unter ben Siiien* 

@u(amit fann m ^fUgemeinen nur bie 9ii(i^tung angeben , xotü^in ber 
®e(iebte Mij ber S^rennung fic^ begeben* 9iuf il^rer etnfamen SEBad^t im 
SSSeinberge tr5f}ete fie fid^ bann mit bem ©ebanfeu/ ba^ ber greunb un« 
t)erbrä(l^(id^ il^r angel^5re unb fie i^xa, unb jene Si^orte R. %, 16 (dpt ber 
2){(^ter au(i^ l^ter fel^r paffenb n>ieber burd^tönen* !Dur(^ bie $rage ber 



1) J^\ ben ^anbgriff bed fkxt^tU/* eine ®iofe, t^eranlaßt burt^ SRidverflanb ber 
))or9er0e^enben Silber/ bie nur bad ttberfhOmenbe , i^r gan^ed ®efen bnrd^glu^enbe 
Siebe^gefitl^t au^brüden foKen. — 

2) Jbit äBdd^ter ber Stauern/ ebenfaKe eine ®loffe. 



(Srftet ^[(fd^nitt. Sßen iiOO--85(K G. 3)ie Seit nad^ ®aIomo. 



«^offtauen n>atb eine dl^nlid^e Stimmung in i^t erregt unb bad ®effil^( 
ber S^rennung erneuert* 

6e^fle6 Silb. Aap. 6, 4 — A. 8, 4. @d beginnt ^ier beutli^ 
ein eigner Slbfc^nitt, ein neued 9i(b/ ba^ ol^ne Einleitung t^orgefül^rt 
tt>irb unb ®a(omo'd legten äSerfud^, bad <^er| ber Jungfrau )u erobern/ 
barfient. (StUUnnt, ba^ fie il^m lieber fei/ dd aO feine .Königinnen 
unb «ffebdfrauen* 2)iefe felbfl mren erflaunt über @u(amitd @(^5nbeit 
unb n>erben rebenb eingeffil^rt / wie fte gleich bei ber erßen Begegnung 
fle gepriefen* 3m ®(ei(^en n)irb @ulamitd Slnttüort wieber^olt / bap fte 
ndmlic^ "oom 9Bege abgeirrt fei/ inbem {ie im Sl^ale ^abe feigen xocUtn, 
tt)ie tt>eit ber grü^Ifng/ beffen eintritt ber ©eliebte (Äop* 2/ 8—17) i^r 
gemelbet l^atte/ fd^on t)orgerä(ft fei* 3mmer weifl ber 2)i(l^ter auf iene^ 
)>erll^dngni6\)oae (Sreignid jurud* 

® alomo* 

^d^ön bifi bit/ meine S^eunbin 

2Bfe Jritja, 

ISifl Iteblid^ n?ie Serufatem 

Unb pxifihat xoit ein 8e{iungdtl)urm» 

SOenb* ^itctot^ beine 9ngen ! 

IDenn fie bringen mi(( t)on ©innen* *) 

Ged^gig iinb Königinnen 

Unb ad^tjig {!nb ^tebenfrann 

Unb bte 3nngfraneu un^ol^Iig} 

lDo($ eine nnt i^ 

SRein mbd^en, meine IBefle I 



8 



9 



^et WluiUx ifl i!e eingig, 
31^t tJ^euet, bie fte geboren; 
IDie ^lüd^ter erfc^auten fte 
Unb t^&ten fte loben, 
J^dntg^^ unb Slebenfraun 
^aben fie erhoben : 



10 



»Ser I&fit fid^ bort frl^n 

SOieSnorgenrot? 

<So fc^dn — n){e ber SRonb, 

®o rein t»ie bie ©onne, 

@o furd^tbar »ie ein Sefhingtftl^nrm ? ' 



@ulamit« 

^«3ttm9ltt{igarten 

©ieng idb ^inab. 

Um ^ier )u fel^n 

9la^ bem ®ritn be# %f}a\9, 

Um ^ier gu fel^n 

Ob f^rope ber SQßeinfiodP/ 

£)b ©lüten ittibt 

^er ©ranatenbaum* 

3(^ n)eip nic^t, roit 

^ai ^et} mt(b führte 

SS^eg von bcn ®d(iaarett 

üffeiner Sanbtfleut*/ ber eblen ! 



11 



12 



MM 



!Die (SrtDdl^nung ))on 6ulam{t6 Sanb^Ieuten ))eranlaft ben ^IdfUt, 
au^ biefe l^ier rebenb einjuful^ren* ®ie U)unf(^en bie Jungfrau jurfid 
unb (oben il^re ^nmut beim !lan)* Sgl* @* 217* 3tni ber (^rifc^e 
!X)i(^ter barf fxä) fo((^e Sprünge erlauben unb fann bad ©etrenntefie )u 
einem Silbe }ufammenfafen« Sine tt)irf(i(^e iDarfteUung biefer — ber 
Sonn nad^ — bramatif(^en Scene n)Are unm5g(id^ / unb gerabe biefe 
fortto&l^renben @inf(^a(tungen ))on frül^eren Sieben bett)eifen genugfam/ 

1) JDie folgenben Sorte, St.%, 5—7 fhib naä) St. i , ^ —% toieberl^ott unb 
flören §ier. 



QmiU $(riobe. SBcn b* ®runb* b. StMitff. m jum Snbe b. HAU. 



ba^ ber IDlc^ter nic^t entfernt an tfaie «ufffil&ninfl gebockt 1)at — 3nm 
©^luf fommt noc^maM eine 8obrebe be« Äönfge anf bie ftd^ttaren nnb 
unrettbaren Sleise ber Jungfrau , bie er genief en mii^k unb bie feine 
(ußerne $^antafie fi(^ fo ausmalt. 



€ alonto* 



^ie SE^dlbungen beinec 4üfte 

^iitb )9ie etil ^al^anb, 

9>a< ba gcbilbct 

$on JtmtfUn^&iiben« 

IDem (Sci^oog i^ 

(Sin vunbev ^e^tt : 

9{i4i m5ge il^m 

^et 9>{{r4)»nfi fel^len ! 

IDetn 8eib ifl 

(Sin aßaij^enl^itgel, 

Umfle(!t 

mit iilitn. *) 

lDa6 ^au^t ^el^ anf bir 

SEBU ber StaxmeX, 

Unb bo^ $aar beined ^aWptt^ 

®(e{4tbem$ttn>nt: 

(Sin Jtj^nig i|l gefangin 

3nbenfio(!en! 



6 



SBie f^On unb ttrie ^olb biji bn 7 

8iebfle, ^oU tiebe^k^ 1 

IDetne ®e{iaU 8 

S){( glei4)t bem ^almbatm, 

Unb beine S3rä{le 

^en ^raubehbeeren«. 

3^ toönf^te )u W^m 9 

$(uf ben $almenbattm 
Unb )tt erfafen 
®eine Bweige 1 
a)^64te betn SBufen bo(!6 fein 
9Die bie XrauBen be6 SDeinfioä«, 
Unb ber ^uft beincr SHafe 
. JDem ber ä»)fel ^Uiö; ! •) 
Unb bein Tlnnt loie Süglbein lo 
IDer ba fitefit meiner Siebe^ 
£)^ne 9alf4^ befd^lei^enb 
SD'^eine fd^Iummemben Sippen* 



@u(amitd Antwort ifl abn)eifenb tt){e ftvif)tx, inbent fie erf(drt/ baf il^r 
i^er) bereite i^rem ©eliebten gel^jire unb ba$ jte nac^ i^m aufd innigfle 
ftdb fei^ne» 3n ber 8eb]^oftigfeit beö ©efiil^M rebet fte ben entfernten ®e» 
liebten an unb n)enbet ftc^ bamit \>on ®atomo ab. @ie fe^nt ft(^ l^inaud 
ind Seite. 3n ©otted freier 9latur/ unter ben Slumen bed Srü^Kngd, 
bie )u befel^en er fie an jenem SRorgen aufgefotbert l^atte, bort mochte fie 
rüd^attdtod il^re Siebe Iffm mH)m. 



3^ geljöte bem 8ieb|len, 


. 11 


Ob ft)roge ber Seinflo«!, 


^* $e]^nftt<l^t na<!l^ il^m : 




£>6 fid^ dpen bte SBlnten 


€o !omm bod^, mein i^iebflet/ 


u 


Unb ob ba blui^n 


$Bir tooUen aufd Sanb ! ~ 




lDie(S)ranatenbäumel 


9Bir tootlen toeilen 






OeilS^perblnmen! 




IDort toiQ iä) geben 


SßoUen frfi^ ju ben SDeinbergen 


18 


a^eineeicbebir: 


Unb wUtn it^ti, 




^it £iebe«&pfel 



14 



1) ^ier folgt $. 4-5 im Zett-^ ein ftc^tbdr ttne«te8 (Sinf^iebfeL 

2) b* i. liebeat^menb* 



/ 



Qtfitt ^6f(^nUt aSon 1100-850. G. 3)ie Seit nad^ eatomc. SSI 



Sßfthxtiitn fbufL 

$luf unfern 2!]^uren 

3il allerlei DBjl : 

9lettetf nnb alit9, 

D mein beliebter; 

&pQtr \^ föt bi«* — 

D xti&uft bu it<M>. 8, 1. 

Sie ein^tubecmtv! 

(Sin ©(htgling meinet 9ftutfet ^tv^ ! 

9&nb* i(i^ bi(6 btaupeit/ 

JDürft* i« bi(^ füffen 

Unb 9{iemanb ))er]^51^nte mici^ ; 

3(i^ toätbe bi<^ fft^ren^ ^ 2 



Iffluvbe bi(^ l^ringett 

Bum ^aud meinet SRuttet) 

IDu le^ttefl mi(^ 

Sie i« tr&nfen bi« foOte 

Sßom loürjigen SDein/ 

$om ©ranatenmcfl : — 

©eine 8infe untere ^avOpi mir ! 

Unb feine SRec^te umfage midft ! 

3^ befd^mdre mä^, 

3^r Sddbter 3etufalem< : 

IRic^t )tt erregen 

9{o(^ gu beiDegen 

2)ie «iebe, 

»id i^r e« gef&nt ! 



© { c b t c ö S i l b* ^at). 8, 5—14. 2)ie jule^t fo laut »ertaube 
@e]^nfuc^t mij 9Btebect)erein{gung mit bem ©eUebteU/ bie ^ieV nocfy ein» 
ma( mit einet befd^n^ocenben 9lbtt)eifung an bie fönigli(l)en .^offtauen 
»erbunben i|i, feigen wir plo^lid^ befrlebigt unb flefiiUt. 3)ie 3ungfrau 
erfc^eint auf ber freien %lut, n>o fte ft^^eimifc^ ful^It/ mit bem ein}ig 
©eliebten ))eteinigt. !Der 3)i(^ter fübtt fte ein : 

^Ser ift fie^ bie ba fleigt 
SJon ber JJrift l^erouf, 
Unb lel^net f!<( 
Stuf i§ren®eliebten?* 

®ulamit/ bie alfo )Dom ^dnig entlafen tDotben, U)e{( fie f^aitbl^aft unb 
treu blieb / nimmt fobann bad SEBort unb erinnert {undd^ft il^ren 93er> 
lobten un ben Sfnfang il^rer Siebe. 

Unter bem ^))felbaum 
(Snoarb i6^ bein^et); 
IDott verlobte bi<^ 
IDeine a^uttet; 
IDort »ecfobte bid^ 
3)iebi(i6 ^thtvvn^^) 

3>er Sl^felbaum l^at })Ux, xolt fd^on bemerft, f^mboUfdbe SScbeutung. 
Die Sßorte br&cfen aud; unter bem ^tiiim, unter bem @innbi(b ber 
8iebe l^aben tt)ir und gtMic^ gefunben unb öerbunben. — Sulamit l^at 
fobann burc^ bie %t)<it bie ganje 3;iefe unb Sunigfeit, bie ?lBeö Aber* 
toAltigenbe SDtac^t il^rer Siebe tennen gelernt. @{e l^at baburc^ in il^ren 
eignen 9(ugen einen ^if)tm Sßert fi<l^ ertoorben unb »)önf(^t bal^er^ ^o() 



1) Aber bie ^l^ilologifd^e l^Begrnnbittig bi«fer Aberfe^nng vgl. meine ftu^legung bed 
^ol^enliebef ®. i55f. 



SSS QmlU 9}eriobe« äJon b. ®titnb. b. «tnigi^« Bil jum (Snbe b. (Sxite. 

im ^oc^flefül^l be« errungenen Sieg« «nb ber bewahrten a;reue, an^ 
"oon lf)xm ©eliebten fortan ale ein t^eured Aleinob gefd^&ftt itnb ge« 
l^alten ju fein ; 

Sie ben Siegelring leg miäf 
9(n bein ^n^, 
SIBie ben Siegelring 
$(n beine $anb ! 

3)ie Segrünbung gibt fte in einem allgemeinen ©afte, ber bad JEBefen 
ber Siebe. überl^au))t audfpric^t. @d fommen ba bie fronen SBorte, bie 
fc^on 6* 218 mitgetl^eilt fmb* 

JDenn flar! loic ber %c\> 
3il bie £ie6e n. f. lo, 

b. J). jie l^ait unlösbar fe|i, tt>a« fie einmal ergriffen l^at» — 3nm 
®4fwf »erben nod^ bie Srfiber ber ©utamit rebenb eingefül^rt, 
wie jie gelegentlich jic^ über i^re ©c^tt>efier gefiuf ert» ® ie beraten , tt)ad 
{ie il^r machen ober mitgeben n>oQen/ n>enn ftc^ 3emanb um fie ben)erben 
tt)ürbe» 

Sir l^aBen eine ^^\»^tt, 8 

@ine fleine/ 

9lod^ ol^ne ^nfen 5 

Sad tooQen loir ma^en 

Uttferer ®d))nt^tt, 

Senn man einfl um fte ta>irBt ? 

bie Sräber befc^Iie^en : 

„Sft fte loie eine aftauer^ 
So bauen toir auf |!e 
Silberne Binnen 5 
lDo(^ ifl fie toie eine $forte/ 
So [(^liefen toir {!e ein 
aWit ©rettem »on Gebern ! " 

!Die Silber befagen: ifl fte un)ugdng(i(^ n>ie eine S^ftungdmauer, fo 
erl^dlt fte auc^ ben ©c^mud einer folc^en SJlauer : filbeme ßittnen, (einen 
ftibernen ^anj) ; i^ fte aber ber SSerffil^rung of en / ein lofed lei^ted 
!Ding n)ie eine Zf)iix, fo erl^&It fie auc^ nur ben gen)öl^nli(i^en ®^mucf 
einer Zfjüx, eine l^(l}erne Sinfafung/ einen moglic^^fi nieberen ©c^mucf* 
!Die Srfiber fnfipfen alfo an bie größere ober geringere @^rbarfeit ber 
©c^n^efler bad SBerfprecl^en einer größeren ober giringeren äRitgabe bei 
il^rer Serl^eiratung* !Diefe Seratfc^Iagung fieQen fte nad^ ber 3bee bed 
!£)i(^terd ofenbar an {enem ÜRorgen an^ n>o fie bad ©efprdc^ mit bem 
Geliebten. unterbra(i^en unb bie &<fjm^cx in ben SSeinberg f^idten. 
aSgL X. l, 6. 2, 15. — 9ta(^bem ©utamit aber fiegreic^ aQe Slnfec^^ 



erfler 9[6f(^nitt« 93on 1100—850« G. S){e Seit no^ @aIomo. 

tangen be^anbett f)at, xoit\>äf)olt fte jene SBorte bet Srfiber imb madit 
iawn eine flntoenbung auf bad eben et(e6te Abenteuer mit Salomo« 

äii bin t9ie eine Wtaatt, 10 

fiRdn ^ufen gleist Zf^nmtn : 
IDa fdgien ici^ i^m toie @tne 
IDie ©nabe ^nbeh 

SBer biefet Ungenannte {{}/ beffen Sßol^IgefaQen {te erregte, fagt {te fofort 
in einer Parabel; bie !ur) unb beutHc^ bie ganje SSerfuc^ung^gefd^ic^te 
entl^dlt* ®ulamit bejeic^net ftc^ felbfi bilbßc^ al6 einen 9B ein b er g/ 
ber in @aIomod ®malt fte( unb ben er ben S&c^tem (ben .^offrauen) 
übergab , bie aldbann einen l^ol^en $reid für bie grudbt beffelben boten* 
«Hein bie gruc^t biefe« ffieinberg« ifi für ®elb nic^t fduflic^* 3m gan^ 
Jen Siebe l^aben bie «^offrauen bie Vermittler «SloHe; bal^er au(^ bie 
beßdnbigen 9ef(^n)orungen ber @utamit , fie boc^ ju feiner anbern Siebe 
gegen il^re Steigung beilegen )u n)oQen* 

Clin SBetnberg tarn 
3n ®alomo*d ©eioalt 

Ott ^ah biefen SBeinBerg 
IDen fBaäftf^alittn, 
Snbem {ebet barbct 
%üt feine ^i^uil^i 
Gintaufenb ©ilbetUnge. -r- 

IDec äßeinberg/ ber mein ifi/ 12 

S)et fle^t )Dor mir ; («9t. Jt. 1, (h) 
IDie taufenb magfl bu 
O @alomo bel^alten ! 

a)er ©eliebte, ber burc^ biefe ^)arabolifd^e (Srjfil^Iung über ba« Sor* 
gefallene l[|inl&ng(i(^ benad^ri^tigt »)orben ifl, rietet jum ®^Iu^ noc^ 
ein furje« Sort an feine Sraut: 

^IDie bu loeilft in ben ®&rten; is 

Sreunbfd^aft bie laufd^et 
9(ttf beine stimme: 
D laß fie mici^ frören ! " 

©ulamit »ieberl^olt barauf fel^r finnig ben erfien Siebedfeufjer, ben fte 
ergel^en lief (Ä- 2, 17), a(« bie SSrfiber fie in ben SQBeinberg gefc^idt 
unb ))on il^rem @eliebten getrennt l^atten : 

ei(e, mein ?iebfier, W 

Sowie bie ®a)elle/ 
Sie bad Snnge ber ^inbin 
9(ttf bem ^alfamgebirge ! 



Qmdit ^rriobc« Sott b* ®titnb» b. Mnigtl^um« U9 j. ffinbe b. QtxiÜ. 



IDatitit ifl bad Qanit Sieb f<l^5n «nb (efrieMgcnb abgefc^Iofrn* — Set 
mit bid^ft^tifc^ent @inn unb (ebenbiget ^l^antafie in bcn ©eifl echter 
So({d)>oeften einjubtingen t)ennafl , ber iDtrb Me urf))tfingH(^e Sin^eit 
bed i^ol^enliebed ntc^t mel^r lAugnen fönnett/ obtool^I man )ugeben muf ^ 
ba^ bie münblic^e Sitabition / burc^ bie e6 offenbar eine 3cit(ang l|fin« 
bnrc^ gegangen iß, bad Sieb ni^t gan) un\)erfiümme(t geladen ^at. 3m 
®an)en aber if} ed fe^r tren erl^alten unb ifl unßreitig ba6 993erf eine6 
einjigen/ unbefannten 2)i(^terd« @in n^irHic^er SSorfaD and 6a(omod 
Seben bot im Slllgemeinen U)ol^I ben @tof bar ; au^erbem bienten toa^x^ 
fc^einlic^ eigentlid^e SSoIfdlieber bem SSerfa^er jum SBorbilbe/ n>ie bei 
X. 1, 15 bie Xap.i, 1— 3* 3)aneben trifft man aber ^Partien, bie be* 
toufte, abfic^tlic^e Aunf}/ j[a nid^t feltenfd^on eine ^änfHic^feit / eine 
Silbung unb rl^etorifc^e SSalerei aeigen, toie fte ber e<l^ten SSoIfdpoefte 
fremb ifi^ ®o namentlich in ben Xf)üUn, tt>o ©alomo bie förperlic^e 
©c^önl^eit ber ©ulamit fc^ilbert, Xap. 4, 1-6 unb Ä* 7, 2»»— 10. 
Sbenfo tt>o ©ulamit il^ren greunb befd^reibt, Ä. 5, 10—16. !Diefe 
Stellen l^aben eine auffadenbe ^^nlic^feit nnter fic^ : biefelbe üRanier 
nnb mel^rfa^ ettoad gefuc^te, fc^koülflige unb übertriebene Silber / baf 
man unwiOfürlic^ an bie fpdteren Siebedbid^ter ber Araber unb S^teu- 
perfer erinnert U)irb^ 2)ie9(rt unb Sßeife fid^ fo au^jubrädfen , ifiim 
9Rorgen(anbe getoif uralt/ nur gel^ört fie im Sfdgemeinen einer ent« 
U)idEeIteren d^it an, n)o neben ber 9$olfdpoefie auc^ bie ^unfibic^tung 

3)iefe beiben fel^r t)erf(^iebenen ®attungen ber ?ßoefle pnb eigentlich 
im ^ol^enliebe ))ertreten unb auf eigentl^umlic^e 9Beife ^oerfc^moljen. !Der 
2)ic^ter gel^5rt einerfeitd gan) bem 93ol!e an unb befingt bie 8uf} bed 
Sanblebend/ bie ^reube an ber 9tatur fo n)ie bie 993onne unb bad füfe 
SBel^ ber Siebe mit einer 3nnig!eit/ SBa^rl^eit unb Sinfalt^ ba^ man bei 
allen grofen !Dic^tern/' bie t)on ber Siebe gefungen ^aben, 9lnftdnge aud 
bem i^ol^enliebe gu t^emel^men meint. @d ifl bief ber 9laturaudbrudf 
ber eckten SBolfd))oef{e/ bie namentlich im ©ebiet ber Siebe bei aDen 9ta« 
tionen fo "oiel ©emeinfamed l^at. 3m «^ol^enliebe gel^ören im ^Qgemei« 
neu bal^in bie ©efAnge Sulamitd unb il^red geliebten ^IxUn, t0&f)xtn\> 
@alomo nur l^ie unb ba einen Slnlauf }um ed^ten SSolfdliebe nimmt/ 
toie Ä» 1/ 15* 2/ 2. 4, l, fonfi aber ben mel^r gebilbeten, auf Sffeft 
berechneten/ malerifc^en Zon ber Jhinflbic^tung annimmt« @o befc^reibt 
er j* S3» bie Sulamit St. 4, 1—4 alfo ; 



Qtxf^v nihfä^M. aSon 1100—850. G. S)le Seit ti«4 ®a(omo« 



Unb beia iDbmbt»«! 

3» gat (iebüdd. 

!Det l^alSen (SIranate 

®(ei(^t betne SOange; ') 

IDein ^oU i(l 

iSie lDa»ib« Xl^utm/ 4 

(Svbaut ivaa ^olttoed Ut (Bmgfoge: 

Saufenb @(i^tt{^U)afen 

Rängen barait/ 

9ae ®d^Ube bec gelbes. 

IDetne )tt>et Srnfle ö 

®tnb to>ie ein $ärd^en 
IDer Btoiaing« :: ®a}et(en/ 
Untet SUten wdbenb ! u* f. )»• 



IDem ^aar V<d gtetd^t 

^tx ^eifen^mbf, 

3)ie ba l^erabloaUt 

^om (Stleab* 

IDdne B&^ne gfetil^en % 

IDft gefc^orenen ®(i^afll^cecb* 

IDie ba auffleigt 

9ud bev^fffkocmme: 

Btoiningdgeborene 

@inb jte aKe, 

(Sin )>ertoa{fle6 

3ft ni^t barunter« 

Sie ein $uv))ttr{heifett S 

@tttb betne Si))))en, 

Sbenfo ^oj). 7, 2 ff., wo bie SB6I6unflen ber ^fiftc, toer Sc^oof, 8cib 
unb J^mpt in dj^nlid^er 9(rt gefd^ilbert werben. 9{ur J)at f)Ux ein fpd« 
teret/ nod^ mel(fr fünßelnber !X){^ter eine ^axtit €tro)>]^e eingef^altet 
Ä* 7, 4—5* !Der Äönig gel^t t>on bem mit 8ilien befrdnjten SBaijen» 
l^fiflet bed ©c^oofed foflleid^ ju bem reic^bcl^aarten «Raupte berSungfrau 
fiber (93. 3 unb 95. 6 gel^ören jufammen); ber (Srgdnjer bagegen molt 
bie bajwifc^en (iegenben Partien, "oon unten naij oben aufßeigenb/ ge« 
nauer aud. !Die Sd^ilberung bed 93ufend entlel^nt er wirtlid^ aii^ 
Äa^). A, 5. ©eim ^alfe feftt er für ben 3)at)ibdt]^urm Ä- 4, 4, 
einen ßlfenbeintl^urm ; bie 8[u g en, bie unfer !t)i(^ter fonfi mit 3;auben» 
äugen ober mit Stauben üerglei(^t, Ä. 1, 15. 4, 1. 5, 12, bie »et* 
gleid^t er geogropl^ifc^ genau mit ben großen Sßaf ertei(^en ^bei ^edbon, 
am 2;^ore ©at^rabbim/ Die »afe enblic^, bie »orl^er Weber an ber 
3ungfrau, noc^ an il^rem ©eliebten l^ert)orge]^oben worben, wirb l^ier 
burc^ ein auffaKenbed, !oIoffaIed Silb ^ex^mli^t, mit bem fi(| ein 
abenb(dnbif(^er ©efd^macf nic^t befreunben !ann : 

IDeine 9lafe ifi )»u ber X^nrm 
9[uf bem Sibanon, 
S)er ba flehet 
®en IDama^ftttf* 

2)er Did^ter, ber in @atomo unb ®ulamit bie ®egenfdfte ber Kultur 
unb Statur, ber «ftunfl unb AinbK^feit, bie ®egenfa^e ))on @tabt unb 
8anb barßeDt — unb eben barin liegt baö Sb^Öifd^e bed 8iebeö — t>er-' 
f&^rt nic^t gan} fonfequent/ inbem er ber 6u(amit unb i^rem .^irten 
Al^nlid^e, obwohl minber f&nflli<l^ Gd^Ubereien wie bem @a(omo in 



1) «.^inter beinern Geleier ^eivor'; dnt ^Slloffe. 



Stoeiie f^ttloU. Sßon b* ®rfinb. b. JMnigtl^* 6U )um Cnbe b« (SriU« 

ben 9Runb legt* 9Ran {te^t^ ba^ bie betou^te «ftunß l^ier nöc^ tvenig 
entn)ide(t ift. IDie ©egenfäfte ber äJoIfdi^ ober 9{atur))oef{e unb ber 
^nfibic^tung berfil^ren ftd^ no(^ gatt} nal^e« ®o fingt @utamit ))on 
fl^frem greunbe Ä» 4, 10 ff. 



SRetn ©fliebtev ifk toei0 lo 

Unb (roitiivot, 

Untre Xaufenben* 

©ein ^au)9t ifi golbeU/ li 

©olbglänjenb fein ^aax, 

IDie loaKenben 8o(fen 

®inb [(^toarj toie 9iaBen* 

©eine 9(ugen finb )9ie Xaubtn n 

$(n Saflerbäci^en/ 
3n Tliiäf geBabet/ 
ISlm SRanbe fi^enb ; 

©eine SGßangen ben SBalfambeeten, 13 
Xf^ütmtn )>on ©etoüqen glei(i^5 
©eine 8t))^en fInb SiUett/ 
CueIl::SR^rr^e tcäufelnbi 



©eine ^&nbe fhib Oolbdnge/ 
mt (Sbelfteinen befe^te $ 
©ein 8eib ein (ilfenbein«®e6tlbe; 
SBebetft mit ©av)>l^iren« 

©eine ©ci^enfel 
©inb 3Rarmocf&uIen/ 
IDie feflgegrünbet 
$(uf golbenem 8u{le« 
9(n)ufe^n ifl er 
®te ber Libanon, 
Sludcrtefen tote Gebern* 
©ein TlrxtCb ifl füf , 
Unb gan} ifi er9(nmut: 
©0 ifl mein £iebfler' 
Unb fo mein Sreunb; 
Sl^r Xdcbter Serufalemd ! 



14 



15 



^nli^ ^)tieÄ ber .^irt feine 93röut, Ä- 4, 11 ff» aUe«, »od fte an fi(^ 
lEiat, fd^eint i^m eiti f^mbolifc^er ^bbrud i^rer Siebe au fein. 3l^r ^(eib 
ifl ein buftenbed ©(umenHeib. 3a fie felb^ erfc^eint i^m wie ein funfii' 
t)oIIer ©arten, tt)ie ein ?ßarabied t)ott tt)ol^Iried^enber ©ewdc^fe* (Sintn 
foid^en Sufigarten mitDueQen unb SlUem/ roa^ baju gel^ört, ma(t er 
fi(^ bann aud, n>obei bie Silber natärüc^ nur gau) im SIDgemeinen fefl' 
jul^alten finb unb im @in}elnen feinen SSergleic^ungdpunft julafien* 



(Sin t>erfd^Iof ener ©arten 
Sift bu, ©cbtö^fler ©raut, 
@in t)erf(ibIoSenec @^rten/ 
(5tn t>erße0elter Soml 
IDeine $flanjungen f!nb 
(Sin $arabie4 oon ®ranaten^ 
9{ebfl ber Srui^t 
^on ebtem Dbfl $ 

6))))erbrumen 
Sufammt mit 9larben, 



IS 



IRarbe unb Stxcfo^, 
j(almu0 unb Bimmet 
9leb|l att ben Daumen 
IDie 9Bei^rau(]b tragen | 
SR^rrl^en unb ^(oe 
mm a\i ben !öfUi<!b<ten 
SBalfam))flan)en 5 
@in (§)artenquell/ 
Clin lebenbiger Sßagerbom, 
IDem Libanon entfhdmenb« 



AA 



15 



S93ie Sulamit auf bief Si(b eingebt unb bem ®e(iebten anttoortet, ifl 
Q. 226 f» nad^iufel^em 2)a(ei fei l^ier nur noc^ für) bemerft/ ba^ im 
i^ol^enliebe @aVbm unb Del/ Salfam/ SRi^rrl^en unb äBeil^rauc^ unb 
überhaupt aU bi; genannten fofibaren SSol^Igeräc^e bilblic^e unb f^mbo« 



erfler 3(6fc^n{tt SSon 1100—850. C. IDie 3eit nad^ Salotno* S87 

(ifc^e SSebeutung f)abm. ©emeint finb bamit bie fuf ett/ l^ei}erqit{(fenben 
auf erungen ber Siebe. 66enfo ffat ber 9(pfe(6aum itnb bie ^pfet in bei 
Sprad^e ber Siebenben immer fi^mbolifc^e Sebentung / n>ie fc^on oben 
angemerft tomU, n)obei bie Übertragung nool^i bat)on audge^t/ baf bie 
weiblichen Sräfle wie ^i/ila ald ^fe( beteic^net würben, ferner ßeOt 
©ulamit il^ren greunb aM SBeinberg fic^ tor (1, 6. 8, 12), ber j!e mit 
füfer gru<^t labt, ^. 2, 4 f. Sie felbf» nennt ftc^ fo Ä. 8, 11 , ent* 
fprec^enb bem Siibe eined Sufigartend , unter welchem i^r ®e(iebter fie 
{i(^ au6ma(t. 3n biefen poetif<l^en 99Bei^rau(^/ in biefen Slumen« unb 
Srü(^tebuft bed Drientd muf man ft(^ t)erfe^en !onnen/ um bie 93i(bef« 
fprac^e ber Siebenben }u i>tx^tf)tn. @ie \)at etwad 9}ebe(lS^afted, Unfap« 
bared / wie bad uberf^wdngli^e ®efü^( ber erßen Siebe fiberl^aupt. 9(n 
fic^ aber ifi eine foic^e Sludbrucfdweife fel^r natürlich, unb ftnbet fi^ ba» 
l^er au<^ fonß in SSoIfdbic^tungen ; bie $^antafte ber Siebenben jie^t 
ndm(i(^ SlQed in i^ren itreid; fie gibt 90em eine SejielS^ung ju bem 
geliebten ®egenfianbe unb fie^t im ganjen Sßeltall nur Slbbilber UJl\tU 
ben / benn eben in ber Siebe gel^t bem ÜRenfc^en juerfl ber @inn für bad 
©anje auf. 

!Die <ftir<i^en))dter wie bie jfibifc^en 9lud(eger, bie bad «^ol^elieb 
aUegorifc^ t)on religiöfer Siebe unb ® e^nfuc^t beuteten , l^atten t^ieUeic^t 
no<^ ein bunfled Sewuf tfein über bad t)ielfa(^ Silblid^e unb @i^mboli« 
fc^e , bad aUerbingd barin ))or!ommt. ^lOein wefentlic^ rfi^rt biefe Sluf« 
fafung bal^er, baf man ju einfeitig nur 9ieligi5fed im ^(ten S^eßamente 
fuc^te, baf man bie ßarf t)ertretene weltliche unb rein nationale Stiftung 
))erfannte unb überl^aupt nic^t mel^r im @tanbe war, eine wirfii^e 
f(^öne Statur aud erfler ^anb }u begreifen. !Dedl^aIb würbe ber 3n]^a(t 
biefer weltlichen ^orm auf bie wiQfürli^fie äBeife geiflig umgebeutet. 
®ott ober S^rifiud würbe unter bem SrAutigam^ bad jübifc^e 93o(f ober 
bie d^rifllici^e «ftird^e unter ber Sraut oerflanbeu/ u. bgl. ®eit «^erber 
aber finb alle nur einigermafen aufgefldrten (Sregeten ber 9lnf!cl^t/ baf 
bad ^ol^elieb )Don rein menfc^Iic^er Siebe l^anbelt, unb baf t^, richtig 
t)erfianben, bie Sürbe ber Sibel nic^t im geringfien üerleftt. !Die Me* 
gorifer aber/ bie il^rer (Deutung }u Si^b ben ® a ( o m o jum Sluderf orenen 
ber ®ulamit mad^en müf eti , finb ))on t)orn^erein unfdl^ig , auc6 nur ben 
einfad^en SBortftnn bed @an)en richtig ju faf en* — Sunt Sd^Iuf nur 
no(i^ einige äBorte über bie gorm bed ©ebic^ted. 

5. 2)ie @in^eit unb ber 3ufatnmen^ang aQer 3:^ei(e unferd Siebet 
ifl "oox^ex audfül^rlic^ nad^gewiefen. 2)urd^ bie )u ®runbe (iegenbe ®e« 
fd^id^te erl^dlt ed einen ib^Uifc^^epifc^en ^n^ric^ ; burc^ ben !Dia(og aber 



2S8 ämiit^tri^u CBon \>. ®r&ib« b. itftnigl^* 6» gutn Snbe b. Qrtte. 

fo tvie btt¥(fl bie gante Sintage unb Slu^J^tittig l^efommt ed finen bra« 
matifc^en ^^arafter* StOein ein toMK^ed !Drama ober an Sin^"' 
f))i e(^ kt){e man oft angenommen ffat unb nocf) je^t mel^rfac^ annimmt/ 
U>{ib ed babur<^ feine^egd. «^aben bie ^tbxin xolt aüt femitifc^en 
SßblUx ttic^t einma( tin nationale^ (Sp^ erieugt, mie "oiü »weniger bann 
^in !£)rama/ biefe l^öd^fie unb ooQtnbetfie ©attung bet $oefie> bie nie 
^min^U auftritt/ fonbern immer ba6 wirflic^^e (Spo^ )roraudfe$t. 2)ie 
natuclic^en Einlagen aller @emiten/ il^r ®eifi/ gl^ara&er/ Sitten fo \»it 
ber ollen gemeinfame 9Range( an plafti^d)tm «Sunfiftnn i^ bagegen« 
SaSo biefer f^^It, n>o !eine bilbenbe ßunft flä) enttoi(feIt/ ba fe^It au^ 
überall ber ®inn für (ebenbige bramatifd^e 3)arfteüungen. Sei ben @e« 
miten fibern)iegt bad innere ju fel^r unb ber ®{nu bed ®eft(l^td blieb 
unentn)i<{elt* @ie finb ade ju fel^r ©eful^Idmenfc^n / geborene ttfxjUx, 
unb l^aben betfl^Ib and) in ber !Di(^tung fid^ nie über bad eigentli^e 
Gebiet ber 8^rif erl^oben^ feibft nic^t bie Straber )ur.3eit i^rer l^^flen 
$(ute/ n>o e0 bo(^ fo nal^e lag, awä) ein griec^ifc^e^ 2)rama nad^ju« 
' oi^men» 

3)ap aberbad (^tifd^e Sieb a(^ bie ©tunbform oder !Di<^tung/ be« 
reit^ bie Seime ber beiben anbem ©attungen, bed (Spoa unb !Drama/ in 
{}(^ entl^alten fann unb n)irni(^ ent^&tt; jeigt fon>o^I bie ®efc^id^te aDec 
Literaturen/ atö auc^ bie begriff^m&^ige SntwicfCung unb SBeftimmung 
biefer brei Siaturformen ber ?ßoefte* ®o ftnben tt>ir oft in bem Weinfien 
()^rif^en @ebid^te aud^ epifd^e unb bramatif(^e Elemente auf^ f(^onfle 
)[)ereinigt / wU bief namentß^ bie \>0lUi^tmUäftn 93atlaben unb aber« 
l^aupt bie beflen 93oIfd(iebei aOer Stationen geigen. ÜDiefe l9rifc^«e))if^en 
@ebi(^te ftnb in ber %egel ebenfaUd bramatifd^ gel^alten x^U ba6 ^ol^e« 
lieb unb würben wie bi^ed gefungen. 35le üerfc^ieb^nen ^etfonen wer*^ 
ben rebenb eingeföl^rt unb gwar mei(i fej^r abgerifeu/ umoorbereitet unb 
tun, tooburc^ ba^ äSerß&nbnid wie beim ^ol^enliebe oft erfd^wert wirb* 
iDiefetben ßlemente/ l^rifd^e/ eipifc^e unb bramatifc^/ fiiiben wir auc^ hn 
2)eboratiebe gufammen, aber ba^ gange Sieb bleibt boc^ l^rifd^ fo gut xok 
bad ^ol^elieb. aSgLS.SOff. 

aSitl man bal^er bie ^nfdng.e unb Elemente bed 3)rama9 im 
«^ol^enliebe erbtiäeu/ fo bebarf bief nad^ bem ®efagten feinet Seu^ifed 
müb ifl fd^DU )^on ben fiUejlen 9(u^legern bemerft worben* fReint man aber 
mit @wa(b/ ba^ <^obe(ieb fei ani) ber ^nßgattung nad^ ein t>olfM]^m<« 
(i(^ed !I>rama in 4 bi6 5 ^Un ober ein ©ingf^iel/ ba^ Don meieren 
^erfonen fei aufgefäl^rt worben, fo fipric^t SlBed bogegen. @^ fe^t und 
iebe gef<^i(^tlid^e Spur Don einer l^ebrdifd^n @(^aubui^ne. })ie «^brder 



«r^rSKMnUt- ffiütt 1100-850. G. IDie Seit tiad^ eabmo. 

^abeti fein ffioct ffir !Dtama. Unfer iiti ifi bttrc^oit« Ii^rif^ mib j^fcift 
Schir, ein ®efanQ. fDie Keine ^onblunfl/ bie ed ent||d(t/ bient nur ssm 
flnl^alt fnr bie ^udmalung be« (Üeful^tö^ jut UnterfUt^nng ffit bie (9« 
tifc^e etintmung unb toirb nic^t fowo^i batgefieOt, a(d ^>Mmt!fyx erjA^It, 
fo baf bad ganje 8ieb toefentlid^ bie ®(^ilbentng eine6 StiHebend i^ 
unb i^m bamit bie 6ee(e dnetf Droma'd ab%tf)t. 

«^Atte bec ^ii)Ux itgenbtoie an eine t^eatralifc^e S)atßeDung ge« 
bac^t/ fo tt)äcbe er )um minbejlen bie «^anblung U)ol^I d^ronologifc^ tnU 
toideit l^aben / fo baf {ie t)or ben 9(ugen bed 3uf(^uerd begonnen unb 
fi<!^ iDoHenbet I^Atte* @i l^dtte mä^en mit bem SRorgenßdnbc^en anfangen 
itnb bann bie toeiHxzn Seraidflnngen und t>orfu^Ten. SfOiein fo tixoa^ 
iß il^nt nie in ben @inn gefommrm $l(d (i^rif d^er (Dichter aber *fann 
er Uta beliebig ^ierl^in unb bort^in t^erfe^en^ fann bie entfernteren ^tu 
fönen rebenb einfuj^reu/ obne ba^ fte zugegen gu fein brauchen uttb ol(^ne 
t>abur<^ bie@in^eit bed ®enid(bed )u ßbren. SSgl« @. 229 f. 3nt «^oben» 
liebe erfc^eint nun aber biefe brantatifc^e ^orm nocb auf ber niebrigfien 
®tufe ber (Snttoidlung. Der !£)i<l^tef i^at nod^ fein eigentUd^ed SBetouf t« 
fein Aber feine 2>arfleUung unb entn)irft fein I^rifc^d ®emd(be me^r 
nac^ 3nflit^ unb ®ef&l^(^ ald naii f(arer ^nfd^auung« ®o bringt feine 
Spanier/ frembe Sieben eiujufc^atten / mc^rmald etn)ad Störenbed unb 
S3ertoirreiä)e6 in bad Sieb. !Die Situation iß iberaO bie, baf ®u(amit 
im ^rem ®aIomo'd g^^ngen ifl unb t)on i^m n>ie Don ben «^offranen 
unooorben noirb* 9?an f^ittt l^ier alfo tvenigfiend brei $erfonen n6tig; 
baju fAme ^ap« 3, 6—11 ber !Di(^ter ober ein 3:^eaterbireftor, ber bie 
fotgenbe ®cene einleitete toie ,ft* 8^ 5, unb auferbem in ber legten 
®cene ber beliebte ®u(amitd/ fo baf 5 ^etfonen bad ®an)e barfteOen 
lönnten. !Dabei mu$ aber ®n(amit felbfi junAdbl^ ^^^^ ®eliebten rebenb 
einj^l^reu/ mobei ed auMrfiälic^ b^ft X.2,lQi ^3) a beginnt mein 
®elitbter unb f))ri(^t gu mir;'' ebenfo A. 2, 15 i^re 8(äber^ 
fobann abermaid i^ren ®eliebten X. 4, 8—15/ nebß bem, toad fie il^m 
baranf em)ibert 4, 16 unb feine ®egenaniiDort/ £« 5, 1. — 

(Sbenfo ftif^xt @a(omo J{. 6, 10 bie SDbe^rli^ebunge» an, bie 
feine grauen bei ber erfreu Begegnung über Sulamit au0^ra(^en; bann 
toieber^olt er n>eiter @u(amitd erfle 9tebe an bie ^offrauen, baf ffe 
n&m(i(^/ um ben g^ü^Üng )n feben, ftcb gu toeit ))on i^ren Sanbdieuten 
tt>egbegeben babe, X. i, 11—12« 2)ie SrnnL^nung ber 2anbd(eute loer- 
anlaßt ben Dicker nun gar and) bitfe reben )u la^en , toU fte n&mlid^ 
i^re f(bdne 9Ritburgerin )uru<ftt)&nf(^en, Xap. 7, 1--2. — ÜRan erbtidt 
bie ^unft l^ier noc^ gan} in ber Ainb^eit. @d flnb flantmelnbe iBerfm^e, 



840 Skoeite $eriobe* fßon b« ®runb. b* Stinl^t^. iü jumStibe K (Srito* 

ein giif ered bromatifc^e^ ® emdtbe ju enttoerfen / bad aitt nur bann )tt 
einem ß^rrbilbe wirb , tt>enn man t)erfuc^t, eö tt)irftid^ barjuHeUen» — 
!DaffeI6e gilt )Don bec legten @cene^ U)0 ein ©efpr&c^/ bad @u(amitd 
»rüber einmal gehalten, nn« üorgepi^rt tt)irb, Ä* 8, 8— 9* (S6 ffißt in 
eine frül^ere 3^ii i^nb l^at nur ba Sebeutung, unb fonnte bed^alb t)on 
ben SBrubern \tV>ft fo wenig gef))roc^en ober gefungen n)erben^ al6 bie 
©teile Ä. 2, 15, wo fle bie @^tt>efier inbenSBeiuberg fc^itfen* —MiU 
man einen ^nfinamen für bad ^ol^elieb gebraud^eu/ fo fann man ed 
allein J)ajfenb d^ ein Sb^ll bejeic^nen, eine (Sattung, bie-^merlwürbig 
in ber Witt gwifd^en Spod unb IDrama fielet unb glei^ bem te^tern 
gerne bie wefentli^en formen aller ^oefte^ Srji^lung unb ©efprAc^/ 
Seigre unb ©efang in jtd^ i)erfammelt ober fid^ in fte jertl^eilt/ ©(^on 
Dpii ^at bad «^o^elieb al^ (Sfloge, atö ib^Uifc^e^ «^irtengebic^t gefaxt 
un^ äfrerfe^t» 

©iel^t man ba6ei auf bie reine «ßunfi ber 2)ar{}eQurig/ fo {engt bad 
^o^etieb U)ie aQe größeren l^ebr&if<i^en ^Di^tungen )Don einer gemi^en 
Unbe^olfen^eit unb einer nur gerthgen J{ompofition6ga6e. Sei einem 
SßolU, bad plaftifd^e .Sunftwerfe/ bad @pod unb IDrama ^at, wirb au(^ 
bieS^rif flarer, anfc^aulic^er unb epifc^er ftd^ geflalteU/ wie a« »^ ^i 
ten Snbern unD ben ©riechen* 993ir fe^en bei trer i^ebr&{f(^en S^rif ^Ifo 
nur einen urfprfinglic^en 3Rangel an uni^erfeHer ^oetif^er SSegabung/ 
einen 9Rangel/ ber aber weniger bei Keinen Siebern / aU bei größeren 
^ompofitionen fül^lbar wirb* 2)agegen entfd^&bigt un^ aber namentlid^ 
beim «^oi^enliebe aufd @(^önfle eine reijenbe Unmittelbarfeit, eine^n^ 
nigfeit unb äQal^r^eit bed ®efü^l6, ein ))oetif(i^er fDuft ber anmutigßen, 
glui^enbflen Siebe ^ wie er ün^ aud feinem anbern ®ebi(^te bed Slter* 
tl^um^ fo gemfitt^oH unb rein entgegen tritt» S)abei ift ed reid^ an 3u« 
gen, bie treu ber 9latm abgelaufc^t finb^ an tiefen Slicfen in bad äBefen 
ber Siebe/ bie und anJ^eimetU/ atd gel^orten fte einer weit i&n^ttn, und 
ndlS^er ,f«:l^enben @pod^e an* @d fe^lt l^ier fogar nid^t bie innige Werfen» 
fung in bie Äußere fd^öne Statur / bie fonft bem liebenben «^erjen bed 
^Itertl^umd fremb if) (aufgenommen M ben Snbern) unb wefentli^ ben 
<^rißlid^en d^iten angehört« S)ad ))oetifd^e Übecgewii^t aber, weld^ed 
^ier bem Sßeibe ertl^eilt wirt^ unb bie ©elbfi&nbigfeit beffelben einem 
Könige gegenüber erinnert t^ielfac^ an bie Seiten unfrer !D{innef&nger. 
Somit erfc^eint bad «^o^elieb ald bad Stei^^t, SSoUenbetfle unb ©d^^nße, 
wad bad ^ebr&ifd^e 93olf t)on rein weltlicher 3)i(^tung ll^en)or gebraut |iat 
unb beweifl/ ju wetd^er Slüte aud^ biefe Slid^tung bamald gebiel^^en war» 
S93ebet ®tied^enlanb noc^ ber übrige £)rient l^aben ein folc^ed Sieb ber 



(Sifer 9l6fl^n{tt; a»on 1100—850. G. S)it 3eit nad^ @a(omo* 241 

Siek l^morge6ta(^t/ uitb aud^ nic^t ^etDorbtingen fönnen* SSBad ed fp 
einjig itftec aOe ^oemanbten (Dichtungen ergebt/ ifi bie wunberbare <^at« 
monie Ux (eibenfd^aftlic^flen ©innlid^feit unb ber reinßen @itt« 
li^feit/bie ben unfi^t6aren ^utöfd^Iag bed ganzen Siebed (Übet. !Der 
@ee(enabe( rein ntenfd^Kcber Siebe !ann nic^t tiefer unb treffenber bar* 
gefieQt werben. @o U)eni8 refigiofe ßlemente a(d fold^e ftc^ bed^alb 
l^fier aud^ finben , fo iß bad ®an)e boc^ ))on bem ftttli^en ®eiße bed 
^ebriifc^en 93o(fed burc^brungen unb id%t, U)ie biefer awi) bie rein tt)e(t< 
lii^e @)>l^re ber ilunfi t>ernArte unb l^eiligte. !Denn n>ie finnlic^ glül^enb 
unb natürlich @u(amitd Siebe aud) erfc^eint^ fo iß fie bod^ ber t^Uftt 
@eefenbunb/ ber auf wirf lieber 9Ba]^(t>ertt)anbtfd^aft berul^t. ©ie^atnid^t 
SttfAQig unb willfärlic^, fonbern na^ ber innern 9{btn)enb{gfeit i^ier 
9Iatur ben ®eliebten tm&\)U, wed^alb ilS^re Steigung aud^ nnwanbelbar 
unb ewig i% IDedl^alb fommt auc^ in biefer Siebe bie fd^onf^e 93(fite 
i^e^ Seben^ }nr Entfaltung* 3n i^rent Sufen trdgt bie reine Jungfrau 
bie göttliche pde ber Siebe unb liebt [o in i^rem «^irten ba6 3bea( unb 
Urbilb il^red SSolfed , fo ba^ feine Wla6)t ber äBelt fie t)on il^m trennen 
fann. 

@a(omo'd Siebe bagegen ifl nur 93'erliebt^eit / nur %ffeft unb ein 
9iauf(fy / ber o^ne tieferen ftttUc^en ^alt ift ; benn wal^re Siebe fann nur 
monogamifitfc^ fein« 

9I(d iwei 9Iebenfonnen bed «^o^enliebed bflrfen wir «»ieUeid^t bie 
inbifd^e &a\>iixi, bie ibren ®atten burd^ Siebe "oom ZoU erloß, unb 
®f)aUptaxt'^ grofe S^ragöbie ber Siebe: 9tomeo unb Sulie t)er< 
gleichen. ' iDiefe brei Stüdte bringen un6 bad SSBefen ber Siebe in Iijri* 
fc^er^ tpi\i)tx unb bramatif(^er !Did)tungdform gur Snfc^auung unb 
^aben aUe i^re befonberen Sc^önl^eiten« 3m rein (i^rifd^en Elemente 
aber fielet ba^ «^o^elieb einaig unb unerreid^t ba unb fann bei jeber Ser< 
gleic^ung mit &^nli^en ^i4)tungen nur gewinnen. 

Übrigend beurfunbet bief Sieb mei^r aM ein anbered ben Si^rafter 
bed nörb liefen $aM{iinad, wo e6 entflanben iß. !Die reichere, uppigt 
Statur/ bie Sd^^nl^eit unb $ru(^tbarfeit be6 Soben^ ftimmte bie S3e^ 
wo^ner beffelben "oon ^aM aud fd^on poetifc^er unb freier/ a(d bie 
Sewo^ner be« fleinigen, wfißenreid^en ©fiben^/ namentlich 3ubo'd. 
^ier bilbete fi(^ me^r ein ßarre^ / ßreng gefe^lic^ed Seben mit I;ierard^i« 
fc^en Elementen; bie eifernben @ittenprebiger / bie ernßen ^ropl^eten 
finb ^ier rec^t eigentlidb ju $au«/ wd^renb fic^ im 9?orben im SlUgemei* 
neu ein freierer ®eifi/ eine fc^onere 3nbit)ibualit4t unb ein mel^r menfdft» 
lieber/ rein poetifd^er Sinn erl^ielt/ ber oudb in fpdterer 3eit bort 



3wcitf Veriobr* flJen b. ®runb* b« StMofil^um» m {. ffinbe b« dxlü. 

I^errfc^enb (lieb* €$ etfd^eint noif )ur Seit ^rif}{ bie re{)etü)e Sanb' 
fc^aft t)on ®aUIäa.am @ee ®ene}aret, wo^in aud^ &te.@cene bed ^ol^en^ 
liebet t>er(egt n>irb unbjt)o Ut ©Anger beffe(6en unßceitig kbte/ aü bad 
Sanb geißiger grei^ett unb größerer Sm))fdng(i(^feit^ kDe^fyalb ed ß^ri^ 
{lud $um 9RitteI))unfte feiner a93irffamfett emV)Ut. ®aItiAa aber (bad 
alte) war ein (Diftrift im @tamme92aftal{^ beffen poetifc^e Slnlagen 
f(6on im <5egen 3afob6 aM bie l^ert^orragenbße ^igenfd^aft bed gan)en 
^tammed get)riefen toerbcn; im !Debora({ebe bagegen erfd^eint er ald 
ti^bedmutig unb tappet i beibed (Eigenfc^aften/ bie fic^ gut mit einanb^r 
vertragen* 

Slufer bem .^ol^enliebe gepren bem nörblic^en $al&f}{na no(^ an: 
bad !DeboraIieb/ bie Sabe( 3otamd/ bit Srjdl^tungett über ^ibeon unb 
3efta/ bie fpdteren ))^antaflif(^en ®agen Aber (Sita unb ^ifa unb "oox 
mm bie @ef(|>i^te 3afob« unb^ofefd. »U(^ ber^rop^et .^ofea ifl 
unbefireitbar ein Sürger bed 9{orbreic^@* «^ternac^ getgt bei Sorben 
entf(^ieben bie größere poetifd^e Begabung ; aUed, wad ^ier entftanbtn 
i% erf<^eint u^eic^er, empftnbung^reif^er/ r>oltM)umUd)ti unb p^antafie^ 
^oüex, a(d bie ^robufte bed ®ubend, wobei bie natürlichen 93er()ci{tntfTe 
fo mie bec leb^^aftere SBerfel^r mit $l^5nifen unb Syrern u>ol^( am mei^ 
{}en mitwirf ten* ^Dagegen bilbete bad ßrengere^ obgefc^Iofenere Seben 
im ©üben auc^ feßere (S^araftere unb firengere^ fittüc^ere ®nmbfl|e/ 
wA^renb ber erregbarere Sterben feid)ter jn SoOe fam. 

3n teuer 93ejiel^ung ift ed lel^rreic^/ ben 45« $fa(m^ ber ittoa gleich« 
ieitig mit bem «^ol^enliebe in Serufolem ^ auf bie Sermdl^Iung eined iüt>U 
filmen «Sonigd gebicQtet würbe ; )u t)ergle{(l^en« 2)iefer ^onig i^, wie i(^ 
t)ermute unb wie ic^ anberdwo genauer nac^gewiefen |»abe/ ber «Sonig 
Ufta / unb bad ®ebi($t wärbein bie Seit t)on 800 üor (S^r. faOen* (Sd 
ifi ebenfadd wefentlic^ weltlicher 9lrt; aber boc^ gan) anberd ge^alleit^ 
atd bad <^ol^elieb : ernfier/ t^erßAnbiger unb mit einer propl^ietifc^en %tit* 
bun^ in bem göttlichen ©egen^fprud^e^ ben ber Aonig bei feiner 3]^ron« 
bejleigung empfieng 93. 4— 6. 8ln t^rifd^er Si^ön^cit unb lebenbiger 
(Smpftnbung fommt ed bem .^o^enliebe bei weitem nid^t gleich unb ift 
}ubem ein reinem ^nftgebid^t* 



Qn>äUx 'M^ifttM. $on 850-650. Sinlrtong» Stf 



3»etter mfd^nxtU 

»Oft 850-650. 

€xnltxtun%. 

9B&l^renb )»ix in ben beiben letztgenannten @tü<Ien nod^ bie Sluf» 
(Aufer einer rein nationalen unb mettU^en 2)t(^tung t>or un^ l^atteQ; 
bie eigentlich einer etmaö frii(^eren3eit angel(lören/ fo xoat bereite mit 
ber legten «g^dlfte be^ 9. 3a^rl^unbertd ein bebeutenber Umfc^mnng im 
3)ehfen wit im Seben be^ l^ebrAifd^en 93o(f ed eingetreten« 

STuf bie glinj^nben 3eiten.!£)at)ibd unb SaiontoV, too 3^tael feilte 
nationale unb politifc^e (Sin^eit erreid^t f^atte nnb mAd^tig baßanb, folgte 
balb eine (ange dtit ber ®(^mac^ unb SfS^v^M^e, ber ^Ampfe nac^ 3n' 
neu unD 9(uf en^ eine Seit ber Prüfungen unb SAuterungen / unter benm 
ber Solfdgeift aQmal(|lig mit ©c^merjen fein eignet SBefen entfaltete. — 
^r 3uba/ bad nad; ber S^rennung bed dteic^d — neben ber skoeibeutigen 
£)6er^errf(^aft aber @bom — nur einen $(A(i^eniaum t)on 10 9)?eilen 
Sdnge unb etma^ über 5 teilen breite befa^, war ed n)ic^tig/ baf l^ier 
wentgftend bie ^on{g^tt)üTbe in ber ^nmilie iDaioibd erblich blieb. fDer 
jlunge ®taat n>urbe baburc^ ber Srfd^ätterungen überJ^obeU/ totlä^t eine 
itonigdtDabl unb ein gen)altfamer iD^naftienwec^fel fafi immer jur ^otge 
f}ahtn, wie man bie^ am beutlic^fien bei ben I^Auftgen UmmAljungen bed 
n6rbti(^en 9lei(^e^ feigen fann* 3)ur^ innere / gägellofe !ßarteien fhtd 
beunrul^igt , burc^ blutige Zf)xonxociti\tl gefc^wAc^t unb ol()ne redete Sim 
^eit im @taatdn)efen n)ie im ^ultud, blieb ed, tro^ feineit größeren lim« 
fangd unb tro$ ber ebelßen ^rAfte, bie ed l^atte^ ein @pielbaU ber Stac^« 
barn unb gieng unter/ e^e ed ju einer neuen SBlute l^erangeieift toax. 
(Srfi bei ben fpAteren ©türmen jeigte ed ftc^ flar, \»k loiel bad f leine 
3uba , ba^ aUerbingd aud^ bur^ feine Sage mel^r gefc^u^t voax , feiner 
i^uptftabt «)erbanfte. (Sa ^atte ftd^ ^ter jugleid^ ein bebeutenber geifii» 
ger (Eentralpunft gebitbet^ attf ben man ftc^ finden fonnte unb ber nii^t 
fo leidet )u erf (Rättern unb um^ufl^ofen tt>ar. 

3)ie tttetarift^en grjeugniffe biefed ?lbfd)nitted Mnnen wir jeboc^ 
nid^t gehörig wurbigen, wenn wir nicbt )ut)or einen S31id( auf bie reli« 
giWe Sntwirflung bed SSoHe6 werfen* — 

9Bir l^aben oben gefeiten , baf bei !Dat)ib wie bei €alomo bie reli* 
giöfe ^nfdjiauung nod^ ))ielfac^ mit jinnlic^en unb naturli^en Elementen 
gemifd^t war^ oll^ne bafi biefe ®egenfÄ0e flar unb ftörenb jum Sewuft« 

16* 



244 3weite $rclobe. SSon \>. @runb« M Ainigt]^. iü jum (SxCbt b. (Sxi(9. 

fein gefommen wären. SRotur unb Äultur, Sffieid^eit nnb S^^orl^eft jian* 
ben l^iec noc^ im friebncl)en Sunbe mit einanber. !Der tt)efentU<^e gort« 
fd^ritt bed jtt>eiten Slbfd^nitted, ju bem wir jefttfommen, befielet fobann 
barin, baf bie ewigen ©egenffifte ^on Äatnr unb ®eiji, bie ©egenfäje 
bed niebern unb be6 l^ö^ern äieligion^principed/ bie bid bal^in ))on ber 
aSoIWmoffe unb feI6fl ^on ben erjien 9flej)rdfent<intett ber SRation unbe* 
fangen ))em)e(l^fe(t u'nb ))erbunben würben , nunmehr entfcf)ieben hcxau^* 
treten unb bem ganjen SSoIfe jum Sewuftfein ge6ra(f^t werben. 

5)iefe aufgäbe löfen bie?Pro^)l[)eten, beren üterarifc^eS^J^ft* 
tigfeit mit biefem Slbfd^nitte beginnt unb il^n l^au))tf&<]^{i(^ au^ffiüt. — 
3)urc^ bie ganje ^tit aber gel|^t ein ®effil^l t)Ott 3«wifenf|eit, \)on Un* 
t>erfö^ntl^eit mit bem Seben ^inbur<^ / wie ed bie ^o(itif(^en unb fodaten 
dufidnbe be^ Solfed bon felbft mit ^ij brachten, ^u^ biefer 3eit erflAct 
ed ftc^ Uittjt, Wie ein benfenber ®eif} e6 unternehmen fonnte, ben Ut« 
fprung ber ^ebrdifi^en äBe(tanf(]^auung / t)ie jenen £ampf ber ©egenfd^e 
bed ®eifligen unb 9{atärli$en ))on Anfang an f(^on in ft<l^ fc^lie^t/ an« 
f(^auU(^ barjufieHen / fo weit bie^ ndmlic^ auf rein religiöfem @tanb« 
punfte m5gU(^ war« (S^ i{l bieß bie tiefftnnige (Srj&^Iung aber ben 
6ünbenfa((/ bie l^ter n%r befprod^en werben mufi unb und am 
beßen in biefen wichtigen 9(bf^nitt einführt* 

Sdl^renb bie erfie ©d^opfungdgefd^id^te bad 993efen bed 9Renf^en 
unb feine ®ottä^n{i(^feit in bie il^m ))er(ie^ene «^errfd^aft aber bie ganje 
9iatur fe^t/ fo ba^ er t)on SInbeginn an frafi bed ®eif)ed a(6 ber gefronte 
Sel^errfd^er aller 3)inge bajiel^t, fo jeigt bagegen bie jweite, Jüngere unb 
gebanfenrei(^ere !DarfieUung (1 SWof, 2—3) bie ®enefid, ben Urfprung 
biefed l^ebr&ifc^en @tanbpunfted unb liefert bamit )ug(ei(^ bie Altefie 
fittli^e ®ef(^ic^te bed 9Renf^engefd^Ied^ted. iDanac^ gelangt ber ^enfc^, 
ber erbgeborene/ bur^@änbe jur Srfenntnid bed®uten unb S3öfeu 
unb eben bamit erfi jur ®ott&^nIid^fe{t 

!Die SrtenntniS bed Unterfc^iebed tw{f<^en ®utem unb Sofern be« 
seic^net )uu&d^fl gan} allgemein bie ^ufl^ebung ber geifMgen änbiferenj 
bed Äinbe6, bie S^neif ung ber erP«n Unmittelbarfeit, ber Unfreil^eit unb 
Unfc^ulb, ober bad @rwad^en bed üemfinftigen Sewu^tfetn^/ bie mora« 
lifc^e SKünbigfeit. Sgl. 3ef. 7, 16. !Durd) bieß ^J^ere »ewuf tfein ifl 
ber üRenfc^ 4n ber Zf)at gottd^nlic^ geworben , wie bie @r)&^(ung aud< 
brudflic^ ^ert)or^ebt. 1 SRof . 3 , 22 : ^Slbam ifl geworben wie nnfer 
(Einer, fo io$ er ®uted unb «öfe« erfennt/ fagt ®ott felbft« Sd fragt 
fid^ nur: Wie tonnte biefe Srfenntnid ald funbticfy ^ingefleSt werben, ba 
bo(^ f onfl bad ganje alte S^eftament auf eine f o((^e (Srfenntnf d unb ein 



Qwtita m^d^nitU Sott 850—650. Oinlritung. 245 

i^r entf^ret^enbea «^anbeln bringt? — Wtan ffat ^ier einen 9teit) bet 
@ott^eit ftnben moQen. allein bad wdre nur in ben Waturreligionen 
miglic^. 3n ber Steligion bed ®etf)ed aber offenbart @ott o^ne Stfiifl^alt 
fein ganjed Sßefen unb gibt feinen @eifl nic^t t^ei(n>eid. 3enea SSer« 
bot f}at Dielme^r einen tieferen ®runb. 

S« i^ in ber allgemeinen ©inleitung f^on furj auögefü^rt, baß bie 
l^ebraifc^e Äeifgion ju il&rer SSorauöfe^nng bie SJaturreligionen l^iabe. 
2)a« aBefen biefer lefttern bejionb barin ; baf ber ÜWenfd^ ftc^ aW ein 
®Iieb beö 9?aturganjen betrachtete, ftd^ an bie ett)ige Orbnung biefed 
®anjen gebunben fül;lte «nb To ftc^ mit biefem ©anjeri alö in ®ott 
feienb anfc^aute* 3n biefer ?(nfd)auung be« ®anjen , burc^ welche« ber 
einjelne bebingt wnb erhalten ifi, ge^t juerfi bieSbee ®otte6 bem menfd^« 
liefen ©ewußtfein auf unb dupert ficfi al« ein «b^angigfeitögefu^l be« 
®injelnen \)on bem SHI ber 9?atur. Sr ^at bamit bie 3bee eine« fdjlec^t* 
l^intjoraudfe^ungölofen, unbebingten JBefen« , in welchem er felbfi mit 
allen anbern SQSefen feinen ®runb unb fein SBefie^en ^ot. 2)fefe0 gött« 
lic^e SBefen aber erfc^eint aW 9?atur, ald Sflaturmac^t unb 9?aturgefeJ. 

!Die IE)ebräif(^e Sieligion, ald bie Sieligion bed ®eißed unb ber [xtU 
(i^eu Srei^eit, entßanb nun n)efent(i(!^ burc^ eine @rl^ebung bed äBillend 
üb er bie 9latur unb i^re itoingenbe SHotnjenbigfeit* 3nbem ber 3»enf(^ 
fo ))on ber SJiutter 9iatur fic^ lo^rip unb ea magte, frei fic^ felbß au be« 
Jiimmen, fo rtp er eben bamit ftc^ ))on bem ®otte lod, in beffen Firmen 
er bid \>a\)\n geruht, unb biefed negati))e IBerl^alten gegen bie 9iatur unb 
i^re ®efe^e, biefe ©ntjtoeiung bed ©ewuftfeinö iji an jtc^ baö S36fe, bad 
tabifale SBofe, wad nic^t fein f olL !Denn ber 9)ienfc^ bleibt immer ju« 
gleich 9iatürn)efen, unb bie \)ollenbete Sittlic^feit beße^t barin, bap er 
mit ber göttlichen Drbnung ber 9iatur in «Harmonie lebt* @o fe^r be6- 
l^alb bie @r}&^lung auf ber einen @eite ben Sortfc^ritt burc^ ben 9i{t bed 
Srfennen^ feß^ält, ebenfo fel^r erblicft fie barin toegen jener (Sntjkoeiung 
eine Sd^ulb. !Da^er bad SSerbot: nic^t ))om SBaum ber @rfenntnid ju 
epen* 

3)er blof religi5fe (Stanbpunft begreift n&mlic^ nic^t bad 9ife — 
in bem angegebenen Sinne — atö einen notmenb igen 9lft, um m 
fittlic^en $rei§eit unb gur toasten SBerfö^nung au gelangen« @r meint, 
auc^ o^ne jenen Sruc^ mit ber 9iatur, o^ne @ntan)eiung ^itte bie fttt« 
lic^e grei^eit realiftrt toerben fonnen. allein bie toa^re Serfi^nung ifl 
immer eine ^oermittelte, eine oua ber (£nt}tt)eiung l^ergefleOte ; bie blofe 
5titibe0l^acmonie/ bie Unf(^itlb/ bie gut unb iM noc^ nic^t unterfc^eiben 



fann ^ ift Wiebec {itt(i(^ no(^ itnfittnc^ unb tnu^ bal^^c aufgel^ofrcn xoti\>tn, 
ttm banacb reiner iinb tiefer tDieber ind Seben treten }u fönnen» 

JJlan ^at gmar fel^r altfdtg gemeint: bie erflen äJtettf^en fßtkn 
noatten fi>aen, bid ®ott i^nen bie (Srfenntni^ bed ©Uten unb 93ofen felb(i 
)u äbeireic^en für paffenb gefunben» SlUetn ba l^dtten jt^ lange Unarten 
bürfen; benn ba^ SSerbot iß o^ne die (Sinfc^rdnfung gegeben. 

9(ud ber obigen @r{(drung (a^en fid) nun (eid^t bie einzelnen ©runb» 
jüge biefer @efc^icl)te begreifen; junac^|i bie geinbfc^aft ber SRatur gegen 
ben 9)?enf(^n , befonber^ t)on Seiten ber ©(ftlange unb be^ ©obend. 
6d ifi biep nur eine SRücfwirfung t)ott ber feinblid)en ©teßung, »eld^e 
ber äWenfc^ ber 97atur gegenüber eingenommen f)at !Diefer 3ußanb aber 
foll nac^ l^ebräifc^er Slnfc^auung nid^t bleiben; ber ÜJienfc^ foU mit ber 
9Iatur [t6) t>erfobnen^ mt bie^ bie $rop^eten ald Ic^ted ^id ber @nt« 
wirflung in fc^onen Silbern au^fpredöen, j, S. Sefaja !!♦ — gerner 
erpit ie$t erfi bie Drol^ung beö 3;obe^ i^re redete ©ebeutung. (Sin f^i)* 
jtf^er JSob fann nic^t gemeint fein ; benn bie SKenfd^en fterben jo nid^t^ 
unb t>on einer SOtiiberung ber Strafe tt)irb nic^td gemelbet« ^lu^rbem 
ift ber üKenfc^ nic^t mit einem unfterblic^en 8eibe erfdjaffen tt)orben, fon^ 
bern alö (Srbe tJon ber @rbe, iDorin feine Snblicftfeit genugfam auöge» 
f^)rod^en ift. (Sbenfo njenig fann ein gelfliger %o\> gemeint fein ; benn 
baö alte S^eftament fennt fein gortleben nad^ bem Jobe, fein 3enfeit6, 
fonbern aUeö fott bicffeitö jtc^ \)oHenben. — 3)er3;ob, afögofgeber 
Srfcnntnift be^ ®uten unb ©ofen , fann beöl^alb nur in bem ©inne l^ier 
gefaxt ttjerben, baf bem^Wenfc^en erfl auf ber®tufe beö freien, ent* 
tt)i(fe(ten Sewu^feinö auc^ feine ©nbfic^feit jum ®en)n^tfein fam. 3)enn 
^nur für baö Sewu^tfein l^at ber Siob einen ©tacket/ 2)a6 Äinb fennt 
unb fürchtet i^n ni^t* Sluö bemfetben ®eftd)t6punfte finb and) bie fibri» 
gen ©trafen, bie ©eburtöfc^mcrjen beö SBeibe^ n. f» tt>. ju \)erPel^en» 

gerner ifi ju beachten, tiaf er|i näd^ bem ®enuf ber Srfenntniö 
ba6 aSerbot folgt, nun ntc^t auci^ no^ t)om 33aum beö Sebend ju epem 
Der ©inn tiefer DarfleHung fann nur ber fein : 3lad)bem ber "Slenfd^ 
einmal jum freien Senjuptfein gefommen xoax unb feine eigne Subltc^»» 
feit erfannt ^atte, fonnte er ni^t toieber )u bem frül^eren ftnbiic^en, un« 
f(^u(bigen unb bett)u$tlofen 3uf)anbe }urü(ffe^ren| er u>urbe bedl^alb für 
immer aud bem $arabtefe ))erßof en. 3m SInfang' aber iDarb il^m ber 
Saum bed Sebend nid^t t)erboten unb er genop unffoeitig ia'con, b. 1^» 
hn ©inn ber ©age : er lebte tt)ie bad «ßinb tfyit ©en)uf tfein snb o^ne 
gnrd^t bor feinem @nbe; er l^atte nur (ebenbige, erfüllte ©egentiMirt« 
Dad liegt entfc^ieben^n ber (Er)dl^(ung unb barau« folgt, toeiut e0 n^t 



dtDeitrr %i^ä^n\tt. Sßon 850—650* HtnifitHng* 247 

an fic^fi^on Aar genug wäxt, btf t)u 63e)ei(^nungeni Saumbe^Se« 
ben^ unb Saum ber dtfenntnid eine rein bilbli(^ Sebiutunfl 
baben mftfen unb baf n^ir bei bem festem nic^t etwa mit bet Iateinif(^en 
Aird^e oit einen S^felbamu/ noc^ mit ben ätabbinen an einen geigen* 
bäum' ober mit anbern an ben äBeinfiixf benfen bürfen. 3)er S9aum bed 
Sebend bejeicbnet bad anfAnglii^e Ij^armonif^e 9Iatur(eben ttor ber Sc« 
fennlnid bed ftttlic^ ®uten unb Sofen , nu) ber SSenfd) aud^ feine eigne 
(Snbtic^feit unb feinen Zoi nod) nid^t erfamite. 3m ®egenf(t$ )ft biefem 
Saume ifi ber anbere gerabeju fo t>ie( a(d bet Saum bed £obed, in« 
fofem er mit ber (Srfenntnia bed @ttten unb Sofen bem SRtnfc^en p« 
gleid^ bad quAlenbe Semu^tfein feined XoUß bringt. 9Bte bie €äabe 
l^ier aber b(o^ in bie (Srf enntnid bed Unterfc^iebed gefegt wirb, fo 
fagt au<l^ $au(u6/ baf burt^ ba^ ® efe$ bie @ttnbe in bieSßeit gefom« 
men fei. — Sind ber ))oetif<6en 9udbru(fdmeife foIAer Sagen unb ibea« 
ien ®ef(^t<^ten ifi ed nun fel^r begreifli^, wie fo befiimmt gefagt werben 
lonnte , baf bie SRenfc^en ))Dm ®entt§ biefed Saumed jierben würben^ 
ba fie boc^ leiblid^ fortlebten unb fogat ein febr b^bed 9l(ter erreichten* 

3>ie 6<^(ange/ um biep noc^ )imi Serfifobnid bed ©anjen )u be* 
meinen/ ifi feine6weg6 t>a6 böfe $rincip ; benn ber Urff^rung bed Söfe« 
liegt im äRenft^en felbft. 6ie f^mboKfirt ))retme^r bie eigene^ natürliche 
Sbtreijutig beA SRenfc^en; feine eigenen 9leflerionen {tnb in bid)terif(lb^r 
äBeife einem natürlichen SSefen, einem Z^iere, bad aie Silb ber Sift unb 
Alugf^eit galt , in ben SRunb gelegt. — <Sine weitere @rfldrung gebort 
nic^t ^ie^er* 2)ie ^u)»tfa^e i^, t>a$ ber SRenfc^ bie er^e @ünbe burcb 
Sodteif ung t)on ber fRatur begel^t ; btnn burdb biefen 9lft ift bie ftttlic^e 
^i^eit, bie Unterft^ibung bed ®^en unb Sofen bebingt. Diefe (&nU 
aweiung mit berSiatur fotbert.bae fttttifbe Sollen; atltin erfl bad Un« 
glicf ber d^i^ brachte bem b^biAifd^tf älolfe bieftf Jtonfequeng feinet 9te» 
ligiottdprinciped gum Haren Sewuf tfetn« SBie ti anfAiglic^ ^oll frexbi» 
ger fllewif^eit unb Unmtttelbarfeit ji^ Auferte, i^ 6* 39 hac^sufeben. 
@omit geigt ber @finbenfaU bie allgemeine et^ifc^e (Beffbic^te be6 gangen 
^ebrdifcben Solfed/ bad burc^ ^einen äiiefenfc^ritt" fxdf geiftig frei macbte. 
Diefe ©efc^ic^te iß eine ebenfo wabre afd wirtliche; fie ifl ein (Sr* 
lebnid ber ®efammt^eit/ nur bifat eiugelnet/ nur einmal oorgefommener 
SaQ/ fonberu eine ewig ficb wieberbolenbe ®efd}ic^te« Die 9Renf(b^eit 
ift baburcb nicbt gefunfen/ wie andj bie SBibel gugibt; allein mit biefem 
@d)ritte, ben bad ^ebrdifc^e Soll guerfl ooOfiinbig get^an^ ifi au^ eine 
(itttsweiung/ ein Stampf ber ®e^nfd1^e wn 92atur unb ®eifit, wn 9lcU 
wenbigfeit unb greü^ett in bie 9ef^t<j^te ber 9?enfc^^eit eingetreten ^ ber 



248 QtotiU $eriobe. SSon b« ©ruub« b. Jl&ttigti^. (U }um (Snbe b. Qxite. 

feitbem bad Seben bed Sin)elnen toie ba0 ber Sölfer tmmec auf^ 9teue 
bewegt unb feinet Serföl^nung entgegen ringt« 

3m l^ebrdif(^en SBolfe ^aben bie ^ropl^eten biefen ^antyf bur^^ge« 
{dmpft unb un6 in ber Siteratnr bad getreufte 9(bbi(b bat)on ^interlaf en* 
— @ine )^oBflAnbige ®ef(^i(^te biefer ^xopfftkn nnb i^rer SBerfe gel^ort 
{tDar nic^t in eine ®efd^i(^ie ber ^ebrAifd^en !I>i(^tung ; benn fie ftnb 
me^r Solfdrebner, aM3)i(^ter; jte ^aben immer eine praftifd^e/ polt* 
mifd^e, (el^rl^iafte S^enbenj/ unb wegen biefer nnmittelbaren @iiitt)irfungen 
auf bad Seben^ auf bad )>o(ttif(^e wie auf bad religtd0:>{ttt(i(^e^ bilben {te 
einen befonberen / felbfidnbigen ^xoAq ber l^ebrAifc^en 9{ationaniteratur 
unb gel^oren t^eiid ber SteKgion^«/ t^eüd ber @ittengef(l^i(^te bed SBoI« 
fe0 an. 

Snbed barf bie prop^etifd^e Siteratur l^ier feinedwe^d fibergangen 
werben/ ba fte und ben wa^rl^aft ftttKd^en Aem ber 9iation am treuen 
)ur S(nf(4auung bringt. Sluf erbem ifl bie $orm biefer @d^riften grof ten« 
t^eiid ))oetif(^ unb rl(|);t^mif^. ®ie gel(|oren wegen ber allgemeinen Ztn^ 
benj )u (e^reu/ ju be|iern/ )u bilben u. f. w. ind ®ebiet ber bibaf ti« 
fd^en3)id^tung unb {eigen wie biefe eine SRifc^ung i>erf(^iebener S^r« 
men ber $oe{te : rein (i^rifc^e, fatirifc^e/ er}d^(enbe unb lehrhafteste« 
mente. 3nbe^ ifl biefe prop^etifc^e !Dibaf tif fe^r )oerfd^ieben t)on ber 
fpdteren Se^rbic^tung in ben Sprüchen ^ im «^iob unb Stol)zUt, bie ftd^ 
ber reinen S^rif anfc^Iieft unb bedb^Ib aud^ me^r bem @l^ara!ter ber 
wirf (ic^en ^nft entfpric^t. SStr f onnen biefe beiben ©attungen gerabeju 
ald I^rifd^e unb fatirifd^eSe^rbic^tung unterfc^eiben. 

äReine gegenwdrtige $(ufgabe fann l^auptfd(^li^ nur barin beftel^en^ 
biepoetif(^e@eite/ bie (Sntwidlung berfinnfl an ben propl^etif^en 
Sieben nad^iuweifeu/ wobei ber eigent^fimlic^e ®ebanlenge^a(t nur im 
STOgemeinen )u berudftd^tigen ijl. Um aber bie ganje @rfd^einung biefer 
prop^etifd^en Siteratur überl^aupt im ßufammenl^ange mit ber gefd^i<l^t« 
liefen Sntwidiung bed 93o(fe6 3U begreijfen/ mu^ bad 9ßefen unb 993tt* 
fen ber ]^ebrdif(^en ^rop^eten fetbfl ^ier genauer erdiptert werben. 

L 
;2Ulgemeint4i übet l^e» I^ebtSifd^e |)r0pl)etentl)um. 

1) Segtif unb Stanbpitttlt ber (ebrdif^en Vrop^eten. 

SBiidft man auf bie )^ielfeitige SSirffamleit ber einjelnen ^xDpfftUn, 
fo waren {te aOerbinga gottbegeißerte @ittenprebiger , Seigrer unb 9tat< 
geber bea 93oIfe6 wie ber Jtonige/ {uweilen auc^ ®r)ief|er ber liniglic^en 



$rin)en/ im SOgemetnen aber einefitt gMIid^er !l)tma0O0en/ tDie 
fettet {te bejdc^net* @te toattn ferner ald ®efe$geber/ ald ^H^ttt, alt 
©efd^ic^Mfi^reiber unb atö SBerfaf er prf)^|^etif(^er äioIMreben bie toefent« 
Ud^fien Segninber ber ^ebriifc^en 9}ationaUiteratur/ unb ertl^eilten an^tu 
bem nic^t feiten \)erm6ge i^rer naturtoipenf^aftU^en itenntotffe i^ten 
9Ritburgern unb felbfi 9(ud(anbem äratltc^en 9lat unb Seißanb / (\)gL 
2 Äon. 2, 19 ff. Ä. 4, 38 ff. Ä. 5. Ä. 20, 7.) wed^alb ffe bem 
Solfe/ toie ttnr namentlich bei @lia unb Slifa fe^en, oft aM Sßunber« 
tl^ater erfc^einen mochten. (SBgL inta^ 7, 16«) 9(ud biefen (Sintel^eiten 
Ulf t ftc^ ieboc^ ber allgemeine Segriff einea l^ebrdifdben $io))]|)eten nic^t 
genugenb abflral^iren. (Sbenfo tt)en{g gelangt man ba}U/ wenn man loon 
ber @t);mologte t^rer9{amen audge^t; benn biefe be)et(^nen meiflnur 
bie dunere Srfd^etnung tl^rer SBirffamfeit/bie ))or)ugli(^ im Sieben, 
im begeiflerten SBerfunben religiöfer unb ftttlit^er Sßal^rl^eiten beßanb. 
!I>er aügemeinfte ^udbrud bäfur iß 9{abt, (S)>re(^er, 9lebner/ gleic^be-- 
beutenb mit bem griec^ifd^en nqoqyrpnfig^ SSerfünbiger/ 2)olmet« 
fc^er ®otted, (2 9Rof« T , 1) tt)ie bie 70. bad SBort na<^ flaffifc^em 
@))ra(^gebrau(l^ rid^tig überfe^en ; benn ^iernac^ ift ber ^ro^ll^et'n^efent« 
Xiij ber 91 ua leg er unb fDoImetfd^er ber begeifferten ®5tterfpru^e bed 
^anti0/ obn)o^l bad SBort et^mologifc^ einen SSorl^erfager beseit^' 
net. !Diefelbe SBebeutung \^CiX ba0 lat* vates , im Sandhit vadi ober 
v^dica, )^on vad, reben, fo baf bie 9ejei(^nung eined l^ebr&if(^en $ro« 
^l^eten mit ber eined fogenannten l^eibnifc^en iufammenf&Ot* 

SRan l^at }n)ar % a b i atö eine ))af{i)>e gorm nehmen n>oOen, f o baf 
eö bebeute: ber SBegeiflerte, 3nf)>irirte, ober nac^ Stebdlob : i^ber 
S(ngeff)rubelte^/ ))om g5ttli(^en ®eif}e Slngefprä^te ! ! IDanac^ foQ baa. 
SBort/ n)ie fogar «^upfelb xoiU, im ®egenfa$ }u bem griec^lf^en $ro« 
pl^eten fiel(^en unb bie i n n e r e, ® o 1 1 ) u g e tt) a n b t e @eite bed $ro^l^eten 
be}eid)nen/ n)A^renb er im ®rie(^if(l^en ))on feiner duferen, benSRmfc^en 
iugetoanbten @eite ben 9lamen ^aben foD. $lllein biefe @rfldrung iß 
burc^aud unl^ifiorifc^. 3)enn ni^t blof ber ^ebrdifd^e $ro))l^et/ fonbem 
ieber, ber gried^ifd^e n)ie ber ber 3>nber unb aller «Reiben, l^at bie 93or« 
ßeOung , baf ein ®ott burd^ il^n rebet. 3)er 3n 1^ a (t ber Dffenbarung 
ma(^t allein ben Unterfc^ieb au0/ nic^t bie (Srfd^einungdform ; benn an 
ß(^ iß bie $ro))^etie fo gut toie bie $oeße eine allgemeine 9Renf(^en« 
unb SBilfergabe, unb feinedn>egd blof an ben Soben $aldßina'd ge« 
bannt, dubem iß 9labi feine ^afffoform, fonbem ein aftibed (Subßan* 
tit) toie paqtd, Sfuffe^^/ ^^ ^x<A* kalinoi, Q)fttijzx, chaktm, ein 
Sßeifer u. f. to. 3^ bemerfen iß nur, baf badffiort in engerer unb toei« 



Smrite^iobe* ffien b. ®rilnb. b. Stini^tf). m {um tiibe b. mi$. 

tettjc Sebeutun^ gehaust i9icb. 3m engeren 6inne iß ed ber gottbe« 
geißerte Siolfarebner, ber poipttidr fonß atid^ 9)tann®f>tted^9ffann 
bedOeffie«, Sote ® otteö ober 2)ülmetf(^er (m^ltz) ^eipt; {m 
Leitern ®inne ßel^t ed überhaupt )Don frommen !B{dnnern^ bie unfer be^ 
fonberem gottfic^en Sinfluf e fielen nnb einer f)i\f^xn Srieuci^tnng itnb 
Offenbarnng gen>ürbtgt n)etben/ [o "olel al^ ^rennb unb SSertranter ®ot« 
M, Wie a* 8. abra^am 1 aWof. 20, 7. fflgr. 5ßf. 105, 15. 3)er ^ro* 
pf)ü iß in ben göttlid^en Salden eingevoeil^t nnb (ebt in \)oUet Öberein« 
{Hmmitng mit ®ott, b« i. mit bem (Sittengefe^, eine Stufe, bie eigent» 
lid) jeber S^raelit erteid^en foQte, toed^db auc^ 3oe{ 3 , 1 bie mefßa» 
nif(^e Seit, bie Ttttlid^e IBoOenbung Ue SBoIfed a(^ einen ^ropl^etidmud 
aOer ®lieber beweiben ß<^ üorßeOt. !Die meibiic^e Sorm, nebia, bej^eic^» 
net beutlic^ in 2 3»o^ 15, 20 bie SWiriam ate 2) i «Sterin, eine Über« 
tragnng, bie um fo nä^er liegt, a(a bie rein ))oetif(i^e unb propl^etifi^e 
^egetfterung ß(^ ))ielfac^ berälgiren* !Der $ro))^et tDirb gutoeilen reinet 
2)i*ter, Oefaja 12. ^ab^M 3, 3er. 20, 7 ff.) fo »ie bie 2)it^ter ifter« 
einen i)rot)^etif(]^en Xon anßfmmen, j. S. 5PfaIm 2. 45, 3—6. 110. 

Um ben toirfUc^en Segriff eined ^ebräif(^en $ropl^eten genauer }u 
beßimmen, mfi§en toir nid^t b(o0 bie ®efammtt^dtigfeit aller $ro))l^eten 
uberbliden, fonbem t)or SiOem und an ben Snl^att i^rer eigenen ^u6< 
ft^rfi^e galten, wobei aber, wie bti jeber l^ißorifd^en Unterfu(^ung , eine 
^ritif ber OueDen unerläf (i(]^ iß. 

3m ^(((gemeinen ßnb l^ter brei ))erf^iebene S(rten ))onOueHen lool^I 
in unterf(^eiben, nimlid^ erßen6: l^ißoiifd^eOuefienim ßrengeren 
©inn, wie ße f n ben ®efd)i^tdbfii^ern bed alten S^eßamentd, namentlich 
im ^tntaUuä), in ben Säc^ern @amueld, ber «Könige u. f« xo* wxUt* 
gen. Aeine t)on biefen JDueUen iß gteic^jeitig ; ße ßnb t)ielmel^r fimmt« 
U^ atoel bid fünf 3aiS)rl&unberte n a d^ ben öreigniffen , bie ße berieten, 
niebergefc^rieben, unb enthalten mfmbli(^e, fagen^afte 9io(f0erj41[^tungett 
über bie SBirffamfeit ber ^ropl^eten, befonbcrd bed SÄofe, bed ©amuet, 
Qlia, @(ifa u. f. w. ferner gel^drt bal^in bad Sud^ 3ona, worin eine 
ganj mi^tl^ifi^^gefärbte $ro)>^eteiifage }u btbaftifd^en ^n^iievL frei bear« 
bettet worben. — 3)iefe (SrjAl^lungen entlliatten im SUlgemeinen bie ge^ 
w5](inli(^e SSolfdanßc^t. 3>ami) ßnb bie fßrop^eten SBunbert^dter/ 
ffla^rfager, ia Sauberer, unb nehmen im ®runbe nod^ benfelben ©tanb« 
punf t ein , wie bie ^ropl^eten unb S93a|irfager ber ^eibnif<^en Wolter. 
!I>ad alte S^eßament gibt bief au(^ ju — in ben ©agen wenigßenä — 
unb erfennt in ben l^ebrdifc^en $rop^elen eine nur cfuantitatio l^il^eie 
,Si»tft an, ald in benen anberer SBölfer« ©o f onnten bie Ag^ptifd^en ßaus 



betet unb aßeiftn fa^ alle äBunbet/ koelc^e SKofe i^ot $^atao bct^itfte^ 
ebenfaOd nac^mad^en — natät(t(^ butdb «g>ülfe bed SleufeU/ td? bie atte 
jtitd^e ed ftd^ erfl&rte« $etnet ftttben ftc^ iu beit 3Bunbeteti&b(ungen 
üba düa, (&li\a, 3ona u* f* m. ganj entflpred^enbe Sagen bei ben &la\* 
fifetn unb fonfi. !Dad ^auptgcfc^äft unb baa SBefen bet l^eibnifcl^en tt)ie 
bet b^bcdifd^eu !ßrop^eten befielt nad^ bet 93o(f^anjt(^t im Dtafelgebett/ 
im 93ot^ett)etfünben bet ^ufunUf übetl^aupt im SBipen unb 
@e^en ^oeibotgenet IDinge, n>ed^alb bie ^ebtäif^en $rop^eten ftü(iet 
ebenfaüö ^©ebct" gießen. 1 ©am. 9, 9. ajgl* «m* 7, 12. (6})dtec 
unb bei ben ^xopf^eUn felbji fttfytn biefe 8ejeid)nungen t)on bet innetn, 
intelleftueOen 9(nfc^auung unb Offenbatung allgemeinet SBal^t^eiten«) 
So f onnte Samuel alö i,©el^et* bem ©aul »etfunben, »o feine« SSater« 
@[e(innen feien u^ betgL !Die (i^tift(i(^e .^itc^e f)at biefen volf^t^um» 
lid^en S3egnff eine« ^roip^eten al« ben richtigen angenommen/ obn>ol^l 
et mel^t noc^ bem Stanbpunfte bet 9iatutteltgion angebött. 

Seltätft »utbe bie Äitc^e in biefet 2luffaf ung bet l^ebtäifc^en ^ßto« 
Poeten butd) eine ]n)eite^tt))onDueIten. @«{tnb bie^ eigentlich 
ptop^etif(^e Stade aud fpätetet ^nt, namentlidb ntebte im Su(^ be« 
3efaja beftnblic^e Sieben, bie am @nbe beö bab^lontfd^en ©riteö gefd)tie» 
ben tt)otben flnb unb bon ben bamaligen potitifd^en unb teligiöfen 3«* 
fMnben bet 3uben In SBabv;lon l^anbeln. Stunben biefe Stütfe nic^t ju» 
faHig unb tein auf ettic^ in bet Sammlung bet eckten Sieben 3efaja'0, 
fo n)ütbe auc^ bet frommfte 9(betglaube e« niemals g^t)agt l^aben, fie 
bem alten befannten ^top^eten )U}uf(^teiben« So flat unb unjtteibeutig 
ifl bet 3n^alt, fo \)etfcl^ieben \)on bem eckten 3efaia bie gotm unb fo ent« 
fc^ieben gebt baö S^itattet biefet Stürfe au« i^nen felbfi ^et»ot. Se^t 
abet foß bet fßtop^et 3efaia fie 200 3a]^te "oot bem ®rfle gefc^tieben 
unb aUe einjetnen 93otfdUe beffelbett ))0t^er9etfänbigt l^aben : eine $(n« 
naf^mt, bie ^ä^on fptac^Iic^ rein unmogUd^ ifi; benn bie erilifc^en du« 
ficinbe totxUn l^iet m<^t etuoa al« jufünftige getoei^agt/ fonbem %U« 
a(« gegentoittige unb n>itfli(4e/ tl^eil« al6 petgangene befc^tie« 
ben, 3etufalem unb bet Stempel ftnb lange {etfiott, bad Sanb entt)ölfett/ 
bad SSolf f(^ma(^tet in bet SSetbannung ; bie S^alb&er ftelj^en tto^ig unb^ 
äbetmfitig auf bem ®ipfel i^tet Wai^t^y allein ^\ftVL^, bet fogar f(^on 
bü 9tamtn genannt toitb / ifl aufgetteten unb t)on tl^m koitb bie 3&<^' 
tigttiig bet (S^albdet fo iDie bie 93efteiung 3«tAel« mit ^mn^diit exxoat^ 
UU SSgt. 3er 40—66. Slu0etbem toollen biefe unb einige fleinete 
Stitdfe bntc^aud nic^t fut $tobufte 3tfaia'd gelten, 9tnx einmal fc^reibt 
bei fpdtete Sammlet in bet Übetfc^tift ^, 13^ 1 ein une^te« Stud 



3n»ite $ftfobe* aSon b. ®ntnb. b. Stini^a). iU jum (Snbe b. (Srltt. 

bem 3efaia )U/ ju nx(<^em Srrt^uine jlebp^ bad &t&d felbß feinen 8bi« 
laf gegeben f^at 

®ana anberd \)er]^4U eö fl^ mit bem 8u<^ 3) aniel, böd ebenfaD« 
l^ie^er gebort. Dad 93u(^ »urbe gefd)rieben im jweiten Sa^r^nnbert 
t)or ß^riflud, tt>a^renb ber 9ieIigiond\)erfo(giingen unter »ntio^ud @pis 
pl^aneö» 3)er SSerfaf er t)erlflnbigt ben ©turj biefed iC^rannen unb ba» 
nac^ foQ fogieiti^ ber äRefftad erfd^einen. 9lld SSorbereitung baju erjä^It 
er in bilblic^er «nb fi^mbolifc^er Sflebe bfe ©d&icffale ber früheren grof en 
SBeltreiti^e, mit benen baö iübff^e SSoIf in feinbiid^e Serfil^rung gefom* 
men, unb itoai erjd^It er bief in ber 9Irt/ ba^ er einen alten Seifen^ 
SRamen« 3)aniel (»gl» ejec^iel 14, 14, 18, 20. 28, 3), ba« bereite 
©efc^e^ene ald SQBcipagung ober \)ielme]^r aW SSorl^erfagung auöfprec^en 
Idf t. !£)al^er flimmt benn au6) SlQe6 bi6 auf bie 3eit bed ^nitoc^ud IV. 
fel^r genau mit ber ©efd^ic^te unb [ogar mit ber S^ronologie uberein ; 
t)on bem aber, »ad ber SSerfafer üon ber 3ufunft erwartet unb xt>a9 
fd^on ber $orm nad^ gan) t^crfd^teben ifi unb ben apigemeinen @^arafter 
,ber prop^etifc^en Sßeipagung uberl^aupt an fic^ trdgt , ))on bem ifl [o 
t)ie( ald gar nid^td eingetrofen. 

iDiefe poetifc^e @inHeibung , ctcoa^ rudEn)ärtd nac^ bem (Srfolge ju 
tpeifagen, l^ai für jene tt)ie für unfre3eit burc^aud nic^td Sinftopigea 
unb beitüedft nur, ber Siebe me^r ©ewic^t 3u ))er(ei^en. @ie ift bei ben 
»Hebräern fel^r alt* 3)aö frü^jie Seifpiel folc^er prop^etifc^en 
«^unftbid^tung l^aben tt)ir im @egen 3afobd/ 1 Wlo\* 49; bann im 
Drafel Sileam« 4 ü»of. 22—24, unb befonber^ im /ünften Su^ 
3»ofe'ö auö ber 3»itte be6 7. 3a](|r^uubertö. ©pdter wirb biefe gorm 
immer l^iduftger, tt)ie !Danie(, ba^ 9u(^ i^enoc^ u. 91» {eigen. 

Sßer fic^ an biefe beiben Wirten "oon Oueden Igelit, fann unmöglich 
ben toaf)xm unb tpirflid^en 9egrif eined l^ebr&ifd^en $ropl^eten gett>in« 
nen ; er muf bielmel^r in i^m ein unbegreifliche^, pljiantafiifc^ed 9Sunber« 
toefen erbliden , bad bie ^Begebenheiten ber 3uhmft mit allen 3ufä(Itg« 
leiten unb bid auf 3eit unb @tunbe (bie felbfl S^riftud ni^t touf te) 
^^orau^jufagen ))ermod^te. £)a^er bann bie an SBa^nfinn fireifenben Sl^eo« 
den über bad propl^etifc^e^ewu^tfein, baA man ft(^ ald eine t)if{ondre 
®eifledt>er}üdEung unb (Sfßafe backte, bei ben SRontanifien, n)ie bei 
^engflenberg unb feinen ®laubendgenof en« 3nbed f)at bie ^itif ftber' 
jene Duellen tdngß fo entfc^eibenb unb fo unmibertegbar gerid^tet, baf 
jebea weitere 9Bort barüber unnü^ iß. @elb{l bie ))ermittetnben 
3^^eo(ogen ernennen ba6 ©etoid^t ber ®rüribe für ba0 fpAtere 3^ttaltec 



jlener ))rD))l^etif(l^en @täde an unb fiel^eit in biefet Qe){f^ttttg auf bem 

gleichen @tanb))iinfte mit ben freiftnnig^eu 9lu9(egem« 

ÜJie b ritte unb einjig ju^erUfige^rt \)on Duellen, an biett)ir 
j^auptfd^lid^ und )U fialten ^aben , ftnb bie gleid^jeitigen , aut^entifc^en 
Sieben ber ^xop^eUn fetbfi, unb beren bejtften »ir jum ®Iü(f eine grof e 
Slnja^L ®te geben und bad lebenbigfle unb treuße 9ilb über bad Sßir« 
fen unb SBefen ber ^ßrop^eten unb ftnb frei üon allen »unberboren, 
jauberl^aften unb l^eibnift^en Slementett, bie, wie fc^on bemerft, ber 
SSoIfdfage angel^ören* 

^a6) biefen Urfunben erfd^einen bie ^ro^l^eten ald begeiferte Solfd* 
rebner unb SSolfdful^rer/ ald bie eigentlidien SieprAfentanten bed natio« 
nalen unb religiofen ©efammtbetvu^tfeind , gteic^fam ald bad taut« 
n)erbenbe ®en)i^en bed J^ebrdifd^en IBolfdgeißed; benn 
fie flnb bie ©(^öl)fer ber religiofen Slnfd^auungen, bie Offenbarer bed 
ftttlic^en ®eifted ber Station. äBie ))iel ®emeinfamed fie bedl^atb auc^ 
mit ben ^eibnif(^en !ßro:pl^eten f^aUn mögen , fo unterf^eiben fte ftc^ 
bo(^ qualitatit) ))on allen übrigen, n>ie bie «Hebräer überhaupt burd^ bie 
(Stufe i^rer ®otterfenntnid unb i^rer ganjen äBeltanfd^auung t)on allen 
SSolfern bed Stltertl^umd ))erf(i^ieben ftnb. Über^au)}t aber fielet bie pro« 
pl^etifc^e Literatur ber<^ebröer fo eigent^ümli(^ ba, bap fein SBolf 
bed $lltert^umd etwad ^^nlic^ed auf}un)eifen \)aU 

iDie^bee, baf bie Innere , geizige ^reil^eit bed 9)tenf<^en att(^ in 
ben (Srf (Meinungen bed u^irf liefen gebend eine ®eflalt getoinnen foH, fo 
ba^ nid^t mel^r bad 9{atürti(be an ftc^, fonbem nur bad "oom ®eifi unb 
t>on ber ftttUd^en grei^eit !Dur(^brungene n>al^ren Sßert^ unb Sebeutung 
f)at , biefe 3bee ifl ald bie @eele ber ^ebrdifc^en Steligion unb ald bad 
innerfle 9Befen biefed 93olfdget|)ed }u betrad^ten* 3)ie ^rop^eten aber 
finb ))on Anfang an bie Crgane biefed allgemeinen ®ei{led ^). SEBad bie 



1) ^et cigentUdiie ®eifl unb (Sleniu6 einee Q3oIf(6 fommt )un&d^ft immer nur in 
eingelncn, l^od^bcgabten $frfd;i(id{|feiten gut @rf4ictnung unb imat niä^i b(op bei ben 
$ebt&ern. 3)tc@incfen, 3nb«, $fcfer u. f. », ^abcn fo gut i^frcfÄcligioneftlflcr, »icbie 
^ebr&er nnb biefe finb ihttaU ni^t t)pn bet ißoUM^fmAii^hit §u trennen, toie mon bief 
|. 93* bei SRofc nnb ben ^ropl^etcn getl^an (at SRan nberfie^t babei gecabe^d $Befen 
ber l^ebr&ifdien Religion , bie 3bee' ber (i^emeinbe ; benn 3^rael aU ein ® an j e6 , aU 
ßation iji ba6 SBolf (Dotte« nnb iene« l^ö^ere ^rincip ober ®ott felbji ift (ebenbig im 
®(toofie btefer nationalen ®emeinfc^aft* IDie CinttoidPlung j[ene0 $rinci))6 forberte aber 
einen ^am))f, bie ÜbertDinbung eineiS (Degenfa^ed , tt>ie jl(^ etn^a^ i^nlidbc^ in i^ber 
Sletigion^gef^id^te natibtoeifen l&f t @o fleden @cfrate0 unb alle grie(^if((en ^j^ifo« 



BwäH Vctiobe* fSon b» Aruttb* bed JtSntgtl^^ M )» iSn\)t M ff ritt* 

SReng^ nui buitfet dl^nt unb füJ^ftf bad fpre^en fte f(ar aM uitb ftt(|eii 
bte fitt(i(^e Sreiljieit ind 8eben einjuffil^ren vnb )u ttali^un. 3>ad 
menfc^Itd^e !Dafem foQ burc^ 4pe ^ö^ere, ibea(e 9Iuffaf ung'))erf(dtt/ ))er« 
fd^önt^ poetifc^ unb ftttlic^ umgeßaltet merbeti/ wobei bie $oe|te freiließ 
gan^ im !Dienfl ber 9ie(igion unb ber @itt(i^feit ße^t* 

!Die i^inbernilfe/ welche bei biefec Slufgabe übewunben »erben 
mupteH/ toaxtn in religiofer ^infic^t t)or)ug(ic^ ber Stanbpimft ber 
SRaturreltgion,. bad natärlic^e $rincip ober ber ©o^enbienß^ bem ein 
groper %i)dl beö SBoIfeö über taufenb 3a^re l^inburc^ an^ieng* Slnbrer* 
fcitö bejog fi(^ bie 3;i^atigfeit ber 5ßro<)^eten immer anitj auf bie politi« 
[c^en aSerl^dltttiiye ; benn innerl^afb ber Slec^Wgemeinf^aft, innerhalb 
beö ^taaM foßte bie ftttlidfee grei^cit tJerwirfUd^t tt)erben. ^iernad^ ifi 
e« Har, baf bie öffentlicl)e SBirffamfeit bicfer SWdnner tt)efentli^ bebingt 
war bnrd^ ben lebeömaligen Swftfl^^b be« ®taaM, unb beöl^alb in ben 
\)erf(^iebenen Spoc^en beffetben notwenbig einen \)erf(^iebenen Sl^arafter 
befommen mupte^ 

®Uiij an ber ®pl^ ber J^ebrdifd^en ©emeinbebtibung , bte in ber 
mofaifd^en 3cit beginnt, fielet 9Kofe, ein ^rop^et, ber aW SorbHb unb 
SRufiec aller fofgenben ^J^^opl^eten betrachtet werben fann» 3)a6 SBoff 
lebte nod^ nomabifc^, l^atte aber bereite »^dupter ober Sörp^n,' bie an 
ber Spifte ber jw6If ©tflmme ^jianben* 3)en ©tammfürfJen nebfi ben 
^Itefien beö SBolIeö lag bie gewöhnliche SRec^töpflege ob. 3)iefe Stamm* 
Derfafmng bauette fobann no(^ über 500 Saläre J^lnburd^/ nac^bem ba^ 
Solf bereite in $aldflina anf&pig geworben war. üDabei uej^men bie 
$rop^eten f(^on je^t eine eigentl^ämttc^e Stellung ein. Ctine irgenb 
eine Aufere 9Ra(^t unb Slutoritfit )u beft^en, treten jte burc^ geifUge 
Überlegenheit, burc^ bie ^aift bed WioxM an bie Spi^e b<d SSolfod 
uitb begränbenunb erl^a(ten tfOt SlKem bie 3bee ber uationafen.unb re(i« 
giifen Sinl^ieit. @o )utid(^^ Wofe, ber bie ganje Staatsmacht, wenn 
mon fo fagen barf , in feiner 5ßerfon \)ereinigte. 3)enn er iji ^eerffi^rer, 
(Sefe^geber unb böc^fier Siic^ter bed SBolIeö. 3)iefelbe ©ebeutung l^abcn 
im SlUgemeinen auc^ aKe fpdteren fogenannten ;,9lid^ter", obwohl bad 
^ö^ere, propl^etifd^e (Siement nac^ ber ledigen SDarßellung nur bei went« 
gen, namentlich bei !Debora unb Samuel, enifc^iebener l^ervortritt* ^ber 
). 9. ni^ bei ei^ub, bem 3Rarbet bed moabitifd^en Jt5nigd (Sticht. 3, 



fot>§en unb S>ic(ter %tt»ii nid^t bte rein natäclid^e^olf^t^ümlicbfett bec (Uneben 
bot, benn ^e gerieten mit biefec oft genug in Jtonflüt fo gut toie bie ^ebtöifd^en 
^TO))|eten» 



15 f.)/ fie^t man bie >ro)>l(|et{f^e 6efte buid^blicfen; bnttt etfinbtgt 
bem @g(on ein göttii(^ed Drafel an, n)el(^e^ bec «ftonig auif €\)u 
erbictig entgegen nel^men mill. SSgL <S. 91 f. Sd^on ber ^ebcAif^e 
3lamt: Scbof^t, fu^rt barauf, bap btefe Stifter in ffüf^n 3nf}an) 
Siecht fprac^en unb bie ie$te (Sntfc^eibung ju geben f)aUm , wit \pittt 
bie «Könige. 3m Übrigen leiteten fie bie öffentlid^en S(nge(egen^eiten bed 
ä^olfe^, ergriffen nid^t feiten bie aSaffen unb bilbeten bie 9(nffi^rer im 
Kriege* l£)ie )oerf<^iebenen @t&mme untertt)arfen ftc^ bann dfterd frei» 
tt>inig il^rer Seitung unb fo flnb bie dltefien $rDt)l^eten aud^ in biefer 
Sqiel^ung bie SBorl&ufer ber fpdteren .Könige; 

3)iefe freie / pro))^etifc^e 3!tiai)t erf(^eint fobann in ben Königen 
ald eine Äußere unb erbliche firirt* S)ec I^ebrdif(^e ^etflaat befam ein 
monard^ifc^ed ^au)>t ; an bie Stelle ber @ott^errf^aft unb i^rer 
rein geiftigen Drgane trat bie ^önigd^errfc^aft/ aber mit ber 
Sorberung , baf ber ,ß5nig bie @telle ©otted bei feinem SBoIfe ^oertreten 
foUe/ ipe^l^alb er im )>or)ägli^en Sinne aud^ «ber @o^n ®otte6^ 
^eipt ($falm2, 7. 2 Sam* 7, 14), n)ie fonfi bad ganje i^raelitifi^e 
So» ober auc^ iebed einaelfH ®Ueb beffelben. SgL ^ofea, 11, 1. 3er 
faja 1, 2; 5 Wol U, K • !Denn @ott »urbe aM ber aUgemeine 93 a t er 
angef(^aut« 5 SOtof. 32, 6. Snbed unter ben n)ir{lid^n ^tofgen ent* 
f^rac^en nur tvenige jener 3bee. @d)on' bei !Dat)ib unb nod^ mel^r untier 
@a(omo nal^m bie unbefc^ränfte fönigli^e SRad^t fimmer me^r ben 6^a« 
rafter ber 2)ed^otie an, tboburc^ bie Sirennung bed Steic^ed l^erbdge^^rt 
kourbe. 

93on je^t an uoirb bie ©teDung ber ^ropl^eten eine mefentlic^ an« 
bere* @ie erfc^inen al6 bie eigentlit^en .^oc^mdc^ter ber Soltefrei^eit, 
Abem)a<^en jeben Schritt unb jebe SRafregei ber «Könige unb treten gegen 
aQe wiUfärliiJ^en unb gen)altt^ätigen Singrife berfelben aid bie entf(^ie< 
benflen £))>)>prttion$mcinner öffentlid^ auf* (Sbenfo aber fdmpfen fie 
übexf)an)ft gegen aKe^ ungered^te unb ungöttUc^e Sßefeu/ mag e^ von 
ben aSa^t^abem unb<®rofen bed 9tei(^d, von engherzigen, felbfifäd^tf« 
gen ^rießern (mit benen man bie ^xopfftitn unn>if enber Sßeife dfterd 
Venvec^felt l^at), ober von ber SKaffe bed nieberen Soffen veräbt ivecben« 
3n biefer ^inft^t .bergleid(|t fc^on SBiner (^t^aUmtb. IL @. 278) iai 
SBirfen ber $ro))^eten nfd^t ganj unpaffenb mit bem^ »)ad unfere 3^it 
von ben SSolf^reprdfentanten unt von ber freien $reffe ertvartet, obwohl 
bie ^l^nlid^feit mit ben S3olfdre)>rifentanten bO(^ nur fe^r entfernt gu^ 
trift; benn bie $ro))^eten verbinben mit einer foI(^en ^olitifd^en Zl^i 
tigfeit aug(fi(^ bie religiife 9(nfgabentnferer ^rebiger. 



t 



BtuUt $eriobr. SSott b. ®¥fitib. \>. Stini^tff. Ud iiim Qnbe b. Vritt« 

@t).t9agt ed )un&(^fi ein $tDp^et^ ben lDa))tb toegen feinet @^e« 
btiul^d mit ber Sotfeba unb n)egen ber «^inmetbung if)xt^ SRannee jur 
Stebe }u fieden« @in 9(nberer n)ei{) i^n jurec^t n)egen einer neuen SBoftt» 
)&^(ung/ bie offenbat ben 3w^(f ^atu, @o(baten.au6]u]^eben unb bad 
Ärieflöl^eer iu t)erflrü0ern« — • ©pdter ((i^eiuen bie $rop]^eten aud^ im 
norblic^en 9iei(^e fe^r tl^Atig unb ein^ufreic^ gemefen )u [ein^ ^>ox aden 
<S(ia unb @(ifa* !Die (Srjdl^Iungen über biefe SRdnner gel^5ren freilid^ 
bec 93o(tefage an unb ftnb mit munbetbaren @Iementen au0gefd^mu(!t ; 
aOein fie berul^en bennot^ auf einer gefc^i(^tii(^en ®runb(age* 3^ biefen 
ec^t gefd^id^tlid^en dugen bucfen n)tt )* SB* ted^nen, n)ie fie a(d p^ret 
ber ^olUpaxtd felbfl gen^altfame SDlapregeln ni^t fd)euen unb @ine 
iD^nafUe fiürjen unb eine anbere einfe^en Reifen / wobei fte übrigen^, 
koie ftc^ nid^t (dugnen (df t/ )un)ei(en mel^c (Sifer, aI0 f(uge SBefonnenl^eit 
»eigen» 

9[m gebiegenflen/ n)fitbigf}en unb grof artig^en erf(j^eint bie ptot>l^e« 
tifc^e aBirffamteit feit ber SRitte bed 9. 3a^r^unbert6. mt biefem ßtiU 
))unfte beginnen auc^ i^re eigenen / und erhaltenen Sieben unb begleiten 
und burd^ bie ganje fo(genbe ®ef(^{(^te bft in bie 3^iten ber Siütffe^r 
aud ber babi^Ionifc^en SBerbannung* @ie übern)ad^en )und(^fi bie ganje 
Stecbtdppege unb treten rugenb unb brol^enb gegen bie ©tommf&rfhn 
unb 9ii(^ter auf ^ bie bad Stecht t)erbrel^en ^ ftd^ befielen (apen unb bad 
arme 93olf naci^ äBidlur bebru(!en. ®oI(^e klagen finb fafi bei aOen 
$ropl^eten )u finben unb jeigen , mie mangelhaft bie eigentliche 6))^dre 
bed äiec^ted im ^ebrdifc^en ®taate audgebilbet unb im Seben burd^gefül^rt 
mar. @o nennt Sefajia n>ie fc^on «^ofea mit einem bittern S93ortfpie(e 
l, 23 biegürfien bedSSoifed »btränni^e unb 2>iebdgefenen, 
(.beine Vertreter ftnb JBendter^). gerner fpric^t ®ott ju ben Surften, 
bie er ju «^irten unb «^utem bed Solfd befteOt l^iatte, Sefafa 3, 14—15: 
0^f)t f^abt abgeweibet meinen äBeinberg (b. U bad 93oIf)/ ber Staub 
bed armen 9ßanned ifl in euren «^dufern ! Sßarum jermalmt i^r mein 
So(t unb jerfc^lagt bad S(nt(i$ ber UngIü<iU(^en?' 9tit ber grdften 
greimätigfeit erfldren fie bedl^alb / ba|i bad je^ige {Regiment ein f<^ma(^« 
wUc6 @nbe nel^men m&pe , beoot ein be^erer 3ttftanb gegrünbet n>erben 
fdnne. Sbenfo foU bad ganje 93olf / toeU ed entartet ift/ bid auf einen 
f (einen Stefl t)etti(gt toerben* 

ffiegen fo((i^er Sieben ^ bie in^^fitten n)ie in $aldflen, befonberd 
aber an ben alt^eiiigen ^Itndfldtten ertönten (9[mo67, 13* «^ofea9^8), 
n)trb ben $ro^l^eten nic^t feiten @(^n)eigen geboten/ }• 93. bem ^mod* 
StOein {!e feieren fid^ nie an folc^e ))0({)eUi(l^e SSerorbnungen unb u>ieber« 



atotiUtm^i^n. S. 850- 650* m^tmim ni.t>.1^tfyf[.Vx0p^ikni1f. 257 

Idolen nur lun fo entf^iebcnec unb tAd^altölofer l|ite $o(em{f unb i^te 
3)ro^ttitgem !Daffir l^ot mand^et mit feiner ^reil^it utib no^ öfterer mit 
bm geben bnfen mfif en, m&i)alb eö bei 9Rattl^äu6 A. 5, 12« 23, 37 
l^eift: in3erufa(em l^abe man immer bie ^ropl^eten )>erfo(gt unb ge« 
tobtet. — 2)ad (ebenbigfte 93i(b aOer SRu^feligfeiten nnb ®efal(^ren, 
benen bte $rop^eten ald bie ^reil^ettd « $())0{}el bea 93oIfed jau^gefe^t 
loaren, geben und bie Sieben bed $rop^eten ^eremia*' (Sc er)&^(t barin 
QM^xif)xlxi) , tote man il^m beßdnbtg nad^geftellt, mit ®etDa(t )um 
®(^n>eigen gebracht unb anf ben S^ob angeHagt l^abe, unb mie fefbft 
feine f(^ciftli(^en Sieben/ bamit fte femer fein Unl^eil fliften möd^ten^ 
))om .Könige t^erbrannt n)ocben feien» 

@iner oberflächlichen Setrad^tung fonnte ed (eid^t fc^einen/ a(d feien 
bie $ro))^eten nur negirenbe unb jerßörenbe Demagogen ^ fanatifc^e 
&6)\ü&xmtx, bie Umtriebe mad^eu/ um bad SSoIf äberl^au))t gegen bie 
St^gientng aufju^e^en unb bie baburc^ ben Untergang bed @taated mit 
l^erbeigefu^ct» allein n>o fie einreiben unb jerflören/ jeigen fie ftetd ani) 
in ber ^eme fc^on ben ®runbcip ju einet neuen^ )>of iti\[>en ®d^d))fung/ 
unb alle negatioen (SUmmU, bie fie in 9en>egung ff^eu/ l^aben nur 
ben ^xotd, biefe neuen 3ufWnbe au t)ertt>irHidöen* Dabei bilben Siedet, 
Steligion unb Sittlic^feit bie brei fe^r ))ofitioen ®runb(agen/ )Don benen 
fte überall audge^en unb auf bie fte §l0ed bejiel^en. . 

äBerfen n)ir einen ^M auf bie ^olitifd^en ®runbfA^e ber $rop^e« 
ten^ fo ge^t i^r <^au))tbefilreben in biefer SBejie^ung \>af)in, bad SBoIf 
möglic^fi frei im Innern unb fiarf unb felbflänbig nadj Sinken au mad^en^ 
bie nationale Jtraft au medfen , au entn>ideln unb bad getrennte Steic^ a^ 
einer feften, organifc^en (Sin^eit aurfidfaufä^ren. @ie tabeln bedl^alb 
(aut ade blo^ duneren Sßittel , tt)e(d^e bie 9iegientng aum @c^ut^e bed 
Sanbed trift. @o namentU^ ben SBau t)on S^fhingen^ bie ^nl^dufiing 
pon .Rriegedkoagen / bie SSecmel^rung bed fie^enben «^eered, befonberd 
ber äieiterei u. bgU ®e^en fie hierin aud^ auti[)ei(en au todt, fo ifi boc^ 
ber au ®runbe liegenbe ®ebanfe, toonad^ fte nic^t in äu^erlic^feiteU/ 
fonbern nur in bem moralifc^en WluU unb bec Segeifletung freier SBür* 
ger bie voal^re Sfirgfd^aft für bie ®ict)er^eit unb Unab^Angigfeit bed 
Staaten ftnben, ^d(^fl ad^tbar unb richtig. SSgL 3efaia 2,7. 30, 6. 
.^ofea l, 7. 8, U. 2 6am* 24 u* f. tt). 

^ud bemfeiben ®cunbe erfidren fie fid^ aufd entfc^iebenfie gegen 
aOe 6(t)u^ ^ unb 2;ru^bänbniffe mit audn)(irtigen SSölfern , namentlid^ 
mit ben Slff^rem unb %);ptern. 3nbed fc^Iofen bie <ßönige/ tro^ aller 
Semül^ungen ber ^xopf)tUn, foli^e Sünbniffe mit il^ren natürlichen 

(S$ef(^. b. pott, gtationaUit. b. ^eSr. 17 



258 Btveitt $eriobe. f8m b. ®iribb. b. JTdnigt^* ^td {ttm^be b. ffjciU. 

Seinben, Yooburc^ bad notblic^e Sieii^ aldbalb ganj inbie^^Anbe bet 
91 fröret fiel nnb Suba n>entgf}end fär (dngete ßeit in eine brfidenbe, %u 
fä^r(i(^e $l6l^clngigfeit geriet. @d n>ucbe getDaltfam in bad Sogen ber 
9Se(tgef(l^i(^te ^ineingerif en / unb bie meiflen unb n)i(^ttgf}en 9teben ber 
$ro))l^eten finb burd^ biefe Serfi^iungen mit ben mächtigen aftatifc^en 
äBeltreid^en/ befonberd mit ben 9If^tern; (S^a(bdern unb geifern ffettox^ 
genifen» ®ie eif)alUn babutc^ einen gro^itigen «^tntergtunb unb eine 
unit)eKfal^i|}orif(^e Sebeutung* 

9{uf er einer fd^arfen / fpottenben $o(emif gegen aOenStatur« unb 
®ö(enbienf} eifern biefe $ropl^eten namentlid^ gegen bie rein duferlic^e, 
me(^anif(l^e ®otted))ere^rung. 2)em JDpfermefen unb ben gefttagen an 
f{(^ wirb aOer ä&ert abgefprod^en. (9(mi>^ 5, 21 — 22. ^ofea 6, 6. 
8, 13. Sefaia 1/ 11-^17. 3Ri(6a 6, 7—8). iDemDpfer aW einem 
äuperlid^en^ Statfirlic^en n>irb t>ielme^r bad innere/ bie ©effatnung^ bie 
®0tterfenntnid unb befonberd bie praftif^e Srdmmigfeit unb @ittli(^fett 
a(d bad SSorjAglic^ere entgegen gefleOt. „^mdfei euer <^er) unb nidbt 
eure Äfeiber!* fagt 3oeI 2, 13 f. Unb 3efaja 29, 13 rügt bad »oif, 
bad nur mit bem SRunbe unb mit ben Sippen ®ott »ere^rt, n>&^renb bad 
<^er}, bie ©efinnung fem^on il^m ifl/ fo bdf il^re ©atte^furd^t ober 
i^re Steligion ntd^td ift, ale ^eingelernte^ Wenfdbengebot/ !Dad Dpfer 
foK bei biefen $rop.]^eten ofenbar nur no(^ fi^mbolifc^e Sebeutung l^a« 
ben; ed foO nur nod^ 9ludbru(f ber ©ejtnnung fein; bal^er ed an ftc^ 
t)on{g it>ert(o6 erf(^eint. 2>iefe $o(emif , bie nic^t auf ben $entateud^^ 
fonbern nur auf ben SSoff^gebraud^ fRüä^ii^t nimmt/ fe^t jun&(^ft bie 
voQßcinbige S(udbi(bung be6 Dpfern>efen^ ))oraud. @ie jeigt femer aber 
aud^/ b'af bie eigentlich religiöfe SBebeutung bed Dpferd/ bie man 
frul^et in unmittelbarer ®ewipl^eit anfc^aute unb ffi^lte, feit bem 8* ^aJ^r« 
l^unbert immer mtf)x an^ bem 9etou|tfein t)erf(f|t9anb unb einer moralt^ 
fc^en ®otte^))erel^rung $la^ machte* 2)iefe Umwanbtung ifl merfiDärbtg 
iHtb beben tfam. 

3m Dpfer ndmlid^, al^ einer @elbfll(|ingabe an bie ®ott^eit; feiert 
ber 9)}enf(^ im Siagemeinen feine freie @inl^eit mit ber Statur* ®o na^ 
menttid^ im 3>anfopfer/ ber urfprfingHc^fien unb bdufigßen %oxm bed 
Opfert. 3n ber ^reube beö ^erjend t)erje]^rt ber ÜRenfc^ bie natürlichen 
®egenf}&nbe/ wetd^e ber gütige ®ott i^m )um ®enuf barbietet unb n^eif 
|ic^ auf bie $(rt nid^t b(of ab^dngig t>on bem Waturganjeu/ fonbern aucti 
fe(bf}&nbig unb erhalten in bemfelben. 3n ber gefc^id^tlic^en (Snttoid« 
(ung be^ l^ebräifc^en SSolfed trat nun aber ba^ ®efü^i ber abfoluten 
Slb^ngigfeit bed ^enfd^en "oon ber gittli^en Wac^t immer entfc^iebetur 



dn>riter9l6fd6it. 1B.850— 650. m^tmtlnti &i.ii.l^tiuf&xep^titni^. 859 

ffttoox. 2){e affi^rifd^e ißetiobe fleigerte bief ®efä]^( aiifd <^5(^fle unb 
(ie^ bagegen bfe anbete (Seite, baa ®efu^( ber freien @elbfldnbigfeit bed 
SRenfc^en innerl^alb bed ®anjen ber ilatnt, rntJ^x )urädtreten / )uma( 
ba bie Selten immer unglücHic^er n>urben. hierin liegt ber tiefere ®runb 
biefer n)ie aOer ))ropl^etif(l^en ^olemif gegen bad D))fem)efen unb ben 
ftultuä. 9Bo bad ®efä^( ber @elb^&nbigfeit be« $Bo({ed unb feiner 
«Harmonie mit bem 9laturganjen tt)ieber lebhafter l^ert)ortr{tt/ ba erl^dlt 
ba0 Opfer aud^ n)ieber feine Sebeutung / fo baf ed eigentlich nur jeit« 
u>eife jurüdgebrdngt , aber nie ganj aufgegeben erfc^eint» SDad gel^t 
fo fort bid )um Untergange bef SSoIfed unb 6id )um neuen S^eflamente, 
too bann bei ber ^nfc^auung ber ))5nigen Slbl^dngigfeit bed Stenfc^en 
"oon ®ott baa Opfer btd auf einen geringen Stefl beim 9ibenbmab(e vödig 
))erf(^tt)inbet* @benfo l^at bad Opfer im 3dlam feine redete ®telle mel^r 
unb ifl bid auf ein einjiged id^rlic^ed {ufammengefd^rumpft« !Die ))öQige 
«Eingebung bed SSSißend an ®ott (cipt eine fo((^e g^ier unfrer Sinljieit 
mit ber 9tatur nic^t gu unb fe^t moraüfd^e ®ebote an bie @telle ber 
Opfer. @benfo bad neuere Subentl^um. pr bie Steligion felbfl aber ifl 
e^ fein ®en)inn , bap ber 9Renf(^ fic^ immer audf(^liep(i(^er b(of a(0 
®ei{l auf ®ott bejiel^t unb bie 9{aturfeite feined S9Befen6 n>ie ein nega« 
tioe6 unb fünblid^ed @(ement ju erbruden fu^t> !Die äieligion ))erliert 
baburi^ il^re eigentliche Sebendaber, il^r urfprüngüc^fled ®effi^(, unb 
u>irb enttoeber tixoa^ bIo9 i^iflorifc^ Überlieferted unb @inge(ernted/ ober 
fie ge^t in ber 9Rora( unter. — 

96ie bie ^rop^eten nun bad Sßdd^teramt übet 3^ae( an^nUn, fo 
beobal^ten unb fibenbad^en fie auc^ forgf&Itig bie ®d^idfa(e unb Unter« 
nel^mungen ber befannten l^eibnlfd^en 93olfer unb verfflnben, toad biefen 
na6) ben endigen ®efe^en ber moraüfd^en SSßeltorbnung beioorflel^e. 3n 
ber 9teget ni^irb il^nen nur Ungificf , Unterwerfung ober auc^ gdnjlic^er 
Untergang a(d ©träfe angebro^t. dundc^ß aber erfd^einen fie aI0 eine 
gottgefanbte ^ui^ttutt für 30rael. 

!Diefe Aonfiruftionen ber fünftigen ®ef(^i(bte unb @d^idEfa(e, voeldbe 
bem eignen SBoIfe n)ie ben .Reiben be'Of>xficf)tn , finb in ber Stegei fel^r 
aOgemein unb unbeflimmt gel^alten. Sie berufen n)efent(i(^ auf einem 
richtigen SBerfldnbnid ber QSergangen^eit unb ber ®egenn>art , fo bäp 
jeber politifc^ gebifbete , rein menfd^Ii^ überiegenbe Aopf fie \)liitt aud« 
fpred^en f^nnen unb ju allen ^^ittn aud^ au^gefprod^en l^at. Um l^ier 
nur an bad 9id(^f}eiu erinnern : n>ie lange i)dt man nid^t fci^on ben 9Be(t« 
tampf )n)ifd^en 9tup(anb unb (Sngtanb oorl^ergefe^n unb ))or^ergefagt? 
Unb toem fann bad allgemeine Stefuitat biefed^ieged too^l mü^ 

17* 



260 3^^<^^ $eriobf. 93on b. ®runb. b. StM^iff. iU jum «nbe b« Sri«* 

^öüifl jwelfel^aft fein ? SJon riitem genifuen SorJ^cwf^n ber 3ufuttfi 
itnb ber einzelnen Gegebenheiten fann nat&xlMi audj bei einem $to« 
))l^eten nientala bie Siebe fein , o6n>ol^( ein Harblidfenbet @entiid l^ier 
mel^r \ie% oW ein gew6^nlicl)e« «uge» »gl. Sefaja Ä. 19».— (§d gitt 
^ier fliic^ 6<^illerö fc^öne^ SBort : 

,,9?ti bem ©enht^ fte^t bie 9{atur in etoigrm SSunbe : 
$ßa0 ber eine t>erf^ct(it, (ctflet bie anbre getoif «« 

S^jen legten ®runb ^aben iene aOgemeinen Jtoitficuftionen ber S}(fer« 
fc^irffale in ber lebenbigen 3bee einer gerechten SBergeCtung , in ber 3bee 
einer fltt(i(^en äBeltorbnung, na^ n>e((^er ba6 Stecht immer )u(e$t ftegen 
muf , jebe ®(^ulb aber au^ ba^ «^aupt be^ €(^u(btgen jurücffd&t 
^ffiinb fÄeten fie, unb ©türm »erben fie ernten,* fagt 
^ofea, 8;. 7. !Z)ie ^rop^eten geben be^^alb feine @nt^fiUungen unb 
'SSor^erberfunbigungen einjelner, inbit)lbuener 3ntereffen, fonbetn ber 
3n^alt i^rer Sieben bejiel^t jt* auf bie aflgemeinen gei^gen ®mnbs 
t^af)xf}titcn , auf bie $6rberung unb @ntn)i(flung bed göttlichen 9iei(^ed 
auf @rben, auf t>ie SBoHenbung bed ftttiic^en Sebend unb finb ein $o^ 
flurat bed religiifen ®(aubend überl^au^t* 

SBeii aber bie ^xo^f)tten jugleid^ ?ßoeten ftnb unb jene, bie SBett« 
gef^id^te bemegenben @runbibeen ni(^t in ber gorm t>erflinbiger Slo 
fltxicn, fonbern in ber ^orm ber Slnfc^auung bejt^en/ fo fommt e6, ba^ 
fie )un>ei(en fe^r benimmt reben unb ettoa^ fc^einbar Stn)e{ned unb 3u« 
fdDige^ , bad aber in bie @ntn>i(f (ung bed göttlichen 9tei^e6 eingreift, 
)>or^en>erfAnben» @ine fold^e rein bii^terifc^e 9ebeutungjiaben j. S. in 
ben eckten Sieben aOe c^ronoiogtfd^en Angaben. Utac^ 3efaja 16, 14 
foH 9»oab in brei'3a^ren, b» L in nic^t langer 3eit/ unterjocht »erben. 
^adi 3ef. 21, 16 foO bie Slacbt bed @tammed ^ebar in Sal^redfriß 
gebro^en fein. 2>{e $ro)>l^eten reben l^ier überall naci^ ber gef(i(ft(^t(id^en 
aaSa^rf^einU^^feit. @o foU bad bab^Ionif^e (Stil nadi 3eremia 25, IK 
29, 10 fiebenjigSa^re b. i. fe^r lange bauern. 3n ber fflitflic^feit 
bauerte eö aber nur 52 3al^re, »on ber 3erfiirung 3erufolem6 an gerecft* 
net, t)on 588—536, ober ^J^^en« 63 3a^re, wenn man bie erfie gort« 
fäl^rung um 599 mitjd^len »id. 

Sßie biefe runben ßaf)lax[Qabtn , fo ftnb auc^ fonfl bie ganj aSge^ 
mein gespaltenen 93oraudfagungen, »ie »oi^t faum bemerft ju »erben 
braucht, nic^t einmal immer in Erfüllung gegangen. 3erobeam j* 9. iß 
nid^t bur^d @(^»ert gefiorben, »te Slmod 7, 11 i^ t)erfänbet. iSie 
10 @tdmme ftnb ntc^t »ieber ind @ril nac^ ^g^pten gefommen, »te 
^ofea9, 3. 11, 5 {|||nen anbro^t. 9la<^ 3efa][a 7—8 fodten bk 9lff9rec 



■ 

> 

bad SteUl 3uba jecjljten ; ilptu^ foKte t^^n Salmanoffac ain)U<^ t)eri 
listet iDefben, 3ef. 23, 1---14. ^. (Shtifid 26-28« gerner ifi ter 
^aui^t^abt 9abe( mtf^mat« eine 3^cf}drung butc^ bie SXeber unb $erfer 
tHNT^ergefagl ; aOein ^e tDurbe nur erobert, üuc^ )Die(e anbete, no(^ toeti 
imteftimmter gel^aUene SSeifagiingen ftnb^nii^t erfüllt u>orben/ ol^ne 
ba$ ein oerfUnbiger 8efer bed^alb Slnflo^ baran nel^men fonnte* 2)ie 
$ro)»]^eten geben bad Xic^teintreffen i^rer Slu^agen )uit>eilen aud^ )u 
unb erHAren btei bann au^ einer änberung bed gottli^en Statfd^lu^e^, 
ob«)o]^l na4^ 5 aSof. 18, 22 bae 9tt(^telntreffen aI6 Jtennjeic^en 
etned falfc^en $rop^ten angegeben n>irb. (Sa i^ bte| aber eigentli(^ nur 
bieSDlf0an{t(^t, bie in bem $ropl^^eten ))or)ug(td) einen SBa^rfoger er^ 
blitfte« (93g(. bagegen ba6 9u(^ 3ona)* %^x und bel^a(ten bie ptoph^-- 
tif<^en 9[u6f))ru(4e aber bie ®(^idfa(e ber SSölfer fietö i^re religiof e 
aßa^rl^it, M>enn giei<^ in ben meinen %iütn bie toittli^t ©efc^ic^te fidf 
anberd entivicfeit l(iat, ala bie $ro)>f|eten eA fi(6 t>orfteOten« 

!Die eben em>4|inten falfd^en ^opf)ettn ober Sugen)>ro))^eten 
ünb in religiöfer ^injid^t iunddjß feiere , n)e(<6e ft<^ nlc^t au bem geifti^ 
gen $rinci)) bed ^ebrAifc^en 9Ronot^eiamua er(|obcn , fonbern auf bem 
6tanbt)unfte ber SValurreligion t>er^arrten , alfo $ropl^eten bed 9aal, 
bcr 9lf)orte u. f* n>. Ku^erbem aber namenHic^ fol^^e, bie |t(^ iu^erlid^ 
ju bem geißigen $rinci)) be6 l^ebrAifc^en 9lationa(gottea befannlen unb 
^(^ barauf beriefen, im ®runbe aber ol^ne aOt fittlii^e Subfianj, ol^ne 
SBal^rl^eit unb ec^te Segei{)erung tioaren* @ie erfret^eu {id^, wie ed 
5 9Rof. 18, 19 bei^t, im Flamen ®0iM etn)a6 )u reben, iai er i^en 
nii^t geboten, unb offenbaren auf bie 9lrt ni(^t bie eniiigen^ notwenbigen 
<8€fe(K ber ftttiic^ SBeltorbnung , fonbern, xoit ed po))u(dr l(iei^t, bie 
(ginbilbungen unb ®e(Af)e i^red eigenen ^er)ena* !Dea^a(b finb au(^ 
Ü^re augebUil^ gött{i<|en Eingebungen fdufli(^ , uitb it na(^bem fte U» 
jal^U »erben, loeifagcn fte Jtrieg ober ^rieben, ®(fi(f ober Unglütf unb 
t)erffi^ren bur^ fa(f(^e 93orf))iegelungen SSoIf unb Särften* Wli^a 3, 
5,11* ^Derartige fa^(^e ^rob^eten, koelc^e bie SleUgion )tt felbfifäcbii« 
gen 3tt>eifen gebrauchten unb u>o fie e6 nublic^ fanben, fe(bf) ben Saßern 
unb 8eibenf(^afien ber i^errfc^enben Parteien f^fmeic^etten , waren na« 
mentiid^ )ur ßttt ^tfiaia^ unb Seremiaö fe^r jal^treid^« 

•hieran reiben fid^ ))affenb noc^ einige Semerfungen aber bie eigen« 
tffüvüii)t Sorm bea propl^etifd^en Sekouftfeina. @6 fragt ftcb: wie 
fommt ber $rob^et baju, ba^ baö, waö bo<^ burci^ bie innerße 
3:|dtigfeit feinet eignen ©eißed lS^rt>orgebra(l(^t fein mu^, il^m atd ein 
grembee, bou ®ott i^m 9Kilgetl^eUte6 erfc^eint? — ®d)en bie einfache 



93etra(^tung/ baf fic^ biefe SJorfteUnng einer Offenbarung 6e{ aKen SSdU 
fern ftnbet , baf bie 3nber xoxt bie SRul^amniebatter , bie 3uben wie bir 
Sl^rifien i^re l^eiKgen Schriften für göttliche SRitt^eitungen ^cAivx, tt)A^« 
rcnb {ie anbere Schriften bagegen l^erabfe^en unb für nic^t gitütij^ , ffit 
ntc^t infpirirt erflfiren^ fd^on baraue folgte baf bie 9Kenf(^en Aberaü fic^ 
bie ^raft beimef en , bie ©ötKic^feit ober Stic^tgdntic^feit einer Off est^ 
barung beurtl^eilen ju f innen» !Damit gibt ber 9Renf(^ t^atf&c^iic^ funb^ 
ba$ ber @^läfet jur Ofenbarung fo n>ie ber Urf^rung berfelben im 
fDtenfc^en felbf} liege. Sluperbem fe^t biefe SBor^ung inimer fc^on bie 
3bee ®otte6, fo n>ie eine beflimmte Sejiel^ung bed SKenfc^en jn ®ott 
t>oraud. !!)ie <^au)>tfa<^e a(fo / bie 3bee ®oUe6 felbfi / fann bem SRen« 
fd^en xAiji Au^erlid^ mitget^eiit werben; er m\x% fte \>ie(mel^r in ftd^ 
l^aben; bevor eine Offenbarung erfolgen fann* SSBie fonnte j. S3. (Sott 
M ®eif} f!^ bem ÜRofe ofenbaren^ wenn biefer nicbt i\x\>ei fein eigene^ 
Sßefen a(^ ®z\% ald freien fittlic^en SSiOen ft<^ )um IBetou^tfein gebracbt 
l[|afte? Dl^ne biep 9en>uptfein l^fitte er feine gömic^e äSitt^eilung , wie 
wir und biefelbe aüc^ t)orfienen mögen / a(d ))on. bem geifKgen ®otte 
fommenb annel^men unb ))erftel^en f onnen« @r mu^te a(fo in fic^ felbft 
bereite ben 9Raf flab für eine fo(<^e Offenbarung l^aben / mu^te mithin 
®ott felbfi )uerfl ald @ei{l erfannt ^abeu/ e^e biefer für i^n ))erne^mbar 
werben fonnte. 

@nbli(^ liegt e6 im Segriff ber @ittli(^feit, ba$ ein fittlic^ed Sßefen 
immer ftc^ felbfi befiimmen unb mit ^rei^eit fein @efe^ {id^ felb^ ))or« 
fd^reiben mu$. iDedl^alb fann bad ®ittengefe^ nid^t Auf erli(^ mit« 
get^eilt werben \ ed mu$ ft(^ aud bem menf^li<^en Sewu^tfein ent« 
widCeln; benn nur aldbann fann i(^ barin bad ®efe^ meinet eigenen 
SBefend erfennen unb mit innerer Srell^eit mid^ feiner 9}otwenbigfeit 
unterorbnen. !I)ad 2)euteronomium f)>ri(^t ed aud^ mit flaren äBorten 
aud Ä. 30, 11—14, baf ba« ©ittengefeft feinen tranöcenbenten Ur* 
fprung l^abe, fonbern au6 bem innerflen Sßefen bed 9tenf(^en felbfi l^er^ 
t)orfomme unb beöl^alb lei<^t ju befolgen fei. JBgl. $falm 40, 8—9. 
Slllein bie flaren 9ludf)>räd^e ber $ropl^eten fd^einen bagegen )u fein, in« 
bem fte illir fubjeftibed 2)enfen unb SJleinen beflimmt t)on bem objeftioeti 
®otte6worte unterf(^eiben. @d muf bedl^alb biefe SSorfieHung, l)ie jubem 
gan) allgemein ifl , einen tiefern ®runb l^aben unb aud ber Bewegung 
bed @elbflbewuf tfeind erfldrt werben. <^ier genfigen folgenbe ünbeu« 
tungen : 

3nbem ber 9Renfd^engeifl über bad (Snblic^e, S^atfididbe fid^ )ur 
9lnf(^auung feiner ftttlid^en $rei^eit erl^ebt unb in biefer Slnfd^auung ^(^ 



ätDtittx m^^n. fß. 850—650. Srngrnteimd u6. b. ^thx. $ro^^Uttt(. 

@M )^ei# mit ®0U , f f)ai Mt^ , n)od er im Scnnif tfein biefec feinet 
Sinl^eit mit ®ott cebet; v>on [elbfi and) eine l^obere nnb allgemeinere 
»ebeutung. ^3n beinern gierte fe^en tt>ir 8i(^t/ 5ßfalm 36* 3a, in biefer 
@rl^ebung ge^t bad Sen>u^tfein feiner befonberen, menfi^tic^en/ fub« 
jefti))en 2;(iati9feit eigentlich unter« @r fu()ft nur bad Statten be^ «^erni 
imb nur biefer rebet burc^ i^n* 2)er $ro)>^et nimltd) f^at ba6 unmittei« 
bare 93en>uf tfein / ba^ bad ©ittengefc^, unabJ()dngig )>on menfd)(i<^er 
SBiflfär unb @e(bfibe{}immung , an einer en)igen 9lotn>eßbigfeit feine 
göttliche SBoraudfe^ung ^at unb er[(^eint i^m bal^er aid ein mit SIU« 
gen>a(t über i^« Jtommenbed -unb ©egebened« 3)enn nic^t burdb ^adi* 
benfen unb. $]^i(ofovi)ie l^at er ed gefunben ; er f)at e6 vielmehr in 
unmittelbarer Knfc^auung , in unmittelbarer ® ett>i^l^eit ober in feinem 
©ewigen unb fann nic^t nac^meifen / n)ie er baju gef ommen iß. @o 
bilbet ftc^ gan) oon felbfl bie SSorflellung einer Df enbarung. !Der ®eifi 
fc^eint ^ii in einf$rembed, £)bjieftit>ed t)erfenft )tt f)aUn, fo x>a$ aUe 
X^dtigfeit ))on biefem JObjefte audgel^t, tt>d^renb er {t(^ in äBa^rl^it 
bod^ nur in feinen eigenen Seben^grunb ))ertieft l^at unb baö au6f^ri(i)t, 
toad er tfiex ))orfinbet. @o fc^cint bem ftnniic^en 9luge bie @onne ftd^ 
um unfre @rbe )u betoegen unb bie (entere fliU ju fielen / n)dl^renb bo^ 
»ir^eibft mit ber (Srbe bie Sa^n bur(^(aufen unb bie @onne umfreifen. 
@benfo f^eint ®ott flc^ im ^ropl^eten )u ofenbaren, \Dä^renb bo(^ 
umgefel^rt ber $ r p l(^ e t ber n)a]^re Dfenbarer ®otted ifl unb )u i^m 
^(^ erl^^ebt. !Dal^er benn au(^ b\f bebeutenben Unterf(^iebe ber $ro))^eten 
unter einanber )e nad^ i^rem inbivibueOen g^arafter unb il^rer geißigen 
Begabung, toa^ ni^t mog(i(^ fein würbe, wenn fle blope 9Nafd^inen 
lodren, burc^ toeld^e ®ott unmittelbar feinen SSSiOen funb ti^dte. 

Sei rein bid(Kerifc^en @r)eugni{fen fleOt ftc^ leidet biefelbe SBorfiet« 
lung ein, toonad^ bie 9Rufe ober ein ®ott bem IDid^ter eingibt, toad er 
fingen foH* Sbenfo ))ergif t ber SRenfc^ im n>if enfc^afttid^en !Denten fid^ 
felbfl in ber @ad^e, in bem ®egenfianbe fetner Unterführung, ober foQ 
e6 n>enigfiend , ol^ne fit^ jlebo(^ barin )u t>er(ieren. Sd finb bief aKe6 
bem ))ro)>l^etif(ren Setou^tfein analoge (Srfc^einungen. Sluc^ ber $ro« 
p^t t)ertieft jid^ in bie &aiSic, in bie 3bee be« Sittengefefte^, toeld^^e bie 
ganje Df enbarung im alten S^eßamente au^mad^t / fo baf jene 3bee i^n 
t)onßdnbig be^errf^t unb ubertt>d(tigt. 3n biefer genialen Unmittelbar:» 
feit ftnben toir bad $ro)>ll^etentl^um in ben diteflen Sd^riften. Spdter 
aber , n>o bie poetifc^e wie bie et^ifc^e Segeifierung ber $ro))l^eten )ur 
nfic^ternen $rofa l^erabfanf, wirb e^ eine blo^e ^orm unb giftion, etwad 
im tarnen @otted )u fagen, wai allgemeinere ®eltung l^aben foU. 



864 Smitt ^rriobf. Son b* 0rfinb« M Jtfoigt^* lü j* Qtntt M 9üt€. 

SBenn nun bie ®egner eined freien unb metifd^Iic^en ®taiibt>utt{(rd 
in ben bi6(tf(^en 98ifenf(^aften fo oft ^ets^or^eben, bof bemna^ bie 
$r o^l^eten unb bie 93ibe( überhaupt nur^getoo^nli^e^äRenfc^en« 
xooii" enthalte, fo ifl ba^ eine ^od^fl unberflAnbige Sinfiti^t ^eber be^ 
gabte IDic^tec fc^on rebet nic^t gen)iliinli(l^e6 äRenfd)entt>oct/ er fptic^t 
in ber <Bptaiit ber ®dttet^ mie bie ?llten faglen* Sbenfo t>et^d(t ed fi^f 
mit ben !Di(l^tern unb ^rop^eten be6 alten 3!efkmente0. ®ie l^aben 
®eifi unb ®eniud unb flehen (^o(^ übet ber getoi^nlii^en grofen SRaffe 
bed SSolfed. iSennoc^ bleiben i^re Sieben unb ®ebi(^te SRenfc^enmort^ 
{eigen überall biefen rein menfd^Hc^en / nationalen Urf^rung unb fihb 
nur I^ierau6 )u ))erfle^en unb ju n>ärbigen* 

9[u6 beut ® efagten ergibt ft(^ nun auc^ , baf ber xoaf)tt $to^f|et/ 
ber immer jugieid) ein begabter !Di(^ter fein muf, nic^t etn>a burc^StU' 
bium f{(^ )u feinem SBerufe n)iKfurlid^ bilben lann. Srmirb' )oie(mel^r 
geboren toU ber ec^te !Di(^ter unb wie jeber geniale ®eij}^ unb fann 
burd^ Silbung nur bad entiDidelU/ voa^ f^on in i^m (iegt* S)ed^a(b 
i^ and) ben $ r o p 1^ e t e n f c^ u ( e n ^ bie Samuel f orberte unb tef ormttte/ 
feine fo gro^e Sebeutung iujuf^reiben/ fo fegen^reid^ fie im äiOgemeinen 
ffir Verbreitung einer gen)ipen Kultur ^ für SKufif , ®efang unb $oe{te 
aud^ gemirft ^aben mögen* üdein feiner ber $rop^eten> ))on benen toit 
literarif(^e 3)enfma(e l^aben, ifi — fo t)lel tt>ir fe||en fönnen — au^ bie« 
fen $ßan)f(^u(en l(^erborgegangen* Sd mar aucb offenbar mel^r 9lttfga6e 
biefer SBereine , bad eigne religiofe unbjittlic^e 8eben ju förberU/ aÜ 
93olfdrebner au^jubilben» Stur bie niebere Seite beö )>o)>u(dren $ro« 
)>^etentl^umd , bad mit SBal^rfagerei unb einer eraltirten (Srregung t^r* 
bunben tt>ar unb bad fidb erlernen lief , fc^eint ebenfaO^ ge)>{Iegt unb 
geübt tt>orben ju fein (t ©am, 10, 5 ff • 19, 20 ff»), unb gwat nfc^t 
)um Stuften für bie ed^t )>rop^etif(^e SBegetßerung» ^od^ gel^dren aOe 
biefe Sludfagen in ben Suchern @amue(d unb ber Aönige ber 93o(ttfage 
an unb geben und feine treue SSor^ellung mel^r t>on bem ffiefen unb ber 
e{gentl{(^en Slufgabe biefer ä)erbinbungen, bie befonberd im norblid^en 
Sieic^e sa^Irei^ gen>efen ju fein f^einen. — iBon einem $ro))l^etfn» 
Drben fann ni^t bie 9lebe fein, obn)ol(|{ bie $rop^etenv ber flrengeren 
adfetifc^en 2ebendtt>eife toegen, einen befonberen l^&renen 9RanteI trugen* 
@onfl burfte {eber, bad Sßeib mie ber 9tann^ ber ben l^o^em göttlid^en 
äluf in f{^ v>erfpfirte, atd ^rop^et auftreten, SRdnner n)ie 3efaia, 3ere^ 
mia unb @)ed^ie(, bie i^r ganjed Seben l^inburd^ in biefem Berufe tl(^dtig 
waren, i^atten fid^ unfireitig barauf v>orbereitet. 9[nbere fünften nur )>or« 
übeipgel^enb ben Drang , offent(id(^ propl^etifd^ )u toirfen. 6o 9(mo9 ber 



BtfnUn 9lbf^n. 93« 850— 650. «flgmeiiie« iiK^*^e(r.$TO))lMraifi. 

^irf, ber auf erbem fagt, baf et fein $i»^]^et ))ott ^rofeffion uid) ni^t 
einmal bet @f^ü(et eine6 ^topf^ten fei« Jt. 7; 14« (Sv iß beA^alb eine 
b0)>))elt inteteffante @rf(i^einuag / mH er Hat jeigt / baf im $fi^)>|ieten 
eigentfi^ nur bie {ttt(i(^e Snbßan) be6; aQgemeinen SBolMgeifle« jum 
9en>v§tfein Um unb er atebann au6 eigenet imteter %&Ut feine religi5fe 
Segeifietung unb feine @itten)>tebigt f^et^otfttimtn lief * S>ie ptovl^« 
ttfc^e Silbung fonnte eigentlich aud^ nur bad ^ocmeUe beticfrn; bet 
gebotene $topl^et abet mie bet eii^te $Det l^aben ton JQiata aitd f((on 
bie entfpteü^enbe Sotm fnt i^ten geifHgen ®el^it. !Dief ful^tt tmi nU^x 
auf bie ^t^l^etif^ ed^tiftfieOetei« 



2. e^tiftlic^e SDatftellttttg bet tito))$etif4ett Sieben« 

3nnft^ß unb utf^täng(i(^ n>aten bie $topl^eten 9R&nnet bet ^ai, 
be^ bebend unb t)ot aUem be6 lebenbigen äBottee^ fo baf ®d^tift^Berei 
ni(^l notwenbig jn i^tem SSefen Qcffoxte, fonbetn nur eine nntetgeotb' 
nete Stelle jn il^tet ®efammti»itffamfeit einne^ml^n f omtte. 9(fif öffent« 
lid^en $(<l^en/ in ben So(f0t>etfammIungen obet tt>o in Heineten Jtteifen 
bei9 <^aufed 9lat unb ^bauung gefnd^t mutbe , n>o bie öffentlii^e 9Ret« 
nung aufgefidtt unb t>etfel^tten S^enbenjen bet Seit entgegen geatbeittt 
n^etben ntufte, n)o bie ett>igen ®tunbn)a^t]^eUen bet ftttlid^n SBelt* 
otbnung t>etfannt n)utben unb tt)o bie ©tunbfänben bet Station fi^ ge{« 
tenb matten ^ ba liefen fte ilgte Sieben ^öten« 2>iffe befianben meift 
n>o^( in futjen, hAftigen $(u0btfi<i^en il^re6 (Eifet^/ in Snteben unb 
Stuftufen an bie t^etfammelte 9Renge obet aud^ an ein)e(ne ^etfonen 
(3ef« 22, 15 f*)^ n^obutd^ nid^t feiten äBottwed^fel t)etan(aft tt)utben. 
»gL «mo^ 7, 10 ff* 3efaja 7« Setemia 28. 1 Äin. 22, 6 ff* 3Beit 
feltenet hielten fte too^ au^fü^tlid^e^ jufantmenl^Angettbe SSotttdge, tutb 
fl^ac^en fibetfiaupt intmet nut bei ganj befKmmten 93etan(af ungen , bie 
in bet Siegel butd^ bebeutenbe gefc^ic^tli^e SBotffiKe gegeben n>utben* 

9ii^t blof }ut Sebenbigfeit bed SBotttagd unb um bie Siufmetffam^ 
feit )u f))annen, tt)ie man gemöi^nlid^ fagt, bebienten{ie fid^ f^mboli« 
fd^et ^anblungeu/in benen bet Sinn il^tet Sßeifagung ffdbtbat 
unb ftnnlid^ abgebilbet toat/ fonbetn ed traten bief unmittelbate ^ufe* 
tungen bee eigentl^umlic^en )>to)>l^etif(^en Setouftfeind, ba^ feine ®e* 
banfen n>ie bet 2)i(^tet in bet unmittelbaten ^otm bet Slnfd^auung, 
nid^t abet in bet ptofaifd^en SSeife bet SIeflerion beft$t. So jettif bet 
$topl^et ^f)ia feinen neuen SKantel unb gab 10 Stfldfe t>ci»on bem 3eto^ 
beam, inbem et il^m ))etffinbigte/ baf et Jtönig fibet 10 Stimme 



3«taeW tt)erben »firbe. 1 Äan. 11, 29 ff . gernct jeigtc ftd^ 3efaia 
(jtap* 20) tt)£^tenb ber breijiA^rigen Belagerung t)an Sl^bob oftmoie 
batfuf unb naift b* i. Mop mit beut UnterHeibe angetan, o^ne Wantd; 
a(fo im 9lnsuge )>on Kriegsgefangenen , um boburd^ anjubeuten (mie er 
a in eigentlicher Stebe erf(drt), baf bie ^gi^)>ter unb ^^topen tit bie 
@efangenf(^aft n)anbern n>flrben unb ti folg! id^ t^jiric^t fei , fid^ auf fie 
}u ^erfapen* Seremia 19, )erbri(^t einen irbenen £rug, um anS)ubTurfen, 
baf voie bie^ gerfc^eOte ®efdf nid)t wieber J^ergefteüt )t)erben f 5nne , fo 
aud^ 3eiufa(em )>on ®runb aM )erßirt merben n)ärbe« (Sine folc^e f)^m« 
boKfc^e .^anbtung, eine t^atfAc^li^e $ata6e( ift )« 9* im neuen 3:e{la^ 
mente bie $uf mafd^ung* ^f^niidjt {tnn6i(bli(^e ^DarßeUungen fom« 
men bei allen 936(fern t)or ; ben ^ebrfiifc^en $ro)>l^eten aber, bie aber« 
f)avLpt eine Vorliebe für f^mbolifc^e unb atlegorifc^e 9e)ei<^nungen l^a« 
ben, lagen fie*befonberd na^e« Süperbem ifl biefe anf<^an(i(^e ^u6« 
brndfSweife e(^t ^oolfst^fimlid^. 3« bergleid^en {inb bie ße^enben fi^m« 
bolifdben Se)eid^nnngen beS ^ebrdifc^en ä^oIfeS/ n)ie ea j. 9* bei grof er 
!£rauer Staub in bie Suft ober aufS ^aupt freute, anbeutenb, bap man 
unter bie (Srbe jtnfen unb fic^ begraben mJc^te. 8tmo« 2, 7. 3of- 7, 6; 
ferner n>ie man bie Kleiber serrif/ aOen @(^mu(f abfegte, baS «^aar ab^ 
f(^nitt u. bergt* m. 

9Ran(^e jener f^mbolifd^en «^anblungen finb übrigen^ ber 9(rt. bap 
jte entweber gar nid^t aufgefö^rt werben f onnten , ober burd^ bie 9luf« 
fii^rung i^re SSirfung gerabeju t)erfell^U ^aben tourben. @ie finb bann 
aid eine freie , jtnnbilblid^e @r)4^(ung , atö eine ^rt $arabe( }ur Sele^« 
rung unb SSeranfc^aulid^ung ^vorgetragen unb gel^dren b(of ber f c^rift« 
Hdjcn 3)arf)eaung an, wie ^ofea K* 1 unb 3. !Dabei brdngt flc^ ^ier 
bie ^rage auf, wie fid^ benn bie {ewigen fc^riftHc^en Sieben über|iaupt }u 
bem munbli<^en SSortrage )i>er^a(ten l^aben migen. 

(Sine genauere Unterfud^ung ber {ewigen pro)>]^etif(^en Sudler unb 
Sieben jeigt und , baf fie in ber t)or(iegenben $orm "oon ben $ro)>l^eten 
nie gehalten worben ftnb* @o funßooH angelegte Sieben mit aUer plle 
bed Si^^t^mud unb bed ®tm))>ll^enbaud {m)>rot>ifirt man n\d)t Slu^ 
, war bie mfinblid^e $rebigt ber $ro)>l^eten meif) nur furj , bewegt unb 
mel^r anbeutenb , a($ in breiter f<^öner Bonn ben ®ebanfen erfc^öpfenb* 
Suferbem fiebt man beutlic^, wie fte bie einjelnen, )u loerfd^iebenen 
3eiten gel^altenen Sieben je^t ju einem frönen ©anjen ^erbunben unb 
nac^ einem burc^greifenben $Iane )ufammejnge^ellt l^aben , wad fie aber 
nur f onnten , wenn {ie üittf)anpt er^ längere ^tlt nad^ ben münblid^en 
Sortrfigen fie auffd^rieben* @o }. S* Slmod, «^ofea, 3efaja 2^5. 



Stt'elter Xftfc^n* ffi.SM-~6ftO* 3Uldeiiiebt(0 ufr* b/^t* 9feot»^(tnit^. MT 

7_9^ 4. St. 10 — 12* 28— 33* 3eieittia crjÄ^It rt fettfl, »ie er erft 
f))it eine f^riftlid^e Slufseic^nung unb Sufammenflenuttg feiner SSoUd» 
reben ^vorgenommen l^abe* 3erem« 36, 1—2* 2)ie0 iß and^ an fi<^ boO< 
!ommen begreiflich* 3>ie ^ro^l^eten rebeten mitten im 2)range ber Um« 
ß&nbe.nnb xoa^ ber Singenblid erforberte« iX>a n>är feine d^it jum 
©^reiben nnb 9{iemanb l^atte ba au^ bie fle^örige Kniffe )um 8efm* 
^i(^9en6 iDurbe ein fur)er/ fc^Iagenber ©ebante, ein orafelartigec 
Sinnfpmc^ loon ben $ro))^eten fogleic^ aufgefd^rieben nnb )i>erdffentU<l^^ 
tt)ie äefaia 8, 1, 16. 30, 8. ^ab. 2, 2. SBenn aber ein $rop^et Uf)* 
renb unb tt)irfenb einen bebeutenben d^Ütanm bur^^Iebt l^atte, wenn 
eine n>i(^tige @)>o(l^e ober ein grof ed @reigni6 jum Slbf^Inf gebieten 
n>ar , erß bann f onnte ber 3!rieb ern>a(^en / bie entflo^ienen SSSorte bed 
SRunbed }u fammeln unb atö ein iX>enfma( f&r immer burc^ bie Schrift 
bauemb )u machen, fei t^, baf bie (Srfa^rung bereite bie Sßafir^eit ber* 
felben betätigt l^atte , ober baf ber ^ropl^et )>erfannt unb un^erßanben 
in feiner 3eJt bajianb mty nun in ber Scf>rift ein ßtu^ni^ für bie 3u« 
fünft fni^te. 

!£)er erfle %aü n>ar ber genvol^nlid^ße , unb barauB erHdrt {ic^, toie 
f)>Atere Setro<^ungen nnb Setiel^nngen fo leicht mit ein^tefen fonnten, 
»ie ber Slu^britii im (Sinjelnen ie^t nveit beßimmter n)erben mufte, aM 
eö beim münbltd^en SSortrage mJigKd^ n>ar/ unb tolt mand^e, ber ^tit 
nadf getrennte ^udfpräd^e je^t mit einem dPS i^ ^inem einzigen @e* 
mAlbe fonnten jufammengebrac^t toerben* 93ie fe^r be^bälb au(^ bie 
fd^riftHd^en 9teben im SlUgememen ein getreue^ 9Ibbi(b ber munbü^en 
fein mögen, fo barf man bo(^ an eine firenge unb eigentliche Sßieber« 
l^olung berfelben burc^aud nic^t benfen. 3m ®egent^ei( t)er^alten {Id^ 
beibe etn>a fo )u einanber , toie bad 2:i^ema )ur ^u^ffi^rung , toie ber 
€^to^ unb 3n^a(t jur )>oetifd)en IDarfteOung« !Da6 Seben bot ben Stoff 
unb ber $ro))^et be^anbelte bie^ S^l^ema m&nblid^ fo für) unb fd^Iagenb 
ald m6gUd^* Sei fpitererSSufe bilbete er bann aud f old^en ® elegen^eitd* 
reben bibaftifc^e Aunfhoerfe mit ertt)eiterter ^^enbenj* (So rebeten Slmod 
unb .^ofea nur im nirblic^en äieic^e unb aber baffelbe; i^re irrigen 
93ä(^er aber beräd fid^igen aud^ 3uba , xoat nur bei ber f<^riftlid^en 9Ib« 
faf ung gefi^el^en fonnte* iX>ad wirfUd^e Seben ^atte a(fo biefe $robufte 
angeregt; ed n)aren @rfa(^rungen , eigne (Sriebniffe bed $ro))l^eten/ bie 
er barfieOte , (ebenbige Slbbrüdte ber geifiigen SSoIf^juflAnbe ; aber bie 
flfirmifc^e Unrul^e/ bie leibenf(^aftlid}e ® ä^rung , ber fxtiliä) gläl^enbe 
domeifer/ ber bie erflen äfudbräc^e |iert)orriet toax bei ber fpdteren )> o e « 
tifd^en IDarfleOung einer erl^abenen göttUc^n Stu^e gekoic^en. !Der 



$rtt>t^et f onnte au^ bei ^ente ft^on fein eigene^ ffiitfen fibetbtiden ; et 
flanb bereite über bem iftaiii))fe bec$acteitn unb äbet ber eigenen^ lei« 
bettf<^af(({(j^en ^eqentfiinntl^/ bie nur no<4 leicht imb felbftberfo^nt in 
biefen poetifc^en @rgüf en na^iiUnt. 3>edl^alb l^errfd^t aud^ in ben befleii 
^ro)>l^eti{<^en Keben bei aOer Set^egmig eine großartige ^(tung, eine 
bettmnbenttftoerte SSBärbe/ bie Mm fubjeftit)en ant^eil nnb nOen innern 
Httfm^r fafi übertDunben l^ot unb bal^er im @tanbe ifl/ bod eteig gel* 
tenbe; noln>enb{ge SSettgefeft mit objeftiver SSa^rl^eit unb ^(ar^eit ben 
935(f em )u ))erfänben* @o bor aOen bei 9lmoi, ^t^aia, äSic^a^ Sta^um, 
«^obafuf. 

aSBeil aber biefe Sieben nit^t in bec €tiHe bed @emät^ erfonnen 
unb eibic^tet; fonbern mitten au6 bem betoegteflen Seben ^erauigeborcn 
finb, fo tragen fle aud^ aOe ®pmtn bei9 toirflid^en 2eben^ an ftd^. @ie 
finb wü ber f)>edeaflen unb inbibibueUflen Sejiefiungen auf aOe mog« 
Uc^en SBer^attniffe bed öffentlichen toie be6 $ribat(eben6 unb erfceuen 
au^ im SCu^brutf burd^ eine feltene, boIfdt^umUc^e %ü\itt, butd^ fc^Ia» 
genbe 8Bortf^)lele unb trefFenbc ©jjtid^wörter, burcft bie anfi^aulicftfteu 
Sd^ilbentngeU/ burd^ bie lebenbig^e SBal^rl^eit unb Snnigfeit/ äberbaupt 
butd^ eine natunofid^fige fonfrete SefHmmtl^eit; toie fte ft(^ nur au^ bem 
angegebenen Urfprunge erf(Art. €d^on ber %otm nad^ fittb biefe Sebr» 
bid^tungen bad gerabe ®egentl^i( bon aUer gelehrten $oe^, loie fte 
im 6. Sa^r^unbert aud^ in ber pxopf^tl^djcn i^teratur aufEommt* 9iit 
bem Untergange be6 jubifc^en Staate^ nAmlic^ fo toit mit bem @iege 
bed gei^gen SRonot^eidmud über bie Staturreligion u>ar bie pcUHi^t 
unb über^au))t bie öffentliche S^dtigfeit ber $ro)>^etm erfd^opft unb 
t)oaenbet. 93o fte noäf mirfen tooOten, u>aren fie ein)ig an bie @<^rift 
gen>iefen* !Da^er voirb auc^ bie 2>arfleClung jie^ eine anbere. SSiftonen/ 
bie frül^er nur bereinjelt unb in fel^r einfacher $orm borf ommen (}* 9. 
Slmod 7—9* 3efa{a 6)/ n>erben immer gen)6l^nl{(^er unb jugleid^ immer 
bertbidtelter unb bunffer / unb müpen bie SteQe beö Haren WioxM ber 
d(teren ^robb^ten bertreten* SKan fud^t f^mbolifd^e IBüber unb «füllen 
für bie wenigen ®ebanfen; bie man l^atf bie $orm tt)irb yrofaifc^er, 
breiter unb ))erb(after; ed fel^It il||r bie Srifc^e unb inbioibueOe S3e* 
flimmt^it, bie %Me unb bie frdfiige Sarbe bed 2eben6/ bie aOen frül^» 
ren Sieben fo nnoerfennbar aufgebrüdt iü unb aMn fc^on ein 3^ugntd 
bafur ablegt , baf fie mitten im !Drange ber Sßirf iic^feit empfangen unb 
^en)orgetr{eben finb» 

aßad ben eigentlichen ®ebanfengel^alt betrifft^ fo bre^t ^if biefet 
loefentUc^ um bie !DarIegung ber einfachen, religi66 :^ fittlid(^en fßdi^ 



an^amni bet ^pf^tHn, um Me Sttt M &ntn, geiftigen &otk9, 
»effen ^eiliger unb fittüifn SBiOe ivx Solfe 36faei ))emhHiAt tDctbeii 
foK/ fo baf e6 felbfl }u einem f)Mi^tn, fittUd^ freien ^olU fferonf« 
gereinigt n>irb. 2>itr(^ bie ttnanf^öriic^e Sßieberl^olung bfefev ®rtinbc 
jgebanfen bef ontmen bie ))r0t>^etif(^n 9teben aOerbing^ etma6 @intoni:» 
ged ; n>ei( aber jene ©ebanfen an ftc^ etvig n>al^r unb grop finb , fo 
ermüben fie nid^t, gumat f{e nic^t abfitati, fonbem in nnmiltelbarem 
dufammen^ange mit bem toirfii^ien Seben unb bei ben t)erf(^iebenflen 
SlniA^n in wal^rl^aft bi(^terif(^er SBeife vorgetragen n>erben. !Dabei 
bewegt ftc^ ber ^beengang in aUen groferen^ t^oOfiAnbigen Steben ber 
^ropl^eten immer nad^ folgenben brei ^auptfeiten ^in : 

3unA(6fl betrad^tet ber fßropl^et bie ganje ®pff&tt bed SteifM, ber 
dteligion unb SitUic^feit in 30rae( unb erfennt ba ben Sßiberf)>ru<^ 
)mif(^en ber Kufgabe ^ bem fittlid^en Soden unb ber (Srfc^einung beffel« 
ben in ber 993irf(i(^feit. !Dad 9$o(f ®otted , bad ein ^eiliged Sloif fein 
foflte, erffiVt feine Sefiimmung nid^t; e6 ift ungere^ gegen feine Srä« 
ber, i^ abtr&nnig, bul^It mit fremben @öttern unb ifl ^tiüii) im l^ic^^en 
®rabe entartet* 

3>e6l^alb berfunben bie $ro{»l^eten ein groM Strafgericht/ bae 
über aSoIf unb prflen ergel^en n)irb. f&e ifl bie^ ber fing 3a]^be*d 
b* i* ber Sc^Iad^ttag ober @traftag ®otte6, ber mit bid^terifc^en Sarben 
angemalt mirb* ®ro^e Staturerfd^fitterungen / (Betoitter^ ^bbeben, 
@onrienftnf}erniffe unb bergleic^en toerben i^n begleiten; bad 93o(f toitb 
bi6 auf einen Keinen Siefl loemid^tet toerben mfif en ; nur n>enige belehren 
fi(^ unb toerben gerettet toerben. 

9taiSi ^{^f^^ grof en Sduterung n>irb fär ben geretteten 9lefl eint 
^ani neue (Spodie anbredben unb aud bem Untergange eine ffiiebergeburt 
|iert)orge^en* ' 2)a6 l^ebrAifc^e SSoIf toirb )u nie gefe^enem ®(an)e unb 
@lädfe fld^ erbeben; ed mirb jittUd^ ooOenbet unb frei toerben* SRit 
biefer geifligen Srl^ebung toirb )ug(ei(^ eine {{ttU(^e SerRdrung ber gan« 
jen 9}atur t)erbunben fein* Sie toirb ben l^5d^fkn @rab ber ^i^uc^tbarfeit 
erreid^en unb Slded )nr greube unb ium ®enuf barbieten / fo baf ber 
9Renf(^, ber burd^ feine erfle Sfinbe mit ber Statur in S<inbf4faft geriet/ 
aWbann burc^ feine errungene fittHc^e Srei^eit aud^ mit ber Statur, über« 
ffonpt mit ber gangen objeftioen 9Be(t fii^ n^eber t>erfi^nen toirb* @6 
finb bie0 bie Aufecften Segnungen , n)e(d^e bie $ro^ll|feten in poetifc^en 
ä^ifbern aufd Sdiön^e unb SRannigfaltigße audf))re^en. (SSgU bef* 
3«fa|all). 

^aäf biefen aOgemeinen Semerfungen ober ba6 l^ebrdifc^e $ro« 



870 Qtuiit $eriobe. SJon b* ®Tttiib» b. Jtttiidt^. SU jum (gnbe b* (foitt. 

))]^eletitl^ttm m&f en toit nun bie em}e(nen !ßro)>]^eten unb i^te @^tiften 
in (^rono(08if(6et 9tetl^enfo(ge ^ter nod^ fut) Aberbliden/ toohti miwAii) 
eine erf<^6pfenbe ^Darlegung bed 3Hl(^a(ted unb 3ufommenl^angd fo wie 
eine genauere Segrunbung bed S^itaÜtx^ ni(^t ^ielliei: gehört; biefe 
Unler[u(^ungen bilben t>ielmel^r einen 3^l^ei( bet n)tf enfc^oftUc^en @re< 
gefe/ auf mlijc bie Sileiaturgefc^i^te fic^ fluten muf « 



IL 

Hie einzelnen prapl)etifd)en Sd)nften. 

2>er Altefle^ro^l^et/ »on beut wir eine eigentliche SBoIMrebe 6e« 
ft$en/ iß wal^rfd^einli^ 3oe(* (Sine furchtbare ^ettf<^re(fenbem)iiflung, 
bie jugUic^ mit grof er !Durre berbunben war^ gab i^nt ben ndd^flen Sln< 
(af ^ bad SBolf jur Su^e unb Se^erung )u ermahnen* 3n ber 8anb)>(age^ 
bie er \>om Anfang bid )u il^rem @nbe mit ben lebl^afteflen Sarben unb 
nad^ naturtreuer @rfa^rung fd^ilbert^ erfennt er bie ^tiditn be6 gdtt« 
liefen 3orned^ bie Sorbeten eine^ großen Strafgerichte ^ ba^ nur burd^ 
9leue unb Umfel^r abgen>anbt werben fdnne* 2)ief Sewu^tfein ju weäen^ 
ifi ber ^mä be« erjien Zf)tiU^ Map. 1—2, 17. 3m jweiten 
Xl^eile , Map. 2, 18 — St. i, ergebt er fic^ fobann )u neuer «^ofnung 
unb berl^eift unter ber 93ebingung bauernben ®e^orfamd gegen @ott 
^Rettung avit ber gegenwärtigen 9{ot unb reid^K^en Srfa^ ber uAd^flen 
SBerlufie. Darauf wirb (Sott über aOe^ gleifd^ (b. i. über aUe 3drae* 
(iteu/ wie $fa(m 65, 3) feinen (Seifl oudgiepen unb enbiic^ auc^ bie ent^ 
femteren Seiben aufhieben, bie fd^on feit längerer ß^it burc^ benachbarte 
Seinbe (burc^ ^0fitt, $^Uif)er unb @bomtter) bem Staate jugefägt 
worben. Sr wirb feinem 93o(fe ben ®ieg über aDe na^en unb fernen 
geinbe t)er(ei^en / unb fo ben gebrol^ten @trafta'g nid^t an S^raei / fon* 
bern an beffen ®egnern t)ofl}ie||en unb fte ))emic^ten. 

aBie bad Sucf> 3oel6 je^t vorliegt, fann e6 erfl längere Seit nad^ 
bem mfinblid^en Vortrage/ nac^bem bereite eine befere SBenbung ein» 
getreten war, abgefaßt fein. Seflimmter aber liegen ber fd^riftlic^en 
2)ar{)e0ung jwei t)erfd^iebene münblid^e 93orträge )u ®runbe, bie nun 
)u einem (Banjen mbunben ftnb. 3)ie erfle Siebe enthält ber erfie Sl^eit ; 
er forbert jur 93upe auf, inbem er bie allgemeine 9tot bed Sanbed fc^iU 
bert, unb fc^lief t mit einem bringenben @ebe^um ®nabe unb Errettung« 
^^nlic^e ©ebanfen ^atte 3oel in ben ^^agen be6 Unglfiäd unfireitig aud« 
gefprod^en. — 3>er jweite !£^eil bagegen (St. 2, 18 ffO beginnt mix ber 



Smikt aiifd^n«, S. 850— CSO» SAi elnylnnt ^x^ffilm. 3orC. 271 

teilt gefc^ic^tlfd^en Semerfun^ / baf ® ott fein Soff bereiM etl^itt itnb 
t)etf(^otit ^a(e* Sei biefer glüdlic^en 93enbung rebete ber ^X0p1)tt cffnt 
3tt>eifel auf6 9Iette unb )t)utbe )u ben begeiferten <^of nungeti ^ingerifen/ 
«Die biefer imite Zf)t\i fte barfleOt. 60 erH&rt ft^ fe^r naturlid^ ber 
tafele Übergang von Skauer )u !£rofl ^ \)on Sur^t }u frenbigec «^off* 
nung, n>ad mit fo fibemaKenber 3uberftc^t mitten in ber 9lot gef)>ro(^en 
nid^t n>oll^( benfbar ift. SIQerbingd tonnte bamald fc^on ber $ro))^et bei 
ber blopen ^loge nic^t flel^en bleiben, jumal n)enn er bad So(f teumAtig 
unb bnf fertig ^af), nnb burfte be^^alb bereitd auf eine bef ere Bufunft ^in« 
tt)eifen. 93g(. Ä. 2, 12—14. !Dann ober fom »irflic^ ein flarfer Wegen, 
ein ®ett)itter (»gl» 2, 10), baö t^eiW bie ^euf(^recfenf(btt)4rme t)ertrieb, 
t||et(0 bie «Hoffnung auf eine @rnte n>ieber neu belebte. 9ln biefen 9[n* 
fang ber äiettung fnupfte ber $ro))l^et bann feine toeitere Siu^^c^t für 
feinSioif unb 93ater(anb/ n&mlic^ bie Seßrafung äbermfitiger Seinbe. 
3)ur(^ bie gefd^ic^tUd^e Eingabe St^ 2, 18 f» ftnb beibe Sieben )u einem 
fc^önen ®anjen tjerbunben. 

äBa^ bad 3eitarter betrifft, fo fähren bie gefd^ic^tli^en Sfubeutun» 
gen barauf , bap bie§ S3u(^ etwa um 850 ))or 6^r* t)erfaf t n>orben i|l. 
9(mod, ber um 800 fc^rieb/ ^at ed f(6on gelefen unb dtirt einen ^wd^ 
fprud) baraud 0* W* 3^^( ^/ ^^ >n<^ ^^^^ 1^2. — Über bie $eif6ni{(^« 
feit 3oetö ifl ni(^t$ befannt* @r (ebte ofenbar in 3erufalem unb gel^öite 
))ienei(^t voie 3eremia unb (Sjec^iel ben ^rießern an ; benn an biefe toen« 
bet er ft(^ )>or}ugdn)eife unb bebauert namentli^ , bap naif ben je^igen 
Serl^eerungen bie 0))fer unterbleiben mfipen. 9luf bad nörblid^e Sieic^ 
toirb nirgenb^ 9iü(frt((t genommen, t)ie{mebr (ebt unb tt>e6t er ganj im 
a»itte(punfte 3«ba'ö* — 2)abei ^at feine (S^rift ba« ©gent^fimli^ie, 
bap fte 9faturf(^i(berungen entl^dlt, voie fte fonfl ^(c^fl feiten i^orfommen. 
9{ur 3eremia St. 14 benu^t AI)n(i(^ eine !Därre ju einer ))rop^etif(l^en 
^Prebigt. Sluperbem \)at bie ©c^rift^ ein i)or^errfd&enb bic^terifc^ea ®e^ 
präge unb gel^ört )u ben f^onften Öberreßen ber ^ebrdifd^en Literatur 
Oberhaupt. SQSie 3efaia aOe $rop]^eten fiberragt bur(^ f&nig(i(^e SSfirbe 
unb großartigen ©ebanfenreic^tl^um / fo ubertrift 3oe( fie aQe bur(j^ bie 
glucflic^ße Sereinigung t)on religiöfer Segeißerung unb )>oetif<^em Zu» 
lente, burc^ bie lebenbigfle ^^antafte unb eine feltene, gfniate Sei^tigfeit 
unb anf(^auli(^feit in feinen ©(^ifberungen. (Sx ift ber ^ott unter ben 
^Prop^eten »ie fein ?Inberer* 2)enno(^ ift alle« Jpoetifc^e bei i^m burc^* 
au0 ))om ))ro))^etif(^en ®eif)e getragen, toedl^alb aud^ nic^t bie ma(e^ 



1) ^gl« wettet meine ^d^tift : ^et $tc))]^et 3oel, ftlierf* itn^ erfUtt, 1841. 



272 Stoeite $rrtobe« fOoit b* Oriiitb. b. Atnlgt^. bU gum Qbibe b. (Eritt. 



rifü^e^ metßevl^afie 6<^{(bentns ber «^eitf^edenioenoäfhtng bec eigcnt* 
(i^e Qxotä feinet Siebe ifi ; f onbem b(e (Snnal^nung jur 93ef onnen1(^eit/ 
)tir SBtt^e uitb 93e$eruitg* iDatnit beginnt er nac^ iebec ^aufe bed etflen 
3:i^eiM/ unb barin Hegt gerabe bad eigentlid^ t>ro^l^et{f(^e nnb btbaftifc^e 
(Sfement« — ^l^ $ri>beßAffe migen folgenbe SteQen bieneiu dunAc^ft 
Stap. 2 — 3» 

tBfafI He $ofattne auf Slon, i 

ttnb mad^i S&rm auf meinem l^rUigen 

QSerge ! 
(Srjittern mdgen alle HBetooi^net JDe« San« 

be0; 
ll)enn ed fcmmi bet Sag bed ^etrn, 
3a, ctiflttal^e: 

Oin %a^ bet Sinjiemt« unb S)äfter§eit, t 
(Sin nebelbt(]6fer/ toolfentrubet Sag, 
9Bie SO^otgenbunfel l^mgebteitet auf ben 

ISBergen; 
[(S€ fommt] ein 9)oIf, lafjUxtx^ unb flatf, 
®ie feind getvefen feit bet Utseit l^et 
Unb na^ il^m !ettt< erfdjieinen «Ditb 
HBei aUen fönftigen ©efdifle^tetn. 



fDot i^m ^et fttf t geuet 3 

Unb flamme f engt leintet il^m ^et; 

Sßie ein ©atten ))on (Sben toat üot i^m bad 

£anb^ 
Unb nad^ il^m iß ed eine 0be Süße 5 
Unb nif^td !ann il^m entfliel^n. 
6etn $Cn0fel^n ifl ben $fetben gleid^, 4 
9ßie Stoffe fo tennen fle ; 
(Bleitti bem ®dxai^ bet SS^agen f))ttngen fie 

übet bie l^erge^gi^fel, 
@o h)ie be« fjeuer« giamme, ®toppt\n fte« 

genb, taufd^t, 
@c u>ie ein ßatfed, ftiegdgetüflet iSolf» 
9$ot il^m etbeben bie ienU, 6 

<9fö^töte fammelt iebe« Sngeftdftt* 

Sie gelben tennen fle ballet, 7 

8ef}eig^ bie SDlanet tote JttiegeAn&nnet; 
Unb ein |ebet in feinem Sege gebe» fle 
Unb beugen nidjit ))on i^ten $faben ah ; 
Unb einet ben anbetn bt&ngen fie nici^t, 8 
(Sin iebet in feinem steige gelten fle 5 
Unb btttdd ben Stttff))teß fallen fle 
Unb ttttterbted^en nic^t ben iganf* 



3n bie @tabt laufen fle 9 

^etenncn bie flauet/ 

ISBeßeigen bie Raufet, 

itommen but4 bie genflet toie ein ^ieh, 

fßox il^nen etbdbt bie (Stbe, 10 

Sanft bet ^immel; 

(Sonne unb SD^onb 

©etbüjletn fidj 

Unb @tetne giel^en i^te ^ttal^ten ein* 

Unb e< bonneti bec ^ett 1 1 

^ot feinet SKad^tl^et^ 

^enn fel^t gtog ifi fein ^ett, 

3a gewaltig feine« Sottd fßcWüttedet i 

3a gtof ifl bet Sog M ^ettn 

Unb futd^tbat fe^t, 

Unb toet ttitb il^n etttogen fdnnen \ 

^od^aud^fe^tnod^— f^tid^bet^ett — 12 
itel^tt um gtt mit mit entem gangen ^et^m, 
Mi Saften, Seinen unb mit StauerHage ! 
Uub getteigt euet ^tq unb nid^t tnxt StUU 

bet, 13 

Unb Uffxti xm gum $ettn, euten ®ott! 
IDenn gnabentjofl iß et nnb )>on Qtbatmen, 
iBangmfttfg/ teic^ an ^nlb 
Unb lä§t M Uttglüdf« ß<6 ^eteun; 
(St wendet ßdd melleid^t unb laft flc^d 

teun 14 

Unb Ußt bann ^intet ßd^ ®egen, 
%tüä^U unb Stanfo^fet 
8ttt ben ^ettn, euren (8ott. -• 

9)laß bie ^ofanne auf 3ion ! 15 

heiliget ein gaßen, 
Stuftau« eine Seiet! 

Stingt gufammen ba« Sßolt, 16 

getilgt eine 93etfammlung, 
IIBeteinigt bie (Streife, 

iStingt gufammen bie Jtinber nnb @&ng« 

(iagel 



ßtüdUx 9lBfi$it. 93. 850—650. S>U tiiticlnm $ro))^eten. 3oe(. 873 



Q^ %^t betSr&tttigam ou0 feiner itammet 
Unb bie fdxaui autf il^vem ©ernad^ 1 
3u)if4.en ber ^ctl^aKe unb bem Xtmptl 17 
SO'^ögen töetnen bie Stieflet; bie Wiener M 

Itnb m5gen f^tec^en : 



drSatme bi4/ o ^ttt, beine^ SBofteß, % 
Unb gib bein (Sr6e nic^t bem ^ol^ne ))vei</ 
@o baß f)}otten über fie bie. Reiben ! 
SBarum foQ man fagen unter ben Sß^U 

fern: 
i,®oiftbennil^r®o«?^ — 



Sluö ber ilroftrebe beö jtt)citcn Jl^ieilö möge folgende ^ßrobc ^ier'5pia^ 
flnben: bie göttliche Antwort auf bad ©cbet. 

SRein $eer/ bod grofe, ba^ id^ gegen eud^ 

fanble^ 
^ann toerbet i^r ßetd epen unb fatt toer» 

beu/ 26 

Unb werbet greifen ben ^^(»men bed $emi 

eured (Sottet/ 
^er tounberbar mit end^ gel^anbelt, 
Unb ni(if)t 3U ©c^anben toecben n)irb mein 

iBoIf auf en)ig» 
@o erfennt i^r bann, baf inmitten S^raettf 

i4 bin/ 27 

Unb baß 3ci^, ber ^err, euer (Siott bin nnb 

feiner fonft, 
Unb nici^t gu ^d^anben toerben toirb mein 

Solf auf en)ig^ 



^iel^e^ iä) fenb* en(^ bad itorn, .19 

5Den SWojl nnb ba« t)h 
Unb il^r toerbet fatt ba))on toerben ^ 
Unb nidbt no(^ ferner miü {4 eu4 mad^en 
3ttm $o^n nnter ben SßHUxn* 
^en 93erbet6er^) toiU idji entfernen ton 

eudd 20 

Unb il^n treiben in ein tt)üjle0/ öbed i^anb/ 
deinen IBortraB §in jum Hobtenmeer/ 
deinen 9lad^traB l^in gum jSO'Iittelmeer) 
^a ßeigt bann anf fein (Üeßan!/ 
Unb aufjieigen foU fein Saulgerud^ 
SS^eil er großgeti^an* 

Sürd^te bt(^ n\6)i, Sanb ! 21 

gro^locfe unb freue bidj ! 
JDenn ber «&ecr toirb ®ro8e« t^un^ 
gürc^tet eu(^ pid^t, il^r Siliere bed Selbed ; 22 
5Denn grnnen n)erben bie fluen ber Xrift, 
^er ^aum t»irb tragen feine Smci^t/ 
IDer S^igcnbaum unb SDeinflocf geben iBre 

Jtraft. 
Unb i^r ®öl^e 3ion«, fro^Iorft unb freut 

iVi^i 23 

Übet ben ^txtn, euren ®ctt \ 
^enn er gibt end^ ben <Saatregen gum ® egen 
Unb fenbet ^) eudji retd^en (Srgufl 
Sßon <BaciU unb @rnteregen ald Ciirjled, 

IDa fußen {!$ bann bieS^ennen miti(om 24 
Unb überfirßmen toerben bie J(ufen loon 

^0^ unb t)on £)t; 
Unb ecfe^en teerb* id^ eudE^ bie Sa^re, 25 
äOeld^e abftafi bie^rtae/ ber€)>ringer,bie 

^eufc^redC uub bie ^ar»t, 



Unb bann na d^ bie fem stap,s,i 

9Berb* i(i) ausgießen meinen ©eifl übet aQed 

^ Sleifdö, 
Unb toeißagen n)erben bann enre @dl^ne 

unb %ii(S)ivc] 
(Svat ©reife toerben Xxäume i^ahm, 
(Sure Säuglinge toerben ©ejtd^te fd^auen. 
^ü6) über bie J(ned^te unb über bie 9)>2agbe 2 
SBerb* id^ in Jenen Ilagen ausgießen meinen 

® eift 5 
Unb iverbe Seid^en geben am ^immel nnb 

aufdrben: s 

^lut unb Seuer unb @dulen t)on dtau^'y 
^ie Hernie toixt {!d^ terfe^ren in Sinßer« 

nid 4 

Unb ber fRonb in ^lut, 
93etor fommt ber Xag MJimn, ber große 

unb furd^tbate. 



1) JD* i» ber ^eufd^redf engug, eigentUd^ ber-vtf^Jl^onifdJe,* »erberblidje, Böfe. 
m%U 2 SWof. 14; 2. 4 SKof. n, 7." 



%) JDie. einfädle S^rm nni'>'j ifl p lefen. 
0)ef(^. b. 4}oet. SHationaUtt. b. <&ebr. 



18 



274 atdtlU ^ttioU. Sßon ^. exm%. b. Mni^iff. m {um (Sttbe b. (Sri». 

Die« ®etf c^t fl6er bfe geftibe 3«raeld wirb bann Map. 4 gtfc^ilbert ; flc 
jlttb tdf ittr ©träfe; t>a0 SSotf fott bie fncbH<]^ett SBerfjeügc, .^acfe unb 
SaSinjermeper, ju Schwertern unb Sanäen umfd^mieben, bann wirb ®ott 
We 9?ationalfeinbe in einem fi;mboIif^ bejeld^neten Zl)aU 3ofaj)l^ at 
(b* i. ©Ott richtet) »erni(^ten. (Darauf grieben unb ©lud für 3uba. 
$(m @d^{u^e l^eif t e^ : 

IDann toerben jene0 Xa^i träufeln bte S3erge t)on SRo^, JT. 4, ts 

Unb bie ^ügrl »erben grünten loon SD2i((i^ 

Unb alle 99ft(^e 3ubaV Iffiager fuhren 

3nbem ein CueU )>om ^aufe bed ^errn au^gel^t ' 

Unb tränfet bad 9(fagtent§aT* 

^g^^ien )oirb gur $Düfle toerben 19 

Unb @bom ^ur oben SSD&f^enei, 

Segen be« 9re»eld an 3uba*d &bf)nen, 

$>a^ f!e t^ergof en f^ntblod Sfut in il^rem 8anbe ; 

2>odJ 3ttba — eiöfg toirb e« toijl^nett io 

Unb fürt unb fort 3cnifalem { 

3i^r ^\ui, U9 i^ nicii rfti^te, totlt \^ th^tn, 

Snbed ber ^err auf 3ion %ont» 



2« SmoB. 

aimoö, ber um 800 t)or S^r., jur 3«t Ufia'd unb 3erobeamö IL 
lebte, war nad& feiner eigenen Angabe (Ä* 1/1. »gl* Ä. 7, 14—15) 
ein @d)aaf^irt unb nebenbei mit bem S(nbau von S^fomoren ober »it* 
ben geigen bef(^dftigt. 3)ie SBüfientrifft »on a;efoa, fünf ©tunben ffib* 
lit^ bon 3erufa{em, war feine «^eimat. ^ier füllte er bei feiner ^^eerbe 
ben iDrang/ ald $ropl^et unb ©ittenprebiger im norblic^en 9iei(^e auf« 
antreten, iort regierte batnalö Serobeam II. (820-784) unb l^atte in 
So{ge g(ä(f(i(^er Kriege fowol^I bie alten ©ränjen l^e rgefieüt (^. 6; 13 f.), 
üi^ auc^ ba^ Sanb überlb^^upt ju l^ol^em ®(an)e erl^oben. ÜUein neben 
bem SBo^l^anbe ^errfc^te ©oftenbienfi unb ©ittenfofigfeit, forglofet 
Übermut, ©il^wttgeret unb grof e Ungerec^tigleit ber 3Rad)tl^aber. !X)e«« 
l^aib gieng ?lmoö nac^ 93etel, bem ^auptfi^e beö bantaligen ©taatö* 
luttud, unb eröffnete bort feine SRugen unb !t)ro^ungen. @r al^nt bereite 
in ber gerne bie ftegtei^e 2»ad^t ber Slff^rer (Ä. 5, 27. 6, 14. t>gl. 
St. 2, 13—16) unb t)erlftnbet ben Untergang be^ SitiM. 

SRad^ einer a|)ofrij^)^if(l^en ©age btf $feuboe<){|)]^attlud würbe Sfmoa 
in Setel mij^lEl^nbelt unb M ^ ft(^ nic^t irre machen liep, \>on einem 
$rie^erfol^ne )u Soben gefc^Iagen unb fterbenb in^ iubif^e ©ebiet ge* 
tragen. ® efd^id^tlit^ fann bad ni(^t fein , ba er er^ meiere dolore nad^ 



Btotittx m^^n. aS. 850—660. 5DU rliticbten $ro)7^Uii* Sipo«, 87S 

feinem dfentUd^n S(ttftreten feine @(^iift in 3uba ux^afk. — Sc^on 
ba6 dte Sefloment l(iat eine @age fi^et 8(mod. 3)enn Mt ^t^iitt, 
tt>e((^er na(i^ 1 <^ön« 13 unter Setobeam I. and 3u^a na<l^ Setel fam 
unb bort ben Untergang be$ S[(tar6 unb ©amarien« utiün\>tU, tann 
offenbar nur %moi fein, ber freiließ erfl unter äerobeam II. (ebte. 3)te 
Sßorte 1 ^on. 13, 32 beuten beflimmt auf bie S(udfpni4)e be« SImod 
l^in. !Die @age ober ifi fblgenbe: (Sin jübifc^er ^op\et foa auf ^itu 
li(!^en 9efel^( ju Setel tioeber egen nod^ trinfen / n)irb aber burd^ einen 
aittn bortigen ^ro^l^eten )ur Übertretung biefed Sefel^Id t)er(eitet unb 
)ur ©träfe bafür ))on einem ibwm jerripen unb bann in Setc( begraben. 
2)ie @r)fil^(ung ijat gan) bad ^(udfel^en einer fpfiteren Grflnbung unb ifl 
offenbar ol^ne l()ljiorlfc^en ®runb unb nur im aOgemeinen burd^ ba« 
auftreten be6 Ämoö t)eranlaßt* 

{Die Sd^rift bed 9lmod/ meldte t)on ber mänb{i(^en Stebe bebeutenb 
abn^eic^en mn^, jerfiOt im allgemeinen in brei X^eile/ bie/ obt^ol^I fie 
Auf erlief nur leicht unb lofe )u[ammenl^angen/ bo<^ ein flared unb Aber* 
ii(^tnd)e«,®anjed bilben. Der erfie ^aiH)ttl^elI Stap. i—ß entölt 
eine allgemeine ®trafrebe über bie t>ie(fac^en Sftnben bed ni$rb(i(^tt 
9lei(^6 , nebfl «nbro^ung göttlicher (Strafen* 2)aju bilben Map. 1—2 
eine großartige @inleitung , bie bfop ber f^riftllc^en IDarftellung ange« 
lioit unb mit t>ie(er ;Runfl unb mit ^obem 9ta(^bru(f ba^ eigentliche 
3;^ema burc^fu^rt/ baß ndmtic^ aOe Solfef/ n)enn {!e ffinbigten, ein 
(Strafgericht )u erwarten l^ätten. ^mod^ beginnt mit etn)ad fc^einbar 
grembemunb nennt juerfl jieben anbete Äeid^e, bie toegen befonberer 
SSergel^en gejüc^tigt merben foOfen, n&mlic^ bie ^^xn, ^^i/ißer unb 
S^^rier; bie (Sbomiter^ Slmmoniter unb SKoabiter; enblic^ auc^ 3uba. 
(So sielet er ben ^reid immer enger^ bid er an feinem äi^Ie anlangt. @r 
lAf t in ber Seme bad Gewitter auffleigen unb immer nA^er ^eranfom« 
men, um ed enblic^ über bem n&rb(id^en Bleiche mit aQer 9ltad)t {t(^ ent« 
laben ju lafen. !Die2)arfle(Iung ern)e{tert {t(^ be^l^alb l^ier aud^ fogleid^; 
eine Stei^ f)>ecieOer 9Riffet^aten n)irb aufgejd^it unb biefen «»erben bie 
göttlichen Sßo^itl^aten aM alter unb neuer d^it entgegen ^e^alten^ 
itamentftd^ bie^ baß ®ott ben ä^raeliten !ßro))^eten a(d Drgane feinet 
SßiUend gefanbt; allein man verwarf unb^erfannte biefe l^eiligen WiAn* 
ner unb gebot il^nen @<^eigen. 2>ie eigenen (Srfal^rungen, bie Üm^i 
im nörblic^en Sieid^e mad^te / fcnb ^ier fc^on berficfft^tigt. !X)al^er folgt 
bann eine furje nac^brucfKd^e ©trafbrolfiung, bie Ä. 3— 4 weiter be* 
grünbet unb beflimmter audgeffil^rt wirb. 

3ebe Sßirfung in ber 993e(t fe^t n&mlid^ eine Urfad^e ^oraud^ wie 

18* 



876 2t^iU «ßertobf- «Jon b» (Sifinb» b. StM^tfinmB m §. «nbe b* 6x1». ' 

t>ur(^ eine Steige )>o)>itI5rei: Seifpiele gejetgt mirb* @o ifl aut^ bad Stuf« 
treten eined $ro))^eten nic^t )uf&II{g unb ^dngt ni(^t t)on feinem Seite« 
ben a6 , fonbern ifi in ®ött fetbji flegrünbet ; benn bi^fer t^ut nid^td, 
oftne e^ guöor feinen IDienern, ben ^ßrop^eten ju offenbaren» Dann aber 
fann ber $ropl(iet ba^ innerli<l^ \)ernommene ®ottedn>ort ni(^t iut&df)aU 
ten, fonbern mup e6 mit unbiberfiel^Iic^er ®maU »erffinben : 

fficnn bet 8ött>e bruirt, 

SBet foUte fid^ ni^t fuvc^ten ? 
SBcnn @ott ber $err tcbct, 

Set foUte nt^t tDetpagen? ^. 3, 8. 

©0 fami auc^ 8lmo6 wegen ber offenbaren ©ünbeti 3^raeW , bic 
er mit ben entfpred^enben ©trafen aufjäl^lt/ nic^t f(^\t)eigen, obwohl bad 
SSoIf i^n nii^t ^ören xoxü. 3n ber ^ot, ^eipt e« fpdter M. 8, 11-13, 
tji>er*ben fte umfonft nadi) pxcpf)eix\ijtx Offenbarung unb (Srquidhing ftc^ 
fernen« @ine SRei^e )>on Unglüä^f Allen/ bie®ott bem abtrünnigeuSSolfe 
fanbte^ betolrften feine Umfel^r, tDeö^alb bie leftte unb fiußerjie 3öc^* 
tigung uotwenbig Ifi. (Ä. 4, 6-12.) ©o ftimmt ber 5prop^et bereit« 
ein, Äfagelieb an über ben un^ermeiblic^en Untergang (Ä. 5, 1—3) unb 
fu^t bann nod^ einmal bie 9{ot»enbigfeit beffelben auöfüj^rlid^ ju be* 
grünben unb auf ben einzigen SBeg ber ätettung ^injmoeifen. @d ftnben 
fi(^ l^ier fe^r freifinnige qßgemetne Slu^fprud^e, j. ©♦ über ben Äultud 
unb ba« Djjfertpefen, Ä. 5, 21 ff. 

3äf l^aße; id^ t^erfd^mä^e eure Sefle/ 

@d to)tbem mic^ an eure Sefl))erfammlungeu 5 

3«/ toenn il^r mir audft S3ronbo^>fer bringt; 

@o mag x^ bennodj eure grud^tojjfer nic^t, 

Unb ba6 5Danfo^fer eurer fD'^aflfälber fel^ id^ nid^t an. 

(Entferne ))on mir ben 8&rm beinet lieber 1 

^^ ®pxtl betner Warfen mag id^ ntd^t l^ten, 

©onbem e^ firöme toie Saper bad fftiä^t, 

Unb ®ered^tigfeit tt)ie ein un)>erf{eg6arer ^a^ l 

SBefonberd em))ffnb(i(!^ n^irb bie forglofen ©(]^t)>e(ger in ©amarien unb 
3erufa(em bie 3u(^tigung treffen ; fte v^erben tl^eitö gefangen f ortgefui^rt 
n>erben , t^eitö buri^ $efl unb anbere ©eu^en untergel^en* Denn bie 
fittlt(^e äBeltorbnung f ann man uic^t ungefiraft umf eieren / fo n)enig aü 
bie Orbnung ber Statur* 3n biefem ©inne fragt er in f))r{(l^n)öct(i(i^er 
9iebe6, 12: 

«^Sie? laufen benn f^v/^t aufhelfen, 
Dber ^pgt man mit Stieren ba^ SHett, *) 

1) $ie IBcrte finb abjnt^eilen &; -igä? ^mtal ber ^vix(A er^ fe^r fp&t i^orfommt«. 



QtbtUet %6f(^m fß. 850— 6S0# 3)le ttnjelncn ^tepfftim. %mod. 2T7 

" Unb in S^emtut bte gtti^t bec (S^eted^tigfett?'' 

9(($ $ro6e tl^eile id) bie erfteu beiben efnieitenben Sta)piUl mit. 

Aap. 1 — 2. 

JDvol^ung etned (Stcafgertti^t6 übet alte umSdcael ^etumliegenben 

Äänbet* 

S3on Bion an6 toitb bonn'em bet $ert 2 

Unb au« 3cwifalem feine @timme ertönen lagen 5 
IDa n)elfen bann bie 9(uen bet «Ritten 
Unb e0 )>etbctti be« ^atmel« ^ati^t« 



1.- 
®o f^tidftt ber $m : 3 

SDh bteiet SRiffetl^aten ))on^ama«fu</ 
3a ob bet ))iet ne(;m* i(i9 ntd^f )ntü(f : 
SDeil fie jetmalmten mit eifeitf)(^liitm (BxUah. 
<So XotxV x^ %eutt entfenben in (Sl^afoele ^üi, 4 

Unb ba6 toitb fteßen ^ent^ab^b« $atöfle. 

tlnb bte^en n>erb* i^ IDanta^fud* StiegeC 5 

Unb tilgen bie ^elool^net au« bem ^nntnifjaU, 
2)en ^ce^tetl^altet au« bem «gaufe )>on @ben/ 
Unb fottn^anbetn n)itb 9iram*d ^ol! na(^ ^it^ \pxiä}i bet.^ett* 

@o ft)tid^t bet J&ett : 6 

Db bteiet aOtiffet^aten (^(^^a'^, 
3a cb bet ^ux ne^m* i^d nici^t }utttä: 
äBeil fte eine [))oraud] beja^lte^) ©efangenfd^aft fottgefü^tt/ 
Um fte )tt übetliefetn an $bcm. 

@o toetb* idb Seuet entfenben in Qiciia*e Tlautx, 7 

Unb ba« n){tb ftefen feine $ta(i6tgeb&ube* 

Unb iäf «ettilge bie f&mof)ntx aul ^ß\>Q^, 8 

^en ©ce^tetl^altet an« 9(«faTon ) 
Unb tt)enben n^erb* td^ meine $anb gegen Sfton/ 
Unb fo loitb untetgel^n bet 9lefl bet ^^tlifler, fVtid^t ®ott, bet $ett. 



1) JDie geloöl^nUt^e Öbetfe^ung »on rnzhiö n^^A butdj; eine »oUjol^Uge ®e* 
fangenfd^aft^ befangene in toKetSal^i/ i|l fd^lvetttd^ tid^tg. ®ntmebet l^at ba« 
Stbj* ]§iet bie 53ebeutung : beg a^U; (vgi. 3ef. l , 23) obet beget ift ba« ^att. rfahy 

gu lefen. Su t^etgleid^en iß ba« Sttab. JU ein ä3etttag ; tooaad^ eine f))ätet etfi gu 

liefetnbe ©ad^e »etfanft unb öotanöbeja^U foitb. IDie $l^iUilet in ®aja Rotten atfo »on 
ben (Sbomitetn füt eine beftimmte SCngal^l ^on ^fioüoen ba« ®elb fd^bn etl^alten unb 
fud^ten bann l^intetl^et fo Mtx l^abl^afi |u loetben. ^ie Satbatei eine^ fold^en Tlens 
fdftenjagb muf te ben l^ö^flen 9(bfd^en ettegen« üflwc fo er!(&tt ftd^ bie Eingabe, bag man 
biefe befangenen in bet $(bfid^t mad^te; um fle an (Sbom gu tibetliefetn» SSgU SB* 9. 



eis Qwtii» Ißeriobe* Sßon b. (St&nh. M Stink^f^. btd §* (Snbe M QxOB. 

D( breier aniffetl^aieK von 1 9 r u , 

3a ob b'er vier nt^rxC i(^6 nt^ft gurud/ 

äBeil eine bega^lte ©efangenfd^afi 

@te überlieferten an (Sbom^ 

Unb nid^t gebati^ien an ben tSruberBunb« *) 

@o toerb' iüi gener entfenben in J^^m«' SWaner, ^ 10 

Unb ba0 n>irb frepen feine $rad^igebänbe* 

4* 

@o fpridji b<r ^err : 11 

Ob breier S^iffetl^aten von (3b m , 
3a ob ber vier nel^m* id^d nid^t )urä(f/ 
SBeil mit bem ©(^koert e« feinen S3tiAet «erfolgte, 
3nbem e6 fein a^itgefü^I erflitfte, 
60 baß beflänbig xavlbi fein Som 
Unb etoig auf ber Saner iß fein iSrimm« 

@o tverb* id^ gener entfenben in Xeman, is 

Unb bad tvirb frepen ISBojra*^ $rad^igeb&abe» 

€0 l^riti^t ber ^err : 1» 

Ob breier SVliffetl^aten ber @d^ne $[mmond / 
3a ob ber vier ne'^m* i(^d nid^t yxx&ü, 
9Beit {!e bie Gd^tvangem ©ileabd aufgefd^Ii^t/ 
Um jn ertveitem il^re ®r&n}e» 

60 toerb' idb geuer entfenben in Slabba*^ Sflaner^ 14 

Unb bad toirb fref en feine ^radbtgebänbf; 
Set JWeg«gefdJrei <m Jtag bed Äam^fe«, 
S9ei @turm am 3:ag bed Ungelvitter^* 

S)ann ivanbert t^t Äöntg in ®ef«ugettf<6<ifl, 15 

Gr nnb feine gürflen gufammt, ft)ri<^t ber <^err* 

6* 
®o fi>rid(t ber ^err : A. £/ 1- 

Ob breier Wtx^tiljCiUxk 19t a b ^ , 
3a ob ber )>ier nel^m* idbd nic^t gnrüdf; 
SBeil ed jn Jtal! verbrannte bie (Sebeine be« Jtdnigd Von (Sbom ; 
So toerb' idj geuer entfenben in SWoab 2 

Unb bad tvitb fref en bie $rad6tgeb&ube Jterffot0/ 
Unb nnterge^n tvirb SDl^oab im ©etftmmet; 
IBei ®d(f(a4tmf; M ^ofannml^aK} 

Unb tilgen tverb* i« ben 9tidbter an« feiner ai^itte s 

Unb an feine gürßen ertonrgen mit il^m, f^ridbt ber $err. 



1) $^ 1 StH. 9; 13. 26, ^% {f. 



@o f^tk^t beeren: 4 

Ob breiet !0l{ff et|<itett 3 u b a * « ; 
3a ob bec Dtev nel^m* x^i nt^t §wrft(f, 
äBeil jte verfd^m&l^ten bte IBcl^re b€l ^mn 
Unb nici^t l^ielieit feine ®efe)^e; 
, <So ba^ fie irregeleitet »tttben «on i^ren (S^d^en, 
teilen i^e Sätet fd^OH naci^gekoaiibelt« 

@o n>etb* id^ Seuev entfenbeit in 3uba 5 

Unb bad n)itb fceßen 3enifalem6 ^ra^tgeb&ube. 

8. 
®o f^rid^i ber «Cevt : c 

JD6 bveiec SRiffeil^aien 3 9 1 a e 1 , 
3a ob ber »ier sd^m* iüe nidbt ^utiuf^ 
^eil fle nm eine« ^ilberling« ttiOen beit i»tKt4ßita i^eitoptdi/ 
^en ^utftigen um. ein $aar ®dbul^ ; 

@ie, bie ba l^intoünfd^en QIrbflaub auf^ $au))t ber ©ebeugten, 7 

tlnb bie ben iSDeg ber IDitlber frnmnten ; 
tinb ©ol^tt ttflb Sater gel^ ju ber IDime^ 
Um §11 cnttDei^en ineinfn ^^%m Stumnu 

' Ab<r 9f«^9^ftiib^r lofen fie $ 

Sieben It^li^tm ^Uax, 
. Unb ben^ SBein ber ® eftraften 
Xrinfen fte im «i^anfe il^retf ®otte0» 

Uttb Sä} boti^ fänte bm (Smoriter »or i^nen l^er, » 

. 3l^n/ ber l^oci^ toar toie Bebem 
Unb gekoaltig toie bie Qi^tn $ 
ä^ fÄlite feine gruc^t »on eben 
Hub feine ^iii^ete )>Qn untett« 

Unb i(| boiib f"^ ntd^ l^uf an« iL^^^ipimltM^ lo 

Unb leitete eucib in ber i9Q3uile tuer^ig 3al^r, 

3tt erben ba^ £anb be6 (Smoriterd* 

3<^ erb)e<fte mond^^ ^on enven ©dienen gu ^o)}l^eten ii 

Hub matK^e «Ott empeii 3itngrmgett }n 4tett>ei^ten t 

3t il»a anci bief md^ % <S$|ne Sarael^ ? ft^ridbi bei: im* 

ipodb bU (Skto^ü^ten trAnüet Vfyc mU ^ein u 

Unb ben $ro))]^ei<ii befal^U i^v il^eiig; »i^r fottt nt(^t reben l'' 

IL 

®Uh nieberbrüifen toiK id^ eudb^ * u 

6o tote ber Sagen brüdft; ber garbenooHe.; 

^a toirb bann fd^n)inben bie Snfiitd^t bem @<^nef(en 14 

Uttb ber ^tarfe toirb ni(^ on^rengen feine Jtraft/ 

Unb bet ^elb niAt ntit«n fein Seben* 



^et Qdogenfäl^rer toicb nid^t @ianb Italien lö 

Unb ber ©(i^neafägige tvirb [{!((] ntd^t tcttett, 

Unb ber lÄoffereltcr toirb ni^t rctteti fein 8«ben, 

tlnb xott ^ flarf fül^U unter ben gelben 16 

^adt loirb er f[ie^n an lenem Xa^t, fpri^t ber ^erc« 



, 3)cr jtt)eite^auj)tt^eUÄ. 7—9, 6 tfi flcfc^id^tlii^ m\> erMutert 
bie )ufammenl^&ngent)e 2)arßeIIung bed erßen 2;^eild. SImoe erjäl^U au« 
nfic^fi, tt)fe er {m nörblfd^en 9?ei(^e tt)irfli<^ gcfpro^en, nÄmlic^ fn fBU 
jionen, bie inpufenn>eifem gortf(^ritt bie Sttotwenblgfeft ber Strafe unb 
be6 Untergang« fijmboUf(^ barfietlen. a)ann era%(t er, tt>fc e« i^m (elbjl 
gu SBetel ergieng/ji^ie ber bortige $riej)er tl^m ®(^n)ei0en gelot unb a(d 
^ufrül^rer bed 8anbe6 t)em)ie6 , tt>f e er ober babur(^ nic^t geftl^red t , nur 
nod^ unumwunbener ben naiven Untergang beö 9?elc^e6 verfünbigte unb 
burc^ eine neue SSirton (Ä. 8, 1—3) beseitigte. 2)iefe SSifion ifl \m bie 
frühere mel^r eine fijmbolifc^e , tJotbilüIicJjeSJarPeUung, wobei ed fid) 
befonbera um ein SBortfpiel jmifc^en kat« reife« Db fl unb k^z Snb e, 
l^anbelt. Um <e nac^jubilben fefre ic^ ein beftimmte« Dbfl, nfim(i(^ 
a^f el bafür. 2)ie Steife jum Untergange (oU bamit bejei<^net fein* 

@o lief ntid^ feigen ©Ott ber $err; ' 

Unb fiel^e bo : ein SLoxh mit Ä^>f ein ! 

Unb et fprad^ : toa^ fte^ bU; Simod? 

S)o f>)ra(^ ic^ ; einen Stoxh mit Ä^> f elm 

Unb e6 ft)radj )u mir ber $err { 

dtdf §um 9C b f a r t en ijl mein 95otf 3«rael, 

9lid6t ferner totvV i^ i^m t)er|ei^cn« 

5Da Serben bann iammem bie lieber bed fßalafied 

^n jenem Slage, f^rid^t (Stüit ber ^err; 

^iel it\ä}tn (%ibt6), bie man uberaU ^iU l^ingetoj^rfm. 

SWit biefen SBorten »erließ ber ?ßro))]^et offenbar, ba« ?ärtb unb Inüpfte 
in ber fci^riftlic^en Bearbeitung bie folgenbe auöfü^rlici^e 0iebe baran. 
3um legten 3Jlak ruft er bem fönbigen 93oIfe }U/ bie audgefproi^ene 
!Dro^ung )u bel^ergigen. ll>ie 9?atur fetbfi muß fxd) enq>dten über bie 
©^led)tigfelt ber üMenft^en / über- bie UmTel^rung aller re^Kic^en unb 
fittlid^en Orbnung unb wirb unter furd^tbaren 5pi^änomenert/ unter Srb* 
beben unb @onnent)erftnf}erung ben großen ®eri(^t«tag anfänbigen. 
Die ^auptfünbe be« SBoIfe« ift ber 9?citurbicnfl, bie Slbgotterei, unb bie 
ift ber eigentlid^e Orunb feine« Untergang«. JDiefer wirb in einer fünf* 
ten SSifton t)on 9lmo« nun fo t>orgefiteQt , baß ®ott ben «^aiiptaltar in 
Setel gerfc^iagen unb bon ben Strammem beffelben bie bort «erfammelte 



QtotiUt aiifd^n* 93« 850—650* IDic eitt§e(nen ^o))]^dfn. 9mo«* 281 



trenlofe (Bemeinbe }etf(^niettert tottUn Idft. • jl. 9/ 1—6* S)enfe(6en 
©ebanfen bnitft f))Ater 9{al^um 1/ 14 fo aiid / ba^ SRintoe mit unb bur(^ 
feine ®ö^enbUber untergel^en n)erbe ; fie foUen fein @xab n)etben* ä^n< 
Ii(^ and; 3efaia, l, ai* 

9{a(^betn S(mod in biefen beiben ll^eilen alle 93etf el^rtl^eiten 3^raeM 
fd^onung^tod aufgebedt unb bem SBoIfe feine fittüc^e 8(ufgabe oftmaU 
loorge^alten unb bann flejeigt l^atte, n>ie buti^ bie göttliche Strafgered^* 
tigfeit ber gegentt>&ttige t)erbec6te Suftanb aufgel(|obfn koeiben mäfe, fo 
fommt enb(t(^ auc^ bad britte äRoment ber . ^ropl^eiifc^eR !Dia(eftt{ ju 
feinem Steckte: bie Sierfol^nung, bie äBiebergebitrt aus bem Untergange* 
— 3m t)iefer legten SluöfK^t, tt)el(^e ben ibealen ^intergmnb aller 
!Dro^ungen bilbet/ ba^nt jtd) 9(mo6 burd) eine gefd^i^tli^e Betrachtung 
ben Übergang/ inbem er tl^eild auf bie göttliche Leitung fogat im @(^id« 
fal. I^eibnifc^er SBölfer l()intt)eiji, (bie alfo bei bem au^erwfi^lten Sunbe^« 
»olfe um fo jtc^erer eintreffen tt)irb,) t^eitd, inbem er an bie eigene @r* 
fa^rung 3^raeld in äg9))ten erinnert* Sßie bamald , fo n)irb e^ au(^ 
fünftig aud ber 9{ot ju neuem ®(äde geführt n)erben* 92ur bad €(!^led^te 
foQ bernic^tet unb iae ganjeSolf auf bieälrt geliutert n}erben* St. 9, 9 f« 



S)tnn itf)t, SBefel^I toerb* td^ geben 

Unb n)etbe fd^ätteln unter all bie iBdlfer 

S)a6 $aud S^tael/ 

@o toie man fd^ntfelt mit bem @{ebe; 

JDl^ne baf ein ^om jnt (Sibe f&Ht* 

S)nt(i6« S^roert koerben flerben 

$((Ie ©ünbev meinet 93oIfed/ 

IDie ba fagen : nid^t nal^et 

tUib nid^t fallet und ba6 Ungläd« 

$(n jenem Itage ti^te x^ anf 

S)ie ^ütte ^amb6, bie gefunfenf/ 

Unb n)erbe ummauern i^re [Ripe 

Unb vid^te il^te Srfimmer toieber auf. 

Unb ioerbe fie bauen loie in ber Urzeit S^agen, 

Slttf baf fie erben ben Utt^ dbomd 

UnballbieO^Ifer, 

Über bie genannt iDorben mein 9)ame, 

^pxiä^t ber ^err; ber bieß tl^ut* 



&ef}, Sagen>erben!ommen; fprid^tber^err, 

a)a rcil^t fiti^ ber ?f[äger 

9n ben ^äfnittn, 

Unb ber J^raubenf eiterer 

5ln ben ^amenfheuer* 

IDa toerben tr&ufeln bie Serge von SRofI/ 

Unb aUe ^ögel n)erben jerflieflen 5 

Unb tüenben toerb* icib bie ©efangenfd^aft 

a^ein^d Solfe« 30rael* . 

$)ann »erben jle bauen \)erßbete ©täbte 
Unb toerben fie Betool^nen 3 
Sterben Sßeinberge ^{tanjen 
Unb trtnfen il^ren SffieiU/ 
©erben ©arten anlegen 
Unb i^re grud^t \)erjeljren* 
3äf !a>txU fie feft ^flanjen in il^r 8anb/ 
Unb nid^t nod$ einmal tterben {!e lo^gerif en 
$(ttd i^rem Sanbe, ba« id^ il^nen gegeben, 
&pnä)t ber ^err; bein <$ott* 

Die ganje ©d^rift be6 Slmo« jeigt eine funflöotle, i)lanmfipige Sin* 
orbnung/ n)obei man aber eine ßreng logifd^e ®ebanfenentn)idlung nid^t 
fud^en barf* !Die 9iebe ifl n>ie bei allen ^ixop\)ekn burd^au^ ))o))uldr 
unb bid()terifd() gehalten / unb bewegt ftd^ oft in li;rif(^en Sprüngen/ ob« 



BtDfite ^eriebe* fSm t>» 9rtinb« bed it6iiisil^. Btd |» (Silbe M Qtxüi. 

n)o]^( fte ber %oxm na<Si f onß f (ai nnb tnl^ig / ))oS r^torifi^t Sreite^ 
gleic^fJimig unb fel^r tegelmd^fg ifi* !Die einfädle Unb{^e tRatnr , in 
Wiener 8m0^ lebte / f)>iegelt ftd^ in feiner ganzen ®^rift ab tmb l&at il^t 
ein e{gentpm(i(^e6/ frifd^ed unb farbiged ®e))räge gegeben» .^in an« 
berer $ro))l^et ^at fo ))ieie 93i(ber aue best Sanblebett. ^lantentUd^ be« 
f(6reibt er gern bie ÜHaijt unb (Srl^abeiil^eit ®otted bitr^ @(^ilberung 
t>0n 9{aturerf(^einungen / bie auf Seute einfad^en Sinnet immer unb 
fiberaD tine bebeutenbe Sßirfung au6ä6en. Slu<^ ber Scxän ifl reid^f 
baran. 3)a!^iii gel^irt ). Sd. Sbnod 4, 13 : 

S)enn fiel^e^ bn ba Bitbet bie SBerge 
Unb brr bti fc^aft ben d&inb^ 
^ec ba fttttb t^ut bem SP*lenfd|^en/ 
SDad fein «Sinnen ift, 
IDer bie !0lorgenrdte (fnjier ma(i^t 
' Unb ftijreftet über bie ^ö^enbetiSrbcj 

9>efr 9{«me ifl ber ^etV; ber ®9tt bet ^etfd^aaten* 

s5^nU(^Ä. 5, 8-10: 

fDet ba fd^afft ba^ ^iebeugeflitn nnb ben Dnon/ 
IDet bie 9in|leniid in Wtox^tnli^i «enocmbelt 
Unb ben Sag gut 9{a<i(ii vetböfiert/ 
3)e¥ ba l^ecbetruft bie äBager be« Tkne 
. Unb fte on^giept nhet bie Släd^e ber Gcbe^ 
S)er ^erl^^emng l^eretnbred^en laji über S^e^/ 
@o baf SerfliSrnng über bie Seflung Unmd : 
3)ef JJlame ifl ber ^err, 

gerner gel^ören bal^in bie Silber, mit benen er ben grofen ®eri(^tötag 
anfünbigt .unb ausmalt J» S. Jf. 8, 7 ff* 

(Slef4ttx)ren l^ot ber ^etr bei bem Öbermnte 3afob0 : . 

ffiol^rliit ! nie ioxrb' i^ »ergef en all i^re S^^at^n l 

3ßuf ni^t J^ieruber bie Ckbe erjttiem 

Unb J^intoelfen Seber, ber anf i^r too^nt? 

@o bap fte auff^loiUt ipie ber 92il, fk ganj, 

Unb aufgeb)UJ^tt loirb nnb ftd^ (enft tote ber m ^g^ptm^') 

Unb bann an jenem ^e, f^ri(bt ®oü ber ^err« 
^4 Üag* i^ nniergeln bie <^onne am a)>littage 
Unb berfbi^ bet drbe am Sage baa 2\<ifi 5 
3<i^ l^erioanble eure Se^e in Srauer 
Unb aO eure !?ieber in SBe^flage, 



t) (Semeint ifll^iermii, tt)ieJt9, 5 geigt, ein (Srbbeben, tocM ber^obenfldj 
fenTt nnb ^cbt nnb eine toellenförmige öetoegnng madjt. ©gl. ^nmbolb*« Äolmo« I. 



dteeiter 96f(l§ii. S. 850-^650. 3)ie rmjelntn $ro)7]6dffi. 3Uito0* 

9uf alle Ruften (diig* i^ cm.SIrauecgeioaiib «^ 

Unb eine ®Ia|e auf jegli^ ^au'pt^y 
S^ mad^e fte (bie Jtlage) toie ^rauev um ben eingtgen ®cl^tt 
Unb ba^ (Snbe ba))on toie einen Bütten Sag* 

^ief), Xa^t n)etben fommen^ n)ci$t (ioit bev 4<tr, 
^a tDerb* i^ einen ^un^er fenben ind 8anb : 
, 92i(^t junget nad^ f8xe\>, rnib nid^t ^uvfi uad^ 9Baf er^ 
^onbettt )u ^örett bt« SBott« be< ^emt* 
2)ann toetben fte koanfen »on Sfteer ^u Tita, 
Unb t)om 92otben gum Dflen, 
9lennenb, nm gu fud^en 
2)ad Sott bed ^ettn^ 
i Unb n>etbm0 nid^t fmben* 

9ln jenem ICa^e H>etben ol^nm&t^tig wetben 
S)ie fd^i^nen Suitgftaittn nnb bie SüngUnge ^ot ^utft, 
&e, bie ba \6fMxen Ui bem (Sid^en ^amatten«^ 
'Unb fagen : beim geben beined ®eiUi, o ^an ! 
Unb Beim geben beine« ©eliebten»)^ o 93eetfebo! 
®ie toetben faUen nnb nid^t toieber auffielen. 

3)a« fltof e ©cric^t fc^fftert er fo, «• 9, 2 ff. : 

9lt(^t toitb entßiel^en ton il^nen ein (Sntftiel^enbet 

Unb nid^t {!d& vetteit t)oii il^nen ein Clnttinitenbet^ 

Sßenn fte einbved^en in bie Uniettoelt, 

ffioit bott toitb meine «^nb fte n^mm, 

Unb toenn fte fleigen gum ^immel/ 

S3on bott teeib* id^ fte flntgen j 

lOetfteden f{e fid^ auf bem ®{pftl be« Jtarmel, 

iBon bott toetb* id^, etf^^t, fle ivegnel^men ; 

Unb »etbetgen f!e ftd^ ^ox meinen Slugett im 9(bgi»nb be6 Sftttti, . 

S3ott bott teitb auf meinen Sefe^l bie ^d^Iange fle fortbeifen^ 

Uttb loanbetn f{e in bie ©efongenfd^aft tot il^ten Seinben ^et, 

IBon bott toitb auf meinen ^efel^l ba6 ^d^ttett fle toegmoxbKn» 

Sä) tidftte meine Slugen auf fte 
3um Söfen unb nf d^t inm ®uten ] 
S)enn bet ^ttt, bet (Sott ber ^eetfdlaaten^ 
(8t IDitb antü^ten bie (Stbe, baf fie toanft/ 
@o bafi l^inkoetf^n ade; bie auf il^t tool^neit/ 
Unb fle auffd^toitit koie bet 9li(; fte gan|; 
Unb fldj fenft^ie bet ^xl Äg^V**«^ * 
Ott, bet ba baut im ^immel feine ®6ilet 
Unb feine 9eße öbet bet CItbe gegtünb«t l^oi^ 



1) ^"n-t aId!föcg^90anbe-t/SS3eife/ tom ^itltud gu tetfte^n, toid bod^ nid^t 
gaffen unb fommt fonfl nie fo tot« ^ieUeid^t ifi r mie fo oft ftit d tetfdiftieben unb '^']'i 
bein gteunb, bein (ieliebtet/ b. i« mit, )tt lefen« Sß^l Sefaja 5, U 



284 Swclte Verlobe» aSon b. ©runb. b. Jt&nigt^. bid jttm (Snbe b. (Srite. 

'^JDer ba herbeiruft bie ®a{ler be^ SReer« 
Unb fie ausgießt über bte %\ciä)t ber (Srbe^ 
(Sr, befT 9lame ber ^en ifl. 

Sin 9(mo^ fd^üept ftc^ ber 3^ii nad^ 

@i tebet tt)ie ^mod übet baa norbtid^e Steic^/ jebod^/ n)ie au6 ben 
gef(!^i(l^t({(^en Slnbeutungen l^ert) orgelt > um einige 3a^r)el^nte f))Ater* 
3)a6 (Snbe ber Regierung 3erobeamö II. (784), fo tt)ie ber anard^ifc^c 
3uflanb, ber noc^ feinem lobe über 10 Saläre fang ben Staat jerriittete, 
bilben ben gefc^id^tlic^en ^intergrunb biefer ©d^rift» 3tadi biefem 3ns 
terregnum n)urbe enbli(^ Serobeamd €o^n / @ad)axia, ^ontg; aber 
fd^on naii 6 5!Wonaten t)on ©d^allum getöbtet» 2)iefer regierte einen 
SDlonat lang unb fiel tt)ieber bur^ ÜR en a ^ em, 77L 3u Riefen polttl« 
fc^en Umn)fil)ungen gefeilte ftc^ allgemeiner ^S^enbienß unb Sä^tütU 
gerei, 8ug unb Irug, üRorb unb !Diebftal^l, fünblic^e ©elbjifuc^t ber 
$rtefler unb Ungered^tigfett ber fRii)Ux, unb namentlid^ eine unHuge 
Sul^leret um frembc »ünbniffe tl^eil« mit Sigi?))ten, tl^efl« mit'Slff^rien. 

Slud ber ganjen @d^rift ^efea'd gen)innt m^ t^ie Überjeugung/ ba^ 
er ein Sürger be6 norblic^en 9lei^6 genjefen fein mu| ; fein ganjer ©il« 
berfreid ifi bal^er entlel^nt n>ie im «^ol^enliebe ; bort iji er fiberall t)ertraut 
mit ben j6rtlid&f eiten , mit ber ®ef(^icl)te unb allen ©(^idffafen bea SBol« 
U». aSgl. Ä. 5, 1. 6, 8—10, 12, 12* SBie 8lmo6, fo erwähnt er in 
ber f(^r{ftlid^en IDarfiellung aud^ 3uba beiläufig./ aber mit ftc^tbarer 
93orlie6e unb l[)offt eine SSereinigung bed getrennten 9tel(^ed unter @inem 
S)ablbiben; beöl^alb ifi eö wenig auffötfenb/ ibenn er bei ber legten mef» 
jianifc^en Sluöfic^t Ä* 14 3uba nid^t befonberö anführt, ba feine ©(ftrift 
pndc^fl allerbingd bie ^eidofen 3uftänbe 3^raeld , b« i. bed norblic^en 
9ieic^e6 ))or ^ugen l^at unb ffir bie borttgen @tammgenopen bed $ro« 
pl^eten red^t etgenttid(| ^efc^rieben ifU £)a)u tommt, bap er ben i^raeliti^ 
fc^en ^önig ,,un fern «Ronig' nennt, X. 7, 5. Sluferbem betrachtet et 
an meieren ©teilen nod) Setel ald l^eitige ^ultu6ftdtte. 98ie 9lmo6 
\)kx feine ©trafreben l^ielt unb beö^alb »erfolgt tt)urbe, fo n>lrb aud^ 
.^ofea l^ier am ^äufigjien aufgetreten fein unb ern>ä]^nt e6 bal^er neben 
©amarien fel^r oft. Sr fagt Ä. 9, 8 : 

Qin 9(uf(aurrr ifi Cl f r a i m gegen meinen ® ott ; 

IDer $ro))]^et -- be6 SBogelfteHer« 9lej^ 

3^ auf all feinen ffiegen, 

$eimli<^e Olad^ftenung ifi int $ auf e feine0*(9otte«. 



3t9ritfv 3(6f^n» S« 850— 650. KDif riitirfmit $to)7]^ften» «f^ofea. 285 

3)ie^ ®otted]^attd, t)>o Sftaim ben ^rop^eten ))etfoIgt/ fahn itaHir« 
H^ nic^t ber Ztm)ßtl in Senifalem feiti/ fonbern ein «^eiligt^um im 
norblid^en Steic^e^ n>ofe(6f) er rebete; ed fann nut 9ete( fein/ ba6 er 
ni^t mit einem bittern Sßortfpiele 9etät)en (@änbenl^aud) nennt/ t9ie 
fonf}/ fonbern umfc^reibenb Set^eiol^im* 3)enn bief «^eiligtl^um u>ar ja 
nod^ immer bem3al^))e geweift/ o6n)o^l er bort untoärbiger Sßeife 
unter einem @tierbi(be ^tttf)tt vonxU unb mit bem (ebenjeugenben Saal 
}ufammenfte(. Jt. 2, 18« @benfo (ipt ^ofea 9, 12 bie JtuHudfldtte in 
®i(gol t)on ®ott felb ji ^m e i n ^ a n 6* nennen :^ 

m if^x I93dfe9 in ®U0a( - 

äa bort l^afe id^ ffe 1 

SDegen ber 3o0](iett t^cet Saaten 

9BiU id^ {!e vertreiben avLi meinem {^aufe, 

SQBiH nit^t ferner fie lieben; 

m(il^rc«crtreterj!nb53err&ter* 

(gnblid^ l^eif t eö fogar «• 12, 5, mit »firffid^t auf bie ®age \>on Safob : 

3u $ e t el m5ge er und ftnben 
Unb bort mit und reben ! 

gerner gel^ören ^iel^er folgenbe Stellen: Ä. 8/ 1: 

$(n beinen ©aumen [fe^*] bie $ofaune : 

^SBie ber «bler [fd?to)ebt e«] über 3aW^ «öftttf« J" 

ndmtic^ SJerberben bro^enb/ 

9Bei( fie braci^en meinen 99ttnb 

Unb an meiner Seigre treulcd tourben* 

35eö]^alb foHen jie in« dril hmmm, voo fte i^re entweihten gefie nid^t 
mel^r feiern fonnen. Ä* 9, 3 ff» 

®ie n^erben niti^t n)o^nen im !Banbe bed ^errn, 
€onbem umfel^ren loirb Qfraim na^ ^g^))ten/ 
Unb in Kff^den toerben fie Unreines epen* 
Stielet toerben fie au6gief en 0Bein für ben $erm 
Unb il^re Opftx toerben i^xa nic^t gefallen ; 
9Bie llraueiBrob toirb i^nen fein [bad ^ü%] 
$lUe bie e6 epen ^verunreinigen jic!^ 5 
3a il^r ©rob i^ nur für jle felbft, 
^{{(^ttoirb t€ fommenin3a]^oe*6 ^a»«» 
0Bad toollt il^r tl^un am Sage ber Seier, 
Unb am Seßtage bed {^enn? 

(Sin Surger 3^ba'd Mtte über Setel u. f. U). ni(^t fo fc^reiben fonnen/ 
loielmeldr folgt gerabe ^ieraud entfc^eibenb / baf «&;ofea ein @ingebomer 
bed ndrb liefen 9tei(^e^ toat unb bed^alb aud^ Ifiier mit feiner ganjen 
$erf5nli(l^feit atf^mU ßbenfo toeifi il^n fein )>ro))l^ettf(^er df^ataUtt, 



286 äfodk $eriobf « SSon b. drfinb. b. Mnigt^um^ 6tf )* Oiibe b. QhAli. 

wie xolt f))Ater feigen n)eiben ^ tn ba6 Storbreic^«^ — 9ßenn ober @n>alb 
\>nmntet, ba^ et f))&ter {i(^ na(^ 3uba begeben. unb |^{er fein 9ii(^ t)ec« 
fa^tj^abe/ fd if} ba^ eine unemet^lic^e <&9))ot^efe/ bie and Jt. 5, 8 f.^ 
tioie man bie 9Botte auc^ benten mag/ nic^t im minbeßen gefolgert n)er« 
ben barf. 9ßenn «^ofea ferner ^.1/7 auf 3uba nod^ <&offnnhg fe^t 
tDdl^renb ed fpAter ebenfalls a(d abti:unnig unb ßrafwnrbig bargeßeQt 
n>irb/ fo brandete «^ofea gen^if ni(^t in 3uba anmefenb ju fein/ nm t>on 
fold^en Sünben ft^ }u uber)engen. @r n>irb bod bortige Seben auä) aui 
ber Serne genau verfolgt f)aben, fo n>ie umgefe^rt Smo6 bieSRingel 
bed nörblic^en Sieid^ed fannte/ ol^ne ba§ er bort ju ^au6 n>ar. — @iner 
a))ofri^^)^ifd^en ©/ige infolge foll .^ofea im Stamme 3iffafar geboren 
unb begraben fein, (SBgL Pseudoepiphanius; opp. II. p. 244.) ^nU6 
mx^ man fonfi n{d)td ©efc^td^tüc^ed über fein Seben unb Sßirfen. fftad) 
ber Öberfci^rift feine« Su^e« toat er ber ©o^n bed Seeri, eine« fon(i 
>oDig unbefannten SÄanne«* — 

3)ie ©c^rlft be« ^o^ea, tt)el(l&e bie ju bcrf^^iebenen ^tiUn auöge^ 
fprod^enen ©runbgebanfen bed ^ropl^eten in ein S^otaibilb iufammenge^ 
jogen unb in freier SBeife rej)robucirt ^at, jerfdflt in jwei \^auj)tt^eile : 
Ä, 1—2 u- Ä* 3—14. !Dabei ^at bie iDarfiellung ^a« gigent^ümlicl)e, 
baf iebcr biefer jwei S^^eile bur<^ eine f^mbolifd^e ober ane9otif(^e 2)ar* 
fiedung eingeleitet wirb; Unri^lig faf en bie meiflen $lu«(eger / auf er 
©oalb/ Ä, 1—3 aW erflen a;^eiL 3n ber Sfllegorie toirb atlerbing« nur 
bie ^auptfünbe 3«welö/ bie Slbgötterei, bargeßellt; aCe weitern 
©unbeu/ bie fonji genannt werben/ ergeben jtilb etji l()ieraü«^ ?luf erbem 
ifl jwar bie $lQegorie t)oIIfommen beutlic^ unb wirb il^rem ©inne na6) 
fogtei(!^ erHärt. SWein eben fo flar i% baß bie auöfu^rli^e JRebe Ä. 2, 
4—25 an tene« f^mbolifd^e !£^ema ftc^ anf(^(iept unb e« au^fu^rt/ wo^ 
bei ba« 9i(b be« bu^Ierifd^en äBeibe« feßge^alten ift* 2>ie erfte SItlegorie 
iji folgenbe : 

3)a« aSer^ättnl« ®otte« ju ber abtrünnigen ®emeinbe3öraeW wirb 
ftnnbilbli(i^ bargefleDt burc^ bie ßl^e bed ?Propl^eten mit einer Sul^lerin. 
.^ofea muf auf göttlichen Sefel^( ein bu^(erif^e« äßeib nel^men unb 
brei ^urenfinber mit ibr erjeugen. 3)a« foH bebeuten, wie ber ^xopf)tt 
felbfi e« erfldrt: baß 3«tael \)on feinem ®ott unb ^errn abfallen unb 
mit anbern ®6ttern bublen werbe. 3^tte« 9Seib (b. i. bie ®emeine 
3«taet«) gebiert fobann brei ^inber aU äteprdfentanten be« i«rae(itif(^en 
^olfe«/ bie mit 9tamen bon unglüdlid)er fBorbebeutung belegt werben, 
um bQburc^ auf bie ©träfe ffir bie Untreue l^in}uweifen. Stad^ bei dA^^ 
tigung j[ebo(^ wirb fie fid^ befern / unb borauf werben bie 9lam£n ij^tir 



Ungljki^debiittett in anbete t)on frol^etet Sebeutung imtgeküantelt/ «Jtap* 
1—2^ 3« (Sd iß me^r a(a feltfom tmb ))rofaif<l^ ^ n>enn neuecbingd niHl^ 
einige 8u6(eger meinen/ Ui ^xopfftt ^a6e biefe aOegorifd^e SrjAl^hing 
n>ir{(i(l^ barfieOen unb au6fu^ren müßen, ober e^ ^abe iDentgfiend eine 
tcäbe @rfa^rung mit feiner grau beu 9[n(af baju gegeben* 2)er fc^ein« 
bar gan} gefd^id^tUc^e 9tame jened Sffieibed f)at ebenfaOd n>ie bie Stamen 
i^rer Atnber eine f^mbolif^e/ auf Untreue unb ^u^ierei ^imoeifenbe 
Sebeutung. 93gL @)e(^. 23. — IDer ^rcpl^et aber antritt au(^ fonft 
bie Stelle (Sotted, (»^of* 9, 8) ber nad& ber «Hfgorfe ein unttjfirbige« 
SBolf Hebt* Durd^ ba« 95ilb ber (Sf)t mit. einer »ul^Ietin (bie fonft tjer« 
boten n)ar) tritt bie gehörte Sunbe^treue^ bad t(}eofrattf(^ ÜD{idüer^d(t« 
nid 3öraet« ju feinem ®otte rec^t anfc^aulid^ ffn\>tx. — Auf bief t)or« 
bilblic^e S^ema folgt bann if* 2, 4—25 eine gufammenl^dngenbe 3iebe, 
bie mit A. 1 ein abgefc^Iopened ®ansed biibet* !Die einzelnen ®(ieber 
ber ®emeine \oexitn aufgeforbert / ftc^ gegen ben allgemeinen Strom )u 
fefiren unb baburc^ eine Sefe^rung beffelben )u ben>irfen* !Die 93u]^lerei, 
b* i. aibgitterei wirb ®ott l^art befhafen.unb babur(^ bad SBolf }ur Um* 
fefir amingen* 3>arauf bie Sudftc^t in eine bef ere 3uhinf<» 

a) 2>adf)^mbolif(^e!£^ema^a^ 1^ 2 bid A* 2, 3* 

2* 3m Einfang/ al6 ber <^err mit «^ofea rebete^ ba \pxai) ber <^err 
JU ^ofea : 

«,®e^, nimm bir ein IBu^ltoetB unb 9ttl^(eiifinber ! 
IDenn ti hn^i ba« 2anb; «om ^crm abgetoi((irn*^ 

3» Da gieng er unb na^m bie ® omer, Sat-DibUim; unb 
{te xoaxt> f(^U)anger unb gebar i^m einen Sol^n* 

4. 2)a fprac^ ber ^err ju i^m: »nenne feinen »amen 3igreei! 

3)enn nad^ furjer Seit, ba »erb i<^ ^eimfu^en ba« SBIut Don SijreeP) 

am »^aufe 3el^u*a, unb werbe t^ernid^ten ba« Äönigt^um be« ^aufe« 

3«raet ; 5* unb an ienem S^age werb' id^ bred&en bie 3Ra(^t 3«tael« im 

^ a;^ale 3ijree(/ 

6* Dann warb fte no(^ einmal fi^noanger unb gebar eine 3;o(^ter ; 
unb er (®ott) fpra(^ |u i^m:. »nenne il^ren Flamen: Unerbarmte; 
benn nid^t femer will id^' mi(^ erbarmen be« ^aufe« 3«rael , Wie »iel 
weniger i^nen t)ergeben ! 7. 3)od^ 3uba'« ^aufe will ic^ mid) erbarmen 
unb |ie erretten burd^ ben ^errn i^ren ®ott; aber nid^t werb' i(^ jie jr« 
retten burc^ Sogen unb Schwert, burc^ Arieg, burc^ 9to{ft unb 9leiter/ 



1) S)* i. bal attf biefcm €<l^la4tfelbe «ergof ene 9lut, 



Stofite $mobe. Son b. ®tunb» \>. Stinl^iffum^ M }• (Inbe b. (Sritt. 

8« !^ann entoöl^nte fie bie Unerkannte tttib matb fd^voanget unb 
gebar einen ©ol^n* 9* Unb er fpra<^ : ^nenne feinen J?amen : SHid^t* 
mein«93oIf; benn i^rfeib ni^t mein93o(f unb i^ iperbe nid^t bet 
eurige (euer ®ott) fein/ 

Unb bodj tottb toerbcn bie B<ä}l bcr StxxCott 3«tael6 i 

9Bie bet ®anb bed aU^eet^/^er nii^t gq&l^U^ nod^ gemefen tDtrb* | 

Unb bann^ anflati bap m(m gu il^nen fagt : | 



mimmdn^fQeU feib i^r, 

SBirb man )u il^nen fagen : <So$ne be« le^enbigen ©otted ! 

2)antt vereinigen fici^ bie ©öl^ne 3uba'« 2 

Unb bie @dl^ne S^raeld gumal/ 

®e^en ft(^ @in ^aupt 

Unb gleiten in ben ^rieg and bem Sanbe; 

^enn groß ifl bet (Sc^lad^ttog ))on StjreeL 

3u euren S3rübem fagt : „mein 93oK I" 3 

Unb gn euren <Sd^h)eßern : »ÖrBarmte \^ 

h) (Die eigentliche Siebe. 

^abert mit eurer Sflnüet, l^aberi ! 4 

^enn fie ifi nid^t mein fQtih 

Unb x&) bin nldjit il^r äRann, 

$(uf bap fie entferne bie Hurereien ani i^rem 9(ut(i| 

Unb bie S3ul^tereten fioi\ä)m i^ren ©ruften l(>{ntoeg, 

^amit id^ fte nid^t nadt au^^iel^e ^ 5 

Unb fte l^infteQe toit am Sage il^rer d^eburt^ 

Unb fte ma^t gleiti^ ber Süfie 

Unb f!e gurid^te gteid^ einem bürren £anbe 

Unb fie fterSen laße öor 2)urfl, 

Unb il^rer ©dl^ne mid^ ni^t erbarme 6 

aßeti ^e ^urenföi^ne ftnb. 

aBeil gebul^lt l^at il^re mnHtt, ^ 7 

@d^anbe getrieben il^te (Bthäwdn, 

Seil fte fagte : meinen Sieb^abern toitt td^ nad^gel^U/ 

^ie ba geben mein ©rob unb mein SBaßer^ 

SDi^eine fBeUc unb meinen Sladb^^ mein Dd unb mein ©etrdnf : 

IDarum ^tf), toerb* id^ umg&unen mit IDornen betnen 0ßeg 8 

Unb toerbe eine Stauer für fie mauern^ 

@o baß fte i^re $fabe nid^t ftnben koirb* 

^a mirb fte bann nachjagen il^ren Steb^abern unb fte nid^t erreid^en, 9 

®ie toirb f!e fud^en^ aber.nid^t finben» 

^a loirb f!e fagen: x^ n){(( bc(( umfe^en gu meinem frül^em ^)'^ann ! 

£)enn beßer gieng ed mir bamaid, aU {ejt* 

®ie aber erfannte ni^t, lo 

S)aß 3dJ il^T gegeben * 



Stoeltft «6f(^tt- ». 850—650. »ic einjeltien ^toplfitttu «ofca* 88» 

IDa« Stern, ben SWofl unb bad Od, 
.Unb baf t4 % meixU bad ©Über ttnb ®olb, 
3)a6 man gum 33aal modjte» 

a)otwm toia td^ »ieberne^men mein Stern toeiiti rt reif ' 1 1 

Unb meine« SWoji »cnn et jeitig ift, 
Unb toia entreißen meine ffiotte nnb meinen glac^«, 
3){e-il^re «löge betfen fottten, 
' Unb toitt oufbecfen i^re (Sdjam i^ 

Sßox ben Slugen i^rer 8ieb$aber, 
3nbem fie öliemanb meiner ^anb entreißen «Pirb. 

3* Witt ottf^ören laßen all i^re gu|l, I3 

3§r gefl, il^ren Silenmonb unb @tt6bat unb aJV i^re geiertoge» 
«ermüHen »erb* i^ i^ren aöeinftoc« unb geigenbanm/ u 

aöoöott f!e fpxatb : bie flnb mein «uJlerUl^n, 
JDen meine ßieb^aber mir gegeben} 
3u einem SQßatbe toerb' tdj fie matten, 
®o baß bo« SBilb be« gelbe« f!e »erje^rt ; 

Unb l^eimfu^en toerb» i^ an il^r bie gefitage bet «aal«, 15 

IDenen {te räucherte 

Unb [babei] anlegte i^ren Kafenring unb i^r ®ef<tmeibe, 
Unb iiren «u^len naci^gieng 
Unb micj »ergaß; fjjricjjt ber J&err* 

2)amm jie^e werb' \^ fie »erlocfen ^e 

Unb fte burtijwanbem laßen bie ffiäfie, 
Unb bann freunblidSi iljr gurebenj 

Unb »erbe i^r »on ba t^re aaeinberge geben 17 

Unb ba« it^al Sttör (JCrübe) §ur ^offhungeti^ür matten. 
JDort toirb fte bemütig fein »ie in ben iTagen i^rer Sugeub/ 
®ie bamal«, al« fie ^erauftog au« %i)tenlanb* 

Unb bann an jenem 3:age, \)i>t\ä)i ber J&etr, 18 

aBir^ bu au«rttfen : „mein SWann !*» 
Unb »irfi midb femer rnd^t i^mein «aal* nennen. 

Entfernen toerb* i^ bie Dramen ber «aal« au« i^rem SRunbei 19 

®c baß man fie nid^t mel^r enoä^nt mit i^rem 9lamen, 

2)ann fdjließ' \ä^ für f!e einen «unb gu jener 3eit • so 

a^it bem mi\> be« gelbe«^ 
Mi ben «dgeln be« ^immel« 
Unb mit bem (Setoänn ber drbe | 
Unb «ogen unb ^^mrt unb Jtrieg 
9Berb* i^ au« bem Sanbe retten, 
Unb »erbe fie bann fdeblidj »o^nen laßen. 

@o \>exUU iäf bic^ mir auf etoig, 3i 

«erlobe bi^ mir burdft fftt^t unb (Bttxäfi, 
IDurd^ £iebe unb CIrbarmen $ 

34 »erlobe bidft mir burdft 2:reue, 22 - 

Unb bu ttirfl bann ben $erm erfenncn. 
®cfi^. b. pott, SQattonalUt. to. ^tbx, I9 



SdO 3n)rtte ^exi^U. S8on b. @runb. b* Mnigt^umS 6id^* «nl^ b. dxii^. 

Unb bann an. jenem Xa^t 

SBBerb' id& erl^ören, f^ti^t bn ^etr, 

ffierb' tc^ erl^ören ben ^tmmel/ 

Unb ber ivirb bie (5rbe rrl^dren ; 

Unb bie ©rbc erhört 

IDad ^orn, ben fßlofi nnb bad Oel/ 

Unb bicfc nxt^en ben 3 1 g r c cl *) ctl^ören, 

2)ann torrb' x6) fte mir fäen in bad 9anb 

Unb toerbe mtd^ erbarmen ber ^.Unerbarmten'', 

Unb toerbe faqen ^u bem «,9h<6t«mein^$o(f' : 

affetn iBoIf bifi bu ! 

3nbed er fagen totrb : «.mein &cti l" 

2)fe jtDefte aUegotif^e erjfibhing Aap. 3 tji ber erfien dl^tiHd), nur 
bie ?nge ift eine anbere. 3)er ?ßrop^et erl^ält ben ?Juftrng, e(n e^ebret^e^ 
rtfc^eö SQBetb ju Heben, fauft fie an jic^ unb fperrt fie bann ein, bamit 
fte mit 9?lemanb mel^r bul^Ien fann, bid fie fid^ gebepert* Sbenfo mu$ 
aud) ®ott, n)le ber ^rop^et e^ erftört, obn>ol^l liebenb, bennoc^ ^ait 
gegen bie untreue ®emelne »erfal(|ren unb fie in einen 3ufiänb verfemen, 
in ttjelc^em fie »on f^ren ©o^en getrennt leben mufl, bi^ fie enblic^ jum 
»al^ren ®ott fic^ befel^rt. 3n blefem 6inne folgen bann me^re Strafe 
unb Srma^nung^reben, bie an ba6 öoraufgeftellteiEfiema onfnüpfen unb 
baffelbe In (^rifc^er Sffielfe öarilren* Da« Sril tt>lrb geal^nt unb gebrol^t 
unb jwar ein (ange6, n^eUba^ ftttll(^e SSetberben )ugenommen ^atte* 
Dbwol^I bad ganje €tü^ jt* 4—14 nlc^i a{^ eine (SrHdrung t)on S. 3 
gefaxt werben fann, fo bllbet lefttere« boc^ ganj fc^ltfllc^ We (SInlel* 
tung unb gleld^fant ein Vorwort ba)u, inbem ed bad ©runbübel 
be« SBolfeö nebfi ber ©trafbro^ung unb aSerl(|eipung in bllbllc^er Sebe 
fura unb beutdc^ barfteUt. «uperbem f^at ber ^rop^et felbf) ^. 1, 2 unb 
^.2,1 bie richtige 2;^el(ung feinet Suc^ed angegeben, --^r- !Dte jweite 
^Uegorie lautet: 

^3)a fprac^ ®ott ju mir noc^ einmal :" (biep fie^t mit Sejle^ung 
auf Ä. i, 2: Stuf ang6 d^ ®ott rebete u. f» tt)., tt>omlt auf bie ixod 
t)erf(^iebenen S^i^täume, In benen »^ofea ttjelfagte, j^lngewiefen wirb.) 
^®tf), (lebe ein t)on gremben geliebte^, eJ^ebrec^erifc^e^ 9Beib, glelc^n)ie 
®ott bie ©ö^ne 3öraeld Hebt, »ä^renb ^e }u anbern ©oltern fid) wen* ** 
ben unb S^raubenfuc^en*) Heben* 2* 3)<i faufte idtf fte mirfflt 15 &U 



1) IDer 9lame bebeutet ^©otte^faat" unb Se^eic^nete St. I bm erften f^^mBoIifc^en 
Stepräfentanten be« Solfe« in einer ungludRid^en , gefdfti^tlic^eii ISegiei^ung* ^ier ifl 
gang 30rael bamit gemeint, toie mit ben glvei anbern vorbttbl^en 9l<rotm. 

2) ^raubenfncfien tourben Bef enber« bei ben f attonitif<(<ii Opfetfe^en genof en 
unb flehen ^ier aU ein Belegen be« abgdttifc^en 9^atuvftt(ttt< ü^n^aupt« 



Bmitex m^n. 93. 850—650. 5Die einjrlnm ^xop^tm. ^ofta. 291 

berlinge unb für einen Scheffel ®etfle unb für einen l^dlben Sd^effel 
©erfle* 3. Unb id^ fpiad^ ju i^i : "oick S^age foUfl bu mir ft^en unb 
foQfl nic^t buhlen uttb ni(^t eined 9)!anned fein, unb anij ic^ n)tll mic^ 
beiner entgolten.*) '4. !Denn y)iele Soge tt>erben itften bie ©o^neS^« 
roefö o^ne^önig unb o^ne.gürfl, ol&neDj)fer unb obne ©tonbbilb/ 
o^ne S<)^ob unb 3;era))^im. 5. Slac^^er werben umfel^ren bie @6I)ne 
S^rael« unb werben fucl^en ben »&errn i^ren ®ott unb 2)atj{b i^rcn ^ö« 
nig ; unb werben l^in)ittern ju ®ott unb }u feiner «^errlid^feit am (Snbe 
berS^age/ 

(Sd bebarf wol^t feiner Erläuterung, bap biefe @^e bed ^rop^eten 
mit einer 93u^(erin ebenfalls nur eine ®^mt1)c , nur eine Parabel if), 
um bie SIbgotterei unb ba^ @c^i(ffa( 3^rae(^ ftnnbilblic^ barsufieaen. 
@n)a(b6 ^9^er^iflorif(^er Sd^arfjtnn wittert auc^ ^ier ein Ereignis aud 
^ofea'd el^etii^em Seben. !I)er ^rop^et ^abe nfimli^ fein im @^ebruc^ 
ba)>ongeIaufened SSBeib i^rem Suhlen ald ®f(avin abge lauft. (!?) 
SIbgefebn i>o\x allen übrigen €(^wierigfeiten laufte er alfa fein (Sigen« 
t^um wieber, wä^renb fonß auf @^ebru(^ Siobeöfirafe flanb. ^uper* 
bem muß bie @nttaufung rein j^inju^^^antartrt werben. 

!Diep iweite f^mbolifc^e ober aHegorif(^e S^^ema t)erl^&It {t(^ ju 
Ä. 4—14 ebenfo , wie bie nfie aßegorie ju Ä. 2, 4-^-25, »eibe Sitte» 
gorien finb jic^ jeboc^ feine^weg^ ganj gleich, wie ic^ fpdter bei ber3eit* 
befiimmung jeigen werbe, ©e^r fc^wer ifl ed nun aber, ben 3n^alt bed 
{Weiten S^l^eild überfic^tlid) anjugeben. Sltted ifl mel^r abgebrochen, mel^r 
ein l)^rifc^er , in ©prangen ftd^ bewegenber (Srgup mit einjelnen 9iul^e« 
))unften, wieÄ. 4, !♦ 5, !♦ 8, K 9, 1* 12, 1, aber o^ne jirengeh 
gortfc^ritt unb 3wf<Jwimenl^ang. 3m ®rofen iebod^ ifi ber ©ebanfen* 
gang, ber ^d) einige ÜJtale wieberl^olt, ganj beutlic^ folgenber: !£)ad 
t>oraufgefteUte S^^ema bed SlbfaHd ))om wal(|ren®ott mit feinen ftttlic^en 
golgeu für baö 8eben fowie bie SRotwenbigfeit elned ©trafgerid^t^ bilben 
ben ^IRittelpunft bed ganzen ©tücfd. !Dabei bewegt ftc^ bie Siebe in li^ri^ 
fc^er 993eife ))om {ttttic^en 3ome über bad aOgemeine SSerberben atter 
©tdnbe jur Slnbro^ung göttlicher ©trafen unb t)on ba ju Srbarmen, ju 
neuer «Hoffnung unb SBer^ei^ung unb enblid^ ju gnabent)oner SBerfo^^ 
nung^ womit bie©c!^rift ald ein fc^öned ©anjed befriebigenb abgefc^logen 
ifi. eine jirengere (Sint^eilung , wie fte j. S5. (Swalb mfuc^t l^at, iji 
ni^t fiic^^altig. @d werben sundc^fi bie attgemeinen ©ünben be^ SSolfd, 
bie in ber Abgötterei i^ren wahren ©i^ l^aben, mit ben entfprec^enben 



1) S&^örtUd^: ^unb and^ id^ (toerbe fo fein) gegen bid^.'' 

19* 



292 3n>(ite ^eriobr. iBon ber ®runb. M Stini^tft. hU j. (Snbf b. (BxlU. 



StrafDrol^ungen aufge}&^(t. Kamentlid^ trifft bie Sürßen unb pl^irec 
beö Solfeö fo wie bie ^riefier bie flöttü^c «nHafle* !Die reichen Dpfer, 
bie man bringt , fonnen bie (e^te Strafe / bie fc^on begonnen ^(sX, nic^t 
mel()r abwenben; benn man tjerffiHt auf »erfe^rte SKittel ber JRettung; 
man fuc^t j* S. bei Slff^rien unb bei Slgijpten ^ülfe. Slllein bie fonnen 
bie SBunben S^raeld niti^t l^ei(en. !Dann blidt ber $ropl^et auf bie 93er« 
gangenl(|eit jurüd uitb )>erg(eid^t fte mit ber ®egenn)art. 3[6rae{ ^(xi »ou 
je ^^r We göttliche Siebe mit Unbanf tjergolten» 3e mel^r e6 ®ott feg* 
nete, um fo eifriger biente ed nur feinen Slbgottern. !Dur(l^ bie S^rennung 
bon 3uba fiel e^ juglei^ bon feinem ®ott ab/ biente bem ^^(fX unt> 
würbe elenb. SQBeil e^ aber bennod^ in feinem Slbfalle \it\i(xtxXt , muf ju 
feiner Sinterung bie le^te Strafe erfolgen* 3nbed bemi(^ten will ®ott 
3^rae( ninraiermel^. %m S^^Iu^ St* 14 fommt eine Suf rebe , bie ber 
^rop^et bem reuigen unb fit^ begruben 93o({e in ben9Runb (egt ; barauf 
bie ^to^eifung bed göttlichen <^ei(e6. Dbwo^l f^on froher auf eine 
bef ere 3ufM^ft Iflingetoiefen war , f o iji bod^ l^ier erji ber toa^r^aft \)ers 
fö^nenbe S^Iuf bed ganjen Sm^e^« 2)ie .^au)>tfhide bed jweiten Sl^eild 
ftnb ^ier mitjutJ^eilen / ba «^ofea an ftd^ unb namentli^ a(6 einjiger 
$ro))^et be^ 9{orbrei<^^ iDon bem wir ein fc^riftlid^ed 3)enfeial bejt^en/ 
fo ^5d)ft d^arafteriflifd^ 4fl. 



ita))* 4* 

S^M ba« SOort be« ^etm ^ il^r Jtinbet 3«« 
rael« 1 i 

^enn einen Streit l^at ber ^err 
aRtt ben liBetool^nem be« £anbe«^ 
soweit feine 3!reue itnb feine ^it^t 
Unb feine ©otterfenntni« im iBanbe ifi. 
[9}i4i« a(«] @<i^todren nnb H^m, 2 

Motten unb Stellten imb Cl^ebrecl^en ! 
0ie (rechen ein unb reil^euSRorb anSDlorb! 

Garant koirb »eifcn ba< £anb s 

Unb )>ertȣlfen {eber, ber barin too^nt, 
mtfammt bem äBilbe M gelbed 
Unb bem ©efügel be« ^immel« 5 



$(ud^ bie Sif^e be« Sneer« Serben l^inge« 

rap loerben. 
9lur l^abere IRtemanb, 4 

Unb 9liemanb rechte 
Unb fei gegen bid^ ') to)ie ^aber))rie{ier ! 

S)enn faUen toHrff bu Balb, * s 

Unb ti foKt oufi^ ber $ro)}^et mit bir Balb 

barauf, * 
Unb t>ern{dgten toerb* id^ beine S^utter^ 
ißemi<^tet nnrb mein 193oIf unr^erfel^ena ! 6 
^ei( bu t>erf(]^ma]^tefl bie Orfcnntni«, 
@i> )>erf4fm&l^e id^ bi(^/ mir $ri<9er §tt 

fein; 
0Bei( bu t>ergaf efl brine« ®oHei 2ef)xe, 
®o loid au4f i(^ beine i^inber t^ergefen ! 



i) ^91 ifl )tt (efen, kvobei hU 9legatton forttotrft* Sß^U 1 ®am* 2; 10* IDet 
Siat constr.' »ie $ofea 13; 2* Sefaia 9, 10. 11, 13. SRit ben$rieflem l^abert^ofea 
felbfl genug unb fagt i^nen bad ^rgfte nad^ , me^l^alb bie getod^nti^fe äberfe|ung nicibt 
richtig fein fann* ^ie ^riefier felbft erfcff einen aU ^eitfü(i^tig, toit bei Kmo« 7, 12 f«. 
aSgl. *ofea Ä. 4; 8-^9. 5, U 6, 8. 9, 8. 



BtoAta $(6f4n. fß. 850—650. $te einirdtm ^ro^^rtm. «&ofra. 29S 



3e me^r fle toutben, beflo me^r fjinbigten 
fte gegen m{(t ; 7 

Streit ®ii^imt(f toill i(^ in ^^ma4f ^n» 
toaitbeln ! 

SHe €ünbe meine« SBoIf« »ecjcl^ten {!e 8 

Unb na(6 i^ret SSetfti^ttlbung 

Xta^tn fle Verlangen* 

Unb fo n>itb e« n>ie bem S3oIfe, fo bem 
$nefler ge^n^ 9 

Unb l^eimfud^en loerb* td^ an i^m feine ÜBege 

Unb feine XffaUn il^m )>ecgelten. 

IDa toerben fle bann eflen nnb nid^t fatt 
tott^tn, 10 

Sterben Bn^len/ bo<^ ft<( ni((t an^breilett; 
SBßeil fle t>ernr$en ben ^emi; wn jn t>flegen 
^ul^levei unb SDein unb fSflofi, bet ben S3ev^ 
flanb benimmt/) li 

IRein SßeU befragt fein ^ol^ 12 

Unb fein ®tab »evfnnbet i^m OrafeI$ 
JDenn bet ®ei^ ber Söul^letei*) t^etfu^tt, 
@o bafi fle huf)ltn, abfaUenb )>cn intern 

©Ott. 

Huf ben ®{|>feln ber 8esge o^fevn fle, is 

Unb anf ben Engeln r&n((etn fle 

Unter (Si^e, $a^^el unb Xetebint^e, 

SEßeil lieblich i^t ®4fatten. 

S)atum bunten eure X^ä)tn 

Unb eure ©c^toiegertdc^ter bred^en bie €^e* 

S)oc( nidftt flrafen n>tn i^ enreXöd^ter/ bag 

fte Bullten, 14 

^oäf eure ^dbteiegertdc^ter , bafi fte el^e« 

brechen *, 

5Denn fle felbft gel^n jia mit ^ul^lerinnen 

)ur ®eite 
Unb mit 2;em))elbinten c))feni fle^ 



Unb ba< einf&Itige SSolf fommt ju %aUt. 
SBenn bu bul^Ifl; o 3drael, 15 

@o mdge nur 3uba nit^t fc^ntbig tücrben! 
kommet ni(iBt na^f ®i^al 
Unb giel^t niä^i ffinanf nad^ (Bet^^ven 
Unb fd^n)6rt bod^ nid^t : beim SebenSa^oe*« ! 

^enn toie ei^e ^örrige itul^ ift S^rael 

fl5nlg: 16 

IRun toirb ber ^err fte toeiben 
SBie ein £amm auf miitt Slur. 
SnH ®d(en t>erbünbet ift (Sfraim - o lafl 

e«! 17 

@d^ä?inben toirb ba« kaufen berer, bie bes 

flänbig Buletten, 18 

^erenlBefdBirmer Befl&nbig® c^anbe liebten ; 
(S< ^a(!t ber ©turmioinb fte mit feinen 

Slügein/ 19 

IDaf fte ft(^ fd^&men i^rer Dpfn* 

Stap. 5. 

^öret bief ; i^r ^Jrtefter, i 

Unb mecfe auf, bu ^au9 S^xaeU, 
Unb i^r t)om ^aufe be< J^dnig«, t^ernel^mt*« ! 
IDenneudb gilt bie !D{i<Bi(Ugung;') 
aOeUi^r ein SD^i« fall toaret fnr SOtig^a 
Unb ein gallßnif ober benXabor gef^annt, 
Unb toeÜ bie ^dftlecfiten ba« ® d^Tad^s 
ten argmad^ten; 2 

^odf i^ Bin eineSüd^tigung für fle alit. 

3d^ fenne (Sfraim 3 

Unb 30Tael ift mir nid^t verborgen ; 
3a, eBen je^t ^afl bu gebuhlt/ (Sftaim, 
Unb ^at fld^ S^rael Befledft* 
9{idbt geBen <« gu i^re S^^aten 4 

Umgufel^ren gu i^rem ®ott/ 



1) ©eltfam fafit man biefen 93erd für fldB, ba er bodB eng mit bem )>orll^ergrl^enben 
)u t>erbinben ifl* HBgötterei unb äBein ^el^en ^ier gufammen toie j(« 2/ i. i, 17—18/ 
aui meldten ® teilen gugleid^ folgt/ bafI bie ^ul^terei aucff l^ier bilblicffe ^ebeutung ^a« 
Ben muf ♦ 

%) ^at 93i(b ber SSul^lerei fte^t l^ier n>ie im golgenben unb toie im gangen lOud^e 
^ofea'tf überall fnr 9lBg5tterei/ n>a< man oft öBerfie^t* ^ie nnb ba f))ielt oieneic^t bie 
e i g en tu (^ e Sebeutung mit l^ereim 

3) Clig. bad®erid^t/ mischpat, ba« gugleid^ ein SBortf^ct Gilbet mitpech, 
@(^Unge unb mit bem Ortsnamen mizpa. 



894' 3n>eite ^tvio^it. Sien b. ®runb. M Stini^if). M }. Sttbe M &x\i9. 



SSBeil ber Oeift bct Sul^rcrei in fl^rem 3«« 

nem tf}/ 
Unb toeü ße ben $etm ntc^t erfennen* 

®o geugt bann ber @toI} 3drael6 il^m ind 

3nbem S^rael unb (Sftaim 

Sotten burd^ if)xt @4ulb/ ^ 

goUen löirb felS^ 3ubo mit i^ncn. 

Tlii t^ren @d^aafen unb SItnbern 6 

®tfftn ff e l^tn, ben $errn. )u fuc^en, 

9(Bet finben t^n ni^t ; 

(5t ^at ^ä) loi%nnaä)t ^t>n i^nen» 

$tn bem ^errn lourben fte treulod; 7 

Seil ffe unechte itinber geugten : 

9'lun toirb jie öcrgel^ren ber näc^fle SWonot 

3)?ttfammt fl^rer ^ahe. 

^iaft bie ^ofaune in ®ihta, 8 

IDie IDtommete in fftama ! 

(Betfünbet laut in SötU^^tn 

JDeitt @<]Ji(ffal, *) o ©enjamin : 

„(Sftaim totrb gut Sufle toerben 9 

^m Xa^t ber 3ü(i^tigung l"* 

aber bte Stämme S^xatU 

^aB idi^ ^al^re^ toerfänbet. 

^H Surften 3uba*d finb getoorben lo 

®ie ©ränjtierrürfer : 

$luf f!e toetb' id^ ausgießen 

Sßie iBaper meinen ©rimm« 

Unterbrüdft ifi Qftam, 

^erle^ten dtii^Ui : 

9ßie toör* e« ba tooOI toinig 

^em ®efe^ nac^getoanbelt ! ^) 

@o Bin i(^ benn tt>ie bie Spotte 

gär (Sfxaim, 

Unb toie Söurntfrag 

gär ba^ $au« 3uba. 

5Da fal^ @fra{m feine j^ranf^eit 
Unb 3uba feine SSDunbe; 



11 



12 



13 



Unb fo gieng Clfrafm gu Slifut 
Unb fanbte gum ftrettbaren MniQ, 
^er bo(^ nicfit oetmag, en^ gu l^eiten 
Unb eit(^ bie SBitnbe nic^i linbern toii?b ; 
^enn 3d) bin tote ber iBökoe für @fraim 14 
Unb toie ber junge £eu für 3uba*d $aud* 

3ti&/ t(i^ löifl jerreif en unb fortgcljen, 
SBitl nel^men/ inbem 9{iemanb rettet/ 
9BiU gurüdgel^en an meinen Ott, 15 

f&ii bai fle büfen unb mein ^nili^ fu<ib(n; 
3n ber 9lot; toetben fte fiti^ na<^ mit fernen : 
„^uf, la^t und umfel^ten gurn ^ettn ! Jt. 6, 1 
IDenn (St gerrif , fo l^rite er und nun ! 
@r getfd^Ittg/ fo t)erbinbe et und ! 

®r Meht un« totebet nadb jtbei 3^agen, a 
9(m btitten %a^ lafi' er un« aufetflel^n, 
9uf bag toit (eben mögen t>ot i^m, 
$(uf baß toit etfennen/ s 

3)ag toit eilenb« erfennen ben ^ettn 
®ie bie 3)?otgent5te; beten 5lufgang f!<ijct, 
Unb bag et fomme, toie bet [Regen fut nn^, 
®ie bet ®tntetegen, bet bie (Stbe tt&ntt!* 

0Ba0 foK idb bit tl^n, o dftaim? 4 

9Bad fott i(fi bit t^un, o 3ttba? 
IDa eute f^itU ift tote aRotgengeioöIf 
Unb toie bet Xffan, btt bolb »etgel^t ! 
IDed^lb toetb* idb btetnfdb^tid^n butdd bie 

$to)>!)eten 5 

Unb fle motben butc^ bie SBotte meinet 

aWunbe«, 
Unb mein ©itafgetic^t toitb ' 

Sßie bie «Sonne aufgel^m 

IDenn Siebe f^db* i^ gern unb nWOpftt, 6 
Unb ®ottetfenntntd (iebet; ali 193tanbo)>fet. 
^o(i^ fie, toie gemeine Sftenfc^en btad^en fle 
ben ©unb : 7 

^a »utben fie tteulod an mit« 
®iieabiftu>ie eine<Stabt9otiÖbelt^ätetn; 8 
59ef<)uttmit59lut5 



%) ^i>\oitSt. 1/ 6« 3ef> 43, 22t toie »iel n)entget, baf. S)ie 9tegatii)n 
liegt im ©ebanfen bed ©otbetfa^ed :^ dftaim befommt fein fRtt^t, baf eö nun gat mit 
Sufi nad^gegangen w&te ! b* i* toie oiel toeniget foUte ed ba totlffl u* ft to« Qhoalb« 
®tam. §» 341/ c. 



3tt>eitrr ^»fd^iu fß. 850—650. ®ie einjelnen ^xopf^Un, «ofea. 295 



Unb voit fftSoibtt lauttta, fo m«vbet 9 

dine ^rie^erbonbe auf tem SBege nad^ 

3a gr«>el ^txnbt man : 

3m ^aufe 3«roer« to 

<Sal^ i4 ^ntfet^Hdge« ; 

IDa treibt (Sfiaim l^l^lrtei, 

»efledt fl(^ 3«taeU 

9(u(( btr, 3ttba, il 

3^ tm Bioetg eingepfropft 

Aap. 7. 
fSenn iäf toenbcn »erbe meinet IBolfrd 

9Denn t(^ l^eilen toerbe S^tatl, i 

^a totrb offenbat toerben bte @4fttlb Clfraim^ 
Unb bie ®ünbe ©amarien^ 5 
^enn^rug t)ernben jle unb ber ^ieb bringt 

ritt/ 
(Sinedl&ttberfd^aar ))Iänbertattfber@tra$e^ 
Unb j!e fagen nicbt ju {(rem bergen, 2 
S>af i^ aU il^rer Sdc9fftii gebenfe. 

9lun l^aben i^re XfiaUn ffe umringt; 
Sßox mein $(nili^ ftnb f!e gefommen ^ 
f^nx^ i^re ^o^l^eit erfreuen fie benJtdnig 3 
Unb b«r(6 i^re £üge bie Surfen. 
@te aUe ftnb (Sffchxtäftt, A 

®inb n)ie ein Dfen, gel^ei^ \)om ^äder; 
iDer ba auf^Ort gu l^eigen 
j^om jtneten bed i£eig< bi^ gu feiner (Sdu« 
rung. 

9m Sefttage unferd J^dnig« 5 

^aben bie Surften eine l^eiUofe ®tut t>om 

2Dein; 
^it €p&Hnn gel^t er $anb in $anb. 
3a fa^ l^aben fie gemalt bemOfen g(ei(^ 6 
3^r ^erg in i^rer ^rglift : 
5Die gange ^tadfi fd^Iäft i^r mdtt, 
9im SRorgen brennt er 
SBie famntenbed Seuer. 

(Sie alle erglä^en toie ber Ofen 7 

Unb toürgen il^re fftiä)tn, 



^ü xf)xc J^dnige faKen, 

£)^ne baß (Siner unter i^uen gu mir ruft. 

(Sfraim^ unter ben Solfern 8 

SXeibt e« ftc^ auf, 

Qfraim ifl geworben 

(Sin tiic^t umgetoanbter J^udgen. 

(S« oergel^ren Sc<mbe feine ^aht, 9 

^o(^ e« bleibt o^ne (Sinftcbt; 

9iüä) ®retfenbaar geigt fic^ gerftreut an il^m, 

2)o(^ e« bleibt o^ne Clinftd^t. 

@o jeugt bann ber @tolg 36raeU 10 

3^min«®e|t(bt; 

^o($ f!e feieren nidbt um gum $errn ; il^ren 

©Ott, 

Unb fud^en i^n nicbt hä aKe bem. 

IDa toarb (Sfraim tote eine einfältige, 11 
(Sinnlofe Xaviht : 
^gsipUn riefen fte an, 
9{a(^ Slft^rien giengen fte, 
@o oft fie ^ingiengen,*) u 

®))annt* \^ über ße mein 9{e| : 
^ie iiß&gel betf^immeld flärgtMd^ fienieber 
Unb gücffttgte fte gemäß ber itunbe an tl^re 
®emeinbe. 

9Be^e i^nen, baß fte f[ol§en vor mir ! is 
Unheil il^nen, baß fte treulos tourben an 

mir, 
IDa i(6 fte bod^ erl5fen tooffte ; 
®ie aber rebeten Sägen n)iber mid^. 
®ie riefen nt(^t gu mir in i^rem bergen, u 
®onbern jammerten auf il^rem £ager ; 
Aber Stoxn nnb SRofi 
Erbitterten fie ^df, )>on mir abfaHenb. 

Unb i^ bodb untenoied, 15 

34 ft&tfte i^ren ^xm, 
®ie aber fannen S3dfe0 toiber mid^. 
@ie tDanbten fi4i ni(^t nad^ oben, I6 

SBurben toie ein fd^lafer Sogen. 
^uxä)i @d^mert toerben fallen i^re Surften 
SBegen ber SBut i^rer 3unge : 
®o toerben fie t^erl^ö^nt mit bem 8anbe 
Äg^J)ten. 



1) ^ad 3nt^erfe!t fielet t>on ber^aner in ber Sergangenl^eit , toai man ^ier ge« 
tobffn\i(^ überfielet. Süt ben ®inn t)gl. S, 14. 



296 Sweitf ^rriobe. aSon b. ®rfinb* b. Stinl^i^nm^ iü j. iSnbe b. (Srite. 



9ln beinen fO^unb [fei*] bie ^ofanne : i 
«tEBie bet $(blev [fti^toeBt etf] ober 3a1^t>e*« 

S&etl fle Brachen memoi Sitnb 

Unb an meiner 8e)§re trenlod to)utben. 

3u mir werben fle [freien ? 2 

«.anein ©Ott; toix fennrn bic^ ja, n)tr 3«« 

rael J * 
^od^ ^eraBfd^eut f)ai S^rael ba< ®vlU, s 
IDer Seinb Derfcige e^ t 

eU festen J^dnige ein, bod^ nic^t von mir/ 4 
Sfla^Un Surften; unb iäf fannte {!e nt<4t5 
3^r @iI6er unb il^r ®oIb 
a^ad^ten {!e ftdg gu ©d^en, 
iDamit ed ^oemid^tet toerbe» 
193traBf(^eut ^ai er betn Stalh, Warnas 
xitn, « 5 

(5ntBrannt tft mein 3om auf ^t, 
90ie lang nod^ fdnnen {!e flraflo« BTeiBen? 

IDenn aui S^rael ift aud^ Hi, 6 

^et J^ünftter f^ai tt gemadBt 

Unb fein ®ott ift«; 

^onbern gu @^Itttem toirb toerben ^a« J^atB 

@amarien<* 
3a SBinb fäten fle unb ©türm toerbeu fte 

ernten 5 7 

ÄBren l^at ed niäft, 
(Bin Stoxn, ba« feinend er n)§at; 
^htV e« aud^ einen/ fo t)erge^rten i^n 

grembe» 

SSemid^tet ift 3«raet ! 8 

<Sd^on je^t ftnb fte geworben unter ben 

Sß^lfetn 
9Die ein ®ef&f, an bem man fein ©rfaHen. 
2)enn fie gogen hinauf nad( Sff^rien 9 
ffiie ein toilber Öfel, ber fi^ aBfonbert; 
CSfraim bingte um ^ul^Ifd^'aft: 
9(ud^ to)enn fie bingen unter ben^Bdlfem/ 10 
9lun voiü \6) fie gufammenraf en* 

IDann werben fle albfte^n ein wenig 
aSom 2:tiBut Ut StM^^ ber Särgen; 
IDenn gemeiert l^at (Sfraim Elitäre gum ©un« 
bigeu/ n 

^ai Befommen 9LU&te gum @ünbigen. 



3d^ fd^reibt i^m gu taufenben meine ®eBot€ 

"OCX, 18 

90{e etwa^ Stembed werben üe gead^tet« 
9to^e 0)>fer Bringen fte al« Sleifd^ unb ^tcs 
getreu fie : 13 

IDer ^en l^at fein ©efaUen an i^nen» 

9htn wirb er gebenfen t^ret ©d^ulb 

Unb wirb Betrafen i^re Gnnben: 

9la(( ^Cg^^ten fotCen fle gurudE ! 

3)enn e^ oergaf 3<rael feinen @d^d)>fer 14 

Unb Baute ©d^entem^el^ 

Unb 3uba oermel^rte bie feflen @t&bte; 

So werb i(( geuer entfenben in feine &ähie, 

Unb bad foU fref en feine $ra(^tgeBäubf* 

Sreue bidj nid)t, S^rael, Bi« gum 3itBel 

gleid^ ben fßölUxn, 1 

S9eil bu gebul^lt f)a% aBfallenb t>on beinem 



Unb geliebt l^aft liBul^ierlol^n auf allen ®ts 

traibetennen ! 
2!enne unb J^etter wirb fie nid^t erfreuen, 2 
Unb ber !Dlcft Wirb fle Betrügen* 
®ie Werben nid^t Wol^nen im iSanbe be< 

^tXXttf 3 

@onbem nmfe^ren wirb (Sfraim nad^ ^g^^« 
ten, 

Unb in ^(ff^rien werben fte Unreine^ efen. 

9li(^t Werben fie au6gief en SBein für ben 
<6emt^ 4 

Unb iT)re D)>fer Werben i^m nid^t gefallen; 
SDiellrauerBrob Wirb i^nen fein [bad Tla^l\ 
^Ue, bie ed ef en/ t>erunrein{gen ftd^ 3 
3a/ i^r 93rob ift nur für fte TelBft/ 
SRidgt fcmmt ed in bad $au0 bed ^erm. 
fS^ai wollt il^r tl^un am Xage ber Seier 5 
Unb am S^^tage be^ .{^erm? 

3a/ wenn fte and^ ber SBerwöflung entge^n 6 
^g^^ten wirb fie gufammenraffcS/ 
Snem^l^id fie gu ®raBe fd^affen; 
IEBa0 fofIBar an il^rem ®ilBer/ — 
IDißeln Werben fle BeerBen 
Unb IDomen in i^xtn 3elten ! 
(5^ fommen bie Sage ber ©träfe, 7 * 

üd fommen bie Xa^t ber SSergeltung! 



3n)eitrr ^[(fd^n* ffi. 850—650. S){f finjefttm lßtot)^rtfn. «gofea. 297 



^a ivirb c < 3«tael etfal^mt : 

(Sin ^ot »itb bev$ro)>l^et; rafenb ber ®otts 

begeiferte 
Ob bet ®r5{l e beinet 6d(ulb 
Unb tt>eil fo grof i^ bie 9ta<i^|le0ung. 
(Sm Unflautet ifi (Sfraim gegen meinen 

®oit, 8 

9)ft ^op^et — be« a[)oge((leIler< 9le|^ 
3fl anf an feinen Segen ; 
J^eimlic^e fftadffitflm% ifl im ^anfe feinet 

^ief^aben f{e gefunbfgt gleich benSlagen 
)Don ®ibea, 9 

9eben!en tottb et il^tei 6ii^n(b/ 

SBitb firafen il^re ®ünben« 

SBie Stauben in berSßn^e fanb id^ S^atl, lo 

§B!e eine Srül^feige in intern Anfang fal^ 
iii^ enre93&tet: 

IDod^ {le giengen )ttm SaaI*$eor 

Unb toeil^ten 9^ ber Gd^anbe, 

Unb tourben ein ®xiud tok i^t ^ul^le* 

Qfraim^ toit ®epgel ititb »etfUegen fein 

®(an|, 11 

Dl^ne ®ebttri, ol^ne @(^toangetfd^afi nnb 

(Sm))f&ngnid* 
3a, toenn fie andft gcof giel^n i^re ^dl^ne^ 13 
@o mat^t iä) {le ünbetlo«, menfti^enatm, 
3a \^en bann toel^e il^nen, totxai i^ toeg« 

fel^e von i^nen ! 
(Sfraim ifi/ toenn idi f(^aue auf bie ®(^ön« 

^tit, 13 

(Sine $f[an)ung in bet 9ne; 
9)o(]^ @fraim mug gnm SD^dtber l^inau^fü^:: 

ten feine ©dl^ne* 

®ih iffxxm, ^ml — \oai \oxU^ bnl 
geben? u 

j^inberlofen !Beib unb irocfne ^rüße ! 
m i^r ^öfed in ®i(gal — 15 ' 

3a bort l^aße iäf fie 3 
SGBegen bet liBo^l^eit i^ret Xf^attn 
SBiK i(^ fie vetiteiben aui mtintm ^aufe, 
aBitt ni<bt femct fie lieben : 
Siai^tea3etttetetfinböett&tet! 

(Sefd^lagen ifi (Bfcaim, 16 

©eine HBnrgel vetttocfnet/ 



Sfmd^t tragen fie ni<l(i $ 

Unb toenn fie au(^ geb&ren/ 

®o mati^* id^ fie vetlttflig bet £ufl j^e< 

®<i^oofe4* 
(Stf »ettoitft fie mein (Boti, n 

SBeil fie auf il^n nicfft (orten, 
®o toetben fie nun ftäd^tig fein nntet ben 

aJdttetn* 

&ap. 10. 

(Sin blül^enbet l!Deinflotf i^ 3<taeT; l 

^etStud^tfldft anfe^te: 

(So tt)ie feine gru^t fid^ meldte, 

aRe^rte e« aut^ bie 9tlt&te; 

3e beflet ed feinem Sanbe gieng/ 

Um fo befer mati^ten fie bie Gilbet« 

©leißenb ifi i^t ^etg: nun toetben fie 

bü§en ! t 

(St felbfl tt)irb abf^lagen il^te ICIt&te; ^m 

tonnen il^te Silber ! 

3a/ bann teetben fie fagen : s 

i^eitien J^önig l^aben toit, 
9Beil toit ben {^ettn nid^t fütd^teten; 
Unb bet J^dnig/ toa^ fdnnte bet un< Reifen? 
@te tteffen 93etabtebungen : 4 

3nbem fie falfti^ f6))»&xtn, unb fd^lieflen 

IBettt&ge, 
Unb fo f^of t toie d^iftfraut \>ai fftt^t 
Sluf ben ^üxdfm M gelbe«* 



^inff^toinben toirb ®amarien< J^dnig 7 
Sie ein ®^&nlein anf bet %lää^t M 

Saflet« i 
IBettoüfiet toetben bie ^d^en be« Unl^eiß, 8 
IDie @&nbe S^rael« $ 
5Dotn unb IDiflel toitb toac^fen 
9Iuf i^ten SUt&ten* 

IDann fagen fie gu ben Setgen : bebedfet vni ! 
Unb gtt ben ^ügeln : fallet übet ma l — 



<S&et eu4 gnm €egen is 

Unb erntet nad^ bem SRaf bet Onabe ! 
Sred^et eu(( ein Srad^felb um! 
^enn 3eit iftd, ben $erm gn fud^en, 
$tnf ba$ et fomme unb fhrene @egen füt 

eud^ aui* 
[^o(^] ge))pgt (abt i^t 8ret)el u 



298 3»ette ^etiobe. 93on b« ®runb. b. itintgt^* 6U jum (Snbe b. (Srifd. 



Uitb toerbet Unl^eU ernten 
Dnb leeve gmd^t genießen« 

®e{T btt »ethantefi «nf b e i n e n ^eg 

Unb auf bte SP'^enge beiner gelben, 

^0 erl^ebt ^^ <Bä)Uä)ilätm gegen betne 

Unb aU befne S^fhtngen toirb man ger{l5ren> 
aBie<Sc^aImanS3ets9rrb6l jerftörte am 

S^age be« J^itegd; 
^ie S^utter mitfammt ben ^tnbern )er« 

f^mettert toarb; 
@o t^ut er eu(i^ gu ^ete( ob eurer maflofen 

ISBo^^cit^ 15 

$atb ijl t^öHtg t)ernici6tet 3ixütU ^dnig. 

Aap» 11. 

$(l^ S^rael jung toax, lithte \ä^ U, i 

Unb ani ^gt^^ten benef i6) meinen 6c^n* 
$rebigte man i^nen, ^xadi giengen fte fort 

t)on il^nen, 2 

JDen ©aal« o^jferten ffe, 
^en @ö^enbt(bern räucherten fie* 
Unb iä^ bo(i^ leitete (Sfxaim am ®&ngeU 

banbe 3 

Unb nal^m {te auf meine 9(rme.5 
^o($ fie erfannten ni^t, baf {d(^ f!e l^eilte. 

SHit mmf^Uä^en ©anben gog {<( ^t, 4 
SDlit eiebe^fepetn, 
Unb toar gegen fie wk fold^e; 
S)ie ba< 3od^ anft^eben an tl^ren SBatfeU; 
Unb refd^te il^m ju ef en* 
©oll ee nidgt nmfel^ren §um 8anbe ^^iiP^ 
ten? 5 

Vini «ffur, foff ber nid&t fein i^ötiig fein, 
9BeU fte fiä) koeigerteU; umgnfe^ren? 

Co toirb bann {reifen ba0 ^(^toert 6 

3n feinen ©täbten, 

Unb oernic^en feine 9itiegel 

Unb fte vertilgen ob i^rer $Iöne* 

^enn mein $oIf ift geneigt 7 

3um 9(bfaU oon mir; 

Sßan ruft e« gmar nad^ oben, 

9ber benno^ ^ebt e« nid^t l^inauf. — 

D tote fdnnte id^ bidb l^ingeBen^ (Sfraim^ 8 
S>tdb $rei0 geben; o ä^rael ! 



Sie fdn^te idb bt(( Eingeben gleidl^ 9bmft, 

^iä) mad^en gleich Beboün ! 

Umgetoanbt f}at ftcb ? ntid^ nbenoältigenb/^ 

mein ^tx^, 
9lU)umaI {inb aufgere^ meine ^HUiHf 

9li^t an^fü^ren toiU tc^ bte ©tut mdned 
Bornd; 9 

(Rid^t nodb einmai n>iU idb (Sfcaim ver^ 
berbeni 

^enn ®ott bin idd; unb fein SP^enfd^; 

IDer ^eilige ifi in betner mtU 

Unb i(^ fomme nid^t int ®rimm* 

^em $erm n>frben ^e folgen toit einem 

brüKenbeng^men; lo 

^enn brüllt er, fo gittern l^erbei bie j^inber 

«om 9)7eere H^er, 
SitUtn gerbet tt^ie 9)dgel an« äg^^ten ii 
Unb toie eine Zanbt ava Slft^rien ; 
^ann lap* i(( fie n)obnett in i^ren 4>änfem/ 

f))rt^t ber $etr. 



Umgeben )§at mid^ @fraim mit 8ng/ i 

Unb ba« $aud 3«rael« mit %xu^, 
9ud( 3uba fdbn>anfet nocb mit ®ott 
Unb mit bem treuen Reuigen« 
^fraim weibet fldg an Stnb unb l^afdgt nad^ 
©tnrm, 2 

SlHtaglid^ me^rt e« 8üge unb ©etoalttl^at 
Unb fc^liept mit ^ffnr einen ©unb; 
Unb £)l toirb nad^ äg^))ten gebrad^t» 

@inen $aber l^at ber $err xnit 3v!^a, s 
Unb firafen mufi er 3afob nad^ feinen 

SBegen, 
^aäf feinen Werfen toirb er i^m o ergelten» 
3nt S)lutterfd(^ooge l^intergieng er feinen 

©ruber, 
Unb fäm))fte mit ®ott in feiner SD^anne«^ 

fraft, 
$ielt fefl ben ($nget unb ffegte, 4 

Meinte nnb ^e^te gu il^m» 
3n ©etel m5ge er und flnben unb bort mit 

un« reben ! 



QtoüUx %hi^n. 93.850-650. S)te rtnjernen $ro^^rtrm «&offa. 



Sät, 5ia\fi>t, bin bein ®ott lo 

193om 8anbe ^gt^j^ten ^et/ 

9lo4 einmal toiQ t(( btc( tool^nen laf en in 

Betten 
eUiä) ben Xagen be« dvntefefte«. 
3(( vebete )u ben ^xopf^tttn 11 

3nbem t^ bte SOeiflagung meierte 
Unb burd) bie ^xopf}iUn 
©leid^niffe gab. 



^a)>. 13. 

9U dfratm f)n;a(lft : 3jrenniutg ! l 

mit t§ ftd^ erl^ob in S^rael, 
2>a koarb e« fd^ulbig bntc^ IBaal unb ^oc^* 
Unb nun fahren fte fort )tt fänbigen $ 2 
@ie mahlten ftd^ ein ©uflbilb t)on tl^rcm 

@itber, 
9la4f i^rem itnnflflnn Gilbet; ni^it at6 

Jtnnfilertoerfe. 
3u eben biefen beten bie o))femben Wim\ü^ta, 
StbXhtt füffen fte. 

Saturn tixTben f{e fein toie SRotgengetodt!, 3 
Unb loie bet ^avL, bev ba(b «»ergebt/ 
SBie <S))reU; bte fortHürmt )>on ber S^enne 
Unb toie 9tau(b aud bcm Senfler l^inautf. 
34/ 3a^t>e, bin bein ®ott 4 

ISom !Banbe ^g^^ten l^er/ 
Unb einen ®ott auger mir fennfi bu nicbt/ 
Unb einen (Srtöfer gibt e« nic^t außer mir. 

3(b kannte bidb in ber OBöfle/ 5 

3m Sanbe ber @onnengluten ; 



fEßo f!e nur meibeten^ würben fie fati/ « 
l!Baren fle fatt/ fo erbob ftc^ ibr ^erj/ 
IDeJl^alb »ergaben fte mid^. 
(So toerb* idb bemt fnr fte toerben wie ein 

8d»e, 7 

9Bie ein $antl^er tt)erb*i(b am SBrge lauem/ 
^erbe fie angreifen wie eine »erwaifle 

liB&rin. 8 



3db gab bir einen ilönig in meinem Soni/ li 

Unb werbe i^n nehmen in meinem ®rimm. 

äBob^eingewicfelt ifl bie ® «butb (Sfraim«/ is 

9Bobberf(bIoflen feine @unbe ')• 

$ßel^en ber ®ebärenben fommen i^n an, is 

@r ifl ein unweifer ^a^w, 

SS^eii er nt((t fettig 

Sri ben IDurci^brud^ ber itinber tritt. 

9lu0 ber t^anb ber «f^dUe wid icb fie er:: 
löfen ! 14 

93om 3!obe fie befreien! 

!ffio finb beine 6((läge/ o 3:ob? 

^0 ift bein ®tad»el/ o ^mtV) 

SXeue fod oerborgen fein t»or mir ! 

IDenn mag unter ben Q3räbem@fra im au(( 
fruchtbar fein/ 15 

kommen wirb tin @turm / ein ^aucb be0 
$erm )>on ber®üfte anffleigenb^ 

@o baf )»erborrt fein ^t>xvi unb oerfiegt fein 
OueU. 

SRan wirb )>(unbem ben ^6^i^ tfli ber fofi« 
baren Geräte ; 



1) b. 1^. ol^ne 93ilb : bie ©träfe wirb fl^er an (Sfraim t>oH)ogen werben. 

2) ^\t\)i man nid^t auf ben Sufammenl^ang, fo fdnnte man meinen, bie f)(t(|itig« 
feit unb ^eftegung bed Xobed fei in biefer Srage nacb bem 9Bo? audgef))rod^en. ^Uein 
bie gleidj folgenben SBorte: «.SKeue — nämlidf> über ben 3lobe6bef(blug — foll »er* 
borgen fein öor mir/* fInb bagegen. JDanad? ifl ber @inn »ietmel^r: „fommt 
berau/ i^r SGßerfgeuge be^ %a\>ti \ wo feib il^r?"* IDie Dl^nmacbt bed %ti\>tt, bie fc^on 
$aulud 1 J^or. 15, 55 l^ierin andgebrüdt finbet/ liegt WobI im Sufammenbang ber 
ganzen ©telie / aber nicbt in biefen Sorten. Üd betit : ®Qtt WoUe 3drael allerbingd 
erlöfen ; aber gu)^or mftfle zi untergel^en unb gu feiner S&uterung bie Dualen be0 Xobetf 
erleiben. IBgl. ^ofea 13, 1. @b^ e0 90m2!obe enUft Werben fann, mug e0 guoor 
bocb notwenbig bem 3!obe t^rei^gegeben werben. !Daß aber bie ^^teue"^ ft(b ni(bt auf 
ben göttlicben 9tatf(blnf ber ^rUfung/ fonbem auf bad ©trafgerid^t begiel^en muf / 
§eigt entfcbeibenb ber folgenbe HBer^. 



SOG Sprite $etiobe. Sion b« ®runb. b. Jt&nigt^ttmd (18 }. Sttbe b. (Sritt. 



SBüpnt toirb ©amarieit/' St^u, i 

aBctI e< fi<i^ cm^drte gegen feinen i&JoH*y 
IDnrd^d ^dfxottt »erben fie faffen^ 
d^te itinber n)erben jerfd^ntettert 
Unb i^re ©d^toangern aufgefd^lilt toetben. 
Ael^(*nm/ cS^xatl, gn bem ^enn beinen 
(Sott, 2 

SBeil bu gefaKen bijl butd^ beine (Sd^ulb! 

9lel^ntet mit end^ (SIebcte s 

Unb feieret um gum ^ernt unb fagt gn if)m : 
Stile €(^uTb «»(tgib unb nimm gütig an, 
IDaf tolt barbtingen aU ^tievo^fer nnfre 

®ebete! 
9ff^en foH un^ niä^t l^elfen^ 4 

9(uf Siloffen tootten lötr nid^t teiten ! 
SBoUennid^t mel^r fagen: «.unfec ®ott!' 
gum Sna^iDer! unfto: $&nbe/ 
ID bu, bnrd^ ben begnabigt toitb berSBaife! 

feilen xoiü \äf il^ren ^^aü, toxü gern fle 
lieben, 9 

2)enn getoanbt l^at fi(t mein 3oni isoni^nen» 
3(i^ toin fein n)ie ber IS^au für Sitad, 6 
^(ül^en foa e< gte{(^ ber SUie, 



Unb feine SBurgeln f^IagentoieberSibanon ! 
@d foden aufgel^n feine <S)nrdf linge 7 
Unb fein foU gteidft bem Ölbaum feine 

$ra(^t 
Unb buften fofl e^ toie ber Libanon 1 

Sieberum foden bie in feinem ©dftatten 
SGBol^nenben 8 

©etraibe ergeugrn, 

Unb foden blül^en »ie ber Seinftotf, 

^er fo gerül^mt i^ toie ber Sein Ui 2u 
banon ! 

O (Sfraim/ loa« l^aB id^ mit ben ®ö(^en 
no(( )U tl^un? 9 

3<( l^ab e< ct^Ort unb toiü^ berit(!fi<!{^ttgen ! 

3^ bin toie eine grönenbe (5)^)>reffe, 

^ mir n>irb beine Snt^ft gefnnben* 

6(^IufltDort* 

SEDer iß toeife, baf er bief ^^erfiel^e? 
^erpnbig, baf er ei einfe^e? 
)Denn gerabe {!nb bie Sege M ^tmi 
Unb bie (S^ere<(ten toanbetn barauf, 
lDo(^ Ungetreue {haud^eln barauf» 



S33el(^er 3^it b(c ®runbflcbanfen biefer JReben im Sinjelncn an^ 
gel^ören, (dpt fid^ je^t unmogUd^ me^r nac^weifen. ®te enthalten 
unf}reiti9 ben «Sem unb ba^ S^otalbilD ber gangen pio)^l^etif(^en äBirf« 
famfelt^^ofea'd, f^abm aber offenbar nie einjeln erifHrt, »ieman »o^I 
gemeint ^at , f onbern finb a(d ein gufammen^&ngenbe« ©anjed f om))0' 
nirt tDorben* 3)abei fann man nad^ ben )\t)ei ^au)>ttl^ei(en be^ 93u(^d 
im 9(((gemeinen }tt)ei ßpod^en unterf (Reiben : eine frühere unb eine 
\pitm , beren S^araf ter ber ^Jropl^et bei ber ((^riftli^en Studarbeitung 
f(ar überf(^aute unb il^n bedl^alb burd^ bie beiben f^mbolifc^en IDarftel« 
Jungen »erfinnlfc^te unb in ein Silb jufammenbrängte. !Diefe ?lüegos 
rien ftnb ba^er tt)eber tl^atfdc^Iic^ aufgeführt, U)ie au6 anbern ®ränben 
beutlid^ if}, nod^ ü6erl^au))t tt)o^( münblt(^ t)orgetragen , fonbern finb 
rein ein SBerf ber SReflerion, bie ^ofea erfi bei ber fc^riftlic^en ©earbei» 
tung be^ Suc^e^ anfieHte« !Die ©runbanfc^auung ber Untreue gegen 
®ott/ bargeflellt unter bem Silbe e^elic^er Untreue unb Sul^Ierei/ }ie^t 
ftcl^ bann bürc^ bad gange 9u(^ ^inburd^* 

3m erfien 2;^eile Äa))* 1—2 erfc^eint bie Abgötterei, ber Statur« 
bienfl bed 93aal/ ber mit bem 3a]^t)e « IDienfle )^ermif<^t tourbe (it. %, 18), 



Qwiitn tfSfi^n« 93. SSO— 650. S)k elnjelnen $ro))^eten. «(ofca. Ml 

ald bie «^auptffinbe bed n6rbUc^en Sleic^d* $emec n){tb bem ^aufe 
3e^u ^. 1, 4 ber Untergang angebrol^t. Überl^aupt foU ba0 itönig« 
t^um S^rael^ f(^n>inben unb bann l^of t ber $ro))l^et/ toit St. 2, 2 jeigt/ 
eine ^Bereinigung mit 3uba. !Die @traf^ro^ung an bad 93olf bagegen 
i(l fe^r aOgemein gefallen : e0 foH bei ®ott fein Erbarmen finben, weil 
ed untreu unb abgöttif(^ iß. 3>ie Siebe A. 2, 4—25 fagt bann befiimm« 
ter, bap ®ott bem fßolU bie ®fiter entreißen toiVi, bie ed ber ®unfl bed 
Saat }uf(^reibt^ to&^renb fie boc^ )9on 3a(;))e l^errfi^ren. SBie in ber 
mofaifc^en d^it foU ed/ um gel&utert )u mxUn, eine a93äfientt>anberung 
burc^ma^eU/ n)omit nur fel^r unbefiimmt unb fel^r entfernt eine SSerban« 
nung angebeutet ifl. @d liegt in bem S3ilbe eigentlich blof bief / ba^ bad 
aSolf in 9?ot unb SRangel fommen fode. 3)iefe Drohung paf{t ofenbar 
nur für eine 3^it/ »o äerobeam II. no(^ ^errfc^te, wdl^renb bad göften^ 
bienerif(^e^ Auf erli(^ bläl^enbe 9#i(^ feinem Saue bereite entgegen eilte. 
!Die 3eit be0 Interregnum^ nac^ 3erobeamd %oU (784) ifl ^ier not> 
n>enbig aud)uf(l^Iief en unb l^at einen gan) anberen Sl^arafter. !Der erße 
X^eil beutet noc^ auf weniger berworrene SSerl^Altniffe ^in unb wirb ft(^ 
auf bie legten Seiten Serobeamd bon 790 an bejie^en. Um 10 Sa^re 
früher ragte 9(mod etwa biefelben @finben. Hu^ in 3uba f(^eint 9(Iled 
no^ be^er )u fiel^en* it. 1; 7. 

@in fel)r berfc^iebened d^t^S^ntAlbe ffil^rt und bagegen ber }Weite 
3;^eil St. 3-14 t)or. !Die StOegorie/ weiche bief @tüd einleitet, bro^t 
gan) entfc^ieben ein langet ®ril unb eine gewaltfame Sefel^rung bur^ 
©trafen, wie ed bem )ugenommenen fittlic^en SSerberben angemeien war, 
unb unterfc^eibet fid) ^ierburc^ aUerbingd ))on ber erfien aUegorifc^en 
DarßeHungK !Der !Raturbien{i l^errfc^t gan) allgemein ; baneben ftnb bie 
@runblagen bed @taated im 3nnerflen )errättet: allgemeine Unftc^er« 
l^eit, 9t&uberei, Sug unb SIrug nehmen fiberl(ianb; bie äiegierung ifi 
o^ne ^nfe^n unb äBfirbe (St. 7, 3) unb bie itönige fallen burc^ Sluf« 
ru^r (7^ 7). 9J3tr ^aben ^ier bad treufie Silb ber anarc^ifc^en ditft&nbe, 
bie balb, fo wie 3erobeam6 fiarfe, folbatif(^e «^anb fehlte, im nirblic^en 
Sieic^e fic^ entwidelten, namentlich al^ nac^ bem lOj&^rigen Interregnum 
fernen eine !Di;naflie bie anbere t)erbr&ngte unb bie Könige ^adiaxia, 
©c^aOum unb SRena^em ba6 @taatdruber ergriffen. 93gl. 2 Jtön. 15^ 
8—20. Der le^tgenannte !D{enal|iem fd^lof mit $^ul, bem it6nige ))on 
^ff^rien, ein Sünbnid, bot ©efc^enfe b. i. SIribut unb folglich Unter« 
werfung an, um ft(^ gegen bie fireitenben Parteien im Snnern )u be< 
^au>)ten. SBgL ^of. 5, 13. 7, U. 8, 9 f. 10, 4. 12, 2. Sßenige 
3a^re fpAter fam bann $l^ul mit einem «^eere, um bie 9iu^e ^er)uflellen 



M2 ßtiötitt $riiobe. ^on b. ®runb. b. Stbni^iff. m ;um @nbe b. @xite. 

wnb bad 8anb ju branbfd)ajen» 2 Äon* 15, 19 f» a)icfer erfie aff^rift^e 
Einfall fleft^al^ um 770, unb ben fd^eint ^ofea, aW er feinSuc^ fd^riet, 
no(^ ni(^t erlebt }it l^aben. 9{o(l^ \t)eniger Ratten bie $(ff^rer bonial^ 
fd)on unter 3^iglat $i(efar (um 740) ®alil&a unb ®i(eab eingenommen 
unb ent\)6lfert. 2 Mo\u 15, 29. 3efaia 8, 23. ^ofea würbe fonfi biefe 
gölten ieneö Sünbniffed fc^merlic^ öerfd^ttjiegen ]|[)abett; t)ielme^r ge« 
Igoren nad) ^of. 6, 8. 12, 12, ®alU&a unb ®t(eab nod^ jum norblicften 
Stetere, ^tad) aDett 9lubeutuugen mup ba^ 93u(^ benimmt )>or bem 
3a^re 770 gefd^cieben fein unb umfaft im äBgemeinen bie 3^i^ "oon 
790—770, wd^renb in 3uba Ufta regierte- 3)ie Überfc^rift rfi^rt ni*t 
^om ^xop^cUn ^er, fonbern ift auö 3efaja 1, 1 fel^r unfritifc^ cntk\)nu 
Sinige, wie Änobel, SQBiner u. 81* l^aben jtpar bie SBirffamfeit^o* 
fead fo wie bie gefc^ic^tlic^en SBejiel^ungen feiner Schrift biö auf bad 
3a^r 740 l^erabruden ttJallen; allein ^ne binreic^enben ®runb. 3)entt 
^ofea 5, 13, auf welche ©teile man jic^ befonbera ftfiftt, fiebt bloß, 
baf (Sfraim ju 9l{fur gefanbt, nic^t aber wirb baffelbe ))on 3uba au^« 
gefagt. Selbe 9teid^e empftnben jwar bie göttliche 3Mdbtigung, aber nur 
öfraim wd^lt ienee t)erjweifelte Heilmittel. Wtl)in tann jene ©teBe 
gar nic^t auf Sl^a^ bejogen werben, ber bie Slff^rer um 740 auc^ noc^ 
3uba berief. 9?ic^t einmal im norblic^en 3ieic^e finb fie fc^on etfc^ienen* 
3)ie „gremben,* bie nac^ Ä. 7, 8—9 3öraeld Äraft t)erje^ren, pnb beut« 
lid^ nic^'t bie »jf^rer; benn erfi in golge biefer SRote fuc^te man bei 
il^nen »&ülfe, wie eö fogleic^ weiter l^eift. — 2)ie ©teile 1, 4, wonad) 
bemHaufe3e^u Jn furjer3^it'' ber Untergang bet)orfte]^enfoll, barf 
man mit ©imfon*) nic^t j)remiren unb ju jireng unb aud bem Erfolge 
erfldrcn woHen: ein SJerfa^ren, baö befanntlid) iel feiner prop^etifc^en 
aiebe iuläfig iji. ©c^on Slmoö 7, 9, 11 f»)ricl)t d^nlic^e !Drol(|ungen 
über 3erobeam IL aud* «&ofea tl^at ben Stuöfprud^ wol&l nac^ ber ge« 
fc^id)tli(^en aBa]|[)rfc^einli(^feit, me^r aber no(^ nai) einer gorberung ber 
moralifc^en SBeltorbnung, wonad^ ben ©ci^ulbigen ^.balb^ bie ©träfe 
ereilt; t)gl. $falm 37, 10. 5 a»of. 7, 9 — 10. 3ebenfallö bejie^t ftdj 
ber erfie, in ft^ abgefc^lofene S^eil Ä. 1—2 auf bie legten 3a^re 3e* 
robeam'd, unb bie 3^^^ ^^^ 3nterregnum^ mup l^ier auögefd)loßen biet« 
ben. 9lo<tj weniger fann jid^ bieiDrol^ung 1,4 auf 3ac^öria beaiel^en. — 
!£)ie gefc^ilberten 3u{ianbe 3uba'0, namentlich bie 9ludf))rü(^e M. 5, 5. 
13, 14. 6, 11. 10, 11. 12, 3 nötigen gewif nic^t, wie ©imfon wiü, 
mit bem {weiten 2:^eile biö auf bie3eit t)on741 l^erab)ufleigen« !I>af 



i) ^er $To))l^et ^ofea, 1851. <S. 16. 



Stotitn 3l6f(!^n. 93. 81(0—^650. S>lt finjelnfii ^xopf^tttn. <&ofra. 808 

au€^ 3uba ab^dngtg n>e):Deit U)üibe («f * 10^ 1 1) unb toie 30rael l^art 
gcjüd^tigt n^erben infi^e, Unntt ein ^opl^et lange ))ot $(^ad )>erfänben. 
2)ie Pflege bed 92aturbfenM beßanb fc^on lange in 3uba , 6efonber^ 
feit @a(omo , unb fef bfi tl^eofratifc^e Könige n>ie 3ofa))l(|at unb Ufta 
(i Aon. 15, 3 — 4) traten ben ^ö^enbienfit be6 93aat nic^t ab. SSie 
gefegnet bed^alb Ufla6 Stegierung aud^ fein mochte/ fo bro^t boc^ f(^on 
SImod 2, 4—5 mit einem Strafgerichte über 3uba nnb Serufalem, weil 
ed t)om wa()ren ®ott abgefaQen. 3)asu berl&f t {id^ Ufta gu fe^r — nac^ 
ber aWeiuung ^ofea'ö — auf duf ete ©<ftu$mittel, auf fein ^eer unb auf 
bie geklungen, bie er anlegte, ^of. 1, 7. 8, 14. t)gl. 2 ß^ron. 26, 6, 
9—10. SBenn ferner bie Surflen 3uba'ö 5, 10 ber f<^ma(^t)oBflen Zxexu 
loftgfeit befd^ulbigt mrben, fo war ber Äönig felbft too^|( f(^tt>erlic^ im 
©tanbe, fo »eni^ aI6 fpäter ^idlia, folt^e JRec^töberleftungen ber aWad^t« 
l^aber }u ^inbern. ^uf fotd^e 3^inbe muf te notvoenbig bad ä^erberben 
folgen unb <^ofea fonnte mit Stecht )>on bei SBunbe unb Aranf^eit 3;u« 
ba'6 reben, bie ®ott felbfi bem Sotfe berurfac^t l^atte. S. 5, 13. Slber 
Auf erlief t^at fte nod) wenig {tc^tbar ; n>ol^l aber toirfte fie innertit^ t)er' 
uid^tenb unb aufreibenb wie ein geheimer äBurmfra^. ^of. 5, 12. i^&u 
ten wir eine glei(^jeitige $rebigt aM 3uba , fo Wärben und j[ene %ud< 
fprüc^e ^ofea'ö nix^ beutli(^er fein. 

aSad enbHd^ ben fc^riftflellerifc^en (Sl^arafter unfern $ro> 
p1)eten betrifft, fo ifl feine IDarfteOung ]^i# eigent^fimlic^ unb (d^t 
äberad ben 9RangeI an eigentlicher ®^u(e burc^büden. @ie ifl burc^« . 
aviß naturwuc^ftg, raul^, furj unb ungerunbet, boQ abgeri^eiter, gewagter 
Öberg&nge. 6t wirft, im geraben ®egenfab SU Slmod, feine großen ®e« 
banfen unb fä^nen bic^terifd^en Silber nur fo l^in , ol^ne fie forgfättig 
aud)uiei<^nen , unb babei )>ernimmt man Aberatl me^r bad 9BaQen unb 
Sßogen ber 6m)>finbang ; me^r bad fl&rmifc^ erregte ©emät, ali einen 
flar ftd^ ergiepenben @eban{enftrom. !Dal^er anc^ bie l^dufigen $Ib< 
weid[)ungen 9on bem gewöhnlichen ®a^bau, bie (SUipfen, 3nberftonen 
u. f. f., wobucd^ feine ©c^reibart, t)oQ feltener Sßörter unb eigent^fim« 
lieber SBortbebeutungen, auf ben erfien Slidf fd^wer unb bunfel ifi. ©an; 
irrig jeboc^ i^ bie anfid^t, bap iene Slufregung bed ®emüt^ben $ro< 
pl^eten t)er^inbert f^abe , feine Schrift ftrop^ifc^ ju giiebern ; im ®egen« 
t^eil finb bie Strophen einer abgeripenen, fprung^aften l£)arfleQung nur ' 
gänftig. iDie Überfe^nng wirb jeigen , bai ber erfie Sl^eil aud gleich« 
gebauten )wölfieiligen , ber )weite bagegen aM ac^tgeiligen Strophen 
befielt. So ungleiche ©tropj^en, wie }. 93. Swalb l^ier annimmt, ber* 
bienen biefen 9{amen ntii^t. 



S04 QioAtt $mobe. SSon b* ®ninb. b. Mnigt^. 6id }um (Stibc b« (Sritt. 

!X)ie auff^tubelhbC/ in 0))rüngen {tc^ foctbetüegenbe gorm ^ofea'ö 
entfpric^t t^oOfoinmen fein{{^ innern (S^arofter. @r ^at rin tvei^ed, 
warmed ^erj ; bad mit inttiglier 8ie6e an feinem 9}o(fe unb SSatetlanbe 
l^&ngt uub bedl^alb mit bem tieffien ©c^merje bad ftttlic^e SSerberben/ 
t>a6 Seiben unb bie nohoenbig na^enbe $(uf(6fung be^ Staaten mit 
anfielt. @r mup fic^ ®malt anif)nn unb muf gegen fein rein menfc^^ 
liii^ed ®efu^( btol^en unb firafen ; abet ed ifi ^bet ^eilige 3orn bet 8ie6e/ 
ber iebed feiner äBorte eingegeben f)at !Dal^er biefer rafc^e Übergang 
t)on 2)col^ung ju Scmaf^nung unb 93er^eifung/ )>on d^^^^flung unb 
3om )u Erbarmen unb 93erfo^nung» iBgK «ft. 2, 1, 16« 11%, 8 ff» 
A. 13, 14. Öberl^au))t )>erbinbet er eine grofe ^§nl^eit ber ©ebanfen 
unb Silber mit einer feitenen 3<ttt^eit ber Smpftnbung. Unb wie bad 
^erj bed ^rop^eten t^on {enen entgegengefeftten ©efü^len in feinem tief* 
f}en ®runbe fofe^r erfc^uttert wirb, bop er im Übermaße bed Sd^meried 
über ba6 unabn>enbbare (SIenb faß tva^nfinnig )u »werben färd^ten mvL$ 
(A* 9, 7), fo ifl au(^ ba6 SSer^&Itni^ ®otted )u feinem IBoIfe toefentüc^ 
a(^ 8 i e b e gefaxt / bie aber , n>ei( fte berfannt unb berieft tDorben , nur 
burc^ l^arte 3ü<^tigung gum 9ef)en be0 geliebten ©egenflanbed fic^ bf en« 
baren fann* «fein anberer $rop^et M alten SBunbed ^at ba^ SSefeu 
®otted a(d bed liebenben unb fhaf^nben jugleic^ fo tief unb ft^dn auf> 
gefaxt* ®ott ali SSater liebte unb leitete feinen Sol^n , nftmli^ 3drae(/ 
bon feiner äu^enb an <f« 11, 1—4, fiberl^&ufte ed mit Sßo^It^aten, 
allein aibfaU n>ar ber !Danf bafur* 3>ed^alb muf ed , n>eit alle äRittel 
ber S3efe^rung fe^lfc^lagen, auf« ^Artefie gefiraft »erben. Ä. 11, 5—7. 
3taii biefen brol^enben SBorten bricht bann aber mit überrafd^enber SBen« 
bung ba« geuer ber en)igen Siebe ergreifenb l^erbor. 2)er Sater f ann 
ben entarteten @ol^n nic^t g&n)lic^ berßof en unb untergeben laf en* 66 
fommen l^ier bie ^errlid^en SBorte: „D voit fbnnte i^ bic^ l^ingeben, 
(Sfraim? tt)ie bidii preisgeben, o 36rael?* u. f. ». Ä. 11, 8 — 11. 
(Sbenfo A. 13, 14: „%M ber «^anb ber ^iüt tbiQ ic^ fie erlöfen, bom 
!£obe fie befreien ! "^ 3tai) ber Iftuternben ä^^H^H / ^^^ ^^^ fittlic^en 
Sßiebergeburt werben fie bann wie im Slnfang ber ®emeinbe »@o^ne 
bed tebenbigen ®otted'' l^eifen. «S. 2, 1. 3>ie »filiere $arabel bed 
«^eilanbeS bom verlorenen @o^ne Hingt wie ein 6(^o aui ber @(^rift 
be0 «^ofea. 

^duftger atd unter bem Silbe ber Saterliebe erfc^eint unferm ^ro« 
pl^eten bie göttliche, aOerbarmenbe unb unwanbelbare Siebe ju feiner 
®emeinbe ald ®attenliebe/ berSlbfaU unb bie Untreue MfßolU6 
bagegen aU @l(^ebru(^ unb Sul^lerei : Silber/ welche in ben mannigfal« 



tigfkn 98e«buagen unb 9(nn)enbungen imfSj bie gan)e Sd^eift fic^ ^in« 
burc^jiel^en. S93te abet ber @runD bed g5ttH#n SBefen6 l^ier mit einfsi 
gan} (i^rifitic^en 9ln^au(^e fd^on a(d Siebe gefaxt toirb^ fo (od auc^ bad 
meaf(^li<^e SBefen in t^dtiger Siebe unb tceuec «Eingebung an fcinea 
@ott n)ie an bte ©(aubendgeno^en {tc^ ofenbaren. ,£enn ^ l^eif t ed 
6/ 6: Siebe l^ab id^ gern unb nic^t Opfer ^ unb ©ottetfenntnid liebet 
ald 93ranbo))fer/ !Dur(fy aßed bief ))errfit .^ofea bei bem f^idffitn fxü* 
(id^en 6rnf)e , bei ber mfinnf i(^fien Mxajjt )ug(e{(^ eine ^attfydä unb 3n« 
nigfeit be6 ®emutd^ eine ^eilige @Iut rein^er religiöfer Siebe ^ toit vt){c 
^e bei feinem anbetn $ropbeten antreffen« 2)aau ber bic^terifc^e Anflug; 
bie e^t (^rifc^e Stimmung, mit ber SiDed t)orgetrageu n>irb, fo baf 
ndc^ß 3^oeId Schrift fein prop^etifd^ea @tudC eine fo poettfd^e gorm unb 
Sarbe f)at. SlOea »eigt bie grojpte Unmittelbarfeit, bie reidbfie bic^terifd^e 
Segabung unb öberl^aupt eine geniale ®(^öpferfraft, mie mir fte in 
fold^er Urfpriingli^feit felbfi bei bem elnjigen Sefaja nic^it ftnben* 9?ur 
bie ^orm^ft ungelenf unb l^art, fententiod, epigrammatif^ für) unb 
feinf^aft, aber ed^t iiolUifyümliiif oft a^nungd))on, mel^r anbeutenb a(d 
au^fpre5(^enb, toeö^MiIb bie ©c^rift anii fo f(fttt)er ju uberfefteh ijl. 

2)urc^ ^rm unb 3nl^a(t bilbet <&ofea bad getreufie @eitenflud )um 
^ 1^ e n n e b e , bad nur tma 20—30 Sollte Älter fein mag , unb beibe 
©tüde (^arafterijtren vortrefflich ben ®eiji ber norblic^en SBewol^ner, wie 
fc^on ©♦ 241 f« furj angebeutet würbe. Sinen 5Wangel an fünfllerifd^ 
gefialtenber, fci^öncrgorm jeigen jmar beibe ©tüdte; allein bafür entfc^d* 
bigt un$ eine ergreifenbe, gemut« unb getfit)olle Unmittelbarfeit, ein 
^f^antaßet) oller Stoturau^brudF, „an leibenfd^aftüc^ ©tommeln/ ba^ ein 
täfM, ))otle$ 2)i(^ter^er) beurfunbet, bA6 aber nur bann t>ollfommett- 
Derflanben toirb, wenn man mit gleic^beweglic^er ^ßi^nto^e, mit leben« 
bigem (Sefül^l unb mit frifc^er 9lnf(^auung ben l^rifc^en ©prangen unb 
ben fc^rofen Übergingen folgen fann* Sbenfo verlangt bie beibeti 
©tädCen eigene fä^ne äSUberfprac^e, bie il^re färben oft fel^r f^atf^ouf» 
trägt eine lebenbige unb elafUfd^e (Sinbilbung^fraft, wie )• S3* auc^ bie 
pl^antaj}if(|en ©agen aber (Slia unb @lifa, bie ebenfaOd ffir 9iox\^ 
paldfMna fo d^arafteriflif«^ ftnb. — SBei: nun aber bei aller S^^rmlofig? 
feit in ^ofea'd ©c^rift ein jufammen^&ngenbed unb gewtf e ®runb« 
gebanf en bur^^i^renbed ®an)ed anerfennen mup , ber wirb, nod^ viel 
leichter ben dufotnmen^ang bed «^o^enliebed nad^ful^flen. 93ie ber ©dn« 
get biefeiS Siebet im fc^dnflen ©inne ein SBölfd« ober 9{aturbic^ter i% fo 
mfifen wir auc^ ben ^ofeiK in einem ganj vorjöglid^en ©inne aM einm 
%atur« unbSiolfdpropl^eten be)ei(^nen. (Snbl{<^ erlaubt am^ bec 



3nn]^aU betber Bt&di eine .^axaUtk, bte i<^ mit no(^ bt} attbeu« 
ten n)i(l« • 

2>ie rein menf(^({d)e Siebe ber ®ef(l^(e(^ter, bie in i^rer 9((Ied übet' 
noinbenben Jtraft iugfeid^ bie größte Streue nnb bie reinf)e 6ittli(^feit in 
^c^ fd)(ießt/ ifl im .^obenftebe auf bie n>ätbigf)e unb f(f)tofle äBeife Der» 
i^erilic^t tDorben. 9Bad bieß Sieb im ®ebiet bei toeUlid^en SSolfebid^tung 
i^, ba^ ifl ^ofea im rein teUgiöfen Gebiet, KDobei bie Siebe ebenfaOa 
ben inner^cti; SlOe^ betpegenben nnb betebenben ^ul^fc^Iag bilbet, 9etb€ 
6tütfe fleOen jwar gtofe ®egenfd$e bar, aber fie gel^öten }ufammen unb 
bejeic^nen ben enoigen ^aralleHdmud |n)if(^en «^immet nnb (Srbe. ^ur 
9}oib)^a(äf}ina aber iß e^ unflreitig <]^arafUriflif(^^ baf getabe l^ier jnerfl 
ba6 (Svangelinm rein menfc^Iic^er nnb göttlicher Siebe ^erfunbet tDorben 
if)» Seiber liefen bie .^ärte ber ^tit unb bie geivaltfamen (Siugiife t)on 
Stufen bie ebelflen Einlagen ber n6rb(i(^en @tdmme nidft gu boQer nnb 
aHfeitiger Sludbilbung gelangen, d« erfolgte etwa 503al(^e f»)fiter (722) 
ber tragifc^e unb feinedwegd burc^ innere Stottoenbigfeit bemi^fte Unter« 
gang be6 Sieic^ed unb bie 93erpflan}ung ber ®nn)o^ner na^ ^{f^tien^ 
o^ne baf fic^ <^of<a'6 ibeale «^o^ungen einer ^erfieUung unb SSoHs 
enbung be6 ganjen 93o(f^(eben6 {emal6 9ern)irf(i(^t l^&tten. Sc^werüc^ 
aber erlebte «^ofea felbfl no(^ ben (Sturj feinet Soterlanbe^. 

Sin britter $ro^l^et, ber fic^ nac^ Kmod unb ^ofea *- tt>enn auä) 
nic^t au^fc^Kef (i(^ ^ fo bo(^ borl^errfc^enb nnb t>o(l grof er S^J^eitna^me 
mit bem nirblid^en 9leii^e bef^fiftigte^ ifi bn unbefannte äievfaper t>on 
^aifixla ^»9 ---11t 2)af bnd norblic^ 9ieii^ bama(d no(^ beflanb^ 
folgt entf(^ieben au6 S. 9, 1, 10, 13. Ä. 10, 6.^10, unb befonber«« 
aM ben gefi^id^tlic^en 9liif})ie(ungen Map. 11. 3)ie Slff^rer, auf bie 
mtiXi bei <^ofea noc^ Hoffnung fe^te, erfd^einen ^ier bereite ald furcht? 
bare, jibermütige ^einbe, benen bedl^alb ber Untergang angebrol^t n>irb* 
St. 10, 11. ®ileab i|l in i^rer ^anb unb entb6Ifert> 10, 10. Sörael 
felbf) (eibet an innern dertoirfniffen ; @iner infltl\d)t ben !(nbem; feine 
t^errf^er finb trenlod unb graufam, unb fntlen gen^attfam; ba^n mer« 
ben noäf bie im^tx, $IE)i(ißer, $^onifen unb «tiet^^n ald frinbitc^e 
aSdtfer be)ei(^net. — ®eben und biefe gef(^i(^t({(^en tlnbeutnngen au^ 
feinen Singerneig fut bad 3^ita{ter bed ®tfi<f0,. fo ffi^^tt bagegen Stap. \ l, 
4 ff. enlfi^ieben in bie 3eit, d« noc^ ^erobeame II. Höbe eine aOge« 
meine ainae(^ie unb ein langer Sfirgerfrieg audbrac^, i9on bem bad arme 



Solf fi<^ n{(^t n>ktet erholen fonnte. 3)rei jtdnig€ folgten in furaec 
3eit aufeinander* BnUi^t n)itb not^ ein 6efc«bet6 graufamet ^errfc^et 
ewai^nt Ä. 11^ 14 ff., womit offenbat ^ttaf) (reg. 758—738) ge* 
meint ifl, ber im Sunbe mit Serien 3uba befriegte, nnt740. 93g(. 
3efaio Ä. 7. 3)0(1) fagt bie Stelle nur, baf ba« gute SJernel&men mit 
3uba bamald aufgebort l^o^be; ben ^elbjug felbfl fennt fle no(^ nic^t/ fo 
baf bad ganje @tfi<f , bad tt)efent(i(^ ein fc^riftßellerifc^et $robuft fein 
mug, fid^ auf bie Seit »on 770 -^750 bejie^it» Unflreitig w>at ber SBer* 
faf er ein 3ub2er ; ' benn er fü^it fi(^ im Säben ebenfo l^eimtfc^ , tote 
t* 9. <&ofea im nörblic^en Steid^e. 

3>af jeboc^ Diefer ^erfafer ni^t berfeibe ^aifaxia fein tarn, ber 
um 520 lebte unb Xap. l—S gefc^rieben l^at, foüte je^t Kiemanb me^r 
)u bejweifefn ibagen« Wt bem Srwac^en ber ^5^ern itritif im 17. unb 
18. ^af)xh. n>urben )uerß in @ng(anb burc^ aRebe, Stetpcome u» $(./ 
benen in 2)eutf(^(anb Sh'tgge, % ^. VtidfaeM, (Sit^^orn u. 91. folgten, 
bebeutenbe 3weifel an ber SbentitAt beiber 93erfaper aufgen)orfen unb in 
neuerer 3^it burc^ *&i$ig/ SRaurer/ jtnobel, (Sn)alb u. S(. weiter be< 
grfinbet. !Die Serfc^iebenlE^eit beiber ffierfaper )eigt ft(]^ )unA(^fl fc^on 
'in ber Sprache unb S)arf)eaung6art. 2)ie ®))ra(^e ber erfien 8 Staifiid, 
bie ein abgefd^(ofene6 ©an^e^ bilben, bleibt fl(^. burd)gdngig gleid; unb 
ifl d^araftetiflif^ genug : ol^ne ^raft unb (Schwung, fafi gan} ))rofaif(l^/ 
nur ^ie unb ba mit Wfil^e )u ein wenig St^^tl^mud fldj er^ebenb. 3im 
aweiten Sl^eil .bagegen , nämiic^ Jt. 9 — 11, (fi bie 2)acftel{ung fura, 
ffi^n , gebrungen unb babur^ tttoa^ bunfel ; aber boU fjeuer unb 8eben 
unb uberaO ec^t rl^i^tl^mifci^ wie bei ben Aiteren $ro)>^eten. ferner ftn* 
ben |{(^ ^. 1 —8 tiele Sifionen , bie f ogleic^ erf (Art werben ; im a^eiten 
3;^«i( ifl feine einaige Sifion* SSad fobann ben ^nf^U betrifft, fo finb 
bie gefc^ilberten 3itf)<nbe total t>erf(^ieben« 9)om neuen ^erttfaiem ifl 
im 2. 3;i^ei(e gar ni(^t bie Stebe. Son einer erfolgten Stfitffe^r be« 
Soife^ aud bem Stile/ tom Semyielbait/ wn ben fieben klagen ®otte6, 
6berllgiau))t t>dn einer na(^riiif(^en SorffeUung ftnbet man l^i||: feine 
@pur. — @nb(td^ ifl ber poHtifc^e ^oriaonf ein ganj anberer. ^a6 
A5nigt^um Suba'd unb bie Trennung bed 9tei(^6 wirb ))orau#gefe$t/ 
11, 18--14. 10, 6—7; ed ifl ^ier noc^ bom ®5(^enbienf{e unb ))on 
falf(f|en ^rop^eten bieStebe, 10, 3. Sor «Oem ifl ba« ndrbUt^e 
9tei(^ no^ ni<^t jerß&rt unb 9lffi^ien nod) mAc^tig jt. 10, 11, fo baf 
biep ©tfid {ebenfaüa t)or 722 geschrieben fein müßte. 

Kac^ ^fter foQ ber $rop^et ^ad^atia feinen SBeifagungen mit 
«bfi^t bie ^fiOe bea ®el^eimniffed umgetegl ^aben. (St l^atte eigentlich 

20* 



906 Sn^eite $etiobe. aSon b* ®nmb. b. Jl5ntgt]^. Bi« {Um (Snbe.b. üxiü. 

5ßcrjten ün ©inn, mochte q&er ni(^t offen baflegen teU}^ imb locrfejtc fi(^ 
bed^alb in eine frühere Sage/ um bie altt 3bee bed @iegd ber S^l^eofratie 
jiber bie «Reiben l^atju^eUen. @i> trenig bie l^if}ocif<^e Sage be6 ®tu(fd 
nnb bie gfin)(i(^ t)erfd}iebene ^u6bru(f6n)eife babur^ erUdrt n)erben fann^ 
fo l&at biefe «^VPot^efe bocfe be SBette'« ©eifaß gefunben unb et iji il^r 
in ben ft^dtern S[u6gaben feiner i,(Sln(eitnng^. beigetreten» 993ad in eine 
frül^ere 3eit %tf)ixt, j. S3* bie SRebenelnanberjieBung 3uba'd unb (Sfraim6 
foU ^atö ari^aiftrenber )}ro))l&etifc^er Sc^emati^mu^'' gefafit tDerben« «Kein 
fEBunber^ ba^ er be^^alb felbfi eingeße^en mu^ : ,9(Ie6 ifl freiließ gleich« 
fam au6 ber Suft gegriffen unb oi^ne Haltung/ n>dlE)renb boc^ bie an« 
gegebene gef(^id)t(id^e ®runb(age aOed @inge(ne ^in(ing(i(f) erNdrt« 3n« 
bed noar be Sette offenbar mit bem exegetifc^en SSerfldnbnid noc^ ni(^t 
im 9{einen« Xap. 9, 12 fe$t feine^n>egd ba6 @ril t^oraud, fo menig atö 
Ä. 9, 9 bie SReffiaö « 3beef(^on pojttit) geworben erfc^eint* 5)er gewol^n» 
Hc^e Äonig iji gemeint wie 3ef. 32, 1. 33, 17. q3f. 2* 110 unb fonfi* 
2)a6Saub^abraf 9, 1 fann fc^on bed $araOe(i^mud megen ni(^t $etften 
fein* Über^au))t ifl berStoed ber Siebe ni(()tfoYoo^(bie €trafbrobung gegen 
Reiben , aie ))ie(me^r auf 3uba unb 36rae( felbfi gerichtet. iDie SRilbe 
gegen ba6 notblid^e äleic^ unb bie «^ofnung einer SBefel^^rung ber ^l^iii* 
fier ifl gemip nic^t nacl^etilifd^. 9}o(^ n>eniger fonnte ^CL<i)axia ®runb 
f)abth, gegen ^erfieu/ too bamald !Dariu6 JQ))^ta^pt^ regierte unb ben 
3uben günflig war, fo furchtbare ^rol^ungen aua^uflb^en^ @d fe(^U 
^ier iebe gef(^i(^t(i<j^e $(nfnäpfung }u jener Slnnal^me. 3>agegen 'otx^ 
gleid^e man^ n>ie j. SB« ^ntiod^u^ IV. im $u(^ iX)anie( unter bem Sdilbe 
Siebufabnejar^ gefd^ilbert worben. — 

9{ur bäburd^ ifl in bie Angabe be$ ßtUalin^ grope SSttmirrung 
gefommeU/ bag man bie beiben Sieben «Kap» 9 — 11 unb 12 — 14 wie* 
berum nur (Sinem 93erfafier sufd^reiben )u mäf en glaubte. !£){e brei 
legten «Kapitel/ bie eine befonbere Überfc^rift l^aben, gelten ndmlic^ auf 
bie d^it für) ^ox ber erfien Eroberung 3erufalemd unb fmb tttoa um6 
3al^^ gefc^riebeu/ wie fc^on Stewcome, 93ert^o.Ibt, Anobel, @wa(b 
u. $(. im SiKgemeinen richtig gefeiten, «ftap. 12, 11 bejiel^t ftc^ befiimmt 
auf ben 3;ob be$ «Königd Softa, ber 611 in bet @(^la(^t bei äRegibbo 
fiel. !X)er SBerfaper be6 erfien 6tü<fd if}. alfo ein ditecet 3eitgeno0 3t^ 
fajad unb f(^rieb wa^rf^^einlid^ balb na(ti «^ofea. 2)er ®ebanfengang 
feiner Siebe/ bie ft(^ ttv^a» ungeienf, ^art unb ^o(pernb fortbewegt/ ifl 
füigenber: 

S^nlic^ wie Smod beginnt er mit ber 3)rol|fttng eine^ @trafgeri<lbtd/ 
bad t>om 9iorben ^erab an IDamadlud/ Z'^m^, ®ibon unb an ben p^i« 



UfUifd^en @t&bten (offenbar bitrd^ bte Slff^rer) ))oII)o^en n>erben foQ/ 
»otduf bie $^{(t{ier, nac^ Stu^rottung i^re^ ®o^cnt)ien^ed, in bie ®e» 
metnbe 3uba'^ aufgenommen »erben foUen. SBfi^renb jened @eri^ted 
iß 3nba butd^ feinen ®ott gefc^u^t unb {tc^er unter feinem ^riebend« 
ffitfien^ n^orauf bann aUe dufern unt^eofratifc^en ®(^u^mittel/ auf bie 
man bi^^er ftc^ ^eciapen, befonber^ S93agen unb Stoffe, aud 3;uba unb 
@fraim entfernt n>erben/ bie gefangenen Sdraeüten feieren ^ntüä unb 
@lott felbfl gebraucht fein voieber )[)ereinigte^ 93oIf atö ein f{egrei(^ea 
^degdn)erf)eug gegen audn>ärtige geinbe , bie blutig t)erni(^tet n)erben 
foUen. St. 9, 1-16. -^ ®ott felbfi aber iji' ber »al^re ®runb aQee 
(Segens unb aUe6 @(u(Eed; bie ®ö$en f innen fein <^eil f(^affen^ unb 
bie faff(^en $ro))l(|eten n)ei$agen S<)(fct)e^. !Ded^atb aber — weil man 
ler ^(bgötterei no(^ ^nlbigt^ n)irb bad Soll forttvanbern müßen unb 
elenb toerben. Sefonberd trifft ber göttliche 3orn bie ,^irten unb gfil^rer 
be^$o(fe6. ^od) bei bem großen ®erid)te n>irb bad $aud 3uba^ aud 
bem {ebe xoai)x^ ^enfc^aft l^en)orgeffen mu^ , ftegriid) fein, Siui^ bad 
gefunfene norbüc^e Steic^ foll gerettet ^ bie 93erbannten aud äg\^pten ünb 
Slff^rien jurucfgefä^rt unb im SSerein mit 3^uba wieber mächtig werben, 
Ä. 10. — 93et)or ieboc^ biefe 'Hoffnungen t)eru>irHi(i)t werben fönnen, 
mu^ aUed Sc^Iedjte in S^raei, befonber^ bie ungerechten ^a6)ii)abex, 
wie fd)on 10, 3 angebeutet war, öernic^tet unb geftürjt werben. 3)ief 
fübrt A. 11 aud. 3un&(^ß werben bie ^olUf)in)pUx unter bem Silbe 
"oon ^rdd^tigen S&umen^ nametttüc^ t)on S^bern, t>org/?fteQt ; wegen bet 
innern ©ewif^eit ber 3«JißJ^Mn9 forbert ber Jßrop^et fc^on anbere l^obe 
Sfiume (b. i. anbere 9Ra(^t^aber) auf ^ aber ben @tur) ber ßcitxn )u 
wel^flagen : 

bfjnt, Sibanon^ beine ^^ore, ii, i 

IDamU bad ^euer anfief e beine 3ebem ! 
Sammre, o St^te, bag gefaften bie 3eber; 
IDaf bie fßräci^tigen ))em)äfiet ftnb ! 
3ammett, il^r Giemen ))on 8afan, 
aSßeil gefönt ifl ber l^o^e SBdb ! 
' ^ord^/ bad 3ammnn bet Ritten, 

®eil oenoäflet toorben i^te ^xa^i ! 
^or(i(f, ba0 (debrün ber £ö)oen, 
%3et( bce 30rbahe ®toI) jerfidtt ift ! 

Die Sowen wie bie ^irten fmb ebenfaUö bie SKac^t^aber beö SJoIM im 
nörb(icf)en 9teid)e. Die Stotwenbigfeit i^re6 @tur)e^ Wirb fobann ^.11, 
4 — 16 in einer f)}mbolifc^en @r}&^Iung borgefieUt. Der ^xo)fi)ti he* 
Umtat t)on @ott ben Siuftrag^ ein <^irt feinet un^üdlic^en SSolfed )u 



SlO Stotltt Ißirio^« Sott b. i»xin\>. M Mntgt^. m }* ditbr %. <!riU. 

toerben« St ergreift bedl^alb a^^i ^irtenftAbe, xoom\k er ed leiten totK^ 
ben Stab «^ulb/' bad freunbUc^e SBer^ältnid }u anbern Golfern 
bejetc^enb, unb ben @tab «(Sintrad^t/ ber {t<l^ mel^r auf bie innent 
Slngefegen^etten « befonberd auf bengrieben {wifd^en 3uba unb 3^rae( 
bqiebt. — 2)rei fc^tec^te Solfd^irten tüurben fc^neU na<i^ einanber ge« 
fiürjt; aber bie unglöcfU^e «^eerbe bewerte jtd^ ni(^t unb ber ^xopf^tt 
n>arb unmutig unb )erbra(^ )undd)ß ben @tab «^uU, j,um auf)uI6fen 
ben S3unb; ben er gefc^Io^en mit all ben SBölfetn.'' !£>ann bittet er, tt>ei( 
i^in fein <!^irtenamt )>er(eibet iß/ um feinen SoJ^n^ unb erl^&U bie geringe 
Summe ^on 30 @i(ber(ingen unb bamit alfo feinen 9lbfd)ieb« !Z)er $ro« 
pl^et aber ifi @ten))ertreter ©otted ; bedlSialb erl^&(t er Sefe^t/ bie Summe 
in ben Sd^a^ be^ Ztmptl^ )u n>erfen unb jerbric^t bann ben anleiten 
Stab/ «um aufjulofen bie Srfiberfc^aft jwifd^en 3uba unb 30rae(.* 
Darauf erhält ba& SSoIf noc^ einmal einen fc^Iec^ten^ graufamen ^ir« 
ten, worunter/ xoit f(^on bemerft, $efal^ )u t)erßel^n l^, unter beffen 
ätegierung unfer $ropl^et feine ätebe f<l^rieb unb biefen ^6nig mit ber 
!X)rol^ung abfertigte : 

O 4iirt, bn ni^iitoMi%tx, 
^tx bie &ä)aaft im ^ii^ Uftl 
IDer ein ©d^mert f^ai an feinem Srm 
Unb an feinem uä)Un $tuge ! 
©ein fitm foH )»etbemi 
Unb fein re^te^ Sngc ecblinben I 

!I(« gtipere $robe fielSie ^ier ber Sinfang ber Siebe/. A« 9« 

^ra^ptnäf Ui Sorte« ®oHe« über ba< Smtb ^obrat i 

Unb auf 3)amol!itd fenft et f^ f^etoA $ 

(^enn bec ^err l^at bie $(ufflci^t auf bie üRenfci^en 

Sßie auf ade Stämme ^ixatU 5 ) 

Unb aviii^ übet {^amat, bad baran gtöngt/ 2 

äbet %t^tü^ unb Sibon, totH ed n)eife i^ gar fel^t^ 

Unb ed baute Xl^tud {1(^X16 ürme 3 

Unb t p t m t e Gilbet auf toie @taub 

Unb ®o(b loie itot( bet (S^apen* 

@iel^e/ bet «^ett n^itb f{e etobitn 4 

Unb fdi^Iagen il^re maä^i in« fReei^ 

Snbem fle felbfl burd^ gcuet toitb i^crsel^vt« 

@d^auen foS e« 9l«fa(ott nnb tnirb f^aubet«, 5 

®a^ (foß e« feljn) — nnb wirb littttn feilet/ 

Unb dfron/ bap fein ^ofen ifl get&nfc^t» 



1). 3){eß mtt$ ®^tten Be)ft(|nett unb |le^t neben ber {^attt>tflabt 3)amaäftt« toie 
Sffaia %, U 3, 8. 0/ 7« Huf bie le^te ge^t bet ^nifptviä^ befonbct«« 



Unb bann toirb flifttDtnbm brt Jldnig <nt« (Hoi* 

Unb Sldfalon koitb ni^t tool^ncn bleiben $ 

IDann tterben Srembe in 9(0bcb tool^nen 6 

Unb iä^ \>txni^it ben @toIg bev $l^tUflev. 

Unb fortfc^afen toerb* iä) bie (Äbgütter*) au« feinem !D2unbe; 7 

Unb bie ®r&uel fort aud feinen 3a^nen^ 

€o bafi au(^ er öbrtg bleibt unfetnt (Hott/ 

Unb toicb bann tote ein gitrfl in 3uba 

Unb (Sfron toie bec Sebnftter« 

Unb lagern toerb* t<^ midft um mein ^aui \D\t ein $oflen; 8 

IDa^ Cniemanb ein« unb au^jie^e/ 

Unb nic^t ein^ie^e gu i^nen noc^ ferner ein IDränger ] 

IDenn nun ^ab i^^ gefel^ mit eignen 9(ugen. 

Sro]^Io(!e laut, bu !lo(^ter 3ion ! 9 

Subele, Xoä^Ut 3emfd(em ! 

(Sielte, bein ifdiiig fommt |u bir^ 

WvLdliä^ unb fiegretd^ feienb/ 

Sanftmütig unb auf einem Clfel rcitcnb^ 

9[uf einem Sutteii; ber (Sfrlin Sel^« 

IDa n)erb' iä} ))ertilgen bie IS^ogen au6 (Sftaim lo 

Unb bie Stoffe and 3erufa(em/ 

Unb loemici^tet toirb ber itriegedbogen ; - 

Unb er ))erfänbet bann Srieben ben itat^f 

Snbem er l^errfc^t von SRcer gu fÜeer/ 

Unb )9om (Sufrat bt« gu ben Qnben M Sanbed«') 



1) D^tt*i fann ^iet nf4t SSIut; IBInt^nde, blutige 0)»fer bebettidi, fon« 
beeil ifi abg^Ieiten »en bn if^uliä^Uit, f8ü)t> füx minhiU, Slbgoti^ ent« 
i\pxt^n\> bem^aralielen ®rauel; wie @g. 19, 10. 127; 32. 9gL M^a 2^ 19 : »34 
n^erbe entfernen bie Flamen ber ^aa(^ au^ il^rem Sltunbe*^ $falm 16; 4 : ^^6) gieße 
nt4^t ani t^re ©upcpfer, fern 9on einem $(bgott (d^»)/ unb nel^me feine Sltoinen nr^t 
ottf meine g^jjen.* 

3) aßie biefe tein geogra))]^if<(e Kngobe iber bie mtiUftt 9««b<|nttng ^aU^itta*« 
)M t^etÖel^n fei, )eigt 12 a)>{of* 23; 3f : „äii fe^ beine ®rdnge vom ®(^i(fmeer bid §nm 
ä)'{ier ber $^iUfler (wofür ee bann fur| l^eißt: ))on SDi^eer gn 9>2eer), unb 9on ber ®üfle 
bie gum (Sufrat. SSgl. 5 SRof. 11; 24} 3of. 1; 4. 9Cnf!att ber SS^üfle im €üben 
(teilen fonfl au^: bie Slu^gange ober @nben bed iante^ , toeil $at&(tina (ier 
feine fefle 9(bgrängung l^atte* fßfalm 72; S» Sfrad^ 44; 23. tDurd^aue fa(f(^ unb t>^an* 
tofiif^ faßt man biefe »(Snben be0 {anbe0^ «U bie enbrn ber Qrbe, namentlft^ 
btt/ too biefer $(ii^bru4 allein i»or!ommt; im er aber; lote ber ätffammen^ng geigt/ 
jene befiiftränlte geo9ica)>]^ifc|ie Sebeutung l^aben muß, n>ie $falm 2, &• 22; 28* 59, 14* 
98; 3. amc^a 5; 3. 1 <Sam. 2; 10. 5 SRof. 33, 17. 9Bie ^ier D->obM fo ffe^t fonft au^ 
n:»;? Serem. 12, 12, unb ber ^lural fPf. 48; 11. 65; Öj ebenfo t^\SH^Mr\ 4 SRof. 34, 
4 ff. ^ie Clnben ber Chrbe verlangt bagegen ber 3Hfammettl^ng €)>rn». 3(^; 4. 
'i^h 28> 24. 3ef. 5; 26,, 41; 5;, 9. 43; imb fcnft. — 



SIB QxofiU $etii>bf. f8on b* ®x&i(b. b* JtBnigt^. (U gum (Snbf b. (fette« 

IDiv f((ott um buhte« BdttBefie^ien SBmibc« toiKen ii 

Chttla^* id^ beine ©efongnen au« tvapetUetct (^ru6e, [f^ted^cnb:] 

^Stefftt toiebrr gut "ßo^e/ t^t ©efangne« ber Hoffnung ! i% 

^oppeltti toxti i^ btr «vergelten l 

IDenn id^ f)>annc mir 3uba al« Sogen, 13 

Unb füne {()n mit Qlfratm, 

Unb toerbe aufregen beme Coline, Sion, 

ffifber beine <Sö^ne, o Sonien^ 

Unb maä)t bid; lote etne^ $e(ben ^ä^votxU" 

^er «gerrtuirb über il^nen erfc^einen 14 

Unb l^erau^faC^rt bann toit ber f&li^ fein $fei(; 

Unb (Hott ber ^err toirb in bte $ofaune ^open 

Unb gie^t ba^er bann in be« (Sübend ®iärmen. 

^er {^err ber ^eerfd^aaretr wirb fit fd^fi^eu/ i^ 

®o bap {!e bte ®d^(euberßeine niebettretenb t>em{(^ten ^ 

^ann loerben fte trinfeu/ tobenb toie t>on SOei«/ 

Unb toerben ioo(l lote bie Dvferft^aale^ 

SBie bie (Scfen bed 9(Uare0 »erben. 

Unb ei3 rettet f!e ber $en i^t <8ott an {encm %a%i 16 

®o fem fte finb bie beerbe feine« SSolf«; 

3a ^ronenßeine »erben erglängen auf feinem £anbe* 



IDenn toie grop ifi feine ®tite 17 

Unb toU grop feine SieMiddf eit ! . 

©etraibe Upt bie SüngUnge 

Unb SD'^ofl bie Sungfrauen f)>ropen. u* f« to* 

Sßer bejtimtnter bet SSerfafet biefed ®tü(td gen)efen, ob er etma 
aud^ Sö^^^Hä ö^i^^if en unb mit bem Setter unb JRatgcber Ufla'^ tben* 
tifc^ war (pqU 2 S^ron..26,- 5), la^t ftc^ nic^t mel^r ermfttcfn. !Do(^ 
(priest gegen eine foldje poftttoe annal^me, ba^ ber Serfoper Ä« 11 ent» 
[(Rieben auf ben graufamen $efa^^ ber burc^ 3)}euc^e(morb auf beit 
S^^ron Uttif ^inbeutet unb mitJE^in na d) bem Saläre 758 gefd^iieben l^a» 
ben muf / »dl^renb Jener ^a^axia bereite me^r€ 3a^re t>or Ujta, olfo 
üor 758 flarb. — SBenn aud^ nidjt in Sejie^ung uuf bte gorm ber 
JDarjieHurjg , fo gebül^rt biefem SSerfaßer boc!& beö 3nl)alte6 tt)egen eine 
bebeutenbe @te(Ie unter ben ^ebrciifc^en ^ro^l^eten. 3n^befonbere jeid^s 
net il^n au6 eine miibere, uniberfcQere 9(uffafung ber nic^ti^raelltifd^en 
ajölfer, 9, !• ©o ^offt er fogar eine Sefe^rung ber 5ßlE)iIlfier, 9, 7. 3>ie 
©teile befagt feine6tt)egö/ tt)ie man fte tt)o^l erfldrt f)at, bap biefe ^et* 
ben bon 3uba foUten unter^borfen werben unb nur in felunbfirer SQBeife 
baju gel^ören* @^ l^eipl vielmehr au^brädUd^ : burd^ Sortfi^af ung ber 
griuelboden ®o^en würben |{e bem wal^ren ®otlif übrig bleiben unb 



3tvciter ^f^tt« IB« 850--a50. ^ie etitjeltten $ro))§fitn. 3efajia. 8t8 

dfo aud^ innerlid^ il^m attgel^Stett. (Sbenfo ift ed eine feltene «nb 
f(^one @ettc an biefem ^rop^eten^ \>a$ tx, abtt)o|)( ju 3uba gel^örenb, 
bod^ ntd^t eiferfüc^ tig i^ auf ba$ nocbUd^e 9iei(^, t)ie(mel[|r mit glei^ef 
Siebe unb S^^eünal^me fein @(^i(ffa( ))erfo(gt unb bie Srubetßdmme^ bie 
burd^ f(i^(e(^te Könige )u @runbe gerichtet, icecben^ auf^ innigfle bentit» 
leibet. 3n biefet «^in^d^t xok an^ fonft, a« S* in ber f^mboUfc^en (St« 
i&^Iung 11/ 4f«/ erinnert et an «^ofea^ beffen @d^rift et offenbat 
f annte f o gut wie bie be^ 9lmo6 , bie er in bet (Sinf eitung nod^a^mt. 
aSgi* fonfi 3a** 9, 7 mlt,^of. 2, 19. 3a*. 9, 10 mit ,&of. 1, 7. 
2. 20. 30*, 10, 5 mit ^of. 14, 4. 

5. 3efaj[a bet erfle, ober ber ierufatemifc^e. 

1. Unter ben &lteten $ro)D^eten l^at feiner fo entf^eibenb unb 
bauemb ouf feine ä^ik.m^ttioixU , afö 3efaj[a I. / »eöl^atb er f*on frfil^ 
bei 3uben unb. @l[|rißen aU ber grof te aller $ro))l(|eten betrautet Ytiurbe. 
9Bie fe^r man nun aui^ n>ünfd^en mod)te/ übet bff6 dunere &ben eined 
fo auf erorbentU*en ©eified genauere 9{a*ri*ten )u l^aben, fo bef*rdn« 
len fi* biefcbo* nur auf toenige , bflrftige Slnbeutungen. @r war ber 
@0f)^ bed.9lmo), eined fonft unbefonnten SKanned. 9la* .Sap. 7, 3« 
8, 3, 4, 18 mar er tjer^eiratet unb SSater jmeier ©ol^ne, betten er >>tö» 
pl^etlf*?f9mboIifdje SRamen beilegte. (Sr mar ferner ein Sürger 3eru* 
falem6 ; benn l^ier, im SWittelpunfte be6 9iei*e^ 3uba unb in ber un« 
mittelbaren 3tül)c ber jtönige, erfd^eint et fein ganaed Seben l^inburd^ 
ald ^ropi^et unb Solteprebiger t^fitig, meöl^alb mir il^n jum Unter* ^ 
f*iebe t>on bem babtjIonif^enSefaja Ä» 40— 66 am paffenbjien 
äld ben i e r u f a l e m i f * e n bejei^nen werben, ©eine öffentli*c SEBirf« 
famfeit begann er xtad^ feiner eigenen Angabe (^. 6, 1) im S^obe^ial^re 
beö Äottigö Ufta (759 ober 758) unb fefete fte fort unter b^n brei folgen* 
ben \Rönigen bid etma jum Saläre 700 Joor (S^r. ©eine Sugenb unb 
(Sntmidfiung fiKt alfo in bie legten an>anaig Saläre ber langen unb gläd!« 
li*en ^Regierung Ufia'ö. SBar er bei feinem erften auftreten etttW 
20 3a^r alt, fo mürbe fein Seben bie 3a^re 779—700 umfafen. 

aBal^rf^cinli* erl^lrlt 3efaia eine für {ene 3eit geteerte ©Übung. 
3ebenfaß6 trat er mid^ einer langern unb ernften SSotbereitüng , na* 
einer fittli*en l^duterung ober mie er £.6 e6 au^briidft/ na*bem 
ein Sngel feine ffinbigen Sippen gereinigt, feinen 93eruf nadb freiem 
Sntf*lu|e an unb blieb bemfelben bann fein Seben lang treu, .^ierburd^ 
unterfd^eibet er ftd^ a* ^* ^<>n feinem SSotgdnget $lmod, ber ein ^itt 



814 3>v«i^< ^rtiebf * Sion b« dritnb« b. Attiigt^« BU ^um Cnbr b* Srtfd. 

tooT ttnb nur (Sinrml, fo ^iel tt){r wi^tn, jn einer )>rop]^ettfd)en €ttof« 
))tebigt begeiftert n)urbe unb babet gefielt, ba^ er tvebet $rop^et fei« 
nem 193erufe na<l^ , no«!^ fiber^^aupt bet 6(^üter eined ^ropl^elen fei 
(fümi)« 7, 14 f.). 

San großem Sinßufe auf bie Sübung Siefaja'^ maren ft^tbat bie 
Schriften» feiner nfi(t)flen Sorgdnger^ bed äoü, 9lmt^ unb ^ofea. @r 
fe$t nur fort unb t>o(ienbet^ wa^ fie begonnen^ voobei fid^ ouc^ im (Sin* 
seinen manche Steminidcenjen finben. ®o Hingt )» SB. bie freiftnnige 
$oIemif gegen bad Dpfern^efen unb ben bU)f iufiern;. gefutnung6(i>fen 
^u(tud 3ef» 1 gan) voU ein @d)o aud ben Schriften be^' Slmo6 unb 
^ofea* Sbenfo erinnert bie !Dro^rebe gegen bad nörbliti^e JReic^ 3ef. 9/ 
7—20 an Sfuöfprüd^e ^ofea'd, j* »• Ä. 7, 9 f, Slld ein älterer 3eit* 
genoß in 3uba erfc^eint ber unbefannte SBerfaßer »on S^^orja 9 — II, 
unb atd ein jftngerer n^irft neben i^m unb burc^ i^n angeregt auf bem 
eanbe bec ^Jßtfp^t äRid^a ^ um 722. @ogar Anferli«^ (egt er feteen 
JReben Ältere «uefprüd^e ju ®ruttbe, wie Ä. 2, 2—4 ; unb Ä« 15—16 
nal^m et turi^ bie 9)a(^(^r{ft ^. 16, 13—14 ba$ ganje €t6ä dtu^ 
frfi^eten/ ebenfatid unbefannten ^rop^eten in feine ©ammlung mit ostf* 

®a« filteftc IiteroTif(^c Denfmat 3efaia'«, bie grope 9iAe Ä* 2—5 
ffiOt bem »nkpe naii in bie Seit bed 3 o t a m (799— 743) ; i^e fi^d^ 
ii4e Sibfafung aber fanb getbiß erft in ben erften Stegiermtg^ja^ren be6 
«11^ a 6 ^ait (743—728). !Die ©egen^finbe Wefer ®trafprebigt finb: 
Slbgotterei, »öturbienfi, ^obfud^t unb fd^reienbc Ungered^tigfeit ber pr* 
^en unb ®rofen bed Sanbed, gottt^ergeßene €(^n>e(gerei ber äRAnner 
^nnb grdnjenlofer ^ra^laufwanb bet üppigen grauen in ber ^auptpobt, 
falfd^« SelbfitJf rtrauen auf ben Se^nb bed fiuf erlii^ blfrl^enben , aber 
innerlid) berbctbten Staate«, unb bal^er »erl&o^nung be« ^ro^^Hj^ten, 
bet ein fc^ioered ©trafgeric^t »etfönbigt l^atte. !£)te innere, motallf«^ 
D^nma^t U^ iftbif<^en 9lei(^ zeigte ft^ oucff al^balb bei ber erßen 
leichten ©efal^r unter a^ad,. ald um 740 bie ©^rer nnb ©amatUaiier 
l^ranjogen , um 3enifafem jii erobern. SSoIf unb Äftnfg waren rotlod. 
Umfonf fu(6te3efa{a bem feigen, ungidubigen ,^mge gu geigen > baf 
t>on bief en geinben ni(i^t« jn fürchten fei,- ba^ fw vielmel^ felbfi balb 
einem mÄc^tigem Sroberer, bem 8lff)jrer, unterliegen würben (Ä.7— 8); 
^f)a^ wanbte ft(^ tJielmel^r in ber JBerjweiflmig eben an bie Slff^rer , bie 
üvO) al06a(b «^filfe gewährten r bofftr aber 3ttba fic^ ab^ingig unb tri« 
bttibar ma(]^ten« 

aWit md^r erfolg wirfte 3efaj|« unter ^i^lla (728—699), bem 
er perfinli(^ nal^e fknb unb bef en äleform bed StxxÜM wir l^au^tfAil^It«^ 



Stveitet 9(Bf4n. 93. 850-*<630. ^ic rtogedieii $ro))l^t(n. Stfaia. Sil 

n)o]^( fdnen ))ro))]^etif^n Se^rebuitgen jufd^retben bmfen« 3^81 erflen 
Wlalt muibe bet fBUberbtenfl t)on ber SSecei^rung 3al^t>e'6 ftreng aud« 
gef(^tebetK 2)ie l^eiügen J^if)tn mürben abgefc^aft/ bte@äuleii b* i« 
@on»enfäu(eit ^ Obelidfen^ jecbiod^en^ bie Slfiactenbitbet oiudgerDttet/ 
bie eiserne ©^lange, bie äRofe gemacht l^aben foOte uub ber man Staud^« 
e))fer brad^te^ mürbe jertrnmmert (2 Siin. 18^ 4); unb menn (mc^ im 
©tiOen noc^ bec 92aturbtenfi fortlebte^ unb n>enn an(^ äßanafe/ ^id« 
fia'^ 9la(^fo(ger/ ben Silber^ unb ijpoj^enbienfi n)ieber ](|er{}e(tte, (o mar 
ba^ (Sreignid an fxd) boc^ epoc^emadbenb« -- SSeldjen @influp 3efaj[a 
überl^aupt om J^ofe ^atte, jeigt Ä^ 22, 15—25, wona<l^ er bem er^ben 
^Rinifier, ®c^ebna, ber mal^rfcj^eittlic^ unler ^i^ad fo beforbert morben 
mar, mit batbiger @ntfe^ung breiten unb einen mürbigem 9ta^f olger 
bereite. bejei(^nen fonnte* 3tAed mar ber 9(nl^ang biefed äSanned )tt 
m&c^tig, aü baf ei fo fc^neO l^dtte befeitigt merben tonnen, me^balb et 
f))&ter imat eine geringere, aber immer noc^ einflußreiche Stellung be* 
1)Mt J^i^txa felbfi mar me^r ein frommer , al^ ein geij^ig großer unb 
miaen^frfiftiger Aöntg , medbalb aud^ Sefaja ni^t aüt )}olitifc^<n 9Ri^' 
griffe beffelben oerl^inbem fonnte* @o muß balb na(^ «^i^fia^^ fflegiev 
tung^antrilte eine $artet im SanU einen SibfaK ))on Slffi^rien t)orbereitet 
f^aben unb ^i^Iia fe(b# f(^eint biefen €^rttt gebiOigt )u l^obem 3eben< 
iaU fe^t ber M. 1 unb St. 22, 1— 14 bef^riebene @treif}ug ber Siff^rer 
gegen 3uba unb 3^entfaiem berartige SSorgänge ))oraud, t>on benen frei« 
U^ unfre ie^igen, fel^r üerfurtten @efc^i(!^t6bud^er nidbt^ mel^r berieten. 
2)ad noYbiid^e Stetig fiel fobonn bur^ @almanaffar, unb feitbem 
»ittrbe'auc^ ^uba auf bie unerträgUd^fie unb fret)el^afteße SBeife gebrütft^ 
fo baß Sefoja ft(^ ))eranlaßt fal^, fein SSotf )u trofien unb auf ben fic^eten 
©turj ber Slffj^rer ^injumeifen, Ä* 10-^12. 3nbed bauerte bie Hb- 
^ingigfeit fort, bi^ enbli(6 ^l^fia, um 715, im äkrtrauen auf &gfi)p» 
tifi^e .^ttlfe nod^ einmal ed magte , offen t)on ben 9lf{\)xtxn o^ufaQen 
unb ben flribut )u )>ermeigern« SBalb iebod^ flanb ein aff^rifc^e^ «^ee 
"001 ben Sil^oren 3crufalem6, bad nur burc^ ein merfmfirbige^ Sufammen^ 
treffen ber Umfldnbe i!)om Untergange gerettet mürbe (714)« !Dad Strafe 
geriet, meld^ed bie Slff^rer fo übermütig an 3^ba boll)ogen I^Mitten, 
manbte ft(^ enblid^ gegen fie felbf), unb jmar in bem älugenblicfe; mo fie 
eben )nr Sernidb^ung Serufalemd fi^reiten mollten. äSie 3^faja in ber 
unmittetbaten ©emißl^eit feinet ®ottt^ertrauend ed ))erfänbet l^atte, fo 
gefc^al^ ed in ber SffiirfUd^feit. 9lid^t bur<^ menfd^lic^e 9ßad^t mürbe fa^ 
b(t^ gan)e affprifc^e <^eer in $ali{tinä aufgerieben, fonbem burd^ eine 
$eß, bie man unmittelbar t>on @ott ableitete. 2)et 9iefl be« <^eei« fU^ 



eilig nd(^ Sffi^cien jutfid* — ®mi$ lofitbe bei @inbni(f Mefet tt)itnber< 
baren (Srl^a(tuttg überall ein auf erorbentlic^er unb bauernber getDefen 
fein ; für ba^ religibfe SBewußtfein ber «^ebcder ober muf te fte eine un« 
berec^bare Sebeutung gen)innen. Die 3bee ber (Sinen göttlichen SRac^t, 
t)i>r ber aUed ftat&xliiie unb äRenfc^lidbe in ein Kic^td \)erf(^tt)inbet^ bie 
3bee bed «^eiligen 36rael6 , ber feinlBolf tvo^l eine SBeile ^reid gibt 
unb jüc^tigt/ aber nie ber SSernic^tung äberläpt; nod^ uberlafen fanu: 
biefe'erl^abenen $lnf(^auungen / meiere fpäter ))i>n 3eremia nod^ auf ben 
Krümmern äerufalemd mit flegenber Suberfu^t borgetragen tDurben , er« 
gaben fic^ bamai6 gen>{fermafen ))on felbfi au6 beut ®ange ber Sßelt« 
gef^ic^te* Sluf biefe Sreigniffe bejfe^t jid> 3efaia St. 28—33. 

®egen ba6 (Snbe ber Stegierung .^idfia'^ berf^minbet 3efaia t)i>m 
6d)aupla$ ber ®efc^i(^te« @ein le^ted ©tud ifl wal^rfc^einli^ St. 19, 
bad um0 Sal^r 700 i^erfa^t fein muf . <£d ent^dlt unit>erfeOe Sl^nungen 
über bie enbli(^e 93efe]^rung ber ^9))ter unb Siff^rer )ur i&bif(^en 9ieli^ 
gion unb bef(^(ief t n>ürbig bie Saufbal^n unfer6 $rof>l^eten. 

2)ie eigentlichen ®runbgebanfen 3efaja'd ftnb n)efentti<^ biefelben, 
toie bei feinen aSorgdngern« !Dur(^ unermfiblid^e $rebtgt fud)t er bad 
fianje Sanb unb IBoK bem <^rrn ju ^eiligen unb. bie ftttlic^r^ei^eit be6 
äRenf^en in allen 9}erl^Altniffen be^ Seben^^ in ber Familie xok im 
&taak, )u bern)t(fti(^en. !Dabei foncentrirte.^c^ bei if)m aber bie %ou 
bcrung ber Sffiirfiid^feit jener greil^eit in ®«tt, fo xoit ba^ Streben unb 
bie Sel^nfuc^t banoc^ in ber fonfreten 9laf(^auung einer gei^iggro^en, 
menfc^lic^en $erfcnli(^feit< in tioelc^er bie nationale unb religiofe (Sin^ett 
bea 93o(fed al^ boUenbet unb berf ö^nt bargefteUt murbt, fo baf bon bie« 
fem .^ö^epunfte au^ bie gleiche fittlic^e SBoHenbung auf alle ©lieber ber 
@emeinbe fii^ berbreiten foHte. !Dief ifi bie 3bee bed äRefftad ; er ifi 
ba^ SRufierbilb eine^ tl^eofratifd^en S&n\%^, beffen @<i^pfer eben 3efaj[a 
ifi. Ü^ocl^ tritt biefe älnfc^auung erf) fpdter bei il^m ^erbor. @te feblt 
icm\)l in ber filtejien Äebe, St. 2—5, aW auc^ in ber fpdtern Ä. 28—33, 
unb ^nbet fi(^ blof in Stfidea au^ ber mittleren 3eit, ndmlic^ <R« 11 
unb Ä. 9, 5—6, eine @tro4>be / bie aber toal^rfc^einli^ mit Ä. 11 )u 
^eifbiubcn ifi, fo baß in biefer Äebe au6 ber ßext ^i^Iia'6 bie ganje 3bee 
boUfIdnbig entmidelt todre* 

@e^en mir auf ben rein f^riftfletterifc^en Sl^arafter Sefaja'd , fo 
erfc^eint bad l^ebrdif(^e ^rop^etentl^um bei i^m nad^ gorm unb ^ni^alt 
auf ber l^öc^ften @tufe ffinftlerif(^er äiollenbung unb bie Si^tßra^len ber 
übrigen $rop^eten ßnb in il^m geu)if ermafen bereinigt. 2)abei miif 
man immerhin jugeben, baß er in Sinjel^eiten bon Slnbernr äbertrof en 



Qmitn S6fd^R. ffi. 850-650. SAt eiiijclmn $ro^^ften. ^m. 817 

Kvicb. 2>{e geniale Setc^tigfeit unb ))oettfd^e Sfnmttt 3oe(^ }« 8« etmc^t 
er m(I)t $Imod/ «^ofea/ 9Ri^a/ 9^o^ttm l^aben jeber tl^re eigentpvu 
Hc^en 93or)uge unb 6(i^on^eiten« 2)a^ VDorme/ erregte 2){(^tergemttt in 
feiner ganzen Unmittelbarfeit/ t)te f))rube(nbe S3i(berfälle^ ba6 magifd^e 
^ellbunfef, wie baö beö ÜRorgenrotö/ baö unö j. ©♦ bei .^ofea'ö Sieben 
fo fel^r aitjie^t, finben tt)lr bei 3ef aja nic^t. »^ier l^errfd^t t>ielniel^r bie 
en)ige ^(arE^eit bed lichten 3:age6. iDabei )eigt er überall bie unbebing* 
tefie i^errfcbaft über bie gorni; bie an fic^ fc^on unwiberflel^Uc^ l^inreipt^ 
et ifl t)i>I{fommen 30{eif!er in jieber %tt bed ^u^brucfd unb f)ai Hütm, 
tt)a6 er gefd^rieben, ben Sl^arafter feiner gewaltigen ^ feierlicj^ ^ ernfien 
unb felbjibe'wußten 5PerfpnIid)feit aufgebrürft/ fo baß feine gebrungenen, 
fraft» «nb gebanfentjoUen Sieben üorl^rrfc^enb ben ©nbrutf beö @r^a« 
bcnen unb Grl^ebcnbcn matten. 2)md^ iene fc^one Harmonie be^ Sn* 
^alteö unb ber gorm fo wie burd) eine feltene, niaf\)otte J^aitung tragen 
alle Sieben ba6 ®e}>rfige be« wa^r^aft Älaffifc^en an fid^ , wie tt>ir bieß 
in foIct)er Stelfeitigfeit bei feinem anbern ^ßropl^eten antreffen, unb finb 
beöl^alb t>on ben unechten Sejianbtl^eilen leicht ju unterfc^eiben. Slm 
näc^fien fte^t il^m in betreff ber 2)arfteIIung Slmod , unb unter ben \p&* 
tern 5ßroj)l^eten »^abafuf. 2)ie fcäflige, gefunbe, in ftd^ abgef*Io|lenc 
«ßatur beö Sübenö, ber ftttlic^e Äern unb ernfie S^arafter Suba'd Ifl 
eigentlich im 3efata am fc^itißen )ur @rfc^einung gefommen* 9Bie «^ofea 
ben Sli^rben, fo rej)r4fentlrt er mie fein anberer ben ©üben. 

2» £er je^igen grof en <Sammlung jefajianifc^er Sieben giengen 
unjireitig Heinere , »om ^ßroj^l^eten felbji angelegte ^oxfftv. ®o unter« 
f(^eibet man leidet bie t)ier größeren @tüdCe, bie.^odfi&nbige ^(^r bil« 
ben unb jund^fi wo^l einjeln in Umlauf f amen, ndmli^ Ä*2— 5.7— 9, 
4. St. 10— 12. 28—33. 3)aju finben p* mi aOgemeinere Sturfe, 
M* 1 unb 6, )oon benen bad le^tere augenfd^einlic^ einmal )ur SSorrebe 
unb (Sinleitung einer folc^en fleitieren Sammlung benimmt toar. !Die 
l^arten !Drol^ungen/ bie l^ier ))orll|^errfd^en unb bie ftc^ aud^ ^.2—5 
ttub Ä. 7 — 9, 4 finben, würben jum S^l^eil bur(^ bie aijfijrer t)ottjogen, 
fo baß &. 1 ben paffenben @(^luf jener )tt)et Sieben bilben wirbe, wie 
^. 6, b.ie $ro))]^etenweil^e, biefe Sammlung am angemeßenflen ein^ 
leiten fonnte. — SBie biefe jwei ,^au<)tprebigten auö ber 3cit be« 3o* 
tam unb W^^, fo gel^ören auc^ bie beiben anbern, ^* 10 — 12 unb 
Ä. 28—33 auö ber 3rtt«&i*fia'd nd^er aufammen. 3nbe« muß bie 
le^te t)ot(f}dnb{ge Sammlung "oon Sefaja'd eigner .^anb wd^renb bet 
unglüdHid^en ßcittn it$ (SxH6 "Oixloun gegangen fein. 9Iur bie Special« 
fammlungen Ratten ftc^, wie e^ f(^eint, in einjelnen 9bf(^riften erhalten, 



S18 Btotltt ^rrtobe. $Bon D. «rfint)* b. JtSnigfff. (M {um (liibt b. 6ri(0 

imb biefe würben fpiter auf6 9feue ju einem größeren (Sanjen )»etbunben 
unb in baffeI6e jugleic^ mancherlei, frembartige SBeßanbtl^etie mitauf« 
genommen, fo Uioij, baß bie bejeic^neUn t)ier großen Sieben noäj c^ro« 
nofogifd^ tl(^tifl anf einanber folgen. — 3)ie fremben ©lüde finb bop« 
)}elter art: einmal gefcl)ic^tnd)e 3uffi$e, Aap» 36 — 39; fobann pro* 
))l^etif(^e Sieben t)on unbefannten 93erfaßern, fo baß bad SBud^ Sefaja'^ 
in feiner gegenwärtigen ®efla(teine propl^etifc^e Slntl^oUgiei^on 
n)enigf)end ac^t 93erfaßern ifi unb ein ®egenftu(t )u bem 93u(^ ber 
12 {(einen $ro)>l&eten bifbet. ^atte bo(^ 3efaia fel6{l fc^on unbebenHic^ 
ein frembed @tfi(E mit aufgenommen (jt. 15—16). @benfo t)erbanben 
fl)ätere ©ammler unb 3wfömmenjieller, bie nur ein religiJfeö unb er« 
baulicbed/ aber fein (iterar « l^iflorifc^ed ^ntereffe j^atteu/ bie jerßreuten 
5>enfmale »erfd^iebener SBerfaf er )u einem fejieren ®anjen unb t)ereinigten 
fie bed^aib mit ben Sieben eined alten benl^mten ^ropl^eten« 3)iefe 
fremden Seßanbtl^eile ftnb größtent^eif^ am (Snbe bed bab^Ionifc^en 
mM gef(^rieben, wie Ä. 13 — 14, 58* 1 — 23. Ä. 21, 1 — 10* 
Ä. 40-- 66. !Dagegen geboren St. 24—27, 34 — 35 wal^rfc^einlic^ 
einer nac^eriiifc^en ßdt an, — 3m Slßgemeinen jerffißt bad ganje Suc^ 
in t>ier große SRaffen, bie i)on ebenfo t)lelen ©ammlern l^erjurfil^rert 
f<^einen» 

a. !Den erßen unb &(tef}en ®runbftod bed Sud^d bilben ofenbat 
St. 1—12, »eben, bie flc^ »efentlid^ auf 3ttba bejie^en unb fÄmmtfi^ 
e(^t jinb. 2)iefe 6 ©tficfe fonnen fc^on t)Oc ober wA^renb be6 @ri(d bie 
{e^ige ®e{la(t erl^alten ISiaben. 

b. Sieben unb «ndfprüc^e über frembe Sdifer, Jt. 13-^23, mit 
Slndna^me t)on ^. 22 , bad fid) auf 3erufa(em bejie^t. @6 finb im 
®an}en 15 befonbere, jum ^^ei( fe](fr fur}e, e))igrammart{ge Slu^fprüd^e, 
unter benen {i(^ bereite jwei ©täcfe aud ber S^U bed (Stiied beftnben/ 
ndmlic^ Ä. 13—14 unb 2t, l— lOv tlud) bei bem k^ten M. 23 l^at 
ein nad^erilifc^er Überarbeitet, t)ieKet<l)t eben ber ©ammler, SB» 15—18 
j^injugefügt (t)gU meine erfWrung beö ^tofiftttn 3efaja)* 3)ana(l^ 
lebte blefer Bufammenpetter nid^t lange nad^ bem feile, ttroa um 500 
t)or (S,\)u Sebenfaß^ aber mäßen i^m bie gefd^ic^tlic^en SBer^dltniffe bed 
(Stilen nic^t mel^t beutlic^ gewefen fein, inbem er fogteic^ ba^ erjie ©tftd 
inti^ümlic^ bem 3efaja suf(^reibt. 3m Slflgemeinen woßte er ^ier bie 
Sltt^fprud^e 3efaia'd aber auswärtige ^ilUx iufammenßeßen unb nal^m 
babei als ein paar ec^te ©tudfe au^ X. 22 auf, woraus man fc^li^ßen 
barf, baß j{. 1— 12,a(S eine befonbere ©ammtung fc^on etifMrten unb 
biefer )weite S^^eil nur nad^trdglic^ bamit verbunben würbe* ®.ewiß 



aber ^aite b(e Urfi^rift eine iffnli^t, fac^gem&fe (Sintl^eilung unb ent« 
^ielt juerfl bie Äeben über 3iuba unb Scrufalem , imb bann ble Äu^» 
fprüi^e über frembe SSoIfer* 

c. 3n noc^ fj)aterer 3^i^/ «ttt>ö im Slnfanfl beö 4. Sa^r^unbcrtd/ 
fam .S. 24—39 ald eine btitte unb na(^trdg(id;e Sammlung ju ben 
beiben frühem l^lnju. ^ier fel^len alle Überfci^riften» S3on ben brei gr6« 
feren )>ropHtfd)en Stficfen^ bie {{e entl^dlt^ ift aber nur bad eine^ «ff« 
28 — 33, t>on 3efaja felbjl \>erfa^t ; auferbtm üieUeic^t au(^ bie Heine 
«Rebe St. 37, 22-35. Dagegen rü^rt Ä. 36—39, ber gefc^ic^tli^e 
abfc^nitt über 3efaia*d SBirffamfeit , ber fic^ mit meieren abnjeic^ungen 
au(^ in ben Säd)ern ber ^6nige finbet, entf (Rieben ))on einer anberen 
,^anb ^er» ^iemlt f^tof offenbar einmal baö 33u(^. ©pdter »urbc 
nod^ eine vierte grof c SKaffe bamit t>erbunben, ndmllci^ 

d. Ä. 40— 66, eine a;rofifd)rift an bie in Säbel t)erbannten 3u. 
ben. (gö ifl ein »oOfianbigee, l^öd&ft tt)ic^tigeö S3u(^ , bad am (Snbe be6 
(Srild \)on einem in SBabel lebenben ^ßropl^eten öerfagt ttjorben ifi. Sßgl. 
©. 251. @o viel über bie Sufammenfiellung ber t)erf^iebenen 8e|ianb» 
tbeile ber ©^rift Sefaja'ö/ 

3tt ben Sinn unb Oelfi bed gropen 5prop^eten werben und jeftt 
einige $roben am ftc^erften einführen. 3unä(^ß fle^e ^ier bie ältefie 
«ebe, St. 2—5, bie ein ®efammtbilb ber erfien 18 bid 19 3a^re »on 
Sefaja'd j)rop]^etif(l&er Jj^Ätigfeit entwirft unb fc^on ©• 314 fvj befpro* 
c^en i|i. Der ^Jorm na^ ^at biefe Siebe baö ©gentl^ümlic^e, baf fte, 
A^nlid^ wie bei 9(mod, ben ^udfpru(^ eined Alteren ^xop^tUn an bie 
@pi^e fleQt unb bann bie weiteren Betrachtungen wie an einen $rebigt« 
tert baran anfnfipft. 2)ief frembe Sitat, ba6 auc^ SKici^a 4,1—4 an* 
fü^rt, enthält eine glfinjenbe SSefc^reibung jener ibealen golbenen ^dt, 
wo alle Stämme 3öraeld burc^ gerec^ted ^Regiment ju einem ewigen 
grieben t)ereinigt fein werben unb wo 3erufalem ben l^eiligen ÜKfttelpunf t 
bed ganzen SSolfed bilben wirb. Diefe le^te @ntwi<flung ber Sufunft 
flellt ber ^ropl^et t>orauf unb }eigt bann, wie biefelbe nur burc^ ein 9llled 
t>erni(i^tenbeö Strafgerid^t tjermittelt unb herbeigeführt werben fonne. 
Die gan}e 9lebe, bie burd^ mancherlei ®loffen, 3ufä$e unb SBerfe^ungen 
eutfieUt werben iß, terf&dt in fünf glett^mApige Hbfc^nitte, {eber9tti^ 
f(6nitt in aci^t @tro))l()en t)on je ad^t Seilen* Daf bad eigentliche 2;^ema 
9J. 2—4 nic^t &on einer ^dbenbefe^rung ^anbelt, ifl fc^un @. 210, 
Snmerf. 1 angemerft« 



S30 3^Hte $frtobe. Sßon b. ®x&n^. i>. JtMqtft* M jum Gfnbe b* ®tH6* 



I. 

IDa toirb feflgegrünbet fein 

JDer SBerg bc« ©otteös^aufeö 

«ttf bem ®i>fel ber Serge, 

Unb mitb etl^aBen fein über bie «^ügel. 

2)ann firdmt $u i^m aUed SßoU, 

Unb ))iele Seute gelten l^in 

Unb werben fagen : " s 

SS^o^lan/ laflt und fleigen 

3um Jöerge be« ^errn, 

^in gum ^aufe bcö ©otfeö 3ahU, 

S)ag er und lel^re feine SGßege 

Unb wir bann toanbeln in feinen $faben I 

IDenn ))on 3ion 

SBirb audgel^n bie Se^re 

Unb bed J^erm SÖort ^on Scrufatem» 

JDann ti^Ui er gtvifti^en bem 93clf 4 

Unb ftjric^t 9ied&t üielen Seutenj 

3)ie fd^mteben bann il^rc ©d^toerter gu 

^arflen 
Unb i^re (Sli)eere gu Sßinjermeflem um 3 
S^lic^t lüirb erl^eben 93olf gegen 93olf bad 

@(i^tt)ert, 
Unb nid^t nod^ ferner ternen fie ben Ärieg» "— 

@Q laßt und tDanbeln im Steinte bed $errn ! 

^enn ed toanft, ed toeid^t') beinSBolf; bad 
$aud Safobd/ 6 

3a {!e flnb )9oH getoorben )9on Dfien l^er, 
Sott ))on Sauberem gleid^ ben $^iltjlern/ 
Unb ffe l^aben Überzug an grembtingen. 
@d füate fein ßanb jt* mit Silber unb 
®olb 7 

Unb fdn Qhtbe l^aben feine ®(^&^e3 



(Sd fnate fein U1C0 9ä> mit Stoffen/ 
Unb fein (Snbe l^aben feine äOagen« 



8 



(Sd füllte fein $anb {!c^ mit ®d^en, 
3^rer ^äube ffierf Beten jte an, 
IDad \oai gemacht bie eigenen Singer» 
@o ftnft ber SWenfci^ unb fo erniebrigt ftt^i 
ber SWonn, 9 

Unb bn barfft ed i^nen nidjt »crüei^en l — 
®e^ in ben Seid, birg bid^ im Staube, 10 
SU<rl^enb oor bem Streifen bed ^erm 
Unb ^ox ber ^Pradjt feiner .^o^cit! *) 

IDenn einen flag fj&U ber ^evr ber ^err» 
ffi^aaren n 

Über aUt^ Stolpe unb Stagenbe 

Unb über alled $o(^geflente, baß ed niebrig 
tDerbe ; 

Über alle Sebern bed Libanon, 

^ie ragenben unb l^ol^en, 

Unb über alle Sieben ^afan^^'y 

Ober ade Serge, bie ragenben, 

Unb über alle «^ügel, bie l^o^n 3 



13 



14 



15 



16 



Über jeglid^en ^ol^cn X^vivm 

Unb über jeglicljc jieiie Stauer $ 

Ober alle 3!arftd ^^ Seglet 

Unb über alle Sd^ife ber Snft* 

^a (nft bann ber SD'^enfdden ^od^mut 17 

Unb gebeugt toirb ber Steig ber Sterb< 

Ud^en, 
Unb ber ^err allein ifl erl^aben 
^nienemitage*') 



9ln jenem Jlage ttirft ber SWenf* 
Seine ftlbernen unb golbenen ®ö^en, 
^ie man fld^ gemad^t, um f!e anzubeten, 
^en glebermüufen unb 9>lad^teulen l^in, 



20 



1) 3tt lefen ifl n^to laj für: „^vl l^ap »erlogen/' 



3) ^tx tUtenfd^en ^od^ut »irb gebeugt wer* 

ben 11 

Unb e« |tn!tbet @toIj ber Sterblichen, 
Unb ber ^ecr aUetn iß traben 
5ln jenem Soge. »gl. ».17. 

3) Unb bie ©öfeen — 18 

2)ie toerben aQe binf^toinben. 



^a fommt man bann in bie ^ö^len ber %tU 
fen 19 

Unb in bie So<^et be« 6rbret<^«, 
^Itebenb tot bem @(^(fen bed ^erni 
Unb bor ber $ra^t feiner ^o^eit, 
SBann er auf|iebt 
3u erfc^reden bie (Srbe. 



3toeftec 3ttf(|m 85.850-650. 3>lf «ingcrncn «Jrojj^etm. 3ffoia. 821 



tXm git !ominen In bic Selfentffle 21 

Unb in bie ^ä^luä^im ber ©tcinflüftc, 
gKel^enb ijor bem ^tedm be« ^mn 
Unb »or ber jpradjt feinet <>0^eit *) 

II. 

O Ia$t bod^ ab t)on bem SRenfil^en 22 
3n beffen 0lafe ein «auH^ i% 
JDenn toofüt ijl er jv aci^ten l 

2)enn fiel^e, ber «err, st. s, 1 

2)er ^eerfd^aarcn ®ott; 
9Öirb entfernen au« Serufatem 
Unb am Suba 
©tüjjennb (Stab:*) 

©en gelben unb J^rie^mann^ 2 

2)en 9K(5ter unb ^roi>^ehn, 
JDen ©aörfttger wnb ^Weflen; 
a)en $ani)tmann «nb ben Dberften, 3 
5)en »atgeber unb Sanberfunfller 
Unb ben ©efd^toörungÄfunbigenj 
Unb Änaben toiü i^ gn i^ren gürjien 
ma^en 4 

Unb Äinber fotten üBer jte l^errfd^en. 

IDa toirb toben bad ^olf^ 5 

SRann gegen SWonn ünb ^a^hat gegen 

SfedJBar^ 
SBfiten toirb ber StnaU gegen ben ®ref« 
Unb ber S&it^t — gegen ben ®etoi*ti* 

g<n. -^ 
%a$i bonnSemanb (Sinen in feinem stammt 

l^aufe an : 6 

^S)tt l^aft ein ©etoanb, fei unferOberl^oupt, 
Unb bie|l S^rümmerwerf fei unter beiner 

*anb!'* 
®o toirb er onl^eben jene« «Tag« unb ftjredjen : 

^3« toia ni<|it «erbinber fein, 
S)a in meinem ^aufe fein ^rob 
Unb fein <ie)9anb-ift$ 
3l^r fottt mic^ nid&t' jum $au^)tlin9 be« 

SJoIfe« mad^en ! 
JDenn 3erujalem flörjt 8, 



Unb 3ttba toirb falfen, 

aOBetl il^re Sunge vnb i^rc Xf^attn 

®iber ben $errn finb. ■) 

3>ie «ieberlid^feit il^re« «ngefic^t« 

3eugt toiber fle, 

®o bafi fie mip&xt 

@ein l^etHg S(uge ^ 

Unb nun »erffinben fie nod> unöerl^orfn 

Sljre fobomitifdjen ®finben. 

aOel^ i^rer <SeeIe ! 

JDenn ^e felber tl^un fid^ Un^ieit an. 

@agt )oon bem ©eredjiten 

JDaf er glüdflidS f«, 

2)enn bie gmd&t feiner JJ^aten 

9Birb er genießen. 

JDod^ ad&, bem ©d^led^ten 

(5rge^t e« Wledftt, 

IDenn bie 3:i^at feiner ^änbe 

SBirb i^m t)ergolten* 



10 



Ji 



12 



SWeine« fflolfetf ©ebieter ifl ein ilinb 
Unb SGBeiber be^errftfte« e«* 
£) mein JBolf J beine gul^rer flnb 3rrfu^rer 
UnbbieStidJtung beiner SJfabe tjerberben fie, 
e« l^at fid& ^ingefient nm gn l^abem ber 
^err 13 

Unb fielet ba, um gu ridjten bie ©tämmej 
^er $err ge()t in« ©erid^t 14 

SWit feine« ©olfe« tfteflen unb gfir^en : 

//3(;r alfo l^abt abgetoeibei 

SReinen SDeinberg, 

Unb ba« ben $(rmett ®ttaMt 

3ft in euren $&ufem! 

SGßarum germatmt i^r mein $ol! 15 

Unb gerfioft ba« Sntlij^ ber (Gebeugten?'' 

©^rid^t ber ^err, 

^er ^eerfd^aaren ®ott. 



III. 

Unb e« f|)radj ber ^err : 
2)arum, toeil übermütig jinb 



t6 



1) SBenn er ftuf^e^t 

3tt erfc^retfen bie @rbe. »gl. ö, 19. 

3) IDie leiten Söorte »on «. 8 llnb in ben folgenben ©eti eingufugen. 
Öef(!^. b. )ßott Sdationatlit. b. ^tht. 2| 



2) 3ebe 6tü^e Ui »robe« 
Uttb iebc @tu0e be« fSafer«. 



S22 at&titt ^wloht, aSon b, ®iun1)« b. Jttnigil^. 6tö )um Snbi b. (&iU. 



Unb ein^etgel^n mit l^%«ceiftem J&al{( 
llnb mit ht^Ifüd^tigen ^u^m, 
Snbem fle Befl&nbig fd^ti'&njeln 
Unb mit il^ten pf en 
@in ©^angengeflirt ma^en : 

@o loirb fal^I madfien ber ^evt 17 

^en ^d&eitel ber X&äftet Bioni, 

Unb ber ^err toirb i^re ^((lam entSldfien» 

9(n ienem Xage Id§t fd^toinbni ber ^ttt 18 

^en @4inu(f ber 8tt$f)>attgen/ 

IDie Ileinen Tonnen unb SDtonbe, 

^ie X)^rgel^&nge 19 

Unb bie$(rmB&nbet; 

IDif Sufenfd^Ieiet 

Unb bie ^o)>ff¥än}e; 20 

2)ie Strmfpangen 

UnbbieOürtelj 

S)te fRie<i6frafd^^en 

Unb bie Slmulete, 

©ie gingettlnge 

Unb bie S'lafennnge 5 

» 

IDie gejl'fleiber 

Unb bie Obergetoänbet, 

S)ie aJ^antel 

UnbbieS:af($en; 

S)ie Slorgetoänber 2S 

Unb bie $rad6t^emb(^fii/ 

IDie Turbane 

Unb bie ^ött^tf(<^leffr» 

^tcütt be« äBol^Igeru^d unrb bann STOober 
fein, 24 

Unb fiatt Ut ®wiUU ein <Stn<$, 
&ait M fönftUd^en^aargehäufeU — eine 

^tati ber SBeite eined SSVanteld — 
$lngüriung bed ISrauergetoanbd, 
Jlra^lvunben flatt ^^^nf)dt, 
3ubem beine SWänner bnrdj« @d&tt)ert 20 
Unb beine Jünglinge burdj? ben Jlrieg fatCen* 



21 



22 



1 ) 3cbet bet ftufgef^tiebcn, 

2)a§ n leben foQ in ^nu\alm ; — 
2Benn namli^ bei ^e<r a^geivafc^at 
2)en @4mu( bet Zoäfin dtonl, 



4 



®a werben b«nn frufien unb trottem i^te 
S:^ore ' 26 

Unb i»erdbet mirb fie mn 93obeu ^tn. 
3ened Xagd ergreifen jtebett 9Bfiber St,i,\ 
@ { n en anann, inbem fte f))red^en : 
Unfet S3rob toollen wir efen 
Unb unfer (Üetoanb tDoUen wit^ivagen, 
92ur beinen Flamen laß un6 ftil^ren ! 
Unfre @(^mad& nimm l^intoeg ! — 

$rn jenem %a%^ Wirb bed «^erm ®efvrc0 2 

3u @4inu(f nnb Ö^lanj, 

Unb bie Svudjt be« ganbe« 

5u ®tol) unb $ra4^t werben 

S&r ben fReft Stfraeltf. 

Unb bann, wer u^ig iß in Bion 3 

Unb Wer }urn(fgeMieben in Setsttfalem, 

J&eilig wirb er genannt werben«*) 

3)ann erfc^ajft ber $err 5 

Über ben ganjen fllaum be« Serge« Sion 

Unb über beffen gejlgemelnbc 

Qine SS^olfe unb fftaniS) am ^age 

Unb ben ©tan) flammenben Seuerd bei 

mattft, 
3a über aKe« @d(ione einen ^<(irm$ 
Unb eine glitte wirb e« fein jum €d^atten 

am iCage \)or ber ©tut, 6 
3um ^ä)ui^ unb ©ci^i^nt ^or SBetter unb 

t}or 9{egen* 

IV. 

8aft mi<IJ bodj fngen ftb er meinen freunb, 

Ä. 5, 1 
a^eineö ttivaC^ee Sieb über feine» ^ein« 

berg! 
(Einen SBeinberg l^atte mein Sreunb 
9(uf einer fruchtbaren IBergl^^^Ct 
@r grub il^n um unb fleinte i^n an6 2 

Unb be)>flangte i^n mit Qbthebai, 
HBaute einen ^ntm mitten ](|inein 
Unb ^aute auci^ eine ^elirr bdrin au^ 5 

Unb fo erwartete er, bafi er Xrauben trüge, 
Sr aber trug ^erlinge» — 

Unb et bie 99(utf(^ulb ^^rufalemd 
(^octgef}o§en f^ai au9 i§ret fOtitU 
S)ur(b ben S^mbau^^ bei (AtxiäfM 
Unb bur^ ben Bi>tnbau(| bei geuex^. 



3n>eltcc 8I*fd^ii. SB. 850--650. S>lt eit^elstett ^xopffttnu 3ffaia. 



Unb nun , il^t IBctool^iter Srndfcim^ mtb 
Signet Sttba*« 2 8 

9ti(i^tet bod^ gtoifci^eii «ik ttttb mcinemlEBeiit« 
Berge I 

SS^a« toar no(i^ }u tl^un metntm 9Bein^ 
berge, 4 

S)ad id^ an il^m ni^t fdfton get^an? 

9Barum rrtoartete i^, bag erSrauben träge ? | 

^0^ er frug^erlinge! 

®o Ia§t midb betpt eudb »erffotben 5 

9&ad td^ anti^un lotS mefn^m SBeittberge: 
^intoegnel^men fein (Beilege/ ba^ er abge« 

toeibet, 
(Sinreigen feine SRaner, baf er gerlrelen 

werbe I*) 
9liä)t foH er befd^nitten nodj beiladet »er? 

ben, 6 

®o baß er auffd^teßt in IDom unb IDiflel; 
nnb ben f^olfen n>ia id^ befel^f en, 
S>aß fte feinen Xro^^fen auf t^n tr&ufe(n 

follen. 



Unb i^r allein tool^neii ntügt im 8anbe I 
Mx in bie Ol^en mfi ber ^err ber 4^eer« 
fd^aaren : o 

Sa^id^/ )HeIe ^äuftx werben dbe toerbat/ 
(Srofie unb fd^dne, 
3nbfm Sliemanb fle Betooljnt.*) 

D bie ba frül^ morgend fd^on 11 

^ent (Suptoein nad^Iaufen! 

5)ie ba f^at jljen fn bieJDÄutnmmg hinein, 

©omaöeinerl^ittJ 

Unb ba Italien fte Ui (SUl^er nnb $arfe, 1» 

$et $aufe unb S(öte iffx Xrinfgelage in 

aBein: 
$lberba6 Xf)un bed^errn erfc^auenftentd^t, 
Unb feiner <6anbe SBer! bead^ten fie nid^t 

13 



IDenn ber SQBeinberg beö ^errn ber ^eer-* 
fd^aaren 7 

3ft ba« ^an« 3«raet«, 
Unb bie S^&nner 3uba*« 
®inb bie fpjlanjung feiner ©onnej 
Unb erl^oftemtf ®((n(^tttng, 
^o(^ fiel^e ba -* ®i^(ad^tungl 
$(uf9le4tdf))rud^; 
Unbf{e^eba--me(^t«brud(I ^ 

O bie ba reiben ^mi an ^an^, 
^te gelb an gelb anrud^en 
SdU baß lein fftaum me^r bUtbi 



8 



3)arum wirb fprttoanbern mein ®o(f 

Untjerfel^en«, 

3nbem feine eb(e 91 e df e n ber junger auif 

recft 
Unb feine SReicfeen »or 2)ttrft J>erb«rm. ^) 
2)a toeiben bann bie Sieger 17 

STnf i^rer Xxift, 
Unb bie ^aU ber ütti^ax 
SBergel^ren grembe* *) 

<So toirb bann gebeugt ber SWenfdJ \s 

Unb gebemütigt ber SWonn, 
Unb bie Singen ber (Stoljen 
SBerben niebergcf(^(agen fein) 
^04 ergaben tDtrb baflel^n ber ^err ber 
^eerfd^aaren 16 

^urd^ ba« ©erid^t/ 

Unb ber ^eilige ®t>U tt>irb geheiligt fein 
^urdft (9ered(tigfttt — 



1) Unb i^ toia i^m ben ©acau« maä)tn. 

%) 2)enn je^n 3o<^ SBeinlanb 10 

SBerben @inen (Simer geben, 

Unb bie tSudfaat eine« ORaUet« 

©trb einen 6d^effel geben. 

3) 5a« 8prtf<^ttg »Ott «♦ 13 pixfi f^r gut nacf^ cinfr Ui^m ffletbefenmg ber 
17. ^er«, ber an feiner ie^igen ®tefie burd^a}!« tttti»er^«ibK<( i(l unb bett dnfammeiu 

l^ang ffört« 



4) 3)arum breitet bie ^öOe 
3^ien 8(^Tunb 
Unb fpent i^ten fRaSitn auf 
SBi« in« aRaßlofe, 



14 



60 ba§ bi»«BjHrjt i^re *Pra^t, 

3b^ ßatmen 

Unb ibr 6<!^toaTmen 

Unb too« iubtU in i|t. 

21* 



324 3n)eite fßeriobe. SSim b. ®ninb. bcd A»nigt^. BU }. (Sttbe be« Srib. 



Y. 

O b(e \>a ®(^nlb (^erBeigtel^n mit 4^00en« 
jhidrn 18 

Unb toie mit Slßagenfeilen bte Strafe ! 
^ie ba f^re<l^en : ed beeile/ lo 

dd befd^Ieunige {14 fein ®etf, 
^uf baf toir ed fe^cit/ 
Unb e0 nal^e unb fomme bod^ 
^er ^at \>ei ^eiligen S^tael«, 
^a$ \o\x i^n etfennen ! 

£) bte ba $ut l^eif en bad ^5fe, 20 

Unb ba6 ©ute b56 ! 

IDie ba Sinflemi« gu Sid^t 

Unb Sid^t gu Sinflemi^ mati^en, 

f&iitmi fttfl 

Unb (Süf ed Bitter ! 

D bte ba meife {tnb in i 1^ r e n SCugen 21 

Ünb nad^ i ^ c e m ^ebünfen fing I 

D bie ba gelben finb ; 22 

3m SGBeintrinfen, 

Unb itraftmdnner 

Um ©ügtoein git mifd^en ! 

5)ie ba recbtfettigen ben 33erbted&et 23 

gür ein ©efc^cnf, 

Unb ben ©eredftten 

3^r guted SXed^t entgiel^en! 

IDatrum , mit be6 %tutxi Sunge ®to^)}e(n 
frtgt 24 

Unb n^ie entflammtet ^eu gafammenfinft, 
®o ivirb i^re SBuqel tote Stöbet fein 
Unb il^re ©pcofien xoU ®tauB ^erffiegen/ 
90ei( fte vecf($m&§t 
2)ie 8e^te be« ^ertn ber ^eerfd&aaren, 
Unb oertt)orfen ^jaben ba« SBott 
S)ed ^eiligen S^caeld. 



IDffirüBeir »irb entbvennen 

9)er 3om be« «^enrn toiber fein ^ol!, 

(St toitb feine {^onb outfredfen miber cd 

Unb loirb ed f^Iagen^ 

IDag bie ^ecge Beben, 

Unb il^re 8ei(^nabme n>etben 

9Bie ^ebti<bt liegen 

Snmitten ber (Slawen« ') 



25 



26 



IDann n}trb er aufrichten ein panier 
3)en fernen ffidlfetn, 
Unb Udt eind b^bei 
93om Qfitbe ber Olrbe b^r, ') 
Unb {lebe ba, fd^ned/ 
(Silenbd fommt e«. 

j^ein 9Rüber unb fem $ßan!enber ift bar^ 
unter, 27 

Äeiner fcblummert unb feiner fd&I&ft» 

(Rie löfl {{(b ber Gürtel feiner ^nften 
Unb nie jerreift ber 9liemen feiner (Sd^nbe ; 
©eine Pfeile pnb gefcbätft, ~ 28 

©eine liegen alle gefpannt} 
5)ie ^ufen feiner SÄoffe 
<Sinb tote Jtiefel gead^tet, 
Unb feine ©agenräber 
ffiie bet @turm* 

©ein ©ebrüK tfl ber ^dlDtn gtei^^ 29 

(St Brndt tote junge ib\otn, 

iSrummt unb )>a(f t bie SBeute 

Unb tr&gt fie fort, inbem 9liemanb rettet. 

Unb bonnern toirbd über ibm jened Za^4 30 

®leid; bem Bonner bed Tlm€] 

Unb f(baut man gur (Srbe bann, fo ftel^e ba 

— bi<bte« IDunfel ! 
Sttbem ba« Si<bt ))erbunfeU ift burd^ i^v 

(Btioblt 



3)ie jtt)cit e ^auptrcbc 3efaia'd Ä* 7—9; i, bejle^t fi(^ auf ben 
f^rifc^^efraimitifc^en Selbjug um 740, ald ^^ad regierte unb bie Slffv^rec 
)u «^ulfe rief unb ia!t>nxdi wn i^nen ab^Angig U)urbe. Umfonfi ermahnt 



1) SSei aüt bem (ägt fein Born nid^t ab, 

Unb feine ^anb ifi no(^ au«geie(ft. 93g(. St, 9, 11 ff. 

2) Sefaja meint bie 9(ff»rer. 



Qmittt ^b^ä^n. fB. 850-~650. S>it tlnttlntn $ci)t>l^etcn. äefaia. 385 



ber iPropl^et jur JRu^e unb SSefonneitl^eft ; bfe 5ßlfine ber geinbe foKen 
nic^t )>ertt>trnt^t n>erben. 2)o(^ forbert er glduMged Vertrauen a(d Se« 
bingung ber 9{ettung : 

3a/ fo toetbet i^r nfd^t betoal^rt* . Jt. 7, 9. 

2)ief ©ottbertrauen/ bie innere 9en)dl^rnng unb Sefonnen^eit fel^U aber 
bem Äönige* 5)al^er meIßagtSefoia weiter^ baß ein meit fc^Iimmerer 
geinb, ber SlfT^rer ndmiid), bei bem man jeftt fogar ®c^u$ fud)t/ baö 
8anb mit feinen ^eeren überfd^wemmen unb »erwüßen merbe» 3«ni 
@c^(uß eine allgemeine Slnfprac^e an bad furd^tfame abtrfinnige Soll in 
3erufalem , baö fc^wer l^eimgefuc^t »erben fotf* 3nbeö t)ernic^ten wirb 
auc^ biefer B^inb bad gottgef(^irmte8anb nid^t* IDal^er bie Slufforberung 



8;9ff. 

ZoU nviv, x^x Ißdlfet; unb «»erjaget! 

dtüflet eu^ unb «»erjaget; 

3a ruftet eu(^ unb «»erjaget! 

gaf t einen $Ian, 

@o »irb er «»ereitelt; 

S3efd^Iie$et tiroai, 

@o fommttf nid^t ju ©tanbe, 

5Denn(Slott{ftmitun0i 

JDenn fo \pxa^ ber ^err ju mir; 
Snbem er meine ^anb erfaßte 
Unb mxä^ toamte, ntd^t ju gelten 
$Cuf bem SEBege biefed 9)oIfe6 ba, 
®))red^enb : nennt ni<l^t Serfd^wdrung 



9 



10 



11 



12 



^(ted , xoa9 biefed 3^oIf ba SSerfdfttDörung 

nennt/ 
Unb feine 9ur<^t fodt i^r ntc^t tl^üen 
Unb foüt nid^t bavor n^^xedcn \ 



13 



®en ^erm ber ^eerfc^aaren, 

3^n fottt i^r H^eiltgen, 

Unb er fei eure gurdjt unb euer ©d^rerfen ! 

®o totrb er ^vm ® ti^u^ort toerben ; 14 

^eüi jum^tein bed$(nftoßed unb jumgeld 

bed ^traud^elnd 
Sur bie Beiben Käufer 3draeld^ 
3ur 6d^Unge unb jum SaUftridE 
5Den ^en)o]^nem 3erufalemd* 

3n ber leftten ^ot wirb ba« SJoII »erjweifelnb, aber ju fpdt jur Dffeu» 
barung beö »al^ren ®otteö fic^ l^inn^enben : 

IDa fd^toeift e^ bann uml^er; erbittert unb l^ungernb/ 21 

Unb wenn e^ l^tmgert unb fid^ ergrimmt^ 

@o toirb e6 fiud^en auf feinen Jldnig unb ©ott^ 

Unb toirb ben ^lid jum ^immel toenben ^ 

Unb blidft e0 jur (Srbe banu/ 22 

@o flel^e ba ; S)rangfal unb ^üfttad^, 

^ia)U9 ^uttfet/ 

Unb in Umnad^tung toirb ed fortgeftof en* 

Snbed mitten aud biefer 9{ad)t unb 9?ot bricht auc^ ba« Sic^t ber fRtU 
tung l^ert)or : 



S)od^ neiu/ nic^t toirb «»erbunfelt 
IDa^ eanb/ bad Bebr&ngt ift ! 
9Bie bie frül^ere Seit @d(mad& gebradftt 
3um Sanbe ®ebuIon unb SRaftali/ 



23 



®o toirb bte golgejeit üfyct bringen 

®egen bad SReer ^in, 

3enfett be« 3crban0 

Unb nad^ bem SSdlferfreife* 



3tt)e{if $er(obe« Sott K Srunb. b. itfotgtl^itiiie Stt j. <|]ibc b. (Sm. 



^a0 ^olf^ ba« im IDunfeln toanbclt, Jt. 9, i 

(Stellt (in grcf ed Sid^t, 

IDie ba topl^nen im 8anbe bct Sinfietni6/ 

(5m Std^t gT&tiji über il^nen auf. 

!Du me^rß bad S^olf^ 2 

3l^m mad^ji bu gro$ bie Sveube; 

€ie freuen fiä) «ot bir toie man fid^ freut 

in ber dtnti, 
@o n)ie man jubelt menn man Q3eute tl^eilt* 



IDenn fein HfütnUß 3od^ s 

Hub ben @tab feinet 9{a(fen<, 
^ad ^ce^ter feinet ^ebrdngerd 
Serfc^Iägfl bu tote am Xa^e S^ibian*^ 5 
3a jebe Sel^r bed mit ^ebenftci^ SBe^ren;: 
ben 4 

Unb bad ©etoanb/ gOoAlgt in ^Int, 
^aö toirb bienen gum 193etbrennett, 
3ur @))etfe bed %fntte* 



3tt bic 3cit beö ai^a6, etwa um 735—730, gehört au(^ We 3) r 1^* 
rebegegenbadnorblic^edteic^/^. 9, 7—20« !£)ut(^ eine Stelle 
t)on UngluädfäUen, bitrc^ blutige dec^urfniffe im Innern (t>g(« <^ofea) 
unb burc^ 3)emätigungen )>on $(uf en fam ed nic^t )ur @elb{leifenntnid/ 
fonbern ful^r fort, nur immer l^öl^er jKegeube 5piäne für bie 3whinft {u 
fapen. 2)a^er bie toieber^olte Semerfung/ baf neue 3u(|)tigungen be« 
)>orfitoben. 

a. (Bin ®ort fenbet ber ^ert gegen 3a!ob 7 

Unb bad f&Ut nieber auf Sdcael/ 
^amtt gut (Si'nffd^t fomme bad gange S^olf, 
(Sfraim unb ber iBetool^ner ©amariend 
Aber ben ^ünfel unb ^oä^mui, inbem fie fagen : 
J$aU^n ^acffleine gufammen/ fo baun toir mit Ouaberni 
Serben SDlaulBeerbaume umge^auen^ fo ^f[angen ioir Gebern nad^ I ' 



s 



b. ^a befefligte ber ^err il^re Steginifd^en Umlagerer 
Unbtfifteteil^re8«nbej 

JDie @^ter von vom unb bie ^P^iWP« ^»n leinten, 
S)ie fragen S^rael mit i^oKem SRmibe« 
9ei afle bem n^anbte fiä^ niäft fein 3om 
Unb fürber noti^ blieb au^geredft fein 9(rm« 

a. Unb toeil bad lOolf {{(^ gn bem ni^t toanbte, ber U gefdilagfn, 
Unb ben $erm bet ^eftfd|aatf n nic^t fnäflt, 

®o t)ertilgte bet J&err aui 36tael ^u^ unb ©^loetf; 
$alme unb ^infe an e i n e m Slage ) *) 
Unb bie Seiter biefed l^elfe« ba n^utben Stteffil^tet 
Unb feine (S^eleiteten u^utben gu ©tunbe geti^ftet 

b. 2)arum freute jidft ber ^err feinet 3ünglinge nidjt 
Unb erbarmte fld^ nid^t feiner S)a{(en unb SBitn^eU/ 
SBeil fle alle gottlod unb ))om $ltgen towctn, 



10 
11 



12 



15 



16 



1) „^tt Sitefie unb Obeifle ifl ba« ^auj^t, 

Unb bet ^xopfiti, bn Sägen le^rt. iji bet @(^t9eif ;" 

eine offenbare (S^Ioffe, bie gubem falfdft erßäft« 



u 



d)9fttft 9l»f(^n. 93« 850— «SO. S>U eiitjebten S|}to))^tfn* Sffajia. SS7 

Unb ie§Itd|<t SRunb 8tK<(Iof«< tcbete« 
Set ade bem \»ttnhie 9df nün^i fein Sota 
Unb ftttbec no4 (Heb an^getecft fein $(rm» 

a. 3a, ti brannte koi'e Seuer bte ^oi^tit, ^om unb ^ifld ))erge^tcnb 17 
Unb en^ünbete be< iSalbe« bid^te S^affen, 

5Daß fie fid^ aufld^en )« @&«(en ^on Rau^^ 

^uxäf ben (SIrimm bed ^erm bet ^eerfd^aaren toarb {erfleifc^t ba^ 2anb/ is 

@o bafi ba< 93oI! tote eine @))eife bed Seuerd n^urbe^ 

Snbem (Sinet ben 9nbem ni^t vetf^onte. 

b. S)a fil^lad^iete man ^ur S^edbten unb l^ungerte; \9 
SQBörgte jur fiinfen unb tourbe nid^t fatt^ 

3nbem man fein eigene« ®tf^U69t ^erflfeifd^te : 

flftanaffe ben (Sftam, mtb dfcatm ben SRonaffe ; 20 

(Unb beibe gufammen toaren gegen 3uba*) 

Sei aQe bem »anbie f[d^ nic^t fein 3om 

Unb fuvbef no^ ift ausgereift fein IKmu 



2)ie meijien »eben 3efaia'ö geboren ber 3elt be« ^idtia an (728— 
699). ©0 junad^H Ä- 22, 1—14, eine ©traftebe an baö Bolf in 3e^ 
rufolem, t?eranIoßt burc^ ben erjien aff^rif^en (SinfaH. SSgl. Äop. 1. 
9B&l^renb n&mltd^ bad jubifd^e «^eer mit feinett Slnfül^rern fc^mad^))o(( 
geflogen/ gefangen unb gum 2:^ei( getobtet iDotbeU/ l^atten bie ^mof)' 
ner Serufalemd, i^r na^ed Gnbe fürd^tenb unb nur äußerliche SBorfe^» 
lungen gegen eine mog(id)e Belagerung treffenb/ in einer SIrt gott« 
»ergebener Serjweiflung ftd^ ber »ilbeflen ©enußfuc^t überladen, anflatt 
ber Slufforberung ju ernfler Seftnnung unb Supe, bieSefaja an fie ^atle 
ergel^en laßen / gofge ju leißem r@ßet unb trinfet! benn mor« 
gen finb tt>ir boc^ tobt!" ©p&ter )>erffinbigte il^nen ber $to)>l^et/ 
e6 fei bieß eine S^obfunbe/ bie i^nen nie t)erge6en werben f5nne. 



®a6 toar bir benn, i 

^a^ btt befttegen 

@o indgefammt bie IDö^eC/ 

^n 'oen e&rm erfäUte, % 

Stauf^enbe 6tabt/ 

^u frol^iodenbe &&tte, 

^a beine (Srfd^Iagenen nici^t im jtrieg ec^ 

f4flagen, 
9tiä)t im ilam)>f getdbtet toorben ! 

9IU beine ^&n)iiltnge 



^intteg ^ex bem Sogen 3 
®efe$eU mnvben 
91U beine MegeSleute; 
@ie tDurben gefefelt, 
(Rad^bem fte n>eitll^itt 
(SnttDifi^en toaren. 

2)atum fagte id^ : ^yblicfet koeg t)on mir ! 
2aft midi bitterlid^ toeinen ! 
S)ringt nii^t in mid^, mtdb {u trdflen 
Ob bed Unzeit« meine« Siolhi ! 



Sßaren ge^ol^en gumal | IDenn eisen Xag ber Serta>ir rung, 



328 Qmitt $erio^. S)on >• dtunb. \>a StM^if^. m j. «ttbe M (Sritt* 



IDer $ecto)üflung unb SSerbftfirung 
$ielt ber $en, ber &oit ber ^eerfd^aaveti/ 
Über ba« Xf^al ber SBeigaöung» *) 



dlam ttu9 ben Jtöd^er 

3n Sögen öon SPlännem 

Unb »on JReiteni, 

Unb ^ir entblößte ben @(6ilb. 

^a n)ucbeu beine feften') X^dler 

95on »on ben Sögen, 

Unb bie ^6Ux ^Mtn ^äf auf 

^n ben (Singang [berfelben*] 

®o gog er [®ott] l^intDeg 

S)en 93or^ian0 3uba'6 5 ^ 

^o(i^ iffx fc^autet an jenem Xage 

üflaä^ ber 9{ufiung bed (Sebeml^aufed; 

Unb fa^et/ bap ja^Iretd^ 

IDte 9{if e ber fDaviodilabt; 

Unb fammeUet bie ®ager 

5)e« untern Xeic^eö* 



6 



8 



10 



Unb ein Oedfen maäfUi if^t- 11 

Sttifc^en ber 2)o^^eliita«et 
gär bie SEBaßer 
^ed alten 3;ei($e4* 

9(ber nid^t flautet t^c 

Sluf ben, ber haß geti^an^ 

^af^ti ni^t nad^ bem, 

S>er )>on fern ed bereitet* 

^a rief ber ^err ber ^eecfd^ooren ^ 

$(n jenem Sage 

3um SBeinen unb jur Sße^flage, 

3um ^aarfd^eeren unb gum 93uf gemanb« 

3)0(3^ flel^e, ba toar grollte den unb greube, 13 
9^inbers9Bürgen unb @($aafe?<^la4ten, 
gleift^ s egen unb ffiein s tVinf en : 
,/@ßt unb trinft! benn morgen ftnb toir 

tobt ! " 
2)a offenbarte fi^ ber ^err ber ^eerfd^ao« 

ren meinem Ol^r: 14 

^^iefe Sunbe toirb eu<l^ nic^t «etjiel^en 
©i« baj i^r tobt feib l " 
@pradb ber ^err, ber ®ott ber ^eer* 

\6)aaxm. 



Unb bie Käufer Serufalemd 
3äi;Itet il^r, 

Unb bradbet ab bie ©Sufer, 
Um bie SWauer ju bcfejligen j 

Sluf baffelbc (Srefgntö bejiel^t ji(^, nur mit emeitertcr unb ollflemei« 
nercr Sc^rtenbcna, bie erjic Siebe im 93u(^ Sefaja'd Aap. 1. Sie ffi 
gerabe bopj)eU fo lang, afö bie tJor^ergeVnbe, fnbem jebeömal 8 ©tro* 
p^m wie ,R. 2— 5 nd^er jufammen gelberen* 



I. 

$öre btt ^immel, unb mer!' auf, (Srbe, 

3)enn e« rebet ber §err : 

3(^ jog Äinbcr auf unb jog fle groß, 

^0$ fte fteteu ah loon mir ! 

(50 fennt ber @tier feinen C^r^alter 

Unb ber Sfel feine« J^erru Stippe, 

3)o^ 3«rael ijl ol^ne (Srfenntni«, . 

a«ein S3olf ijl ol^ne SSerfianb* 

D fönbig aSoIf, Ißolf fdjtoer« @*ulb, 

$8rut »on 93erbrc eifern/ 

9tu(^(ofe ^inber, 

JDIe »erlagen l^aben ben $errn, 



1) Bertrümmetung ber *Wauet 
Unb ©c^gefii^tei jum »etge l^in. 



9)erf(i(^mä^t ben ^eiligen 3ixad^, 
5Die abgen)i<^<in jtnb 1 

Sol^in tooUt i^r nodb gef(iiilagen toerben; 5 
3nbem il^r fortfal^rt gu frepeln? 

S)a4 ganje ^aupi ifl franf 

Unb baö ganjf ^erg ijl ftedj 5 

93on ber gugfol^le h'ii }um $au))te 6 

3it ni^t« ^eileö baran : 

®unbe unb ©triemc 

Unb frifd^er @(i^tag, 

9li(^t au^gebrödt unb nid^t »erbunben^ 

Unb niäft gefd^meibigt mit &l J 

2) QJerbegerung , für: beinc ^bellen" 
X^ler. 



dwritec 96f(4n* ». 850—650. S>xi einselnen fPro^^etm. defai«. 329 



O^et Sdttb {^ eine Siijle; 7 

Gute (Staate ftnb mit 8euec DctBtanni/ 
. IBor euren Stugen ^oetgel^ten 
Srembe euer gelb j*) 

Unb übrig ifl no4 bie S^oc^ter Bion 8 

aBie eine ^üttt im SDeinberge, 
0Bie ein ^aäii^ani im ©urfenfelbe, 
SBie eine [®t>iU] befd&itmte «tabt. 

SBenn nii^t ber ^err ber ^eerfc^aaren 9 

Und gelaflen l^ätte einen fUmen 9le|i/ 

@o tDären toir toie ®obom^ 

äOir glichen ©omorr^a* — 

$drt ba0 SBort bed ^erm lo 

3^r ©obomd :; gärflen/ 

SfltxH auf bie Seigre unfer6 ®oiU9, 

Sl^r^omorrl^a^lBoU! 

9Dad fdU mir bie 91i{enge ii 

Gurer O^fer? fprid&t ber ^nt} 

Sd^ bin fatt ber Q3ranbopfer »on SQBibbent 

Unb be0 %eiU€ ber S^aflfälber) 

JDaö S3lut ber gorren 

Unb ber 8Smmer 

Unb ber ^bdt 

(üefäat mir ni^U — 

SBann il^r fommi in ben Xem^A u 

93ot mir gu erfd^einen : 

9Ber t)er(angt benn ))on euc^^ 

Steine S^or^öfe gn gertreten? 

bringt nidjt ferner fünbige« Sruti6to^)fer ! 13 

Gin abff^eult^er ^uft ifl mir bad* 

9leumottb/ ^dbhai, gejiberufung — 

Säf mag nidjt Jre^el unb gefberfammlung» 

(Sure (Reumonbe ttnb Seiettage 14 

<Stnb mir ^tti)aii, 

@ie finb mir gur 2a^, 

34 ^^^ inüb ße gu ertragen* 

Unb b)enn il^r ausbreitet eure ^hnte, 15 

®o ^er^itU* id^ t)or eu4 nteine $(ugen/ 

Unb »enn i^r t>iel au4f Mü , ttffbx* i^i 

niä^t, 
9Bet( eure ^anbe t)oa $Iut ftnb. 



II. 

fBa^äitt, reiniget eu(^ ! 16 

@<ffafft eure böfen X^aten 

Tlic aue ben $(ugen ! 

.©ort aufgufreoelnJ 

IBernt ®ute0 t^un, fud^t hai ditä^t, 17 

SBeifl gured^t ben lOermef enen^ 

@(^aft 9lted^t ben Sdfen, 

gü^rt bie ^ad^e ber SBittoen I — 

*) ®{nb eure @ünben aud^ tote $urpur^ 18 
SPi^ögen fte loeig derben tt)ie (Sd^nee ! 
@inb fie audf blutrot toie ^d^arlad^, 
anögen fie toerben toU fBoUtl 
Sßenn i^r a u f m e r f e t unb gel^ord^t; lo 
SDerbet il^r M 8anbed Sl'^ar! t)erge]^ren$ 
^od^ toenn i^r jtdrrifd^ fetb unb toiber^? 
fhrebt, 20 

Sterbet il^r ^t^tf)xt Serben »om Gd^tvert* *> 

Wt ift iur ^ul^Ie gemorben si 

^ie treue ©iabt^ bie »od Sttä^Ui Y&ax, 
3n ber toeilte bod Siedet/ 
(Run aber SRörber I " 

^ein ®i(ber ifl gu ^d^Iaden toorbe«/ 22 
2)ein aBein i^erfalfd^t mit fBa^tt, 
^einei^ertreter finb ^err&ter 23 
Unb 3)ieb«gefeaen. 

&t cMt lieben liBeftei^ung 

Unb iagen bem So^ne na^, 

2)en ©oifcn fdftoffen jte fein ffteä)t 

Unb ber 9Bittt)en@ad^e fommt nt(^t t>or fle* 

^arum f))rid(t ber ^err , ber ^eerfd^aaren 

®0tt/ 24 

SDer (Setoaltige äixatU : 

O i(^ toitt mi^ räd^en an meinen Gegnern 

Unb dtaäft nel^men an meinen geinben ! 

3d^ YoiU abermals loenben 25 

Steine ^anb gegen bi^ 
Unb beine ^d^laden lautem tote mit Sauge 
Unb entfernen aü bein $lei! 



1) Unb eine SBüjle ijld glei^ ber B^iftorung bon ^remben. 
%) 9Bo^Can, fo Ia§t und rechten ! ft>ct(^t bet $err. 
3) (9ett>if , bei Ferren SDlunb ^at t9 getebet. 



880 ßmiU fßeriobe. IBon b* Otunb. b. ittoigt^uml U0 j. Qnbe b« ttdtt. 



34 ^iK beme Stiftet toicbec mad^en koie 
guvor 26 

Unb bellte StatgeBer tote im $(nfang; 
^atna^ loirb man btcf^ nennen : 
etabt bed Sterte«, gettene ®tabt I 

3ton toirb bttr<!^ ffttä^t TT 

(Sridfet toerben/' 

Unb feine itrieg^gefangenen 

^ur^ ©etet^tigfat; 

^o(i^ ^ernid^tung trifft bie 3:teu(ofen 2« 

Unb bie ®nnbet affgmnaO 

Unb bie ben ^erm ^(xla^ttr, 

^ie ge^n gn ^trnibe« 

3a bef((&mt toitb man {{(( abtüenbcn 2« 
$on ben Xevebintl^en^ 



^ic en4 gelttilet, 

3^t »ecbei fd^amttoE imftdbocii^cn 

S^on ben ®&rten/ bie i^ tmäffiiä^ 

IDenn i^r tottM fein toie ({tte3^tebtn%^ 80 

IDetrn i^I&tler todfen, 

Sie ein (Satten o^e Safer» 



IDdnn koirb ber a^ad^tt^oUe 
3n Serg koerben/ 
Unb fein «a^enbilb 
Sum 9raerfnn!en ; 
S)ie brennen bann, 
<Sie beibe 
anit einanber/ 
3nbem SZiemanb Idfd^t. 



31 



3u ben tt)i(^tigßen itnb [(^önßen Sieben 3efa)a'6 gel^Srt bie Xt ofis 
rebe an bad jüblfc^e SBotf beim Dtud ber Äffi^rer, 
Ä, 10— 12^ Serien unb ©amarien waren bereit« gefallen, Ä. 10, 
9 — 11; ieftt follte bie SReil^e an3uba fommen. — SBenn 3efaia in 
bem erflen aff^rifc^en SinfaHe (X. 1) eine )>erbiente göttliche Sä^^üflung 
txbMtt, fo war bagegen biep foitgefe^te Streben, aQe Heineren ®taa* 
Un, befi>ttberö 3uba, \>öllig ju tjernic^ten, im l^od&fien ®rabe n«bere(^* 
ttgt* !Denn in 3uba war feit ^i^fia'6 S^^ronbe^eigung n>fnigfieiiE« ein 
9Infang}um Sepern gemalt. Dedl^alb ermal^nt Sefata ba^Solf, bei 
ber gegenwärtigen 9?ot nur au^ju^arren* 2)ie frevelhaften @roberuTtg6* 
Vläne ber Slff^rer foHen nlc^t realijtrt; vielmehr fte felbji baft bom ©ipfef 
i^rer ^a6)i gefifirjt unb t^ernid^tet werben. 

Sürd^te bi4 nid^t, mth S^ult, ba« 3ion betoo^nt, 24 

Sßet %9ivx, ber wii bem &i>ät bld^ fd^tägt 

Unb feine <icif el über bid^ fd^toingi nacb 9(rt ber Ag^pte« ! 

^enn iwdl^ ein Sentgetf, ein Seild^en, 

S>« )»irb gar and fein ber 3om, 

Unb mdn. (Blurnm ki>enbet {i^ ju i^rem ®axaui* 

iDanac^ beginnt für ben gelÄuterten 3lefi ber S^raeliten bie 3«it '^^^ 
Serfo^nung unb ^erfteQung ; bie beiben getrennten Sieid^e werben unter 
einem tl^eofratif(f)en Könige fiii wieber )>ereinigen, aUe t^erbannten unb 
jerfireuten Söraeliten fe^ren jurfid unb werben im ungefiörten ®enuf 
ber ®uter bed l^eUigen Sanbed }u einer wal^ren, {tttlic^en 93erf5^nung 
auc^ mit ber Statur, mit ber ganjen obiehiben äßirfUc^feit gelangen. — 
!£)ie Stebe ifl wal^rf(^einli(^ balb nad^ ber Serßotung @amarien«, um 



StOfittc a6Mn. S* 850—650. Sie ettiielnett ^tüp^äin. Sefai«. SSI 

722 —721 gef(^t{eben werben« (Snntlb unb SInbere (e)ie^eii fie mif ben 
3u9 ©anl^erlbö gegen 3uba, 714* Mtin bamal« war 3ubÄ \>on 3lffi)* 
.rien abflefoHen/ »aö m6) unferm ©tfirfe nfc^t ber %aU i|l* @obann 
flutte ft^^ iener SlbfaQ auf ein @(^u^» itnb S^ru^bänbntd mit ^g^pten, 
tt>aö Sefajabiirc^au« »erwirft unb tabelt. aSgl. Ä. 28— 33* 3n un» 
ferm ®tä(f aber fel^(t jeber berartige XabeU !I>ad 93df f(^eint )^ie(mel^r 
}u l^art unb ungerecht bebrucf t )u fein / wa^ flc^ nur aM bem angenom« 
ntenen ^cxtpmUc ^Inl&nglic^ erfi&rt« 

Sl(6 $robe ßel^e ^ier bte bic^terifd^'ffill^ne/ l^nreipenbe @(^ilberung 
bed mefftanifc^en <^eile^ / wie bie !ß^antafle bed ^ropl^eten ed fid^ aud« 
malt, St. 11—12. 

iDa feimt bann auf ein @pro$ oom stamme 3fai*6/ l 

3nbem ein 3n>eig au6 feinen ^urjeln brt(i^t *y 

Unb ru^en toirb auf i^m bct ®et|l bed ^erm : 2 

^er ®eifl bet SBeie^eit unb ber (Sinftd^t, 

5Der ©etfl oon Sllal unb S^anne^fraft; 

S)et ©eifi ber ®otterfenntnU unb ber (BeHt^fvx^t, 

®o baff er at^met s 

3n bet (Sottedfurd^t. 

9Hd^t nad^ bem ®^tint feiner $(ugen toirb er xiäfUn, 

Unb ntii^t entfd^eiben nad^ bem, toa9 feine Ol^ren l^ören, 

©onbetn richten mirb er nad^ fReci^t bie ^ülflofen 4 

Unb nad^ ©ered^tigfeit dntfd^eibung ertl^eilen ben ^ulbem bed Sanbed; 

(St ttirb f^iagen ben ^t^rannen^) mit ber ®nftl feine« SJiunbe« 

Unb burd^ ben 3oml^aud& feiner iipptn ben 8tet)ler tobten« 

lDa0 9ted^t koirb bei Gürtel feiner Ruften fein 5 

Unb bie Xreue ber ©iirtel feiner Senben* *) 

3a, ein Stiah koirb und geboren, ein @ol^n und gegeben/ J(. 9, 5 

Unb bie ^errfd^aft fommt auf feine ^djiuUer; 

deinen 92amen nennt man : lEßunberrat^ STOad^t)^ elb; 

(Slefe^ed^ort, gtiebendfärfl/ gnr 9)te]^rung ber ^errfc^aft 6 

Unb iitm etoigen Sieben auf bem 3!l^rone Sa)){bd unb ober feinem fftdS^, 

Um e4 l^erjuflellen unb }u fi^tn burd^ dttä^i unb ®ered^tigfett 

IBon nun an bid in (Stoigfeit 5 

IDer (Sifer bed J&enn ber ^eerfi^aoren koirb bief il^utu 

IDa toeitt bann ber 90otf Ui bem £amme, 6 

Ser Marbel ta>irb M ^ei bem 93öd^leitt lagern 

1) gür yn« ijl toa^rfd^einlidj yny ju lefen, 

2) IDie fotgenbe ®tro)}]^e gehört unfireitig ^iel^er* Sa« €täd 7— 9, 4 ifl )>oir« 
ft&nbig abgefd^Iof en* Sie ^erfej^ung biefer 6tro))l^e bortl^in erflart fi^ leiil^t baraud, 
bafi man unter bem f^mbolifd^en 3mmanuel bes Sfteffia« )>erßanb unb benfclben l^ter 
ehoa« genauer befi^rieben l^aben t^tHliu 



3n>fite $erio\>f* SSon b. Stfinb. b. «»nigt^umd m j. Snbe b. (SriU. 

tlitb ^ülb itnb Sdtoe unb aUcMbieli^ gitmol; 

Snbem ein Heiner Stnahe fte leitet» 

5Die ihil^ toitb mit ber S&rin toeibeu/ 7 

3ufammen lagern fic^ tl^re Snngen 

Unb gleich ben Si^inbem frißt ber Üxoe @tro]^« • 

93e{het(^e(n toirb ein @augf inb bad 9u0e ber (Ratter/ 8 

Unb nad^ bem (Slangang betf ^aftliöfen 

®tre(ft ein (5ntn)d^te0 feine ^anb» 

Tlon toirb ni^t fünbigen unb nid^t freveln 9 

9(nf meinem gangen l^eillgen Serge^ 

9BeiI )>on fein n)irb bad £anb i»on (Slotterfenntni^^ 

®Iei<]^ 90af em; loelci^e ba« SReer bebedfen« 

IDann tt)irb ber @^röpling Sfai'd/ lo 

IDer bafiel^t aU $anier ber @tdmme/ 

Ott n>irb )>on ben beuten aufgefnci^t/ 

Unb fo toirb feine Stn^ftatt ^enlid^ fein. 

9(n jenem 3!age toirb ber ^ttt no(^ ein i)näUi^ SKal ii 

®eine ^anb anlegen/ um lo^gufanfen feine« ^olfed 9teft/ 
^er übrig fein n>irb; and Slff^rien unb ^^t^pim, aud $atrod unb Stuf^, 
$(u6 dlam unb linear/ aud ^amat unb )oon ben Stufitn bed SRittelmeer^» 
(Sin $anier toirb er aufßecfen ben Stämmen, ^ 12 

SBirb fammeln bie iiBerfbrengten 36rael6 
Unb gufammenbringen bie 3 erfreuten 3uba*6 
Sßon ben )>ier leiten ber (Brbe l^er» 

^a toeid^^t bann bie Qiferfud^t (Sfraime 13 

Unb bie Qlufrü^rer 3uba*d »erben ausgerottet} 

(Sfraim ift nidt^t eiferfud^tig auf Snba 

Unb Suba u^irb (Sfraim nic^t me^r reiben. 

^ann flfiegen fie auf bie ^d^ulter ber $^ilifier inm afteere f^xn, u 

$lttnbem t)ere{nt bie @d]^ne be^ £)f)end ; 

(Sbom unb SHoab toerben ein S^aub^äcf i^rer ^anb 

Unb bie ®6^ne 9(mmond loerben il^nen gej^ordt^eu. 

derfpalten toirb ber $err bie 3unge bed &g^))tifd(ien üfteerS is 

Unb feine <&anb über ben (Sufrat fd^wingen in ber (Biui feine« Botni'y 

Qx toirb i^n gerfd^tagen in {{eben $&d^e 

Unb l&f t mit @d^u^en i^n bur^fi^reiten. 

^ann toirb ed eine ©träfe geben für ben fftt^ feine« SßolUi, le 

S)er übrig bleiben toirb au« Slff^tten, 

@o toie e« für 36rael eine ©träfe gab 

91U e« l^eraufjog au« &g^))tenlanb* 

Unb bu fprid^ft bonn an {enem ^age: st, 12, i 

„iaf midEi bi(^ greifen, o ^ttt ! 

^enn bu gümteß »ol^l auf midb/ 

^6er e« legte fidl^ bein 3om unb bn trO^eteß mid^« 



Stveitrr %6fd^n* fß. 850—650. 3)ie ein}elneit ^top^tttn. 3efajia« 

@icl^e btt; üott {{i meiti «dU ' 2 

3äf traue i^mnnb ttaute ni^M 
3a mein $te{4 unb (SIefang iß bet ^ttt, 
JDenn et toorb mir gum ^cile»* 

3^x [(^öpfet bann SDaflet in SBonne ani ben DueUen be^ $ei(4, 3 

Unb toerbet f^rec^en jene^ Xagd : 4 

,^^eifet ben ^errn, ruft an feinen 92amen ! 

S3erfänbet unter ben ®t&mmen feine S^^aten ! 

i^obftnget^ toeil f^ilf)t {t(( gegeigt fein Dtame ! 

spielet bem ^enn, n)eil er <S)ri>ßed getrau 1 5 

jtunb toerbe bieß im gangen Sanbe I 

3auci6ge unb juble, SBetool^ner t>on 3ion; 

® «( grop ü^ in bir ber Zeitige S^taeU geigte ! " 



a)en flldnjenbßen »bfc^nitt in 3efaio6 8eben bilbet ba6 fltüße (Sr^ 
ciflni«, auf tt)el*ed We longc JRebe Äaj>. 28—33 ftd) bejie^t: bic 
brol^enbe Selagetung 3erufalem0 but(^ ble äijf^rer in golge eine^ 8b* 
fall« unb eined Sc^u^bfinbniffed mit ^^pten* S)te ©runbgcbaufcn 
bicfcr ^Prcbiflt ftnb in ber Äutje folgenbe : 

SBeil bie üRa^t^aber in 3uba unb 3erufalcm ftd^ butc^ ein ©finbniö 
mit ägt^pten gegen einen auswärtigen $einb ftd^er [teilen woQen unb 
burc^ bief unfluge unb juglei^ unt^eofratifc^e Unternehmen / inbem fte 
me^r auf ein jmeibeutiged 93o(f a{6 auf ®ott {i(^ berla^en, il^ren Un« 
glauben an ben JJag legen, fo foBen fle bei bem großen ®eri(^t, ba« 
über 3uba unb 3erufalem bro^enb l^eranjie^t, il^ren Untergang finben. 
3erufalem felbfl wirb eine l^arte ^Belagerung aushalten mäßen ; Wirb 
bann aber mit allen ®ere<^ten auf wunberbare SBeife gerettet werben* 
©Ott felbjl wirb ben geinb in ber ^&f)t ber l^ieiligen ©tabt t>enti<^ten- 
!Die Erwartung einer folc^en unmittelbaren (Sinfc^reitung ®oiM gegen 
bie Seinbe unb ^resoler iß l^ier außerorbentHd^ gefpannt unb gejleigert. 
Wllt biefer (Sriöfung iß jugleic^ eine Umwanblung ber gangen fl^atur ber« 
bunben* 3u Serufalem ^errf<^t bann ein gerechter Äonig fiber ein SSoIf, 
bem feine ©ünben \)ergeben jtnb unb ba« bed l^od^flen ©egend fi^ er* 
freut* — Sel(ir merfwürbig iß babei , bap ber fPerföntid^feit be6 bann 
regierenben ^önigS^feine fo ibeale Sebeutung )ugef(^rieben wirb, ald in 
ben früheren ©tfidten, Ä* 9, 5-^6* Ä. 11, 1 — 5. gd ^errft^t ^ier 
me^r bie dltece Sorfietlung, wonach bie ®emeinbe ald ein ©angeS bann 
in ein nd^ereö JBer^ältnia gu ©Ott tritt* ©Ott felbß erfc^eint wieber ald 
ber attein wa^re Äönig unb (Srretter. Ä* 31, 8—9. 32, 15. 33, 22. 
!I>ad ^inigt^um bed äRefftae ifi bagegen )uru(fgebr&ngt* (Si ^eißt 



884 Stoeitc qJetiobr. So« b. <8cfinb. b* JtSiiisf|. (U {tun (Snbe b. iSxHd. 

6(of/ ber Stbnl^ n)etbe bann gerecht regieren; e6enfo bie i^m unter« 
flebenen gürficn , 32, 1. gerner 33, 17: ber ÄJnfg werbe in feiner 
©d&ön^eit, in feiner SRaiejWt/ bie {e$t üerbunfelt unb entpeüt »orben, 
ft(^ jeigen* 3efaja tmaxM nAm(i(^ bie tt>unberbare 9{ettung t)on ben 
Slff^rern in ben n5d)fien Salären / n^e^l^alb er naturlit^er SBeife mel^r bie 
@ntn)i(f (ung bed Slllgemeinen im $(uge ^aben mupte , fo bap bie $erfon 
bed J(önig6 ))on felbß }uru(ftrat 993ir fönnen bei biefem Könige ol^^ne 
@(^n){eugfeit an «^idfia benfen, ja wir mfi^en ed fogar, wenn wir und 
bie bamaligen 9ierl(|d(tn{ffe genau unb fonfret ))orjhnen woQen« Sßegen 
biefer Siücffic^t auf bie ©efc^ic^te gab ^e\m bie filtere Slnfc^auung auf* 
S« folgt l^ieraud, wie flu^g bie ganje 3Kefftad»3bee bd unfetm $ro« 
)>I)eten noc^ erfc^eint unb wie wenig fie l^ier fc^on }u einem feßen Dogma 
erjiarrt ifJ. 

«ad(( ber gewöl^nlic^en anp^t foU Ä; 28, 1—6 bie Serfiorung 
@amariend angebrol^t werben; mitl^in mfifte bad®tfi(f Tur} ))or722 
faKen, noc^ el^e ©amarien t>on ben ?lff^rern erobert würbe* ©o Gwalb 
u* 81* SlQein bie ganje @(^{(berung fdUt in bie SSergangenl^eit, inbem 
bad ©d^icffal @amariend a(d ein abfd)retfenbed 93eif)){e( ben Subfiern 
)9or^efiaIten wirb, defaja beginnt mit ein^m Sludrufe bed Sntfe^end 
aber bie ftnnlofen 9Rad^t^aber ber @amaiitaner (bie bilblid^ al6 Itrun« 
fene bejetc^net werben), inbem fie bad Sanb burd^ ein Sfinbnid mit 
%9Pten bem Untergänge entgegen führten. @twa6 d^nlic^ed wiU jej^t 
Suba t^un* (Seine $ri>p^eten unb Stieltet finb ebenfo ftnnbecaubt unb 
ratio« wie üon einem l^cillofen JRaufd^e, 28, 7« S)a$ biefe 3;runfen^cit 
nid)t eigentli^ )u nel^men fei / fonbern rein bilblit^e Sebeutung |iabe, 
]^£tte ben 9(u«(egern ntc^t entgegen f ofleu / wenn g(ei^ fc^on ein oiter 
®(offator 28/ 8 ben 2;ert fo midverfianben f)at fß^l A* 29^ 9 f* 3e^ 
rem. 23, 13* — fDaju fommt/ bap in teuer deit, wo 3uba a8erbing6 
unter bem aff^rifc^en iDiutfe au$erOrbent[i(6 litt, ^efaja gani anbete 
rebete* (Sx troflete unb ermutigte bad gebeugte 93o(f / ol^ne ed eigentli^ 
)U fabein (Jt* 10—12), wdi^renb in unferm @tAä ber S^abel gegen ba6 
abgottif^e $Bo(f unb feine gfi^rer , gegen feine ^riefier unb $topbeten 
eine fel^r wefentlic^e @eite bilbet* (Sine gro^e Partei in 3uba bewarb 
fic^ bamald um ein <Bdini^ unb Siru^bilinbni« mit ^gsfpttn, unb fanbte 
ju biefem ßweä bereit« Soten mit ®ef^enfen ba^in ab* ®4on frül^er 
polemirtrte 3efaia gegen foI(^e ®e(uf}e, befonber« St. 20* 2>ie|i 6tüd 
faat in bie 3^it um 717--716, a(« bie affprifc^e SRac^t ftd^ immer 
weiter audbel^nte unb %i^pten bebrol^te* Damal« bot au^ ein &il^io))i« 
fc^er ^önig, wal^rfd^einüc^ bet eble 3:irl^afa/ ber OberA9V))ten be» 



ämitn 9iifi^n. Sß. ajlO— 650* Sie ringeliim 9to))i^rtem 3ffcii<i* 

l^errfc^te unb ^pdUt gegen Sanl^iib audjog , ben SubAem ein 6<!^it(^« 
bünbnfö an* Sltfefn 3efaja lel^nte böö Anerbieten auf eine feine nnb 
voürbfge SBeife ab. — Die frül^ere 3JoIemif Ift jeboc^ weit rnffi^tt, in* 
bem bie ©efal^r nod^ ferner lag. 9ia^ unferm ©tficf bagegen ftnb bte 
Unterl^anbiungen mitäg9)>ten bereite im t)onen®ange/ tDobei^efaia 
fiar einfel^en mn^te , ba^ ^i^pten feinen erfo(greid)en Seißanb (eißen 
fönne unb nur 3uba in bie bro^enbfien Sertt>{(f(ungen mit ben ^ffi^ern 
fiHtr}en loerbe. 

Unfireitig gehört biefe SSolWrebe in bie 3^* furj t)or bem jweiten 
abfaB ^idfia^ (715), ber fi(j^ auf flg^ptifc^en Seiflanb. fiüftte. 3m 
3al^re 714 erfc^ien alöbann ein aff^rifd^eö ^eer unb belagerte Serufa» 
(em* 3)a^ SlQed fonnte 3efaia naturliij^er Sßeife )>oraudfe^en unb \>^xp 
audfagen. 2)ie «^ofnung einer n>unberbaren Stettung ber €tabt grün» 
bete jt^ aber auf feinen reügiöfen ®Iauben, auf fein entfc^iebened ®ott» 
))ertrauen unb auf baö Ilarfle Sewußtfein barüber, welche SBebeutung 
in ber fitt(i(^en SBeltorbnung bie Grl^altung 3erufalemd l&atte. _ JBgL 
Ä» 28 , 16» ^^nlic^^« l^atte er fc^on frül^er au^gefprodjen. ' JßgL 
Ä. 10, 18. «ußerbem wirb bie fc^riftlic^e 3ieprobuftion biefer münbli* 
geduperten ©ebanlen immerl^in einige 3a$re nad^ bem grofen Sreigniffe 
flatt gefunben l^aben ; benn mitten im !Drang ber friegerifc^en SBorgJnge 
f)atU eine fc^riftlic^e Jlufjeic^nung feine SBebeutung unb feinen SBert. 
2)aburc^ ifi ber ganje Xon biefer Sieben gehobener unb beftimmter ge- 
worben, inbem ber ^ropl^et fd^on ben ©rfotg feiner münblid^en fprebigt 
fiberfel)en fonnte. erjl wie biefe ®^)0(^e abgefc^Iopen war/ feftte er \f)x 
In unferer Schrift ein S)enfmal, ba6 ^ier no(^ mitget^eilt werben muf . 



Aap. 28. 

fD {loI|e Jttcne « 

IDer Srunfenen (Sfratmd, 
Unb bu »elfenbe $(ume 
@emed ))rä(^tigen ^ätmnäti, 
IDer ba tt^at auf bem ^att))te 
IDe« fxniithaxm X^ale, 
[Unb auf bem ^avpU] 
S)ec 9Betnbetaubten I 

&tf), einen ^tatfen unb dMvaltigen 
fat bergen! 



Sie ^agelioettet, 
ffiie Dct^eetenber €tutm, 
SBie eine %lui getoalttger, 
äBerfhrömenber SBa^et, 
@o ftäxiU er fie 
3ttt (Mt mii Sttai^t. 

Sflii Süjen gevtteten 

^atb bie flolje Stxont 

^tx £tun!enen (Sftaime, 

Unb fie tvarb *) toie eine Srul^feige 

Sßet ber (Bnite, 

^ie, toer fie fit% 



1) „^ie loelfenbe IQIume feine« l^r&d^tigen ^d^mudFe^, bie ba tt>ar auf bem ^avu^te 
be« fvud^tbaren %f^aU9,^ eine ofenbare, fel^r maHt ®lo{fe, nadf^A. 



3n>rite $eriobe« Sott b* Sntitb. b« Sthti^ti). £18 junt Qtibe b. Qritt. 



äßa^cenb n f!e no(( Iji&U in feiner ^anb«') 

@o n)irb au09el5f$t »etben 18 

CSuer $itnb mit bem Xobe, 

Unb euer 33erttag mit bei Untettoclt 

SBirbtti^t befielen 5») 

^te äberjiel^enbe 3ä(^tigung/ 

SIBenn fie ballet fäl^tt; 

@o toerbet ihr )>on ibt 

Serfaeten »»be». 

$(n jenem Xage n^irb bec $etr bet $eer« 
fdjaaten • 5 

3tir fdjmücfenben Stxone 
Unb jum ))rä<1^t{grn ittanje 
SÜY ben dleft feine« 9)olfed; 
Unb jum (S)eifl be« Sted^te« bem, 6 

<Det ba {!^t gu ©erid^t, 
Unb lux (Stdrfe benen, 
IDie jurädtreiben ben J^t{e0 }um Xf)oxe l^in. 

JDo(J ou(( biefe ^fer — fle f(Jtt)an!en im 
'^eintaufc^, 7 

Unb f((tDinbe(n im Tlti^. 
$¥ie^er unb $(o)}]^et 
<S((tDinbeIn im SRtt^, 
®inb übenodUigt )>om ^dn, 
©cibtt'inbeln vom 9)?et]^/ 
®(ib^<tnf^n Uim Sßeißagen, 
©anfen beim fÄedJtftjted^en ! ") 

„®en toill er benn aSeiö^eit (eieren? 9 

aßen untertoeifen in ber 8el^re? 

5Den )>on ber a^ilc^ (Sntiod^nten? 

5Den t)on ber SPtutterbruj! (Sntnommeneu? 

IDenn ba gibt ed ®efe^ an <8efe^/ 10 

®efej an ©efefe; 

(§)ef^it}ä( an ^if^xoäi, ®ef(^b)ä^ an ®ts 

f*»aj, 
SSalb ba, balb bort \ * 



3a bnr^ SRmfc^en ftammeliAer6))ta<(e ii 

Unb frember 3unge 

0Birb er reben )U btefem äSoIfe ba, 

dt, ber ^u i^nen f^raci^ : 12 

lDa0 ifl ber ^tu^cMt^ : 

®6nnt [Ktt^e bem Qrmübeten ! 

Unb bad ifi ber Srieben0to>eg*'' 

@ie aber tooKten nic^t l^dren« 

®o toirb benn i^nen ba« ©ort be« ^erm 
fein IS 

«®efe^ an (Slefe|, ®efe^ on ®efe^, 

®ef($tt)&^ an (üefc^iväi^, ®ef(i(^ta)ä^ an ®is 
fc^lt^al 

5BaIb ba, balb bort,* 

^amit fie ba^infa^ren 

Unb rätoart« flürjen 

Unb {!(( ierf((mettern, 

®itib \)erfirtdfen unb gefangen toerben* 

^arum l^drt badSorf bed^erm, if)xTläns 

ner be« @^otted, 14 

3^r $errf(i^er biefe« SßclU^ ba, ba« in 3e« 

rufalem ifl : 
®et( i^r fagt : ta^ir l^^aben einen ^unb ge« 

fdf^logen mit bem Jtobe 13 
Unb mit ber $df(e einen liBertrag bef((ta>o« 

ren:*) 
3)arum f^rid(ft alfo ®ott ber ^err : 16 
^iel^e, id(f l^abe in 3ion einen @tein ge? 

grünbet, 
dtnen beto&^rten @tein, einen fofibaren (Scf« 

fiein von grunbfefler ©rünbung : 
Sßer baran fef)l^&U, ber toirb nici^t ent^ 

totiäftn* 

34 toerbe ba« fRt^t jur Sii^tf^nur 
maä)en 17 

Unb bie ®ere($tigfett ^ur aBage5 



1) 35er« 18 flört an feiner Jejigen ©teUe unb gehört fafl notttenbig in biefen 3u* 
fammenl^ang ; fonj! ifl ber Übergang ^u SB* 5 gan^ abgerifen» 

%) ©emeint ift l^termit ba« Q3Änbni« mit^g^)>ten, ba« gugleid^ ein abgöttiff^e« toar« 

3) ,,3a aiit %\\^e finb »oH unflätigen ©ef^eie«, fo bafi fein $Iat me^r ifi.-' 

4) „5)ie ^crübcrgie^enbe 3üd(ftigung, toenn fie bal^erfal^rt, toirb nit^t an un« fonu 
men, benn n^ir ^aben bie Suge ^u unfrer 3ttf[ut(|t gema<i^t unb hnx^ ^rug finb toir 
gef^irmt,* eine Oloffe nac^ SB* 17 ttnl> 18* 



atodUx «fcfc^n. aS. 850—650. 3)ie eittjctufn ^xopf^titn. 3efaia. 837 



^näf fotttafen toitb ein ^agel bte Sn^nä^i 

bet fiugc 
Unb bie Söagft ttjerben il^ten @(3^irm l^in^ 

t»egf[uten5 
@o oft er bal^erfd^rt, toirb et eud^ fößen, 19 
Unb jtüar 6alb, balb tofrb er bol^erfaftren 
lEBei Sag unb bei 9la(^t; 
Unb bann toirb eö nur @(^rerfen fein, eine 

Offenbarung ^u »emel^men* 

JDenn ju furj toirb fein ba« 8ager , um fid^ 
gu Prerfen, 20 

Unb )u eng bie ^ecfe^ um ft(^ etngu]^unen5 
3a, toie am S3erge ^Jeragint toirb pd^ er; 
§eben ber ^^err, 21 

SBie imill^alegu ®ibeon toirb er aufbraufen, 
Um ju betoirfen fein SBerf, 
@ein befrembenb Sßerf/ 
Unb um }u tl^un feine Zf)at, 
Seine unerl^5rte Xf)aU 

(So f^ottet benn nun nidbt mel^r, 22 

S)amit nid^t unlösbar toerben eure Rauben ! 
3)enn SBertilgung unb «Strafgerici^t 
^ab' idb üernommen öou bem ^crrn, 
2)em ®ott ber .&eerfd^aaren 
Über ba^ gange 8anb. 
SSernel^mt unb §ört meine Stimme ! 
j&ord{>t auf unb l^ört mein SÖort I — 



23 



SOie, )}pgt benn befl&nbig bev Sonbmann/ 
um gtt föen? • 24 

gurt^et unb egget feinen SSoben?. 

9lid^tkoal^r; toenn er geebnet feine Siäci^e/ 25 

So jlreut er 3)in aud unb fäet Kümmel; 

Se^t SBaigen auf ein gäl^renbe^ unb @crfie 
auf ein raul^e^ Sanb, 

Unb S^elt auf einen mittlem S3oben» 

So untextok€ i^n gum Otec^ten, 26 

So lehrte i^n fein ®ott* 



^titif nid^t mit bem Sd^Iitten 
aSirb 2)iü gebrofti^en, 
Unb \>ai Sagenrab nid^t 
Über Kümmel geujälgt, 
Sonbern mitbem Stabe 
Söirb 2)ia ou0geflot>ft; 
Unb Äümmel ' 

aWit bem Steifen* 



27 



28 



3ermalmt man ba« Srobforn? 
^m, ni(S)i immerfort brtfc^t ntan e^ 
Unb treibt ba6 fRa!o feinet SS^agend unb 

feine Sloffe ; 
Wlan germatmt e6 ni($t. 
9Iud^ bief ge^t au^ 29 

S3on bem ^errn ber $eerf(^aaren 5 
(5r geigt tounberbaren fÄot, 
3eigt große S£Bei«^eit» — 

2)ie ©ebanfen unb Silber ber brei legten ©tropfen flnb f(^ein6ar 
unHar unb o^nc rechten Sufanimenl^ang, foUen aber m6) ben Slnbeutun* 
gen beö ^ro^jl^eten too})l folgenben Sinn l^aben: SSerö 22 brol^t ein 
unabttjenbbareö ©trofgeri^t. 3)ie folgenben Silber »on ber »er* 
((^{ebenen 5lu6faot unb ber tjerfdjtebenen 5lrt, boö ©etraibe ju bref(^en, 
foHen im Slßgemeinen »o^l bie Sa3ec^feht)irfung ber menfc^lid^en X^at 
unb beö menfc^Iicf)en ©(^irffalö begeic^nen. 2)ie Srnte fteHt and) fonft 
bie 9?eife jur ©träfe t>or* 2)iefe wirb t^erfc^ieben fein, entfjjrec^enb 
ber Sluöfciat. !Die »etfc^iebene Slrt ju bref(I)en beutet fobann tJer* 

ff 

fc^febene 9lrten ber ©trafen an. 2)ad Uberjiel^en mit bem ©erlitten 
ober ber 3)refc^tt)alje — gdnjlid^e SSernid^tung ; baö stopfen mit bem 
©teden bagegen blo^e 3ö^tigung, feine fiebenöftrafe. 9SgI* SWic^a 4, 
12 f. ©0 foU au6) 3uba unb namentlich 3erufalem nic^t burd) unauf^ 
f)6xli<i)tn 3)rud ju Jlobe gewaljt, fonbern blo^ ä^jüd)tigt toerben, fo wie 
man auc^ ba6 SSrobforn nic^t burc^ beftdnbigeö Dref^en jermalmt* ©0 

®ef(^. b. poit. 9{at{onaUit. b. $ebr. 22 



338 ßmitt Vrviobe. Sßon b. ®runb. b. Stim^tff. M jum Snbr b. @rite« 

leiten bfefe ©über bie folßenben ?ludfpru<^e Aber baö S^irffal 3erufa< 
Iem6 gan^ ^Jaffeub ein. 

Äa^). 29* 

£) Sötoin ©oUed, ^ütoin ®ctte« ! i 

®tabt/ too S^aotb ftd^ gelagert: 

gfiget 3al&r ju 3a§r/ 

Stibem bie Sefle freifen : • , . 

^a tverb* id^d eng ma^en ber Bötoin ®otte6^ 2 

@o bap ed Stauet unb Xru6fal geben n^irb i 

2)0(5 ^awn ttJirb fie mir 

Sßie tin^ (Sottet* » £dtt)tn toerben« 

S)ann teerb' fc^ ringsum bid^ umlagern 3 

Unb mit einem ©oHwerf bt(i& umfc^^ließcn, 

Unb tickte 93 elagerungö werfe toiDer bicfe auf» 

JDann toirft bu tief auö ber ®rbe reben 4 

Unb au« bem ^iaiiht ouffeuften beine SBorte, 

Unb beine @Hmme ttjirb fein 

SBie bie eine« ©ef^enfieö ou« ber (SxU, 

Unb an9 bem ©taube ttjirfi bu beine SBorte lispeln» 

^oä) bann n^irb tverben toie feiner ©taub ba« ®etümme( beiner Seinbe^ 5 

Unb toie \)er{(iegenbe ©preu ba« ©etümmel beineif !l9rannen3 

Unb ba« n^irb gefd(fe^en pB^lifi^/ augenblicfli^ y 

93on bem $crrn ber .geerfc^aaren itjirfi bu erlöfi »erben 6 

SDlit ®efau« ttnb ©ebrau« unb IDonnerfti^aU; 

Mi Mn\> unb SBetter unb frepenber Seuerflamme. 

Unb h)ie ein Xxaum, »ie ein 9la(i^tgef!(Jt toirb fein 7 

^a« ©etümmel ali ber*93dlfer; bie ba fömpfen gegen bie Sdlvin ©otte«. 

Unb aUif bie fte unb t^re 93urg hdcmp^tn 

Unb bie jie bebrangen : — 

(Bß »irb fein, »ie to)enn ber hungrige träumte er epe^ 8 

Unb bann ermac^t^ unb ~ leer i^ fein S^Iagen^ 

Unb toie n)enn ber ^ürftenbe träumt : er trinfe^ 

Unb bann ertoai^t/ unb fie^e ba : ti ledftjt feine ©eele unb fc^mad^tet : 

$(ifo toirb fein ba« Getümmel all ber Sßöihx, 

5)ie ba Umapftn gegen ben 93erg 3ion. — 

Srftarret nur unb ftaunet ! 9 

@eib üerblenbet unb erblinbet! 

Xrunfen finb fie^ bod^ nic^t t)om SBein, 

@ie fd^manfeu/ aber nit^t vom SDtet^ ; 

SSielmel^r l^at ber ^err über eud^ au«gegopett lo 

(Sinen ®eifl ber ©d^Caftrunfenl^ett 

Unb fjat ))erf(l^(ogeu eure 9(ugen^ *) 

Unb f}ai ^aifüUt eure ^äupter^ ') 



1) „^it ^t^^n," eine erH&renbe ®lofe. Z) «,^ie $rop^eten.' 



Qtoüttx 3l6f($n. 93. 850-650. S>it einjelnen ^xoplftttn. Sefaja. 839 

@o iü Unn geworben für eud^ bif gange JDffenBatung li 

ffiic bte aOÖorte bet üerjfegclten ©d^rift 

2)ic mon übergibt bcm ©(^riftfunbfgett, j^rcd^enb : 

Sied bo(i^ biefi ! er aber fagt : 

3«^ fann niä)i, tüeit« üerfiegeft x% 

Ober man gibt bic ©d^rift an 3emanb, !2 

Set(^>er ber (Schrift nici&t funbig ijl, fptt^tnt : 

fite« bo(i6 bieg I @r ober fogt: i^ bin ber ©djtift ni(Jt funbig. 

®o frric^t benn ber $err: bamm, toeil fic^ nal^et biefe« SJoIf ba. 13 

SWit feinem SWunbc nnb mit feinen fii^)i)en mid& vereferenb, 

Slber fein $erj fern I)alt t)on mir, 

@o baß i^re Serel^rung gegen mic^ nur eingelernte SKeufd^enfagung ijl : 

5)arum fie^e tocrb* \^ ferner bel^anbeln biefeö S3plf ba ü 

SSßunberbar unb tounberfam, 

®o bap bte SBeidl^eit feiner Seifen t)erge]^t, 

Unb ber 93erfianb feiner ©erjianbigen jidj »erbirgt* — 

£> bie ba tief j^u verbergen futiftcn i •» 

S3or bem ^errn il^ren ^ai, 

(So baf i^r X^un im ginfiern ift * 

Unb fie bann f^recä^en : toer fielet unö unb erfennt un«? — 
£) eurer SSerfel^rt^eit! 

Ober iji benn ber Xöpfn bem %f)ont gleici^ ju o<^ten, 
. @o bafi bad SBevf ))on feinem SD^eifler fyxöi^ti er l^at mic^ nidbt gemad^t! 
Unb ba6 ©ebitb \3on feinem ^ilbner f))rä(^e ; er verfielet mä)ti'l 

3ft c0 nici^t nur nod^ eine furge fleine 3eit, 17 

SQÖo ber Libanon jici^ »anbelt in ein grud^tgefllb 

Unb ba« grud&tgeffib ber SBitbui« glet<i^gead^tet fein toirb? 

3)a l^ören bann jeneia ilag« bie JJauben bie Söorte Der @(i^rip, i» 

Unb au0 JDnnfel unb Sinfterni« 

SSBerben bie Singen ber Slinben l^ettjorfel^en. 

S)ann toerben überf(i6tt>«nglit^f jt^ freuen bie JDulber über ben ^errn, lu 

Unb bie l^ülflofen ^e\ik toerben über ben ^eiligen S^xatU fco^oätn. 

JDenn gu Snbe gel^t ber S^^rann 20 

Unb eö fd&tt>inbet ber ©pötter 

Unb ausgerottet werben bie Söd^ter be« Unl^eil«; 

5)ie ba t)erbammen ben SWenfc^en wegen eine« Sorte«, 21 

Unb bem, ber auf bem SWarfte rügt, ©df^Ungen lege«, 

Unb ben (geredeten ftürijen burd^ Xrug^ 

JDarum f^jrid&t alfo ber ^err gum $aufe Safob«, 22 

@r, ber ben 2lbrat)am erlöflei 

S)onn wirb 3afob nid^t gu ©d^anben 

Unb nic^t wirb bann fein Stngejidjt erblaflen, 

©onbem, inbem feine Äinber e« fel^n^ ba« aSBetf feinet ^anbe, 23 

©0 werben f!e in il^rer SD>litte meinen 9'lamen l^eiltgen 

22* 



340 3w<ite «Perlobf. »on b* ©runb. b. ÄSnlgtl^; M gum Snbe b. grill- 

Unb toerben l^eilic; galten ben ^eiligen 3a!oBd 

Unb ben Q^ott 3^tael6 h)erben fte furd&ten» 

^ann lernen bie t^on irtenbem ©elfte (Sinfld^i 24 

Unb bie 9Bibevf))enj)tgen nel^men Q3elel^¥nng an. — 

Aap* 30. 

D il^r obttünnigen Äinbet, ^pxiäii bet $err, i 

$ludgufü]^¥en einen Si^at; ber mit fremb^ 

Unb gu ((^Ite§en ein QBünbnt^ cl^ne meinen ®t{% 

S)amit {te @ünbe auf <Sünbe l^äufen ! 

^ie, bie ba t^inabjiel^n naci^ äg^))ten 2 

£)]^ne meinen SRunb gefragt ju l^aben. 

Um ftd^ }U fd^ü^en butd^ ben ®(f)u^ $l^arac'd 

Unb 3uf[u^t lü fud^eti im (Sd^atten ^g^^ten« : 

<So loirb benn eud& toerben ^f}axae'6 ^d^ul^ gut <S(i^anbe 3 

Unb bie 3uf[uci&t i^ ©chatten ätg^pten« gur ®d)maä^ ; 

JDenn »aren in 3oan auä} feine (3uba'«) Surften, 4 

Unb gelangten feine Scten and) bid ^aned : 

Gin Seber toirb ficb fd^dmen 5 

aber ein ^olf, ba^ ii^m nici^t nü^t, 

^a0 nid^t gur ^ülfe unb ntc^t gum 92u^en bient/ 

@onbern nur jur ©c^anbe unb felbft }um ^o^ne* 

JDurc3& $\n 8anb ber @nge unb 5(ngft, 6 

SBol^er Sßtoin unb ^ötoe flammen, 

2)ie Otter unb ber ffiegenbe JDradJe, 

S3ringett pe auf bem Slürfcn ber (Sfel i^re ©fiter 

Unb auf bem «göder ber Kamele i^re ^d^&^e 

^in gu einem ^olfe, bad ni((t6 nu^t« 

JDenn Sg^jjtenö ^ülfe toirb eitel unb nidjtig fein 5 7 

JDarum nenn* ic§ jte : ^bic cegeu;" b* i. tragen.*) . 

9lun ge(; unb fc^reib ed auf eine ^afel t^or i§nen 8 

Unb in ein ^nä) geici^ne ti tin, 

JDamit e^ biene für bie folgenbe 3eit, 

3um 3eugni« *) für immer I 

5)enn ein ttjfberf^jenftig löolf finb f!e, 9 

JCreulofe Äinber, 

Jtinber, bie nic^t l^^ren trotten 

2)ie Seigre be3 ^errn 5 

JDie ba fagen gu ben ©eifern: il^r foKt nidftt feigen I 10 

Unb gu ben Seigagern : i^>r fofit un« ni<i)\e SBal^re« ttjeigagen ! 
SÄebet un6 ©(^meidf^eleien ! toeigaget J^äuf^ungen \ 



1) Dber: SÄüfiige b. i. JÄafiige. ' 

2) SWit ben alten Überjf. ifi lyh gu lefen. 



3n?eitei* «bfi^n. ». 850—650. ©ie eln^etnen «Promilleten. Sefaja. 341 

SBeici^et ab 'oom SBegel beuget a6 \)om $fabe! ii 

£afit rul^en t^ot und ben ^eiligen 3citael0 ! 

Saturn f))r{($t alfo ber «^eilige ^^raeld : 

9Beit i^r verfc^m&l^t btefe« Sott ba^ 

Unb tuä} t)erla^t auf ©en^alt unb Xrug unb eu(3^ bacauf fiü^t : 

S)atum toirb euc^ btefe @ünbe n^erben tote ein ^ttombntc^; 13 

2)et ba fiurjt unb anfc^toiQt gegen eine ^ol^e Tlaun, 

S)eren Bertrümmerung vtd^ti(^; augettbli^ü^ erfolgt; 

ttnb er jerirümmert fte bann, tote man ^txbxiäit u 

®inen irbenen Stxn%, il^n ^erfc^mettemb o^ne ^c^onung; 

Unb nt(^t ftnbet man unter feinen kümmern eine ^<S)exUf 

Um Seuer bamit \)om beerbe ju §o(en 

Unb um ®ager 3U f(i^5))fen au6 bem Brunnen« 

JDenn alfo fptaäi ber J&err, bec ^filige 30rael« : 15 

IDurd^ Umfel^r unb Stu^e fottt i^r gerettet toerben, 
S)ur(( Sdebel^alten unb Vertrauen toetbet t^r fiatt fein; 
$Iber i^r ffaht nici^t getoodt. 

5^x f^jrac^t : »nein, fonbern auf 91 f f e n »oHen tt)ir r a f e n , " 10 

' S)arum »erbet i^r to e g r a f e n ; (fliegen.) 
„Unb auf SÄ e tt n er n tooKen mir reiten I " 
5)e0]^alb »erben rennen eure ©erfolger» 

3e 3!aufenb t>or bem brauen eined OfingigeU; 17 

Sßox bem $)räuen günfer »erbet il^r [aüe] fliel^en, 

fdi^ ein 9tefi t>on eudb baflel^t tote eine Stange auf bem ®t))fel bed ©erged/ 

®ic ein panier auf bem ^ügel. *) 

©eben toirb fud& ber ^err S3rob ber Xrübfal unb SBafer be« (Slenb«, 20» 

$(ber benncd; fel^nt ^äf bec ^err, eud(f ju begnabigeu/ 18 

Unb bennodb ergebt er fid^, f[(^ eurer px erbarmen/ 

SBeil ber ^err ein ©ott bed ffttäitt^ ijl. <&eil atten, bie auf il^n ^anen ! 

3a btt Solf/ bad in Bion^ bad in 3erufalem tool^nt/ 19 

SBeinen foKfl bu ni((t ! 

©etoif begnabigt er bit^^ fobalb bu gu i^m ruffi/ 

®ie er ed \)em{mmt/ toirb er bt^ erküren« 

^lid^t ferner toirb ft(( abtoenben betn Seigrer, (b» it ®ott) 20^ 

fonbern beine ^ugen tverben bejianbig beiuen Seigrer fi^auen ; 

Unb beine JDl^ren toerben l^ören ein SBcrt l^inter bir l^er alfo : 21 

„^it$ ift ber 9Beg ! gel^t barauf 1 " toenn i)^r redj^td ober linfd abtoetd^t. 

S)ann toerbet i^r för unrein l^alten ben äberjug eurer ftlbernen ©Über 22 

Unb bie Uml^üQung eured golbenen ©u^bilbed 5 

IDtt toir^ fle forttoerfen toie Unflat^ 

^inand ! toir^ bu ju il^nen fagen. 

IDa gibt er bann SRegen beiner ®aai, 23 

äBomit bu ben ©oben bef&eft; 



1) iDie er^e Seile t)on ©er« %Q gel^6tt toa^rfd^einlici^ ^iel^er« 



84S Qrodtt $rriobr. Sott b. (Srfittb* b. JtBttigtl^utnd (tö j. @ttbr b. (Srifö. 

Unb bad HBrobfont; ber Qrtrag bed ^obett«, ijl fett itnb feijl^ 
5Deine ^etxU tvirb toeiben jened Xagd eine loeite %lva* 

S)ie 9{mbet unb @fel aber^ U)eld^e ben Soben Bauett/ 24 

aDerben gefaljene« gntter fregen^ 

©00 man u>ürfelt mit ber 3Öonne nnb ©urff^aufeL 

ITnb bann/ auf i^bem l^ol^en Serge • 25 

tlnb auf {ebem erl^abenen ^ägel 

äßetben Säc^e unb SBager^rdme fein, 

5lm 3!age ber großen <S^Ia^t, 

ffiann fallen bie S^l^ürme* 

!Da n^irb ba0 aitonblici^t 26 

®U\^ bem ^id)t ber ®onne fein, 

Unb bo0 i\d)t ber <Sonne 

äBirb fieBenfa(^ f^etnen, 

®(ei(l^ bem Sichte ))on jteben itagen/ 

3ur 3eit, n^o ber ©err »erbinbet. 

2)ie SBunbe feine« SSoIfe«, 

Unb tt)o er ben ©(^abcn feine« Schlage« l^eilt* 

6ie^e/ bie ^errtid^feit be« $enn fommt t)on fern 27 

3u Brennenbem Borne unb bi(fem lDam)>fe; 
©eine Si^)^en ftnb t^oK von ©rimm 
Unb feine 3unge ttJie freßenbe« S^ner. 
. ©ein 3orn]^au(tf gleid^t bem IBac^e 28 

JDer üBerflief t Bi« an ben $al«, 

(Sx \paiUt ii)n, um gu fc^^wingen ganjeSJötfer mit ber ©dfttoinge be« SSerberBen«, 
3nbem ein 3aum ber 3rreUntung auf bem ©arfcn ber 93ölfer liegt. 

©ingen toerbet il^r »ie in ber ^aä^t ber geiieintoeil^ung, 29 

Unb l^ergen^frol^ toerbet i^r fein toie ber, ber unter glitten toaHet, 

Um gn fommen auf ben Serg be« ^tttn, 

3um gelfen Sörael«. 

^ören lagt ber $err bie $rac(t feine« Bonner« 30 

Unb bie «Senfimg feine« Slrme« teirb er geigen 

3n ® l u t )>on t{B u t unb fref enber Seuetflamme/ 

3n (SrbbeBen; SBetter unb $agelftetnen« 

3a öor bem 2)onner be« ^etrn teirb Slffur «rBeBen, 3i 

(Qx, ber mit bem @terfen bid^ fcftlägt,) 

Unb iebe« ^Dal^erfa^ren be« Beßimmten ®te(fen«, 32 

5)en ber ^crr nieberfenft auf iftn, 

3fi Begleitet mit Raufen unb Warfen ; 

Unb in unermublic^en dampfen fdm^jft er mit i^m ; 

^enn langft f(^on tfi geruflet eine Sranbftdtte/ 33 

9lu(( für ben J^dnig ift fie Bereit^ tief unb totii, 

Umfafien !ann jte Seuer unb $oIg in ^tn^e, 

IDer ^auäf be« ^emi; xoit ein ©d^koefelBad^; günbet f!e m* 



Sweitec 9l6f(^n^ f8. 8Ö0-650. S)le einjetnen ^to)p^tUn. 3efaia. 843 

£) bie ba ^inaBgie(;n'na($ ^g^^ten um ^ülfe i 

Unb ^ä) auf ^offe ^^cn ! 

JDie auf einen Sleiterjug »ertraun, ttjei! er flavf, 

Unb auf dteiUx, weil jtc fel^r gal^lreid^, ' 

^ie aber ni^t auff(^auen gum ^eiligen ^^raeld 

Unb an ben ^tttn fld^ nid^t toenben ! 

2)0(16 aud^ er ijl Weife — unb bringt Unl^eil l^erbei, 2 

Unb feine SBcrfe nimmt er ni(i^t ^urö(f. 

Qfr ererbt fid^ tviber bad $au6 ber $ret)(er 

Unb toiber bie -^ülfe ber Übeltl)äter ; 

S)enn bie äg^))ter ftnb SD^enfci^en unb nid^t ®ott 3 

Unb il^re fÄcffe f!nb Steif* unb nid;t ®eiji, 

<So wirb ber $err benn feine $anb au^flrecfeu; 

l£)ag ber ^efd^üfter fiurgt 

Unb ber ^efdbuj^te fdlU, 

Unb f{e bann adjumal gu ©runbe- ge^n. 

5)enn alfo fpra(J ber ^err gu mir : 4 

@o wie brummt ber 86We 

Unb ber junge 8eu über feinem fRauU, 

&x, bem entgegen fommt eine ällenge \)on Vitien, 

9)or beren stimme er nidbt erbebt 

Unb öor beren 8drmen er jid& nici^t butft: 

@o wirb f^etabfa^ren ber $err ber ^eerfd^aaren^ 

Um 3U fämvfen auf bem S3erge Bion unb auf beffen $ugel« 

9Bie beflügelte 93ögeT, fo Wirb umfclbirmen 5 

JDer ^err ber ^eerfd^aaren Serufalem, 

^äfixmtn unb retten, ^^erfd^onen unb befreien* 

£) fe^rt um ju i^m, 

$on bem i^r tief abgewichen feib; il^r ^dl^ne ^draeld I 

^enn jened ^agd Wirb ein 3eber \)erfd6mä^n 7 

(Seine jtibernen ©öfen unb feine golbcnen ®ö^en, 

^ie eudb eure eignen «ganbe gemad^t l^aben gur (Sünbe. 

iSffur wirb faden ni((t burd^ äl'^anne^ ^di^wert 8 

Unb nid^t eine^ Mtn^äftn ® d^wert wirb {§n )>ergel^ren $ 

9lü(bten Wieb er ftd^ \)ox bem ©d^ Werte 

Unb feine Jtrieger Werben frcl^nen müfien. 

©einen Bufludbtdort wirb er erfd^redft übergeben, 9 

Unb \)or bem paniere werben gurüdfbeben feine Surften; 

^px\ä)t ber ^err, ber ein S^uer l^at in Bion 

Unb einen ^eerb in 3erufa(em» 

Aap* 32-33. 

^kff, nad^ bem ffted^t l^enf((t bann ber Stbtd^ 1 

Unb bie Surfen Werben nad^ ©cred^tigfeit regieren; 



344 3tveite $eriobc. Sott b* ®ruttb« b. JT&nidt^umd (iS }. @nbe b. @rt(d. 

@o baf batin ieber tfl koie ein 3tt|Iu((ft0oct t)ot bmt SSJtnbe 2 

Uttb ttjie ein ©(^irm t)or bem SBettet, 

9Bif ffiajcrbädfte in bürrer (BtU, 

Sßie fined mö^tigen gelfend (Schatten im led^jenben Sanbe* 

JDann toerben bec ©cl^enben 9(ugen ni(i()t üerBIcnbct fein, 3 

Unb bie O^ten ber $6renben toetben aufmevfen* ^ 

^a$ ^erg bec Unbefonnenen toirb lernen, (Sinftd^t gu l^aben, 4 

Unb bie Bunge ber ^tammelnben toirb geläufig ^latti reben« 

3)ann fagt man ni(Jt fenier ju bem Sted^tn pöblet! * 5 

Unb }U bem 93erf(^Iagenen fagt man nid^t «y^oc^toürben ! '^ 

JDenn ber Srec^>e rebet grec^e« 6 

Unb fein .gerj erflnnt greöcl, 

(Um Un^eiiiged ju tl^un unb Untoal^r^eit ju teben gegen ben ^ttxn,) 

Um barben gu lagen M hungrigen <SeeIe 

Unb toegjune^men bed ^urfiigen ^rant 

(Unb ber a3er fdjiagene — feine §lnf<ftlageflnbfe%te^t5 7 

CJr Bef(i6Iiegt «Ränfe, 

Um ju oerberben bie ^ulber burd^ SügentDorte 

Unb baburd^, bap er ben «gülflofen ba6 ^täft )>ertreibt. 

iDer Clble ahex bef(${iepi @bUd 8 

3nbem er auf eb(em (g)runbe jiel^t.) 



^1}x fl(5em ©eiber, auf, I^Ört'meinc ©timme! u 

31^r forglofen 3!ö(^ter, »ernel^mt mein ®ort ! 

Über ^a^x unb Tag, ba »erbet i^r gittern, il^r forglofen, lo 

Seil ))erf($n}unben ifl bie ©einlefe 

Unb loeil bie Dbfiernte nid^t einfommt* 

Grfd^redft, i^r ©id&eren, erbebt i^r forglofen I li 

Biel^t eud^ aue unb entbl5flt i\x6) 

Unb umgürtet mä) an ben «Ruften ! 

SWan toirb fc^lagcn auf bie 93rufl, 12 

SÖegen ber QJefllbe ber 8ufl, toegen beö fru^tbarcn 9Beinfiodf« 5 

Stuf ber Slur meinet SßolUi xoix\> ^om unb ^iftel aufgellen, 13 

3a auf allen ^dufern ber Sreube, auf ber frol^locfenben ®ia\>U 

IDenn ber $alajl toirb t)erla{ien, dbe ba< ©etümmel ber @tabt, 14 

$ügel unb Sarttl^urm bienen gu ^öl^len beflänbig, 

@ine Sreube ber 9Balbefel, eine Sßeibe ber beerben, 

$id bag au^gegof en n^irb über un^ ein ®eifi au« ber ^dl^e» 10 

^ann n^anbelt {id^ bie Süße gum Srud^tgeftlb, 

Unb \>a9 Smc^tgefllb toirb ber Silbnid gleid^gead^tet toerben. 

IDann läßt in ber SOüfle {!(( nieber bad ^t^i, 16 

Unb ©erec^tigfeit tDo^nt im Srud^tgefllb ; 

JDann töirb bie grud^t ber ©ered^tigfeit griebcn 17 

Unb ba6 Qfrgeugniö ber (Slered^tigfeit Stulpe unb ®i(^erl^eit fttt immer. 



Stoeitev 3t6fd^n. 93. 850—650. S)ie ettt}e(nen ^xopfftUn. Sefaja. 345 

(Sd kool^nt bann mein iBolf in ber Hu bed Stiebend, is 

3n jldgern SDol^nungen/ in forglofen {Kul^ejlätten. 

2)od6 ^agel toitb fallen beim gdffen be^ SGBalbe« 19 

Unb in Sfliebergef^lagenl^cit h)irb bie @tabt niebcröefi^lagen fein. 

^eil tviä), bie i^r fäet an aHe ©ctoäf et ! 20 

JDie i^r freilagt ben gug be« @tier« unb be« (Sfel« ! 

!Dod^ 0/ bu ^etnjüflet/ ber bu naä) nic^t t^ertoüflet! it.* 33, 1 

Unb bu fftmUXf ben man nod^. nici^t beraubte ! 

9ßenn bu gu (Snbe bifl mit ^ttwü^tn, U>trfl bu ))ectDä{let; 

@o u>ie bu fertig bifl mi Glauben; beraubt man bid^. — 

£) ^err, begnabfge unö ! 2 

SGBir Italien feft an birl 

<Sei ii^r 5lrm an jebcm SWorgen, 

Unb unfere JQülft jur 3eit ber 9lot l 

Sßox bcm fd^attenben JDonner 3 

glicl^en bie «ölfer, 

iDor beiner (Srl^eBung 

Berfhreuen fiä} bie iBeute. 

Unb fortgeralft toirb eure 93eute, 4 

SBie bie ^eufcjrerfe l^intoegrap, 

SBic ^eu^jferbe rennen/ fo rennt man banac^. 

(Ergaben iji ber ^err, benn er tool^nt in ber ^^öl^e, 

Sion erfunt er mit fReä)t unb ©erec^tigfeit. 

Unb fo »irb bie ©id^eri^eit beiner Seiten fein, 6 

eine Sitae ))on $eil, von SBeid^eit unb dinffd^t, 

S)ie ©ottedfurc^t, fte ift bein <S(^a^. 



®iel^, bie ®otte3 s 9ötüen toerben brauflen laut f^^reien, ' ^ - i 

^ie griebendboten n^erben bitterlici^ n)einen; 

93eröbet finb bie ©tragen, e« feiert ber SBanberer bei 9Beg« 5 8 

@r brid^t ben ^unb, t^erad^tet bie ®tabte^ aä)ict feine« SDlenfd^en« 

(S6 trauert unb verloelft ba« Sanb, 9 

Bu @ci^anben toirb ber Libanon, l^intoeUenb, 

@aron ifl ber 9ßufte gleid^ geworben, 

Unb $afan unb ber ^armei ift entblöttert. 

„^oä^ nun n)i(l i^ aufflel^n^ f^rtd^t ber $err, ^ 10 

9lun wiü td^ mic^ aufrid^ten, nun midf erl^eben 1 

Oel^t il^r fd^wanger mit ^ e u , fb gebärt i^r @ ^) r e u , 11 

eure SGDut ifi ein geuer, baö eudji öcrjel^rt; 

@d U) erben SßolUt ^u Stall verbrannt , n 

SEBie abgel^auene ^Dornen, bie man öerfengt im geuer. 

^ört, il^r gernen, toa« \(f) t^un toxU, . 13 

Unb erfennt, il^r ölal^en, meine Tlat^tl" 

drbeben toerben in Bion bie ©ünber, 14 

@ntfe^en toirb bie ©ottlofen erfafen: 



846 ätDdk $eriobe. fBon bec ©ruttb. bed ^önigt^* 6id j. @nbe b. (Sxild. 

^9Ber barfun« toeücn Bei bem frepenben geltet?*) 
9Der haxfnni toeilen bei ben etoigen 99tanbfi&tten? '^ 
SBet bo toanbelt in ©ercc^tigfeit unb SBa^^t ft>n(3&t/ ^^ 

SBet t)erf(l^mä]^t ©cteinn burc^) Unterbrücfung, 
® cffen ^anb iic^i toelgert, ©ejlec^ung ju nehmen, 
aßet: feine Diäten ^tt^opft, feinen a)iorb^)lfln gu Igoren, 
^ Unb feine 9(ugen ux^dflkit, um nid^td ^Ofeö angufel^n* 

(Sin fold^er toirb ^Ol^en betool^nin/ iff 

gelfenbutgen flnb feine gejlen 5 

©ein ©rob tt>irb gereicht, fein SBaper gel^t nidjt oii«. — 

IDen ^önig in feiner ©^ünl^eit toerben fc^auen beine 9(ng,en; 17 

©ie iverben feigen ein n)eitf fid; :: erjlre(fenbed £anb $ 

IDetn ^erj ttjirb benfen an ben ©d^reden : 18 

,,aBü ifl, ber ba jdl^Ue, tt)o ijl, ber bo toog ? 

9Bo ijl, ber ba }a^Ue bie Sprme? '' 

S)a6 batbarifd^e fßolt n^irfi bu nici^t mel^r fel^n, 10 

5Da0 193o(! \)on unergrünbli($er Ci^^e^ bad man ni(i^t i»cr{lel^t, 

ä3on flammelnber 3nnge unb un^erfiänblici^« 

©(^auen follfl bu 3ion aU bie @tabt unferer ge^e, - 20 

^Deine klugen fel^n 3erufalem aU eine fidlere ^u, 

SWö ein Seit, ba« nit^t forttoanbert, 

Neffen $flü(fe man niemals aud^iel^t 

Unb beffen ©eite ati nie abgerigen werben : 

IBielmel^r tl^ront bofelbji majefiätifdj ber J&err für «n^, 21 

2)en Ort ber ginge, ber ©trome mit breiten Seiten — 

^i(i)t gel^t barauf ein Sluberfcibiff 

Utib fein mac^jtig ga^r^eug üBcrfdj[reitet il^n» 

5)enn ber $err, unfer Sft i d^ t e r , 22 

5)er $crr, unfer @ c^ l i d^ t er, 

2) er ^err, unfer Äönig, 

Qx ifl unfer geinb et) ernid^ter.*) 

@(^laff teerben l^angen beine %a\ii, (0 9(jfi;ii^n ! ) 23 

©ie galten i^rcn SWajibaum ni^t, 

©ie ft>änncn nid^t bie gtogge auf: 

JDo toirb bann 93eute unb 9'iaub get^eUt in SD^cnge, 

©elbft Äal^me nel^men an ber ^piünbcrung Xf}ei\\ 

2)a fagt fein @inn) offner w* iä) bin franf ! 

5Dem SBoIf, ba« barin vooljnt, 

3P feine ©c^ulb »ergeben. 

©0 auöfü^rlic^ unb erfc!^o:()fenb bie pro)>]^etif^en JReben an bie 
eigene Station fmb, fo furj, rStfell^aft unb im SEon etgenttici^er Drafel 

1) b* u bei bem ^miiäfen ©eric^t* «gL St. 30, 31. 31, 9. 

2) SBörtiid^ : „er toirb un« retten/' JDer l^ebr, %ett ijl gereimt* 



Stoeiter «fefd^n. »♦ 850—650» ®ie clnjeltten ^ro^t^cten. 3efaia* 847 

gel^alten jinb bei Sefaja mel^rfod^ bf c SJudftJtfid^e fiber ttid^t « idraclitffc^e 
mUx, i. ©. über bfe SCff^rer Ä- 14, 24—27; über bfe ^mn 
Ä. 24, 28 — 32; über gt)om £ 21, 11 — 12; über ben arabif(^en 
Stamm Äebar, Äop. 21, 13—17; über bie gru(^t ber «ff^rer Ä» 17, 
12—14. 3)iefe Sluöf^rü(^e finb ieboc^ weniger für bie fremben IBolfer, 
aW üielme^r füt bie 36raeliten beflimmt» 8(m bebeutenbflen ifl unftreitig 
M* 19, eine längere 9tebe über ^gijpten, baö üon einem aKgemeinen 
Sürgerfriege^eimgefud^t tt)ar» Sefaja enttr>icfelt — t)on feinem tl^eofra« 
tifc^en ©tanbpunfte auö — feine Sfnftc^t über ben eigentlid^en Orunb 
unb Serlauf biefer äg^ptifcften 9?et>ohUion* 2)er ®ott S^rael^ l^at ein 
Strafgericht über ^Q\)pkn öer^dngt/ um eö jur @rfenntni6 ber SRic^tig« 
feit feiner (Sötter unb feiner SBeifen ju bringen. 2)en SSettauf biefer 
Umtt)d(jung jießt ftd) Sefaja fo »or : ?lu6 ber allgemeinen, burd^ auger* 
orbentlic^e SBaturübel noc^ gejieigerten Sluflöfung ber jiaatlic^en Drb* 
nung ttjirb ein S^^rann l^ertjorge^en unb an bie ©pi^e fommen* 3u 
jener ^eii wirb eine jübifd^e Kolonie, bie fic^ offenbar fc^on bamal6 in 
%^j)ten befanb, ben 3lnlaß jur Slettung unb Sefe^rung ber ^g^pter 
geben* 2)iefe ®emeinbe tDirb einen religiofen üWittelpunft bort l^abcn, 
eine Äultuöftdtte, unb tvirb ben 3al^e um ^ülfe anrufen. 2)iefer fenbet 
bann einen jweiten 3Jlofe, ber fte erlöfcn wirb. iDarauf werben auc^ bie 
Sig^pter ben 3al()»c üerel^ren unb fic^ befel^ren, unb berfelbe ®ott, ber jte 
gejüc^tigt, wirb fie bann fegnen unb beg lüden. Sig^pten fc^li^^pt einen 
85ruberbunb-mit 3uba , bem ani^ Slff^rien beitreten wirb. S)ieß finb bie 
weiteren Hoffnungen, ju benen ein 5?ropl^et fic^^ »erftiegen f)aU — 

2)er gefd^id^tlic^e «^intergrunb unfereö <Sixide^ erHärt fic^ am ein* 
faci^ften au6 ber ^tit t)or ben Dobefard^en unb üor ^Jfammetic^ , unb 
jwar au6 ber ßät, wo ber ^riefter ©et^oö bie üKac^t ber fioljen Ärieger* 
fafte JU brechen fuc^te, »on 715—671. hiermit begann eine allgemeine 
Sluflöfung beö dg^^jtifc^en Sebend, bie nadb langen ©rfd^ütterungen burc^ 
baö 8luffommen t?on 12 Königen, um 670—650 einigermapen gejügelt * 
würbe. ?lud biefen 3)obefar(^en gieng enblid) na^ abermaligen Ädmpfen 
ber Äönig ^fammetic^ al^ Slüeinberrfc^er über ganj Slg^^jten ]^ert>or, um 
650, (So ifi bieg ber natürliche ffierlauf ber meijlen 9iet)olutionen, wie 
i^n Sefajia fc^on mit fic^erm politifd^en Slide erfannte. — Unfer ©tücf 
bejiel^t fid^ auf ben 8lnfang biefer Umwaljung unb ift etwa um'ö 3a^r 
700 tjerfagt, offenbar baö leftte 3)enhnal i>on Sefaja'ö ©eifie. SBenn 
wir il^n etwa in feinem 20. Sa^rc auftreten lagen, fo war er bamalö 
wenigflend SO^al^re alt. Hierauf erfl&ren ffc^ aQe Sigenl^eiten bed 
Stücfö, bie etwaö breite 2)ar|iellung fo wie ber 3Rangel an geuer unb. 



848 3^eitc $eriobe* aSon b. ©tunb. b« Mni^tf). m jum @nbe b. QxiU. 

Äraft. So i|l eben ein ?ßrofcuft be^ 5llter6. 3)ane6en aber jetflen ein* 
jelne SDSenbungen unb (Sebanfen auf ben eckten ^efaja ganj entfd)teben 
l^in* 3)ie ßmi^d, »elt^e man tl^eilö gegen bie Sc^t^eit beö ganjen 
©tfitfö, tl^eilö gegen bie bed 2. Jl^eilö ober beö ©c^Iu^eö erhoben l^at, 
berul^en auf mangelhafter Sxegefe nnb auf offenbaren SWiö^erftSnbniffcn, 
tt>ie {^ in meiner SrHdtung bed Sefaja audfü^rlid^er ju geigen gefuc^t 
. l^abe* — S33ir fc^eiben l^iermit t)on bem bebeutenbjien aller jpropl^eten 
unb tvenben un^ ju feinem jiüngeren 3^itgenof en . 

Die 5Rebe 3Wic^a'^ befd^fiftlgt ftc^ »efentlic^ mit 3uba unb 3erufa:= 
lern ; be^ nörblid^en 9?eic^eö tt)irb nur im Slnfange gebac^t* Sin gott» 
lic^cö ®eri(l|t nfimlid^ tt)irb junäd^fi über ©amarien, bann au(^ über 
3uba l^ereinbrec^en unb aßeö Unl^eilige t>ernici^ten, tro^bem, bap baö 
leic^tftnnige, fünbige 93o(f lieber bie ©(^mei(^etoorte ber faifcften jJJrö^ 
^l^eten l^ört* 3)en 8lnlaß ju biefen 2)ro]^ungen gaben jundd^fi nic^t ^o^ 
litif^e SKi^griffe, fonbern bie jlttUd)en ®ebre(^en be^ 93o(WIcbcnö: 
gränjenlofe ^abfüc^t, Unterbrücfung ber 5lrmen, Seftec^Ii^feit ber 3li(^« 
, ter unb Slbgotterei (5, 11 f. 6, 16). Die ÜBa^nungen ber reblic^cn, 
tt)a^ren ?Pro»)l&eten t?era(^tet man; allein, „SBenn ein 3Äann, ber ba 
tt)anbelt in SQäinb unb SRdnfen, löge: ic^ will bir weißagen »on 
SaSein unb ©etrdnfen! fo ttjöre ber ber 5Prop]^et biefeö SBolfe^/ 
Ä. 2, 11. aWic^a fennt folc^e ?eute, bie baö 930» irreleiten, bie ^eil 
unb (^rieben t?erf ünbigen , wenn man il^ren 3^1^"^^^ tivoa^ ju beißen 
gibt; gegen ben aber, ber i^nen nic^tö in ben 3Runb ftreic^t, ben Ärieg 
anfagen mib mit ^eiligen JRebenöarten brol^en. 3, 5* 3n ber SRot wirb 
baö 3rrlicl)t biefer ^ropl^eten erlöf(^en* aWic^a aber fagt über fxi) unb 
feinäBirfen Ä. 3, 8ff.: 

//3«ft bagegen Bin öoü Äraft mit bem ©cijic beö ^exxn, 

aSoU Urt^cil unb t)oa SWannl^aftiöfeit, 

Um 3a!o6 feine @ti^ulb )u \)ecfünben 

Unb 30tael feine SWiffetl^at. 

.&öret benn biep^ if)x ^du^tcr bc« ^aufea 3afob, 

Unb ii)t diiä)iex be« ^aufe^ S^xatl, 

JDie ba »erabftä^euen ba« dttd^i 

Unb alle« ®erabe frumm mad&cn, 

3ion bauenb mit ^lui unb 3entfalem mit Unred^t 1 

3^tc ^du^jter rici^ten für ©efled&ung, 

Sl^re ^rieflet It^tm um einen ^auÄ>re{« 

Unb i^tt ^xop^titn toal^rfagen um be« $ c o f i t e « tviUen, 



3tDeitev m\d^ti. Si. 850—650« S)ie einjclnen ^xo^f^üm. SR^a. 849 

Unb ^ü^en ^tfy bo(^ auf ben ^errtt; inbem f!e fagen: 

^3il m4t ber ^ett in unfcret 2»itte ? 

ilein Unglüdf fann übet Und fommen«''' 

JDarum toirb curetttjegen 3iott alö gelb gejjflügt 

Unb Sietufalem fu jCrümmern 

Unb ber 3!cm))elbevg ^u 96albl^5l^en toerbem 

!t)iefe 3)rot)ung, bap 3crufo(em wie ©amarien gänjlic^ ierftort tt)er^ 
ben tDürbe, ftnbet ftc^ in bicfer jircngen gorm juerfi ^ier* Wija aljnt 
ferner bfe gortfül^rnng be6 SBoIfö inö @xil; ermal^nt bann jur SÄeue unb 
Umfel^r, betel^rt ba6 93oIf , tvorin bie ttja^re Snpe befleiße unb n)ie eö 
ber göttlichen ®nabe ^meber t()eil^afti9 n)erben fonne unb entwirft eine 
blü^enbe ©c^ilberung ber ftttlic^ t^oHenbeten meffianifc^en ^tit unb ber 
j)erfonlid)en SBirffamfeit bed äWefpaö. 

S33ie bei ben meiften größeren 9?eben eine6 5ßrop]^eten l^aben tt)ir 
ani) f)kx bad Slbbilb unb ben geiftigen SRieberfcftlag einer ganjen ^e* 
riob^, in tt)elc^er ÜKic^a t^dtig gen>efen» !Die @c!^rift biibet ein plan« 
mdpigeö ®anje5 unb jerfdtlt in 3 größere ?lbf(^nitte, tuobei ber aKge:» 
meine ©ebanfengang f olgenber ifi : 

1) Aap» 1—3. 5)arflenung ber ©fmben unb Slnbrol^ung eineö 
t>crnic^tenben Strafgeri^tö , baö »on ©amarien auö, »onDrtjuDrt 
fortfc^reitenb, bid anbie 3;i^ore3erufaIem^reid)entt>irb. Der übrige 3n* 
f)aU biefeö UZijdl'^ ip f(^on t)or^er genauer befproc^en. — 2) X. 4— 5. 
3m fc^roffen ©egenfaft jum erfien ill^elle folgt fobann bie ©c^dberung 
ber meffianifdjen 3^it/ tt)o baö SRe^t unb bie ^Religion allgemein l^err« 
fc^en unb baö ganje 98olf in ®IM. unb ^rieben wieber bereinigt leben 
wirb» 2)iefe J^errlidf^e Sn'uwft *>^^ SSolfe^ wirb jeboc^ auf ganj anbere 
S33eife berwirfli^t werben, alö wie bie falfc^en 5Propl^eten ^rfünben ; fte 
fann nur nac^ borangegangener 3fi<^^J9ii"9 wnb Läuterung eintreten. 
IDiefer Slbfc^nitt beginnt mit benfelben SQBorten eine^ filtern ^Pro^jJ^eten, 
bie anii 3efaia Ä. 2, 2—4 citirt unb feiner 5ßrebigt ald Zni ju ®runbe 
legt* aSon einer allgemeinen «^eibenbefe^rung ift auc^ l^ier nic^t im mU 
ferntefien bie Siebe. SSgl. ®. 210. Sebürfte biefe Sluffafung no^ eine« 
93eweife6, fo fonnte man Ä. 4, 5 anfül^ren, mit welchem 3Serfe SWic^a 
ben Übergang 3u feiner eigenen $rebigt mac^t. 6r fagt ^ier namlic^/ 
wie alle SBolfer il^ren $Rationa(g6ttern an^iengen, fo foüte bo^ anc^ 
S^rael im Sinne beö (Sinen wanbeln, ben eö al« feinen ®ott an« 
erfennt. „3a, alte SSoIfer wanbeln ein jebeö im 5Ramen fie i n e 6 ® otteö ; 
fo laßt benn au^ un6 wanbeln im 9iamen bed «^errn unfer« ®otted auf 
immer unb ewig ! " aSgL 5Pf. 147, 19 f. — SBenn bie ®eburt«wel^en 



850 QtoMt ^eriebe. SSon b. @runb. b« «SSnigt^umd iü i* @nbe b. @x{(9« 

ber neuen ^dt überfianben finb, beginnt bie .^errf(^aft eine^ ed^t tl^eo* 
fratifc^en Äöntgö, ber Sltteö t)oaenbet, 5, 3: 

„3)er toirb bann auftreten unb l^errfd^eti mit ber ^aä)t be8 ^crrn, , 

SDi^it ber $o§eit beö 9lamen^ fehted ©otted^ bed ^tttn, mib fo toevben fte fidler too^nen; 

IDenn bann toirb (Sr (®ott) ]^cä6ge))riefen fein bid gu ben dnben bed Sanbed«^ 

3m ^eiligen Sanbe, wo jejt bie ®otteöt)ere]^rung noc^ f^wanft, 
wirb bann 3al^\)e alö ber aßeiu wa^re anerfannt unb ge^)riefen tberbeu 
unb baburc^ baö 8anb gegen feinbtic^e Sinfätte, j* 35. ber Slffi)rer, fi^er 
[ein. 9Äann)irb fte tajjfer abwehren. 8fn eineS3efel^rung berSlff^rer, 
ber größten l^eibnifc^en SKac^t, benft Wli6)a natürlich nic^t. Die „innere 
SDtiffion" liegt bem 5Pro^)^eten mel^r am «^erjen, al6 baö p^antaftifc^e, 
l^attlofe 93ilb einer allgemeinen »^eibenbefet^rung, weld^eö bie Siuöteger 
i^m unbefugter Sffieife unterfc^ieben unb banac^ meiere ©teilen falfd^ er« 
flfiren, j. 33. Ä. 5, 14. gSor^er beipt eö: aller (Softenbienfi unb aUe 
blo^ duf erlid^en ©c^u^mittel follen in 3örael ausgerottet werben ; bamit 
iji jugleid^ baö ©eric^t über bie abtrünnigen SRenfc^en l)erbunben, IJllnb 
bann werb' ii) 9lac^e üben im 3orn unb im ®rimm an ben 8euten, bie 
niii^t gel^ord^ten." Gojich ftnb l)ier nid^t «Reiben, wie man gewo^nlid^ 
meint, fonbern 3ötaeliten, bie ja au^ allein burd^ il^re 5Prop]^eten Df« 
fenbarungen t)on 3öÖt>e erl^ielten. — *§ieran fc^lie^t fic^ ber le^te 8lb* 
fc^nitt, Map. 6—7. Sr iii t)orjugöweife bibaWfc^ unb belehrt baS SSolf 
über ben innern 3ufammenl^ang ber großen ©egenfä^e/ bie in ben belben 
erfien Slbfc^nitten jur Sprache gekommen waren, baf nflmlid^.baS le^te 
^eil nic^t o^ne eine ftrenge ßüc^tigung eintreten fonne. 3)er 5Propl^et 
fingirt l^ier einen SRec^töflreit ©otteö mit feinem SSolfe, ba6 jic^ »ert^ei» 
bigen barf. @ö bietet erfd&recft, weil eö ftä) fc^ulbig weif, reic^li(^e 
Dpfer an, fogar feine (Srjigeborenen. 8lllein ber ^ropl^et l^ält i^m ent* 
gegen, 6, 8 : 

„^x (®oit) i)at bir »erhtnbet; o SO^enfd^^ )a>ai gut fei, 
Unb \Dde »erlangt ber $err »on bir, 
911« Sted^ttl^un unb grömmigfeit ju liefen 
Unb bemütig gu toanbeln mit beinern ®ottI " 

®egen biefe retigiofen unb (ittlic^en ©runbforberungen t)ergieng ftc^ aber 
3örael, bal^er folgt bann eine allgemeine ©trafrebe über bie 9Serberbt« 
l^eit ber üKenfc^en. 

S3erfci6lt)unben \]i ber gromme au0 bem ?anbe 

Unb einen 9lebU(tien unter ben SWenfcifien gibt« nid^t [mel^r,] 

Snbcm jte alle auf SWorb louern 

Unb (Silier bejt $(nbem mit bem 9le^e fangen* 



3t0fiter mfc^n. 9$. 850—650. 3)te rttiirlnett ^xopf^tten. mi^a. 851 

%xavLtt nid^t bem Sreunbe 

Unb ))erla$t euii^ nid^t auf ben SSedrauten 1 

Sßox \f)x, bie ba fci&läft an beinern JBufen, 

^ütc bie ^Pforten beine« SWunbeö ! 

3a bet @ 1^ n \)^ti6)i ^of)n bem öate r, 

IDie Xoä^itx U^nt ftd^ auf gegen if)Xi TlvAtet, 

SDie ©ci&toiegertod^tcr gegen i^re ©t^tüiegermutter, 

5)ie Seute fcincö eignen Jjaufeö fi«b be0 SWanne* geinbe» 

3um ©c^hip Wirt) baö SSoIf rebetit) eingeführt/ tt)ie eö tjott 9leue feine 
©d^ult) befennt unb bie SJotwenbigfeit ber Strafe einfielt» 2)arüuf bie 
göttliche aSerI)eff ung ber SBieberJ^erfteHung 3erufalemö unb ber Slüdfel^r 
beö SBolfe^ au6 ber SJerbannung* ÜKic^a felbfi befc^lie^t bie 5Prebigt 
mit einem tjertrauenöt^oHen ©ebete. 

3n ben ©ebanfen unb einjefnen SBorfienungen I/at SRic^a wenig 
Sigentpmlid^eö unb DrigineUeö, t>le(me^r erfc^eint er burdjgSngtQ t)on 
Sefaja abl^flngig unb i|i iebenfaü^ burd^ if)n;am meiften angeregt wor^ 
ben; nur bie 5)arfienung jeigt nic^t bie urfprungli4)e Äraft unb bie 
meifier^afte SSoHenbung wie bei jenem, ©ie näliert ftc^ mel^r ber Schreib«* 
art be6 «&ofea unb l^at manche «^5rten, fd)nelle unb f(^roffe Übergänge, 
ifi fonfi aber frifc^ unb lebettbig, unb namentlich ifi Die bialogifc^e gorm 
mit ©lud angewanbt. SSgK St. 6, 1—8. 7, 7—20. Gr liebt SaSort^ 
f))iele, % 11. 3, 11. 4, 14. 7, 4, 6; ^at fte aber Ä. 1, 10—15 in 
etwa« fiörenber SBeife gel^duft. 3n ben 9?amen t>erfcf>iebener Sanbftäbte 
finbet er nid^t^ al6 traurige 5(nf{änge unb l^ebt biefe barauö l^ert>or, wo* 
bei aber bie ©ebanfen me^r jufdKig unb oft rec^t gejwungen an b(of e 
9iamendndnge gelangt erfc^einen. SßfDl man biefe populären Spiele 
nac^bitben, fo muf man mit einiger grei^eit tjerfal&ren, ol^ne iebod^ fo 
weit ju gelten wie (Swalb unb JRürfert , bie ben SBortfpielen ju lieb neue 
©täbtenamen bilben unb baburd^ bie l^ebräifc^e, lofale gärbung gang 
»erwifc^en. ©o überfe^en fte j. 33. l, 10, „3n SBeinl^eim, ober SBein* 
tl)al weinet nid)t ! " fiatt in „Slffo*; ober: in ®taubl()eim wä(j' ic^ 
mic^ im ©taub" u. bergU (Sine Heine ^robe bat)on möge ^ier nod) 
ftel^en mit SRad^bifbung ber Slnflänge: 

3n ®at gebenft ed nid^t! 

3n ^ f f ruft ntc^t a (^ unb ! 

3tt ©et'leofta bringt ein Zxamxs Dp ftx'i 

3ie]^ 'ocxühiXf bu ^ct)olferung t>cn ^c^amir, entblößt an ber ® d(;am! 

^iä}t ^iel^n l^.eran bie ©ewo^ner »un Baananj 

5Denn biefIOel^f(age\)on Sets^aegel bietet eud^ il^ren ® e ß e I j 

2)ie Setocl^ner von SOlarot l^aben Sflaxitt tvegen bed Q^lMe, 

9Beit ffflox^ l^erabfam )>om ^txxn }um S^ote 3emfalemd. 



S52 ätoütt ^ei'iobe. 3$on b» ©rfinb. bei Stini^i^. m j. @nbe bei (Sxifö. 

IDu JBe^^öIferung ))on 8 a ci^ i f d^ , I e g f d^ n eU beti Sagen and StofI] 

^etlKnfang bec (Sünbe toar^ bu für bie S^oc^ter 3ion, 

3a in bir iDurben 3«rael« <Sünben gefunben* 

S)arum totrflbu mütrifd^ entladen 9Rcräf(( et Bei ®ai*y 

SDie J^äufct: »on 5lf f ib herben ba« ©ril bringen ben Königen 3^roeI« ; 

910^6 tDetb'i(i^benitriegd::S)^arfd^aI bir gufäli^ten, bu^e))Mfentng)}onS)^aref4a$ 

^id ^bnUam toicb bntben ber ^belSdtaeld« 

Slbgcfel^n t)ün Wcfcn SBortfpielcn ift baö ®anje flar unb gebiegen, tief 
em))funben unb t)om bcjien ©eifie bct Sleligion unb ber ©ittlic^feit 
burc^brungen. 

Über bie ipcrfonlic^cn aSer^altnfffe 3Kic^a'ö gibt nur bie (übrigen^ 
nic^t t)on i^m l^errü^renbe) Überfc^rift feine« Suc^ö eine Heine Slnbeu* 
tung» !Danac^ war er gebürtig au6 ber Sanbjiabt SWorefd^et, offenbar 
ibentif^ mit bem Ä. 1, 14 erwähnten 5W(>refc^et bei ®aU Sa3al^rfcl)ein« 
lic^ fül^rte er ben 3unamen ^ber t)on aWorefd^et" jur Unterfc^eibung t)on 
einem älteren Wtiija, ber ifrü^er unter 8ll)ab im norblic^en SReid^e lebte, 
1 Äon. 22, 8—27. 8luf feine ©c^rift f)at\a6 Mnblicfte geben weit 
weniger Sinflup gei&abt, alö j. 93» bei 5(mo«; im Slllgemelnen aber 
fc^reibt er populärer urtb leidster, afö fein SBorbilb 3efaja, 3)ap ÜMi(^a 
bie „Sanbfc^aft" befonberö i)or Slugen l^abe, folgt auö ber ©(^ilbernng 
Ä* 1, 10 — 15 feineöwege, wie ßwalb meint* \§aben wir boc^ bei 3e* 
faja Ä. 10, 28—32 ba6 beutlic^e ©egenfiücf baju, bie geograp^ifd) 
treue SBefc^reibung eine« (ajf^jrifd^en) ßn^^^ ^on 9?orbpaIaftina noc& 
bem ©üben, nac^ Serufalem. 

Der 3«t nad^ gel^ort ba^ Suc^ aWidia'ö in ben Anfang ber SRe« 
gierung t^iöfiaö unb ifi wal)rfc^einlic^ furj t)or ber 3«tfi6rung ©ama* 
riend, um 722, ijerfaft worben. SBir i^aben bafür^ auc^ noc^ ba« 
gewid^tige äußere S^ugniö beö Seremia, Ä. 26, 18 f., wo eö au^* 
brüdflic^ ^ei^t, bop SRic^a unter »§iöfio bie 3^J^ftorung Serufalemö »er* 
lünbet jiabe. SBgl. SWic^a 3, 12. 



7. IDie §83ic{f aguttden ä3tleattt$. 

» 

SBie bie bidl)er befproc^enen prop^etifc^en Schriften Srgebniffe be« 
8eben6 ftnb unb unmittelbar praftifc^e Sebeutung l^aben, fo finben wir 
baneben aud^ frü^ fdjou einjelne ©tüdfe, in benen baö propl^etifd^e (Sie* 
ment blop ber Äunftform ber iDic^tung angel^ort unb fic^ auf ben erjien 
Slidf alö eine p^etifc^e 6infleibung ju erfennen gibt. 2)a^in gel^ort 
namentlicf) baö Oralel Sileomö, 4 3Wof. 22—24, welche« im 



3totittx m^^n. 93.850—650. S)ie @^ru(!ge Si(eam'0. 858 

8. Sal^rl^unbert t)erfapt tooiben ifi unb l^ier no(^ für) befpro^en vver^ 
ben mu0. 

Der fagen^ofte K^arafter bcr ganjen Srjd^tung bebarf fcmeö SBe- 
tt)eifcö. !Der SWoabitcrfonig 93alaf Wpt au^ ÜRefo^)otamien ben ©öjen* 
propl^eten 93ilcam rufen, um bie einbringenben 3öracliten, t)oi: beneu 
man fic^ fürchtete/ ju t)crpuc^en ; allein fiatt bed glud^ö mup Sileam auf 
bie (Singebung 3al^t)eö, bem er unbebingt flc^ unterwirft, einen breima* 
ligen ©egen über 3örael auöfpred^en, unb »ei^agt jule^t fogar bieVin« 
füge Unterwerfung 9Roab« wie et)omö unter 36raeL 3)er Siebter ifl 
ganj- unbefümmert, wie ein ©ojenpropl^et im 9?amen 3a^t)ed wal^rl&afte 
Orafel ertl^eiten fönne. Sd blirft l^ier eine fel&r öuperlicl)e, tiolförnapige 
anfielet über baö ^ropl)etcntf)um l^inburcft. Swfll^ic^ ftnbet jid^ in ber 
jeftigen 2)arjieflung ber SBiberfpruc^, baß ®ott, obwol^l Sileam ben 
flöttli^en Offenbarungen fireng folgt unb nur auf auöbrüctlic^en 3wfpJ^wcfc 
3a^\)eö JU 93afaf ftcft begibt, benno(^ il^m jürnt unl> bur^ feinen Sngel 
i^m SBiDerfianb leifiet, ald er p* wirflic^ auf ben SBeg mac^t, 4 aRof. 
22, 22 ff. Unfireitig iji bie ganje Srja^lung mit ber Sfelin S3. 22-35 
ein fpdterer, unechter 3ufa&, nac^ beffen Slu^fc^eibung bad ganje &tM 
in jeber ^inftc^t gewinnt. Die Darfiettung ift epifd^ [(^6n unb wirHic^ 
funjit)ott georbnet, jeigt aber , wie bie fpfitere Äunfibi^tung überl^aupt, 
j. »• im 93u(^ ^iob, fd)on bie gigen^eit, bap bie gef^ic^tli^e 
©runbtage in ^Jrofa tjorgetragen wirb unb nur ber rein I^rifc^e 3n^alt 
4uc^ in einer rein bic^terifc^en $orm auftritt. !Der ®ang bed ®tädd ifi 
furj biefer. 

!Die erfle @in(abung bed moabitifd^en StoniQ^ Ul)nt S3i(eam auf 
®Qtted ®e^eip ab. Dann fommt eine größere ®efanbtfc^aft mit noij 
größeren ©efc^enfen; allein S3ileam erflfirt 22, 18: ^enn S3alaf mir 
gSbe fein ^auö t)oll Silber unb ®olb, fo fonnte id^ ben S3efel^t beö 
^errn, meineö ®otteö, nid^t übertreten." 3«^^ SRadjtjeit erfc^eint ®ott 
wieber bem ^ropl^eten unb fpric^t : ^SBenn bid^ ju rufen bie aWdnner ge=^ 
fommen ftnb, fo mac^ bic^ auf, gel^ mit i^nen! !Doc^ nur bad, wad lä) 
bir fagen werbe, foflflbu tl^un.'' 21. ^.Unb fo mad^te ftd^ Sileam auf 
om SRorgen unb gürtete feine ßfelin unb gieng mit ben gürflen 5Woabö.'' 
hieran fc^ließt ftc^ unmittelbar SB. 36: ,Unb ald IBalaf ^orte, baß ^U 
leam fam, }og er i^m entgegen u. f. w.'' Sluf ben «^öl^en bed SBaal, wo 
man 3draet fel;en fonnte, mußte ber «ftönig fieben Slltdre errichten unb 
fteben Stiere unb epm fo t)iele SBibber bereit galten ; bann opferten fie 
auf iebem Altäre einen Stier unb einen äBibber, worauf 93ileam t)on 
®ott folgenben Spruch empfteng, ben er bem Könige t^ortrug : 



354 Qrüdte $friobe. SSon b. ®i}unb. b* Stim^if). M ptm @nbe b« @xi(d* 



I. 

9lu0 SCram führte 

^a(af tnt($ der, 

Sluö bcn ©etg^n be^ £)jien6 

JDcr itönig t)on SWoab : . 

.ttomm ^ler unb tjerjlu(^e 

3afoB mir ! 

Stomm ^er unb t^ertoünfci^e 

3drael ! 

sffife foUf iti& ücrtvünfc^cn, 
fDen ®ott nic^t öertoünfc^t? 



8 



JDcnn »om Oi^fel bcr gelfm 
@rfd^au {(^ e0/ 
Unb »Ott ben ^dl^en 
öiblW 1(6 ce ; 

Set gal^Ue tool^l 
Safobd ®t<tub, 
Unb bte Bal^I bed SSterteU 
aSon 3öracl? 
sterbe meine ©eetc 
3)en Xob bf« ©ercd&fe«, 
Unb fei mein @nbe 
SDieba^i^re!'' 



10 



35etroffcn über btefeu Sluöfpruc^ fül^rt ber ÄJnfg ben ^topf)ettn auf ben 
®ii)fel beö ^i^ga, »on wo man baö flanje 5BoIf überfeinen fonnte, 
baute bafelbfi fteben SHtäre , o^)ferte auf jebem einen ©tier unb einen 
aOSibber, unb blieb bann mit ben gürften SWoabö neben bem SBranbopfer 
jiel)en/ wä^renb Sileam ftd^ wegbegab, um nad) einem gottlid^en DraW 
auöjufc^auen, unb mit fofflenbem Sluöfpruc^e jurürf fam : 



(BU^ awf, Salaf 
Unb l^öre gu ! 
J^otc^c awf mi^, 
jbtt @ol^n Si^^or« l 
©Ott ijl fein SWen^, 
®o bafi er lüge, 
Äein Tlenj^(iftn\of)tt, 
3)aß er Berewc» 

I 

<S))ri(6t er ettoa 

Unbtl^utednid^t? 

JÄebet er 

Unb führte« nid&tauö? 

©iel^e, ju fegnen 

$aB td^ empfangen ; 



18 



19 



20 



@r fegnete, 

S^ la\\vC9 nid^t toenben» 

9lic(t0 3dfeö erfc^aut 

9(n 3a!ob er, 

Unb fle^t fein Unreti^t 

SCn 3«raeU 

2)er §err, fein ®oti, 

5)er ifl bei il^m, 

Unb mit il^m bed Stöni%9 

3ubelruf« 

• 

Sind ^g^pten 
Surrte i^n ®ott, 
IDie @(5nefrigfeit 
2)ed ^uffeld l^afer» 



21 



22 



1) „<Stei^ ba, ein Solf, 
i>a9 einfam topl^ni, 
Unb unter bie 935tfet 
6i(^ m(^t rechnet. 

aJiit bicfen SBBorten pele ber $)ic6tcr au« ber ongenommenen Situation unb toürbe ein 

n>eit fpatere« 3«tael fd^ilbern , n?enn bie S^erfe nid^t beutlid^ , aud^ bed ®tro))]^enba«6 

toegen^ ffc^ aU eine ungel^orige ®(offe funb gaben» 



ßwtittx %^äin. m. 850—650. 3)ie <Bptuä)t fBiUauCi. S5S 



mä)i daubetei 
^ilft gegen 3afob, 
.5nod& £)rafcl 
aBiber äetatU *) 

€ie^e, ba« SJoIf, 

SBie bie Sdimn fte^t e« auf, 



23 



24 



ttnb gTe{(i^ bem SdhDen 

@r§ebt es ftd^. 

9liäit legt e^ jtd^, bid ed 

5)en 9laub tierge^rt, 

Unb hie ei bad ^lut 

IDer ^rfci^Iagenen getrunfen« 



iDer Ä6mg ful)rt ben Selber auf einen bdtten ®erg, auf ben ^eor, 
baut l^ier ebenfalls fteben Slltäre unb opfert mfe »orl^er, inbem er l^offt, 
bo§ eö ©Ott l){eneic^t gefallen werbe, t)on Ijierauö 36rael ju »erpuc^en. 
!Do(^ weil Sileam fte^t, baf ®ott 36rael nur fegnen will, fo gel^t er 
nid^t wie bie früheren 9Jfafe nac^ einem Drafel auö, fonbern blirft in bie 
SBüfle, ftel)t 3^rael nac^ feinen Stämmen gelagert unb erl^ebt begeifiert 
f olgenben ©pruc^ : 



III. 

@o {pxiä)t IBileam, ^. 24, 3 

JDet @o§n 5Beor«, 
<Bo ipxi^t ber SWann 
mt toa\}x\)a\iiQm mid \ 
®o fpric^t, ber ba ^ört 4 

S)te aBorte ®oite^, 
Unb ber ba fielet - 
" 5De« S(amd(i&tgen ® efld^tc : *) 

* ^aBie fd^ön, o 3a!ob, 5 

@inb beinc Seite I 
Unb beine aßol^nungen, 
£) Sörael I 

iEBie X^äler, bie {t^$ be^nen, 
aBte ©arten am €trom/ 
aBie gottge^jjlanjte 5lloen, 
Sßie Bebem am Sager ! 

de ürdmet aBa$er 
. aCu« feinem @imer, 
©ein (Same ifi 
Sin gemaltigen aBa$em. 

(Srjurnt befiel^lt ber Äonig nun bem 
geben. @r aber weipagt jule^t no(^ 
3eiten feinem SBolfe ant^un werbe : 



6 



^6^er totrb fein 
(Sein ^önig aU Slgag, 
Unb ergeben toirb |td^ 
©ein itdnigt^um» 

gurrte i^tt ©Ott, 
SDie (Sd^neUigfcit 
IDe« 93üffel0 §at er. 
(5r frif t bie ©öl!er, 
IDic l^m feinb, 
9lagt ah il^re ®ebeine 
Unb germalmt i^re $feile* 

(Sx jlredft jid& nnb legt fld^ 9 

®(ei($ bem ^ötoen 

Unb gleid^ ber 85n)tn : 

SBer mag il^n aufregen? 

aBcr bit(^ fegnet, 

JDer ift gefegnet, 

Unb von bic^ toerP^uci^t, 

^er iff )>erf(uä6t. 

Selber , jtc^ in feine i^eimat ju be« 
bem Salaf, wad 3^cael infp&teren 



1) 5e^t wirb e« 3a!ob 
Slngefafit 
Unb ^ixatl, 
SBal ©Ott totrb t^un. 



2) M^infinfenb unb enthüllten Singe«*" 



23, 



856 Streite $er{oDe. SSon b. ®runb. b. «SSnigt^. Bis sutn (Snbe b. Srite. 



IV. 

®c f^rid^i f&iUam, 15 

@o fpri^t be( SRann 

mit toa^r^aftigem $lid/ 

@o fpti^t^ bet ba ^ört 16 

IDte Söovie ®otte«^ 

3)et ba fennt bed ^dc^flen J^unbf, 

IDet ba fte^t bed $(((mä(i^igen ® e^c^te : ') 

,3* We if^n; 17 

3eboc^ ni4t jeftt; 
3c6 f*auc if)ji, 



9n« 3afoB tritt 
@m@tern f^n^et, 
Und 3«tael ^el^t 
Gin ®c€pUt auf: 

3)ad totrb gerf((inrtteni 
a^oabd ©eiten^ 
$ei^@(^eitel') aller @6^ue 

®o baß Qbom 
<5tn (SxU toirb^ 
<5in drbe 6etr 
©einen Seinben^ ■) 



18 



3ebo(i^ nic^t na^ : 

9Wit jener ^Innjeifung auf ben®tern inSörael, b» i. auf J)at)ib unb 
auf ble Untemerfung bet 9Roa6<ter burc^ i^n if) bad ganje @tüd \)on« 
{ommen befriebigenb abgefc^Ioßen. !Dte noc^ fo(genben furjen $ludf))ni(^e 
überbie amalefitet, Äeniter unb Slff^rer fiören ble f(f)6ne @ln» 
l^ett bed ®an)en unb» rubren t^ieQeic^t t)on berfe(6en<^anb ^er, bie ^.22, 
22— 35/baö Stüd über ble (Sfell^r »lleamd, elngefd^altet f)aU «ud) ble 
f^mmetrlfd^e SInorbnung ber @tro))^en ifi }u beachten. 2)le t)ter ^(bfc^uitte 
ftnb fo t)ert^el(t/ bap ber erfie unb (e^te aud je bret^ ble belben mittlem 
bagegen aud {e fünf glel^mfiplgen ®troj)]^en befielen» 3Aer 3wfaft 
tt)ftrbe jiören* — 2)lefe angel^dngteuDrafel, ble gar feine Sejlel^ung 
jum ®an)en l^aben^ lauten: 



1« 9(malef. 
^ad etile bec Sßblltt 
3fl$(malef; 
^o(^ fein (Snbe eilt 
'3um Untergang» — 

2. S>{e J^enitet/ 
(®0rtn>iel mit q^n, 9le{IO 

3jl beine So^nnng 
Sluc^too^lfefl^ 
Unb gegtünbet 



«ttf gelfen bein 91 e jl : 
3ttr SoY^tff^afttng nut 
3fi J^ain ba, 

aOie lang — fo Tu^tt bid^ 
Slffur gefangen ! *) 

3» 91 f für» 

S)od^ @(^{ffe t>on ben J^ittäem l^er 

Sengen bann ^tffnr/ 

Unb ed beugt i(n'')(Sber, 

Unb att(^ er eilt jnm Untergang» — 



ipiefe fur)en ^udfprü^e/ ble ber Sonn na(^ an eigentlich l^elbnlfc^e Ora« 
fei erinnern^ jinb offenbar ben gangbaren t)oIf^tl^ümIl(l^en 9Bal^rfagungen 

1) «ginflnfenb unb entl^ftllten 9(nged* 
%) StadJ 3erem» 48, 45 ift ip-ip jn lefen* 

3) ,,Unb Sarael t^ut a^äc^tige«.'' 

4) „O toer mag leben, toenn ®ott bief tll^ut?'' 

5) 3tt lefen ifl i&» fontra^irt and ün&y toie ^^ 23, 17* 



Sweiter Slbfc^n- «. 850—650. mMiliä. 357 

nad^geWIbet* Slu(^ 3efaja liefert in ben Sprühen über frembe SBolfer 
einige beachtenswerte groben ber Sfrt^ bie ben we(tnci)en t>olfSm&pigen 
9iätfe(n unb Stnngebid^ten ftc^ onfc^iie^en nnb beSl^alb au(^ mel^r ber 
rein poetifcib^"/ oW ber proipl^etifcben ©attunjj anQef)6xm. 2)er3^it nacft 
faüen bie obigen Drafel in bie ojf^rifc^e 5ßeriobe, in bie le^te ^älfte beö 
8^ 3al^r^unbert6 , unb jtnb mit ben mwanbten ?luöfpru(^en 3efaia'6- 
etwa glei^jeitig üerfaft worben- JBgLSefaia 14, 24-27. 14,28-32. 
21, 11—12 \u a. — 

98erfen wir je^t noc^ einen furjen 9iu(fblid auf biefe glan)enbf)e 
fßeriobe beö l^ebrfiifc^en *4Jropbetent^umö , fo treten folgenbc 5ßunfte olö 
befonber« (barafterifiifd^ bert>or: Sw^äd^fi finben wir l^ier baö Harfie 
®elb|ibewuf tfein über bie ftttlid^en 3»ängel wie über bie )u lofenbe Sluf* 
gäbe unb Seftimmung 3öraefö, ben tiefften 3)rang na^ nationaler @ini* 
gung unb @elbf}dnbigfeit, bal^er aud^ bie ^^bneigung gegen S3ünbniffe mit 
ben Slff^rern unb äg^ptern, woburd^ er|i baö n6x\>ll^t, bann aud^ ba« 
fäb(ici)e Steid^ in eine brütfenbe 9(b^ingigfeit geriet» Sei aUen äußeren 
S33unben aber , bie bem Staate gefc^Iagen wurbeif, bei allen fittlicf)en 
©ebrec^en, welche bie ?ßrop]^eten fc^onungöloS unb mit unerl^ orter SRebe« 
freil^eit aufberfen, bei allen ©efabren, bie befonberö »on Slff^rien l^er fo 
tjernic^tenb bro^en, l^errfd^t bennod^ in allen Sieben ein wunberbarer ge* 
benSntut, ein ungebrochener ®laube an bie @r^altung unb einfüge @rlö« 
fung 3ötaeld. 

Denfelben Sl^arafter nationaler unb geifiiger ©efunb^eit tragen 
auc^ noc^ bie S3üd^er Samuels, bereu 8lbfagung ebm biefem 3eit* 
räume jonge^ort. Sie jtnb im IHllgemeinen ein SWufter t^on treuer, on* 
fc^aulic^er ®efd)idbtsfd^reibung unb ftnb unftreitig baS Seße, wa^ bie 
Ibebrdifd^e Literatur in biefem Steige aufjuweifen l^at. SBir fe^en l^ier 
mel^r, als in einem anbern SBu^e rein mcnfc^lid^e Slotltje, obne eigent* 
lid^e SBunber unb entfieflenbe , ibealifirenbe Sagen* 2)aS SBunberbare 
befielet ^ier mel^r in f^mbolifd^en Slnfpielungen unb in ber t^eofratifc^en 
^onftruftion ber ©efc^ic^te^ in bem prop^etifc^en Pragmatismus, burd) 
beffen SluSfc^eibung fic^ ein jireng l)ifiorifd)er Äern unb bie wal^r^aft 
menfd^lid^en S^riebfebern ber i^anblungen l^erauSftnben lapen« !Die mei* 
jien 6rjfi]()lungen f^opfte ber ffierfaf er offenbar auS ber münblic^en Über« 
lieferung beS SSolfeS ; ba^er auc^ bie 9lnmut unb e^t »olfSt^mlid^e 
Einfalt ber ganjen !I)arf)ellung* SSielen @ridl^lungen liegen au^ ganj 
beutlic^ Sieber ju ®runbe , bereu Stoff jtd^ nur fo , in 5ßrofa aufgelöft, 
erl^olten ^at. »gl* S* 155. »efonberS d^arafteripifdb ip bie freie, rein 
nationale Sluffafung ber erjlen jlönige. 31m bei Saul unb Salomo l^at 



858 Breite Verlobe- SJon b. ©rfinb. b. Jt&ntotl^. m jum @nbc b. (ixiü. 

ein fpäterer Öbcrarbeiter: bcbeutenb eingegriffen, toa^ jeboc^ l^ier ui(^t 
weiter nac^gemiefen werben fann, — ^urd^ biefen aUgemeinen 6^araf« 
ter ber aff9cif(^en 5ßeriobe gewinnen wir nun flu<!^ einige 8lnl^aUöi>unfte, 
um bie religiofe ?9rH biefeö 3ritroum^ unterj